MUSIK UND DAS GANZE THEATER – Eine Leidenschaft von mir

Alles, was im klassischen Bereich gespielt und gesungen wird

„Transactionen, Nordseebilder, Elfenreigen, Tänzerin und Sphärenklänge, gründlich und intellektuell“ – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2019

Der sehr begehrte deutsche Dirigent Christian Thielemann, Chef der Sächsischen Staatskapelle Dresden, gab sein Debut im Wiener Musikverein als Dirigent des Neujahrskonzertes 2019. Die Wiener Philharmoniker strahlten ob der glücklichen Symbiose.

Thielemann sollte bereits Jahre zuvor am Pult des Orchesters stehen, doch er war immer in Dresden verpflichtet. Heuer hat es erstmals funktioniert! Mit dem stets zu einhundert Prozent akribisch vorbereiteten Dirigenten leitete eine Größe der Musikszene das traditionelle Konzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins.

Auffällig war zunächst in diesem Jahr eine recht schnelle Programmfolge, zumindest im ersten Teil des Konzertes. Die Wiener Stadtgärten sorgten auch 2019 für den Blumenschmuck. Rosen in Tieforange und Frischgrün dominierten dabei, auch Hellgelb und Magenta mischten sich darunter. Wobei, nur als Hinweis gesagt: Der Farbmix war etwas ungewöhnlich.

Den Auftakt des Konzertes bildete einer der bekanntesten Märsche der Habsburger-Monarchie, der Schönfeld-Marsch (op. 422) von C.M. Ziehrer. Ehrlich: Dieser war kaum vorhersehbar gestaltet, wirkte trotz der „Angestaubtheit“ in der Umsetzung erfrischend. Neben dem vollen Klang setzten Posaunen feine Akzente. Der Marsch erlebte seine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der erste große Walzer des Vormittages war Transactionen (op. 184) von Josef Strauss. Er lief sehr ruhig ab und verleitete zum Tagträumen, so wie es sein soll. Querflöten leiteten zart ein, es übernahm die Harfe (Anneleen Lenaerts). Präzise und fließend mit kaum „zügellosen Ausbrüchen“. Zum Finale durfte es dann etwas Dramatik sein. Aus diesem Werk, und nicht nur aus diesem, entsteht allgemein der Eindruck, dass Josef Strauss der melancholischere der Brüder war. Er war auch Ingenieur und Erfinder neben seiner Kompositionstätigkeit.

Mit dem Elfenreigen von Josef Hellmesberger Sohn zeichneten die Wiener Philharmoniker ein lebhaftes Bild in die Köpfe der Menschen: Elfen mit champagnerfarbenen Flügeln und blattgrünen Kleidern tanzen und strecken sich. Die Pizzicato-Elemente kommen sehr konzentriert. Ein bezauberndes und sehr präzise umgesetztes Werk.

Gut darauf macht sich die Express-Polka (Polka schnell, op. 311) von Johann Strauss Sohn – ebenso eine Erstaufführung. „Hüpfend und leichtfüßig“ ist hier das Motto der Wahl. War Christian Thielemann vorhin noch sehr zurückgenommen, kann hier bemerkt werden, dass er sich zu dieser Polka etwas rhythmisch bewegte. Ist auch zu verführerisch, ohnehin verkörpert der Dirigent nicht den äußerst trockenen Typus.

Der große, ausladende und wunderbare Walzer Nordseebilder (op. 390) von Johann Strauss Sohn wurde durch dessen Hochzeitsreise geprägt. Der kleine Ort Wyk an der nordfriesischen Insel Föhr gefiel dem Komponisten derart, dass er dieses Werk verfasste. An eine symphonische Dichtung angelehnt und mit einer sehr langen Introduktion vermag der Walzer die Bilder von Küste und Wellen zu vermitteln. Flöten geben die Richtung vor. Ein gewagtes Gedankenexperiment: Stellenweise würde man dem vollmundigen und ausdrucksstarken Werk fast – aber nur fast – Ziehrer-Elemente unterstellen. Hörner folgen, und es gibt dramatische Momente, an denen man Gischt peitschen hört. Dann folgt wieder zucker-lastige Romantik.

