Verdi

Das Fach des Belcanto – repräsentiert durch „Giovanna d´ Arco“ in Ternitz/Niederösterreich

Die Amici del Belcanto veranstalteten im eher beschaulichen Ternitz im südlichen Niederösterreich die konzertante Aufführung von „Giovanna d´ Arco“ (G. Verdi) – basierend auf dem Trauerspiel „Die Jungfrau von Orleans“ von F. Schiller.

Einen Prolog und drei Akte sieht der 1815 geborene und 1878 in Mailand verstorbene Dichter Temistocle Solera für dieses Werk vor. Ein „Gustostück“ der vergangenen Zeit, könnte man sagen. Belcanto, wörtlich übersetzt mit „Schöngesang“, entstand bereits Ende des 16. Jahrhunderts. Besonderer Wert wird auf die Weichheit des Tons gelegt, auch Koloraturen und Triller kommen als Ausschmückungen vor. Man braucht für diesen Gesangsstil jedenfalls die richtige Technik und die richtige Projektion der Stimme in den Raum.

Die Amici del Belcanto sind traditionsbewusst, und die gute Sängerin in der Titelpartie beherrschte die Bühne. Maria Katzarava (gebürtige Mexikanerin) brachte Leidenschaft für ihre Kunst und das nötige Temperament mit. Ihre Stimme, von ganz besonderer Färbung, überzeugte. Auch religiöse Aspekte wurden aufgearbeitet. Die Rollengestaltung ist bei konzertanten Aufführungen immer besonders, denn man hat weniger Anhaltspunkte. Die männlichen Sänger, allen voran Vittorio Vitelli (was möge dessen Name auf Italienisch bedeuten?) vital als Giacomo, Giovannas Vater und Luciano Ganci als König Carlo mit geschmeidigem Timbre, sind ihr würdige Gesangspartner. In kleineren Rollen hörte man Stefan Tanzer als Talbot und Alexander Gallee als Delil, die ihrerseits zum Gelingen des Abends beitrugen.

Ein solches Spectaculum braucht vor allem gute Sänger, aber auch gute Musiker. Und diese dirigierte Marian Vach, es spielten Orchester und Chor – sehr fein, wenn man beides zur Verfügung hat – der Staatsoper Banska Bystrica. Jede noch so kleine Nuance beachtete der Chor unter der Leitung der konzentrierten Iveta Popovicova.

Michael Tanzler als Vorsteher der Amici del Belcanto schaffte es mit seinen Verbündeten einen kulturellen Höhenflug zu bereiten, und auf diese Tradition darf weiterhin gehofft werden.

Info:

http://www.amicidelbelcanto.at


Sommeroper (3): Der Hofnarr verzweifelt an der Psyche – RIGOLETTO im Steinbruch St. Margarethen

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Der Wettergott hatte nicht wirklich ein Einsehen mit dem Hofnarren und dessen Tochter. Wie auch schon bei „Tosca“ musste die Premiere verspätet starten. Doch die künstlerischen Leistungen boten eine tolle Show!

In St. Margarethen fand man schon eine perfekte Bühne mit Installationen und einzigartiger Formensprache von Künstler Philippe Arlaud aufgebaut. Dieser „Rigoletto“ sollte eine Innovation werden: Modern und doch widersprüchlich. Ist doch im Original seine Sprache sehr verschlungen, betitelt er doch den Auftragsmörder Sparafucile mit „Pari siamo!“. Was dieser nicht sofort versteht, aber der Hofnarr ist klug: Er stellt einen Vergleich an und stellt fest: Wir beide sind gleich. Doch die Formensprache von Arlaud ist klar, leuchtet auch in vielen verschiedenen Farben. Die fortschrittlichen Operninszenierungen der letzten Jahre sind in St. Margarethen deutlich bemerkbar. Schon bei „Tosca“ (2015) versuchte man sich am „Big Screen“, der in die Oper integriert werden sollte. Auch beim heurigen Rigoletto bedient man sich einiger Lichtinstallationen. So sieht man immer wieder Charaktere riesengroß über das Bild huschen, ein Vorteil auf der riesigen Bühne.

Ursprünglich sollte das Stück „La Maledizione“, also „Der Fluch“ heißen. Die von Victor Hugo entlehnte Figur des Hofnarren kam erst später hinzu.

