NEUES von…Andreas Schager(l)

Der Tenor aus Niederösterreich hat eine Premiere vor sich: Für ihn geht es an die Metropolitan Opera New York in der Rolle des Siegfried in Wagners Götterdämmerung. Am 27. April wird er ihn erstmals in Amerika verkörpern, am Pult steht Philippe Jordan. Die Oper dauert respektable 5 Stunden (estimated run time: 5 h 32 mins). Per se bedient sich die Wagner-Oper der deutschen Sprache, es gibt Untertitel in wahlweise Deutsch, Englisch oder Spanisch.

Weitere Aufführungstermine: 4. Mai und 11. Mai 2019

Info:

http://www.metopera.org

Mehr als nur „Callboy Timo“ – Schauspieler Peter Marton

Vielen ist dieser Schauspieler erstmals in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ (im österreichischen und auch im deutschen Fernsehen zu sehen) aufgefallen. Er kann aber nicht nur TV, sondern präsentiert sich als durchaus vielschichtiger Theatermann und verspricht Agilität und Freude am Spiel.

Peter Marton wurde in Wien geboren und hat afro-amerikanische Wurzeln. Bevor es ihn zur Schauspielerei gezogen hat, waren seine Wunsch-Studien Philosophie und Theologie. Dann ging es aber doch ans Konservatorium für Schauspiel der Stadt Wien.

Er hat schon kleinere Bühnen wie das Waldviertler Hoftheater oder größere Bühnen wie die des Salzburger Landestheaters bespielt. Die Rollenauswahl ist dabei umsichtig und klug, wie auch reizvoll und abwechslungsreich: So reicht sie vom August in „Alpenkönig und Menschenfeind“ (F. Raimund) über Lysander in „Ein Sommernachtstraum“ (W. Shakespeare) bis zum Graf Wronski in „Anna Karenina“ (Tolstoi).

In München spielte er in „Ziemlich beste Freunde“ (nach Nakache/Toledano) an der Seite des ewigen „Dr. Stefan Frank“ Sigmar Solbach einen Kleinkriminellen namens Driss und überraschte mit seiner extremen Wandlungsfähigkeit. Die Rolle nahm er auch mit nach Frankfurt am Main und Bonn.

In der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ (Regie: Sabine Derflinger, Harald Sicheritz, Buch: Uli Bree) gibt Peter Marton den Callboy Timo, der Frauen für eine gewisse Zeit glücklich macht und auch der frustrierten Ehefrau Maria Schneider (Gerti Drassl) ihre innere und äußere Schönheit aufzeigt. Dabei lässt er nicht nur seinen Charme gekonnt spielen, sondern zeigt auch seine darstellerische Fitness.

Peter Marton ist auch als Radio-Sprecher im Einsatz, er ist zweisprachig aufgewachsen. Am Theater in der Josefstadt war er 2016 in „Monsieur Claude und seine Töchter“ (de Chauveron/Laurent) zu sehen.

Wobei er zukünftig hoffentlich öfter in Erscheinung treten wird, auf den Bühnen dieser Welt!

Josefstadt-Schauspieler reüssiert auch im Film: Florian Teichtmeister als Krimi-Kommissar in „Die Toten von Salzburg“

Der bekannte Schauspieler Florian Teichtmeister wagt sich wiederholt ins Krimi-Genre. Und das auch noch in einer Rolle mit Handicap. Schon der vierte Film der Reihe „Die Toten von Salzburg“ (Regie: Erhard Riedelsperger) stand auf dem Programm des österreichischen Fernsehens.

Teichtmeister spielt in der Filmreihe den Grazer Major Palfinger, der als Abteilungsleiter nach Salzburg geht. Er ist auf den Rollstuhl angewiesen, nimmt das aber nicht als negative Beeinträchtigung. Zumindest nicht gemeinhin. Nur einmal fragt er den „dort oben“:“Warum?“. Keine Frage, als „Josefstädter“, also Schauspieler an einem der renommiertesten Häuser Wiens, kann Florian Teichtmeister Gefühle expressiv nachstellen.

