Portraits und Stories

Sommergespräch #7: Sandra Cervik und Herbert Föttinger im Gespräch mit Florian Krumpöck beim Kultur.Sommer.Semmering

Die beiden bekannten Persönlichkeiten plauderten im Südbahnhotel am Semmering/NÖ aus dem „Nähkästchen“, was ihre Berufung betrifft, auch Ernstes wie der Verfall von Sprache und Kultur kam zur Sprache. Intendant Florian Krumpöck, Pianist und Leiter des Kultur.Sommer.Semmering, begrüßte sie stilvoll im Ambiente des Grünen Salons.

Sie ist Kammerschauspielerin, Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt in Wien und Dozentin am Max Reinhardt Seminar, er ist Theaterdirektor der „Josefstadt“ und Schauspieler sowie Regisseur (auch Oper). Das Ehepaar Sandra Cervik und Herbert Föttinger prägt die österreichische Kulturlandschaft. Als Entscheidungsträger über Stücke und Ausführende auf der Bühne verfügen sie gleichermaßen über viel Erfahrung sowie Leidenschaft für diese Kunst. Wer genauer hinsieht, sieht energiegeladene und dynamische Menschen, die sich für ihr Metier einsetzen.

Was für eine persönliche Beziehung sie zum Semmering haben? Sandra Cervik kennt die Villa Olga gut und war als kleines Mädchen mit ihrer Mutter auch im Südbahnhotel schwimmen – es gab damals ein Schwimmbad. Herbert Föttinger verbindet mit der Gegend das Hotel Panhans und den „Fünf-Uhr-Tee“. Kennengelernt haben sich die beiden 1997 in Reichenau an der Rax.

Wie wird sich das Theater entwickeln, in einer Zeit, wo Netflix und das Starren auf das Smartphone (das Sandra Cervik anschaulich darstellt) immer mehr gelten? Wo die Leute auch nicht mehr viel miteinander reden, sondern sich lieber schreiben? Dass sich Leute auf den Bühnenbrettern emotionalisieren lassen, von Vorgängen und Konflikten und ein Abbild des (realen) Lebens betrachten möchten, das wird es immer geben, meint Herbert Föttinger.

Was sind Beweggründe für junge Leute, sich am Reinhardt-Seminar zu melden? Es gibt Leute, so Cervik, die wollen mit wenig Vorkenntnissen (Stichwort Shakespeare – sie arbeitete mit einem Studenten und er wusste fast nichts über den Dichter) schnell eine tolle Karriere machen und oft „nur“ zum Film, weil „das alle tun“. Der Grundgedanke ist: „Dann werde ich ein Star und bin im Fernsehen.“ Man sieht es und denkt, das will ich auch. Dabei werden oft nicht die Disziplin und die Arbeit (auch am Körper) berücksichtigt, die notwendig sind. SchauspielerIn wird man nicht von heute auf morgen. Das Medium Film unterscheidet sich grundlegend vom Theater. Unendliche Wiederholungen und Einstellungen von Szenen sind beim Film möglich. Man muss auch nicht seinen vollen Text können. Am Theater ist alles „live“, es gibt keine Wiederholungen oder „Takes“ (außer vielleicht Da-capo in der Oper, obwohl das auch von einigen nicht gerne gesehen wird, da es die Geschichte stört).

Den beiden Künstlern zuzuhören ist ebenso spannend wie inspirierend. Man bemerkt die „schöne Sprache“ und die wohlüberlegten Ausführungen.

Föttinger hat ein besonderes Herz für österreichische Dichter und propagiert auch im Haupthaus 2019/20 nur österreichische Stücke zu spielen (außer Tschechovs „Kirschgarten“). Nestroy und Raimund sind Unterhaltung mit Tiefsinn und Gesellschaftskritik aus früherer Zeit. Heute muss man das anders auf die Bühne bringen, damit es die Menschen anzieht und interessiert. Jüngstes Beispiel ist „Der Bauer als Millionär“ in der Spielzeit 2018/2019 des Theaters in der Josefstadt. Da gibt es eigentümliche Namen wie den Bauern Wurzel, oder bei Nestroy den Schlosser Gluthammer, die allesamt „ein wenig“ Berufsstand und Ironie transportieren.

Föttinger sagt auch, wenn er als Opernregisseur von „Rigoletto“ (Verdi – übrigens in Originalsprache) den Hofnarren mit Narrenstab und Halskrause auftreten lassen würde, würde das ein historisches Abbild, ein Bilderbogen, aber heute so nicht mehr auf der Bühne durchzuführen sein. Cervik lobt selten ihren Ehemann, wie sie sagt, aber jetzt tut sie es: Er will eine klare Personenführung anstreben. Man soll wissen, wer aus welchem Motiv was tut. Nicht in jeder Inszenierung sei das ersichtlich. Herbert Föttinger führt aus, dass jeder Gesang, jede Zeile einen Sinn hätte. Warum die Figur gerade das singt. Dem Opernbesucher mag dies klar sein, einem Laien ist ein 3-stündiger Operngenuss vielleicht unverständlich. Aber sind wir deshalb so weit, dass wir eine barrierefreie Sprache und Oper herstellen müssen? Versteht man eine komplexere Handlung mit mehreren Personen involviert, nicht mehr? Muss es á la „Hofnarr – Intrige – Stich – Sack – Gilda tot“ sein? Ein „Blockbuster“, wie Föttinger sagt.

Die beiden meinen dazu, dass der Verfall von Sprache auch durch die digitale Welt entstehe: Hier SMS, dort „Emojis“, die kurz und knapp anzeigen, wie es mir geht. Kein Schnitzler, kein Hofmannsthal, kein Nestroy „hätt´ so geredet“. Das sei schade, Sprache und altes Kulturgut müsse man erhalten. Mit den dunklen Jahren in Österreich 1938 sei auch etwas ganz Wichtiges verschwunden: Der jüdische Witz und der Humor.

