Sommeroperette # 5: Die Seefestspiele Mörbisch mit „Das Land des Lächelns“ (F. Lehár)

Der Neusiedler See erlebt mit Lehárs Operette, die wie der künstlerische Leiter Peter Edelmann betont, nahezu eine Oper ist, eine niveauvolle Aufführung. Effekthascherei steht im Hintergrund: Die puristische Wirkung schöner Stimmen und ein Drache, der harmonisch das Geschehen anleitet, sind genug.

Alles läuft sehr stilvoll ab in der Regie von Leonard C. Prinsloo (bereits bekannt aus Bad Ischl) auf der Seebühne. Zuallererst sind da die edlen und wunderbar reduzierten Kostüme von Cristof Cremer. Der deutsche Kostümbildner hat sich wohl intensiv mit Farbenlehre beschäftigt. Nichts schreit oder sticht allzusehr hervor. Lisa trägt hochfeine Kleider, von gemustertem Chinaporzellan inspiriert, über eine violette Kombination mit Perlen bis hin zum dunkelblau-weißen Abreise-Kostüm. Prinz Sou-Chong trägt die Farben Schwarz und Gold. Nur einmal, als sein Schmerz sehr groß ist, darf er sich seiner Jacke entledigen. Prinzessin Mi trägt Violett-Pink und schließlich Weiß (in China die Farbe der Trauer?). Gustl bleibt traditionell wienerisch in Uniform, das Kostüm von Graf Lichtenfels erinnert sehr an die Aufführung von 2001 mit dem äußerst dekorativen grünen Federbusch.

Anfangs, als Lisa das Pferderennen gewinnt, wird sie effektvoll von der Gesellschaft angefeuert. Dabei schauen alle ins Publikum, und es ertönt das obligate künstliche Pferdegetrappel wie zum Beispiel schon 2009 bei My Fair Lady. Diesmal aber mit Ansage („Lisa Lichtenfels zieht an allen vorbei, die Nummer 7″) in Sportnachrichten-Manier. Sie gewinnt, muss sich vor ihrem Vater dann aber nochmal als Frau behaupten. In der Zeit der Uraufführung war es so. Das „Land des Lächelns“ hieß 1912 „Die gelbe Jacke“. Die Handlungsorte Wien und Peking wurden beibehalten, allerdings spielt der 1. Akt im Prater. Die „Drachenbahn“ winkt hier bunt, das Bühnenbild wurde von Walter Vogelweider gestaltet. Vieles ist drehbar, wirkt imposant, aber doch mit einer gewissen Noblesse, nicht grob. Der große Drache inklusive Stiege hat später seinen Auftritt. Seine Augen leuchten einmal blau. Zum Ende der Aufführung dann rot in die Finsternis. Ein toller Effekt, der keinesfalls übertrieben wirkt.

Elissa Huber (von der Wiener Volksoper) fühlt sich mit der Partie der Lisa Lichtenfels wohl. Sie spricht wunderbar. Stolz präsentiert sie stimmlich allerorten sichere Höhen, gibt das Wiener Mädel mit ihrem eigenen Charme. Ihre Entwicklung von der leicht Naiven, die von der exotischen Liebe träumt, bis zur Ernüchterten, schwer Verzweifelten, gibt sie überzeugend. Sie ist eine Idealbesetzung! Die nötige Frische bringt sie mit.

Won Whi Choi ist als Prinz Sou-Chong (nahezu perfektes Deutsch) stimmschön, wenngleich der Eindruck entsteht, dass er etwas „dunkel“ singt. Er verliebt sich sehr, sehr schnell in Lisa und widmet ihr den goldenen Buddha, den er später aus Wut zertrümmert (!). Große, weite Gesangsstrecken hat er zu bewältigen und macht seine Sache sehr gut. Er ging beim großen Sang Ho Choi in die Lehre, der 2001 den Sou-Chong auf der Seebühne sang. Der Hauptdarsteller agiert mit Strenge, wenn er Lisa in China halten will. Man ist schockiert von seiner Dramatik, die aber ganz subtil herüberkommt. Gewaltige Gesten braucht er gar nicht, um zu wirken. Schön! „Immer nur lächeln“ und „Dein ist mein ganzes Herz!“ sind bei ihm effektvolle, anrührende Momente. Und später: „Dein war mein ganzes Herz“, ist fast noch eine Spur anrührender.

Überhaupt passen die beiden Protagonisten stimmlich gut zueinander. Gustl (ursprünglich mit dem Zusatz „von Pottenstein“), der groß und mit ambitionierten Plänen verkörpert wird vom jugendlich-frischen und adretten Maximilian Mayer (Na bumsti!) liebt Lisa auch. So sehr, dass er mit ihr nach Prein an der Rax ziehen will, inklusive fünf Kindern und zwei Jagdhunden. Doch das ist Lisa ein Gräuel! Schnell mit dem Prinzen nach China, nicht ohne Leidenschaft.

