Brigitte Fassbaender

ECHO Klassik für das Lebenswerk für Kammersängerin Brigitte Fassbaender!

 

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(c) Isoldes-Liebestod

 

 

Die Kammersängerin und Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender schlüpft außergewöhnlich gerne in Hosenrollen. Der Prinz Orlowsky aus J. Strauss´ „Fledermaus“ ist so eine Leibrolle von ihr, oder aber auch der Octavian im „Rosenkavalier“ (R. Strauss). Sie wurde von ihrem Vater, dem bekannten Kammersänger Willi Domgraf-Fassbaender, unterrichtet. 

Mit unzähligen Rollen hat sie auf sich aufmerksam gemacht. Eigentlich wollte sie ja zum Film oder auch zum Theater, als Schauspielerin. Doch ohne das Wissen ihrer Eltern fing sie zu singen an, bis ihr Vater meinte, er würde sie unterrichten und sie solle keine Zeit mehr verschwenden. Das „Hemmnis“, beim eigenen Vater zu studieren, legte sie schnell ab: „Er war ein wunderbarer Pädagoge, ich musste ihn fast zur Strenge zwingen.“, so sagte sie einmal in einem Interview.

Besonders beeindruckend war die Zeit, wo sie sich durch die „niederen Rollen“ zu den höheren sang. Sie interpretierte Dienstmägde genauso wie auch männliche Diener. Plötzlich hatte sie Weltstars als Kollegen.

Sie wollte auf der Bühne nicht alt werden, deswegen plante sie schon früher ihren Rückzug aus der aktiven Gesangswelt. Sie widmete sich dem Inszenieren. Die frühere Karriere hilft sehr dabei, sich dann in eine Inszenierung hineinzufühlen, denn man weiß ganz genau, was die Sänger und Sängerinnen brauchen.

Brigitte Fassbaender bezeichnet sich selbst als „heillos kreativ“. Sie bekommt den ECHO Klassik für ihr Lebenswerk verliehen. Die Verleihung findet am 29. Oktober im Rahmen einer Gala in der Hamburger Elbphilharmonie statt.

 

Sittlich-feuriger Mörbisch-Klassiker

Seefestspiele Mörbisch 2011                                      TV-Kritik

Ein Strauss-Klassiker, der – so könnte man meinen – perfekt in die Landschaft rund um die burgenländische Seebühne passt, ist Der Zigeunerbaron. Der Titelheld wird von der Frau nur akzeptiert, wenn er ein Baron ist. Mindestens. Er wird es auch, allerdings geht die Geschichte bekanntlich anders aus, als erwartet.

Die Regie (Brigitte Fassbaender) fasst die Darsteller und Darstellerinnen stellenweise nicht gerade mit Samthandschuhen an. So muss etwa Mirabella auf dem Bühnenboden robben, bevor sie von ihren Abenteuern bei einem türkischen Pascha erzählt. Alles in allem jedoch zeichnet die Regisseurin ein abenteuerliches Bild der Atmosphäre und streicht die stringente Handlung hervor. Die musikalische Leitung liegt bei Manfred Mayrhofer, der eher sensibel als draufgängerisch zur Sache geht.  Das Bühnenbild von Rolf Langenfass ist wandelbar und zeigt etwa im 1. Akt das Haus des Zsupan mit der nett auf Ungarisch gestalteten Aufschrift „Kálmán Zsupan Diszno Tenyeszet es Husgyar“ was soviel heißt wie „Schweinezucht und Fleisch Kálmán Zsupan“.

Nun, Sándor Barinkay, der nun die Güter seines Vaters übernehmen soll, wird auf eine impulsive Art und Weise dargestellt von Lucian Krasznec. Der junge Tenor holt sich die Spitzentöne heraus und stilisiert sie. Auf eine gute Nachbarschaft mit dem Schweinezüchter Zsupan (imposant und auf dem Kopf mit einem Schwein bemalt: Wolfgang Bankl) hoffend, schlägt er die Hochzeit mit dessen Tochter Arsena (etwas zu grell gesungen von Iva Mihanovic) vor. Saffi schließlich, als seine wirkliche Auserwählte, kann sich recht profilieren. Die Sopranistin Evelin Novak zeigt in dieser Rolle ihr vokales Können. Schwach bleibt der Ottokar von Gernot Heinrich, der aber schauspielerisch mehr punkten kann. Die strenge Sittlichkeit verkörpert als honoriger Conte Carnero mit gestrenger Härte und wachsamem Auge Harald Serafin. Das amüsante, hier dreistrophige Sittenkommissionscouplet mit aktuellen Themen wie Arnold Schwarzenegger oder Silvio Berlusconi ist zweifelsohne ein humoriger Höhepunkt der Operette. Die „alte“ Zigeunerin Czipra wird von Monika Bohinec mit einem mittelmäßigen Mezzosopran brav, in einem Pelzmantel und Kriegsbemalung interpretiert. Als hartherziger „Werber“ zieht Daniel Serafin ein, auf einem Wagen mit Holzfass stehend. Stimmlich geht er mit dem kräftig-sensitiven Bariton voll in der Rolle auf, darstellerisch ist er von diesem Kriegsmann nicht ganz so überzeugt. Eine köstliche Nebenrolle ist auch die Mirabella, von Linda Plech als eine lebenslustige ältere Frau, die immer wieder ein Auge auf Zsupan wirft, gezeichnet.

Aufführung der Seefestspiele Mörbisch 2011

-Martina Klinger-

Alberts Ausbruch

Volksoper.Wien                                                                                                                  15.02.14

An der Volksoper ist man Oper gewöhnt. In guter Qualität. Direktor Meyer „bespielte“ das Publikum mit Brittens „Albert Herring“. Und dieser schön auf die Bühne gebrachte Albert ist auch darstellerisch völlig in Ordnung. Regie führt – erprobt und erfahren – Brigitte Fassbaender.

In deutscher Sprache brilliert in der Hauptrolle der junge Tenor Sebastian Kohlhepp. Er kann singen und sich bewegen. Gut erzählt ist die Geschichte in der fiktiven Stadt Loxford. Britten benutzt gerne die Fiktion, um dem Publikum den Stoff des Lebens beizubringen. Albert Herring, der am Anfang noch brave Mann, randaliert bereits nach einem kleinen Schluck Rum in seinem Drink. Alles, was er sich aufgebaut hat, samt seiner Reputation in der Stadt, zerstört er. Die übrigen Bewohner, unter anderem dargestellt von Volksopern-Stammsängern wie Martina Mikelić, Birgid Steinberger, Morten Frank Larsen und Jeffrey Treganza fügen sich ins Ensemble ein. Herrings Mutter mimt Elvira Soukop mit Charme, aber auch Mut zum Poltern. Daniel Ochoa und Dorottya Lang sind ein hübsches Paar als Sid und Nancy.

Diesen Abend dirigiert Gerrit Prießnitz, der das Orchester auf sensible Weise durch die Partitur führt, auch auf gesprochenen Text Acht gibt und eine anständige Leistung liefert.

-Martina Klinger-

Links:

http://www.volksoper.at