Heraus aus den Nord-Träumereien, hinein in ein kleines Denkmal, welches der dritte Strauss-Bruder, Eduard, kreiert hat: Mit Extrapost, Polka schnell (op. 259) ist ein öfter zu hörendes Kleinod. Umgesetzt wird es mit Verve und Schärfe.

Nach der Pause geht es weiter mit Strauss´scher Operette, einem wichtigen Element nahezu jedes Neujahrskonzertes. Der Zigeunerbaron von Johann Strauss Sohn ist eines der bekanntesten Werke der Goldenen Operettenära (1860 – 1900). Er verbindet österreichische und ungarische Elemente mit der opernhaften Ouvertüre, die die Motive der Operette auf dramatische Weise in sich vereint. Daniel Froschauer (Erste Violine) wirft einen vielsagenden Blick ins Publikum.

Von Josef Strauss kommt ein entzückender wie meisterhaft umgesetzter Beitrag: Die Tänzerin, Polka francaise (op. 227) erfreut und unterhält. Elegant und leicht – ein Highlight des Konzerts. Thielemann hat auch hier seine helle Freude, und drückt das dezent durch seine Körpersprache aus. Bei der „Tänzerin“ handelt es sich um eine Erstaufführung beim Neujahrskonzert.

Der sehr bekannte Walzer Künstlerleben (op. 316) von Johann Strauss Sohn repräsentiert die Sorgen und Lüste dieser Berufsgruppe. Bei den Wiener Philharmonikern unter Thielemann wird zwischen zarten Andeutungen und strahlenden Höhen deutlich unterschieden.

Es folgt wiederum eine rasante, doch mit Bedacht gespielte Polka schnell, (op. 351), Die Bajadere von Strauss Sohn. Sehr schwungvoll, und sehr zackig umgesetzt. Eine treffliche Tanzmusik, wie man meinen könnte.

Auch von Bruder Eduard Strauss kommt ein launiger Beitrag zum Tanze. Niemand hielt es 1877 auf seinem Sitz, als Opern-Soiree, Polka francaise(op. 162) erklang. Dabei handelt es sich wieder um eine Erstaufführung im Rahmen des Neujahrskonzertes. Sehr verspielt, aber mit Konzentration.

Gleich drei Mal ist daraufhin wieder Johann Strauss Sohn, der bekannteste der drei Strauss-Brüder, am Werk: Und zwar wieder eine Novität am Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker, der Eva-Walzer aus Ritter Pazman, der einzigen Oper, die Strauss Sohn je schrieb. Sie wurde leider zum Misserfolg. Nicht jedoch dieses Schmuckstück, getragen von jagdlichen Motiven. Demzufolge hört man oft das Horn. Dieser Walzer: Eine gute Idee, die Thielemann gemeinsam mit den Musikern umsetzte.

Populärer ist der Czardas (op. 441) aus der eben genannten Oper. Schwermut und Lebensfreude treffen hier direkt und ungeschont aufeinander. Besser kann man es nicht machen, als hier gehört. Wirklich nicht.

Der Egyptische Marsch (op. 335) stellte nahezu eine Wiederholung vom Jahr 2014, mit derselben Idee, dar. Fein musiziert, aber weit weg von einer Innovation. Auch hier sangen die Musiker leidenschaftlich mit. In dem Fall kann man aber den lateinischen Spruch abwandeln: Bis repetita placent. Voraussetzung: Thielemann steuert seine Pianissimi bei, die für einen eigene Note sorgen.

Abwechslung kommt mit noch einer Erstaufführung ans Pult: Die Zwischenaktmusik von Joseph Hellmesberger Sohn, der Entr´acte Valse, gefällt allen.

Die einzige und kostbare Polka Mazur (eigentlich Polka Mazurka) an diesem Tag ist Lob der Frauen (op. 315). Johann Strauss Sohn schrieb diese 1867 und sie wurde im Wiener Volksgarten uraufgeführt.

Konzertmeister Rainer Honeck wird seiner Euphorie nicht müde, ebenso wenig wie seine KollegInnen.

