MUSIK UND DAS GANZE THEATER – Eine Leidenschaft von mir

Alles, was im klassischen Bereich gespielt und gesungen wird

Claus Peymann verlässt das Berliner Ensemble

 

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Claus Peymann (c) Berliner Ensemble

 

 

An die Erziehung der Menschen durch die Kunst hat er immer geglaubt. Der Theatermann Claus Peymann, nicht nur Intendant, verabschiedet sich mit Juli 2017 vom Berliner Ensemble.

Die heutige Kulturlandschaft Berlins will er nicht mehr mittragen, er wird das Berliner Ensemble vermissen. Auch das Wiener Burgtheater (1986-1999) hat er mit Enthusiasmus geleitet. Mit 80 Jahren wird es Zeit, der Zukunft ins Auge zu sehen, und so spielt er auch mit dem Gedanken, wieder nach Wien zurückzukommen.

Peymann hat polarisiert, ob in Wien oder Berlin. In Wien, so sagte er in einem Interview, werde er geliebt, wie der Papst Wojtyla, wenn er nach Warschau kommt.

2016 inszenierte er schon sogar wieder am Wiener Burgtheater Peter Handkes „Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße“.

 

 

Felix Dvorak zum Kammerschauspieler ernannt!

 

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Felix Dvorak, nunmehr Kammerschauspieler (c) FD

 

 

„Einen wahrhaftigen und vielfältigen Künstler“ zeichnete Kulturminister Thomas Drozda im Bundeskanzleramt aus. Er trägt den Namen Felix Dvorak und ist in Österreich beliebt und bekannt als Schauspieler und Entertainer. Auch ist er ein begnadeter Witzeerzähler.

Mehr als 20 Jahre lang leitete Dvorak „seine“ Festspiele Berndorf/NÖ. Auch die Komödienspiele Mödling sowie das Schloss Weitra Festival adelte er mit seinem Zutun. In Österreich gilt er als der erste Mann, der gefragt wird, wenn es um das packende Erzählen eines Witzes gehen soll. Privat erzähle er aber nie Witze. Auf dem Sender Österreich Regional hatte er eine Sendung, die „Humor kennt keine Grenzen“ hieß. Dort erzählte er ständig Witze. Er verfasste Bücher mit autobiographischen Elementen wie „Dvorschak heißt man nicht“ oder „Sternstunden des Humors“. Seine Autobiographie „Überlebenslauf“ ist ein Longseller beim Amalthea Verlag.

Dvorak begann eine Lehre als Zuckerbäcker, aber ein „Süßer“ sollte er nicht lange bleiben. Die Liebe zum Obst aber blieb ihm. Über Umwege als Waschmaschinenvertreter (diesen Beruf hat er Gottlob auch nicht behalten) und Conferencier in Nachtlokalen kam er zu seinem Traumberuf, zur von ihm so adorierten Schauspielerei. Mit unzähligen Publikumslieblingen verband beziehungsweise verbindet ihn eine enge Freundschaft (etwa Gerhard Bronner oder Hans Moser).

Köstliche Glanzrollen von ihm waren etwa der Polizeirat Oskar Ströbel in „Moral“ (Ludwig Thoma) am Theater in der Josefstadt oder der Großbauer Grillhofer in „Der G´wissenswurm“ am Stadttheater Berndorf.

Klingers Kulturpavillon gratuliert zum Kammerschauspieler!

HAPPY BIRTHDAY, Jonathan Pryce!

 

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Jonathan Pryce as Shylock (c) Marc Brenner

 

The Welsh actor and singer has been praised as an outstanding artist since he delivered an award-winning performance as „Hamlet“ in a production of the Royal Court Theatre. Whenever it comes to character studies, Pryce is the one you need. Over the years, he has developed his own style. This style is remarkable because of its inner density. Nevertheless, if Pryce asked: „Please, from where do you know me?“ most people would say: „Oh, weren´t you the villain, this villain who made Bond shiver?“ Yes, indeed. He was Elliot Carver in Tomorrow never dies – Number 18 of the Bond Franchise. But should this be the one role everyone knows him for? Same with the High Sparrow from the HBO series Game of Thrones. One character which he was not so sure to take over, by the way. Magic Things are not made for him, he said once. He is also famous for his breakthrough screen performance as Sam Lowry in Terry Gilliam´s 1985 cult film Brazil.

