„My Double Bass“ – neue CD von Ödön Rácz

Ödön Rácz, Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker, brachte eine CD mit dem Namen „My Double Bass“ auf den Markt.

Als Herzstück auf dieser Scheibe hört man das „Gran Duo Concertante“ für Violine und Kontrabass von Giovanni Bottesini, dem „Paganini“ des Kontrabasses. Weiters gibt es Schöpfungen von Piazzolla und Rota.

Rácz begibt sich hier auf eine Reise von Italien nach Südamerika. Das Franz Liszt Kammerorchester begleitet ihn auch diesmal, unter der Leitung der Römerin Speranza Scappucci. Noah Bendix-Balgley übernimmt den Part der Violine.

Info:

CD von Ödön Rácz: „MY DOUBLE BASS“

Label: Deutsche Grammophon

Preis: 17,99 Euro

Neuer Operndirektor bei den Esterházy-Betrieben im Burgenland: Daniel Serafin, Kulturmanager und Sänger

Daniel Serafin wird künftig die Opern-Geschicke bei den Esterházy-Betrieben lenken. Damit ist er innerhalb dieses Rahmens für alle Opernproduktionen, unter anderem im Steinbruch St. Margarethen, verantwortlich.

Serafin wird nun auch zum „Künstlerischen Direktor Oper“. Er hatte bereits die Position des Leiters für Kooperationen und Kulturmarketing in der Esterházy Unternehmensgruppe inne. Außerdem ist er Vorstand der Freunde des Schlossquartiers Eisenstadt und der Freunde der Oper im Steinbruch St. Margarethen.

Die Oper im Steinbruch St. Margarethen bringt im Jahr 2019 „Die Zauberflöte“ von W.A.Mozart in der Regie von Cornelius Obonya und Carolin Pienkos zur Aufführung. Die Premiere findet am 10. Juli statt. Aufführungsdauer: stattliche 3,5 Stunden.

Nach dem Kultursommer folgt die halbszenische Aufführung im Herbst: „Orfeo ed Euridice“(Haydns letzte Oper) am 19. September im Schloss Esterházy in Eisenstadt.

Das Festival Herbstgold 2019 steht unter dem Motto: „Über alle Grenzen“ und findet von 11.-22. September in Eisenstadt statt.

Info:

http://www.esterhazy.at

http://www.operimsteinbruch.at

http://www.herbstgold.co.at

http://www.danielserafin.com

Jonas Kaufmann sagte: „Ja!“

Der Münchner Tenor entschied sich für einen ganz besonderen Jahresbeginn. Kaufmann entschied sich nämlich, „Ja“ zu sagen, und das in einem Rausch des privaten Glücks und der Verliebtheit.

Jonas Kaufmann und seine Lebensgefährtin, Opernregisseurin Christiane Lutz, haben in München geheiratet. Christiane Lutz ist schwanger und das erste gemeinsame Kind der beiden soll laut Medienberichten im März das Licht der Welt erblicken.

Herzlichen Glückwunsch!

„Kaiser“ Robert Heinrich Palfrader als Moderator im Fernsehen ? In der Dramedy – Serie „Walking on Sunshine“ im ORF.

Die Vielschichtigkeit mancher Künstler wird immer wieder aufs Neue bewiesen. Robert Palfrader, ursprünglich Autor und Gestalter von Sendungen, auch Caféhaus-Betreiber, steht ganz aktuell im Mittelpunkt einer neuen Serie im österreichischen Rundfunk.

Einem breiten Publikum wurde Palfrader bekannt als Comedy-Man, der sich kein Blatt vor den Mund nahm. Auf einem US-amerikanischen Filmfestival („Indie Fest“) wurde er für seine Rolle des Bürgermeisters der (fiktiven) verschuldeten Gemeinde „Braunschlag“ (gleichnamige Fernsehserie) mit dem Preis als Bester Hauptdarsteller ausgezeichnet. Letztes Jahr, 2018, präsentierte er sein erstes Soloprogramm „Allein“ im Wiener Rabenhof Theater.

Zwei Rollen am Wiener Volkstheater gehören ebenso zu Palfraders Repertoire: Die Titelrolle in Liliom (Franz Molnar) und der Oskar in Geschichten aus dem Wiener Wald (Ödön von Horvath).