Zauberhaft holt Josef Strauss´ Walzer Sphärenklänge (op. 235) aus, um zu einem weiteren Highlight des Konzertes zu werden. Die Violinen haben hier ihr synchrones Plaisir. An keiner Stelle angestrengt, sondern leicht und virtuos, immer mit der Prise Marsch in sich. Jun Keller (Violine) verliert sich sichtlich in der Musik, was ein sehr positives Zeichen ist. Mit dem Großwerk endet der offizielle Teil des Konzertes.

Als erste Zugabe wählen Christian Thielemann und die Wiener Philharmoniker die hübsche und flotte Polka Im Sturmschritt (Polka schnell, op. 348) von Strauss Sohn. Diese macht Laune und freut, wirkt wie ein „Zuckerstreusel“ auf dem ohnehin feinen und über weite Strecken klar schnörkellosen Konzert.

Der Walzer An der Schönen Blauen Donau (op. 314) offeriert wieder einmal ganz andere Noten. Oft gehört, aber noch nie so. Nüchtern, aber nicht reizlos. Eine der klarsten und temporeichsten Interpretationen. Als ob man ein Exempel statuieren wollte. Gut. Anders. Aber gut. Hier hält man sich nicht auf. Genaues Hinhören ist hier Programm.

Für den Radetzkymarsch (op. 228) lässt sich der Dirigent etwas einfallen. Er erscheint erst zu den ersten Klängen im Saal und hält dann das frenetische „Mitklatschen“ des Publikums im Zaum. Mittels Handzeichen und Mimik leitet er es an.

Was ist abschließend zu sagen? Ein durchdachtes wie unterhaltsames Neujahrskonzert mit klarer Linie, das sich modern-traditionsbewusst und intellektuell präsentierte. Ein guter Jahresstart!

Molden, Resetarits, Soyka und Wirth gastieren in Neunkirchen/NÖ.

„YEAH“, so der Name des Programmes, welches die vier Herren in Neunkirchen darbieten werden. Das Publikum darf sich auf besten Sound und beste Unterhaltung, organisiert vom Kulturverein Neunkirchen, freuen. 

Ernst Molden und Willi Resetarits – beide Amadeus-Preisträger 2017, legten im selben Jahr mit ihren Lieblingspartnern Soyka und Wirth die neue Platte vor und spielen nach längerer Pause wieder einmal in Neunkirchen die schönsten Lieder der mittlerweile bald zehnjährigen Zusammenarbeit. Eine berührende Zusammenarbeit war es von Beginn an, schon der Einsteiger „Ohne Di“ wurde von Kritik und Publikum gefeiert. Mit „Ho Rugg“ wurde 2014 nicht nur ein künstlerischer Höhepunkt abgeliefert, sondern für 2015 auch der deutsche Liederpreis abgeholt. Erstmals wurde eine österreichische Produktion für die besten Songs des deutschen Sprachraums geehrt.
Mit ihren Konzerten verzaubern sie die Menschen. Die gemeinsamen Auftritte des „besten Singer-Songwriters auf Gottes Erden“ (Willi Resetarits über Ernst Molden) und der „schönsten Stimme der Welt“ (Ernst Molden über Willi Resetarits) funktionieren perfekt und berühren das Publikum vom Neusiedlersee bis zum Bodensee.

Die Besetzung:

Ernst Molden: vocals, guitar

Willi Resetarits: vocals, harmonica, ukulele

Walther Soyka: accordion, vocals

Hannes Wirth: guitar, vocals

Info:

Termin: 12. Oktober 2018, 19:30 Uhr, VAZ der Arbeiterkammer Neunkirchen

Karten gibt es unter http://www.kultur-nk.at und im Rathaus (Bürgerservicestelle) Neunkirchen

 

Heiteres rund um das Tier vom Duo Karawane Salzburg.

„Tierisch“ geht es im aktuellen Programm des Duos Karawane Salzburg, Christa und Agilo Dangl zu. Eine Stunde lang unterhielten die beiden Künstler mit tierischen Geschichten und Anekdoten, es wurde viel gelacht.