In der Schule sei es so, dass zwischen viel moderner Literatur gerade mal so ein bisschen Werther oder Bert Brecht auftauchen würde. Das Gefühl für die Sprache wäre so wichtig.

Was ist mit Schauspielern vom Theater in der Josefstadt, die immer wieder Abstecher in Film und Serie machen? Abwechslung? Wie besprochen gelten andere Regeln bei Film und Serie. Öfters wären Soaps und Serien nicht sonderlich anspruchsvoll, nach dem Motto: „Kann ich ein Bier haben? – Nein!“ Am Theater firm zu sein, helfe Darstellern bei guten Serien enorm bei Sprache, Gestik und Mimik. Cervik verrät, dass sie Darstellern sofort ansehe, wenn sie keine Schauspielausbildung hätten. Wenn man sie, Cervik, etwa in den „Vorstadtweibern“ (ORF-Serie) als Helga Pariasek „Jetzt haben wir sie, die gesamte Regierung…vor allem den schönen Berti….Jetzt sag´ nicht, dass er Dir leid tut!“ sagen hört, klingt das profund. Oder wenn Josefstadt-Ensemblemitglied Michael Dangl in SoKo Kitzbühel die ermittelnden Beamten tief timbriert bittet: „Machen Sie mit mir, was Sie wollen.“ Man merkt die professionelle Ausbildung gleich.

Sandra Cervik und Herbert Föttinger lieferten eine höchst interessante und unterhaltsame Konversation am Semmering. Es folgte eine Lesung der beiden von Schnitzler-Briefen (zwischen ihm und Adele Sandrock).

Ihre nächsten Projekte spannen den Bogen über das Theater in der Josefstadt (zum Beispiel „Das Konzert“ mit Cervik als Marie und Föttinger als Gustav Heink) bis hin zum Gärtnerplatztheater in München, wo Föttinger ab Januar 2020 „Rigoletto“ inszenieren wird.

Info:

http://www.kultursommer-semmering.at

http://www.josefstadt.org

Mehr als nur „Callboy Timo“ – Schauspieler Peter Marton

Vielen ist dieser Schauspieler erstmals in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ (im österreichischen und auch im deutschen Fernsehen zu sehen) aufgefallen. Er kann aber nicht nur TV, sondern präsentiert sich als durchaus vielschichtiger Theatermann und verspricht Agilität und Freude am Spiel.

Peter Marton wurde in Wien geboren und hat afro-amerikanische Wurzeln. Bevor es ihn zur Schauspielerei gezogen hat, waren seine Wunsch-Studien Philosophie und Theologie. Dann ging es aber doch ans Konservatorium für Schauspiel der Stadt Wien.

Er hat schon kleinere Bühnen wie das Waldviertler Hoftheater oder größere Bühnen wie die des Salzburger Landestheaters bespielt. Die Rollenauswahl ist dabei umsichtig und klug, wie auch reizvoll und abwechslungsreich: So reicht sie vom August in „Alpenkönig und Menschenfeind“ (F. Raimund) über Lysander in „Ein Sommernachtstraum“ (W. Shakespeare) bis zum Graf Wronski in „Anna Karenina“ (Tolstoi).

In München spielte er in „Ziemlich beste Freunde“ (nach Nakache/Toledano) an der Seite des ewigen „Dr. Stefan Frank“ Sigmar Solbach einen Kleinkriminellen namens Driss und überraschte mit seiner extremen Wandlungsfähigkeit. Die Rolle nahm er auch mit nach Frankfurt am Main und Bonn.

In der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ (Regie: Sabine Derflinger, Harald Sicheritz, Buch: Uli Bree) gibt Peter Marton den Callboy Timo, der Frauen für eine gewisse Zeit glücklich macht und auch der frustrierten Ehefrau Maria Schneider (Gerti Drassl) ihre innere und äußere Schönheit aufzeigt. Dabei lässt er nicht nur seinen Charme gekonnt spielen, sondern zeigt auch seine darstellerische Fitness.

Peter Marton ist auch als Radio-Sprecher im Einsatz, er ist zweisprachig aufgewachsen. Am Theater in der Josefstadt war er 2016 in „Monsieur Claude und seine Töchter“ (de Chauveron/Laurent) zu sehen.

Wobei er zukünftig hoffentlich öfter in Erscheinung treten wird, auf den Bühnen dieser Welt!

Josefstadt-Schauspieler reüssiert auch im Film: Florian Teichtmeister als Krimi-Kommissar in „Die Toten von Salzburg“

Der bekannte Schauspieler Florian Teichtmeister wagt sich wiederholt ins Krimi-Genre. Und das auch noch in einer Rolle mit Handicap. Schon der vierte Film der Reihe „Die Toten von Salzburg“ (Regie: Erhard Riedelsperger) stand auf dem Programm des österreichischen Fernsehens.

Teichtmeister spielt in der Filmreihe den Grazer Major Palfinger, der als Abteilungsleiter nach Salzburg geht. Er ist auf den Rollstuhl angewiesen, nimmt das aber nicht als negative Beeinträchtigung. Zumindest nicht gemeinhin. Nur einmal fragt er den „dort oben“:“Warum?“. Keine Frage, als „Josefstädter“, also Schauspieler an einem der renommiertesten Häuser Wiens, kann Florian Teichtmeister Gefühle expressiv nachstellen.

