SPECIALS & CONCERTS

Innovative Veranstaltungen und Konzerte mit speziellem Programm

Nathan Amaral als glücklicher Gewinner des CIMA Wiener Klassik Preises 2018.

Am 12. August fand das Galafinale der diesjährigen CIMA (Central International Music Academy) Meisterklassen im Haydn Saal der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien statt. Der glückliche Gewinner der Competition heißt Nathan Amaral.

Hart war es für die Fachjury (Vorsitz: O. Univ.-Prof. em. DDr. h.c. Michael Frischenschlager) aus den Darbietungen, die durchwegs auf einem sehr hohen Niveau stattfanden, einen Sieger zu wählen. Es wurden vornehmlich Werke von Mozart und Haydn zur Aufführung gebracht. Bei den Instrumenten handelte es sich um Violinen, Celli und Klavier.

Nathan Amaral, ein junger Violinist aus Brasilien, setzte sich am Ende mit Mozarts Violinkonzert in A-Dur (1. Satz) mit der höchsten Punktzahl durch. Er durfte sich über den Wiener Klassik Preis freuen. Auf Platz 2 lag die Moldawierin Alexandra Tirsu mit ihrer Interpretation des Mozart´schen Violinkonzertes. Platz 3 belegte der Kroate Mislav Brajkowic mit Haydns Cellokonzert in D-Dur (1. Satz).

Die Organisatoren Daniel Auner, MA und Mag. Tymur Melnyk freuten sich über ein äußerst gelungenes Galakonzert mit glücklichen Gesichtern. Nathan Amarals Jubelrufe waren kaum zu überhören. Ein vielversprechender, junger Künstler, der mit Leidenschaft interpretiert und glasklare Klänge produziert.

Links:

Nathan Amaral auf Video:

(c) Nextel Brasil

CIMA (Central International Music Academy):

http://www.cima-music.com

 

Sehr verschleyerte Märchen für Erwachsene: Brutalität, Erotik, Aktualität im Wiener Lustspielhaus

Im Wiener Lustspielhaus, wo gerade die Spielsaison mit „Der eingebildete Kranke – neu verschrieben“ läuft, geriet ein Gastspiel des Erzählers, Schauspielers und Kinderbuchautors Erich Schleyer, gemeinsam mit der Band SainMus zur Aufführung. „Wer hat Angst vorm bösen Wolf?“ ist ein Märchenpotpourri, welches nicht an brutalen Szenen und erotischen Anspielungen spart.

Deshalb ist auch extra ausgewiesen: Nur für Erwachsene. Aber Märchen, waren ursprünglich eben auch nicht für Kinder gedacht. Sie waren keineswegs harmlos. Sie hielten dem menschlichen Selbst einen Spiegel vor. Denn es läuft – auch laut Erich Schleyer – nicht immer alles im Leben so honigkuchen-mäßig. Die dunkle Seele wurde beleuchtet.

Schleyers erhobene und mächtige Stimme, die er immer wieder Grenzen ausloten lässt, wischt den Regen, der auf das Dach des Lustspielhauses enorm trommelt, einfach weg. Der Satz: „Glauben Sie mir ruhig, es wird heute auch noch bei uns donnern!“, sorgt für Gelächter im Publikum.

Die Blindschleiche und die Nachtigall eröffnen den Märchenreigen:

Ein äitologisches Tiermärchen der Gebrüder Grimm. Spannend in den ersten Zügen, lehrreich im Ausgang. Jedes der Tiere besitzt nur ein Auge. Als die Nachtigall sich schließlich von der Blindschleiche ein Auge leiht, und es nicht retourniert, droht die Schlange, sich zu rächen, an Kindern und Kindeskindern der Nachtigall. Aber diese spottet nur:
„Ich bau mein Nest auf jene Linden,
so hoch, so hoch, so hoch, so hoch,
da magst du’s nimmermehr finden!“

Die Brüder Grimm – Wilhelm und Jakob – wobei der Zuschauer erfährt, dass Wilhelm der Träumer war und Jakob der Exakte, sammelten also recht grausame Märchenstoffe.

Auch Rapunzel zählt zu den grausamen Märchen, weil ein Kind geraubt wird, und von der bösen Zauberfigur mitgenommen wird, nur weil die werdende Mutter unstillbare Gelüste hat. Wenn dann der Prinz zum Turme geritten kommt, tut er das nicht still und heimlich. Nein, der Erzähler unterstützt die Szene mit viel Körpereinsatz, indem er den trabenden Traumprinzen auf dem Pferd mit lüsternen Absichten nachstellt. Erst in der Wüste können die beiden dann miteinander glücklich werden. So manches Märchen folgt eben auch noch der Formel: ….und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!

Es ist nicht zu übersehen, dass Erich Schleyer mit Freude sein – diesmal erwachsenes – Publikum unterhält. Noch mehr freut er sich darüber, dass ihn zwei musikalisch sehr talentierte Herren begleiten: Philipp Erasmus und Clemens Sainitzer, zusammen das Duo SainMus, an der Gitarre und am Cello. Sie verausgaben sich und sind sogar manchmal etwas frech, wenn sie ein paar Märchenstrophen von selbst zu Ende erzählen.

Wenn es nicht eine schlimme Parabel auf eine Freundschaft mit Hintergedanken wäre, so müsste man bei der Begebenheit der Leberwurst und der Blutwurst Tränen lachen. Die Leberwurst besucht also nichtsahnend die Blutwurst. Eine verwurstete, und tragische Geschichte, hat doch die eine Wurst der anderen Wurst nach dem Leben getrachtet. Schleyer gestaltet dies so lebendig, dass man sofort ein konkretes Haus vor Augen hat, wo das abgelaufen sein könnte. Die innere Fantasie anzuregen, ist ein Talent des Künstlers (wohl seit Jahrzehnten kultiviert).

Hänsel und Gretel als Kannibalenmärchen, wo Hänsel erst gemästet werden müsste, um „schön fett zu werden“. Aber am Ende muss doch die böse Alte daran glauben.

Rotkäppchen, von diesem Märchen kam man an diesem Abend kaum los: Zahlreiche Adaptierungen, sogar eine, entstanden während der NS-Gräuelzeit, wurden vorgetragen.

Während der erste Teil des Märchenabends flott und locker, sowie sehr unterhaltsam und in angenehmer Länge abläuft, ist die zweite Hälfte dann eher ein wenig zähflüssig: eine Überlegung wäre es wert, hier ein paar Einsparungen bei sehr langen Passagen vorzunehmen.

Ein Abend, an dem bloße Berieselung stattfindet? Nein, wenn man das sucht, ist man hier falsch. Mitdenken und Reflektieren ist angesagt. Schleyer zeigt, dass Märchen genau genommen aktueller denn je sind.