May we also speak of his theatre performances: After he finished his studies at the Royal Academy of Dramatic Art (Drama School in London), he started his career. He said: „My tutor told me I wouldn´t amount to very much!“ The tutor should be wrong. Hamlet at the Royal Court Theatre was responsive for his Olivier Award. A Milestone in his career was the Everyman Theatre Liverpool. He also appeared in Musicals, creating a flexible Engineer in Miss Saigon, or Henry Higgins in My fair Lady. Also, William Shakespeare has become an important „influencer“: There are roles such as King Lear or recently Shylock in The Merchant of Venice (English Theatre Week #4: The MERCHANT OF VENICE at the Shakespeare´s Globe London and in Venicethat Pryce filled with his own style.

His current project will be Terry Gilliam´s film „The Man who killed Don Quixote“.

Klingers Kulturpavillon wishes a very happy birthday!

 

 

Mörbisch: Non habemus intendantam, aber dafür einen Künstlerischen Direktor!

 

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Der designierte Künstlerische Direktor der Seefestspiele Mörbisch, Univ. Prof. Peter Edelmann (c) Landespressedienst Burgenland

 

 

Eine Woge ging hoch, als bekannt wurde, dass Schauspieler und Gloria-Theaterleiter Gerald Pichowetz nun doch nicht als Intendant der Seefestspiele Mörbisch seinen Dienst antreten würde. Die Veranstalter und der „Neue“ kamen in Punkto künstlerische Neuausrichtung (Pichowetz plante umfassende Restrukturierungen sowie die Aufführung des Robert Stolz-Werkes „Die Frühjahrsparade“, auf welcher „kaiserliche“ Patina liegt) nicht überein.

Bei einer einberufenen Pressekonferenz in Eisenstadt wurde schließlich der Wiener Bariton und Institutsleiter Peter Edelmann (Institut für Gesang und Musiktheater an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien) als neuer Künstlerischer Direktor (die Bezeichnung Intendant/Intendantin soll es ab 2018 nicht mehr geben!) und Teamchef vorgestellt. Er sang in Mörbisch beispielsweise schon in der „Fledermaus“.

Pichowetz bedauerte, dass man nicht überein gekommen sei, und wünschte seinem Nachfolger alles Gute.

Der Vertrag der jetzigen Intendantin, Kammersängerin Dagmar Schellenberger, läuft im Jahr 2017 aus. Sie wird im Sommer Carl Zellers Klassiker „Der Vogelhändler“ zum Abschied aufführen. 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch (www.seefestspiele.at) heißt es dann beim berühmten Festival, welches vom Hildesheimer Bass Herbert Alsen 1957 mit dem „Zigeunerbaron“ gegründet wurde.

Peter Edelmann ist überzeugt, „Mörbisch in eine gute Richtung“ lenken zu können. Die „Qualität müsse auf jeden Fall da sein, man könne sich leisten, ab und zu etwas Ausgefalleneres zu machen, aber es dürfe nicht hinter jedem Stück ein Fragezeichen stehen“.

Edelmann steht für eine neue Qualität des Teamplay, er möchte alle Mitwirkenden einbinden, und setzt auf flache Hierarchien. Er zeigt sich als ein offener, freundlicher Typus, ging auf die Journalisten zu und suchte den Dialog.

Für 2018 ist nun die „Gräfin Mariza“ von Imre Kálmán fix geplant. Zuletzt war diese im Jahr 2004 auf der Seebühne Mörbisch zu sehen, in einer wunderbar traditionellen Inszenierung von Winfried Bauernfeind, mit der heutigen Intendantin in der Hauptrolle.

Der 61. Wiener Opernball: Neuerungen, Teuerungen und Jonas!

 

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Jonas Kaufmann am Wiener Opernball 2017; Foto: Picture alliance/dpa

 

Der Wiener Opernball ist Fixpunkt der Ballsaison: Bei den Damen werden Frisuren gezaubert, Roben geschneidert, angepasst, da wird sich kasteit. Die Herren schlüpfen in den edlen Frack, meist mit Orden geschmückt, die Fliege muss sitzen, andernfalls wird sie von der Partnerin zurechtgerückt. Das kennt man. Dieser Opernball stand erstmals unter der Leitung von Maria Großbauer, die sich im Vorfeld bereits sehr aufgeregt zeigte.

Der Ball wurde überschattet vom Tod der österreichischen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, die ihren Kampf gegen den Krebs verloren hatte, jedoch sicher „gewollt hätte, dass man am Tag des Opernballs fröhlich und lebensfroh tanzt“.

