Friedrich von Thun erzählt: „Habsburgs Adel – Die Esterházys“ (ORF III)

In einer neuen Fernsehreihe des österreichischen Senders ORF III erzählt Schauspieler und Publikumsliebling Friedrich von Thun (eigentlich Friedrich Ernst Peter Paul Maria Thun-Hohenstein, und adelshistorisch Graf von Thun und Hohenstein) von „Habsburgs Adel“. Den Anfang der mehrteiligen Reihe macht er mit den Esterházys.

Man stelle sich einmal Österreich „ohne alles“ vor, die ganze damalige Donaumonarchie mit ihren Feldherren und Staatsmännern. Österreich ohne die Schlösser. Maria Theresia drohte die Zerschlagung. Bayern, Sachsen und Preußen stellten sich gegen sie…..sie wollten lieber einen männlichen Thronerben.

So bildhaft und schicksalsschwer erfolgt die Einleitung der neuen Reihe durch Friedrich von Thun.

Pannonien, die ungarische Tiefebene, war die Machtbasis der Esterhazys. Das heutige Burgenland präsentiert sich als Naturparadies mit vielen kulturellen Einflüssen. Wer heute auf dem Neusiedler See unterwegs ist, ahnt vielleicht nicht, dass er sich über weite Teile auf Privatgewässer der Esterházys bewegt. Besondere Bauwerke der Esterházys sind das Schloss in Eisenstadt sowie die Burg Forchtenstein (erworben durch Nikolaus Esterházy).

Vielleicht war der ungarische Vizekönig Nikolaus schuld an einer verbogenen Stephanskrone der Habsburger? Am 14. Februar 1638 sollte in Pressburg Maria Anna, Frau von Ferdinand III gekrönt werden, doch die Truhe mit der Krone ließ sich nicht öffnen, weil aus Wien gleich drei falsche Schlüssel geliefert wurden. So ließ der Vizekönig die Truhe mit Brachialgewalt öffnen. Es resultierte die gebogene Krone, die – so erzählte man – das schwierige Verhältnis der Habsburger zu Ungarn repräsentierte.

Ende des 17. Jahrhunderts wurde Ungarn von einem türkischen Pascha regiert. Bei der Schlacht von Vezekeny gegen die zahlenmäßig weit überlegenen Osmanen fiel das Oberhaupt der Esterházy, Ladislaus.

Die Burg Forchtenstein wurde zu einer uneinnehmbaren Festung ausgebaut. Die Kunst- und „Wunderkammer“ ist bis heute sehr gut erhalten, da sie gut versteckt liegt.

Im Burgenland, so erfährt man auch, gibt es heute sieben jüdische Gemeinden, aus dem Grund, weil Paul I Esterházy Juden aufnahm.

Die Esterházy zeichneten sich durch Loyalität und Kaisertreue aus. Auch das Schloss Esterháza in Fertöd, das ungarische Versailles genannt, wurde zu einem „Esterházy´schen Feenreich“, wie ob des großen Prunks Goethe schon bemerkte. Nicht nur der allgemeine Bauboom führte dazu, dass Nikolaus II Esterházy, verheiratet mit Maria von Liechtenstein, der zuerst nach Neapel ging, um Kunstschätze zu beschaffen und dann in Linz eine Militärausbildung absolvierte, 3,8 Millionen Gulden Verbindlichkeiten anhäufte.

Dieser revolutionierte aber auch das Postwesen, und war als Wollproduzent Herr über Bauern mit 200 000 Schafen. Seiner Affinität zu Kunst und deren Reproduktionen wegen wurde er „Il Magnifico“ genannt. Für die Orangerie im Schlosspark von Eisenstadt trug er exotische Blumen zusammen, und für Tochter Leopoldine errichtete er den Tempel im Park mitsamt einer Sitzstatue……

Wer nun neugierig geworden ist, was noch kommt und Teil dieser neuen Reihe sein wird und sich vom charmanten Friedrich von Thun Historie näher bringen lassen will:

„Habsburgs Adel – Folge 1: Die Esterházys“, 02.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 2: Die Liechtensteins“, 03.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 3: Die Schwarzenbergs“, 04.01.2019, ORF III

„Habsburgs Adel – Folge 4: Die Coburgs“, 05.01.2019 ORF III

Außerdem zeigt ORF III alle vier Folgen am 05.01.2019 ab 15:30 h am Stück.

Links:

http://www.esterhazy.at

http://tv.orf.at

„Concerto di Fine Anno“ – Konzert im Teatro Nuovo Giovanni da Udine mit dem Strauss Festival Orchester Wien

Zu Silvester fand ein kleiner „Kulturexport“ aus Wien bei unserem südlichen Nachbarn Italien statt. Das Strauss Festival Orchester Wien gastierte in einem vollen Teatro Nuovo Giovanni da Udine mit einem Konzert zum Jahresausklang, mit Musik der Strauss-Dynastie.

Auf sozialen Medien konnte man einen übervollen Konzertsaal sehen, nicht nur die ItalienerInnen lieben Wiener Musik sehr. Unter dem Titel „Dolci di Vienna“ übersetzt: „Süßigkeiten aus Wien“ dirigierte Violinist und Dirigent Daniel Auner das Strauss Festival Orchester. Gesanglich wurde man von der Udineser Sopranistin Giulia della Peruta unterstützt.

