KK sieht fern: KulTOUR mit Holender – die komische Oper in Berlin

KulTOUR mit Holender – die komische Oper in Berlin

KulTOUR mit Holender (Kulturmagazin von und mit Ioan Holender)

REZENSION der Sendung vom 28. Juni 2014

Servus TV

Ioan Holender besucht in dieser Folge die Komische Oper in Berlin. Er spricht mit Künstlern und Angestellten sowie dem Chefregisseur des Hauses, Barrie Kosky, Max Raabe und den Geschwistern Pfister.

Das Szenenbild am Anfang zeigt das Brandenburger Tor, inmitten Bautätigkeiten in der „hippen“ Stadt. Leute entspannen im Park rund um die Oper. Der Bahnhof Friedrichstrasse wird gezeigt, ein küssendes Pärchen kommt ins Bild. Das Stadt-Bild wird so vorab gezeichnet. Auf den Stufen vor der Oper sitzen ganz casual – essende Menschen. Und schon kommt der Protagonist ins Bild, gehüllt in einen schwarzen Mantel, und stellt das Brandenburger Tor vor. Am Ende der Lindenallee befindet sich die komische Oper. Mit der Tradition des Metropol-Theaters wird dieses laut Holender „wunderschöne“ Haus vorgestellt.

Neben Mozarts „Zauberflöte“ und Dostals Operette „Clivia“ werden auch Kinderkonzerte in der komischen Oper Berlin gespielt. Immer wieder launige Szenenbilder huschen über den Bildschirm. „Die Stadt entsteht neu“, so Holender. Was die Oper betrifft: Walter Felsenstein eröffnete sie 1947 wieder. Man spielt aber hier „nicht nur komische Werke, aber auch tragische“. Holender muss schmunzeln. Auch Operette als Nachfolge des Metropol-Theaters, aus dem die Komische Oper Berlin früher bestanden hat, wird gegeben.

Holender trifft seinen ersten Interviewpartner Barrie Kosky, den jetzigen Intendanten der komischen Oper, dem er sogleich attestiert, er „sehe gar nicht aus wie ein Intendant oder Vorsteher, aber er ist es!“. Kosky ist auch Oberspielleiter. Kosky korrigiert Holender: „Ich bin Chefregisseur!“ Chefregisseur, na, wieviele Stücke inszeniert er pro Saison? „Minimum zwei“, antwortet Kosky knapp.  Man sieht Ausschnitte aus „Ball im Savoy“, in der Inszenierung von Kosky an der komischen Oper. Holender interpretiert die komische Oper als ein „spätes Jugendstilhaus“. Kosky ergänzt: „Mit einem Berlin-Twist“. Es ist eine sehr intime Oper, mit nur 1200 Plätzen.

Walter Felsenstein revolutionierte die Oper in dem Sinn, dass man nicht nur stand und sang. Die nächste gezeigte Inszenierung ist „Ritter Blaubart“ von Offenbach in der Regie von Felsenstein.  Man spricht wieder über Koskys Inszenierungen, jüngst „West Side Story“ und die „Zauberflöte“. 3 1/2 Jahre Konzeptionszeit und 8 Wochen Probenzeit waren es für Mozarts Werk.

Eine charmante Interviewpartnerin trifft Holender als nächstes: Es ist die rumänische Sopranistin Adela Zaharia, sie ist im 2. Jahr des Opernstudios der Komischen Oper. Sie studierte in Klausenburg (Cluj). Holender möchte wissen, wie man von Cluj an die Komische Oper Berlin kommt. „Direkt und komisch“, so die Antwort der schlagfertigen Sängerin. Als erste „echte, große Partie“ sang sie die Pamina. Die Zauberflöte, die logischerweise als nächstes eingeblendet wird: Die Königin der Nacht singt als Skelett. Gewöhnungsbedürftig, würde man meinen. Sie wirft virtuelle Messer auf ihre Tochter Pamina.

Nächste Szene: Holender und Kosky sitzen wieder einmal zusammen im Zuschauerraum. Die Inszenierungen, so der Chefregisseur, bräuchten Kosky-Touch. Holender nickt. Sie schauen ein Stück der Zauberflöte an. Papageno und Papagena könnten durchaus als Laufstegmodels durchgehen, so durchtrainiert sind sie. Eine Anforderung an heutige Opernsänger? Nicht immer, aber immer öfter. Am Ende sind sie singend eingeengt von der virtuellen „Kinderschar“, erzeugt von der englischen Theatergruppe „1927“, die mit der Komischen Oper Berlin in dieser Inszenierung kooperiert.

Wieder auf dem Gang erklärt Kosky Holender die Geschichte des Vorraumes, dieser war in der Zeit des Metropol-Theaters ein Restaurant. Das erstaunt Holender. Man konnte hier essen und rauchen und drei bis vier Stunden die großen Stücke hier sehen. Auch erotische Abenteuer sind hier passiert, wie Kosky erzählt. Interessiert hört Holender zu, wie Kosky beteuert, „nicht in der Felsenstein-Zeit und nicht bei mir!“. Es gab nur Tische. „Was außerhalb der Vorstellung Erotisches passiert“, so Kosky, läge „nicht in seiner Verantwortlichkeit“. Holender lacht.

Man konnte also während der Vorstellung essen und trinken. Holender klärt auf: „Wir reden von der Zeit des Richard Tauber, der Fritzi Massary, der Mitzi Günther“.  Die Operettenkomponisten Lehár, Kálmán und Abraham waren schon hier.

1933 verschwand die deutsch-österreichisch-ungarisch-jüdische Tradition von Operetten aus Berlin. Das Haus hatte in diesem Bereich eine lange Tradition.

Koskys erster Erfolg in der Oper war „L´incoronazione di Poppea“ von Monteverdi. Sie wurde für den aus Melbourne, Australien stammenden Regisseur auch in Wien zum Erfolg. Er inszenierte in Wien auch „Lohengrin“. Holender warnt vor einem Lohengrin, der allen gefällt und der bei allen Anklang findet.

Man gelangt zu einem Ausschnitt von Dostals „Clivia“, nirgends ist die Tradition von Vergangenem und Gegenwärtigem so verwoben wie hier an der Komischen Oper Berlin.

Die nächsten Interviewpartner des interessierten, akkuraten Ioan Holender sind die „Geschwister Pfister“. Wie sie erklären, ein beliebter Schweizer Name. Vier Waisenkinder aus Zermatt, die es nach Las Vegas verschlagen hat. Sie treten auf, ein Mann als Frau singt die Clivia, und bis er singt „Ein süßer Duft erfüllt die Luft“, vermutet man nicht, dass es sich um einen Mann handelt.

Max Raabe ist Holenders nächster Interviewpartner. Er hat nur eine kurze Sequenz, bis wieder die Geschwister Pfister quasi ersuchen, im „Ball im Savoy“ auftreten zu dürfen. Holender leitet das voller Güte per TV an Barrie Kosky weiter.

Zum Schluss attestiert der kundige Berlin-Besucher Ioan Holender dem Herrn Kosky, eine neue Berliner Theatertradition gemacht zu haben.

-MK-

 

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