Viele Neuerungen mussten her, die von der Vorgängerin etablierte „Pink Bar“ etwa musste weichen, anstatt dieser waren in der Bar an der Wand lustige Trinksprüche aus Opern und Operetten zu lesen: „Trinke Liebchen, trinke schnell, Trinken macht die Augen hell!“. Überhaupt war es ein OPERN-Ball, denn an jedem Eck´ und End´ konnte man Reminiszenzen an die „Zauberflöte“ (Scherenschnitte, 5 Meter hoch), an den „Rosenkavalier“ (die Debütanten überreichten einander die Silberne Rose), und an den „Freischütz“ (der Ball-Heurige wurde zur „Wolfsschlucht“) sehen.

Das Krönchen der Debütantinnen stammte in diesem Jahr von keinem Geringeren als Karl Lagerfeld himself (der jedoch nicht anwesend war). „Le Beau Danube bleu“ soll seine Inspiration für die Diademe mit Swarovski-Kristallen besetzt, gewesen sein. Später erklärte Evelyn Haim-Swarovski im Interview mit Mirjam Weichselbraun den Kopfschmuck noch genauer. Die geliebten Ball-Kommentatoren Christoph Wagner-Trenkwitz und Kari Hohenlohe wurden aus ihrem „Kammerl“ geschickt, sie saßen diesmal im elegant eingerichteten „Containerdorf“ vor der Oper, von wo aus sie „lustige“ Selfies von Opernballzusehern zeigten oder die Damen- und Herrenspenden besprachen: Darunter das typische Frühstück aus dem „Rosenkavalier“ für die Damen, nämlich „Biskotten und T´schoklad“ von Demel, „Venti Scudi“ – als Palmers-Münzen, aus „L´elisir“, oder die „Silberne Rose“ als Brosche. Die Herren erhielten ein Buch über den Staatsopernchor und Thermalbad-Eintritte. Lumpen ließ man sich mit den Ballspenden sicher nicht.

Die Logen waren heuer besonders expensiv, knapp 20.000 Euro musste man schon einmal hinblättern. Geladene Gäste genossen Würstel und Champagner, man tratschte, auch über den offenbar unkomplizierten und gut gelaunten Stargast eines gewissen Baumeisters.

Nun aber zur künstlerischen Darbietung des Abends:  Die „Fächer-Polonaise“ von Ziehrer wurde erst einmal eingetauscht gegen die Polonaise aus „Eugen Onegin“ von Tschaikowski. Neben dem Ballett (u.a. Maria Yakovleva), das zum Strauss-Walzer „Künstlerleben“ tanzte, glänzte JONAS. Ja, richtig gelesen: Jonas Kaufmann, gefragtester Tenor unserer Zeit, gab zwei Arien zum Besten, im riesigen Ballsaal, wo die Akustik schon ein wenig kompliziert sein kann.

Jonas Kaufmann, er erhob wieder seine samtige Stimme, diesmal zu einem Rollendebüt: Er ist noch nie beim Wiener Opernball aufgetreten, somit konnte auch er sich an diesem Abend zu den Debütanten zählen. Er fiel aber auch durch eine etwas tiefere Sprechstimme auf.

Das Wiener Staatsopernorchester unter der Leitung der römischen Dirigentin Speranza Scappucci, welche mit großem Elan dirigierte, begleitete den Tenor der Tenöre bei Don Josés Blumen-Arie: La fleur que tu m´avais jetée aus „Carmen“. Er ließ seine (Stimmband)-Muskeln spielen, und begeisterte durch fein ziselierte Nuancen. Nur eines war zu vermissen: „Seine“ Carmen, die er leidenschaftlich besang. Beschwingter, aber etwas weniger leidenschaftlich der Lehár-Gassenhauer: Dein ist mein ganzes Herz aus „Das Land des Lächelns“.

Interessantes Detail am Rande: Jener Sänger, der jedes Mal für die Künstler und Künstlerinnen einen Empfang gegeben hatte, blieb heuer dem Ball fern; Kammersänger Herwig Pecoraro zog es vor, den Event von zu Hause aus zu verfolgen.