Walzer, Polka und Operette standen auf dem Programm. Csárdás und Arien brachten die Besucher zum Schwärmen. Auch mit einem „Bacio“ (Luigi Arditi) wartete man auf.

Besonders auch das Finale mit dem „Radetzkymarsch“, welches alle Mitwirkenden gemeinsam mit einem Marsch durch das begeisterte Publikum feierten, kam gut an.

„Transactionen, Nordseebilder, Elfenreigen, Tänzerin und Sphärenklänge, gründlich und intellektuell“ – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2019

Der sehr begehrte deutsche Dirigent Christian Thielemann, Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden, gab sein Debut im Wiener Musikverein als Dirigent des Neujahrskonzertes 2019. Die Wiener Philharmoniker strahlten ob der glücklichen Symbiose.

Thielemann sollte bereits Jahre zuvor am Pult des Orchesters stehen, doch er war immer in Dresden verpflichtet. Heuer hat es erstmals funktioniert! Mit dem stets zu einhundert Prozent akribisch vorbereiteten Dirigenten leitete eine Größe der Musikszene das traditionelle Konzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.

Auffällig war zunächst in diesem Jahr eine recht schnelle Programmfolge, zumindest im ersten Teil des Konzertes. Die Wiener Stadtgärten sorgten auch 2019 für den Blumenschmuck. Rosen in Tieforange und Frischgrün dominierten dabei, auch Hellgelb und Magenta mischten sich darunter. Wobei, nur als Hinweis gesagt: Der Farbmix war etwas ungewöhnlich.

Den Auftakt des Konzertes bildete einer der bekanntesten Märsche der Habsburger-Monarchie, der Schönfeld-Marsch (op. 422) von C.M. Ziehrer. Ehrlich: Dieser war kaum vorhersehbar gestaltet, wirkte trotz der „Angestaubtheit“ in der Umsetzung erfrischend. Neben dem vollen Klang setzten Posaunen feine Akzente. Der Marsch erlebte seine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der erste große Walzer des Vormittages war Transactionen (op. 184) von Josef Strauss. Er lief sehr ruhig ab und verleitete zum Tagträumen, so wie es sein soll. Querflöten leiteten zart ein, es übernahm die Harfe (Anneleen Lenaerts). Präzise und fließend mit kaum „zügellosen Ausbrüchen“. Zum Finale durfte es dann etwas Dramatik sein. Aus diesem Werk, und nicht nur aus diesem, entsteht allgemein der Eindruck, dass Josef Strauss der melancholischere der Brüder war. Er war auch Ingenieur und Erfinder neben seiner Kompositionstätigkeit.

Mit dem Elfenreigen von Josef Hellmesberger Sohn zeichneten die Wiener Philharmoniker ein lebhaftes Bild in die Köpfe der Menschen: Elfen mit champagnerfarbenen Flügeln und blattgrünen Kleidern tanzen und strecken sich. Die Pizzicato-Elemente kommen sehr konzentriert. Ein bezauberndes und sehr präzise umgesetztes Werk.

Gut darauf macht sich die Express-Polka (Polka schnell, op. 311) von Johann Strauss Sohn – ebenso eine Erstaufführung. „Hüpfend und leichtfüßig“ ist hier das Motto der Wahl. War Christian Thielemann vorhin noch sehr zurückgenommen, kann hier bemerkt werden, dass er sich zu dieser Polka etwas rhythmisch bewegte. Ist auch zu verführerisch, ohnehin verkörpert der Dirigent nicht den äußerst trockenen Typus.

Der große, ausladende und wunderbare Walzer Nordseebilder (op. 390) von Johann Strauss Sohn wurde durch dessen Hochzeitsreise geprägt. Der kleine Ort Wyk an der nordfriesischen Insel Föhr gefiel dem Komponisten derart, dass er dieses Werk verfasste. An eine symphonische Dichtung angelehnt und mit einer sehr langen Introduktion vermag der Walzer die Bilder von Küste und Wellen zu vermitteln. Flöten geben die Richtung vor. Ein gewagtes Gedankenexperiment: Stellenweise würde man dem vollmundigen und ausdrucksstarken Werk fast – aber nur fast – Ziehrer-Elemente unterstellen. Hörner folgen, und es gibt dramatische Momente, an denen man Gischt peitschen hört. Dann folgt wieder zucker-lastige Romantik.

Heraus aus den Nord-Träumereien, hinein in ein kleines Denkmal, welches der dritte Strauss-Bruder, Eduard, kreiert hat: Mit Extrapost, Polka schnell (op. 259) ist ein öfter zu hörendes Kleinod. Umgesetzt wird es mit Verve und Schärfe.

Nach der Pause geht es weiter mit Strauss´scher Operette, einem wichtigen Element nahezu jedes Neujahrskonzertes. Der Zigeunerbaron von Johann Strauss Sohn ist eines der bekanntesten Werke der Goldenen Operettenära (1860 – 1900). Er verbindet österreichische und ungarische Elemente mit der opernhaften Ouvertüre, die die Motive der Operette auf dramatische Weise in sich vereint. Daniel Froschauer (Erste Violine) wirft einen vielsagenden Blick ins Publikum.

Von Josef Strauss kommt ein entzückender wie meisterhaft umgesetzter Beitrag: Die Tänzerin, Polka francaise (op. 227) erfreut und unterhält. Elegant und leicht – ein Highlight des Konzerts. Thielemann hat auch hier seine helle Freude, und drückt das dezent durch seine Körpersprache aus. Bei der „Tänzerin“ handelt es sich um eine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der sehr bekannte Walzer Künstlerleben (op. 316) von Johann Strauss Sohn repräsentiert die Sorgen und Lüste dieser Berufsgruppe. Bei den Wiener Philharmonikern unter Thielemann wird zwischen zarten Andeutungen und strahlenden Höhen deutlich unterschieden.