„Wir sind auch wieder einmal da!“, so eine launige Begrüßung war von dem aus Salzburg nach Wien und Niederösterreich angereisten Duo zu hören. Von der kleinsten Laus über die Maus, von der Katze über das Schwein bis zum Nilpferd – alle unterhaltsamen Tiere waren vertreten. Mit einer großen Sorgfalt wurden Texte, Gedichte und Geschichten ausgewählt und auf lebhafte Weise dargebracht.

Überlegungen einer Schnecke zum Beispiel lauteten: „Sull i aus mein Haus raus, oder sull i nit raus?“, wohingegen ein Elefant bei der Begegnung mit einem Menschen, der keine Hose trägt, ganz andere Probleme hat. Elefanten essen ja bekanntlich mit dem Rüssel. Er tut sich schwer zuzuordnen, wie der Mensch denn dieses Instrument zum Essen verwenden will. Das ist doch „viel zu klein“.

Vom großen Heinz Erhardt war die „polyglotte Katze“ zu hören. Auch von einer „Kuh“ aus der Feder desselben, war die Rede. Und natürlich die Maus namens Zizibe, die gerne viel Käse isst und danach selber schwer im Magen liegt, diese durfte auch nicht fehlen.

Schön anzuhören war auch eine Geschichte, die sich – anrührend voller Menschlichkeit- um die Rettung von Katzenleben drehte (nämlich von lauter weißen Kätzchen mit schwarzen Schwänzchen).

Es waren Texte, die zwar viel Humor enthielten, wo viel gelacht werden durfte. Aber auch Elemente mit Tiefgang befanden sich darunter.

Zu den Künstlern:

Das Ehepaar Christa und Agilo Dangl aus Salzburg (Eltern von Josefstadt-Schauspieler Michael Dangl) verkörpert das Duo Karawane Salzburg. Ursprünglich als Schauspielgruppe geführt, treten die beiden heute nach langjähriger Theatererfahrung in dieser Formation auf. Beide sind Träger des Ehrenbechers der Stadt Salzburg. Agilo Dangl ist außerdem Träger des Goldenen Verdienstzeichens des Landes Salzburg und des Salzburger Stadtsiegels in Gold. Das Ehepaar trat 22 Jahre lang bei der Eröffnung des Salzburger Rupertikirtages als Hanswurst und dessen weibliches Pendant auf.

Gemeinsam mit ihrem Sohn Michael schreiben sie auch Theaterstücke. Etwa „Tiramisu“ oder „Winterrose – Denn das Glück ist immer da.“ Mit ihrem aktuellen Programm besuchen sie auch Senioreneinrichtungen und sorgen für Heiterkeit.

 

Fresken, Myrthen, Maschera – Gediegen in das Neue Jahr – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018.

 

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(c) APA

 

 

Der Italiener Riccardo Muti dirigiert 2018 zum fünften Mal das traditionsreiche Neujahrskonzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Die Wiener Philharmoniker üben sich heuer in Gediegenheit und dem Glamour von Italianitá. Die Wiener Stadtgärten stellten auch in diesem Jahr den Blumenschmuck in weiß, apricot und zartrosé.

Als Auftakt wählt man heuer Operette. Genauer gesagt den sehr oft verwendeten Einzugsmarsch aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss (Sohn). Im 3. Akt der Erfolgsoperette kommt dieser zum Einsatz. Muti legt über das eigentlich zackige Stück eine Art „Puccini-Schleier“. Es klingt somit einmal ganz anders.

Mit einer Spieldauer von acht Minuten und dreißig Sekunden zählt der Walzer Wiener Fresken (op. 249) von Josef Strauss zu den längeren Stücken. Eine Herausforderung vor allem für Violinen und Blechbläser. Wohlklingend, aber auch ein bisschen „lang“.