Man erinnere sich nur an seine „verführerische Attitüde“ als Strizzi Alfred in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ 2012 am Theater in der Josefstadt. Selbstbewusst, frech und für die große Bühne gemacht. Auch vor der Filmkamera scheut der Mann nicht zurück.

Die Filmreihe „Die Toten von Salzburg“ umfasst mittlerweile vier Teile: „Die Toten von Salzburg“ (1), „Zeugenmord“ (2), „Königsmord“ (3) und „Mordwasser“ (4). Ein fünfter Teil kommt ebenso.

Teichtmeister wurde für seine Darstellung sehr gelobt. Er übte während der Drehtage das Rollstuhlfahren und bezeichnete es in einem Interview als „körperliche Herausforderung“. Man könne aber „alles machen, sogar einen Backflip mit Rollstuhl, wenn man will.“

Auch wenn die Filmreihe ab und an (unfreiwillig) Klischees bedient, so war es den Ausführenden doch wichtig, keinen Kitsch und keine verklärten Darstellungen aufkommen zu lassen. Die Stadt Salzburg in den Filmen touristisch abzubilden, da „komme man nicht drum herum“.

Bereits seit 2016 kann man den Schauspieler in seiner Kommissar-Filmrolle erleben. Jüngst wurde der 4. Teil im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt.

Teichtmeisters nächste Premiere ist übrigens „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth am Theater in der Josefstadt, am 16.05. in der Rolle des Carl Joseph von Trotta in der Regie von E. Goerden.

Info:

„Die Toten von Salzburg“ – Fernsehfilmreihe im ORF

mit Florian Teichtmeister als Major Palfinger

in weiteren Rollen: Michael Fitz, Fanny Krausz, Erwin Steinhauer

https://der.orf.at/unternehmen/aktuell/toten_von_salzburg_dreharbeiten100.html

http://www.josefstadt.org

„Einen Rostbraten bitte, mein Herr und Gebieter….“ – Das Duo Karawane Salzburg mit einer heiteren Stunde in der Seniorenresidenz Wien-Oberlaa

Die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenresidenz Oberlaa durften einen heiteren Nachmittag genießen unter dem Motto: „Lachen befreit, macht glücklich und entspannt.“ Christa und Agilo Dangl sorgten für ein glückliches Lächeln in so manchem Gesicht.

Unterhaltung ist eine Kunst. Und diese beiden Künstler sind sehr erfahren. Kleine Bonmots gehören dazu: Zum Beispiel ist der Elektriker der älteste Beruf. Warum? Als Gott sagte: „Es werde Licht!“, hat dieser schon vorher die Leitungen verlegt.

Unterhaltungen aus dem Alltag und aus dem Kaffeehaus sowie eine Doppelconference brachte das Künstler-Ehepaar aus Salzburg (deren Sohn Michael Dangl am Theater an der Josefstadt fixes Ensemblemitglied ist) auch mit.

Zu einem (Nachmittags-)Kaffee gehört natürlich ein gutes Stück Mehlspeise. Ein lustiges Strudelrezept mit unerwarteter Wendung brachte Christa Dangl: „Für Strudelteig brauchst Du Geduld, wenn´s nicht gelingt, bist´ selber schuld.“ Der selbstgemachte fertige Strudel wurde dann auch bedacht: „Wird er nichts, dann schmeiß´ ihn weg, und kauf an fertigen beim Bäck´!“

Die Kaffeehaus-Unterhaltung über den Umstand, dass ein Mann gerade wieder seine Tochter Karin mit vier Koffern bei sich aufnehmen musste, gipfelt in der Abwechslung der Speisen, die sie für ihn kocht: Spaghetti mit Fleischsoße, Spaghetti mit Zucchini, mit Muscheln….

Wie heißt ein Mann, der öfter ein schönes Mädchen auf dem Schoß sitzen hat? „Steiger.“ Man erfährt auch so einiges von einer „Sitzkassierin“. Per Definition war es eine Frau, oft die einzig zugelassene in Kaffeehäusern, die in einem Glaskasten saß, um vor männlicher Zudringlichkeit geschützt zu sein, und kassierte.

Fachgesimpelt wurde auch über Einsteins Theorie. Auch dass der Mann dabei immer „Weinstein“ versteht, ist nicht unwesentlich. Und am Ende kommt heraus, dass kein Mensch wirklich da ist. Auch nicht das Publikum.

Auch an Ernsthaftes, war gedacht: So schluckte die reiche Witwe Landau (um die 55) 50 Schlafpillen, um aus dem Leben zu scheiden, weil sie nicht mehr froh war. Aber Gott schickte sie zurück mit der Begründung: „Du hast noch dreißig Jahre!“ Doch ein Lastwagen für Milch und Brot wurde ihr zum Verhängnis, nachdem sie sich einen jungen, feschen Kerl angelacht hatte.

Und sogar über ein vermeintlich pikantes Thema, „ausgefallenen Sex“, wurde gesprochen. An allen Wochentagen ausgefallen, Monaten ausgefallen, Jahren ausgefallen.

Zu einer Doppelconference gehören immer zwei: Traditionell sind das „Der G´scheite und der Blöde.“ In Wahrheit müssen aber beide gescheit und aufmerksam sein, um den Gesprächsfluss in Gang zu halten. Also, „sag´ was Blödes“, fordert Christa Dangl. Eine unwiderstehliche Einladung, jetzt etwas G´scheites zu sagen, denn „Mir fällt aber nur etwas G´scheites ein!“ ist die Antwort von Agilo Dangl. „Flieht, Mortimer, flieht. Alles ist verloren.“ Das Zitat aus dem 3. Akt von Schillers Maria Stuart geht doch immer.