Ebenso sehr bekannt ist die Sendung „Wir sind Kaiser“, in welcher Robert Palfrader in die Rolle des „Kaisers von Österreich“, Robert Heinrich I., schlüpft. Seine nasale Sprache wurde zum Kult, seit 2007 läuft diese Sendung, für die Palfrader mit zwei Goldenen Romys (österreichischer Film- und Fernsehpreis) ausgezeichnet wurde. Insgesamt kann er vier „Romys“ vorweisen.

Ganz aktuell mimt er nun den durch Alkoholprobleme aus dem Sender ausgeschiedenen ehemaligen Nachrichtenmoderator Otto Czerny-Hohenburg. Diesen holt man zurück, teilt ihm aber zu seiner Unzufriedenheit erst die Moderation der Lottozahlen (was er strikt ablehnt) zu, dann soll er in die Wetterredaktion.

Was Robert Palfrader im Folgenden in dieser Serie abliefert: Man nimmt ihm einen Moderator ab. Diesen würzt er mit einer Prise Hochmut, Ironie und man sieht öfters sein typisches spitzbübisches Grinsen. Absolut überzeugt ist er in der Serie davon, dass ihn „die Leute lieben“.

Der Serienstart erfolgte am Montag, 7. Januar mit 789.000 Zuschauern.

Info: Die Serie „Walking on Sunshine“, ORF 1, jeden Montag, 20:15h

DarstellerInnen: Robert Palfrader, Proschat Madani, Aaron Karl, Miriam Fussenegger, Stefanie Dvorak, Selina Graf, Natalie Alison, Martin Zauner, Joseph Lorenz…. Regie: Andreas Kopriva, Drehbuch: Mischa Zickler

Friedrich von Thun erzählt: „Habsburgs Adel – Die Esterházys“ (ORF III)

In einer neuen Fernsehreihe des österreichischen Senders ORF III erzählt Schauspieler und Publikumsliebling Friedrich von Thun (eigentlich Friedrich Ernst Peter Paul Maria Thun-Hohenstein, und adelshistorisch Graf von Thun und Hohenstein) von „Habsburgs Adel“. Den Anfang der mehrteiligen Reihe macht er mit den Esterházys.

Man stelle sich einmal Österreich „ohne alles“ vor, die ganze damalige Donaumonarchie mit ihren Feldherren und Staatsmännern. Österreich ohne die Schlösser. Maria Theresia drohte die Zerschlagung. Bayern, Sachsen und Preußen stellten sich gegen sie…..sie wollten lieber einen männlichen Thronerben.

So bildhaft und schicksalsschwer erfolgt die Einleitung der neuen Reihe durch Friedrich von Thun.

Pannonien, die ungarische Tiefebene, war die Machtbasis der Esterhazys. Das heutige Burgenland präsentiert sich als Naturparadies mit vielen kulturellen Einflüssen. Wer heute auf dem Neusiedler See unterwegs ist, ahnt vielleicht nicht, dass er sich über weite Teile auf Privatgewässer der Esterházys bewegt. Besondere Bauwerke der Esterházys sind das Schloss in Eisenstadt sowie die Burg Forchtenstein (erworben durch Nikolaus Esterházy).

Vielleicht war der ungarische Vizekönig Nikolaus schuld an einer verbogenen Stephanskrone der Habsburger? Am 14. Februar 1638 sollte in Pressburg Maria Anna, Frau von Ferdinand III gekrönt werden, doch die Truhe mit der Krone ließ sich nicht öffnen, weil aus Wien gleich drei falsche Schlüssel geliefert wurden. So ließ der Vizekönig die Truhe mit Brachialgewalt öffnen. Es resultierte die gebogene Krone, die – so erzählte man – das schwierige Verhältnis der Habsburger zu Ungarn repräsentierte.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde Ungarn von einem türkischen Pascha regiert. Bei der Schlacht von Vezekeny gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Osmanen fiel das Oberhaupt der Esterházy, Ladislaus.

Die Burg Forchtenstein wurde zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Die Kunst- und „Wunderkammer“ ist bis heute sehr gut erhalten, da sie gut versteckt liegt.

Im Burgenland, so erfährt man auch, gibt es heute sieben jüdische Gemeinden, aus dem Grund, weil Paul I Esterházy Juden aufnahm.