Es folgt wiederum eine rasante, doch mit Bedacht gespielte Polka schnell, (op. 351), Die Bajadere von Strauss Sohn. Sehr schwungvoll, und sehr zackig umgesetzt. Eine treffliche Tanzmusik, wie man meinen könnte.

Auch von Bruder Eduard Strauss kommt ein launiger Beitrag zum Tanze. Niemand hielt es 1877 auf seinem Sitz, als Opern-Soiree, Polka francaise(op. 162) erklang. Dabei handelt es sich wieder um eine Erstaufführung im Rahmen des Neujahrskonzertes. Sehr verspielt, aber mit Konzentration.

Gleich drei Mal ist daraufhin wieder Johann Strauss Sohn, der bekannteste der drei Strauss-Brüder, am Werk: Und zwar wieder eine Novität am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, der Eva-Walzer aus Ritter Pazman, der einzigen Oper, die Strauss Sohn je schrieb. Sie wurde leider zum Misserfolg. Nicht jedoch dieses Schmuckstück, getragen von jagdlichen Motiven. Demzufolge hört man oft das Horn. Dieser Walzer: Eine gute Idee, die Thielemann gemeinsam mit den Musikern umsetzte.

Populärer ist der Czardas (op. 441) aus der eben genannten Oper. Schwermut und Lebensfreude treffen hier direkt und ungeschont aufeinander. Besser kann man es nicht machen, als hier gehört. Wirklich nicht.

Der Egyptische Marsch (op. 335) stellte nahezu eine Wiederholung vom Jahr 2014, mit derselben Idee, dar. Fein musiziert, aber weit weg von einer Innovation. Auch hier sangen die Musiker leidenschaftlich mit. In dem Fall kann man aber den lateinischen Spruch abwandeln: Bis repetita placent. Voraussetzung: Thielemann steuert seine Pianissimi bei, die für einen eigene Note sorgen.

Abwechslung kommt mit noch einer Erstaufführung ans Pult: Die Zwischenaktmusik von Joseph Hellmesberger Sohn, der Entr´acte Valse, gefällt allen.

Die einzige und kostbare Polka Mazur (eigentlich Polka Mazurka) an diesem Tag ist Lob der Frauen (op. 315). Johann Strauss Sohn schrieb diese 1867 und sie wurde im Wiener Volksgarten uraufgeführt.

Konzertmeister Rainer Honeck wird seiner Euphorie nicht müde, ebenso wenig wie seine KollegInnen.

Zauberhaft holt Josef Strauss´ Walzer Sphärenklänge (op. 235) aus, um zu einem weiteren Highlight des Konzertes zu werden. Die Violinen haben hier ihr synchrones Plaisir. An keiner Stelle angestrengt, sondern leicht und virtuos, immer mit der Prise Marsch in sich. Jun Keller (Violine) verliert sich sichtlich in der Musik, was ein sehr positives Zeichen ist. Mit dem Großwerk endet der offizielle Teil des Konzertes.

Als erste Zugabe wählen Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker die hübsche und flotte Polka Im Sturmschritt (Polka schnell, op. 348) von Strauss Sohn. Diese macht Laune und freut, wirkt wie ein „Zuckerstreusel“ auf dem ohnehin feinen und über weite Strecken klar schnörkellosen Konzert.

Der Walzer An der Schönen Blauen Donau (op. 314) offeriert wieder einmal ganz andere Noten. Oft gehört, aber noch nie so. Nüchtern, aber nicht reizlos. Eine der klarsten und temporeichsten Interpretationen. Als ob man ein Exempel statuieren wollte. Gut. Anders. Aber gut. Hier hält man sich nicht auf. Genaues Hinhören ist hier Programm.

Für den Radetzkymarsch (op. 228) lässt sich der Dirigent etwas einfallen. Er erscheint erst zu den ersten Klängen im Saal und hält dann das frenetische „Mitklatschen“ des Publikums im Zaum. Mittels Handzeichen und Mimik leitet er es an.

Was ist abschließend zu sagen? Ein durchdachtes wie unterhaltsames Neujahrskonzert mit klarer Linie, das sich modern-traditionsbewusst und intellektuell präsentierte. Ein guter Jahresstart!

Premieren-Donnerstag: Mystisch, artistisch, erfrischend – „Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund am Theater in der Josefstadt/Wien

Das Raimund´sche Zaubermärchen wird am Theater in der Josefstadt von Josef Köpplinger in neue Kleidung gehüllt. Dennoch hält es sich inhaltlich an die Vorlage. Ein sanftes Experiment.

Man wird ins „Geisterreich“ entführt. Feen greifen in das Leben der Erdenbürger ein. Das Geisterreich (nach einer Idee des Bühnenbildners Walter Vogelweider) wird aber auch zuweilen in kürzere Worte verwandelt, etwa „sei geistreich“. Eine ansatzweise, vorsichtige Modernisierung findet statt. Die Uraufführung 1826 war unter dem Titel „Romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang“. Da dies schon eine ganze Weile her ist, stellt es eine Herausforderung dar, 2018 diesem Werk gerecht zu werden. 