Wieder aus Motiven vom Zigeunerbaron (Zsupans Auftrittscouplet mit Borstenvieh und Schweinespeck, sowie der Schatzsuche von Saffi, Barinkay und Czipra) „bastelte“ Johann Strauss Sohn den nächsten Beitrag: Die Polka francaise Brautschau (op. 417). Ein leicht irreführender Name für Operettenfans: Mit der zu verheiratenden Arsena, die „mindenstens einen Baron“ heiraten soll, hat dieses kleine Stück nichts zu tun. Zum Schluss lässt man noch gepflegt die Pauke hören. Dass der Dirigent damit nicht seine aller-hellste Freude hat, ist auf gewisse Weise spürbar.

Als Nächstes wendet man sich einem anderen Werk vom gleichen Komponisten zu: Und zwar der Operette Wiener Blut. Die Schnell-Polka hierzu heißt Leichtes Blut (op. 319). Inspiriert ist sie vom „Tanzen, Dudeln, Lachen“ und dem „Remasuri in Hietzing“. Leichtfüßig wird sie auch interpretiert. Hier schenkt Christoph Koncz (Violine) dem Dirigenten ein kurzes Lächeln.

Von Vater Strauss dürfen ja auch manchmal die Werke nicht zu kurz kommen, man erinnere sich an frühere Neujahrskonzerte: 2018 ist er mit dem Marienwalzer (op. 212) ebenso wie mit einer Bearbeitung der Rossini-Oper Wilhelm Tell vertreten.

Beim Marienwalzer regieren gleichzeitig die Elemente wie Drama und Klang, Instrumente antworten aufeinander, an manchen Passagen ein wenig zünftig mit Trillern sogar. Eine Spieldauer von neun Minuten und fünfzig Sekunden sorgt für Entzücken. Diesmal ist es Tibor Kovac (Violine – Stradivari Cremona 1724), der verschmitzt lächelt.

Der Wilhelm Tell Galopp (op. 29b) ist rasant. Von fein-zurückhaltend bis aufbrausend ist mit einer tollen Variation dieser Version alles dabei. Man hat das Gefühl, die Oper kann bereits losgehen. Das Tempo ist eher das Spezialgebiet von Riccardo Muti. Wilhelm Tell, der tollkühne Held, den man nicht nur von der „Apfel-Story“ her kennt. Gioacchino Rossini widmete diesem eine Oper. Strauss ging ans Werk und steuerte seinerseits einen hübschen Galopp aus Motiven bei. Keine unübliche Vorgangsweise.

Und wieder ist die Operette gefragt: Diesmal bedient man sich eines anderen Komponisten, Franz von Suppé mit Boccaccio. Die Ouvertüre ist ein treffliches Stückchen für ein Neujahrskonzert. 1879 in Wien uraufgeführt, hat „Florenz immer noch schöne Frauen“.

Floral wird es mit dem Myrthenblüten-Walzer (op. 395) von Strauss Sohn. Die ältere Schreibweise, heute würde man die Myrte ohne „h“ schreiben, ist der Zeit geschuldet. Der immergrüne Strauch wurde vom jungen Strauss gepriesen. Auch hier findet man das Talent zu leisen Tönen wieder, die aber viel Elan und Kraft hervorbringen.

Ein Komponist, der erstmals beim Konzert zu hören war, ist Alphons Czibulka. Czibulka war österreichisch-ungarischer Militärkapellmeister. Er war eine Art Mozart, schon als Kind ein „Wunder“. Seine Komposition, die Stephanie-Gavotte (op. 312), entstand zu Ehren Prinzessin Stephanie von Belgien, und ferner Kronprinz Rudolf. Ein edles Stück Geschichte.

Ein ganzer „Block“ ist darauffolgend wieder dem Strauss gewidmet, und zwar dem „Schani“.

Seine Freikugeln (op. 326) lassen sich besonders schnell abfeuern, das beweisen die Philharmoniker einmal mehr. Oft hört man das kleine „Gustostück“ in der Operette Wiener Blut. 

Gut, die Geschichten aus dem Wienerwald (oder Wiener Wald)  (op. 325), werden immer und immer wieder gespielt. Später wurde dieser Walzer auch mit einer sehr tragischen Thematik überzogen. Natürlich, an der Umsetzung, fein gespielt, und mit einer Solistin an der Zither (Barbara Leister-Ebner) kann man nichts aussetzen. Wunderbar – die Häufigkeit der Aufführung ist allerdings wiederum auffällig.

