Sommerstück (9): Domplatz in neuem „Gewand“. Farbenlehre und der Zugang zum Sterben – der neue JEDERMANN in Salzburg

 

Vielleicht das meist-erwartete Stück dieses Sommers in Salzburg: Der neue JEDERMANN. Alles neu, alles innovativ. Nicht jeder und jede konnte von diesem erstmaligen Konzept allerdings überzeugt werden. Hofmannsthal 2017 sieht naturgemäß etwas anders aus als jene Interpretation des Gründungsjahres. Sicher liegt das nicht nur an der neuen Düsterkeit. Bühne anders, Darsteller anders, alles anders?

Der Film- und Fernsehstar und Theaterdarsteller Tobias Moretti (wer in Österreich hat noch nichts von ihm gehört…Die Kommissar-Rex-Zeiten sind aber definitiv vorbei) ist der antizipierte, mit Spannung erwartete neue Jedermann im Jahr eins nach Obonya. Dieser Mann weiß definitiv, worauf er sich eingelassen hat. Ein wenig Unsicherheit und Nervosität, wenn auch gut versteckt, gehört zu jeder neuen Rolle. Aber bei Moretti macht man sich keine Sorgen. Man ahnt, dass er diesem Jedermann gewachsen ist, ihn mit Bild- und Stimmgewalt ausfüllen wird. Mal mit zusammengebissenen Zähnen, erwartungsvoll, niedergeschlagen. Alles, was man vom Jedermann erwartet, kurzum. Sich wehrend und ereifernd, genussvoll und leidend.

Ganz in Schwarz steckt Moretti in der Inszenierung von Michael Sturminger. Man kann das Schwarz, wie auch Farben in dieser Interpretation überhaupt eine starke Bedeutung haben, folgendermaßen interpretieren: Es regt nichts auf, nichts lenkt ab vom Leben und Sterben des reichen Mannes. Es ist ein Mann, ein einfacher Mann, vielleicht komplex in seinen Gedanken, aber immer einer von uns, aus dem Volk. Es „färbt“ nichts ab, bis sich eine markante Farbe in sein Leben mischt.

Diese markante Farbe ist rosa, genauer lachs-rosa. Eben nicht dieses Pink, dieses stechend-grelle Pink, sondern eine sanftere Nuance, eine Andeutung. Jugendlichkeit, Umtriebigkeit und Frische, Verlockung, Lähmung und Bejahung eines ausschweifenden Lebens. Diese Farbe soll den Jedermann ergreifen. Sie kommt in Gestalt der neuen Buhlschaft, und das ist Stefanie Reinsperger, Schauspielerin vom Volkstheater in Wien. Diese Rolle, wer spielte sie nicht gerne? In der Tradition von Johanna Terwin, Christiane Hörbiger oder Veronica Ferres steht diese Buhlschaft nicht mehr. Sie macht daraus „ihr eigenes Ding“. Viel lacht sie, intensiv spielt sie.

Der bereits eingespielte, immer kunstvoll bemalte und ausdrucksstark agierende Peter Lohmeyer ist als Tod der „krasse“ Gegenentwurf zu einer lebensbejahenden Einstellung. Düster, kraftvoll und wenig humanistisch, so zeigt Sturminger diese Figur im Jahr 2017.

Eine weitere Premiere stellt Edith Clever dar, sie gibt Jedermanns Mutter. Johannes Silberschneider, sehr gefragt und immer im Einsatz, geht vom „Nachbarn“ zum „Glauben“ über.

Renate Martin und Andreas Donhauser entwerfen für das Jahr 2017 Bühne und Kostüme.

Der Jedermann 2017 präsentiert sich als gewollter Totentanz, eine Neuinterpretation wenn man so will. Man sollte sich das Spiel vom Sterben des reichen Mannes jedenfalls nicht entgehen lassen.