Man erinnere sich nur an seine „verführerische Attitüde“ als Strizzi Alfred in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ 2012 am Theater in der Josefstadt. Selbstbewusst, frech und für die große Bühne gemacht. Auch vor der Filmkamera scheut der Mann nicht zurück.

Die Filmreihe „Die Toten von Salzburg“ umfasst mittlerweile vier Teile: „Die Toten von Salzburg“ (1), „Zeugenmord“ (2), „Königsmord“ (3) und „Mordwasser“ (4). Ein fünfter Teil kommt ebenso.

Teichtmeister wurde für seine Darstellung sehr gelobt. Er übte während der Drehtage das Rollstuhlfahren und bezeichnete es in einem Interview als „körperliche Herausforderung“. Man könne aber „alles machen, sogar einen Backflip mit Rollstuhl, wenn man will.“

Auch wenn die Filmreihe ab und an (unfreiwillig) Klischees bedient, so war es den Ausführenden doch wichtig, keinen Kitsch und keine verklärten Darstellungen aufkommen zu lassen. Die Stadt Salzburg in den Filmen touristisch abzubilden, da „komme man nicht drum herum“.

Bereits seit 2016 kann man den Schauspieler in seiner Kommissar-Filmrolle erleben. Jüngst wurde der 4. Teil im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt.

Teichtmeisters nächste Premiere ist übrigens „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth am Theater in der Josefstadt, am 16.05. in der Rolle des Carl Joseph von Trotta in der Regie von E. Goerden.

Info:

„Die Toten von Salzburg“ – Fernsehfilmreihe im ORF

mit Florian Teichtmeister als Major Palfinger

in weiteren Rollen: Michael Fitz, Fanny Krausz, Erwin Steinhauer

https://der.orf.at/unternehmen/aktuell/toten_von_salzburg_dreharbeiten100.html

http://www.josefstadt.org

Das Fach des Belcanto – repräsentiert durch „Giovanna d´ Arco“ in Ternitz/Niederösterreich

Die Amici del Belcanto veranstalteten im eher beschaulichen Ternitz im südlichen Niederösterreich die konzertante Aufführung von „Giovanna d´ Arco“ (G. Verdi) – basierend auf dem Trauerspiel „Die Jungfrau von Orleans“ von F. Schiller.

Einen Prolog und drei Akte sieht der 1815 geborene und 1878 in Mailand verstorbene Dichter Temistocle Solera für dieses Werk vor. Ein „Gustostück“ der vergangenen Zeit, könnte man sagen. Belcanto, wörtlich übersetzt mit „Schöngesang“, entstand bereits Ende des 16. Jahrhunderts. Besonderer Wert wird auf die Weichheit des Tons gelegt, auch Koloraturen und Triller kommen als Ausschmückungen vor. Man braucht für diesen Gesangsstil jedenfalls die richtige Technik und die richtige Projektion der Stimme in den Raum.

Die Amici del Belcanto sind traditionsbewusst, und die gute Sängerin in der Titelpartie beherrschte die Bühne. Maria Katzarava (gebürtige Mexikanerin) brachte Leidenschaft für ihre Kunst und das nötige Temperament mit. Ihre Stimme, von ganz besonderer Färbung, überzeugte. Auch religiöse Aspekte wurden aufgearbeitet. Die Rollengestaltung ist bei konzertanten Aufführungen immer besonders, denn man hat weniger Anhaltspunkte. Die männlichen Sänger, allen voran Vittorio Vitelli (was möge dessen Name auf Italienisch bedeuten?) vital als Giacomo, Giovannas Vater und Luciano Ganci als König Carlo mit geschmeidigem Timbre, sind ihr würdige Gesangspartner. In kleineren Rollen hörte man Stefan Tanzer als Talbot und Alexander Gallee als Delil, die ihrerseits zum Gelingen des Abends beitrugen.

Ein solches Spectaculum braucht vor allem gute Sänger, aber auch gute Musiker. Und diese dirigierte Marian Vach, es spielten Orchester und Chor – sehr fein, wenn man beides zur Verfügung hat – der Staatsoper Banska Bystrica. Jede noch so kleine Nuance beachtete der Chor unter der Leitung der konzentrierten Iveta Popovicova.