Die erste Frau, die im Steinbruch dirigiert: Anja Bihlmaier aus Stuttgart, nimmt das Zepter in die Hand. Eine klare Personenführung, Orchestrierung und Ausführung ist klanggewaltig erkennbar. Klar in der Linie der Inszenierung bleibt auch Andrea Uhmann mit den Kostümen. Neben dem art+event Theaterservice Graz zeichnete auch ein italienisches Unternehmen für diese verantwortlich: Casa d´arte Fiore Milano.

Da trägt Rigoletto, übrigens gut gesungen von Vladislav Sulimsky, eine schlichte Halskrause, sieht damit fast eher schick als lachhaft aus. Der Lächerlichkeit wird hier nicht wirklich Raum gegeben. Puristisch und doch fesselnd, so ist das Rezept. Das psychische Gefängnis, das sich gleichsam der Herzog (Yosep Kang als abgründig-lüsterner Held), Rigoletto und seine Tochter Gilda bauen, wird dennoch deutlich. Niemand kann weg von sich. Es versuchen aber alle: Es wird geklettert, gerannt und gehüpft, stolziert und gedroht. Für Damen ist es keine angenehme Umgebung. Das weiß auch Monterones – eindrucksvoll und stimmsicher: Staatsopern-Bariton Clemens Unterreiner – Tochter alias Julia Reiff, die vor dem Herzog und dessen böser Tat flieht. Die Gilda von Elena Sancho Pereg indes, strahlt in der Höhe, beeindruckt nicht nur bei der vielerwarteten Arie Caro nome, sondern auch mit ihrer Präsenz. Beklemmend böse und psychologisch wertvoll: Sparafucile, der atemlose Auftragsmörder von Staatsopern-Bass Sorin Coliban. Dessen gutherzige Schwester Maddalena, eine der tollen Frauenrollen bei Verdi, wird verkörpert von Annely Peebo, die sich in Schale wirft. Simon Duus und Manuela Leonhartsberger verkörpern Graf und Gräfin Ceprano auf ihre Art und Weise. Seine Tochter Gilda wurde ihm entrissen, wie reagiert ein liebender Vater? Seinem übergroßen Schmerz verleiht Rigoletto Ausdruck in der Abrechnungsarie Cortigiani, vil razza dannata. Der Philharmonia Chor Wien unterstützt wo er kann, die Chorleitung liegt bei Walter Zeh.

Die dominierende Farbe des Abends ist Rot. Auch die höfischen Damen werden dem Herzog „zur Auswahl“ in Rot präsentiert. Einen größeren „Schürzenjäger“ gibt es bei Verdi kaum. Unter ihm haben im Laufe der Handlung fast alle zu leiden. Vor allem Gilda, die sich Hals über Kopf als Unberührte in ihn verliebt. Wie leicht beeinflussbar sie ist, zeigt sich an ihrer Zerbrechlichkeit.

Das Publikum muss trotz aller Ernsthaftigkeit, bestehend aus Mord und Totschlag, Eifersucht, Rage, bitteren Abgründen der Seele, nicht auf das Schlussfeuerwerk (bereitgestellt von Mc Pyro) verzichten.

 

 

Caro nome in St. Margarethen: Rigoletto wird konkret!

 

 

 

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(c) Arenaria

 

 

Oper im Steinbruch St. Margarethen/Burgenland

Wie schon einigen Aufmerksamen bekannt ist, wird nächstes Jahr (2017) im Steinbruch die große Verdi-Oper „Rigoletto“ gegeben. Ein Klassiker der Opernliteratur, immer wieder auf den Spielplänen großer Häuser zu finden. Die immer noch rührende Thematik wird in der gigantischen Naturkulisse von St. Margarethen wieder ZuhörerInnen zum Schwärmen bringen.