Leidenschaft, das versprüht auch jemand, der für die Bühne lebt. In China kommt Besuch vom Eunuch. OBER-Eunuch, wenn er bitten darf! Und dieser hat es (noch) faustdick hinter den Ohren. Ein ehrwürdig in Ultramarinblau-Rot – was eine gewagte Farbkombination – gekleideter Herr betritt die Bühne, umringt von Frauen, mit einem langen, grellen Zopf. Es ist KS Harald Serafin, der sich bei seinem großen Comeback in Mörbisch die Ehre gibt. Eine ungewöhnliche Rolle für einen außergewöhnlichen Menschen! Er nimmt die Bühne ein, die Stimme geht hoch. Sein extra gemeinsam mit Komödiant Felix Dvorak verfasstes Couplet hat als Grundmelodie – sofort erkannt: eine liebevoll recycelte Lehár-Melodie aus dem „Grafen von Luxemburg“, und zwar „Ich bin verliebt“ des Fürsten Basil. Da heißt es jetzt: Ich bin Eunuch – Obereunuch. Sehr erotisch (!) aufgeladen ist dann auch der Text („Es ruft der Sex in mir!“), wie man es sich gar nicht erwarten würde. Serafin ist sehr bemüht und konzentriert. „Sie alle jauchzen, wenn ich sie heiß betöre.“ Nun, das liegt wohl schon einige Zeit zurück. Die jugendliche Freude ist bei ihm (87) spürbar und er bekennt sich schließlich zu seiner Liebe, der Bühne. Auch der folgende Dialog mit Maximilian Mayer hat köstliche Stellen, war da nicht eine „sehrraffinierte“ Zeit? Auch ein Wortwitz aus der „Fledermaus“ (!) wird noch rasch eingebaut. Das antizipierte Wort mit „W“ fällt nicht.

Als Lisas gestrenger und doch über die Maßen liebender Vater Graf Lichtenfels tritt Benno Schollum auf. Er kann sich einige Male gut mit eleganter Erscheinung in Szene setzen und pflegt einen wienerischen Zungenschlag, leider hört man von ihm keinen Gesang.

Die Prinzessin Mi von Katerina von Bennigsen – eine höchst aktive – in der Personenführung des Australiers Leonard C. Prinsloo, lebenslustige Frau, hat einen eigenen Tanz zu „Im Salon zur blauen Pagode“. Sie ist erfrischend und trägt eine Manga-Perücke im Stil von (z.B.) Sailor Moon. Gesanglich ist sie ebenso sehr gut aufgestellt und mischt den ernsten Hof in China auf.

Die Rolle des Sekretärs Fu Li füllt Gernot Kranner mit beeindruckender Präsenz! Keine nackten Beine in China! Sehr streng. Als ebenso uneinsichtiger Onkel Tschang („Immer alles lang – sagt der alte Tschang“) ist der Japaner Koichi Okugawa (studierte in Japan und am Wagner Konservatorium Wien) zu hören.

Einen schwärmerischen Kurzauftritt legen drei junge Damen hin: Lore, Toni und Fini wollen von Prinz Sou-Chong wissen, wie man auf Chinesisch flirtet. Katharina Kovar, Ioanna Papaioannou und Olivia Pflegerl sorgen für einen Schmunzel-Moment.

Thomas Rösner als musikalischer Leiter spielt hier Franz Lehárs Feinheiten aus und wird schon manchmal opernhaft. Stellenweise hat man das Gefühl, es würde minimal hallen (vielleicht lag es am Ton?). Extra verbesserte Sound-Elemente auf dem riesigen Bogen über der Bühne (mit digitalen Lichtinstallationen von beispielsweise Apfelblüten) sorgen für noch größeres Hörvergnügen. Das obligatorische Feuerwerk zum Ende (es wird übrigens nicht Lisas Rückkehr nach Wien gezeigt, am Ende bleibt Sou-Chong verlassen zurück), ist noch eine Kirsche auf der Torte. Aber das Stück spricht eigentlich für sich. Sehr ästhetisch wurde es umgesetzt, ohne unnötigen Kitsch. Eine gute Idee auch, dass man auf digitalen Elementen die Darsteller zu Ende groß einblendet, damit sie auch beim Schlussapplaus gut sichtbar sind.

In China wird auch atemberaubende Luftakrobatik gezeigt, ebenso wie eine grandiose Hochzeitszeremonie für Sou Chong (den Lisa durchgehend nur Sou nennt) mit vier prächtig kostümierten Bräuten verschleiert und ganz in Rot.

Absolut sehenswert!

An dieser Stelle ein Lob für den künstlerischen Leiter Peter Edelmann, der wahrlich etwas von echter Operette versteht und für die Seefestspiele der Mann der Zukunft ist.

Die Seefestspiele Mörbisch mit „Das Land des Lächelns“ (romantische Operette in 3 Akten von F. Lehár)

Künstlerischer Direktor Peter Edelmann

Spieltermine: 11. Juli bis 24. August 2019, Do-Sa

http://www.seefestspiele.at

Sommeroper # 4: Die Oper im Steinbruch St. Margarethen mit „Die Zauberflöte“ von W.A. Mozart

Die Oper im Steinbruch St. Margarethen / Burgenland – neue künstlerische Direktion Daniel Serafin – zeigt Mozarts Klassiker „Die Zauberflöte“ mit weltbekannten Arien. Die „Aufklärungsparabel“ wurde in die (sterile) Jetztzeit geholt. Ohne Zweifel.