Michael Tanzler als Vorsteher der Amici del Belcanto schaffte es mit seinen Verbündeten einen kulturellen Höhenflug zu bereiten, und auf diese Tradition darf weiterhin gehofft werden.

Info:

http://www.amicidelbelcanto.at


„Das Land des Lächelns“ (F. Lehár) bei den Seefestspielen Mörbisch – Peter Edelmann stellt vor!

Kulturinteressierte und besonders Fans der chinesischen Kultur sollten im Juli das Burgenland besuchen. Der künstlerische Direktor der Seefestspiele Mörbisch, Bariton Peter Edelmann, präsentierte die Operette „Das Land des Lächelns“ von Franz Lehár bei der offiziellen Pressekonferenz im Wiener Prater.

Die romantische Verklärung einer fremden Kultur und die Verbindung mit der eigenen Kultur – davon träumt bekanntlich Lisa, Tochter aus gutem Wiener Haus, die sich unsterblich (zuletzt 2001 auf der Seebühne Mörbisch unter der Intendanz von Harald Serafin, der auch selbst den Grafen Ferdinand Lichtenfels sang) in den chinesischen Prinzen Sou-Chong verliebt. Für ihn begibt sie sich auf die nicht ungefährliche Reise in das ferne Land, muss dort aber für sie nicht Hinnehmbares feststellen…Ihr Vater tätigt die bedeutungsschweren Worte: „Vergiss nicht Dein Wien und mich!“ Die damalige Produktion (mit Sang Ho Choi und Ingrid Habermann in den Hauptpartien, in der Regie von Winfried Bauernfeind) hat wohl so manchen im Publikum verliebt gemacht.

18 Jahre später versprechen nun Peter Edelmann und sein Team eine exotische Inszenierung, sie orientiert sich stark an der versuchten Verbindung der beiden Kulturen. Engagiert für die Umsetzung sind Leute, die von ihrem Fach etwas verstehen: etwa Regisseur Leonard Prinsloo, ein gebürtiger Südafrikaner, der Klavier und Ballett studierte und auch für die Choreografie verantwortlich zeichnet.

Für die musikalische Umrahmung sorgten alle Solistenpaare der diesjährigen Produktion unter der Klavierbegleitung von Mörbisch-Veteran und Dirigent Günter Fruhmann: Sophia Brommer als Lisa und Maximilian Mayer als 2. Gustav von Pottenstein sangen „Es ist nicht das erste Mal…Freunderl, mach Dir nix draus“.

Da-Yung Cho als Mi gab sehr stimmungsvoll und mit vollem Körpereinsatz „Im Salon zur blauen Pagode“ zum Besten. Sie und Martin Friedrich Lechleitner als 1. Gustav von Pottenstein philosophierten über ihre Liebe – denn „Meine Liebe, Deine Liebe, die sind beide gleich….“ und die Unterschiede zwischen dem Liebeswerben des Deutschen, des kühlen Englishman und dem „Herrn Franzosen“. Doch in Wien, so heißt es, wird man „intimer erst beim Wein“. Elissa Huber (Wiener Volksoper) als Lisa rief in bitterlichem Schmerz „Alles vorbei – Ich möcht´ einmal wieder die Heimat sehn!“ In der Originalvorlage, der „Gelben Jacke“ von 1923, will Lisa – so Peter Edelmann – unbedingt wieder „den Prater“ sehen. Und die Location war auch wirklich perfekt, um eine traditionelle Verbindung herzustellen. Der 1. Akt wird sich genau um diese Örtlichkeit drehen. Won Wi Choi als Sou-Chong gab die Hauptarie, die wohl bekannteste Opernarie (sic!) zum Besten, und das in einer stimmlichen Dramatik, die ihresgleichen sucht: „Dein ist mein ganzes Herz!“

Thomas Rösner fungiert als musikalischer Leiter und strich die Feinheiten von Lehárs nahezu schon opernhafter und sehnsüchtiger Musik heraus. Er kam gerade aus Asien und schwärmte von leisen und sanften Tönen, aber auch von donnernder Dramatik, welche deutlich macht, dass Lisa und Sou-Chong nicht zusammengehören und alles eine Illusion ist.

