KK sieht fern: KulTOUR mit Holender – das Slowakische Nationaltheater – Bratislava, Oper jenseits der Donau

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In dieser Folge besucht Ex-Staatsoperndirektor und Moderator Ioan Holender die Stadt Bratislava, die eine wahrlich bewegte und abenteuerliche Geschichte vorzuweisen hat. Einst war es die Hauptstadt des ungarischen Königreiches, heute ist es die Hauptstadt eines unabhängigen Landes.

Es interessiert ihn besonders das Opernhaus. Drei Sparten deckt es ab: Oper, Schauspiel und Ballett. Die „neue“ thront hier neben der „alten“ Oper. Warum aber braucht Bratislava zwei Opernhäuser? Darüber ist sich Holender nicht im Klaren und befragt fachmännisch den Musikdirektor der Oper Bratislava, Friedrich Haider. Dieser offenbart ihm das Geheimnis: Verdi und Mozart werden im Alten Haus aufgeführt. Große Stücke im Neuen Haus, es ist das Alte nicht gemacht für Wagner und Strauss. Ein Stadttheater ist eben für große Werke nicht gebaut. Das Orchester spielt in beiden Häusern. Es gibt auch eine Philharmonie. In Bratislava pulsiert überdies das Musikleben: Die Stadt kann sich rühmen 3 Berufsorchester zu beherbergen, es existiert eine große Sängerszene. Wie kann eine Stadt nur so viele Sänger und Sängerinnen rekrutieren?, fragt sich Holender weiter. Brüder, Geschwister, Väter, Mütter, Töchter: Die Stimmen haben sie alle im Blut.

Holender lauscht den „Gioielli della Madonna“, einer Oper von Ermanno Wolff Ferrari. „Um Gottes Willen ist das schön, was hat das für ein hohes kompositorisches Niveau,wieso kennt man das nicht?“

Natalia Ushakova  und Daniel Captovich singen dieses Werk und versuchen, aus Bratislava ein „Bayreuth Wolff-Ferraris“ zu machen. Die Übersetzungen oberhalb, sind auf Slowakisch und Deutsch lesbar. Das liegt daran, dass auch das Wiener Publikum reges Interesse an Bratislava zeigt. Im Eingangsbereich sind die Sparten getrennt: Oper sowie Ballett rechts, und links das Schauspieltheater. Roman Polak leitet dieses. Die eigene künstlerische Freiheit ist ihm wichtig, man spielt etwa die „Almbraut“.  Oder „Moral 2000″, welches aktuelle Themen wie künstliche Lebensverlängerung, oder das Einfrieren von Eizellen beinhaltet. Holender wünscht sich daraufhin mehr aktuelle Thematiken auch in Wiener Häusern.

Unter der Habsburger Monarchie, 1920 sangen hier Berühmtheiten wie Marian Chudovsky, Lucia Popp, Anton Dermota. Mit der Straßenbahn reisten sie zu Vorstellungen an. Bratislava wurde als „Wiens drittes Opernhaus“ bezeichnet.

Holender macht sich auf zum jüdischen Gemeindemuseum. Pressburg wurde in der Habsburger Zeit als ungarisches Jerusalem angesehen. Bis heute ist Bratislava ein Zentrum des jüdischen Lebens.

Ioan Holender beendet diese Ausgabe mit einem hübschen Zitat von H.C. Andersen:  Die Slowaken wollten ein Märchen von ihm hören, darauf antwortete er: „Ihr wollt´s ein Märchen von mir? Die schönste Stadt habt ihr hier!“

Ioan Holender. Foto: ServusTV, 22.10.10
Ioan Holender. Foto: ServusTV