Zum Fest-Marsch (op. 452) bittet das Orchester hernach. Hier lässt Ödön Racz mit konzentrierten Blicken seinen Bogen über den Kontrabass (M.I. Stadlmann, 1781) gleiten. Was ein prachtvolles Musikstück, kurz und wirklich sehr, sehr gut.

Zur Polka Mazurka Stadt und Land (op. 322) hört man schon beinah, wenn man wieder tiefer in die Operetten-Kiste greift, den Grafen Balduin Zedlau aus Wiener Blut zu seiner Geliebten Cagliari singen: „Dann und wann muss man doch auch bei der Frau sein, siehst du das ein?“ Ganz hübsch akzentuiert, auch von den Violinen.

„In hohem Maß in Verdis Diensten“ begreift sich der junge Strauss bei seiner Quadrille Un ballo in maschera (op. 272). Jetzt wird es (viel) italienischer! Aufrüttelnd und mit viel Glanz fließt dieses Werk, die Musiker haben daran viel Freude.

Meiner Meinung nach ein Meisterstück des Konzertes –  Der große Strauss´sche Konzertwalzer mit viel Italianitá: Rosen aus dem Süden (op. 388). Etwas leise zwar fast, feiner geht es aber kaum!

Eine frische Schnellpolka: Eingesendet (op. 240) heißt es dann für eine (Brief-)Sendung vom jüngeren Bruder Josef Strauss. Auch ein entzückendes, kleines Stück, zu welchem sich ganz hervorragend tanzen lässt. Und ein köstlicher Muti, als wollte er in Richtung Violinen sagen: „Was ist denn nun? Senden wir schon? Che c è?“ Ein ganz ordentlicher Trommelwirbel wird am Ende noch als I-Tüpfelchen draufgesetzt.

Ein fröhliches Lachen des Dirigenten kündigt eine Zugabe an: Die hinlänglich aus der Strauss´schen Fledermaus bekannte Schnellpolka Unter Donner und Blitz (op. 240), die musikalische Präzision erfordert.

Und nun: Der Donauwalzer (op. 314), der durch die Version 2018 eine opernhafte und sehr italienische Note erhält. Eine Neuinterpretation, kann man beinah sagen. Ein ganz interessanter und feinnuanciger, anderer Blickwinkel. Man spürt das Rauschen, aber auf eine andere Weise.

Der Radetzkymarsch von Strauss Vater (1848 am Wasserglacis in Wien uraufgeführt) komplettiert das Konzert. Hier dirigiert Riccardo Muti das Publikum sehr präzise und macht dann die sehr italienische „Weg-Wisch-Bewegung“. Besonders edle Führung ist hier angesagt.

Vielleicht hätte man an der Zusammenstellung der Stücke etwas arbeiten können. Es war sehr Strauss-lastig, besonders für einen italienischen Maestro.

Ein sehr nobles und auf das Wesentliche reduziertes Konzert ohne große Überraschungen, mit sehr wirksamer Musik. Riccardo Muti als Dirigent, welcher das letzte Mal 2004 am Pult der Philharmoniker stand, betonte bereits, dass er keinen Klamauk mit spaßigen Einlagen machen wolle. Die Musik an sich beinhalte den Humor. Eine äußerst angenehme Sichtweise, muss es nicht jedes Jahr Lustbarkeiten geben. Variatio delectat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zukunft der Oper?! 4.0?

Wir stehen vor einem Umbruch in der Klassikwelt. Und damit soll nun nicht gemeint sein, dass Sängerinnen und Sänger nicht mehr so aussehen, wie sie einst aussahen. Dass sie nicht mehr so singen, wie sie vor Jahren und Jahrzehnten sangen. 

Es kursiert die Meinung, dass „heutige“ Opern-Stars eher wie Rockstars oder Top-Models aussehen. Klassik muss eben nicht nur gut klingen, sie muss auch die passende „Verpackung“ dafür liefern. Ein ansprechendes CD-Cover lässt vielleicht auch manche stimmliche Schwäche vergessen. Einmal ganz abzusehen von der Tatsache, dass eine professionell ausgebildete Stimme nicht ewig „hält“.