„SUNSET BOULEVARD“ – der Mythos eines Musicals / Die bevorstehende Neufassung am Broadway mit Glenn Close

 

Das bekannte Musical „Sunset Boulevard“  von Andrew Lloyd Webber: Es hat den Film „Boulevard der Dämmerung“ von Billy Wilder zum Vorbild.  Es war stets in herausragenden Besetzungen zu sehen: Im Londoner Adelphi Theatre wurde das Musical 1993 zum ersten Mal aufgeführt. Das Rhein-Main-Theater in Deutschland wurde extra für den Anlass der Aufführung von „Sunset Boulevard“ gebaut. Am Shubert Theatre in Los Angeles feierte Glenn Close einen ihrer größten Bühnenerfolge mit der Rolle der Norma Desmond, der gealterten Stummfilmdiva.  Am Rhein-Main-Theater debütierten und brillierten der junge Uwe Kröger und die leidenschaftliche Helen Schneider. Hierzulande in Österreich wäre es 2013 beinahe zu einer kleinen Sensation gekommen: Operettendiva und Grande Dame Dagmar Koller stand im Stadttheater Klagenfurt kurz vor der Premiere, und musste aufgrund einer Erkrankung die Rolle an Susan Rigvava abgeben.

Das Masterpiece glänzt mit vielen musikalischen Nummern, die unter die Haut gehen: Nur ein Blick, Kein Star wird jemals größer sein, Träume aus Licht, Als hätten wir uns nie Good-Bye gesagt, und natürlich Sunset Boulevard.

2016 übernahm Glenn Close (geboren in Connecticut) wieder im Coliseum Theatre London unter der Regie von Lonny Price „ihre“ Rolle. Ihr letztes Musical am berühmten New Yorker Broadway war 2012 „Into the Woods“ von Stephen Sondheim. Für ihre Darstellung der Norma Desmond erhielt Close den Drama Desk Award für die herausragende Hauptdarstellerin 1995.

Glenn Close wird ab 2. Februar wieder in die Rolle der Norma Desmond schlüpfen. Das Mindestalter für das Musical wird mit 10 Jahren (empfohlen) angegeben.

Die offizielle Webseite der aktuellen Produktion finden Sie hier: http://sunsetboulevardthemusical.com/

 

 

 

Vorschau: Ein „Szenenwechsel“ in intimer Atmosphäre

Das „brandneue“ Theater Bronski und Grünberg feierte eben erst Eröffnung. Mit wenigen Sitzplätzen und viel Atmosphäre ausgestattet, avanciert es zu einem neuen Kleinod in Wiens Theaterkultur. Das Trio Doris Hindinger, Alexander Jagsch und Boris Fiala präsentiert nun im Februar 2017 ein Stück, welches sich um berühmte Hollywood-Filme dreht und es bleibt die brennende Frage, was passiert wäre, wären diese Filme ganz anders verlaufen.

Das Stück heißt „Szenenwechsel“ und beinhaltet etwa Szenen mit „Ingrid Bergman“, „Harry & Sally“ und mehr. Alexander Jagsch und Doris Hindinger begeben sich hier auf eine Spurensuche und schlüpfen in die verschiedensten Rollen, gerne auch mit vertauschten Geschlechtern. Begleitet werden sie auf ihrer „Reise“ von Musiker und Geräuschemacher Boris Fiala. Am Ende kann es passieren, dass Wirrungen auftreten. Wer hat nun was gesagt, oder war es nur das Geräusch? Auf jeden Fall kann versprochen werden: Es geschieht alles mit viel, sehr viel Körpereinsatz, und das Publikum darf auch überdurchschnittlich viel lachen.

Information:

 

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dorishindinger.com

 

Stück: „Szenenwechsel“

Schauspieler/innen: Doris Hindinger, Alexander Jagsch

Musiker: Boris Fiala

Spielort: Bronski & Grünberg, 1090 Wien

Karten: 0681/20674540, office@bronski-grünberg.at

Spieltermine: 4., 5., 11., 12., 18. und 24. Februar,  Beginn jeweils um 19:30

 

Stardirigent Georges Pretre 92-jährig verstorben

 

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(c) AP/Lilli Strauss

 

 

Georges Pretre ist tot. Diese Nachricht verbreitete sich wie ein Schock dieser Tage über die Klassik-Welt. Der französische Stardirigent, der für seine Bescheidenheit bekannt war, starb am 4.Januar in seinem Heimatland, in Naves. Als der älteste Debütant des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker stand er im Jahr 2008 am Pult im Wiener Musikverein. 2010 kam er noch einmal nach Wien, und bescherte einen einzigartigen Musikreigen, den auch die Philharmoniker nicht vergessen werden.