Die Esterházy zeichneten sich durch Loyalität und Kaisertreue aus. Auch das Schloss Esterháza in Fertöd, das ungarische Versailles genannt, wurde zu einem „Esterházy´schen Feenreich“, wie ob des großen Prunks Goethe schon bemerkte. Nicht nur der allgemeine Bauboom führte dazu, dass Nikolaus II Esterházy, verheiratet mit Maria von Liechtenstein, der zuerst nach Neapel ging, um Kunstschätze zu beschaffen und dann in Linz eine Militärausbildung absolvierte, 3,8 Millionen Gulden Verbindlichkeiten anhäufte.

Dieser revolutionierte aber auch das Postwesen, und war als Wollproduzent Herr über Bauern mit 200 000 Schafen. Seiner Affinität zu Kunst und deren Reproduktionen wegen wurde er „Il Magnifico“ genannt. Für die Orangerie im Schlosspark von Eisenstadt trug er exotische Blumen zusammen, und für Tochter Leopoldine errichtete er den Tempel im Park mitsamt einer Sitzstatue……

Wer nun neugierig geworden ist, was noch kommt und Teil dieser neuen Reihe sein wird und sich vom charmanten Friedrich von Thun Historie näher bringen lassen will:

„Habsburgs Adel – Folge 1: Die Esterházys“, 02.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 2: Die Liechtensteins“, 03.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 3: Die Schwarzenbergs“, 04.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 4: Die Coburgs“, 05.01.2019 ORF III

Außerdem zeigt ORF III alle vier Folgen am 05.01.2019 ab 15:30 h am Stück.

Links:

http://www.esterhazy.at

http://tv.orf.at

„Concerto di Fine Anno“ – Konzert im Teatro Nuovo Giovanni da Udine mit dem Strauss Festival Orchester Wien

Zu Silvester fand ein kleiner „Kulturexport“ aus Wien bei unserem südlichen Nachbarn Italien statt. Das Strauss Festival Orchester Wien gastierte in einem vollen Teatro Nuovo Giovanni da Udine mit einem Konzert zum Jahresausklang, mit Musik der Strauss-Dynastie.

Auf sozialen Medien konnte man einen übervollen Konzertsaal sehen, nicht nur die ItalienerInnen lieben Wiener Musik sehr. Unter dem Titel „Dolci di Vienna“ übersetzt: „Süßigkeiten aus Wien“ dirigierte Violinist und Dirigent Daniel Auner das Strauss Festival Orchester. Gesanglich wurde man von der Udineser Sopranistin Giulia della Peruta unterstützt.

Walzer, Polka und Operette standen auf dem Programm. Csárdás und Arien brachten die Besucher zum Schwärmen. Auch mit einem „Bacio“ (Luigi Arditi) wartete man auf.

Besonders auch das Finale mit dem „Radetzkymarsch“, welches alle Mitwirkenden gemeinsam mit einem Marsch durch das begeisterte Publikum feierten, kam gut an.

„Transactionen, Nordseebilder, Elfenreigen, Tänzerin und Sphärenklänge, gründlich und intellektuell“ – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2019

Der sehr begehrte deutsche Dirigent Christian Thielemann, Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden, gab sein Debut im Wiener Musikverein als Dirigent des Neujahrskonzertes 2019. Die Wiener Philharmoniker strahlten ob der glücklichen Symbiose.

Thielemann sollte bereits Jahre zuvor am Pult des Orchesters stehen, doch er war immer in Dresden verpflichtet. Heuer hat es erstmals funktioniert! Mit dem stets zu einhundert Prozent akribisch vorbereiteten Dirigenten leitete eine Größe der Musikszene das traditionelle Konzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.

Auffällig war zunächst in diesem Jahr eine recht schnelle Programmfolge, zumindest im ersten Teil des Konzertes. Die Wiener Stadtgärten sorgten auch 2019 für den Blumenschmuck. Rosen in Tieforange und Frischgrün dominierten dabei, auch Hellgelb und Magenta mischten sich darunter. Wobei, nur als Hinweis gesagt: Der Farbmix war etwas ungewöhnlich.