228 Jahre ist das Werk alt. Im Burgenland wurde es mehr als entstaubt. Das Regieteam Carolin Pienkos und Cornelius Obonya setzt weniger auf Panflöten und Federn, dafür mehr auf Gleichstellung und Vernunft. Dass einiges nicht gut funktioniert, einiges besser, kann im Wolkentunnel, der Papageno fast zur Gänze verschlingt, erkannt werden. Raimund Bauer gestaltete das wandelbare, doch klar strukturierte Bühnenbild. Die riesige Dohle an der Seite des Steinbruchs spielte zu Anfang der Oper noch keine ersichtliche Rolle.

Die Premierenbesetzung umfasste als den ewig vorlauten Papageno Max Simonischek. Wüsste man nicht, was für eine Bezeichnung man ihm geben sollte, so wäre es „Bad Guy of the Magic Flute.“ Er agiert rau, laut, rockig. Für diese Rolle hat der Schauspieler Gesangsunterricht genommen, bleibt aber oftmals hinter den hohen Erwartungen des Publikums zurück. Er macht ordinäre Scherze, wie etwa das abgedroschene „Ich bin gut zu Vögeln.“ Mutig?! Klar, das hat diese Oper noch nicht gesehen. Auch einen Vogelfänger mit Vogelgri…mit Vogelallergie, gab es noch nicht. Legere Erscheinung, abgehakter Gesang. Das laute Niesen wirkt dabei aber nicht sehr lustig, sondern eher störend. Sicher, er fällt auf. Temperament paart sich bei ihm mit der Fähigkeit schnell zu sprechen und erst dann über die Worte nachzudenken. Wenn er in seiner Jugendsprache ansetzt zu den drei Damen nett zu sein, klingt das so: „Tschuldigung Mädels, gebt mir doch eine feuerspuckende Posaune. Das ist keine Oper im Steinbruch, sondern ein Krippenspiel in der Wüste.“ Um dies zu vervollständigen, sollte seitens Tamino und Papageno auch gefragt werden, wo ist der Bruch statt wo ist die Burg (so hat man ob der Wortspiele zumindest den Eindruck). Um den folgenden Gag zu verstehen, braucht man als traditionsverwöhnter Opernbesucher (geschlechtsneutral zu verstehen) schon einen guten Magen. Papageno sammelt riesige Vogeleier in einer Trage. „Nur weil ich meine Eier auf dem Rücken trage…“. Dann setzt er auch noch an zu „Es gibt nur einen Papageno“ im Stil von „Guantanamera“. Hm. Sommerlich-leger, gewagt, oder doch nur ein bisschen überwürzt? Als Schauspieler kann man sich Simonischek sicher besser vorstellen denn als Sängerschauspieler.

Als Papageno Pamina retten will, die von Sarastros Oberaufseher Monostatos in Ketten gelegt wurde, entfährt ihm „Ich rette eine Jungfrau in Not, und was bekomme ich? Nischt!“. Pamina ist ein helles Licht in dieser Inszenierung. Ana Maria Labin singt sie so herrlich und anrührend, voller Hoffnung. Die Sängerin, die vor vielen Jahren noch weiter östlich in Mörbisch als weiblicher Part des Buffopaares beim „Graf von Luxemburg“ zu sehen war, hat eine prächtige feste Stimme. „Bei Männern, welche Liebe fühlen“, ist nicht ihr einziger Höhepunkt. Auch Pamina trägt hier Federn auf der Brust. „Ach ich fühl´s“ ist ein weiteres Highlight.

Zur Gleichstellung kommt auch schon der Beitrag wie gerufen: Der Gesangstext enthält „Weib und Weib und Mann und Mann – reichen an die Gottheit an.“ So geht es also auch im Jahr 2019!

Drei Damen sind blechern – aber nur auf der Brust. Sie tragen nämlich einen Panzer und opulenten Kopfschmuck. Für die Kostüme zeichnet in dieser Produktion der Italiener Gianluca Falaschi verantwortlich. Sie quälen den Jüngling Tamino lange, bis sie ihn in Ruhe lassen, so sehr muss er ihnen gefallen. Elizabeth Reiter, Nina Tarandek und Maria Luise Dressen machen ihre Sache gut. Sie sind aufdringlich und gewissenhaft. Sie müssen unter der Choreografie von Kati Farkas auch viel tanzen, was sie erledigen.

Ein edles Kostüm (wenn auch mit Federn) und Maske trägt die Königin der Nacht. Sie singt mit ihrer elfenhaften Erscheinung die Spitzentöne ebenso zart. Etwas gepresst wirkt sie in der Höhe. Danae Kontora kann für sich einen Erfolg verbuchen, wenn sie als strenge, bissige Mutter auftritt. Die Griechin hat in München studiert und wurde als beste Nachwuchssängerin von Opernwelt ausgezeichnet.

Ganz ergeben will sich Tamino, gekleidet mit grüner Jagdweste, auch noch 2019 für „Paminens Stimme“ in den Tod stürzen. Ob das noch zeitgemäß ist? Attilio Glaser jedenfalls macht seine Sache brav. „Zu schwach, um zu helfen“ wirkt dieser fesche Sänger nicht. Er hat strahlende Höhen, und scheint sich durch nichts, auch durch den ewig plappernden und soo lauten Papageno nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die fürchterliche Schlange, die ihn bedroht, wird durch die digitale Animation von den Media Studios und analogen roten Bändern symbolisiert. Davor jedenfalls muss er sich kaum fürchten. Später wird er mit Pamina schon eindrucksvollere Digitalinstallationen durchlaufen. Die Feuersglut und das rauschende Wasser (sehr lebensecht) werden auf den Wolkengang projiziert. Das sieht täuschend echt aus und ist sehenswert. Dennoch tritt Tamino seine lange Reise leicht verzweifelt an. Eine weitere Zweideutigkeit ergibt sich mit der Phrase: „Du Jüngling glaubst dem Zungenspiel.“ Wenn auch richtig unfreiwillig.