Es ist die letzte Premiere des heurigen Jahres für die „Josefstadt“. Das Ensemble gibt noch einmal alles: „Scheint die Sonne noch so schön, einmal muss sie untergehn….“. Wobei hier allen voran Michael Dangl in der Rolle des Fortunatus Wurzel eher als „aufgehende Sonne“ agiert. Glaubhaft im Größenwahn des ihn umrauschenden Geldes, polternd und schließlich zerstört. Wolfgang Hübsch als Das hohe Alter wandelt sich von einem Herrn mit Grandezza und Weisheit zu einem tattrigen Greis, und das gekonnt. Eine Bühne ohne viele Details schafft einen praktikablen Rahmen für die DarstellerInnen: Julia Stemberger ist Die Zufriedenheit und agiert sehr besorgt und mütterlich. Starke Bühnenschminke sorgt bei vielen der Mitwirkenden für Eindruck. Als Lottchen tritt Lisa-Carolin Nemec auf. Um deren irdisches Wohlergehen wird das ganze Stück lang gerungen. Die Fee Lacrimosa alias Alexandra Krismer will ihre Macht ausspielen. Ihr Vetter Ajaxerle ist Schwabe, umtriebig verkörpert von Alexander Pschill. Neid (Martin Niedermair) und Hass (Dominic Oley) wollen Wurzel zu Leibe rücken. Die Jugend (Theresa Dax) singt ihr Abschiedslied an den einstigen Waldbauern und jetzigen Millionär. Auch der Hauptdarsteller Dangl liefert ein feinsinniges Aschenlied. 

Zwischen Zufriedenheit und Geldgier springen die Akteure herum, versuchen sich teils als Magier, Akrobaten und Zauberschüler. Eine sehr moderne und auch gelungene Interpretation.

Info:

„Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund

Theater in der Josefstadt, Wien

Regie: Josef E. Köpplinger

http://www.josefstadt.org 

Seefestspiele Mörbisch 2019: „Wird man in diesem Lande lächeln können? Das Zugpferd kommt als Wallach wieder.“

Intendant Peter Edelmann präsentierte seine Pläne für „Das Land des Lächelns“, das große opernhafte Meisterwerk von Lehár. Ganz ohne Reisepass kann man also vom Burgenland aus nächstes Jahr „nach China reisen“. Es wird aber Station im Wiener Prater gemacht….

Wieder einmal gibt es Musik, die jeder mitsummen kann, und die romantische Operette in 3 Akten wird stimmungsvoll den Neusiedler See in Szene setzen. Nicht zuletzt lautet ein neuer Slogan „Wir geben dem See eine Bühne.“ 

Das Leading Team für 2019 besteht aus Thomas Rösner als musikalischer Leiter, Leonard Prinsloo kümmert sich um Regie und Choreographie, das Bühnenbild gestaltet Walter Vogelweider. Cristof Cremer macht die Kostüme. „Von Apfelblüten einen Kranz“, wird ein koreanischer Tenor der umjubelten Volksopern-Sängerin Elissa Huber als Lisa „ans Fenster legen“ wollen. Soviel ist sicher. Nicht nur einen Blickfang, für den man gerne ein Erinnerungsfoto machen wird, verspricht Edelmann. Es soll eine spektakuläre Inszenierung werden. 

Zu einem riesigen Comeback kommt es auch: Da hat sich wohl jemand gedacht: „Wo du nicht bist, kann ich nicht sein.“ Kammersänger und Ex-Intendant Harald Serafin kehrt nach sieben Jahren Mörbischer Bühnenabstinenz wieder an seine ehemalige Wirkungsstätte zurück. Einst im Burgenland auf Grund seiner Forderungen für die Festspiele als „Waunsinniger“ betitelt, belehrte er die Skeptiker eines Besseren. Und jetzt wird es untypisch: „Danilo vom Dienst“ nannte man ihn, stets hat er virile Rollen gespielt, Liebhaber und Fürsten, Barone und Helden der Mythologie. Nächstes Jahr wird er – und nun bitte festhalten – zum Ober-Eunuchen. Umgangssprachlich könnte man meinen: „Ein kleiner Schnitt, ein großer Schritt.“ Gewehrt hat er sich anfangs, doch jetzt wird er selbstbewusst „beispielgebend für alle Eunuchen sein“. Und wer diesen Mann kennt, der weiß: Mit einer Rikschafahrt gibt der einstige Genius loci sich nicht zufrieden…. Diese Rolle (laut Otto Schenk eine der besten!) braucht wahre Größe.

Peter Edelmann selbst hat noch keine Lust, auf der Bühne zu stehen, er will „sehen, wie das Werkel läuft.“ Er sollte Acht geben, damit ihn nicht die Rikscha überfährt.

„Das Land des Lächelns“ feiert seine Premiere am 11. Juli 2019. Gespielt wird bis 24. August. 

Vater und Sohn mit einem „liebevollen“ Programm: VATERMORD mit Matthias Franz Stein und Erwin Steinhauer im Wiener Rabenhof Theater

Den Titel muss man sich erst einmal „zutrauen“: Das Programm mit dem fast schon psychoanalytischen Namen „Vatermord“. Erwin Steinhauer, ein „alter Hase“ im Schauspielbusiness, und sein Sohn Matthias Franz Stein stehen gemeinsam auf der Bühne (eine Premiere!) und räsonieren nicht nur über das Leben. Ein Abend zwischen Theater und Kabarett und auch der Frage, wer es besser kann/macht.