Pretre lernte zunächst einige Instrumente, bevor er zum Dirigat wechselte. Jazztrompete und Klavier zählten zu seinen Lieblingen. Georges Pretre sah sich selbst nie als Dirigent per se, sondern als Interpret der Musik, die er aussuchte und die ihm zugetragen wurde. Das bloße Angeben des Taktes sei seine Sache nicht gewesen.

Pretre hatte Francis Poulenc´ Oper „La voix humaine“ uraufgeführt. Doch auch einer kleinen „Meisterwerkspolka“ von Josef Strauss hatte er auf unfassbar geniale Weise Leben eingehaucht: Er zeichnete während des Neujahrskonzerts den Flug der „Libelle“ nach, und zwar nur mit der Hand. Er fühlte gleichsam die Musik, und interpretierte sie auf seine Art.

Ruhen Sie in Frieden, Georges Pretre!

Schlichtheit, gepaart mit Temperament und Eisläufern – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017

 

Wir schreiben das Jahr 2017 und der Kulturpavillon schreibt mit Leidenschaft wieder die alljährliche Rezension über das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das wohl berühmteste Konzert der Welt wird in über 90 Länder per TV übertragen und ist heiß erwartet und beliebt. Auf der ganzen Welt haben sich Fan-Gruppen zusammengeschlossen, die sich intensiv auf den 1.1. des Jahres vorbereiten. Wohl auch in Venezuela, der Heimat des diesjährigen Dirigenten, des (erst) 35-jährigen Gustavo Dudamel.

Nach dem ersten Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“, nämlich dem sogenannten „Nechledil-Marsch“ (Lehár), welcher nicht gerade ein besonderes Glanzstück des famosen Komponisten darstellt, durfte man sich von diesem Konzert noch weitaus mehr erwarten. Lehár schrieb quasi eine Operette nach der anderen, viele davon als richtiggehende Welt-Hits, so wie die „Lustige Witwe“, deren Melodien wohl ein jeder, der Musik im Entferntesten mag, schon einmal gehört hat.

Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, prächtigerweise dieses Jahr sogar mit einigen Südfrüchten geschmückt, waren die Wiener Philharmoniker schwelgend in einer fantastisch ausgewogenen Version von Emilé Waldteufels „Les Patineurs“ oder auf Englisch „Skater´s Waltz“ (op. 183). Fein ziseliert die Passagen vorgetragen, kam nicht nur Dudamel selbst ins Schwärmen. Zum Weinen schön! Waldteufel war, wie bereits im vorigen Jahr nebst „Espana“, ein Konkurrent der Strauß-Dynastie, welcher in ähnlichem Stil komponierte.

Gustavo Dudamel ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Dirgent in der Geschichte des Neujahrskonzertes. Und man muss ihm sagen, er hat seine Sache famos gemacht. Mit einem stets wundervoll charmanten Lächeln, das noch keiner der Dirigenten vor ihm gezeigt hatte, ging er an die Stücke heran. Sein merkbares Temperament war dennoch – oder schien dennoch etwas gezügelt zu sein. Geboren wurde er in Venezuela, und gilt in seinem Land als „Symbolfigur einer einzigartigen Klassik-Bewegung“. Er erwähnte zudem, dass er schon als Baby das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Fernsehen „mitverfolgt“ habe und es nun zu leiten, eine ehrenvolle Aufgabe sei.

Weiter im Programm ging es mit der schwungvollen und ur-wienerischen Polka „S´ gibt nur a Kaiserstadt, s´ gibt nur a Wien!“ (op. 291) von Johann Strauss Sohn, das erste Stück der Strauss-Dynastie in diesem Konzert, wobei die öffentliche Meinung auseinandergeht. Die „Sträuße“ sollten doch eigentlich dieses Welt-Konzert dominieren, meinen die Einen. Die Anderen gestehen auch „Außenseiter-Komponisten“ eine große Rolle im Neujahrskonzert zu. Beide Meinungen dürften wohl heuer befriedigt worden sein.

Von Johanns Bruder Josef Strauss folgte die „Winterlust“ (op. 121) als rassige, und doch sehr entzückend vorgetragene Schnellpolka, bei welcher Dudamel  entfesselt war. Spezialeffekte wie das Zusammenklappen eines Holzblocks ließen launigerweise nicht lange auf sich warten.