 

Links:

http://www.erich-schleyer.com

http://www.sainmus.at

 

 

 

 

„Halb, so gut – Amadeus bewegt – Pädagogik inkludiert“ – DDr. Peter Wehle bei den Festwochen Währing

Einen genialen Künstler und Menschenkenner könnte man ihn nennen. Das greift aber ein wenig kurz für den Doppeldoktor Peter Wehle. Sohn von…? Das ist es auch nicht! Faktotum der Bücherschreiberei, der Psychologie, des Flügels? Bei einem umfassenden Auftritt im Festsaal der Bezirksvorstehung Wien-Währing im Rahmen der Währinger Festwochen zeigte er neben Halb, dem anwesenden Publikum (ich erkläre später wes-halb) sein Können. „Mord – Pause – Mozart“, so der Name des neuen Programms, geriet in der „Luxus-Version“ zu „Mord Halb aufgeklärt – Pause zur Reflexion – Mozarts tiefe Seeleneinblicke – Pädagogische Ansinnen – jazzige Vollendung“.

Kriminologie und Akribie vereint

Mit einem äußerst schwungvollen Einstieg in die Welt der Kriminologie, verbunden mit der Juristerei und der Psychologie, betritt DDr. Peter Wehle die Bühne. Und gleich ist man in der Welt des „strizzihaften“ Wien, bei den Ermittlerqualitäten des Hofrat Ludwig („Locken-Luzi“) Halb angekommen. In seinem Werk „Kommt Zeit, kommt Mord“ gesteht jemand auf dem Totenbett einen Dreifachmord. Doch leider sitzt ein anderer dieser Morde Angeklagte im Gefängnis. Das würde also bedeuten, dass dieser unschuldig die Strafe verbüßt und der andere, ebenjener im Krankenhaus befindliche, an Krebs leidende Mann, seiner gerechten Strafe durch natürliche Umstände entzogen wird. Auch den Hofrat Halb, Ermittler mit gewisser „Coolness“, erwischt es aber schwer. Er wird angeschossen….Überlebt er? Dazu muss man das Werk lesen, ist auch ein sachdienlicher Hinweis (neudeutsch: Ein Cliffhanger). Aber Peter Wehle ist einmal nicht so. Er befreit das Publikum von seiner Neugier: Halb überlebt – ganz und gar…..

Wolfgang Amadeus Mozart – ein Lehrstück

Ob heiß, ob kalt, ob halb, ob ganz: Vorhang auf für Joannes Chrysostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Bisschen latinisiert, der Name, es schadet aber sichtlich nichts. Peter Wehle erzählt mit Hingabe, Charme und voller Bewunderung seltene Details aus Mozarts Leben im zweiten Teil des Programms. Wussten Sie zum Beispiel, dass Mozart die Stadt Salzburg, „seine“ Stadt, nicht außergewöhnlich gerne leiden mochte?

Woran Mozart wirklich starb? Peter Wehle bittet seine Zuhörerschaft anzukreuzen:

Konkurrent Antonio Salieri (wie im Milos Forman-Film „Amadeus“ dargestellt)

Liebestechnischer Konkurrent und Schüler Franz Xaver Süßmayr (vollendete das Requiem)

Freimaurer

Frieselfieber (Umschreibung, Sammelbegriff für schlimme Krankheiten)

Aderlass (der mangels Fiebermessen darauf folgte)

Jedenfalls sind die Todesumstände von Mozart bis zum heutigen Tage nicht vollständig geklärt. Schade, dass der Himmel ein solches Talent in einem so jungen Alter (mit 35 Jahren) genommen hat, waren sich alle einig. Bestattet wurde er in einem mehrfach verwendbaren, josephinischen Klappsarg (von Reformkaiser Joseph II. im Jahre 1785 in Österreich aus Sparzwecken eingeführt). Ein sehr zurückhaltendes und einfaches Begräbnis also, für „unseren“ Mozart.

Ob Leopold Mozart ein „Eislaufvater“ aus heutiger Sicht gewesen wäre (nein, das hätte der kleine Wolfgang aufgrund seines Temperamentes nicht mitgemacht) und dass Mozart in seinem Leben 10 Jahre lang auf Reisen war und somit heute, 2018, mehr Vielfliegermeilen gesammelt hätte, als die Tourismusminister aller Länder zusammen…..das hat an diesem Abend auch beschäftigt.

(Nicht nur) leidenschaftliches, auch pädagogisches Klavierspiel

Peter Wehle spielt nun auf dem Klavier. Sein Lieblingsstück, wie er verrät, ist die Mozart-Sonate in C-Dur, KV 330 (andante cantabile). Daraus gibt er den bewegenden 2. Satz zum Besten.

Zum Abschluss des tollen Abends wird es noch „jazzig“. Wehle möchte der Zuhörerschaft pädagogisch das Klavierspiel vermitteln, indem er Variationen einer Grundmelodie demonstriert. Natürlich läuft das beneidenswert leicht von beiden Händen, kopfschüttelnd und staunend bleibt man erst einmal sitzen und muss das „verdauen“. Den zweckdienlichen Hinweis „Nehman S´ einfach des, was gut klingt!“ nimmt man auf mit rechtschaffenen Zweifeln, ob man selbst denn nur eine Viertelnote wie der erhabene „Klavierlehrer“ anschlagen könne.

Gratis Klavierunterricht vom Profi als Draufgabe, sozusagen. Dieser gipfelt in einer mitreißenden Jazz-Improvisation, die eine ganz neue Seite Wehles zeigt. Cool und markant. Es war also eine jede Stilrichtung vertreten. Wie ein Jazzpianist wirft er das Sakko über die Schulter und winkt zum Abschied.

Ein original wEhlerischer Abend. Wer nicht dabei war, hat etwas verpasst!

 

Info:

Mehr Informationen über DDr. Peter Wehles Krimi-Werke rund um den charmanten Ermittler Hofrat Halb:

https://www.haymonverlag.at/buecher/7815/mord-heilt-alle-wunden/

 

 

 

 

 

 

 

Arien, Duette, Operette: Im Mozartschloss Stuppach mit THOMAS WEINHAPPEL und LILLA GALAMBOS am 07. April 2018

Mozarts letztes Schloss in Stuppach (Niederösterreich) bot einen stilvollen Rahmen für ein seriös-heiteres Konzert aus Oper und Operette. Der Bariton Thomas WEINHAPPEL und die Sopranistin Lilla GALAMBOS (hochschwanger) boten ein fein abgestimmtes und unterhaltsames Programm in dem ausverkauften Haus. 

Das Schloss Stuppach wurde von der Familie Zellinger saniert und der „Schlossherr“ Reinhard Zellinger und seine Gattin freuen sich, das Schloss im Rahmen von Klassikkonzerten zugänglich zu machen. Im Schloss Stuppach befand sich lange Zeit das Requiem in d-Moll von Mozart. Es wird als Mozarts letztes Schloss vermarktet.

Zu Gast waren diesmal der Wiener Bariton Thomas Weinhappel und die ungarische Koloratursopranistin Lilla Galambos. Sie boten viele Mozart-Arien (was auch in diesem Schloss nicht verwunderlich ist). Auch Operette war prominent vertreten.