Den Auftakt des Konzertes bildete einer der bekanntesten Märsche der Habsburger-Monarchie, der Schönfeld-Marsch (op. 422) von C.M. Ziehrer. Ehrlich: Dieser war kaum vorhersehbar gestaltet, wirkte trotz der „Angestaubtheit“ in der Umsetzung erfrischend. Neben dem vollen Klang setzten Posaunen feine Akzente. Der Marsch erlebte seine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der erste große Walzer des Vormittages war Transactionen (op. 184) von Josef Strauss. Er lief sehr ruhig ab und verleitete zum Tagträumen, so wie es sein soll. Querflöten leiteten zart ein, es übernahm die Harfe (Anneleen Lenaerts). Präzise und fließend mit kaum „zügellosen Ausbrüchen“. Zum Finale durfte es dann etwas Dramatik sein. Aus diesem Werk, und nicht nur aus diesem, entsteht allgemein der Eindruck, dass Josef Strauss der melancholischere der Brüder war. Er war auch Ingenieur und Erfinder neben seiner Kompositionstätigkeit.

Mit dem Elfenreigen von Josef Hellmesberger Sohn zeichneten die Wiener Philharmoniker ein lebhaftes Bild in die Köpfe der Menschen: Elfen mit champagnerfarbenen Flügeln und blattgrünen Kleidern tanzen und strecken sich. Die Pizzicato-Elemente kommen sehr konzentriert. Ein bezauberndes und sehr präzise umgesetztes Werk.

Gut darauf macht sich die Express-Polka (Polka schnell, op. 311) von Johann Strauss Sohn – ebenso eine Erstaufführung. „Hüpfend und leichtfüßig“ ist hier das Motto der Wahl. War Christian Thielemann vorhin noch sehr zurückgenommen, kann hier bemerkt werden, dass er sich zu dieser Polka etwas rhythmisch bewegte. Ist auch zu verführerisch, ohnehin verkörpert der Dirigent nicht den äußerst trockenen Typus.

Der große, ausladende und wunderbare Walzer Nordseebilder (op. 390) von Johann Strauss Sohn wurde durch dessen Hochzeitsreise geprägt. Der kleine Ort Wyk an der nordfriesischen Insel Föhr gefiel dem Komponisten derart, dass er dieses Werk verfasste. An eine symphonische Dichtung angelehnt und mit einer sehr langen Introduktion vermag der Walzer die Bilder von Küste und Wellen zu vermitteln. Flöten geben die Richtung vor. Ein gewagtes Gedankenexperiment: Stellenweise würde man dem vollmundigen und ausdrucksstarken Werk fast – aber nur fast – Ziehrer-Elemente unterstellen. Hörner folgen, und es gibt dramatische Momente, an denen man Gischt peitschen hört. Dann folgt wieder zucker-lastige Romantik.

Heraus aus den Nord-Träumereien, hinein in ein kleines Denkmal, welches der dritte Strauss-Bruder, Eduard, kreiert hat: Mit Extrapost, Polka schnell (op. 259) ist ein öfter zu hörendes Kleinod. Umgesetzt wird es mit Verve und Schärfe.

Nach der Pause geht es weiter mit Strauss´scher Operette, einem wichtigen Element nahezu jedes Neujahrskonzertes. Der Zigeunerbaron von Johann Strauss Sohn ist eines der bekanntesten Werke der Goldenen Operettenära (1860 – 1900). Er verbindet österreichische und ungarische Elemente mit der opernhaften Ouvertüre, die die Motive der Operette auf dramatische Weise in sich vereint. Daniel Froschauer (Erste Violine) wirft einen vielsagenden Blick ins Publikum.

Von Josef Strauss kommt ein entzückender wie meisterhaft umgesetzter Beitrag: Die Tänzerin, Polka francaise (op. 227) erfreut und unterhält. Elegant und leicht – ein Highlight des Konzerts. Thielemann hat auch hier seine helle Freude, und drückt das dezent durch seine Körpersprache aus. Bei der „Tänzerin“ handelt es sich um eine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der sehr bekannte Walzer Künstlerleben (op. 316) von Johann Strauss Sohn repräsentiert die Sorgen und Lüste dieser Berufsgruppe. Bei den Wiener Philharmonikern unter Thielemann wird zwischen zarten Andeutungen und strahlenden Höhen deutlich unterschieden.

Es folgt wiederum eine rasante, doch mit Bedacht gespielte Polka schnell, (op. 351), Die Bajadere von Strauss Sohn. Sehr schwungvoll, und sehr zackig umgesetzt. Eine treffliche Tanzmusik, wie man meinen könnte.

