Sommertheater (2): Phobischer Baumeister in Reichenau/Rax

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Ein „nordischer“ Dichter hat im heurigen Jahr auch Einzug im Sommerfrischeort „der Wiener“ gehalten: Henrik Ibsen beehrt quasi Reichenau an der Rax. Sein nicht so häufig gespieltes Stück BAUMEISTER SOLNESS begeistert das Publikum. Ein Regiedebüt gibt es auch zu verzeichnen. „Die Gefahr der Jugend für den Etablierten“ – lässt Reichenau dies zusammenfassen.

Der Reichenauer Publikumsliebling und Regiedebütant Joseph Lorenz gibt diesem Baumeister nicht nur Profil. Er inszeniert auch die um den schwer phobischen Baumeister herumschwadronierenden Damen wie seine Frau Aline (Julia von Sell), die Buchhalterin Kaja (Elisa Seydel) mit tiefgehenden Charakterstudien.

Die größte Angst des Solness ist diese, alt zu werden und nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen. Die Angst vor der Jugend mischt sich darunter, als Alma Hasun als verführerische wie sehr kompetente Hilde Wangel auftaucht. Mit Kostümen von Erika Navas (stattete auch Volkstheater und Theater in der Josefstadt aus) wird die Kluft zwischen Alt und Jung noch deutlicher. Steht der Baumeister vor seinem Rücktritt? Diese Frage kann er sich wohl nur selbst beantworten. Die starke und junge Frauenfigur hat der Baumeister schon früher kennengelernt, als Zehnjährige versprach er ihr sogar, „ein Schloss zu bauen für sie“.  Der Bau hat für ihn tragische Folgen…

Das Stück hat einen realen Hintergrund: Henrik Ibsen verliebte sich mit 60 Jahren bei einem Sommeraufenthalt in Tirol im Jahre 1889 unsterblich in die 18-jährige Emilie Bardach. Mit dem Stück setzt er dieser unmöglichen Liebe ein Denkmal.

In der Inszenierung von Lorenz und im Bühnenbild von Festspielgründer Peter Loidolt gerät dieses Stück zum Kassenerfolg. Sehenswert!