Roman Janoska

Sommermusik # 3: Das Janoska Ensemble mit „Revolution“ beim Kultur.Sommer.Semmering im Südbahnhotel

Egal, wo diese Herren auftreten: Kalt lassen sie mit ihrem Style niemanden. Beim Kultursommer Semmering in der (neuen) alten Spielstätte, dem Südbahnhotel, ließen sie Saiten und Tasten klingen. Das Janoska Ensemble versucht die „Revolution“ klassischer Musik und lässt sich dabei nichts vorschreiben (außer von den Komponisten, natürlich).

Frantisek, Roman und Ondrej Janoska (drei Brüder) und Julius Darvas (Schwager) übernehmen beim Improvisieren von klassischer Musik das Zepter. Das Ensemble hat einen eigenen Janoska Style entwickelt. Dieser verbindet die Klassik mit der Moderne (zweideutig gesprochen). Es kommt durchaus vor, dass ein Beatles-Song mit einem Kanon gepaart wird. Dieser Mix klingt nicht nur, er schwingt auch. Sprechen mit den Augen, Stampfen mit den Füßen. Dabei Musizieren mit Leidenschaft, Virtuosität, Genialität.

Die weltweit gefragten Musiker lieferten eine furiose Show, die die Klassikwelt bereichert. Für ihr neuestes Werk, „Revolution“ kombinierten sie Pop und Kanon, Beatles und Pachelbel, Beethoven und Cole Porter. Wie das klingt? Ziemlich genial.

Im wunderbaren Ambiente des Südbahnhotels (wie aus der Zeit gefallen) gaben die vier Virtuosen einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen und präsentierten gleich Mozarts Ouvertüre zu Le nozze di Figaro, gewürzt mit modernen Akkorden. Wienerische Nuancen spielt Frantisek am Bösendorfer aus, später sollte es ihn vor musikalischer Ekstase fast vom Klavierschemel reißen. Zeitweise hatte man wahrhaft den Eindruck, das Ensemble würde gleich vom Boden abheben, etwa bei Romans liebevoller Hommage an seinen Sohn Roman Jr. Hello Prince. Dieses Werk im 7/8 Takt ist dem Datum 07.08. geschuldet, an dem die Nachricht eintraf, dass Romans Frau schwanger sei. Roman, überhaupt, ist ein intuitiver Spieler, Notenblatt braucht er keines, genauso wenig wie die anderen. Nur Julius „überwacht den Prozess“ und übernimmt auch die Moderation. Er ist es auch, der mit seinem Kontrabass für einen tiefen Kontrast zu den Violinen sorgt. Bedauerlicherweise, so sagt er, wird die so bedeutende Improvisation der Musik heute nicht mehr unterrichtet. Früher war dies normal, und was man nicht alles mit Kadenzen angestellt hat…

Man kann getrost von Gesang sprechen, wenn sich Ondrej und sein Bruder Roman mit den Violinen unterhalten. Immer wieder laufen sie aufeinander zu, werfen sich Blicke hin, lassen die Bögen fliegen. Roman übrigens braucht nicht immer einen. Er funktioniert das Instrument kurzerhand zur Gitarre um und hat viel Spaß dabei. Ondrej scheint oft versunken in die Musik zu sein, wenn sein Einsatz kommt, ist er nicht zu bremsen.

Die Beatles kommen mit Versionen von Let it Be und Yesterday zu ihren Ehren. Dabei schließen manche Besucher andächtig die Augen. Und man muss sagen, dass es diese Versionen der Janoskas wert sind, dass sie auch die Beatles hören. Wenn man ganz aufmerksam zuhört, sagt Julius, hört man auch den Pachelbel-Kanon heraus. Sagenhaft!

Der gemeinsame Lieblingskomponist von allen vieren ist Johann Sebastian Bach. Und so liegt es nahe, dass sie sich auch seiner 3. Suite für Orchester, D-Dur, 2. Satz angenommen haben. Besser bekannt unter dem Namen Air. Auch diese gerät einfach zum Erlebnis. Muss man gehört haben!

František greift schließlich zum Mikrofon und kündigt ein eigenes Stück eines sehr gutaussehenden, talentierten Pianisten an: Er hat für seinen Sohn Leonidas, der „ihn zu Hause immer dirigiert“, den temperament- und gefühlvollen „Tanz“ Leo´s Dance geschrieben. Wie oft lassen sich alle konstituierenden Elemente eines veritablen Mix finden. Tolle Kombination.

Eine Herausforderung, die sich das Ensemble selbst auf den Leib geschrieben hat: Cole over Beethoven. Da findet sich die Mondscheinsonate neben Night and Day wieder.

Netterweise ließen die vier Herren das Publikum nach einer Runde frenetischen Applauses abstimmen, was für eine Zugabe erfolgen sollte. Der „Hummelflug“ verlor knapp gegen „Adios Nonino“ von Piazzolla.

Wer neu konstruierte Werke der Klassik in Verbindung mit Jazz und Pop schätzt, findet viel Mittelmaß auf diesem Sektor vor. Das Janoska Ensemble allerdings spielt in einer eigenen Spitzen-Kategorie. Sie haben ihren unnachahmlichen Style erschaffen. Nicht enden wollende Standing Ovations beweisen das.