Auf längst vergessene Glanzzeiten wird da zurückgeblickt, da müssen bereits am Anfang die Hörgeräte exakt justiert werden, denn es folgt das (fiktive) „Erwin-Steinhauer-Revival“. Da geht es um Vergesslichkeit, Humorverständnis und die Erscheinungen des Alters. Matthias Franz Stein versteht es, mit der nötigen Portion Charme den inneren „Frechdachs“ herauszukehren. 

Ein Generationenkonflikt: Der alte Herr macht dem jungen Hüpfer das „Bühnenleben“ schwer und stellt ihn auf die Probe. Der Titel ist da eine Zuspitzung dieses Konfliktes, der auch in die andere Richtung gehen kann: Zu Tode umarmt ist auch gestorben. 

Zur (fiktiven) Handlung, die auch zu einem wesentlichen Teil überspitzt ist und so manchem ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert: Der aus der Kabarett-Ära der 80er Jahre, sowie aus Film, Funk und Fernsehen bekannte Erwin S. lässt in seiner Luxusvilla in Wien-Hietzing vor dem Full-HD-Fernseher seine Karriere Revue passieren, verbringt seine Abende vor seinen alten Filmen und viel Alkohol und hofft gleichzeitig, dass er ein Ehrengrab der Stadt Wien erhalten wird. Sein Sohn, ein gefragter Josefstadt-Schauspieler, wurde gerade wegen eines Interviews mit dem bekanntesten Society-Format des Landes, gekündigt. Daraufhin zieht er vorübergehend wieder beim Vater ein und gemeinsam schreiben die beiden an einem Abend fürs Theater. Der Sohn will dem Vater zum Comeback verhelfen, doch: Keiner von beiden findet das lustig, was der andere lustig findet. Manchmal erinnert das an die Story von Neil Simons „Sonny Boys“ wo die Protagonisten einen letzten Sketch miteinander gestalten sollen. 

Diesem Vater-Sohn Duo traut man ein solches Programm zu, und auch den Umstand, dass sie sich danach nicht grantig aufeinander in der Garderobe abschminken und das Theater verlassen. Das Buch zu diesem in dieser Form einzigartigen Programm (wo stehen Vater und Sohn auf der Bühne und spielen Vater und Sohn, und dann noch einen solch wagemutigen Titel?) schrieben Steinhauer und Stein gemeinsam mit Alfred Dorfer und Fritz Schindlecker. Was „Vorsorgesex“ ist, warum sich der Sohn und der Vater „anspeiben“ und wie gesungen und gegroovt wird, kann man im Theater Rabenhof in Wien unter der Regie von Caroline Welzel erleben. 

Info:

Programm „VATERMORD“ mit Matthias Franz Stein und Erwin Steinhauer

Ort: Rabenhof Theater, 1030 Wien, Rabengasse 3

nächste Termine:  05., 13., 14., 19. und 20. Dezember 2018

Kartenbestellung: Karten zu je 28 Euro, http://www.rabenhoftheater.com, Telefon: +43 1 712 82 82

Vorschau auf Weihnachten etwas anders: „Klappe Santa!“ mit Ernst und Christoph Grissemann im VAZ Neunkirchen/NÖ



In ihrem Weihnachtsprogramm gehen Ernst und Christoph Grissemann Fragen rund um den Pannenbaum auf den Grund.


Eine schöne Bescherung: In diesen Geschichten wird anders gefeiert! Nämlich so, wie es sich gehört. Stellen Sie sich vor, es ist Weihnachten und alle sind da: der Weihnachtsmann, Knecht Ruprecht, der Nikolaus und ein Engel besetzen die Wohnung und wollen einfach nicht mehr gehen. Nur das Christkind fehlt. Aber gibt es das Christkind überhaupt? Diesen und anderen Fragen rund um den Pannenbaum gehen Ernst und Christoph Grissemann auf den Grund. Und weil alles andere eine Überraschung wäre, sind die Antworten, die sie uns auftischen, so erstaunlich, dass kein Auge trocken bleibt. Ernst und Christoph Grissemann haben Weihnachtsgeschichten gesammelt, die Sie bestimmt in Stimmung bringen. Schräg und besinnlich, lustig und tiefsinnig.

Veranstaltungsort: VAZ der Arbeiterkammer Neunkirchen

Datum: 04.12.2018, 19:30 Uhr

Kartenbestellung unter:

http://www.kultur-nk.at

Reihe 1 bis 10: € 23,- / AK € 26,-

ab Reihe 11: € 20,- / AK € 23,-

Wieder eine geschenkte Stunde: Otto Schenk präsentiert sein neues Buch!

Quod erat demonstrandum: Es gibt sowohl Straussianer als auch „Schenk-isten“. Der 88-jährige, umtriebige Theatermensch, den laut eigener Aussage eine Hassliebe mit selbigem verbindet, hat (wieder einmal) ein Buch geschrieben: Diesmal dreht sich alles um die Musik. Otto Schenk erfüllte sich im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wieder den Traum vom Dirigieren. Sein Sohn Konstantin ist übrigens wirklich Dirigent. 