Drei Knaben rauschen sehr zeitgemäß (wir befinden uns in der Postmoderne…) mit Segways an (ob dem „Wolferl“ das gefallen hätte?) und mahnen, „standhaft, duldsam und verschwiegen zu sein“. Sie tragen dazu futuristische Kostüme wie aus der Spiegel-Galaxie. Christian Ziemski, Moritz Strutzenberger und Lorenz Lauser heißen sie. Die beiden ersteren waren bereits als Solisten in Wien in Händels „Alcina“ zu hören. Ziemski galt als das stimmliche Aushängeschild der St. Florianer Sängerknaben.

Der Philharmonia Chor Wien unter der Leitung von Walter Zeh liefert eine beachtliche Leistung. Karsten Januschke, in St. Margarethen kein Unbekannter, leitet das Orchester der Budapester Philharmonischen Gesellschaft. Es ist ein forsches, effektives Dirigat.

Eine äußerst hinreißende Papagena, die zunächst als Altes Weib mit zahllosen Arthritis-Anfällen zu kämpfen hat und das mehr als überzeugend darstellt, ist die junge Theresa Dax. Quasi direkt vom Theater in der Josefstadt (hier spielte sie bis vor Kurzem mit großem Erfolg die „Jugend“ im „Bauer als Millionär“) ist sie in den Steinbruch „übersiedelt“. Die steirische Sopranistin ist klar und deutlich in der Artikulation und zauberhaft bei Stimme. Einfach schön. Eine angedeutete Vergewaltigungsszene/Belästigungsszene mit Papageno gibt es auch, sie will lüstern über ihn herfallen. Damit soll aufgezeigt werden, dass nicht immer Männer die Gierigen sind.

„Alles fühlt der Liebe Freuden“ toll vorgetragen von Monostatos alias Keith Bernard Stonum. Auch er fühlt sich dermaßen von Pamina erregt, dass er sie näher umgarnen möchte. Das Gladiatorenkostüm von Falaschi steht Stonum perfekt, wenn es auch in der Produktion sehr heraussticht. Stark die Szene, wo Papageno und Pamina in Zeitlupe vom Gefolge gejagt werden. Dabei wird er von Sarastro (schön tief: der Australier Luke Stoker in perfektem Deutsch) zurückgehalten. Stoker ist überhaupt auch eine der Säulen der Produktion. Immer wieder lässt er Vernunft und Milde walten und begeistert durch seinen festen, überzeugenden Auftritt. „In diesen heil´gen Hallen“ kennt er auch Fehler nicht.

Als Sprecher und Priester sind Uwe Schenker-Primus (sehr angenehme Stimme) und Michael McCown im Einsatz. Die Chemie stimmt zwischen Glaser und Schenker-Primus über die Maßen gut, die Dialogszenen sind zu genießen. Zwischen dem lauten Geheule von Papageno hört man Pamina jammern: „Er fühlte meine Liebe und verbarg die Gegentriebe?“ Das Los so mancher moderner Beziehung….

Als endlich Dax Simonischek nun „ganz gegeben“ ist, will er sich nicht mehr über dem überdimensionalen Vogelnest erhängen. Das „Heil soll den Geweihten (Pamina und Tamino) zukommen“, indes hört man aber eine merkwürdige Stimme, die leise, aber hörbar „gehen, nicht laufen“, sagt. Was war das denn nur?

Längerer, anerkennender Applaus für die DarstellerInnen. Mit der Regie dürfte nicht jeder einverstanden gewesen sein. Ein gewagt-moderner Zugang mit viel gewöhnungsbedürftigem Wortwitz im Jahr 2019.

Info:

Oper im Steinbruch 2019 – Die Zauberflöte von W.A. Mozart

künstlerischer Direktor Daniel Serafin

von 10. Juli bis 17. August 2019, Do – Sa, Zusatzvorstellung am 28. Juli (So)

http://www.operimsteinbruch.at

Sommermusik # 3: Das Janoska Ensemble mit „Revolution“ beim Kultur.Sommer.Semmering im Südbahnhotel

Egal, wo diese Herren auftreten: Kalt lassen sie mit ihrem Style niemanden. Beim Kultursommer Semmering in der (neuen) alten Spielstätte, dem Südbahnhotel, ließen sie Saiten und Tasten klingen. Das Janoska Ensemble versucht die „Revolution“ klassischer Musik und lässt sich dabei nichts vorschreiben (außer von den Komponisten, natürlich).

Frantisek, Roman und Ondrej Janoska (drei Brüder) und Julius Darvas (Schwager) übernehmen beim Improvisieren von klassischer Musik das Zepter. Das Ensemble hat einen eigenen Janoska Style entwickelt. Dieser verbindet die Klassik mit der Moderne (zweideutig gesprochen). Es kommt durchaus vor, dass ein Beatles-Song mit einem Kanon gepaart wird. Dieser Mix klingt nicht nur, er schwingt auch. Sprechen mit den Augen, Stampfen mit den Füßen. Dabei Musizieren mit Leidenschaft, Virtuosität, Genialität.