Walter Vogelweider nimmt sich des Bühnenbildes an und präsentierte verschiedene Arten chinesischer Drachen, sie sind in der Kultur nicht wie bei uns als Dämonen ersichtlich. Drachen stehen für Glück, und mit einem Augenzwinkern erwähnte der Bühnenbildner, dass „sein“ Drache hoffentlich für Wetterglück und gute Kritik sorgen würde.

Die fortschrittlichen, aber teils doch der Wiener Tradition verpflichteten Kostüme gestaltet Cristof Cremer. Das Kostüm der Mi erinnert an Apfelblüten beziehungsweise einen Apfelbaum, und ein typisches Wiener Adjutantenkostüm war ebenso ersichtlich. Edelmann freut sich besonders auf die wunderbaren Kostüme und ebenso auch auf ein groß angekündigtes Comeback: Nach 20 Jahren Intendanz und erstmals seit seinem letzten Auftritt als Frank in der „Fledermaus“ 2012 wird KS Harald Serafin (bewundernswert in diesem Alter) wieder auf den Mörbischer Bühnenbrettern stehen. Und zwar als Ober-Eunuch samt eigenem Lied. Die Definition eines Eunuchen sieht neben anderen Attributen auch eine hohe Stimme vor.

Benno Schollum als Graf Ferdinand von Lichtenfels (Lisas Vater) hat noch eine Aufgabe innerhalb der Internationalen Sommerakademie (ISA Operetta). Diese findet heuer das erste Mal in Mörbisch statt und der erfahrene Sänger wird junge Talente coachen. Sie sollen Ausdruck, Gesang und Dialoge verbessern, also das Grund-Rüstzeug für Operetten-Stars.

Auch an die Kleinen ist gedacht: Nach dem Erfolg der „Kinder-Mariza“ im letzten Jahr wird es auch dieses Jahr wieder ein „Land des Lächelns“ für Kinder geben. Das Buch hierzu verfasste der in der großen Operette als „Sekretär Fu Li“ engagierte Darsteller Gernot Kranner, der mit Kinderprojekten (zum Beispiel Pinocchio) viel Erfahrung hat und weiß, wie man kleine Gäste für klassische Musik begeistert.

Der Landeshauptmann des Burgenlandes, Hans Peter Doskozil, ließ sich die Präsentation nicht entgehen und möchte die Seefestspiele Mörbisch innerhalb der KBB – Kulturbetriebe in „sicherem Fahrwasser“ wissen, er freut sich auf die Premiere am 11. Juli.

Wie sagte Peter Edelmann noch so berührend: „Wenn die Sonne untergeht, geht das Herz auf!“.

Info:

Die Seefestspiele Mörbisch mit „Das Land des Lächelns“ (F. Lehár)

Künstlerischer Direktor: Peter Edelmann

Romantische Operette in 3 Akten

Premiere: 11. Juli 2019 Derniere: 24. August 2019

http://www.seefestspiele.at

„Einen Rostbraten bitte, mein Herr und Gebieter….“ – Das Duo Karawane Salzburg mit einer heiteren Stunde in der Seniorenresidenz Wien-Oberlaa

Die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenresidenz Oberlaa durften einen heiteren Nachmittag genießen unter dem Motto: „Lachen befreit, macht glücklich und entspannt.“ Christa und Agilo Dangl sorgten für ein glückliches Lächeln in so manchem Gesicht.

Unterhaltung ist eine Kunst. Und diese beiden Künstler sind sehr erfahren. Kleine Bonmots gehören dazu: Zum Beispiel ist der Elektriker der älteste Beruf. Warum? Als Gott sagte: „Es werde Licht!“, hat dieser schon vorher die Leitungen verlegt.

Unterhaltungen aus dem Alltag und aus dem Kaffeehaus sowie eine Doppelconference brachte das Künstler-Ehepaar aus Salzburg (deren Sohn Michael Dangl am Theater an der Josefstadt fixes Ensemblemitglied ist) auch mit.