Auch von Bruder Eduard Strauss kommt ein launiger Beitrag zum Tanze. Niemand hielt es 1877 auf seinem Sitz, als Opern-Soiree, Polka francaise(op. 162) erklang. Dabei handelt es sich wieder um eine Erstaufführung im Rahmen des Neujahrskonzertes. Sehr verspielt, aber mit Konzentration.

Gleich drei Mal ist daraufhin wieder Johann Strauss Sohn, der bekannteste der drei Strauss-Brüder, am Werk: Und zwar wieder eine Novität am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, der Eva-Walzer aus Ritter Pazman, der einzigen Oper, die Strauss Sohn je schrieb. Sie wurde leider zum Misserfolg. Nicht jedoch dieses Schmuckstück, getragen von jagdlichen Motiven. Demzufolge hört man oft das Horn. Dieser Walzer: Eine gute Idee, die Thielemann gemeinsam mit den Musikern umsetzte.

Populärer ist der Czardas (op. 441) aus der eben genannten Oper. Schwermut und Lebensfreude treffen hier direkt und ungeschont aufeinander. Besser kann man es nicht machen, als hier gehört. Wirklich nicht.

Der Egyptische Marsch (op. 335) stellte nahezu eine Wiederholung vom Jahr 2014, mit derselben Idee, dar. Fein musiziert, aber weit weg von einer Innovation. Auch hier sangen die Musiker leidenschaftlich mit. In dem Fall kann man aber den lateinischen Spruch abwandeln: Bis repetita placent. Voraussetzung: Thielemann steuert seine Pianissimi bei, die für einen eigene Note sorgen.

Abwechslung kommt mit noch einer Erstaufführung ans Pult: Die Zwischenaktmusik von Joseph Hellmesberger Sohn, der Entr´acte Valse, gefällt allen.

Die einzige und kostbare Polka Mazur (eigentlich Polka Mazurka) an diesem Tag ist Lob der Frauen (op. 315). Johann Strauss Sohn schrieb diese 1867 und sie wurde im Wiener Volksgarten uraufgeführt.

Konzertmeister Rainer Honeck wird seiner Euphorie nicht müde, ebenso wenig wie seine KollegInnen.

Zauberhaft holt Josef Strauss´ Walzer Sphärenklänge (op. 235) aus, um zu einem weiteren Highlight des Konzertes zu werden. Die Violinen haben hier ihr synchrones Plaisir. An keiner Stelle angestrengt, sondern leicht und virtuos, immer mit der Prise Marsch in sich. Jun Keller (Violine) verliert sich sichtlich in der Musik, was ein sehr positives Zeichen ist. Mit dem Großwerk endet der offizielle Teil des Konzertes.

Als erste Zugabe wählen Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker die hübsche und flotte Polka Im Sturmschritt (Polka schnell, op. 348) von Strauss Sohn. Diese macht Laune und freut, wirkt wie ein „Zuckerstreusel“ auf dem ohnehin feinen und über weite Strecken klar schnörkellosen Konzert.

Der Walzer An der Schönen Blauen Donau (op. 314) offeriert wieder einmal ganz andere Noten. Oft gehört, aber noch nie so. Nüchtern, aber nicht reizlos. Eine der klarsten und temporeichsten Interpretationen. Als ob man ein Exempel statuieren wollte. Gut. Anders. Aber gut. Hier hält man sich nicht auf. Genaues Hinhören ist hier Programm.

Für den Radetzkymarsch (op. 228) lässt sich der Dirigent etwas einfallen. Er erscheint erst zu den ersten Klängen im Saal und hält dann das frenetische „Mitklatschen“ des Publikums im Zaum. Mittels Handzeichen und Mimik leitet er es an.

Was ist abschließend zu sagen? Ein durchdachtes wie unterhaltsames Neujahrskonzert mit klarer Linie, das sich modern-traditionsbewusst und intellektuell präsentierte. Ein guter Jahresstart!

Premieren-Donnerstag: Mystisch, artistisch, erfrischend – „Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund am Theater in der Josefstadt/Wien

Das Raimund´sche Zaubermärchen wird am Theater in der Josefstadt von Josef Köpplinger in neue Kleidung gehüllt. Dennoch hält es sich inhaltlich an die Vorlage. Ein sanftes Experiment.