Aber geht man einen Schritt weg vom Äußerlichen, entdeckt man auch, dass sich die Umstände sehr gewandelt haben. Klassische Musik und Opernbesuche in den Alltag zu integrieren, dafür muss erst einmal ein grundsätzliches Interesse vorhanden sein. Die Elemente sind nicht mehr überall verfügbar, es gibt kaum noch Hausmusik beziehungsweise Schubertiaden. Das wäre ebenso überlegenswert: Die Schubertiade 4.0. Es ist im Grunde genauso wie  bei anderen Musikrichtungen, sei es nun Hardrock oder aber auch Flötenmusik. Man muss das Feuer dafür entzünden.

Das Interesse der Zielgruppe der jüngeren Leute an klassischer Musik schwindet. Was kann man tun? Junge Besucher schon früh mit der Materie vertraut machen? Wer die Kinder-Zauberflöte, in der der Ex-Staatsoperndirektor Ioan Holender früher gerne den „Baum“ gegeben hat, gesehen hat, ist der potentielle Opernkonsument von morgen?

Die Klassik soll freilich nicht aussterben. Das ist ein Credo, das viele verfolgen. Ein Lösungsansatz ist es möglicherweise, die Oper (und damit auch das Opernhaus) vielen zu öffnen, auch Crossover-Veranstaltungen anzubieten. Eine starre Meinung, wonach man „Mimi“ nicht drei Stunden „beim Sterben zusehen“ will und das vielleicht noch „in historischen Kostümen á la Queen Victoria“, wird sich so leicht nicht ändern. Ob da der richtige Weg ist, eine Institution wie Anna Netrebko in ein Punk-Rock-Girl zu verwandeln und inszenatorisch am Würstelstand singen zu lassen…? Ein gesunder Mittelweg kann auch hier hilfreich sein. Vielleicht geht die Oper auch wieder mehr in Richtung Film..  Die Gratwanderung zwischen „Entstauben“ und „Entfremden“ ist bekanntermaßen eine sehr gefährliche Wegstrecke, welche aber so mancher Regisseur gerne und ohne zu zögern zurücklegt. 

Noch ein vorerst letzter Punkt: Die Digitalisierung! Diese ist kaum aufzuhalten und noch weniger zu unterschätzen. Selfies auf Instagram, Facebook, Youtube haben noch ein Riesen-Potential, wodurch Modernität und Mozart Realität werden können. Oper 4.0? Digitale Programmhefte und Untertitel gibt es schon. In dieser Richtung wird sich noch weltweit viel tun.

 

 

Ruhen Sie in Frieden, Kurt Sobotka!

 

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Kurt Sobotka (✞) in einer seiner Rollen als „Der liebe Gott“  (c) APA/Pfarrhofer

 

 

Der Publikumsliebling der Wiener Josefstadt (Theater in der Josefstadt) Kammerschauspieler Kurt Sobotka, zuletzt war er in der Komödie „Forever Young“ zu sehen, starb am 8.September 2017 im Alter von 87 Jahren nach längerer Krankheit.

Unvergessen werden seine Stimme und seine Liebenswürdigkeit, sowohl auf der Bühne, als auch Kollegen und Freunden gegenüber, bleiben.

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger zollt Sobotka einen letzten Tribut: „Er gehörte einem Schauspielertypus an, den es heute so nicht mehr gibt!“ Das Publikum war stets begeistert von seiner Schauspielkunst und von der Größe, auch den „kleinsten Mann“ überzeugend darzustellen.

Im Kabarett Simpl werkte er auch viele Jahre.

Auch mit Radio-Satire in Radio Ö1 machte sich Sobotka einen Namen, und in der leichten Muse war er zu Hause.

 

HAPPY BIRTHDAY, Renate Holm!

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Die Kammersängerin, Professorin und deutsch-österreichische Opernsängerin und Schauspielerin Renate Holm (geboren in Berlin) studierte in Deutschland und Österreich Gesang. Unter anderem bei Maria Ivogün und Maria Hittorf.