Zu einem (Nachmittags-)Kaffee gehört natürlich ein gutes Stück Mehlspeise. Ein lustiges Strudelrezept mit unerwarteter Wendung brachte Christa Dangl: „Für Strudelteig brauchst Du Geduld, wenn´s nicht gelingt, bist´ selber schuld.“ Der selbstgemachte fertige Strudel wurde dann auch bedacht: „Wird er nichts, dann schmeiß´ ihn weg, und kauf an fertigen beim Bäck´!“

Die Kaffeehaus-Unterhaltung über den Umstand, dass ein Mann gerade wieder seine Tochter Karin mit vier Koffern bei sich aufnehmen musste, gipfelt in der Abwechslung der Speisen, die sie für ihn kocht: Spaghetti mit Fleischsoße, Spaghetti mit Zucchini, mit Muscheln….

Wie heißt ein Mann, der öfter ein schönes Mädchen auf dem Schoß sitzen hat? „Steiger.“ Man erfährt auch so einiges von einer „Sitzkassierin“. Per Definition war es eine Frau, oft die einzig zugelassene in Kaffeehäusern, die in einem Glaskasten saß, um vor männlicher Zudringlichkeit geschützt zu sein, und kassierte.

Fachgesimpelt wurde auch über Einsteins Theorie. Auch dass der Mann dabei immer „Weinstein“ versteht, ist nicht unwesentlich. Und am Ende kommt heraus, dass kein Mensch wirklich da ist. Auch nicht das Publikum.

Auch an Ernsthaftes, war gedacht: So schluckte die reiche Witwe Landau (um die 55) 50 Schlafpillen, um aus dem Leben zu scheiden, weil sie nicht mehr froh war. Aber Gott schickte sie zurück mit der Begründung: „Du hast noch dreißig Jahre!“ Doch ein Lastwagen für Milch und Brot wurde ihr zum Verhängnis, nachdem sie sich einen jungen, feschen Kerl angelacht hatte.

Und sogar über ein vermeintlich pikantes Thema, „ausgefallenen Sex“, wurde gesprochen. An allen Wochentagen ausgefallen, Monaten ausgefallen, Jahren ausgefallen.

Zu einer Doppelconference gehören immer zwei: Traditionell sind das „Der G´scheite und der Blöde.“ In Wahrheit müssen aber beide gescheit und aufmerksam sein, um den Gesprächsfluss in Gang zu halten. Also, „sag´ was Blödes“, fordert Christa Dangl. Eine unwiderstehliche Einladung, jetzt etwas G´scheites zu sagen, denn „Mir fällt aber nur etwas G´scheites ein!“ ist die Antwort von Agilo Dangl. „Flieht, Mortimer, flieht. Alles ist verloren.“ Das Zitat aus dem 3. Akt von Schillers Maria Stuart geht doch immer.

Agilo Dangl erzählte aus dem Leben eines Praktikanten in der Textilbranche, welcher sich die Tipps seines Chefs sehr wörtlich abgeschaut hat und ihm daraufhin leider gekündigt wurde: Eine feine Dame kam und wollte schwarze Seide kaufen. Der Chef erklärte, es gäbe bald nur noch grüne Seide, und er würde ihr diese empfehlen. Unter den Seidenraupen hätte sich eine Epidemie ausgebreitet. Der Praktikant beherzigte dies: Eine andere Kundin wollte schwarze „Bandln“ – also Bänder, und der Praktikant empfahl weiße (vorrätige) Bänder. Die Bandwürmer hätten nämlich eine Epidemie….

Wie man höflich und demütig eine Speise bestellen muss, stellten Christa und Agilo Dangl eindrucksvoll nach: Einfach genügt nicht. Ein Kellner gibt sich nicht mit einem hingeworfenen Befehl zufrieden. Der lautet: Einen Rostbraten. Nein, heißt es offenbar nicht: Es heißt vielmehr: Einen Rostbraten bitte, mein Herr und Gebieter, König der Kellner, Wohltäter des Gaumens, Retter der Hungrigen, aus Deinen edlen Händen möcht´ ich Speis und Trank empfangen. Bitte dies beim nächsten Besuch eines Restaurants zwingend zu beachten!