Zwei Dirigenten gab es an diesem Abend: Zusammen mit der Ungarischen Kammerphilharmonie (diesmal unter der musikalischen Leitung von Konrad Leitner) gab Otto Schenk ja in der Vergangenheit schon das eine oder andere „launige“ Konzert mit viel Körpereinsatz. So spüre er die Musik einfach besser. „Wer nicht hört, kann nicht selig werden.“, so der Tausendsassa auf der Bühne. Oder: „Musik hören muss man lernen.“. Das dazugehörige Programm hat einen hübschen Namen: Noten und Anekdoten. 

Schenk fühlte sich lange unmusikalisch. Er musste sich die Musikalität erarbeiten. Das kam ihm wiederum bei seinen zahlreichen Operninszenierungen zugute, wie an der New Yorker Metropolitan Opera. In einem früheren Interview mit Klingers Kulturpavillon erwähnte er auch seine Herangehensweise an eine Inszenierung: Klingers Kulturpavillon: M. Klinger im Gespräch mit Ksch. Prof. Otto SCHENK

Was das Dirigieren anlangt, wollte er immer diesen Beruf ergreifen. Aber es kam nie dazu. Was vielleicht eben oben genannten Grund haben mag, dass er sich nie wirklich bereit fühlte.

Nicht nur die eingefleischten Fans erfreuen sich immer wieder seiner Bücher. Aber: Eine Autobiographie weigert er sich zu schreiben. Das wäre nicht angebracht. Lieber widmet er sich den verschiedensten Bereichen: Ein Kochbuch mit Rezepten seiner Nonna hat er schon herausgebracht („Wer kocht, ist selber schuld“). Oder er schreibt über irrwitzige Begebenheiten, die Oper, das Theater, gerade jetzt über die Musik.

Wer´s hört, wird selig – Musikalisches und Unmusikalisches ist der Name seines neuesten Werkes.

Die Zuhörer durften sich unter anderem an der „Pizzicato Polka“ (Johann Strauss Sohn und Josef Strauss, op. 234) oder an dem kleinen Meisterwerk „Unter Donner und Blitz“ (Polka schnell v. Johann Strauss Sohn, op. 324)  erfreuen. Mozart und Rossini liebt er aber auch. So entstand eine fast gnadenlose Vielfalt an „Expressionismus“, die er vorführte. Er hüpfte, beugte sich nach vorne, ließ wieder die Musiker kommen….

Otto Schenk mag zwar kein Musiker sein, ein untrügliches Gespür für die Musik und die Bereitschaft, ja sogar überschäumende Freude, sich dazu zu bewegen, ist ihm in die Wiege gelegt.

Nach dem Konzert und der Lesung hatte Schenk jedenfalls viel zu tun: Sehnsüchtig wurde er bereits zum Signieren seiner Werke erwartet, und das von einer Hundertschaft.

Information:

Otto Schenks neues Buch: „Wer´s hört, wird selig. Musikalisches und Unmusikalisches“, erschienen im Amalthea Verlag.

Preis: € 26

Ein Einblick voller Humor und Informationen in die Welt der Oper, der Musik, ein Muss für alle „Schenk-isten“.

Link zum Buch: http://www.amalthea.at/produkt/wers-hoert-wird-selig/

Ein Bayer in Kärnten: Günther Maria Halmer bei den Ronacher KulturGastSpielen in Bad Kleinkirchheim

Das Hotel Ronacher ist bekannt für seine umfassenden herbstlichen KulturGastSpiele (Organisator: Günther Beelitz) mit berühmten Künstlern und Künstlerinnen. Eine autobiographische Lesung sollte es werden, in der Galerie des Fünf-Sterne-Hotels in Kärnten. Daraus wurde aber viel mehr.

Mit Günther Maria Halmer gab sich einer der individuellsten Schauspieler Deutschlands die Ehre, wollte aber nichts „lesen“. Nein, lieber frei sprechen und dabei das Leben erlebbar machen. Zu Anschauungszwecken nahm er das Buch aber doch in die Hand. Zugegeben: Eine „pure“ Lesung mit diesem Menschen wäre auch fad gewesen. Dieses Potenzial, darf man nicht schlummern lassen zwischen Buchseiten. Knappe zwei Stunden begab man sich gemeinsam mit Halmer auf eine abenteuerliche Reise durch seine Vergangenheit und Gegenwart. Was die Zukunft bringt, verriet er gleich zu Beginn: „Wäre ich ein Sänger, hätte ich für heute Abend absagen müssen, denn Sie hören es: Meine Stimme ist angeschlagen. Das liegt daran, dass ich gerade einen Film drehe, er trägt den Arbeitstitel Die Vergesslichkeit der Eichhörnchen. Die Eichhörnchen verstecken nämlich Eicheln, Samen und Kastanien. Nur können sie sich nachher nicht erinnern, wo sie ihr Essen versteckt haben. Zu Ihrer Allgemeinbildung. Da spiele ich einen demenzkranken alten Mann, welcher barfuß durch den Park läuft und laut um Hilfe ruft. Ich musste oft rufen, weil es beim Film – wie Sie wissen – viele Einstellungen gibt. Nachbarn am Drehort wurden informiert, dass es sich um einen Dreh handelt und keine Gefahr droht.“

Geboren wurde Halmer am 5. Januar 1943 in Rosenheim. „1943 war kein gutes Jahr, um Kinder auf die Welt zu bringen.“ So steht es im Buch. Günther Maria Halmers Anfangsjahre waren nicht einfach. In der Schule fiel ihm Latein immer leicht, da er auch in der Kirche Aufgaben übernahm. Lateinische Gebete konnte er im Schlaf auswendig aufsagen. Auch musste er zum Beispiel immer ein goldenes Tablett unter das Kinn der Kirchenbesucher, die tabula halten, damit beim Einnehmen der Hostie auch keine Oblaten-Krümel auf den geheiligten Boden fielen. Auf diese Weise, meinte er, habe er „mehr Rachenmandeln, entzündete Hälse und belegte Zungen gesehen als jeder Hals-Nasen-Ohren-Arzt“.