Auf der Besetzungsliste sind einige sehr Steinbruch-erprobte Namen zu finden. Auch Newcomer werden hoch herausgehoben. So wird etwa Tatjana Larina, Gewinnerin des Österreichischen Musiktheaterpreises, die Gilda geben, alternierend mit Elena Sancho Pereg (bekannt aus dem Margarethener „Der Liebestrank“ als Adina). Die Titelrolle teilen sich Vladislav Sulimsky und der bekannte Scarpia von 2015, Davide Damiani. Der liebestolle Herzog wird alternierend dargestellt von Yosep Kang und Arthur Espiritu, sollten alle Stricke reißen, steht Jesus Leon zur Verfügung. In der Doppelrolle der „Schwester“ Maddalena und Giovanna sind abwechselnd Annely Peebo (Volksoper Wien) und Jordanka Milkova (Schweizerisches Opernstudio) zu erleben. Den Grafen von Monterone wird Staatsopern-Held Clemens Unterreiner (hier schon 2015 als „Angelotti“ engagiert gewesen) verkörpern. Den bösen, zahnlosen Sparafucile singt Luke Stoker. Graf Ceprano sind abwechselnd Karl Huml und Simon Duus. Noch eine Doppelrolle, die vergeben wird, und zwar die der Gräfin Ceprano und des Pagen, teilen sich Eva Bordova und Arina Alexeeva. Borsa geben Kirlianet Cortes und David Jagodic.

Als Chor werden die Sänger und Sängerinnen unterstützt vom Philharmonia Chor Wien. Es spielt das Symphonieorchester des Slowakischen Rundfunks unter Dirigentin Anja Bihlmaier, Philippe Arlaud führt Regie. Walter Zeh ist für die Chorleitung zuständig, und die Kostüme unter anderem für den Buckligen Narren wird Andrea Uhmann gestalten.

 

NEUES von…Alexandra LoBianco

 

Die Sängerin mit der Stimmlage Sopran, tituliert mit der „Auszeichnung“ echter Verdi-Sopran, wird an der Wiener Staatsoper in der Vorstellungsserie des Fidelio im Mai die Leonore singen.

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(c) madisonopera

LA TRAVIATA-Worum es sich handelt:

 

Oper (Melodramma) in 3 Akten von Giuseppe Verdi. Nach dem Schauspiel La Dame aux camélias von Alexandre Dumas (1852). Uraufführung: 06. März 1853 in Venedig, Teatro La Fenice.

Die Protagonisten dieser Oper sind:

Violetta Valery*****Flora Bervoix*****Alfredo Germont*****Giorgio Germont*****Gaston*****Baron Douphol

Die Oper spielt in Paris und Umgebung, um 1850. (1. Akt im Oktober, 2. im Januar, 3. im Februar)

Die Sprache der Oper ist Italienisch.

 

1. Akt

Die Halbweltdame Violetta Valery feiert in ihrem Haus ein Fest. Eingeladen ist Gaston, der seinen Bekannten, den Studenten Alfredo Germont, vorstellt. Alfredo bewundert die Dame seit langem. Sie bittet ihn, ein Trinklied vorzubringen. Plötzlich ereilt Violetta ein Schwächeanfall. Sie zieht sich zurück, während die anderen Gäste sich in den Ballsaal begeben. Alfred aber kommt zu ihr und nützt den Augenblick, um ihr seine Liebe zu gestehen. Violetta warnt Alfredo, er solle sie besser nicht lieben. Sie sollten nur Freunde sein. Sie reicht ihm eine Kamelie und erlaubt ihm, wiederzukommen, sobald sie verblüht ist. Alfredo weiß, dass das morgen der Fall ist. Violetta, nach dem Fest benommen, denkt über Alfredos Worte nach. Sie sehnt sich nach einer stabilen, reinen Beziehung, weiß aber insgeheim, dass sie für ein Leben im Lusttaumel gemacht ist.

2. Akt

Violetta und Alfredo finden einander in Liebe. Sie ziehen in ein Landhaus bei Paris und leben drei Monate in trauter Zweisamkeit. Mittlerweile aber verdient Violetta kaum noch Geld und sieht sich gezwungen, ihre Habseligkeiten zu veräußern, um den Lebensunterhalt bestreiten zu können. Alfredo erfährt das und reist sofort ab nach Paris, um seiner Liebe zu helfen. Ihre Schwindsucht ist jedoch besser geworden. Inzwischen läutet es bei Violetta an der Tür. Sie denkt, es sei der bestellte Notar. Doch Alfredos Vater, Giorgio Germont, tritt ein. Sie beweist ihm, dass das Paar von ihrem, nicht von Alfredos Geld lebt. Doch trotzdem möchte der Vater, dass sie seinen Sohn freigibt. Denn Violetta hat nicht den besten Ruf, und eine Verbindung zwischen ihr und Alfredo bringt wiederum eine mögliche Heirat von Alfredos Schwester in Gefahr. Überredet, ist sie bereit, Alfredo freizugeben. Sie schreibt zwei Briefe, einen an Baron Douphol und einen zweiten an Alfredo, der sie aber hierbei überrascht. Leidenschaftlich umarmt sie ihn und läuft davon. Alfredo liest den Brief und ist verzweifelt. Er sucht Trost bei seinem gerade zurückgekehrten Vater, der ihn heimholen will. Doch Alfredo ist gebrochen.