Agilo Dangl erzählte aus dem Leben eines Praktikanten in der Textilbranche, welcher sich die Tipps seines Chefs sehr wörtlich abgeschaut hat und ihm daraufhin leider gekündigt wurde: Eine feine Dame kam und wollte schwarze Seide kaufen. Der Chef erklärte, es gäbe bald nur noch grüne Seide, und er würde ihr diese empfehlen. Unter den Seidenraupen hätte sich eine Epidemie ausgebreitet. Der Praktikant beherzigte dies: Eine andere Kundin wollte schwarze „Bandln“ – also Bänder, und der Praktikant empfahl weiße (vorrätige) Bänder. Die Bandwürmer hätten nämlich eine Epidemie….

Wie man höflich und demütig eine Speise bestellen muss, stellten Christa und Agilo Dangl eindrucksvoll nach: Einfach genügt nicht. Ein Kellner gibt sich nicht mit einem hingeworfenen Befehl zufrieden. Der lautet: Einen Rostbraten. Nein, heißt es offenbar nicht: Es heißt vielmehr: Einen Rostbraten bitte, mein Herr und Gebieter, König der Kellner, Wohltäter des Gaumens, Retter der Hungrigen, aus Deinen edlen Händen möcht´ ich Speis und Trank empfangen. Bitte dies beim nächsten Besuch eines Restaurants zwingend zu beachten!

Kommunikationsprobleme rund um die italienische Nachspeise Panna Cotta gehören auch dazu. Zu viel Schlag(obers) ist nicht gut.

Wenn Du noch weißt, dass man die Milch von der Milchfrau geholt hat, dass Kartoffeln immer im Keller gelagert wurden, dass Eier im Literglas steckten, dass nur einmal pro Woche Waschtag war und die Unterwäsche gewechselt wurde, dann bist Du vermutlich schon länger jung.

Zum Ende kommt noch eine ganz niedliche Ente zum Einsatz. Diese will der Mann lieber behalten, von der Frau könnte er sich offenbar trennen.

Die beiden Botschafter des Vergnügens stellten ein Programm mit Herzblut zusammen und sorgten für viele Lacher und Applaus. Dabei ist immer auch die Art des Vortragens entscheidend, bei der Karawane Salzburg muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Immer wieder eine Freude!

Eine ekstatische Stunde mit Schauspieler Michael Dangl in der Seniorenresidenz Bad Vöslau

Rauschhaftes durften die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenresidenz im niederösterreichischen Bad Vöslau erleben: Josefstadt-Ensemblemitglied und Autor Michael Dangl beehrte das Haus mit einer erlebbaren, nahezu greifbaren Lesung.

Eines kann man vorweg konstatieren: Die trainierte Stimme zieht die Zuhörer in den Bann der Geschichten. Sanft fragt sie zu Beginn nach einem bescheidenen „stillen Wasser“. Dangl las aus seinem neuesten, packenden Werk „Im Rausch“.

Im Rausch

Die Aufmerksamkeit zieht zunächst eine gewisse Amelie auf sich, welche der Protagonist des Buches, ein junger Schauspieler (Ich-Erzähler), heftigst adoriert. Brennend vor Liebe versucht er ihr brieflich zu erklären, dass es gar keine Alternative zu einer gemeinsamen Zukunft gäbe. Aber, das große Aber: Sie ist vergeben. Und das war immer schon, ist und bleibt wohl der mächtigste Stolperstein eines Begehrens, welches zielgerichtet ist.

Der junge Mann versucht verzweifelt (und sehr, sehr selbstreflexiv) nachzuverfolgen, ob Amelie denn seinem Werben nachgeben würde. „Überflüssige Beteuerungen“ macht er dabei. Zitat: „Vielleicht vernahm sie ihn (den Vortrag auf dem Anrufbeantworter) im Halbschlaf und durfte nach dem Erwachen feststellen, dass alles Wirklichkeit war.“ Was die Liebe nicht hervorbringt!

Der Mann verbringt seine ersten Engagements am Theater (als vertraglich gebundener „Jugendlicher Held und Liebhaber, Charakterdarsteller) in einem Tage und Nächte andauernden Rauschzustand, nicht allein alkoholisch gemeint. Der Rausch der Einsamkeit, der Rausch der Verwandlung, der Gesellschaft, die Suche nach Wahrhaftigkeit, das alles beschäftigt ihn. Nicht nur, dass die ihm nach und nach anvertrauten Rollen von Cherubin in Der tollste Tag von Turrini bis hin zu Kostja in Die Möwe von Tschechow zur probetechnischen Herausforderung in der Fremde werden, hat er auch amouröse Abenteuer oder spielt bis in die Morgenstunden Klavier. Oder bemitleidet sich auch mal selbst mit einem vulgären italienischen Ausdruck: Porca miseria, als ihm Wasser aus einem defekten Hahn auf eine – sagen wir – heikle Körperstelle schießt.

Es ist das Werk keine Autobiographie, es handelt sich um einen Roman, eigentlich sind es Erzählungen aus dem Leben eines jungen Auftretenden.


Michael Dangl ließ das Publikum – gentlemanlike – entscheiden, ob es denn noch mehr Passagen aus dem Buch sein sollten oder lieber sein selbst verfasstes Gedicht Canto Veneziano, welches das Ankommen in der verklärten Stadt der Kanäle per Flugzeug beschreibt. Dieses war bisher erst einmal im Hörfunk zu erleben. Das Publikum entschied zugunsten von Venedig.