Die weltweit gefragten Musiker lieferten eine furiose Show, die die Klassikwelt bereichert. Für ihr neuestes Werk, „Revolution“ kombinierten sie Pop und Kanon, Beatles und Pachelbel, Beethoven und Cole Porter. Wie das klingt? Ziemlich genial.

Im wunderbaren Ambiente des Südbahnhotels (wie aus der Zeit gefallen) gaben die vier Virtuosen einen Einblick in ihr künstlerisches Schaffen und präsentierten gleich Mozarts Ouvertüre zu Le nozze di Figaro, gewürzt mit modernen Akkorden. Wienerische Nuancen spielt Frantisek am Bösendorfer aus, später sollte es ihn vor musikalischer Ekstase fast vom Klavierschemel reißen. Zeitweise hatte man wahrhaft den Eindruck, das Ensemble würde gleich vom Boden abheben, etwa bei Romans liebevoller Hommage an seinen Sohn Roman Jr. Hello Prince. Dieses Werk im 7/8 Takt ist dem Datum 07.08. geschuldet, an dem die Nachricht eintraf, dass Romans Frau schwanger sei. Roman, überhaupt, ist ein intuitiver Spieler, Notenblatt braucht er keines, genauso wenig wie die anderen. Nur Julius „überwacht den Prozess“ und übernimmt auch die Moderation. Er ist es auch, der mit seinem Kontrabass für einen tiefen Kontrast zu den Violinen sorgt. Bedauerlicherweise, so sagt er, wird die so bedeutende Improvisation der Musik heute nicht mehr unterrichtet. Früher war dies normal, und was man nicht alles mit Kadenzen angestellt hat…

Man kann getrost von Gesang sprechen, wenn sich Ondrej und sein Bruder Roman mit den Violinen unterhalten. Immer wieder laufen sie aufeinander zu, werfen sich Blicke hin, lassen die Bögen fliegen. Roman übrigens braucht nicht immer einen. Er funktioniert das Instrument kurzerhand zur Gitarre um und hat viel Spaß dabei. Ondrej scheint oft versunken in die Musik zu sein, wenn sein Einsatz kommt, ist er nicht zu bremsen.

Die Beatles kommen mit Versionen von Let it Be und Yesterday zu ihren Ehren. Dabei schließen manche Besucher andächtig die Augen. Und man muss sagen, dass es diese Versionen der Janoskas wert sind, dass sie auch die Beatles hören. Wenn man ganz aufmerksam zuhört, sagt Julius, hört man auch den Pachelbel-Kanon heraus. Sagenhaft!

Der gemeinsame Lieblingskomponist von allen vieren ist Johann Sebastian Bach. Und so liegt es nahe, dass sie sich auch seiner 3. Suite für Orchester, D-Dur, 2. Satz angenommen haben. Besser bekannt unter dem Namen Air. Auch diese gerät einfach zum Erlebnis. Muss man gehört haben!

František greift schließlich zum Mikrofon und kündigt ein eigenes Stück eines sehr gutaussehenden, talentierten Pianisten an: Er hat für seinen Sohn Leonidas, der „ihn zu Hause immer dirigiert“, den temperament- und gefühlvollen „Tanz“ Leo´s Dance geschrieben. Wie oft lassen sich alle konstituierenden Elemente eines veritablen Mix finden. Tolle Kombination.

Eine Herausforderung, die sich das Ensemble selbst auf den Leib geschrieben hat: Cole over Beethoven. Da findet sich die Mondscheinsonate neben Night and Day wieder.

Netterweise ließen die vier Herren das Publikum nach einer Runde frenetischen Applauses abstimmen, was für eine Zugabe erfolgen sollte. Der „Hummelflug“ verlor knapp gegen „Adios Nonino“ von Piazzolla.

Wer neu konstruierte Werke der Klassik in Verbindung mit Jazz und Pop schätzt, findet viel Mittelmaß auf diesem Sektor vor. Das Janoska Ensemble allerdings spielt in einer eigenen Spitzen-Kategorie. Sie haben ihren unnachahmlichen Style erschaffen. Nicht enden wollende Standing Ovations beweisen das.

Die nächste Gelegenheit, die Ausnahmemusiker zu erleben, bietet sich im südlichen Niederösterreich am 28. Juli in Pitten. Dazwischen machen sie aber noch Ausflüge nach Hong Kong und Salzburg.

Info:

Das Janoska Ensemble mit der neuen CD „Revolution“

www.janoskaensemble.com

Der Kultursommer Semmering

http://www.kultursommer-semmering.at

Sommer(hitze)theater # 2: Die Schlossspiele Kobersdorf mit „Das Mädl aus der Vorstadt“ von J. Nestroy

Die Schlossspiele Kobersdorf punkteten schon oft mit Inszenierungen von Nestroy-Klassikern. Bekanntlich darf es dabei immer ein wenig scharfzüngig zugehen, auch an Gesellschaftskritik wird nicht gespart.

2019 setzt man im traditionsreichen burgenländischen Festspielort auf den Charme des „Mädls aus der Vorstadt“. Die Nestroy-Posse in 3 Akten mit Gesang wurde 1842 uraufgeführt. Intendant Wolfgang Böck holt Beverly Blankenship, die erfahrene Regisseuse. Dieser gelingt eine durchaus schlüssige und runde Inszenierung. Die Geschichte wird mit der nötigen Empathie erzählt.