Violettas Freundin, Flora, veranstaltet einen Maskenball. Alfredo besucht die Veranstaltung, um Violetta zu finden. Er setzt sich an einen Spieltisch und gewinnt eine große Summe. Schließlich, auf dem Fest, trifft er auf Violetta am Arm des Barons Douphol. Sie bittet Alfredo, zu gehen, doch er will nur gehen, wenn sie ihm folgt. Sich an das Versprechen an Giorgio erinnernd, lehnt sie ab. Sie erklärt Alfredo, sie würde den Baron lieben. Außer sich wirft Alfredo ihr das gesamte gewonnene Geld vor den Zeugen des Balles vor die Füße. Er habe ihr nun alles zurückgegeben, was sie ihm finanziert hätte. Der ebenfalls anwesende Vater Alfredos ist fassungslos, die Gesellschaft raunt.  Alfredo kommt zur Besinnung und es reut ihn fürchterlich. Violetta sagt ihm nun, dass sie nur ihn liebe. Douphol verlangt ein Duell von Alfredo.

3. Akt

Violetta, sehr kränklich, wird von einer Hausdame gepflegt. Sie erhält einen Brief Giorgio Germonts, in dem er ihr die Rückkehr seines Sohnes zu ihr ankündigt. Violetta ist sehr glücklich, weiß aber, dass es für sie nicht mehr viel Hoffnung gibt. Sie leidet an ihrer Schwindsucht. Draußen ist Karnevalstrubel zu vernehmen. Alfredo tritt vor die todkranke Violetta. Sie träumt noch einmal den Traum vom gemeinsamen Glück in Paris. Sie sinkt zusammen. Giorgio Germont tritt ein, voll Mitgefühl für die Frau, die seinen Sohn so sehr liebt. Violetta reicht Alfredo ein Medaillon mit ihrem Porträt. Sie richtet sich auf, ruft „Ich lebe!“ und sinkt tot zurück.

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Stimmlagen der Figuren:

  • Violetta               Sopran
  • Alfredo                Tenor
  • Giorgio                Bariton
  • Flora                    Mezzosopran
  • Douphol              Bariton
  • Gaston                 Tenor

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Berühmte Arien:

Libiamo ne´ lieti calici (Brindisi, Trinklied)                   deutsch: Auf, trinket in durstigen Zügen

Alfredo und Violetta, 1. Akt

Un dí felice                                                                                         deutsch: Eines glücklichen Tages

Alfredo und Violetta, 1. Akt

E strano!                                                                                              deutsch: Wie seltsam!

Violetta, 1. Akt

Sempre libera!                                                                                   deutsch: immer frei!

Violetta, 1. Akt

O mio rimorso                                                                                    deutsch: Weh mir, im Traume!

Alfredo, 2. Akt

Un di, quando le veneri                                                                 deutsch: Wenn mit der Zeit (deine Schönheit vergeht!)

Giorgio, 2. Akt

Parigi, o cara                                                                                   deutsch: teures Paris, (lass uns fliehen!)

Alfredo und Violetta, 3. Akt

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Hintergründiges:

La traviata bedeutet eigentlich „Die vom rechten Weg Abgekommene“. Eine solche Dame gab es tatsächlich, sie war Marie Duplessis, eine Wäscherin aus der Normandie. Bald fand sie einen reichen Gönner und wohnte edel in Frankreich. Sie hatte eine Affäre nach der anderen.

Das Trinklied (Libiamo) aus dem 1. Akt (Brindisi) ist weit über die Oper hinaus bekannt. Es wird gerne bei Hochzeiten gesungen.

Verdi bezeichnete die Figur Violetta auch als Kameliendame, nach der ihr zugeordneten Blume, der Kamelie.