Eine lyrische und sehnsüchtige Schilderung – CANTO VENEZIANO

La Serenissima verlangt von Dir, dass Du Dich demütig beugst, schon bei der Anreise. Als gewähre Dir die Stadt gütig, Dich aufzunehmen. Nichts ist vergleichbar mit dem Ankommen in Venedig, jede Pore wird mit der eigentümlichen Luft geflutet. Die Vaporetti, die Wasserbusse (klingt eingedeutscht wesentlich geringschätziger), warten auf Kunden, Touristen und schaukeln ihres Weges. Das Wasser ist launisch. Das Memento Mori schwebt jedoch überall. Erinnere Dich, dass Du sterben wirst. Die barocke Vanitas macht auch vor Venedig nicht halt. Aber der Autor betont: Du siehst die Dinge nicht nur auf Fotos, sie stehen wirklich vor Dir und sind da. Und sie sind immer noch da, als wollten sie sagen: Ich überdauere was auch immer.

Der Autor lädt die Bewohner und Bewohnerinnen noch zu einer gedanklichen Reise ein: „Jetzt steigen wir alle in den Bus, um Mitternacht sind wir in Venedig, und dann in eine Bar.“ Herrlich.

Michael Dangl hat Freude. Daran, die Leser und Leserinnen auf die Reise zu schicken, die Menschen nicht nur zuhören, sondern auch wahrhaftig erleben zu lassen. Man ist gefesselt, man steht mit ihm auf der Piazza San Marco, man blickt auf das Wasser, welches die Gondeln umspielt, man schmeckt den Fisch, man hört die Signori sich angeregt unterhalten.

Ein freudiger Nachmittag – von dem noch bis zum Jahr 2021 einige bereits fixierte folgen sollen.

Info:

„Im Rausch“ von Michael Dangl

Roman, erschienen bei Braumüller

https://www.braumueller.at/t?isbn=9783992002269

Ein Bayer in Kärnten: Günther Maria Halmer bei den Ronacher KulturGastSpielen in Bad Kleinkirchheim

Das Hotel Ronacher ist bekannt für seine umfassenden herbstlichen KulturGastSpiele (Organisator: Günther Beelitz) mit berühmten Künstlern und Künstlerinnen. Eine autobiographische Lesung sollte es werden, in der Galerie des Fünf-Sterne-Hotels in Kärnten. Daraus wurde aber viel mehr.

Mit Günther Maria Halmer gab sich einer der individuellsten Schauspieler Deutschlands die Ehre, wollte aber nichts „lesen“. Nein, lieber frei sprechen und dabei das Leben erlebbar machen. Zu Anschauungszwecken nahm er das Buch aber doch in die Hand. Zugegeben: Eine „pure“ Lesung mit diesem Menschen wäre auch fad gewesen. Dieses Potenzial, darf man nicht schlummern lassen zwischen Buchseiten. Knappe zwei Stunden begab man sich gemeinsam mit Halmer auf eine abenteuerliche Reise durch seine Vergangenheit und Gegenwart. Was die Zukunft bringt, verriet er gleich zu Beginn: „Wäre ich ein Sänger, hätte ich für heute Abend absagen müssen, denn Sie hören es: Meine Stimme ist angeschlagen. Das liegt daran, dass ich gerade einen Film drehe, er trägt den Arbeitstitel Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen. Die Eichhörnchen verstecken nämlich Eicheln, Samen und Kastanien. Nur können sie sich nachher nicht erinnern, wo sie ihr Essen versteckt haben. Zu Ihrer Allgemeinbildung. Da spiele ich einen demenzkranken alten Mann, welcher barfuß durch den Park läuft und laut um Hilfe ruft. Ich musste oft rufen, weil es beim Film – wie Sie wissen – viele Einstellungen gibt. Nachbarn am Drehort wurden informiert, dass es sich um einen Dreh handelt und keine Gefahr droht.“

Geboren wurde Halmer am 5. Januar 1943 in Rosenheim. „1943 war kein gutes Jahr, um Kinder auf die Welt zu bringen.“ So steht es im Buch. Günther Maria Halmers Anfangsjahre waren nicht einfach. In der Schule fiel ihm Latein immer leicht, da er auch in der Kirche Aufgaben übernahm. Lateinische Gebete konnte er im Schlaf auswendig aufsagen. Auch musste er zum Beispiel immer ein goldenes Tablett unter das Kinn der Kirchenbesucher, die tabula halten, damit beim Einnehmen der Hostie auch keine Oblaten-Krümel auf den geheiligten Boden fielen. Auf diese Weise, meinte er, habe er „mehr Rachenmandeln, entzündete Hälse und belegte Zungen gesehen als jeder Hals-Nasen-Ohren-Arzt“.

Der Vater sah in ihm bereits einen Doppel-Doktor und Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Rosenheim in Bayern. Aber das wollte der junge Günther Maria Halmer nicht werden. Er hatte die Schule nicht so gerne, die Lehrer waren keine Vorbilder für ihn. Diese suchte er sich anderswo: Im Kinosaal. Heimlich sah er sich Filme mit seinen „Helden“ an: John Wayne, Burt Lancaster… Westernfilme und Werke mit starken Hauptdarstellern. Ein bisschen fühlte er sich dabei wie in Woody Allens Film „The Purple Rose of Cairo“, wo sich die Darstellerin in einen Kinohelden verliebt und er durch die Leinwand zu ihr kommt. Geld für das Kino bekam er durch kleine Schummeleien bei den Großeltern: Er bräuchte einen Radiergummi für die Schule, et cetera.