Thomas Weinhappel startete den Abend mit der spöttischen Darbietung „Se vuoi ballare, Signor Contino?“ (Kleiner Graf, willst Du tanzen?) aus Le nozze di Figaro. Eine energetische Vortragsweise gepaart mit Bühneneleganz.

Lilla Galambos sang die Blonde aus der Entführung aus dem Serail mit „Welche Wonne, welches Glück“. 

Die Moderation übernahm Emanuel Schulz (vielleicht eine Namens-Ähnlichkeit mit Schikaneder?!) und erzählte Parallelen von Mozarts Musikstücken: Monostatos´ Arie, die kleine Nachtmusik und das Flötenkonzert in G-Dur…

Ein schmachtender und fröhlicher, „verliebter“ Don Giovanni kam auf die Bühne, und bat um die „Hand seines Lebens“. Jeder weiß nun wohl, was gemeint ist. Das Bühnenpaar ergab sich dem Zauber des Duettes: „La ci darem la mano“, in welchem Don Giovanni die Zerlina umwirbt.

Genauso ging es auch weiter: Thomas Weinhappel lockte an das Fenster mit dem flehetlichen „Deh vieni alla finestra“ des Don Giovanni. Es gibt einen ähnlichen Beginn, bei der Rosenarie der Susanna aus Le nozze di Figaro. „Deh vieni non tardar..“ Das Motiv ist sehr ähnlich: Liebe und Sehnsucht nach dem „kurzen körperlichen Glück“.

Es folgte, wie es alle machen: Lilla Galambos interpretierte die Despina aus Cosi fan tutte. 

Thomas Weinhappel drehte energisch wieder den Don Giovanni in eine andere Richtung: „Fin ch’han dal vino“. Mit Champagnerglas.

Ein gebasteltes Schlussduett aus dem Figaro beschloss den Teil der Mozart-Da Ponte Trilogie („Don Giovanni“, „Le nozze di Figaro“ und „Cosi fan tutte“).

Lilla Galambos mit einer Arie der „Madame Silberklang“, einem recht selten gespielten „Stück“ leitete über zu….

„bei Männern, welche Liebe fühlen“, dem wundervollen Duett der Liebessuchenden, Pagageno und Pamina.

Thomas Weinhappel als Papageno lockt sein „Weibchen“ mit der Panflöte an. Lilla Galambos antwortet auf sein verzweifeltes Werben als Papagena mit den „Pa-Pa-Pa-Lauten“. Dann erleben auch sie „das höchste der Gefühle“.

Alsdann, Mozart, verabschiede er sich und lasse Johann Strauss (jun.) den Vortritt.

Thomas Weinhappel als schneidiger Graf Homonay (leider fehlt ihm für seine Darbietung nur das Fass) singt über das Ungarheer aus dem Zigeunerbaron. 

Die Koloratursopranistin wendet sich einer ihrer liebsten Aufgaben zu: Als Adele aus der Fledermaus rügt sie den imaginären Herrn Marquis Eisenstein mit „Mein Herr Marquis“. Sie setzt dabei, wie es im „Lehrbuch“ steht, den Fokus auf das Wort „Sollt´“ und nicht auf das Wort „besser“, wie auch manchmal in Aufführungen gebräuchlich. Die Textzeile hierzu lautet: „Ein Mann wie Sie, sollt´besser das verstehn´“.

Das bekannteste Duett von Strauss, aus seiner wohl bekanntesten Operette, folgt: Mit den Dialog-Einlagen sehr nett gestaltet, Graf und Gräfin Zedlau huldigen dem „Wiener Blut“, und was für ein kraftvoller Saft es nicht ist.

Als Graf Tassilo aus Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza mit „Komm Zigany“, eigentlich für Tenor geschrieben, macht Thomas Weinhappel eine gute Figur.

Die beiden Sänger müssen sich – und dürfen sich in der nächsten Arie tanzwütig zeigen. Die romantische Darbietung: „…wer ist wohl seliger heute, als wir zwei?“ stammt aus der Emmerich Kálmán – Operette Die Csárdásfürstin. „Tanzen möcht´ ich“ verlangt den Darstellern eben Gesangs- und Tanzkünste ab.

Beim folgenden (einem der schönsten Stücke der Operettenliteratur) Vilja-Lied aus Lehárs Lustiger Witwe kommt das Publikum als summender Chor zum Einsatz. Eine hübsche Idee. Dass dabei von der Sopranistin Lilla Galambos in der Aufregung die Strophen verwechselt werden, ist nicht weiter schlimm.

Und jetzt kommt der Womanizer, auf den alle gewartet haben: DANILO. Mit einer witzigen, „betrunkenen“ Note und einem Augenzwinkern. „Da geh´ ich zu Maxim“ ebenso aus der Lustigen Witwe, kann wohl jeder nachvollziehen beziehungsweise mitsingen.

Dass die Lippen von Lilla Galambos „heiß küssen“, beweist sie in der wundervollen, großen Arie der Giuditta (Franz Lehár). „Meine Lippen, sie küssen so heiß“, der Klassiker.

Dass Lippen auch schweigen können und bei heiklen Entscheidungen wie jenen in der Liebe auch manchmal (oft) schweigen müssen, erzählen die beiden Sänger in dem romantischen Duett „Lippen schweigen“.

Als Zugabe nach großem Applaus für die tollen Künstler gibt es noch einmal die Gräfin Mariza, mit dem Duett „Komm mit nach Varasdin“.

Ein toller Konzertabend und ein wunderbares Ausflugsziel.

 

Links:

http://www.mozart-schloss.com

http://www.lillagalambos.com

http://www.thomasweinhappel.com

 

 

 

 

 

 

 

 

JosefStadtgespräch mit Alexandra Krismer und Harald Serafin

In der Reihe „JosefStadtgespräche“ am Theater in der Josefstadt (Sträusselsäle) – immer gut besucht – drehte sich diesmal vieles um Bob Larbey, den britischen Autor der Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“. Aus diesem Anlass hatte ORF-Kulturredakteurin Eva-Maria Klinger zwei bekannte Schauspieler zur Matinee eingeladen.

Im Stück, das immer wieder vor ausverkauftem Haus stattfindet, geht es um zwei Bekannte im Altersheim. Einer hat körperliche Beschwerden, der andere kann sich nichts mehr merken und „schwächelt“ geistig. „Wir dürfen keine Zombies werden.“, so ein Satz. Zweifelsfrei ist es mit zwei so anspruchsvollen Rollen kein leichtes Unterfangen, eine Geschichte auf die Bühne zu bringen. Die beiden Hauptrollen im Stück spielen Otto Schenk und Harald Serafin, die Tochter von Otto Schenk auf der Bühne ist Alexandra Krismer. Die Bühnenkollegen sprachen in teils amüsantem, teils ernstem Ton über die Herausforderungen und die schönen Momente des Werkes und des Berufes.