Kommunikationsprobleme rund um die italienische Nachspeise Panna Cotta gehören auch dazu. Zu viel Schlag(obers) ist nicht gut.

Wenn Du noch weißt, dass man die Milch von der Milchfrau geholt hat, dass Kartoffeln immer im Keller gelagert wurden, dass Eier im Literglas steckten, dass nur einmal pro Woche Waschtag war und die Unterwäsche gewechselt wurde, dann bist Du vermutlich schon länger jung.

Zum Ende kommt noch eine ganz niedliche Ente zum Einsatz. Diese will der Mann lieber behalten, von der Frau könnte er sich offenbar trennen.

Die beiden Botschafter des Vergnügens stellten ein Programm mit Herzblut zusammen und sorgten für viele Lacher und Applaus. Dabei ist immer auch die Art des Vortragens entscheidend, bei der Karawane Salzburg muss man sich diesbezüglich keine Sorgen machen. Immer wieder eine Freude!

Eine ekstatische Stunde mit Schauspieler Michael Dangl in der Seniorenresidenz Bad Vöslau

Rauschhaftes durften die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenresidenz im niederösterreichischen Bad Vöslau erleben: Josefstadt-Ensemblemitglied und Autor Michael Dangl beehrte das Haus mit einer erlebbaren, nahezu greifbaren Lesung.

Eines kann man vorweg konstatieren: Die trainierte Stimme zieht die Zuhörer in den Bann der Geschichten. Sanft fragt sie zu Beginn nach einem bescheidenen „stillen Wasser“. Dangl las aus seinem neuesten, packenden Werk „Im Rausch“.

Im Rausch

Die Aufmerksamkeit zieht zunächst eine gewisse Amelie auf sich, welche der Protagonist des Buches, ein junger Schauspieler (Ich-Erzähler), heftigst adoriert. Brennend vor Liebe versucht er ihr brieflich zu erklären, dass es gar keine Alternative zu einer gemeinsamen Zukunft gäbe. Aber, das große Aber: Sie ist vergeben. Und das war immer schon, ist und bleibt wohl der mächtigste Stolperstein eines Begehrens, welches zielgerichtet ist.

Der junge Mann versucht verzweifelt (und sehr, sehr selbstreflexiv) nachzuverfolgen, ob Amelie denn seinem Werben nachgeben würde. „Überflüssige Beteuerungen“ macht er dabei. Zitat: „Vielleicht vernahm sie ihn (den Vortrag auf dem Anrufbeantworter) im Halbschlaf und durfte nach dem Erwachen feststellen, dass alles Wirklichkeit war.“ Was die Liebe nicht hervorbringt!

Der Mann verbringt seine ersten Engagements am Theater (als vertraglich gebundener „Jugendlicher Held und Liebhaber, Charakterdarsteller) in einem Tage und Nächte andauernden Rauschzustand, nicht allein alkoholisch gemeint. Der Rausch der Einsamkeit, der Rausch der Verwandlung, der Gesellschaft, die Suche nach Wahrhaftigkeit, das alles beschäftigt ihn. Nicht nur, dass die ihm nach und nach anvertrauten Rollen von Cherubin in Der tollste Tag von Turrini bis hin zu Kostja in Die Möwe von Tschechow zur probetechnischen Herausforderung in der Fremde werden, hat er auch amouröse Abenteuer oder spielt bis in die Morgenstunden Klavier. Oder bemitleidet sich auch mal selbst mit einem vulgären italienischen Ausdruck: Porca miseria, als ihm Wasser aus einem defekten Hahn auf eine – sagen wir – heikle Körperstelle schießt.

Es ist das Werk keine Autobiographie, es handelt sich um einen Roman, eigentlich sind es Erzählungen aus dem Leben eines jungen Auftretenden.


Michael Dangl ließ das Publikum – gentlemanlike – entscheiden, ob es denn noch mehr Passagen aus dem Buch sein sollten oder lieber sein selbst verfasstes Gedicht Canto Veneziano, welches das Ankommen in der verklärten Stadt der Kanäle per Flugzeug beschreibt. Dieses war bisher erst einmal im Hörfunk zu erleben. Das Publikum entschied zugunsten von Venedig.