Eine legendäre Aufführung brachten die Salzburger Festspiele im Jahr 2005. (Regie Willy Decker). Die Violetta gab Anna Netrebko, den Alfredo Rolando Villazón und der Vater Giorgio war Thomas Hampson.

 

Hier können Sie das Trinklied hören, gesungen von Anna Netrebko und Rolando Villazón ((c)Salzburger Festspiele 2005)

 

E strano….Sempre libera! gibt es hier, gesungen von Renata Scotto:

 

Parigi, o cara singen hier Angela Gheorghiu und Roberto Alagna:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

RIGOLETTO- Worum es sich handelt:

 

Oper (Melodramma) in 3 Akten von Giuseppe Verdi. Nach dem Schauspiel Le roi s´ amuse von Victor Hugo. Uraufführung: 11. März 1851 in Venedig, Teatro La Fenice.

Die Protagonisten dieser Oper sind:

Herzog von Mantua (Duca di Mantova)*****Rigoletto*****Gilda*****Graf von Monterone*****Sparafucile*****Marullo*****Maddalena

Die Oper spielt in Mantua im 16. Jahrhundert.

Die Sprache der Oper ist Italienisch.

 

1. Akt

Der Herzog von Mantua feiert in seinem Palast. Er prahlt damit, beliebig viele Frauen zur Verfügung zu haben und verrät seine zynische Einstellung.  Als der Graf von Monterone auf dem Fest erscheint, und den Verführer seiner Tochter sprechen will, verspottet ihn der Hofnarr des Herzogs, Rigoletto, auf garstige Weise. Marullo behauptet, Rigoletto würde immer abends das Haus in Richtung einer Geliebten verlassen. Daraufhin verflucht Monterone den Herzog und Rigoletto. Dieser Schwur lässt Rigoletto nicht kalt. Er will zu seiner Tochter Gilda und trifft spätnachts auf Sparafucile, der ihm anbietet, einen etwaigen Nebenbuhler seiner vermeintlichen Geliebten fortzuschaffen. Rigoletto ahnt, dass er mit Sparafucile einiges gemeinsam hat: Einer mordet mit der Waffe, der andere mit der Zunge. Schließlich macht er sich auf den Weg zur Tochter. Diese lebt in Abgeschiedenheit, weiß nicht, dass ihr Vater Hofnarr ist, und darf das Haus nur verlassen, um in die Kirche zu gehen. Sie hat die ganze Liebe ihres Vaters. Im Haus der Tochter schreckt Rigoletto auf, als er ein Geräusch auf der Straße hört. Diesen Moment nutzt der wartende Herzog von Mantua, um zu Gilda zu gelangen. Als Rigoletto sich von Gilda verabschiedet, gibt sich der Herzog nicht zu erkennen, sondern stellt sich der Tochter als Student Gualtier Maldé vor. Dabei beteuert er ihr seine Liebe. Gilda besingt ihn stürmisch, als sie allein ist. Hofleute kommen, um die vermeintliche Geliebte von Rigoletto zu entführen. Der besorgte Vater kommt zum Haus seiner Tochter zurück. Nichtsahnend, dass er seine eigene Tochter entführt, hilft Rigoletto mit. Die Hofleute beteuern ihm, der Sinne beraubt durch verbundene Augen, sie würden eine andere Frau entführen wollen. Der Fluch Monterones hat sich erfüllt, als demnach Gilda entführt wird.

2. Akt

Der Herzog von Mantua macht sich wirklich Sorgen um Gilda, da er sie in ihrem Haus nicht antrifft. Doch die Hofleute eröffnen ihm, dass sie Gilda in seinen Palast gebracht hätten. Rigoletto, ebenfalls im Palast angekommen, versucht, etwas über das Schicksal seiner Tochter, bei deren eigener Entführung er unwissend mitgeholfen hat, zu erfahren. Dem Getuschel der Hofleute entnimmt Rigoletto, dass seine Tochter im Palast sei. Rasend verwünscht er die Tuschelnden. Betroffen erfahren diese, dass Gilda seine Tochter ist. Sie, die im selben Moment aus des Herzogs Zimmer gerannt kommt, stürzt in die Arme des Vaters. Sie bekennt sich aber zum Herzog. Inzwischen wird der Graf von Monterone verhaftet, und nimmt den Fluch gegen den Herzog zurück. Rigoletto hingegen schwört dem Herzog Rache. Gilda bittet um Gnade für ihren Geliebten.