Er wusste lange nicht, was für einen Beruf er ergreifen sollte. Sein langer Weg führte ihn zunächst zur Bewerbung als Bankkaufmann in Rosenheim: Ausführlich beschrieb er dort die Lage und dass er sich nicht wohl fühlte. Sein Styling damals war nicht banktauglich: Glitzerjacke, Haartolle und Co. standen diesem Karriereweg wohl eher im Weg. Elvis Presley war zu einem Idol für ihn geworden (den er im Film „Liebe mit Lachfalten“ in seiner Rolle als Steffen Berger 2011 auch für einen Party-Auftritt lang darstellte) und er träumte von Musik und davon, ein umschwärmter Star zu sein. Sein gestrenger Vater erwischte Halmer einmal dabei, wie er in seinem Zimmer mit violettem Schal einen Rockstar imitierte. Mit einem Schlag war die erträumte Glitzer-Welt passé. So konnte es nicht weitergehen.

Eine weitere Station auf seinem Weg war das Militär. Dort erfuhr er als Erstes, dass man in Deutschland nicht „Okay!“ sondern „Jawohl!“ sagt, und nicht unbedingt die Wunschfrisur bekommt, die man möchte.

Die Hotelfachschule besuchte Halmer ebenso eher widerwillig. Er wollte gerne Filmstars am Empfang willkommen heißen, wurde stattdessen aber zum Kartoffelschälen geschickt. Abends aber zog er sich fesch um und ging in die Spielbank, hoffte, dort von reichen Damen angesprochen zu werden. Als man sein allabendliches Fehlen bemerkte, hieß es: Raus. „Fliegen kann jeder“ – bewahrheitet sich in diesem Fall somit auch.

Gelegenheitsjobs in Paris machten ihn, der seinen eigenen Weg finden wollte, ebenso nicht zufrieden. Winzige Zimmer und Campingkocher, da sagte er bald wieder: Rien ne va plus. Ein Freund verlautbarte, er würde nach Kanada gehen. In Quebec würde ebenso Französisch gesprochen. Halmer zögerte nicht und schloss sich an.

Lange Flugstunden waren zu absolvieren, irgendwann nachts landete er im Nirgendwo, wusste nicht wohin oder warum. Angekommen hörte er aus einer Baracke deutsche Lieder. Gelandet war er in einem Asbest-Bergwerk.

Als „Labourer“ schaufelte er Material, welches zu einem Asbest-Mehl verarbeitet wurde. Er dachte tagtäglich nach, und schwor sich, erst dann nach Deutschland zurückzukehren, wenn er wusste, welchen Beruf er ergreifen wollte. Er sagte, es sei keine sehr schlechte Arbeit gewesen, aber er war sich sicher, dass das nur eine Übergangslösung sei. Irgendwann wollte er dann „abhauen“. Bis jemand in der Baracke sagte: Ich gehe nach Hollywood und werde Schauspieler. Damit war auch Günther Maria Halmers Idee geboren. Schauspielerei! Das und nichts anderes!

Er flog zurück nach Deutschland, nicht ohne Acapulco mitsamt dem Helden Elvis zu würdigen (Er fühlte sich schon „wie er“.) Dort ging es für ihn zur Bewerbung an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule zum Schauspielstudium. Er bat einen weisen Bekannten, ihm einige Theaterstücke zu nennen, die er proben könne. Da probierte er zum Beispiel einen alten Mönch aus, welcher ihm überhaupt nicht lag, wie er sagte.

Am Tag der Aufnahmeprüfung hätte Halmer aber glatt wieder „kalte Füße“ bekommen. Da standen ganz wilde Frauen und Männer, schrieen herum und benahmen sich sehr eigenartig. Dass das Teil der Vorbereitung auf die Prüfung war, schien in dem Moment unklar. Wer immer von der Bühne herauskam, wurde belagert: Was hast Du darstellen müssen? Eine junge Frau sagte: Eine Blume. Improvisieren musste ich. Was? Improvisieren? Das war eine „harte Nuss“. Der Rosenheimer konnte mit seinem laut eigener Aussage „käsigen Bayerisch“ den Hochdeutsch sprechenden Anwärtern scheinbar nicht nachkommen. Eine lateinische Grabrede überzeugte die Jury nicht. Haben Sie noch etwas? Und da fiel Halmer ein Lied ein, welches er mit der deutschen Kollegenschaft im Asbest-Bergwerk gesungen hatte. Er „performte“ mit vollem Körper-Einsatz. Rechnete sich aber keine Chancen aus.

Zuhause bei den Eltern saßen beide glückselig und aufrecht im Bett. Ein Brief von der Schauspielschule: Halmer war aufgenommen worden. Wie er sagte, einer der schönsten Tage in seinem Leben.

Noch während der Ausbildung gab er 1969 sein Debüt am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Sein erstes Engagement führte ihn an die Münchner Kammerspiele. Am Theater in Oberhausen lernte er seine Ehefrau Claudia kennen, mit der er seit über 40 Jahren verheiratet ist.

Beeindruckende Szenen folgten, als er einige seiner Schauspielübungen von damals zum Besten gab: Alle noch im Kopf.

Die Schauspielkarriere startete für Günther Maria Halmer aber eher mit den bayerischen Paraderollen. Sein angeeignetes Hochdeutsch konnte er da eher nicht einsetzen. Regisseur Helmut Dietl holte ihn für die Rolle des Schlitzohrs „Tscharlie“ (Karl) zu den „Münchner Geschichten“. „Wer sich nix traut, wird nix im Leben!“, war der Wahlspruch dieses Charakters.

1979 folgte seine erste Kinoproduktion: „Lucky Star“. Die Rolle des Anwalt Abel in der gleichnamigen Fernsehserie 1988 brachte ihm viele Zuseher.

Auch Hollywood rief: In „Sophies Entscheidung“, einem US-Filmdrama aus dem Jahr 1982 spielte Halmer neben Meryl Streep die Rolle des Rudolf Höß. Neben Ben Kingsley war er in „Gandhi“ zu sehen.