Alexandra Krismer, die die Tochter des körperlich gebrechlichen Cooper (Otto Schenk) spielt, meint, es sei immer Teamarbeit, ein solches Stück auf die Bühne zu „stellen“. „Es kann nicht einer kommen und sagen, er ist Otto Schenk und trägt das Stück.“ Er muss die Rolle authentisch verkörpern, darum geht es. Auch verriet die gebürtige Innsbruckerin ein  dass Schenk in einer Szene, in der er auf den Boden fällt und dort liegen bleibt, seinen Mitspielern immer den Tipp gebe, jetzt nichts zu sagen, das sei ein Lacher.

Auch der Souffleur ist ein immer wieder stark beanspruchter Kollege im Theaterbetrieb. Er muss an einem Vorstellungsabend Großartiges leisten. Krismer absolvierte die Schauspielschule und ihr Traum war es schon immer, Schauspielerin zu werden. Genauso wie der Traum ihres sehr populären Bühnenkollegen Harald Serafin, der immer schon wusste, dass er Sänger und nicht Arzt (nach dem Wunsch der Eltern) werden wollte. Um ein Haar wäre es anders gekommen, bis er im OP ohnmächtig wurde, weil er kein Blut sehen konnte. Er setzte sich gegen die Eltern durch: Er sagte sogar seinem Vater, der mit der Bahn angereist war, um ihn zu überreden, in den elterlichen Textil-Betrieb einzusteigen: „Hast Du eine Rückfahrkarte? Dann gebrauch´ sie auch!“

Otto Schenk war am Opernhaus Zürich sein großer Mentor, den er lobend und bewundernd erwähnt. Er suchte damals für die Produktion der „Fledermaus“ von Johann Strauss einen (Gabriel von) Eisenstein, und fand ihn in Harald Serafin. Doch Otto Schenk war ein strenger Regisseur. Er triezte ihn und jeder Handgriff, jede Bewegung und jeder Ton musste nach seinen Vorstellungen sitzen.

Wie ist das für die beiden, auf der Bühne den Traumberuf ausüben zu können?

Alexandra Krismer betonte: „Seit dem Kindergarten, als ich als Maria im Krippenspiel auf der kleinen Bühne gestanden bin, will ich das tun. Da gab es so ein Strahlen, so einen Moment!“ Serafin meinte: „Der Drang zum Singen ist bei mir immer da! Ich singe überall. Ich singe beim Rasieren, im Bad, nur beim Zähneputzen geht das nicht! Es muss lebenswichtig werden, zu singen und tief in den Bauch die Stimme zu lassen!“ Auch Krismer bestätigte: „Jedes Mal, wenn ich vor Vorstellungsbeginn an seiner (Serafins) Garderobe vorbeigehe, höre ich lautes Singen, das gefällt mir sehr!“ Eva-Maria Klinger: „Er singt sich also ein für die Sprechrolle!“ Einen Mann zu spielen, der an Demenz erkrankt ist, ist für den lebensfrohen und fitten Serafin nicht leicht. Aber für seine leisen Töne wurde er sehr gelobt.

Auch persönliche Krisen waren Thema: Alexandra Krismer erlebte eine solche, als sie viele Jahre nicht mehr auf der Bühne stand. Die Münchner Kammerspiele sowie das Residenztheater waren ihr künstlerisches Zuhause, bis sie merkte, dass nichts mehr stimmte. Personell war nichts mehr im Reinen. Als sie zurückkehrte nach Österreich, kam sie an die Josefstadt. Spielfreude erlebte sie wieder in großem Maß.

Harald Serafin erholte sich nur langsam von einer Operation (Stimmbandkarzinom). Bei der „Nacht in Venedig“ 1989 merkte er, dass mit der Stimme etwas nicht in Ordnung war. Eine „Strafe“ und wie ein beruflicher Gau für einen Sänger. Er konnte nach der OP kaum hauchen. Felix Dvorak holte ihn für die Thoma-Komödie „Moral“ erstmals nach Berndorf zu den Festspielen, wo er mit Erfolg seine erste Sprechrolle hatte. Er versteht es wohl wie kein anderer, ein Schicksal zum Glück zu drehen.

Serafin erklärte: „Ich finde das Soziale gut und lustig, wie die Menschen miteinander umgehen, wie man sie packen muss.“ Er sei immer ein „Lächler“ gewesen, böse zu schauen vertreibt Kunden, so hatte schon seine Mutter gesagt. Man müsse „offen bleiben und sich immer umschauen, nach Managern, Sponsoren, Leuten, die einem helfen können“. Damit habe er nie ein Problem gehabt, auch nicht wenn es darum ging, auf Messen für „seine“ Seefestspiele Mörbisch zu werben, welche er 1993 übernommen hat. Gesanglich folgte operationsbedingt eine lange Pause, erst im Jahr 2001 stand er wieder in der Rolle des „Grafen von Lichtenfels“ im Land des Lächelns (Lehár) auf dieser Bühne.

Krismer aber sagte: „Ich könnte das nie. Ich bin eine zurückhaltende Person, ich würde nie laut rufen oder Ähnliches. Ich bin von Herzen gerne Schauspielerin, es ist einfach toll, sich in eine andere Rolle zu versetzen. In einen anderen Menschen hinein-hüpfen zu können, Abend für Abend!“ Auch von der psychologischen Seite her. Ein spannender Kontrast, wie sie die Divergenz zwischen zurückhaltender Privatperson und exaltierter Bühnenpersönlichkeit füllt. Auf der Bühne hat sie keine Schwierigkeiten mit Lautstärke und Extraversion. Das sieht man nicht nur in „Schon wieder Sonntag“, sondern auch in „Terror“ (F. von Schirach), wo sie den bedeutungsschweren Satz zu sagen hat: „Es ist nicht meine Aufgabe, Befehle zu hinterfragen!“. Mit diesem täte sie sich schwer, sagte sie.

Alexandra Krismer hat für die Zukunft auch Pläne abseits des Theaters: Sie möchte gerne in ein Land gehen, wo man eine andere Sprache spricht. Und zwar Englisch. Zum Film zu gehen, würde sie auch reizen. Sie weiß nicht, ob sie ihre ganze Karriere nur dem Theater widmen wird.

Serafin möchte sich wieder dem Lesen und auch dem Gesang zuwenden.

Harald Serafin als Aylott und Alexandra Krismer als Julia sind in Bob Larbeys Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“ (der letzten Regiearbeit des verstorbenen Helmuth Lohner) in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt aktuell zu sehen. Mit dem begehrten und fast immer ausverkauften Stück gehen sie auch in die nächste Spielsaison.

 

Info:

Homepage der Josefstadt

http://www.josefstadt.org

 

 

 

 

Fresken, Myrthen, Maschera – Gediegen in das Neue Jahr – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018.

 

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(c) APA

 

 

Der Italiener Riccardo Muti dirigiert 2018 zum fünften Mal das traditionsreiche Neujahrskonzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Die Wiener Philharmoniker üben sich heuer in Gediegenheit und dem Glamour von Italianitá. Die Wiener Stadtgärten stellten auch in diesem Jahr den Blumenschmuck in weiß, apricot und zartrosé.