Man wird ins „Geisterreich“ entführt. Feen greifen in das Leben der Erdenbürger ein. Das Geisterreich (nach einer Idee des Bühnenbildners Walter Vogelweider) wird aber auch zuweilen in kürzere Worte verwandelt, etwa „sei geistreich“. Eine ansatzweise, vorsichtige Modernisierung findet statt. Die Uraufführung 1826 war unter dem Titel „Romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang“. Da dies schon eine ganze Weile her ist, stellt es eine Herausforderung dar, 2018 diesem Werk gerecht zu werden. 

Es ist die letzte Premiere des heurigen Jahres für die „Josefstadt“. Das Ensemble gibt noch einmal alles: „Scheint die Sonne noch so schön, einmal muss sie untergehn….“. Wobei hier allen voran Michael Dangl in der Rolle des Fortunatus Wurzel eher als „aufgehende Sonne“ agiert. Glaubhaft im Größenwahn des ihn umrauschenden Geldes, polternd und schließlich zerstört. Wolfgang Hübsch als Das hohe Alter wandelt sich von einem Herrn mit Grandezza und Weisheit zu einem tattrigen Greis, und das gekonnt. Eine Bühne ohne viele Details schafft einen praktikablen Rahmen für die DarstellerInnen: Julia Stemberger ist Die Zufriedenheit und agiert sehr besorgt und mütterlich. Starke Bühnenschminke sorgt bei vielen der Mitwirkenden für Eindruck. Als Lottchen tritt Lisa-Carolin Nemec auf. Um deren irdisches Wohlergehen wird das ganze Stück lang gerungen. Die Fee Lacrimosa alias Alexandra Krismer will ihre Macht ausspielen. Ihr Vetter Ajaxerle ist Schwabe, umtriebig verkörpert von Alexander Pschill. Neid (Martin Niedermair) und Hass (Dominic Oley) wollen Wurzel zu Leibe rücken. Die Jugend (Theresa Dax) singt ihr Abschiedslied an den einstigen Waldbauern und jetzigen Millionär. Auch der Hauptdarsteller Dangl liefert ein feinsinniges Aschenlied. 

Zwischen Zufriedenheit und Geldgier springen die Akteure herum, versuchen sich teils als Magier, Akrobaten und Zauberschüler. Eine sehr moderne und auch gelungene Interpretation.

Info:

„Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund

Theater in der Josefstadt, Wien

Regie: Josef E. Köpplinger

http://www.josefstadt.org 

Seefestspiele Mörbisch 2019: „Wird man in diesem Lande lächeln können? Das Zugpferd kommt als Wallach wieder.“

Intendant Peter Edelmann präsentierte seine Pläne für „Das Land des Lächelns“, das große opernhafte Meisterwerk von Lehár. Ganz ohne Reisepass kann man also vom Burgenland aus nächstes Jahr „nach China reisen“. Es wird aber Station im Wiener Prater gemacht….

Wieder einmal gibt es Musik, die jeder mitsummen kann, und die romantische Operette in 3 Akten wird stimmungsvoll den Neusiedler See in Szene setzen. Nicht zuletzt lautet ein neuer Slogan „Wir geben dem See eine Bühne.“ 

Das Leading Team für 2019 besteht aus Thomas Rösner als musikalischer Leiter, Leonard Prinsloo kümmert sich um Regie und Choreographie, das Bühnenbild gestaltet Walter Vogelweider. Cristof Cremer macht die Kostüme. „Von Apfelblüten einen Kranz“, wird ein koreanischer Tenor der umjubelten Volksopern-Sängerin Elissa Huber als Lisa „ans Fenster legen“ wollen. Soviel ist sicher. Nicht nur einen Blickfang, für den man gerne ein Erinnerungsfoto machen wird, verspricht Edelmann. Es soll eine spektakuläre Inszenierung werden. 

Zu einem riesigen Comeback kommt es auch: Da hat sich wohl jemand gedacht: „Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.“ Kammersänger und Ex-Intendant Harald Serafin kehrt nach sieben Jahren Mörbischer Bühnenabstinenz wieder an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Einst im Burgenland auf Grund seiner Forderungen für die Festspiele als „Waunsinniger“ betitelt, belehrte er die Skeptiker eines Besseren. Und jetzt wird es untypisch: „Danilo vom Dienst“ nannte man ihn, stets hat er virile Rollen gespielt, Liebhaber und Fürsten, Barone und Helden der Mythologie. Nächstes Jahr wird er – und nun bitte festhalten – zum Ober-Eunuchen. Umgangssprachlich könnte man meinen: „Ein kleiner Schnitt, ein großer Schritt.“ Gewehrt hat er sich anfangs, doch jetzt wird er selbstbewusst „beispielgebend für alle Eunuchen sein“. Und wer diesen Mann kennt, der weiß: Mit einer Rikschafahrt gibt der einstige Genius loci sich nicht zufrieden…. Diese Rolle (laut Otto Schenk eine der besten!) braucht wahre Größe.