Der Vater sah in ihm bereits einen Doppel-Doktor und Rechtsanwalt in seiner Heimatstadt Rosenheim in Bayern. Aber das wollte der junge Günther Maria Halmer nicht werden. Er hatte die Schule nicht so gerne, die Lehrer waren keine Vorbilder für ihn. Diese suchte er sich anderswo: Im Kinosaal. Heimlich sah er sich Filme mit seinen „Helden“ an: John Wayne, Burt Lancaster… Westernfilme und Werke mit starken Hauptdarstellern. Ein bisschen fühlte er sich dabei wie in Woody Allens Film „The Purple Rose of Cairo“, wo sich die Darstellerin in einen Kinohelden verliebt und er durch die Leinwand zu ihr kommt. Geld für das Kino bekam er durch kleine Schummeleien bei den Großeltern: Er bräuchte einen Radiergummi für die Schule, et cetera.

Er wusste lange nicht, was für einen Beruf er ergreifen sollte. Sein langer Weg führte ihn zunächst zur Bewerbung als Bankkaufmann in Rosenheim: Ausführlich beschrieb er dort die Lage und dass er sich nicht wohl fühlte. Sein Styling damals war nicht banktauglich: Glitzerjacke, Haartolle und Co. standen diesem Karriereweg wohl eher im Weg. Elvis Presley war zu einem Idol für ihn geworden (den er im Film „Liebe mit Lachfalten“ in seiner Rolle als Steffen Berger 2011 auch für einen Party-Auftritt lang darstellte) und er träumte von Musik und davon, ein umschwärmter Star zu sein. Sein gestrenger Vater erwischte Halmer einmal dabei, wie er in seinem Zimmer mit violettem Schal einen Rockstar imitierte. Mit einem Schlag war die erträumte Glitzer-Welt passé. So konnte es nicht weitergehen.

Eine weitere Station auf seinem Weg war das Militär. Dort erfuhr er als Erstes, dass man in Deutschland nicht „Okay!“ sondern „Jawohl!“ sagt, und nicht unbedingt die Wunschfrisur bekommt, die man möchte.

Die Hotelfachschule besuchte Halmer ebenso eher widerwillig. Er wollte gerne Filmstars am Empfang willkommen heißen, wurde stattdessen aber zum Kartoffelschälen geschickt. Abends aber zog er sich fesch um und ging in die Spielbank, hoffte, dort von reichen Damen angesprochen zu werden. Als man sein allabendliches Fehlen bemerkte, hieß es: Raus. „Fliegen kann jeder“ – bewahrheitet sich in diesem Fall somit auch.

Gelegenheitsjobs in Paris machten ihn, der seinen eigenen Weg finden wollte, ebenso nicht zufrieden. Winzige Zimmer und Campingkocher, da sagte er bald wieder: Rien ne va plus. Ein Freund verlautbarte, er würde nach Kanada gehen. In Quebec würde ebenso Französisch gesprochen. Halmer zögerte nicht und schloss sich an.

Lange Flugstunden waren zu absolvieren, irgendwann nachts landete er im Nirgendwo, wusste nicht wohin oder warum. Angekommen hörte er aus einer Baracke deutsche Lieder. Gelandet war er in einem Asbest-Bergwerk.

Als „Labourer“ schaufelte er Material, welches zu einem Asbest-Mehl verarbeitet wurde. Er dachte tagtäglich nach, und schwor sich, erst dann nach Deutschland zurückzukehren, wenn er wusste, welchen Beruf er ergreifen wollte. Er sagte, es sei keine sehr schlechte Arbeit gewesen, aber er war sich sicher, dass das nur eine Übergangslösung sei. Irgendwann wollte er dann „abhauen“. Bis jemand in der Baracke sagte: Ich gehe nach Hollywood und werde Schauspieler. Damit war auch Günther Maria Halmers Idee geboren. Schauspielerei! Das und nichts anderes!

Er flog zurück nach Deutschland, nicht ohne Acapulco mitsamt dem Helden Elvis zu würdigen (Er fühlte sich schon „wie er“.) Dort ging es für ihn zur Bewerbung an die renommierte Otto-Falckenberg-Schule zum Schauspielstudium. Er bat einen weisen Bekannten, ihm einige Theaterstücke zu nennen, die er proben könne. Da probierte er zum Beispiel einen alten Mönch aus, welcher ihm überhaupt nicht lag, wie er sagte.

Am Tag der Aufnahmeprüfung hätte Halmer aber glatt wieder „kalte Füße“ bekommen. Da standen ganz wilde Frauen und Männer, schrieen herum und benahmen sich sehr eigenartig. Dass das Teil der Vorbereitung auf die Prüfung war, schien in dem Moment unklar. Wer immer von der Bühne herauskam, wurde belagert: Was hast Du darstellen müssen? Eine junge Frau sagte: Eine Blume. Improvisieren musste ich. Was? Improvisieren? Das war eine „harte Nuss“. Der Rosenheimer konnte mit seinem laut eigener Aussage „käsigen Bayerisch“ den Hochdeutsch sprechenden Anwärtern scheinbar nicht nachkommen. Eine lateinische Grabrede überzeugte die Jury nicht. Haben Sie noch etwas? Und da fiel Halmer ein Lied ein, welches er mit der deutschen Kollegenschaft im Asbest-Bergwerk gesungen hatte. Er „performte“ mit vollem Körper-Einsatz. Rechnete sich aber keine Chancen aus.