Als Auftakt wählt man heuer Operette. Genauer gesagt den sehr oft verwendeten Einzugsmarsch aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss (Sohn). Im 3. Akt der Erfolgsoperette kommt dieser zum Einsatz. Muti legt über das eigentlich zackige Stück eine Art „Puccini-Schleier“. Es klingt somit einmal ganz anders.

Mit einer Spieldauer von acht Minuten und dreißig Sekunden zählt der Walzer Wiener Fresken (op. 249) von Josef Strauss zu den längeren Stücken. Eine Herausforderung vor allem für Violinen und Blechbläser. Wohlklingend, aber auch ein bisschen „lang“.

Wieder aus Motiven vom Zigeunerbaron (Zsupans Auftrittscouplet mit Borstenvieh und Schweinespeck, sowie der Schatzsuche von Saffi, Barinkay und Czipra) „bastelte“ Johann Strauss Sohn den nächsten Beitrag: Die Polka francaise Brautschau (op. 417). Ein leicht irreführender Name für Operettenfans: Mit der zu verheiratenden Arsena, die „mindenstens einen Baron“ heiraten soll, hat dieses kleine Stück nichts zu tun. Zum Schluss lässt man noch gepflegt die Pauke hören. Dass der Dirigent damit nicht seine aller-hellste Freude hat, ist auf gewisse Weise spürbar.

Als Nächstes wendet man sich einem anderen Werk vom gleichen Komponisten zu: Und zwar der Operette Wiener Blut. Die Schnell-Polka hierzu heißt Leichtes Blut (op. 319). Inspiriert ist sie vom „Tanzen, Dudeln, Lachen“ und dem „Remasuri in Hietzing“. Leichtfüßig wird sie auch interpretiert. Hier schenkt Christoph Koncz (Violine) dem Dirigenten ein kurzes Lächeln.

Von Vater Strauss dürfen ja auch manchmal die Werke nicht zu kurz kommen, man erinnere sich an frühere Neujahrskonzerte: 2018 ist er mit dem Marienwalzer (op. 212) ebenso wie mit einer Bearbeitung der Rossini-Oper Wilhelm Tell vertreten.

Beim Marienwalzer regieren gleichzeitig die Elemente wie Drama und Klang, Instrumente antworten aufeinander, an manchen Passagen ein wenig zünftig mit Trillern sogar. Eine Spieldauer von neun Minuten und fünfzig Sekunden sorgt für Entzücken. Diesmal ist es Tibor Kovac (Violine – Stradivari Cremona 1724), der verschmitzt lächelt.

Der Wilhelm Tell Galopp (op. 29b) ist rasant. Von fein-zurückhaltend bis aufbrausend ist mit einer tollen Variation dieser Version alles dabei. Man hat das Gefühl, die Oper kann bereits losgehen. Das Tempo ist eher das Spezialgebiet von Riccardo Muti. Wilhelm Tell, der tollkühne Held, den man nicht nur von der „Apfel-Story“ her kennt. Gioacchino Rossini widmete diesem eine Oper. Strauss ging ans Werk und steuerte seinerseits einen hübschen Galopp aus Motiven bei. Keine unübliche Vorgangsweise.

Und wieder ist die Operette gefragt: Diesmal bedient man sich eines anderen Komponisten, Franz von Suppé mit Boccaccio. Die Ouvertüre ist ein treffliches Stückchen für ein Neujahrskonzert. 1879 in Wien uraufgeführt, hat „Florenz immer noch schöne Frauen“.

Floral wird es mit dem Myrthenblüten-Walzer (op. 395) von Strauss Sohn. Die ältere Schreibweise, heute würde man die Myrte ohne „h“ schreiben, ist der Zeit geschuldet. Der immergrüne Strauch wurde vom jungen Strauss gepriesen. Auch hier findet man das Talent zu leisen Tönen wieder, die aber viel Elan und Kraft hervorbringen.

Ein Komponist, der erstmals beim Konzert zu hören war, ist Alphons Czibulka. Czibulka war österreichisch-ungarischer Militärkapellmeister. Er war eine Art Mozart, schon als Kind ein „Wunder“. Seine Komposition, die Stephanie-Gavotte (op. 312), entstand zu Ehren Prinzessin Stephanie von Belgien, und ferner Kronprinz Rudolf. Ein edles Stück Geschichte.

Ein ganzer „Block“ ist darauffolgend wieder dem Strauss gewidmet, und zwar dem „Schani“.

Seine Freikugeln (op. 326) lassen sich besonders schnell abfeuern, das beweisen die Philharmoniker einmal mehr. Oft hört man das kleine „Gustostück“ in der Operette Wiener Blut. 

Gut, die Geschichten aus dem Wienerwald (oder Wiener Wald)  (op. 325), werden immer und immer wieder gespielt. Später wurde dieser Walzer auch mit einer sehr tragischen Thematik überzogen. Natürlich, an der Umsetzung, fein gespielt, und mit einer Solistin an der Zither (Barbara Leister-Ebner) kann man nichts aussetzen. Wunderbar – die Häufigkeit der Aufführung ist allerdings wiederum auffällig.

Zum Fest-Marsch (op. 452) bittet das Orchester hernach. Hier lässt Ödön Racz mit konzentrierten Blicken seinen Bogen über den Kontrabass (M.I. Stadlmann, 1781) gleiten. Was ein prachtvolles Musikstück, kurz und wirklich sehr, sehr gut.

Zur Polka Mazurka Stadt und Land (op. 322) hört man schon beinah, wenn man wieder tiefer in die Operetten-Kiste greift, den Grafen Balduin Zedlau aus Wiener Blut zu seiner Geliebten Cagliari singen: „Dann und wann muss man doch auch bei der Frau sein, siehst du das ein?“ Ganz hübsch akzentuiert, auch von den Violinen.

„In hohem Maß in Verdis Diensten“ begreift sich der junge Strauss bei seiner Quadrille Un ballo in maschera (op. 272). Jetzt wird es (viel) italienischer! Aufrüttelnd und mit viel Glanz fließt dieses Werk, die Musiker haben daran viel Freude.

Meiner Meinung nach ein Meisterstück des Konzertes –  Der große Strauss´sche Konzertwalzer mit viel Italianitá: Rosen aus dem Süden (op. 388). Etwas leise zwar fast, feiner geht es aber kaum!

Eine frische Schnellpolka: Eingesendet (op. 240) heißt es dann für eine (Brief-)Sendung vom jüngeren Bruder Josef Strauss. Auch ein entzückendes, kleines Stück, zu welchem sich ganz hervorragend tanzen lässt. Und ein köstlicher Muti, als wollte er in Richtung Violinen sagen: „Was ist denn nun? Senden wir schon? Che c è?“ Ein ganz ordentlicher Trommelwirbel wird am Ende noch als I-Tüpfelchen draufgesetzt.

Ein fröhliches Lachen des Dirigenten kündigt eine Zugabe an: Die hinlänglich aus der Strauss´schen Fledermaus bekannte Schnellpolka Unter Donner und Blitz (op. 240), die musikalische Präzision erfordert.