„Mephistos Höllenrufe“ (op. 101), wieder von Johann Strauss Sohn, gerieten zu einem rasanten, aber ehrlich gesagt, wenig „bedrohlichen“ Szenario. Da hätte man sich mitunter ein bisschen mehr Dramatik erwarten dürfen. Ein wunderbar ausgearbeiteter Walzer, mit vielen ausdrucksstarken und auch verstrickten Motiven, den die Philharmoniker mit Akribie intonierten.

Ein kleiner „Gassenhauer“ folgte sodann, aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“, übrigens die einzige von Johann Strauss Sohn, die in Berlin (!) uraufgeführt wurde. Die Schnell-Polka „So ängstlich sind wir nicht“, (op. 413) war sehr wuchtig und angenehm schmissig gespielt, animierte beinah zum Mittanzen. Nur die im Original vortragenden Senatorsfrauen waren nirgendwo zu entdecken, aber wie deklariert, war das die Antwort der Philharmoniker auf den vorangegangenen Walzer.

Im zweiten Teil des Neujahrskonzertes fand man drei große Walzer, eine prächtige Ouvertüre sowie Polkas und sogar wieder eine Quadrille, nach einigen Jahren.

Die Ouvertüre zu einer eher selten gespielten Operette von Franz von Suppé, „Pique Dame“, in welcher sich alles um Liebe, Wahrsagerei und Kartenlegen dreht, wurde zu einem fulminanten Meisterwerk, die fein gesetzten Einsätze der Musiker, die Atmosphäre dieses Musikstückes, sehr gut ans Publikum transferiert. So lässt es sich trefflich feiern.

Auch ein weiterer, wunderbarer Komponist fand Eingang in das Programm des Konzertes, der Wiener Carl Michael Ziehrer, der mit seinen über 600 Kompositionen wichtig für das Kulturleben der Stadt war. Von ihm hörte man mit mächtiger Inbrunst vorgetragen den populären Konzertwalzer „Hereinspaziert!“, welcher schon bis auf Kreuzfahrten vorgedrungen ist. Mit seiner anspruchsvoll langen Spieldauer von acht Minuten stellt dieses Werk eine Herausforderung der leichten Muse dar. Es handelt sich dabei um Opus 518 aus der Operette „Der Schätzmeister“. Mit wechselnden Passagen, die doch immer so leicht klingen müssen, als rutschten sie förmlich von der Violine, überzeugten die Musiker auch hier auf ganzer Linie.

Einen prominenten Auftritt hatte bei der nächsten Gelegenheit der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, unter der Leitung von Johannes Prinz. Die Damen und Herren intonierten den „Mondaufgang“ aus Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ im Chor. Ein zu Herzen gehender Effekt hierbei: Es wurde einerseits von der Orgel aus ein silberner Staub ins Publikum geblasen, und andererseits wurden Kirchenglocken imitiert. Ein Erlebnis, zumal mit Otto Nicolai der Gründer der Wiener Philharmoniker bedacht wurde.

Die exquisit schöne Tänzerin Pepita d´Oliva wurde von Johann Strauss Sohn mit einer eigenen Polka beschenkt, simplerweise der „Pepita-Polka“ (op. 138), zu diesem Anlass kamen Kastagnetten zum Einsatz. Ein „Kleinod“, aber recht sinniges und auch stimmiges Juwel der Sträuße.

Es folgte eine mit Spannung erwartete Quadrille, und zwar die „Rotunden-Quadrille“ (op. 360) von Strauss Sohn. Diese wurde anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien komponiert, und rankte sich rund um einen nicht fertiggestellten Prachtbau in Wien. Auch diese geriet recht temporeich und sehr aufwiegelnd, im nächsten Moment aber wieder besänftigend.

Eine für den Juristenball geschaffene Komposition folgte auf dem Fuß: „Die Extravaganten“, (op.205) ein genau durchkomponierter Konzertwalzer von Strauss Sohn, wurde wieder höchst melodisch umgesetzt. Extravagant waren da Ton und Takt.

Eine Tänzerin des Wiener Staatsballetts, Liudmila Konovalova, hatte ihre Neujahrskonzert-Premiere und war entsprechend motiviert und aufgeregt. Bravourös meisterte sie auch schwierige Passagen.