Ein findiger Geschäftsmann will sich mit Hilfe eines erfundenen Kassenbetrugs das Leben leichter machen. Aber damit bringt er nicht nur den fälschlich Beschuldigten, sondern auch dessen Tochter in Verruf. Sie arbeitet in der Vorstadt. Die Tochter hat einen Verehrer, der sich eigentlich schon einer reichen Witwe versprochen hat. Doch will er nicht mehr die Witwe, sondern die Tochter. Die Witwe ist dummerweise auch die Nichte des Geschäftsmanns. So entspinnt sich also ein Kreis, welchen der Privatdetektiv zu durchblicken versucht.

Das „Mädl aus der Vorstadt“ war einer der größten Publikumserfolge Nestroys. Die an Zufällen und Überraschungen reiche Komödie wurde gekrönt durch die Rolle, die sich Nestroy selbst auf den Leib geschrieben hat: Die des Privatdetektivs (Winkeladvokaten) Schnoferl.

Diese übernimmt in Kobersdorf der Chef Wolfgang Böck und geht mit Feuereifer an die Aufklärung der Wirrnisse. Nicht umsonst gibt es bei der Posse den Untertitel: „Ehrlich währt am längsten.“ Denn in diesem Stück ist selten jemand ganz ehrlich. Der Spekulant Kauz wird würdig porträtiert von Wolf Bachofner, eine gut aufgelegte und köstlich pikierte, amüsante Frau von Erbsenstein liefert Katharina Stemberger ab. Der Verehrer Herr von Gigl wird im besten Sinne als gefühlsduselig und dann auch energisch in Szene gesetzt von Markus Weitschacher (ein Talent). Michaela Schausberger mimt die Tochter des Spekulanten weitgehend brav.

Auch die kleineren Rollen können sich sehen lassen: Etwa stechen als die Näherinnen Laura Rauch, Sophie Gutstein und Sabrina Rupp heraus.

Die Kostümabteilung unter Gerti Rindler-Schantl hat ganze Arbeit geleistet: Pinker Plüsch und biedere Anzüge sind da in einem Atemzug zu sehen. Das passt zu Nestroy. Christopher Haritzer trägt als Musiker seinen Teil zum Ganzen bei und steuert damit ein Stück weit die Handlung. Beliebt war zur Uraufführungszeit etwa das Quodlibet zwischen Schnoferl und der Näherin Rosalie: „Singen kann der Mensch auf unzählige Arten.“

Ein sommerlicher Spaß voller Wirrungen.

Info:

Schloss-Spiele Kobersdorf

Stück 2019: „Das Mädl aus der Vorstadt“ von J. Nestroy

Karten unter: http://www.schlossspiele.com

Gespielt wird „Das Mädl aus der Vorstadt“ von 2. Juli bis 2. August (Zusatztermin wegen großer Nachfrage).

Es finden auch wieder die beliebten Bike- beziehungsweise Oldtimerfahrten gemeinsam mit dem Intendanten Böck zu den Vorstellungen in Kobersdorf statt. Die Termine sind der 13. Juli (Motorrad) und der 21. Juli (Oldtimer). Nähere Infos hierzu ebenso unter http://www.schlossspiele.com.

Sommer(frische)theater # 1: Die Festspiele Reichenau mit „Eine blassblaue Frauenschrift“ von F. Werfel

Nicolaus Hagg präsentiert als Auftakt der Reichenauer Festspiele 2019 eine Neufassung nach Franz Werfels „Eine blassblaue Frauenschrift“. Blass ist hier nur die Zurückhaltung, nicht aber das Spiel.

Diese Aufführung erfolgte im Rahmen der Reihe: „Frauenschicksale in der Weltliteratur“. Die Regie übernahm Julian Pölsler, dem das Stück bereits aus seiner Zeit als Regieassistent bekannt war. Soll man es vorsichtig, umsichtig nennen? Wagemutig ist man in Reichenau bei dieser Inszenierung nicht, sie ist recht brav, solide im besten Sinn.

Wie hinlänglich bekannt sein mag, stellt ein in der titelgebenden Farbe verfasster Brief das Leben des erfolgreichen Sektionschefs des Unterrichtsministeriums, Leonidas, (nobel und mimisch reich verkörpert von Joseph Lorenz) auf den Kopf. Darin bittet eine Frau um Hilfe für einen Studienplatz in Wien für ihren jüdischen Sohn. Und plötzlich die harschen Zweifel: Leonidas muss sich fragen, ob dieser nicht auch sein Sohn sein könnte? Viel zu lange liegt die Zeit zurück….

Lorenz jedenfalls beherrscht über weite Strecken die Bühne mit seiner Darstellung eines vom schlechten Gewissen geplagten „hohen Tiers“.

Leonidas‘ reiche Frau Amelie, verständnisvoll, aufopfernd und doch erschüttert, sowie sehr zurückgenommen spielt sehr fein Fanny Stavjanik. Die betrogene Ehefrau muss ihrer Angst ins Auge sehen.

Nicolaus Hagg fügte in seinem Ideenreichtum eine neue Figur ein. Diese fungiert als Zeitzeuge mit Witz, Charisma und Gespür für die neue Welt. Spielt doch die Originalversion im Jahre 1936. Es handelt sich um Amelies Bruder Paul (Alexander Rossi).