Und nun: Der Donauwalzer (op. 314), der durch die Version 2018 eine opernhafte und sehr italienische Note erhält. Eine Neuinterpretation, kann man beinah sagen. Ein ganz interessanter und feinnuanciger, anderer Blickwinkel. Man spürt das Rauschen, aber auf eine andere Weise.

Der Radetzkymarsch von Strauss Vater (1848 am Wasserglacis in Wien uraufgeführt) komplettiert das Konzert. Hier dirigiert Riccardo Muti das Publikum sehr präzise und macht dann die sehr italienische „Weg-Wisch-Bewegung“. Besonders edle Führung ist hier angesagt.

Vielleicht hätte man an der Zusammenstellung der Stücke etwas arbeiten können. Es war sehr Strauss-lastig, besonders für einen italienischen Maestro.

Ein sehr nobles und auf das Wesentliche reduziertes Konzert ohne große Überraschungen, mit sehr wirksamer Musik. Riccardo Muti als Dirigent, welcher das letzte Mal 2004 am Pult der Philharmoniker stand, betonte bereits, dass er keinen Klamauk mit spaßigen Einlagen machen wolle. Die Musik an sich beinhalte den Humor. Eine äußerst angenehme Sichtweise, muss es nicht jedes Jahr Lustbarkeiten geben. Variatio delectat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Tradition gemischt mit „Coolness“, Filmmusik und Polka – Das Jahresrückblickkonzert 2017 des Musikvereins Schottwien

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Alljährlich ist es liebgewonnene Tradition: Der Musikverein Schottwien bat wieder am 8.Dezember zum Jahresrückblickkonzert nach Schottwien. Viele Besucher folgten der Einladung, darunter auch Schottwiens Bürgermeister Wolfgang Ruzicka. Ein stimmungs- wie auch schwungvolles Konzert boten die überaus motivierten Musiker und Musikerinnen.

Mit der „Washington Post“ startete man in einen heiteren Abend. Besonders die Bläser waren hier gefragt, amerikanische Attitüde zu verbreiten. Komponiert von John Philip Sousa 1889, erinnern die Takte an Pferdegetrappel. Der Kapellmeister-Stellvertreter Johann Pratscher führte nach den Grußworten des Obmanns Günter Frass charmant durch das Programm.

„California“ (aber nicht „here we come“) im Arrangement von Karl Safaric (aus Niklasdorf) wurde vorgetragen. Hört sich nicht nur toll an, auch ein wenig Samba-Gefühl im letzten Teil macht den besonderen Reiz dieser Version in Schottwien aus.

Es folgte ein Auftritt des Schulchors mit zwei entzückenden Liedern: „Oma liebt Opapa – sie sind ein verliebtes Paar“, wo der Alltag eines älteren Pärchens besungen wurde und „Das eine Kind ist so“, für mehr Toleranz in der Gesellschaft.

Josef Schwendt, der auch gleichzeitig an diesem Tag Geburtstag feiert, erfreute das Publikum mit Anekdoten von Alfred Josef Ellinger, der nach den Angaben des Jubilars „nicht so bekannt sei“ wie H.C. Artmann, aber doch einiges in Sachen Versmaß geliefert hat: „Sogenannte Bänkelsänger stiegen auf hohe Bänke und sangen im Stehen – ich werde das aus Sicherheitsgründen unterlassen und hier auf der Bühne bleiben“. Heiteres über den Wiener Ringturm und über das Parlament kann man doch immer gebrauchen.

Die Jugend des Musikvereins Schottwien präsentierte sich eindrucksvoll mit einem wieder sehr amerikanisch-puristischen „March“ von Frank W. Meacham mit dem sehr klingenden Namen „American Patrol“ . Als zweites Stück und doch großen Kontrapunkt dazu setzten die jungen Musiker und Musikerinnen die „Fuchsgraben-Polka“ von Karel Vacek. „Meine kleine Welt, war der Böhmerwald so grün – Vieles auf der Welt hab´ ich gesehn, doch ich denk nur an ihn. Meine kleine Welt, war mir einmal so vertraut, jeden Weg und jeden Baum seh´ ich heute noch in meinem Traum. Die schönsten Stunden hab am Fuchsgraben ich verbracht, denn dort hat mich die Liebste einst geküsst in der Nacht, die schönsten Blumen sah am Fuchsgraben ich erblühn´, wo ich mit meinem Herz noch heut´ zuhause bin.“ Der Gesangstext wurde diesmal ausgespart.

Verdient wurden zwei Mitglieder des MV (Obmann Günter Frass für 40 Jahre Mitgliedschaft mit der Ehrennadel in Gold des NÖ Blasmusikverbandes, sowie Obmann-Stellvertreter Lukas Schneider für 15 Jahre mit selbiger in Bronze) ausgezeichnet.

Mit der „Aufgehenden Sonne“, einem wunderbar lyrisch-impressionistisch geprägten Walzer von S. Andraschek (oftmaliger Arrangeur und erstmalig musikalischer Leiter des Musikfestivals Steyr/OÖ), welcher einen großen Konzertwalzer darstellt, rückt sich der MV ins rechte Licht.  Das hübsche Werk „Summer Evening“ und dann wiederum ein Kontrapunkt mit dem „9er Alpenjäger Marsch“ (R. Kummerer) beschlossen den ersten Teil des Abends.

Nach einer Pause rüttelte ein Medley bekannter Melodien von Hans Hölzel auf: „The Best of Falco“ in einem Arrangement von S. Conte. Die „Rock me Amadeus“ – Rufe ließ man bewusst vermissen.

Eine neue Strömung präsentierte das „Under the Bridge Orchestra“, ebenso eine junge Abordnung des MV. Jazzige Klänge mit Blasorchester werden präsentiert. Eine Anspielung natürlich, auf die Brücke von Schottwien. Das Gehör wird gefordert mit „Birdland“ (von J. Zawinul) und ebenfalls vom selben Künstler „Mercy, mercy, mercy“. 

Frisch und fröhlich wurde vom gesamten MV Disneys „How To Train Your Dragon“ – zu Deutsch „Drachenzähmen leicht gemacht“, die Filmmusik mit dem putzigen kleinen Drachen Toothless – „Ohnezahn“ gespielt.

Es folgten Meilensteine der Filmmusik (Komponist: der berühmte Hans Zimmer): „Movie Milestones“ etwa mit dem Einzug aus „Gladiator„, oder aber auch „He´s a Pirate“ aus „Fluch der Karibik“ (Disney).

Josef Schwendt, der wie erwähnt das Wiegenfest beging, wurde mit einem eigens komponierten kleinen Lied, gesungen von Mitgliedern des MV, Peter Pranzl und Johann Pratscher, Tribut gezollt: „Is da Pepi Do?“, „Ist der Josef (schon) hier?“.

Eine hübsche Polka „Ein Herz für Blasmusik“ von M. Rauch sowie der „44er Regimentsmarsch“ bereiteten vor den heftig eingeforderten Zugaben noch Freude.