Peter Edelmann selbst hat noch keine Lust, auf der Bühne zu stehen, er will „sehen, wie das Werkel läuft.“ Er sollte Acht geben, damit ihn nicht die Rikscha überfährt.

„Das Land des Lächelns“ feiert seine Premiere am 11. Juli 2019. Gespielt wird bis 24. August. 

Vater und Sohn mit einem „liebevollen“ Programm: VATERMORD mit Matthias Franz Stein und Erwin Steinhauer im Wiener Rabenhof Theater

Den Titel muss man sich erst einmal „zutrauen“: Das Programm mit dem fast schon psychoanalytischen Namen „Vatermord“. Erwin Steinhauer, ein „alter Hase“ im Schauspielbusiness, und sein Sohn Matthias Franz Stein stehen gemeinsam auf der Bühne (eine Premiere!) und räsonieren nicht nur über das Leben. Ein Abend zwischen Theater und Kabarett und auch der Frage, wer es besser kann/macht.

Auf längst vergessene Glanzzeiten wird da zurückgeblickt, da müssen bereits am Anfang die Hörgeräte exakt justiert werden, denn es folgt das (fiktive) „Erwin-Steinhauer-Revival“. Da geht es um Vergesslichkeit, Humorverständnis und die Erscheinungen des Alters. Matthias Franz Stein versteht es, mit der nötigen Portion Charme den inneren „Frechdachs“ herauszukehren. 

Ein Generationenkonflikt: Der alte Herr macht dem jungen Hüpfer das „Bühnenleben“ schwer und stellt ihn auf die Probe. Der Titel ist da eine Zuspitzung dieses Konfliktes, der auch in die andere Richtung gehen kann: Zu Tode umarmt ist auch gestorben. 

Zur (fiktiven) Handlung, die auch zu einem wesentlichen Teil überspitzt ist und so manchem ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert: Der aus der Kabarett-Ära der 80er Jahre, sowie aus Film, Funk und Fernsehen bekannte Erwin S. lässt in seiner Luxusvilla in Wien-Hietzing vor dem Full-HD-Fernseher seine Karriere Revue passieren, verbringt seine Abende vor seinen alten Filmen und viel Alkohol und hofft gleichzeitig, dass er ein Ehrengrab der Stadt Wien erhalten wird. Sein Sohn, ein gefragter Josefstadt-Schauspieler, wurde gerade wegen eines Interviews mit dem bekanntesten Society-Format des Landes, gekündigt. Daraufhin zieht er vorübergehend wieder beim Vater ein und gemeinsam schreiben die beiden an einem Abend fürs Theater. Der Sohn will dem Vater zum Comeback verhelfen, doch: Keiner von beiden findet das lustig, was der andere lustig findet. Manchmal erinnert das an die Story von Neil Simons „Sonny Boys“ wo die Protagonisten einen letzten Sketch miteinander gestalten sollen. 

Diesem Vater-Sohn Duo traut man ein solches Programm zu, und auch den Umstand, dass sie sich danach nicht grantig aufeinander in der Garderobe abschminken und das Theater verlassen. Das Buch zu diesem in dieser Form einzigartigen Programm (wo stehen Vater und Sohn auf der Bühne und spielen Vater und Sohn, und dann noch einen solch wagemutigen Titel?) schrieben Steinhauer und Stein gemeinsam mit Alfred Dorfer und Fritz Schindlecker. Was „Vorsorgesex“ ist, warum sich der Sohn und der Vater „anspeiben“ und wie gesungen und gegroovt wird, kann man im Theater Rabenhof in Wien unter der Regie von Caroline Welzel erleben. 

Info:

Programm „VATERMORD“ mit Matthias Franz Stein und Erwin Steinhauer

Ort: Rabenhof Theater, 1030 Wien, Rabengasse 3

nächste Termine:  05., 13., 14., 19. und 20. Dezember 2018

Kartenbestellung: Karten zu je 28 Euro, http://www.rabenhoftheater.com, Telefon: +43 1 712 82 82