3. Akt

In einer heruntergekommenen Bar vergnügt sich der Herzog von Mantua mit der Schwester von Auftragsmörder Sparafucile, Maddalena. Rigoletto bringt Gilda ebenfalls in diese Spelunke, um ihr vor Augen zu führen, wie treulos der Herzog ist. Rigoletto verkleidet seine Tochter als Mann und schickt sie nach Verona, um sie außer Gefahr zu bringen. Er käme am folgenden Tag nach. Sparafucile soll den Herzog in der Bar töten. Es bricht ein Gewitter herein, und der Herzog will in einem Gastzimmer der Lokalität die Nacht verbringen. Sparafucile entscheidet, den Herzog dort umzubringen. Gilda jedoch, von Zweifeln getrieben, kehrt heimlich zurück und belauscht die hübsche Maddalena, wie sie ihren Bruder von dem Mord abbringen will. Lieber soll dieser den nächsten Gast, der in die Spelunke kommt, töten und dem Auftraggeber Rigoletto in einem Sack übergeben. Gilda zögert nicht, sich zu opfern. Sie klopft, und Sparafucile sticht sie nieder. Um Mitternacht kommt Rigoletto schließlich, um den Sack mit der vermeintlichen Leiche des Herzogs abzuholen und in einen Fluss zu werfen. Er muss entsetzt die Stimme des Herzogs hören, wie er nach Abzug des Gewitters singend die Kneipe verlässt. Schnell reißt er den Sack auf und entdeckt seine sterbende Tochter, die ihn um Verzeihung bittet. Rigoletto bricht zusammen. Der Fluch Monterones hat ihn nicht verschont.

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Stimmlagen der Figuren:

  • Gilda                       Sopran
  • Rigoletto                Bariton
  • Herzog                    Tenor
  • Maddalena             Alt
  • Sparafucile             Bass

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Berühmte Arien:

Caro nome  (Gualtier Maldé)       deutsch: Teurer (geliebter) Name (Gualtier Maldé)

Gilda (1. Akt)

Questa o quella                             deutsch: Freundlich blicke ich auf diese und jene               

Herzog (1. Akt)

Pari siamo                                        deutsch: Gleich sind wir beide

Rigoletto (1. Akt)

Ella mi fu rapita                             deutsch: Sie wurde mir entrissen                                            

Herzog (2. Akt)

Possente Amor                                  deutsch: Zu ihr ruft mich die Liebe

Herzog (2. Akt)

Cortigianni, vil razza dannata

(la rendete)                                             deutsch: Feile Sklaven (gebt sie zurück)

Rigoletto (2. Akt)

Si, Vendetta                                        deutsch: Ja, bald schlägt sie                                       

Duett Gilda/Rigoletto (2.Akt)

La Donna e mobile                            deutsch: Oh, wie so trügerisch sind Weiberherzen!

Herzog (3. Akt)

Bella figlia del amore                        deutsch: Schöne Tochter der Liebe

Quartett Herzog, Maddalena, Gilda, Rigoletto (3. Akt)

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Die Gilda ist eine anspruchsvolle Sopranpartie. Die Hauptarie Gildas, Caro nome, gilt als schwierig. Sie will mit dieser Arie die entbrennende Liebe zum Herzog, der, wie sie denkt, ein Student ist, ausdrücken. Dieser Mann hat zum ersten Mal ihr Herz berührt, dementsprechend emotional ist Caro nome. Gilda spricht davon, dass sie zum ersten Mal „gezittert hat“. (festi primo palpita)

Hier können Sie Caro nome hören, gesungen von der Sopranistin Angela Gheorghiu:

 

 

Der Herzog ist Frauen zugetan, ist aber der Ansicht, dass sie mehr Spielzeug seien als Menschen mit Emotionen. Es ist ihm mitunter egal, welche Frau er heute anschaut und zum „Tanz“ auffordert. Freundlich blickt er auf diese und jene.