Die „Hymne“ der Schottwiener Musikanten, der „Rainermarsch“ mit eigenem Text „Wir sind die Musikanten, vom Felsennest Schottwien, wir wollen euch erfreuen, mit uns´ren Melodien, zum Musiziern´ und Singen, sind wir gemeinsam hier, die Freude soll hoch leben, keine Sorgen haben wir!“ ist unumstößlich.

 

 

B wie Buntgemischt – Jahresabschlusskonzert des Kreuzberger Musikvereins im Theater Reichenau.

 

 

Jährlich gibt sich der Kreuzberger Musikverein die Ehre und lädt Gäste ins Theater Reichenau ein, um das Jahresabschlusskonzert zu zelebrieren. Im heurigen Jahr wurden auch einige Ehrengäste geehrt, sowie langgediente Musiker.

Das Konzert unter dem langgedienten Kapellmeister Franz Stranz (über 30 Jahre) begann mit dem 1. Teil. Alt-Österreich kam zu Ehren mit dem Marsch „Unter dem Doppeladler“ von Josef Franz Wagner. Der mit der Moderation betraute Dr. Christoph Kainz (stv. Vorsitzender des Kuratoriums des Zukunftsfonds Österreich) verlor immer wieder kundige Worte über das kommende Stück.

Zur Ouvertüre der Oper „Il finto Stanislao“ von Verdi („Un giorno di Regno“) – „König für einen Tag oder Der falsche Stanislaus“ gab es einiges anzumerken: Zufolge einer unzulänglich studierten Erstaufführung, und nicht zwingend der mangelnden Kompositionskunst Verdis, fiel diese Oper beim Publikum durch. Der Chevalier Belfiore soll für eine kurze Zeit in die Rolle des Stanislaus Leszczynski (abgesetzter König von Polen) schlüpfen, damit der echte aus dem Exil nach Polen zurückkehren kann. Dadurch ist er „König für einen Tag“.

Der allseits bekannte Bedric (der Frederic, wie er „eingedeutscht“ hieß) Smetana war ebenso nicht frei von Kritik, als er sein doch sehr populäres Werk „Die verkaufte Braut“ schrieb. Er soll abgeschrieben haben, sogar von Richard Wagner. Bewahrheitet haben sich diese Gerüchte aber nicht. Vom Kreuzberger Musikverein, der sich zu diesem Zwecke auch sehr feinen Klängen widmet, hörte man die „Polka“, das „Finale“ und den „Springtanz“.

Dr. Kainz fachsimpelte inzwischen auch über die böhmische und die österreichische Küche („Ist sie nicht quasi dieselbe?“) Er selbst, fügte er schmunzelnd hinzu, könne „nicht kochen und sei froh darum, denn: Bei ihm würden Kaiserschmarrn und Powidl-Tatschkerl immer nur staubtrocken auf dem Teller landen.“

Um das Land Slowenien zu ehren, wurde die symphonische – und sehr wohlklingende – Ouvertüre „Slovenia“ von Alfred Bösendorfer komponiert. Die Musiker des MV Kreuzberg intonierten auch diese mit einer gewissen Portion Verve und einer großen Ernsthaftigkeit.

Ein deutscher Militärmarsch folgte schließlich noch zum Abschluss des ersten Teiles: „Hoch Heidecksburg“,  von R. Herzer, dessen Melodie sehr eingängig und auch manchen Fernsehzusehern von einem gewissen Herrn Silbereisen geläufig ist…“Hallo, wie geht´s euch?“

Dem scheidenden Bürgermeister des Kurorts Reichenau an der Rax, Nationalrat a. D. Hans Ledolter, wurde mit der Fördernadel in Gold des NÖ Blasmusikverbandes Tribut gezollt.

Im zweiten Teil des gut besuchten Konzerts begaben sich die Mitglieder des MV auf eine Fantasiereise durch das „Wunderland“ mit der lieben Alice. Komponiert von Sammy Fain, ist dieses Stück auch gewissermaßen eine Hommage an die Märchen von früher.

Sehr pariserische und Musical-Klänge werden mit „The Phantom of the Opera“ von A.L.Webber (Medley) laut. Dr. Kainz brachte hier den Originalschauplatz, die Oper Garnier in Paris ins Spiel. Diese verfügt über eine unterirdische Wasseransammlung, auch „geheimer See“ genannt. Gelegentlich muss diese abgepumpt werden.

Modern Times brechen an mit „The Best of Falco“ in einem Arrangement von Stefano Conte. Rock me Amadeus, auch ausgerufen, das haben die Musiker bereits verinnerlicht. Der Sound muss hier angepasst werden, rockiger soll es klingen, Wolfgang Floner entert die Bühne und übernimmt das Dirigat.

Ein ganz liebliches „Stückerl“ Geschichte folgt mit der „Sternen Polka“ von F. Manas.

Am Ende zeigen sich die Mitglieder des MV ganz traditionell, und mit den Marketenderinnen an ihrer Seite singen sie und spielen sie ihren „Kreuzberger-Marsch“, komponiert von Ehrenkapellmeister Leo Perner. Es kamen noch etliche Zugaben dazu, gefordert vom enthusiastischen Publikum.

 

 

 

Gala-Eintritt zum Weintritt, alle Stars machten mit! Benefizgala des Autohauses Weintritt in Eisenstadt

Ein fulminanter Galaabend, sowie die Verlosung eines Kleinwagens, und der ganze Abend für den guten Zweck. Das war die diesjährige Licht ins Dunkel-Charity  im Haydnsaal des Schlosses Esterházy in Eisenstadt, mit dem bemühten und geistreichen Moderator Dr. Sepp Gmasz, der nicht müde wurde, alle Leistungen entsprechend zu würdigen. Landeshauptmann Hans Niessl wandte sich zudem mit Grußworten an seine Burgenländer und Burgenländerinnen. Die Familie Janoska (v.a. die Brüder Frantisek, Ondrej und Roman, welche gemeinsam mit Schwager Julius das Janoska Ensemble bilden) lädt wie jedes Jahr hochkarätige Künstler-Gäste zur Licht ins Dunkel Gala ein. 

Einen schwungvollen Auftakt lieferte der Chor der 3c der NMS Theresianum Eisenstadt, alle jungen Damen in rosa Charleston-Tops und junge Herren in weißen Hemden, sie interpretierten „You Raise Me Up“ (Du ermutigst mich) des Norwegers Lovland, das unter anderem der Boygroup Westlife zugeschrieben wird, und von der Rockband Coldplay „Viva la Vida“. Dazu noch inspiriert von Martin Luther King „I have a Dream“.

Das siebenjährige und sehr ambitionierte „Wunderkind“ Heidi Schuszter begeisterte auf dem Piano, nachdem ihr der Hocker erhöht und zurechtgerückt wurde, mit schwerer Bach-Kost und mit dem leider früh taub gewordenen Ludwig van Beethoven.

