Präservativ und Premiere: Der Sex und die Nacktheit in der Oper

Für jüngere Leser und Leserinnen ist dieser Artikel unter Umständen nicht geeignet. 

Entblößte Körperteile in der Oper. Erotische Darstellungen von Darstellern und Darstellerinnen. Das war und ist ein Faktum. Damals und heute.

Das Musiktheater mit seiner Erotik ist eine Welt für sich. Nach dem einfachen Prinzip „Sex sells“ ist es aber sicherlich nicht abgetan. Sei es die Panflöte als Symbol für etwas anderes oder aber auch gleich eine entblößte Brust. Schon in frühen Opern finden sich immer wieder Andeutungen. Andeutungen, die mehr bedeuten. Vielleicht mag Jacopo Peri mit seiner Euridice sich um 1600 noch nicht ganz so klar ausgedrückt haben. Aber da wurde ja im Musiktheater auch noch gegessen und getrunken, während gesungen wurde. Orangenschalen landeten vor Aufregung auch in den aufgerissenen Mündern der Zuhörer, aber sie ließen sich von dem „bisschen Musik“ beim Essen doch nicht stören.

Heute undenkbar, außer vielleicht beim Mitmachtheater. Der Komponist Blow(!)mit Venus und Adonis, immerhin schon circa 1685, drückte sich etwas harscher aus.

Später kam etwa noch Domenico Cimarosa mit Il matrimonio segreto. Geheime Hochzeit, geheime Akte? Könnte sein.

Aber bitte, ein Sprung in die Gegenwart tut eigentlich gut. Die oft diskutierte Frage, auch unter Experten, wie viel Sex hat und braucht die Oper? Müssen die Sängerinnen/Sänger im Bikini / in der Badehose auftreten wie zum Beispiel jüngst Nadine Sierra in Falstaff an der Staatsoper Berlin? Im Hier und Heute scheint nackte Haut a la „Fräulein Else“ (Arthur Schnitzler) zu schwanken zwischen Moralapostelei und erleichtertem Aufschrei.

Sicher, in der Oper gibt es das vorgegebene Liebespaar (in den allermeisten Fällen Tenor und Sopran), die sich mehr oder weniger offensichtlich eher auf der geistigen Ebene lieben. Ein paar Bühnen-Bussis, und das war es dann auch schon. Die heutige Art der Oper setzt dann eher auf Leid und Drama, denn auf die Zurschaustellung von Körperlichkeit.

Eine sich sehr erotisch darstellende Person in der Oper ist sicherlich die Titelheldin Carmen. Betörend, exotisch und doch ein Mitklang von Verzweiflung und Depression, das ist ihr Rezept. Der Carmen-Ausschnitt kommt noch dazu. Sogar eine nicht jugendfreie DVD-Produktion orientierte sich an Bizets großer Oper.

Die Operette ist da im Gegensatz zur „großen Schwester“ schon ein wenig ihrer Zeit voraus. Da wird definitiv mehr Haut gezeigt und mehr geflirtet. Deshalb, und wegen der eher weniger hochtrabenden, leidenden und seufzer-schweren Texte, hat Operette oft für „frivolere“ Unterhaltung gesorgt. Schöne Beispiele hierfür sind die Pariser Grisetten aus der Lustigen Witwe, die frühen Hetären aus der Schönen Helena, der Zuhälter aus Giuditta und einige mehr.

Bühnen-Begebenheiten so wie etwa „Jetzt folgt der Liebesakt!“ werden oftmals aber nur angedeutet. Progressive Inszenierungen werden (großteils) vermieden. Noch. Wer weiß, was man in kommenden Jahrzehnten auf den Opernbühnen sehen wird.

Sind Stimmen und Kostüme nicht mehr alleine interessant, gibt es auch einen Weg, welcher ohne Kostüme zu bestreiten ist? Nackt zu singen..? Wäre das denn denkbar?

Da gibt es Argumente, welche in Richtung Höhlenmenschen zurückgehen. Die hatten ja auch nichts an außer einen Schurz. Oper back to the roots? Aber da wären wir ausstattungstechnisch wieder ganz am Anfang. Das möchte man auch nicht riskieren.

Es gibt Befürchtungen, dass aber angedeutete Bühnenküsse nicht mehr ausreichen, um mehr Publikum anzulocken….

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