Auch die seichtere, aber durchaus wichtige Schiene bediente Halmer im Lauf seiner Karriere: So bereiste er mit dem „Traumschiff“ etwa Mauritius, Namibia, Chile, Singapur und Kanada.

Unterhaltungsfilme mit Message sind ebenso eine Spezialität, der sich Günther Maria Halmer mit Leidenschaft widmet: Eine Sennerin zum Verlieben (mit Michaela May), Liebe hat Vorfahrt (mit Suzanne von Borsody), Plötzlich Opa (mit Max Felder), die Reihe „Die Nonne und der Kommissar“ und „Mein Nachbar, sein Dackel und ich“ (mit Ann Kathrin Kramer),  die italophile Komödie „Die Liebe hat das letzte Wort“ (mit Sabine Vitua) oder „Ein Drilling kommt selten allein“ (mit Thekla Carola Wied) sind nur einige zu nennende Titel.

Günther Maria Halmer erwies sich an diesem Abend als wortgewandter, lebhafter Erzähler, mit ernsten Untertönen. In seinen Erzählungen konnte man sich verlieren, als sei man selbst dabei gewesen.

Seine Autobiographie „Fliegen kann jeder – Ansichten eines Widerborstigen“ (erschienen bei C. Bertelsmann Verlag) widmet er seinen beiden Söhnen Daniel und Dominik.

 

Info:

zum Buch: https://www.randomhouse.de/Autor/Guenther-Maria-Halmer/p555576.rhd

 

Kunst und die Fußball-WM – das Runde muss ins Eckige?

Während der Fußball-WM in Russland ist die Klassik nicht so gefragt? Naja! Es gibt schließlich viele Leute, die den Beruf des Künstlers, der Künstlerin ausüben und sich trotzdem für den Sport des runden Leders begeistern können. Somit wird ihnen auch in dieser Zeit nicht langweilig!

Pro König Fußball ist etwa der berühmte Kammersänger, Tenor Plácido Domingo. Er feuert regelmäßig seine Mannschaft Spanien an. Schon 2008 prophezeite er die Teilnehmer des Finalspiels: „Spanien gegen Deutschland“. Er ist enthusiastischer Fan von Real Madrid. Aber auch eine österreichische Fußball-Ikone, „Goleador“ Hans Krankl (mit eigener Band Monti Beton), darf sich über Zuspruch von Domingo freuen.

Zur Fußball-WM 1990 fanden sich die drei Tenöre Domingo, Pavarotti und Carreras in den römischen Caracalla-Thermen ein, um ein FIFA-Konzert zu geben. Das löste einen Klassik-Trend zu Stadienkonzerten aus.

Im 52. Jahr des Wiener Opernballes sorgte das „Fußballett“ für gute Unterhaltung unter den Tanzenden. Es wurde eine musikalische Auftragsarbeit des deutschen Komponisten Moritz Eggert mit dem Titel „Am Ball“ gespielt. Die künstlerische Zusammenführung von Ballett und Fußball, prophezeite Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender damals.

Der Brite Benedict Mason schrieb eine Fußball-Oper, welche von einem Spieler handelt, der seine Seele verkauft, um ein Weltfußballer zu werden. Sie wurde 2007 bei den Bregenzer Festspielen von David Pountney inszeniert.

Es gibt also durchaus Überschneidungspunkte des beliebten Ballsports und der Bühnenkünste. Der eine Künstler auf dem Rasen, der andere auf der Bühne. Das gilt natürlich genauso für die weiblichen Virtuosinnen.

 

Präservativ und Premiere: Der Sex und die Nacktheit in der Oper

Für jüngere Leser und Leserinnen ist dieser Artikel unter Umständen nicht geeignet. 

Entblößte Körperteile in der Oper. Erotische Darstellungen von Darstellern und Darstellerinnen. Das war und ist ein Faktum. Damals und heute.

Das Musiktheater mit seiner Erotik ist eine Welt für sich. Nach dem einfachen Prinzip „Sex sells“ ist es aber sicherlich nicht abgetan. Sei es die Panflöte als Symbol für etwas anderes oder aber auch gleich eine entblößte Brust. Schon in frühen Opern finden sich immer wieder Andeutungen. Andeutungen, die mehr bedeuten. Vielleicht mag Jacopo Peri mit seiner Euridice sich um 1600 noch nicht ganz so klar ausgedrückt haben. Aber da wurde ja im Musiktheater auch noch gegessen und getrunken, während gesungen wurde. Orangenschalen landeten vor Aufregung auch in den aufgerissenen Mündern der Zuhörer, aber sie ließen sich von dem „bisschen Musik“ beim Essen doch nicht stören.

Heute undenkbar, außer vielleicht beim Mitmachtheater. Der Komponist Blow(!)mit Venus und Adonis, immerhin schon circa 1685, drückte sich etwas harscher aus.

Später kam etwa noch Domenico Cimarosa mit Il matrimonio segreto. Geheime Hochzeit, geheime Akte? Könnte sein.

Aber bitte, ein Sprung in die Gegenwart tut eigentlich gut. Die oft diskutierte Frage, auch unter Experten, wie viel Sex hat und braucht die Oper? Müssen die Sängerinnen/Sänger im Bikini / in der Badehose auftreten wie zum Beispiel jüngst Nadine Sierra in Falstaff an der Staatsoper Berlin? Im Hier und Heute scheint nackte Haut a la „Fräulein Else“ (Arthur Schnitzler) zu schwanken zwischen Moralapostelei und erleichtertem Aufschrei.

Sicher, in der Oper gibt es das vorgegebene Liebespaar (in den allermeisten Fällen Tenor und Sopran), die sich mehr oder weniger offensichtlich eher auf der geistigen Ebene lieben. Ein paar Bühnen-Bussis, und das war es dann auch schon. Die heutige Art der Oper setzt dann eher auf Leid und Drama, denn auf die Zurschaustellung von Körperlichkeit.

