David Levi

Ein Hilferuf aus Mörbisch – Viktoria und ihr Husar

Die beliebten Seefestspiele in Mörbisch (nicht nur wegen des Feuerwerkes zum Schluss!) feierten am Donnerstag mit der eher wenig bekannten Operette „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham Premiere. Dieses Werk wurde bereits vor Jahrzehnten hier aufgeführt. Johannes Heesters trat damals auf. Es braucht eine Portion Mut, diese „Außenseiteroperette“ auf den Spielplan zu setzen. Die kühne und mutige Intendantin Kammersängerin Dagmar Schellenberger hat dies getan. Eine wahre Materialschlacht, die alle in den Bann ziehen sollte. Aber leider ein trauriges Fazit: Die heurige „Viktoria“ konnte keinen Siegeszug antreten (wie ihr Name vielleicht verspricht). Die Operette gehört leider zu den schwächsten, die Mörbisch in den letzten Jahren gesehen hat.

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(v.l.) Andreas Steppan, KS Dagmar Schellenberger, Michael Heim als Cunlight, Viktoria, Koltáy (c) Jerzy Bin Photography

 

 

Man hatte sich sehr viel erwarten dürfen: Im Vorfeld wurden Operetten-Quereinsteiger wie Andreas Steppan (den viele Besucher noch kannten, da er für eine österreichische Baumarktkette jahrelang geworben hat) gelobt und mit zahlreichen Vorschusslorbeeren bedacht. Leider eine glatte Fehlbesetzung, wie sich für die Rolle des Botschafters Cunlight herausstellte. So eine Rolle, so leid es einem tut, braucht Stimme, braucht viel mehr Ausstrahlung. Gesicht hat Steppan, Stimme nicht. Kammersängerin Dagmar Schellenberger vermag ihrer Viktoria hingegen auch stimmlich Glanz zu verleihen und eben jene Ausstrahlung. Aber auch sie kann die Inszenierung nicht „herumreißen“. Zu versüßt, zu aufgebläht, zu unglaubwürdig sind die gezeigten Idyllen. Kimonos und Russenmützen, Folklore und Nationalstolz, es ist schlicht „much too much“. Es wird getanzt, getanzt, getanzt (die schweißtreibende Choreographie: Simon Eichenberger), viel mehr als gesungen, was ja seit jeher eine Mörbischer Kernkompetenz darstellt. Die Tänzerfüße schreien schon um Hilfe. Dabei müsste es an tollen Sängern und Sängerinnen nicht mangeln. Herauszuheben aus dem durchmischten Ensemble ist Michael Heim, der sich als Koltáy sehr bemüht, und für sich tolle Momente herausfassen kann. Außerdem sind Andreas Sauerzapf, Katrin Fuchs (bekannt als „Eliza“ von 2009) und Verena Barth-Jurca (war schon 2015 in der „Nacht in Venedig“ dabei) entzückende Sänger(innen).Man nimmt sich durch diese Inszenierung (Reige: Andreas Gergen) selbst sehr, sehr viel Potential weg. Einen massiven Pluspunkt kann man musikalisch mit David Levi (alternierend mit Günter Fruhmann) als Dirigenten sammeln.Paul Abrahams vielschichtige und reizvolle Musik wurde gut umgesetzt. Selbst eingefleischten Mörbisch-Besuchern dürfte aber die massive Überladung aufgefallen sein. Man wollte gefallen, um jeden Preis. Es gab verhaltenen Applaus.

Dagmar Schellenberger wollte sich heuer vermutlich an einer Mörbischer „Leistungsschau“, nämlich darzubieten, was an der riesigen Seebühne mit Eigenleben technisch alles möglich ist, versuchen. Für die Intendantin muss man hier eine Lanze brechen. Die vielen wechselnden Orte, über Tokio, Sibirien bis hin zu Ungarn und die allzu üppige Ausstattung sind natürlich Luxus, gar keine Frage. Der Bau der gigantischen Bühnenteile muss viel Zeit und Geld verschlungen haben. Die Idee ist an sich sehr gut. Es hakt daran, dass dies viel zu offensichtlich, und gar nicht versteckt auf die sanfte Weise, dem Publikum offeriert wird. Die Sänger treten eher in den Hintergrund. Wen das nicht stört, der ist heuer noch bis 20. August an der Seebühne sehr gut aufgehoben.

 

Eine Frau zwischen zwei Männern -Seefestspiele Mörbisch 2016

Programmpräsentation PK Mörbischer Festspiele Viktoria und ihr Husar

Programmpräsentation PK Mörbischer Festspiele Viktoria und ihr Husar, Eden Bar, Wien, 20.4.2016, Andreas STEPPAN, Dagmar SCHELLENBERGER, Michael HEIM

Für die diesjährige Pressekonferenz inklusive feucht-fröhlicher Gesangseinlagen, um einen Ausblick auf den Sommer bei den Seefestspielen Mörbisch zu geben, wählte Intendantin KS Dagmar Schellenberger eine höchst „ungewöhnliche“ Location: Man traf sich am Vormittag in der Eden Bar in Wien. Die mit rotem Samt üppig ausgestattete Bar ist eigentlich des Nächtens reich bevölkert. Ein Sänger scherzte gar, er sei „vor zwei Stunden gekommen“.

Nun die Vorschau auf die Sommermonate: Gräfin Viktoria (die von Intendantin Schellenberger selbst verkörpert werden wird) trifft, glücklich verheiratet, auf ihre Jugendliebe Koltay und erinnert sich an die wunderbare gemeinsame Zeit. Ihr Mann, US-Botschafter John Cunlight, weiß ebenfalls kaum, wie ihm geschieht. Nun steht sie also „nackt“ und wehrlos ihren Gefühlen gegenüber. Wer denn wissen möchte, wie sie sich entscheidet, der muss schon ins Burgenland kommen!

Eine vielversprechende und ambitionierte Besetzung für diesen seltenen Schatz der Revueoperette (Komponist Paul Abraham) steht bereit. Aus Routiniers und neuen Gesichtern hat die Intendantin raffiniert ihre Sänger und Sängerinnen rekrutiert: Tenor Michael Heim teilt sich die Rolle der Jugendliebe Koltay (Husarenrittmeister) mit Garry Davislim, der Graf Ferry wird von Volksopern-Sänger Jeffrey Treganza alternierend mit Peter Lesiak fein besetzt, seine Braut O-Lia-San singt die bereits als Ciboletta im letzten Jahr erfolgreich gewesene Verena Barth-Jurca gemeinsam mit Theresa Dittmar. Koltays Assistent wird der oftmals am Stadttheater Baden gefeierte Andreas Sauerzapf sein, er teilt sich die Rolle mit dem gebürtigen Deutschen Timo Verse, der am Konservatorium Wien studierte. Für die Rolle der Kammerzofe stehen zwei talentierte Damen bereit: Alternierend werden Laura Scherwitzl und Katrin Fuchs (in Mörbisch bereits 2009 als „Eliza Doolittle“ bejubelt) singen. Tibor Szolnoki und Rui dos Santos sind in kleineren Rollen als Bürgermeister und Priester zu sehen. Eine Überraschung gibt es dieses Jahr: Der Kabarettist, Werbestar und Schauspieler Andreas Steppan wird zum Operetten-Quereinsteiger und wird den US-Botschafter John Cunlight mimen. Die Regie hat Andreas Gergen über, für die musikalische Leitung wird David Levi verantwortlich sein.

Gespielt wird heuer in Mörbisch von 07. Juli bis 20. August.