Ebenso Platz ist für musikalische Einlagen wie Beethovens Mondscheinsonate oder Schlager wie „Kann denn Liebe Sünde sein?“.

Die verlassene Geliebte Vera Wormser, ihres Zeichens Philosophin und ein kluger Kopf, wird ebenso feinsinnig wie trotzig von Stefanie Dvorak dargestellt.

Die Rolle des Ministers wäre für den leider verstorbenen Peter Matic vorgesehen gewesen. Thomas Kamper sprang für ihn ein und zeichnet ein diffiziles Bild voller Bodenständigkeit. Peter Moucka spielt den national gesinnten Büromenschen Hofrat Skutecky detailreich.

Für das Reichenauer Stammpublikum (nicht nur) bedeutet diese Aufführung eine sanfte Auffrischung. Die Bühnendekoration stammt von Peter Loidolt (kammerspiel-artig). Für die Kostüme zeichnet – brav und edel – Erika Navas verantwortlich, da gingen sich eine fesche Krawatte für Lorenz und ein türkisfarbener Seidenmorgenmantel für Stavjanik aus.

Info:

http://www.festspiele-reichenau.com

Gespielt wird die „Blassblaue Frauenschrift“ noch bis 03.08., alle Vorstellungen sind ausverkauft.

Die Wiener Staatsoper gründet ein neues Studio…

Damit der sängerische Nachwuchs sich auch beweisen kann und das Ensemble sich immer wieder erneuert, gründen der designierte Staatsoperndirektor und der Musikdirektor ein neues Studio für JungsängerInnen.

Bogdan Roščić als Staatsoperndirektor ab 2020 (er war ab 2006 Chef der Decca Music Group London und ging 2009 zu Sony Music in die Klassik-Sparte) und Philippe Jordan als sein neuer Musikdirektor starten ein Ausbildungsprogramm für Nachwuchssänger. Dieses wird unter der Leitung von Bariton Michael Kraus stehen. Er bezeichnet sich als ein „vom Glück Berufener“. Weltweit ist er seit 1996 in der Sängerbranche aktiv.

Das neue Ausbildungsprogramm beziehungsweise Opernstudio soll die Aufgabe erfüllen, jungen SängerInnen den Weg an das Haus zu ebnen und weiters Möglichkeiten aufzuzeigen, sich ihre künstlerische Heimat aufzubauen.

Interessentinnen und Interessenten, welche nach dem 1. Jänner 1990 geboren sind, haben die Möglichkeit, sich bis zum 30. September 2019 über die Staatsopern-Homepage anzumelden. Mit Beginn der Amtszeit von Bogdan Roščić wird das neue Opernstudio gestartet.

Infos:

http://www.wiener-staatsoper.at

Scheint die Sonne noch so schön, einmal muss sie untergehn….

Dernièren – Schlussapplaus und letzter Vorhang für „Der Bauer als Millionär“ in der Regie von Josef E. Köpplinger von F. Raimund am Theater in der Josefstadt.

„Der Bauer als Millionär“ – allerletzter Vorhang – mit Michael Dangl, Alexander Pschill, Alexandra Krismer, Alexander Strömer, Julia Stemberger, Lisa Carolin Nemec, Theresa Dax, Wolfgang Hübsch am 28.06.2019 um 21:45

(c) Klingers Kulturpavillon

NEUES von…KS Piotr Beczala

Der frisch gekürte Österreichische Kammersänger Piotr Beczala war diesen Monat aktuell in der Wiener Staatsoper als Mario Cavaradossi in Tosca (Puccini) zu erleben. Im Juli geht es für ihn nach Barcelona ans Gran Teatre del Liceu in der Rolle des Rodolfo in Luisa Miller (Verdi), bevor er ebenso im Sommer bei den Bayreuther Festspielen (Lohengrin – R. Wagner) und den Salzburger Festspielen (wieder Rodolfo) singen wird.

Mehr Infos zum Künstler:

http://www.piotrbeczala.com

Der österreichische Musiktheaterpreis 2019 aus dem Tiroler Landestheater Innsbruck

Der Präsident des österreichischen Musiktheaterpreises, Karl-Michael Ebner, versammelte diesmal sein Team zur feierlichen Vergabe der Preise für die vergangene Spielsaison im Westen Österreichs, in Innsbruck. Auch heuer glänzte man mit einigen Neuerungen bei den „Oscars des Musiktheaters“.

An die Stelle des „Porzellan-Schikaneders“ der Manufaktur Augarten in Wien trat 2019 eine moderne 3-D-Pagagenoskulptur in Glas mit dem deutlichen Schriftzug „Österreichischer Musiktheaterpreis“ in Großbuchstaben.

Die Jury bestand aus namhaften Kulturjournalisten, nicht wie die letzten Jahre aus KünstlerInnen. Erstere sollten „eine breite Sichtweise auf die vielfältigen Facetten des österreichischen Musiktheaters“ gewährleisten. Peter Jarolin (Kurier) oder Dr. Robert Quitta (Die Bühne) waren unter den Jurymitgliedern.

Im Vorfeld der Veranstaltung präsentierte Staatsopern-Startenor Herbert Lippert die Vernissage „Maximilian und die Kunst“. Lippert wurde auch mit dem Medienpreis für seine Verdienste und sein multimediales Operettenkonzert „OMIA – Operette made in Austria“ ausgezeichnet.