Johann Strauss Vater komponierte den „Indianer-Galopp“ (op.111), der einen etwas irreführenden Namen trägt. Es waren nämlich damals indische Tänzer zu Besuch, zu deren Ehren dieses Werk entstand. Das rascheste Stück dieses Neujahrskonzertes, wo die Philharmoniker und Dudamel alles auf den Tisch legten.

Ein entzückendes Werk, thematisch angesiedelt in der Region Semmering-Rax in Niederösterreich, präsentierten die Wiener Philharmoniker mit Josef Strauss´ schwärmerischer Polka mazur „Die Nasswalderin“ (op. 267). Eine ähnliche Struktur wie bei seinem „Hit“, der „Libelle“, war nicht abzusprechen.

Eine resche Schnellpolka seines Bruders Johann Strauss folgte, zu der eine Tanzeinlage von sechs Studierenden der Ballettakademie geboten wurde: „Auf zum Tanze“ (op. 436), wirklich melodiös. Die Bekanntheit dieser Polka dürfte nicht zu Weltrang reichen, doch hörenswert ist sie allemal. Musiziert wie „Butter“ und genauestens abgestimmt auf die Tänzerinnen und Tänzer, die sich feudal im Goldenen Saal drehten.

Auf einen großen Walzer (Spieldauer: 8 Minuten 30 Sekunden) konnte man sich mit „Tausend und Eine Nacht“ (op.346) nach Motiven der Operette „Indigo und die vierzig Räuber“ (J. Strauss Sohn) einstellen. Hier hatten vor allem die Klarinetten (wie etwa Ernst Ottensamer) viel zu tun. Fein, mit großen, ausladenden Bögen und anregend zu lauschen!

Eine wohlbekannte Polka, zu der auch immer die Hauptfiguren aus Strauss´ „Fledermaus“, Eisenstein und Rosalinde, „leiden“,  rundete den offiziellen Teil des Neujahrskonzertes ab. Man gab die „Tik-Tak Polka“ (op. 365). Irgendwo spielen sie sie immer, net woar. Kompliment an die Philharmoniker und Dudamel, dass sie aus diesem Moment etwas Besonderes machten!

Eine hübsche Zugabe mit einem bei diesem Konzert unterrepräsentierten Strauss-Bruder, nämlich Eduard, stand im Raum. Letztes Jahr wurde er noch etwas mehr „gewürdigt“. „Mit Vergnügen“ (op.228) lautete diesmal sein Beitrag. Eine kleine Polka, die die Zuhörer mitriss, ehe…

…das „Geburtstagskind“ des heurigen Jahres zu seinen Ehren kam. Der „Donauwalzer“, oder wie er ganz streng, korrekt bezeichnet wird: „An der schönen blauen Donau“ (op. 314), feierte seinen 150. Geburtstag. Dudamel, ganz aufgeregt, legte sich sehr hinein und hatte den ganz pflichtbewussten, aber auch locker-melodiösen Zugang.

Den Abschluss bildete wie immer der „Radetzky-Marsch“ (op. 228), welchen Dudamel sehr exakt haben wollte und das Publikum nicht nur zum „Forte“- Mitklatschen, auch zu dem folgenden Begeisterungssturm brachte.

Bravo, Gustavo Dudamel, zu dieser Premiere!

 

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Gerald Pichowetz über seine Pläne zu den Seefestspielen Mörbisch ab 2018

 

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Gerald Pichowetz wurde als neuer Intendant der Seefestspiele Mörbisch ab 2018 vorgestellt. (c) Seefestspiele Mörbisch

 

Schauspieler Gerald Pichowetz, der ab der Saison 2018 für die Geschicke der Seefestspiele Mörbisch verantwortlich sein wird und somit Kammersängerin Dagmar Schellenberger ablösen wird, war in der auf ORF III ausgestrahlten Sendung „Kultur Heute“ bei Ani Gülgün-Mayr zu Gast und sprach über Zukunftspläne, die noch wenig erahnen lassen.

Pichowetz sei erst „erschrocken“ gewesen, wie viele Leute seit der Ära Schellenberger Mörbisch (sprich die Festspiele) nicht besucht hätten. Wo er hinkam, sagten ihm Menschen, dass sie nun „wieder hingehen“ würden, seit er bestellt worden sei.