Zuhause bei den Eltern saßen beide glückselig und aufrecht im Bett. Ein Brief von der Schauspielschule: Halmer war aufgenommen worden. Wie er sagte, einer der schönsten Tage in seinem Leben.

Noch während der Ausbildung gab er 1969 sein Debüt am Bayerischen Staatsschauspiel in München. Sein erstes Engagement führte ihn an die Münchner Kammerspiele. Am Theater in Oberhausen lernte er seine Ehefrau Claudia kennen, mit der er seit über 40 Jahren verheiratet ist.

Beeindruckende Szenen folgten, als er einige seiner Schauspielübungen von damals zum Besten gab: Alle noch im Kopf.

Die Schauspielkarriere startete für Günther Maria Halmer aber eher mit den bayerischen Paraderollen. Sein angeeignetes Hochdeutsch konnte er da eher nicht einsetzen. Regisseur Helmut Dietl holte ihn für die Rolle des Schlitzohrs „Tscharlie“ (Karl) zu den „Münchner Geschichten“. „Wer sich nix traut, wird nix im Leben!“, war der Wahlspruch dieses Charakters.

1979 folgte seine erste Kinoproduktion: „Lucky Star“. Die Rolle des Anwalt Abel in der gleichnamigen Fernsehserie 1988 brachte ihm viele Zuseher.

Auch Hollywood rief: In „Sophies Entscheidung“, einem US-Filmdrama aus dem Jahr 1982 spielte Halmer neben Meryl Streep die Rolle des Rudolf Höß. Neben Ben Kingsley war er in „Gandhi“ zu sehen.

Auch die seichtere, aber durchaus wichtige Schiene bediente Halmer im Lauf seiner Karriere: So bereiste er mit dem „Traumschiff“ etwa Mauritius, Namibia, Chile, Singapur und Kanada.

Unterhaltungsfilme mit Message sind ebenso eine Spezialität, der sich Günther Maria Halmer mit Leidenschaft widmet: Eine Sennerin zum Verlieben (mit Michaela May), Liebe hat Vorfahrt (mit Suzanne von Borsody), Plötzlich Opa (mit Max Felder), die Reihe „Die Nonne und der Kommissar“ und „Mein Nachbar, sein Dackel und ich“ (mit Ann Kathrin Kramer),  die italophile Komödie „Die Liebe hat das letzte Wort“ (mit Sabine Vitua) oder „Ein Drilling kommt selten allein“ (mit Thekla Carola Wied) sind nur einige zu nennende Titel.

Günther Maria Halmer erwies sich an diesem Abend als wortgewandter, lebhafter Erzähler, mit ernsten Untertönen. In seinen Erzählungen konnte man sich verlieren, als sei man selbst dabei gewesen.

Seine Autobiographie „Fliegen kann jeder – Ansichten eines Widerborstigen“ (erschienen bei C. Bertelsmann Verlag) widmet er seinen beiden Söhnen Daniel und Dominik.

 

Info:

zum Buch: https://www.randomhouse.de/Autor/Guenther-Maria-Halmer/p555576.rhd

 

Molden, Resetarits, Soyka und Wirth gastieren in Neunkirchen/NÖ.

„YEAH“, so der Name des Programmes, welches die vier Herren in Neunkirchen darbieten werden. Das Publikum darf sich auf besten Sound und beste Unterhaltung, organisiert vom Kulturverein Neunkirchen, freuen. 

Ernst Molden und Willi Resetarits – beide Amadeus-Preisträger 2017, legten im selben Jahr mit ihren Lieblingspartnern Soyka und Wirth die neue Platte vor und spielen nach längerer Pause wieder einmal in Neunkirchen die schönsten Lieder der mittlerweile bald zehnjährigen Zusammenarbeit. Eine berührende Zusammenarbeit war es von Beginn an, schon der Einsteiger „Ohne Di“ wurde von Kritik und Publikum gefeiert. Mit „Ho Rugg“ wurde 2014 nicht nur ein künstlerischer Höhepunkt abgeliefert, sondern für 2015 auch der deutsche Liederpreis abgeholt. Erstmals wurde eine österreichische Produktion für die besten Songs des deutschen Sprachraums geehrt.
Mit ihren Konzerten verzaubern sie die Menschen. Die gemeinsamen Auftritte des „besten Singer-Songwriters auf Gottes Erden“ (Willi Resetarits über Ernst Molden) und der „schönsten Stimme der Welt“ (Ernst Molden über Willi Resetarits) funktionieren perfekt und berühren das Publikum vom Neusiedlersee bis zum Bodensee.

Die Besetzung:

Ernst Molden: vocals, guitar

Willi Resetarits: vocals, harmonica, ukulele

Walther Soyka: accordion, vocals

Hannes Wirth: guitar, vocals

Info:

Termin: 12. Oktober 2018, 19:30 Uhr, VAZ der Arbeiterkammer Neunkirchen

Karten gibt es unter http://www.kultur-nk.at und im Rathaus (Bürgerservicestelle) Neunkirchen