KulTOUR mit Holender auf Servus TV – Plácido Domingo an der Scala in Mailand

Ioan Holender Foto: Clemens Fabry

KulTOUR mit Holender am 25. Februar 2016 – Placido Domingo an der Mailänder Scala in der Oper „I due Foscari“ von Verdi.

Eben noch stand Placido Domingo auf der Bühne der Mailänder Scala als Francesco Foscari in der Oper “I due Foscari”, die live auf ServusTV übertragen wurde. Gesungen hat er einfach unsagbar gut, aber gestorben ist sein Charakter nicht ganz so überzeugend. Mehr ließ er sich auf das Baldachin-Bett sinken. Frenetischer Jubel für Domingo, aber auch viele Buh-Rufe für andere SängerInnen. Michele Mariotti als Dirigent wurde auch nicht eben freundlich verabschiedet.

Es folgte nun im Anschluss eine Folge von KulTOUR mit Holender. Er besucht den Welten-Sänger Plácido Domingo bei seiner Vorbereitung zu „I due Foscari“.

Verdi, Callas und Domingo an der Scala. Davon schwärmt Ioan Holender in der heutigen Folge. Er besucht aber heute „nur“ Domingo, die anderen beiden können nicht besucht werden.

Wie denkt Maestro Domingo über dieses Werk?  Die einzige Oper, für die er noch zu jung ist, sie zu singen. Sagt Domingo. Francesco Hayez malte die due Foscari, die heute bekannter sind als die gleichnamige Oper. Wichtige geschichtliche Persönlichkeit. 4 Kinder verliert Foscari. Die Szenen seien schwer umzusetzen, meint Domingo.

Holender sucht das Gespräch mit Alexander Peireira: „I due Foscari“ ist wesentlich mehr ein Teil der Verdi Tradition, sehr anspruchsvoll für alle Sänger. Ein Stück, das genau im richtigen Moment kommt. Man hat eben so circa 20 Stücke als Intendant im Kopf und wartet bis „eines aus dem Kopf herauskommt“. Man darf Stücke nur dann spielen, wenn man die Besetzung parat hat, meint dazu Alexander Peireira, Intendant der Mailänder Scala.

Francesco Meli als Tenor steht Domingo seit Jahren zur Seite. Holender lobt ihn als den besten Verdi-Tenor unserer Zeit.

„Mein Stil ist, dass ich keinen Stil habe.“ Große Worte, Holender schaut skeptisch, aber der moderne, in einer Bikerjacke gekleidete Regisseur Alvis Hermanis erklärt ihm, dass jedes Tor einen anderen Schlüssel brauche.

Als Hermanis zum ersten Mal (in Salzburg) auf Domingo traf, lernte er ihn als eine offene, frische, verwundbare Person kennen, mit einem „heart in x-large“, wie er sagt.

1969 debütierte Domingo mit „Ernani“ an der Mailänder Scala. 21 Rollen sang er bisher hier. Heute, 2016, singt er also den alten Francesco Foscari hier.

Ein Ende ist nicht in Sicht, aber wir brauchen nicht mehr lange, bis wir dort ankommen. Sagt Domingo. Er spiele gedanklich bereits mit der nächsten Rolle für ihn.

Otello unter Carlos Kleiber lässt Domingo zur Höchstform auflaufen.Holender bekommt aus Emotion fast feuchte Augen. Wirklich mitreißend, die Interpretation.

Es folgt eine Einspielung von Cavalleria Rusticana 1981, ein Film von Zeffirelli mit Domingo.

Plácido Domingo wurde von Holender zu Alexander Peireira empfohlen.

Domingo singt, und auf einmal: Pagliacci ist so emotional, er singt es fast wahnsinnig. Man will das Ohr nicht mehr abwenden. Mit weißem Gesicht zieht er den Hörer in seinen Bann. Alle Tenöre einer Generation schaffen nicht zusammen, was Domingo schafft, so eine Meinung.

Eine weitere Einspielung, „Fedora“ 1993 mit der großen Mirella Freni. Das wirkt sehr romantisch.

Domingo denkt daran, als nächstes den Amfortas, den Gralskönig aus Parsifal, zu singen.

Domingo wird von Holender gefragt, warum es so ein spezielles Gefühl ist, an der Scala empfangen zu werden. Die Fans reden hier von allem, über Gestik und Mimik, über Phrasierung. Auch die Kritiker sagen ihm Dinge, die von unglaublicher Schönheit sind.

Holender ist merklich tief bewegt und bedankt sich herzlich bei Plácido Domingo.