Es war für viele eine überraschende Entscheidung, (Dagmar Schellenberger hatte sich „selbstverständlich“ wieder beworben und somit einem neuerlichen Auswahlverfahren gestellt, da ihr Vertrag für 5 Jahre fixiert war), für manche war eine Änderung ein „notwendiger“ Schritt, denn die stetig sinkenden Besucherzahlen (zuletzt „nur“ noch ca. 102.000 BesucherInnen) wären ein Faktum, über das auch die neue Intendantin nicht einfach hinwegsehen konnte. Es mag dies mehrheitlich an der wirtschaftlichen Lage gelegen sein, aber auch zunehmend Konkurrenzangebote würden den Operetten-Festspielen im Burgenland zu schaffen machen. (Man denke an das Felsentheater Fertörakos, das ebenfalls Operette bietet, vergleichsweise aber klein ist). Letztlich muss aber auch von der künstlerischen Seite her irgendetwas schief gelaufen sein, sei es besetzungstechnisch gewesen, oder aber auch von der Gesamtqualität der Aufführungen her, das wird man nicht erfahren.

Pichowetz versprach jedenfalls „wieder einen starken Österreich-Bezug mit hauptsächlich österreichischen SängerInnen, die aber noch zusagen müssten“. Er könne beziehungsweise wolle noch nichts Konkretes verraten. Vermutlich wird er einen Klassiker der Operettenliteratur auf den Spielplan setzen und diesen modern adaptieren. Vor zu viel Moderne sei jedoch wiederum gewarnt, denn das Publikum schätzt in Mörbisch Tradition und Gute-Laune-Unterhaltung, sprich den österreichischen Schmäh.

Gerald Pichowetz wolle „mit allen Gespräche“ führen und sich inspirieren lassen, er erwähnte, er wolle sich auch Tipps vom Mörbisch-„Guru“ (Anm.: Kammersänger Harald Serafin, war von 1993-2012 Intendant der Seefestspiele) holen.

Gerald Pichowetz ist ein erfahrener und belesener Theater-Mensch, leitet aktuell das Gloria-Theater in Wien, wo er auch regelmäßig selbst auftritt. Hier würden das die Menschen erwarten, doch künftig in Mörbisch wolle er sich auf seine Rolle als Intendant konzentrieren, und nur Rollen auf der Bühne annehmen, wenn es „wirklich eine gäbe, für die er gebraucht würde“.

Anders als seine beiden Vorgänger ist Pichowetz kein Sänger, und kann somit auch keine Gesangspartien übernehmen, so wie Serafin und Schellenberger. Serafin etwa sang und spielte während seiner 20-jährigen Mörbisch-Laufbahn den Grafen von Lichtenfels im „Land des Lächelns“, den Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim in der „Csárdásfürstin“, und zwei Jahre darauf in der „Gräfin Mariza“(2004) standen Serafin und Schellenberger sogar gemeinsam auf der Bühne, als Fürst Moritz Dragomir Populescu und Mariza. Da ahnte noch niemand, dass sie ihm einmal als Intendantin nachfolgen würde. Weiter ging es mit dem Baron Zeta in der „Lustigen Witwe“, dem Fürsten Basil Basilowitsch im „Graf von Luxemburg“, dem Fürsten Ypsheim-Gindelbach in „Wiener Blut“, außerdem verkörperte er noch den Kaiser im „Weißen Rössl“, den Oberst Pickering in „My fair Lady“, den Großfürst im „Zarewitsch“, den Sittenkommissär Conte Carnero im „Zigeunerbaron“, und zu guter Letzt den Gefängnisdirektor Frank in der „Fledermaus“. Dagmar Schellenberger sang und spielte ab 2013 etwa die Golde in „Anatevka“, die Barbara in „Nacht in Venedig“ und die Titelheldin Viktoria in „Viktoria und ihr Husar“. Das wirft naturgemäß die Frage auf, ob Mörbisch per se einen Intendanten/eine Intendantin verlangt, der/die auch künstlerisch mitwirkt.

Wie erwähnt, kommt Pichowetz nicht vom Gesang, kann aber das Ruder mit Komödiantik in die Hand nehmen. Das eine oder andere Mal wird er bestimmt auf der Bühne stehen. (Als Frosch in der „Fledermaus“ feierte er Erfolge). Er freut sich auf seine neue Aufgabe und sei „sehr glücklich“. Dagmar Schellenberger jedenfalls bereits jetzt einen Abschiedskuss zu geben, ist nicht angebracht, denn die Saison 2017 wird sie mit dem „Vogelhändler“ zu einem Klassik-Feuerwerk machen.