Die Gruppe Dance Passion Burgenland (Viktoria Hotwagner, Daniela Pfeffer, Tamara Kalcher, Walter Ehrenhöfer und Petra Hrachovina) bewegte ihre begnadeten Körper zu dem bekannten Lied „Gold von den Sternen“ aus dem Musical „Mozart!“. Außerdem stiegen zwei Mitglieder der Gruppe aus ihren Capes und präsentierten in einem zweiten Durchlauf noch eine erotischere Darbietung aus dem Musical „Dreamgirls“: „One night Only“. Romantisch und feurig zugleich.

Die Schauspielerin und neuerdings auch Chanson-Sängerin Lilian Klebow (merklich stark erkältet) trat gemeinsam mit Entertainer- und Komponistenlegende Bela Koreny auf und versuchte sich an Hildegard Knef.  Sprich: „Für mich soll´s rote Rosen regnen“. Ihrer Stimme tat das an diesem Abend vermutlich nicht sehr gut. Dennoch „markierte“ sie nicht und versuchte all ihre Ausdruckskraft zusammenzunehmen. Den „Abschiedsbrief“ an einen fiktiven „Schatz“ hatte sie auch noch im Portfolio. Scherzhaft sagte sie: Bela hat mich fesseln und knebeln müssen, damit ich mit ihm auftrete!“

Das talentierte und über alle Maßen spielfreudige Janoska-Ensemble dominierte den zweiten Teil des Programmes: Frantisek, Roman, Ondrej (Brüder) und Julius (Schwager) geigten und spielten auf. Stampfen gehört bei ihnen als Ausdruck der Spiel- und Lebensfreude immer dazu, gefolgt von nahezu atemberaubender Virtuosität. Fritz Kreisler ist ihnen nicht als einziger Komponist ein Anliegen, zu Anfang spielten sie sein „Präludium“ und „Allegro“.

Dann stieß zum Ensemble Bariton und Kulturmanager Daniel Serafin dazu, der ein Medley zum Besten gab. Nach der Phrase „Come to Danny“, wurde es immer ausgelassener. Einfühlsam und mit toller dunkler Stimme folgte auch sehnsuchtsvoll: „Besame Mucho“, wobei auch auf Englisch, nicht nur auf Spanisch gesungen wurde (El Señor Daniel habla muy bien español!), sowie „Fly me to the Moon“ oder „Bei mir bist du Schen“, wobei auch dieser Umstand gleich auf Englisch erläutert wurde: „Please let  me explain, bei mir bist du schen, means you are Grand!“ Daniel Serafin erhielt vom Moderator Dank für sein jahrelanges Engagement für Licht ins Dunkel.

Das Janoska Ensemble spielte auch noch mit weiteren Gästen auf: Ferry Janoska am Bandoneon, wobei hier der Fokus klar auf Astor Piazzolla gelegt wurde.

Dann der Weltstar aus Pottenstein in Niederösterreich, was nicht ohne Stolz erwähnt wurde: Daniela Fally, die Top-Sopranistin mit Weltkarriere, an allen wichtigen Opernhäusern. An diesem Abend zeigte sie ihre schmachtende und temperamentvolle Seite mit den beiden Arien aus zwei wunderbaren Operetten von Stolz und Dostal. Einmal wandte sie sich vertrauensvoll an den Violinisten Roman Janoska, und dann noch einmal an Ondrej, seinen Bruder, als sie zweierlei Geigen-Lieder intonierte und nach Spitzentönen, die ihresgleichen suchen, auch noch tanzte. „Spiel mir das Lied von Glück und Treu“ (von der „Ungarischen Hochzeit“, Dostal) und „Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust“ („Venus in Seide“, R. Stolz).

Die Verlosung eines Kleinwagens erwies sich noch als humoristischer Höhepunkt des Abends mit einem sehr launigen Prof. Harald Serafin, der bei der Ziehung assistierte und der Automarke, doch eine recht gute Qualität attestierte, als ein Modell verlost wurde. Der Gewinner konnte schließlich per Telefon ausfindig gemacht werden, auf den Anruf und der Mitteilung: „Es hören Ihnen 700 Leute zu, Sie haben einen Wagen gewonnen!“ reagierte dieser charmant burgenländisch: „Machn´s mi net narrisch!“

Zum großen Finale fand sich zur Verzückung aller auf der Bühne auch der Nachwuchs der Familie Janoska ein (u.a. Amadeus, Leonidas und Melody) zum gemeinsamen Singen und Musizieren von Leonard Cohens: „Hallelujah!“

Ein schöner Abend im tollen Schloss Esterházy mit einem köstlichen Buffet und himmlischen Petits Fours.

 

 

 

 

 

 

 

„Unser Oscargewinner“ und (s)ein neuer Film: Tulpenfieber mit CHRISTOPH WALTZ.

 

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Christoph Waltz als Kaufmann Sandvoort in „Tulpenfieber“ (c) ProKino Filmverleih 2017

 

Die Zeit beginnt wieder. Die Leute werden durch die Straßen laufen und verkünden: „Ich hab´ den neuen Waltz-Film schon gesehen, du auch?“ Das Multitalent und der 2-fache Oscargewinner Christoph Waltz macht Filme, inszeniert Oper und fasziniert uns, oder die meisten von uns. Steile Karriere in Hollywood und immer eine gefestigte Meinung, so kennt man ihn.

Der neue Film Tulpenfieber (Tulip Fever): Er bietet Raum für Historie, auch für Spekulationen. Das Werk fußt auf der Tatsache, dass exklusive Tulpenzwiebeln im Amsterdam des 17. Jahrhunderts teuer waren, und ja, by the way, man trug Halskrause. Justin Chadwick als Regisseur macht daraus eine Romanze, mit durchaus tragischem Hintergrund. Ein Tulpenboom um 1630, die Gewächse (oder besser deren Zwiebeln) verkauften sich wie die sprichwörtlichen „warmen Semmeln“.

Der reiche und kunstsinnige Kaufmann (Waltz) will nicht alleine sein und holt sich eine blutjunge Gefährtin. Von ihr möchte er ein Porträt anfertigen lassen. Dummerweise verliebt sich Sophia (A. Vikander) in den armen, bestellten Kunstmaler Jan. Die Geschichte endet tragisch… Kunst und Museen spielen ebenso eine bedeutende Rolle. Gar als Kostümfilm wurde das Werk schon bezeichnet, der Anspruch einer Vermittlung (der Kunst) geht aber tatsächlich weit darüber hinaus.

Kunst muss man einfach lieben? Ist es tatsächlich so einfach, oder hat jeder seinen eigenen Zugang dazu, kann Kunst in schwierigen Zeiten, in turbulenten Gegebenheiten, helfen oder eher nicht? Bildet sie die Realität ab oder gibt sie uns ein Scheinbild mit auf den Weg? Auch hier gibt der Film einen Denkanstoß.

Im Rahmen eines Interviews bestätigte Waltz: >>Ein etwaiger Exklusivitätsanspruch, ein Kunstwerk zu besitzen, ist per se eigenartig. Kunst sollte mit möglichst vielen Menschen geteilt werden.<<