Die PreisträgerInnen des Österreichischen Musiktheaterpreises 2019 im Überblick:

Lebenswerk – KS René Kollo

Medienpreis – Herbert Lippert

Bestes Orchester – Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

Beste Nachwuchskünstlerin – Sonja Saric (Leonora in „Il Trovatore“; Oper Graz)

Bester Nachwuchskünstler – Unnstein Àarnason (Mr. Kofner in „Der Konsul“; Tiroler Landestheater)

Beste Gesamtproduktion Ballett – Romeo et Juliette (Volksoper Wien)

Beste Nebenrolle weiblich – Sophia Theodorides (Olympia in „Hoffmanns Erzählungen“; Tiroler Landestheater)

Bester Nebenrolle männlich – Stefan Cerny (Doktor in „Wozzeck“; Theater a.d.Wien

Beste musikalische Leitung – Lorenzo Viotti für „Werther“; Stadttheater Klagenfurt

Offtheaterpreis – Entführung aus dem Serail – Oper rund um

Beste Gesamtproduktion Musical – Ragtime (Oper Graz)

Beste Regie – Karl Markovics für „Das Jagdgewehr“; Bregenzer Festspiele

Beste Gesamtproduktion Operette – Der Vetter aus Dingsda (Tiroler Landestheater)

Beste weibliche Hauptrolle – Asmik Gregorian (Salome in „Salome“; Salzburger Festspiele)

Beste männliche Hauptrolle –  Pavel Petrov (Lenski in „Eugen Onegin“; Oper Graz)

Beste Gesamtproduktion Oper – Frau ohne Schatten; Landestheater Linz

Beste Ausstattung – Stefanie Seitz für „Cardillac“; Salzburger Landestheater

Dem Österreichischen Musiktheaterpreis ist ein rasantes Wachstum zu attestieren. Prominente Gäste wie Eva Lind, Markus Hinterhäuser, Peter Edelmann, Felix Mitterer oder Tobias Moretti wollten sich die Gala nicht entgehen lassen.

Der nächste Österreichische Musiktheaterpreis 2020 wird nach Salzburg weiterwandern – und zwar ans Landestheater. Man darf gespannt bleiben.

Klang Bad Hall 2019 – die Operettenfestspiele feierten Premiere mit „Die Fledermaus“

Da kommt sie bereits in Fahrt, die Sommerfestivalsaison. Sie bedeutet: leichte Kost mit schwerer Übung, Publikumslieblinge mit kühlenden Utensilien ausgestattet. Erhitztes Premierenpublikum (von Wetter und Inszenierung). Fächern und lächeln, schwitzen und hecheln. Spaß beiseite.

Obwohl: Ernst Theis, der Intendant von Bad Hall (der sich auch offiziell so nennt), ist Dirigent und Musiksoziologe und setzt auf grandiose Spaßmacher und Sängerinnen und Sänger. Da wäre Gerald Pichowetz, der längst nicht nur mehr im Fernsehen sein Talent beweist, sondern auch immer wieder in komödiantischen Rollen an „seinem“ Theater. Er spielt, wie solle es auch anders sein, den Frosch in der „Fledermaus“. Man traut ihm die Rolle nicht nur zu, man kann sich ihn auch in den Fußstapfen des großen Otto Schenk oder des Helmuth Lohner, die diese Rolle verkörperten, vorstellen. Dienstkappe und entrückter Blick, „entglittenes Kurzzeitgedächtnis“, all das sind Pointen an sich. Pichowetz wird wissen, wie man sie am besten ausspielt.

Dann braucht es Sängerinnen und Sänger, die ihr Handwerk – oder besser ihr Mundwerk – verstehen. Dazu zählen Sophie Klussmann als Rosalinde, Rita-Lucia Schneider als Prinz Orlowsky, Romana Amerling als Adele, Eugene Amesmann als Gabriel von Eisenstein, Laszlo Maleczky in der Rolle des Gesangslehrers Alfred, Marco Di Sapia als Notar Dr. Falke, Kammersänger Josef Forstner als Gefängnisdirektor Frank.

Gerald Pichowetz führt bei der „Fledermaus“ Regie. Sie findet ihre Aufführung in wienerischem Dialekt und – oh Überraschung – es wird auch Haut gezeigt. Das ist selbstredend nicht das Wichtigste, doch für Witz und ein Prickeln ist auch so gesorgt. Eine enorme Bereitschaft zu spielen wird den Darstellern abgerungen, auch innerhalb ihrer Rollen. Das sieht man am Beispiel von Alfred, von dem Rosalinde verlangt: „Sie müssen jetzt mein Gatte sein!“. Das ist freilich wieder eine augenzwinkernde Herausforderung, wie sie vielleicht auch im wahren Leben vorkommt… So bleibt der Stoff aktuell, auch lange nach 1874, dem Entstehungsjahr.

Info:

Operette in Bad Hall – Klang Bad Hall 2019, Intendanz: Ernst Theis

„Die Fledermaus“ von Johann Strauss

Regie: Gerald Pichowetz

Bühne: Ina Reuter

Kostüme: Gilles Gubelmann

Spieltermine: von 14. Juni – 14. Juli 2019

Kartenbestellung: http://www.klangbadhall.at/tickets – Hier kann man sich auch auf einen spannenden „Dreier“ einlassen!