Eine sich sehr erotisch darstellende Person in der Oper ist sicherlich die Titelheldin Carmen. Betörend, exotisch und doch ein Mitklang von Verzweiflung und Depression, das ist ihr Rezept. Der Carmen-Ausschnitt kommt noch dazu. Sogar eine nicht jugendfreie DVD-Produktion orientierte sich an Bizets großer Oper.

Die Operette ist da im Gegensatz zur „großen Schwester“ schon ein wenig ihrer Zeit voraus. Da wird definitiv mehr Haut gezeigt und mehr geflirtet. Deshalb, und wegen der eher weniger hochtrabenden, leidenden und seufzer-schweren Texte, hat Operette oft für „frivolere“ Unterhaltung gesorgt. Schöne Beispiele hierfür sind die Pariser Grisetten aus der Lustigen Witwe, die frühen Hetären aus der Schönen Helena, der Zuhälter aus Giuditta und einige mehr.

Bühnen-Begebenheiten so wie etwa „Jetzt folgt der Liebesakt!“ werden oftmals aber nur angedeutet. Progressive Inszenierungen werden (großteils) vermieden. Noch. Wer weiß, was man in kommenden Jahrzehnten auf den Opernbühnen sehen wird.

Sind Stimmen und Kostüme nicht mehr alleine interessant, gibt es auch einen Weg, welcher ohne Kostüme zu bestreiten ist? Nackt zu singen..? Wäre das denn denkbar?

Da gibt es Argumente, welche in Richtung Höhlenmenschen zurückgehen. Die hatten ja auch nichts an außer einen Schurz. Oper back to the roots? Aber da wären wir ausstattungstechnisch wieder ganz am Anfang. Das möchte man auch nicht riskieren.

Es gibt Befürchtungen, dass aber angedeutete Bühnenküsse nicht mehr ausreichen, um mehr Publikum anzulocken….

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

 

 

 

Plácido nuestro feiert Geburtstag! Der Tenorissimo freut sich auf weitere Highlights!

csm_domingo_4c4bdfc720

 

Plácido Domingo, spanischer Opernstar der Superlative. Vielbeschäftigt, engagiert, war er Teil der „Drei Tenöre“. Aber auch solo hört er sich sehr gut an. Die Wiener Staatsoper bezeichnet ihn als einen der bedeutendsten Künstler des 20./21. Jahrhunderts. Er setzt Maßstäbe in der Interpretation von Rollen. Sein Repertoire umfasst 147 Rollen. Unfassbar, eigentlich….

Bei den Salzburger Festspielen triumphierte Domingo in „I Due Foscari“, er wollte „AIDA“ ganz groß herausbringen – seine World Stadium Tour wurde aber leider nichts – er singt unermüdlich, auf der ganzen Welt. Auch zur Operette, welch Wunder, hat er sich früher bekannt: Sein Album „Romanzas de Zarzuelas“ (Zarzuela = spanische Operette) von 1990 wurde zum Erfolg. Er wuchs in einem Haus dieser Tradition verpflichtet auf.

Domingo mag als einer der letzten gelten, die stimmliche Mittel wirklich noch ausschöpfen. Energie und Kondition sind seine gepachteten Schlagworte. Vor kurzem hat er von den Medien vielbeachtet die Eröffnung des Wiener Philharmonikerballes dirigiert.

In Wien ist Plácido Domingo im Mai 2018 wieder zu erleben: In La Traviata (Verdi).

 

Gerhard Ernst: Schauspieler, Sänger und Bühnenvirtuose!

 

FOTOPROBE SEEFESTSPIELE M…RBISCH: "ANATEVKA"

Gerhard Ernst als Tevje in Anatevka, Seebühne Mörbisch 2014 (c)APA/Hans Punz

 

Der Sänger und Schauspieler Gerhard Ernst, der sehr oft an der Volksoper Wien zu hören ist: Viele kennen ihn auch aus einer bestimmten Fleischhauer-Werbung mit den „vertauschten Fällen“. Aber das ist gewiss nicht seine Kernpassion. 

Der 1946 geborene Ernst war fünf Jahre Mitglied am Wiener Burgtheater (von 1990-1995), und seit 2001 nennt er sich auch stolz Ensemblemitglied an der Wiener Volksoper. Seine Ausbildung genoss er in seiner Heimatstadt Wien, wo er die Schauspielschule Krauss besuchte und auch seine Gesangsausbildung bei Prof. Schwarzbauer hatte. Die Jahre 1968 – 1985 waren seine „deutschen Wanderjahre“ mit Beschäftigungen und Gastspielen von Mainz bis Krefeld. Aber auch bis nach Belgien, Holland oder Spanien führten den engagierten Gerhard Ernst seine Aufträge.

Im Jahr 1985 kam der Sprung nach Graz, wo er an Oper und Schauspielhaus bis 1990 tätig war. Auch im Theater an der Josefstadt in Wien war er bis 2001 Ensemblemitglied.

Man kennt ihn gleichermaßen am Theater, in der Operette und im Film. Er ist stilistisch breit aufgestellt und kann einen Frosch in der „Fledermaus“ ebenso virtuos spielen wie den gefühlvollen Milchmann Tevje in „Anatevka“.

Auch Filme zählen zu seinem Repertoire, so wie etwa „Komm, süßer Tod“, oder „Die Gottesanbeterin“.

Des Weiteren begeisterte er bereits mit seinen Soloprogrammen „Heute ziagt der G´schupfte Ferdl frische Socken an“, „Der Herr Karl“ und „Der Papa wird´s scho richten“.