Die nächste Gelegenheit, die Ausnahmemusiker zu erleben, bietet sich im südlichen Niederösterreich am 28. Juli in Pitten. Dazwischen machen sie aber noch Ausflüge nach Hong Kong und Salzburg.

Info:

Das Janoska Ensemble mit der neuen CD „Revolution“

www.janoskaensemble.com

Der Kultursommer Semmering

http://www.kultursommer-semmering.at

Noten und Musik im Blut – in den Beinen Übermut! Das Konzert des Janoska Ensemble mit Bireli Lagrene im Kulturzentrum Eisenstadt

KUZ Eisenstadt

Burgenland

 

Die Brüder Frantisek, Roman und Ondrej sowie Julius Darvas – gemeinsam das bekannte „Janoska Ensemble“, fanden sich im Kulturzentrum Eisenstadt/Burgenland ein, um eines ihrer mit Spannung erwarteten Konzerte im Rahmen ihrer CD-Tour „Janoska Style“ zu performen. Für ihren unverwechselbaren Virtuosen-Sound sind sie bekannt, sie nehmen sich Werke bekannter Komponisten wie Paganini, Mozart, aber auch Filmmusik von Lalo Schifrin her und spielen diese in ihrem „Janoska Style“, der inzwischen eine Instanz darstellt. Für das Konzert in Eisenstadt holten sie sich den Jazz-Gitarristen aus Frankreich, Bireli Lagrene, als Verstärkung (mit Verstärker) her.

Ein ganz besonderes Stück war bereits am Beginn dafür wie gemacht, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Eine wohlbekannte Melodie, die in Ansätzen wohl jeder nachpfeifen kann und (zumindest zu Silvester) schon einmal gehört hat: Die Ouvertüre zur „Fledermaus“ von Johann Strauss. Original in A-Dur 4/4 alla breve, nehmen sich die Janoskas dieser an und interpretieren sie einmal weitgehend fernab des Originals, als modernisierte und trotzdem leidenschaftliche Version, die sofort ins Ohr geht!

Später wird sich auch dem Komponisten Fritz Kreisler gewidmet, er war ein Schüler von Joseph Hellmesberger Junior und Anton Bruckner, Frantisek Janoska schrieb ihm zu Ehren in einem Café in Paris, in der Rue de Rome, die „Musette pour Fritz“, die das Ensemble nicht minder leidenschaftlich und mit feinen, austarierten Bewegungen interpretiert. Natürlich ist im Falle solcher Musiker auch einmal „blind“ Klavierspielen durchaus möglich, wenn Frantisek versonnen und wissend ins Publikum blickt und sich vergewissert, ob alle noch aufmerksam sind, während er seine Finger in bewährt verspielter Manier über die Tasten gleiten lässt. Dazu muss man aber schon Vollblut-Musiker sein, das kann wahrlich nicht jeder.

Persönlich wird es dann, wenn wieder zwei der Musiker eigens komponierte Werke für ihre lieben Kinder vorstellen: Dann wird das Publikum Zeuge, wie der stolze Papa Roman Janoska an der Violine ein zärtliches, und später auch energisches Widmungs-Lied für seine Tochter spielt: „Melodie für Melody“ heißt es und gerät zu einem Wechselbad voller Energie und man spürt die Freude und Empathie. Nicht minder hat sich Frantisek Janoska bei dem seinerseitigen Stück „Rumba für Amadeus“ ins Zeug gelegt. Ganz leise, schmelzende Töne treffen da auf südländische, packende Rhythmen, die das Publikum fast zum Mitklatschen animieren. Wenn die beiden Kinder das später noch einmal hören, werden sie gewiss stolz auf ihre Väter sein.

Die Mondscheinserenade von Beethoven „haben wir uns erlaubt zu verbinden mit „Nights and Day“, so Julius Darvas, der auch die Moderation übernahm. Romantische Motive mit modernen Anklängen, so war auch das Thema dieses Abends „Blue Note, Vienna-Paris-New York“.

Die Filmmusik war ebenso prominent vertreten: Jeder dachte wohl an den Titelhelden Tom Cruise, als man die Takte von „Mission Impossible“ (Filmmusik von Lalo Schifrin) vernahm. Doch als man im Publikum auf die Synchron-Haltung der Geigenbögen von Ondrej und Roman Janoska achtete, war Cruise für einen Moment auch vergessen. Perfekt aufeinander abgestimmt musizierten hier die Brüder, als gäbe es kein Morgen. Übrigens wäre auch ein James-Bond-Theme, vielleicht „Goldeneye“ oder „Der Morgen stirbt nie“ bei den Janoskas in allerbesten Händen.

Die Paganinoska – eine wunderbare, persönliche Komposition der Janoskas zu Motiven von „Teufelsgeiger“ Niccolo Paganini, war ein Höhepunkt des Konzertes!

Alle Musiker zeigen einen leidenschaftlichen Körpereinsatz und kleinere, aufheizende Rufe bei den Stücken. Besonders Roman Janoska schont beim Auftritt (auch zur Freude der Zuseher) seine Sprunggelenke nicht. Musik geht eben nicht nur durch die Instrumente (man merkt die Liebe zu selbigen bei jedem Handgriff der Brüder und des Ensembles) sondern auch durch den Körper!

Ein fantastischer Abend voller persönlicher Musik und sehenswerter Persönlichkeiten!!! Es lebe der Janoska Style!