Hören Sie hier Questa o quella (Diese oder jene), gesungen vom polnischen Tenor Piotr Beczala:

 

Doch für Gilda beginnt er wirklich etwas zu empfinden. Die Partie des Herzogs wurde unter anderem schon von Luciano Pavarotti verkörpert.  Hier hören Sie Ella mi fu rapita (Sie wurde mir entrissen), gesungen von Pavarotti:

 

Rigolettos Zorn ist unfassbar, als er erfährt, dass sich seine eigene Tochter im Palast des Herzogs befindet: Verzweifelt fordert er die Herausgabe von Gilda mit der Arie Cortigianni, vil razza dannata (Feile Sklaven), die Sie hier, gesungen von Renato Bruson, hören können:

 

Ein weltberühmter Klassiker ist die Hauptarie des Herzogs, La Donna e mobile (Ach wie so trügerisch sind Weiberherzen), die auch außerhalb der Oper immer wieder zu hören ist. (auch in Werbungen für Lebensmittel 😉 )

Hier in einer Version von Jonas Kaufmann :

 

Das Rigoletto-Quartett, ebenfalls sehr berühmt, wurde immer wieder in sehr guter Besetzung interpretiert: Bella figlia del amore (Schöne Tochter der Liebe)

Hier singen für Sie Ramon Vargas als Herzog, Anna Netrebko als Gilda, Elina Garanca als Maddalena, Ludovic Tezier als Rigoletto:

(Alle Videos, Quelle: Youtube)

Hintergründiges:

Das Libretto von Rigoletto unterlag der Zensur, und so wurde in der Vorlage des französischen Dramas Le roi s´ amuse von V.Hugo (1832) aus Paris schnell Mantua gemacht. Für Verdi lag der Kern des Dramas in der Umkehrung gewohnter Schablonen, die das Schöne mit dem Guten, das Böse mit dem Hässlichen (ähnlich wie in Grimm-Märchen) gleichsetzten. So wird der schöne, starke Herzog als besessen vom weiblichen Geschlecht und der hässliche, bucklige Hofnarr Rigoletto als liebender Vater gezeichnet.

Mit Rigoletto gelang Verdi eine der menschlichsten, aber auch widersprüchlichsten Partien. Einerseits ist er hässlich, andererseits leidenschaftlich und liebend. Der Herzog durchläuft in seiner Charakteristik die Veränderung, dass er für EINE, nämlich Gilda, wahrhaftig tiefere Empfindungen bekommt. Gilda wandelt sich von der träumerischen Arie Caro nome zu einer sehr starken Persönlichkeit, die sagt, was Sache ist.

Komplizierte dramatische und psychologische Entwicklungen werden von Verdi innerhalb kurzer szenischer Blöcke abgehandelt.

RIGOLETTO liegt auf Platz neun der weltweit am öftesten gespielten Opern.

 

 

 

 

 

 

 

Wieder da: La traviata in Bayern

Bayerische Staatsoper. München

  

 

Giuseppe Verdis Meisterwerk findet seine Wiederaufnahme an der Bayerischen Staatsoper. Die Schwindsüchtige kehrt zurück.

Allen voran sind Sonya Yoncheva (Violetta Valéry) und Rolando Villazón (Alfredo Germont) gleich nach „Donna Anna“ das fast perfekte Opernpaar. Leidend, liebend, schmachtend. Das Übrige tut Kammersänger Leo Nucci als Alfredos Vater Giorgio.

Kurtisanen liebt man nicht! Das findet Alfredos Vater, nachdem sein Sohn mit der schwindsüchtigen Violetta Valéry zusammengezogen ist. Aus Liebe zu Alfredo sieht Violetta das sogar ein. Sie verlässt ihn, stirbt arm, krank – nur noch vom Glück wahrer Liebe träumend. Eine der beliebtesten Opern Verdis hält der Gesellschaft immer noch einen Spiegel ihrer verlogenen Moral vor. Eine exemplarische Produktion! (c) Bayerische Staatsoper

Besetzung
Musikalische Leitung Pietro Rizzo
Inszenierung Günter Krämer
Bühne Andreas Reinhardt
Kostüme Carlo Diappi
Licht Wolfgang Göbbel
Chor Sören Eckhoff
Violetta Valéry Sonya Yoncheva
Flora Bervoix Heike Grötzinger
Alfredo Germont Rolando Villazón
Annina Rachael Wilson
Giorgio Germont Leo Nucci
Gaston Francesco Petrozzi
Baron Douphol Christian Rieger
Marquis d’Obigny Tareq Nazmi
Doktor Grenvil Mattia Denti
Giuseppe Matthew Grills
Ein Diener Floras Leonard Bernad
Ein Gärtner Rafał Pawnuk