Eine lyrische und sehnsüchtige Schilderung – CANTO VENEZIANO

La Serenissima verlangt von Dir, dass Du Dich demütig beugst, schon bei der Anreise. Als gewähre Dir die Stadt gütig, Dich aufzunehmen. Nichts ist vergleichbar mit dem Ankommen in Venedig, jede Pore wird mit der eigentümlichen Luft geflutet. Die Vaporetti, die Wasserbusse (klingt eingedeutscht wesentlich geringschätziger), warten auf Kunden, Touristen und schaukeln ihres Weges. Das Wasser ist launisch. Das Memento Mori schwebt jedoch überall. Erinnere Dich, dass Du sterben wirst. Die barocke Vanitas macht auch vor Venedig nicht halt. Aber der Autor betont: Du siehst die Dinge nicht nur auf Fotos, sie stehen wirklich vor Dir und sind da. Und sie sind immer noch da, als wollten sie sagen: Ich überdauere was auch immer.

Der Autor lädt die Bewohner und Bewohnerinnen noch zu einer gedanklichen Reise ein: „Jetzt steigen wir alle in den Bus, um Mitternacht sind wir in Venedig, und dann in eine Bar.“ Herrlich.

Michael Dangl hat Freude. Daran, die Leser und Leserinnen auf die Reise zu schicken, die Menschen nicht nur zuhören, sondern auch wahrhaftig erleben zu lassen. Man ist gefesselt, man steht mit ihm auf der Piazza San Marco, man blickt auf das Wasser, welches die Gondeln umspielt, man schmeckt den Fisch, man hört die Signori sich angeregt unterhalten.

Ein freudiger Nachmittag – von dem noch bis zum Jahr 2021 einige bereits fixierte folgen sollen.

Info:

„Im Rausch“ von Michael Dangl

Roman, erschienen bei Braumüller

https://www.braumueller.at/t?isbn=9783992002269

Peter Simonischek und die Österreichischen Salonisten im Brucknerhaus Linz

Mit der Wundergläubigkeit des Menschen beschäftigen sich der österreichische Kult-Schauspieler Peter Simonischek und die Österreichischen Salonisten, wenn sie Joseph Roth vortragen beziehungsweise vertonen.

Wer kennt sie nicht, oder hat noch nicht von ihnen gehört? Die Rede ist von Joseph Roths Werken für die große Roman-Literatur: „Radetzkymarsch“ oder „Die Kapuzinergruft“. Am 14. März gibt es aber etwas anderes von diesem Autor zu hören: „Die Legende vom heiligen Trinker“ spielt an auf Bemühungen und Versuche um Redlichkeit.

Burgschauspieler Peter Simonischek nimmt sich dieser Zeilen an, die 1939 zum ersten Mal veröffentlicht worden sind. Die Handlung spielt in Paris, im Frühling 1934. Der Clochard Andreas schlägt sich durchs Leben und kann sich des Nachts nur mit alten Zeitungen zudecken.

Die Österreichischen Salonisten mit Peter Gillmayr, Kathrin Lenzenweger, Judith Bik, Roland Wiesinger, Peppone Ortner und Wieland Nordmeyer untermalen und unterstreichen den Vortrag mit Filmmusik der 1930 er Jahre.

Info:

„Die Legende vom Heiligen Trinker“ (Joseph Roth)

mit Peter Simonischek & den Österreichischen Salonisten

Brucknerhaus Linz, 14. März 2019, 19:30

Karten: ticket.liva.at

http://www.petersimonischek.at

http://www.salonisten.at

http://www.brucknerhaus.at

NEUES von…Norbert Ernst

Der Tenor singt in Richard Wagners Rheingold an der Metropolitan Opera New York die Rolle des Loge am 14.03., 29.04. und 06.05.2019.

NEUES von…Daniela Fally

Die Sopranistin ist am Haus am Ring – der Wiener Staatsoper – zu erleben, wo sie am 10.03., 14.03. und 17.03. die Rolle der Zerlina in Mozarts Don Giovanni singt.