Recht bald konnte sie auf Empfehlung des Hubert Marischka (Debüt 1957 an der Volksoper Wien) ihre Bühnenkarriere in andere Bahnen lenken. Sie trat in allen wichtigen Opern- und Operettenrollen bei Mozart, Rossini, Verdi, Puccini, Strauss (Richard und Johann), Lehár, Ziehrer und Kalman auf.

1960 folgte ihr Debüt als Gretchen im Wildschütz an der Wiener Staatsoper. Bald sang sie dort als fixes Ensemblemitglied auch unter Herbert von Karajan.

Durch ihre Mitwirkung an Film- und Fernsehproduktionen und musikalischen Unterhaltungssendungen wurde sie einem sehr breiten Publikum bekannt.

2012 wurde sie mit dem Carl-Michael Ziehrer-Preis ausgezeichnet.

 

Der Kulturpavillon gratuliert zum Geburtstag!

Auguri, HAPPY BIRTHDAY Davide Damiani!

 

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Davide Damiani (c) puntoopera

 

Der italienische Bariton Davide Damiani machte bereits 2015 im Steinbruch von St. Margarethen in Tosca als profunder Scarpia von sich reden. Studiert hat er in Pesaro, Parma, Tel Aviv und Zürich. Gesungen hat er schon an allen wichtigen Institutionen von Wien über die Cote d´ Azur bis Frankfurt. Riccardo Muti und Zubin Mehta sind nur zwei der Dirigenten, mit denen er bereits gearbeitet hat. Aktuell ist der Sänger mit Halskrause bestückt. Warum? Er ist wieder einmal bei der Oper im Steinbruch zu erleben: Als Rigoletto.

Klingers Kulturpavillon sagt Auguri und Happy Birthday!

Sommertalk (6): Konstruktives Gespräch – Ioan Holender mit Kulturexpertinnen

Auf Schloss Leopoldskron, wo früher der Schauspielchef der Salzburger Festspiele Max Reinhardt residierte, fanden die Salzburger Festspielgespräche statt. Unter der charmanten und fordernden Moderation von Ioan Holender trafen sich Dr. Hedwig Kainberger, Ressortleiterin für Kultur bei den Salzburger Nachrichten und mehrfach ausgezeichnete Kulturjournalistin, und Bettina Hering, die Schauspielchefin der Salzburger Festspiele anno 2017. Diese gestaltet in enger Abstimmung mit Festspielintendant Markus Hinterhäuser das Programm.

Die Festspiele warten unter anderem mit „Lulu“ (Alban Berg), „Wozzeck“ (ebenso Berg) oder dem naturalistischen Drama Rose Bernd (Gerhart Hauptmann) auf. Der Jedermann, wie betont wird, ist natürlich singulär. Holender betont aber auch, dass dieser „nie ein wirklich erfolgreiches Stück“ gewesen sei, außer natürlich bei den Salzburger Festspielen. Bettina Hering spricht über Kooperationen mit Institutionen wie dem Wiener Burgtheater oder der Wiener Staatsoper in der Vergangenheit. Unter anderem habe man „Die tote Stadt“ nach Salzburg gebracht.

Holender meint, dass dabei immer Salzburg im Genre „Oper“ das berühmte Recht der ersten Nacht hätte. Er fragt sehr hartnäckig und dabei feinsinnig nach, ob es denn „selten oder nie“ vorkäme, dass Produktionen bei den Festspielen wiederaufgenommen werden. Doch, bekommt er Antwort, das wäre natürlich schon eine Option. Zum Beispiel wurden Werke von Andrea Breth schon wiederaufgenommen.

Dr. Kainberger fragt der charmante Ex-Staatsoperndirektor, ob sie wiederum den „Jedermann“ als ein gutes Stück bezeichnen würde. Sie antwortet: „Der Jedermann ist eigenwillig, er hat eine faszinierende Sprache. Die Sprache ist überhaupt das Element. Der Jedermann stellt eine wichtige Frage in unser aller Leben: Wie sterben wir gut?“. Die Kulturkritikerin hält die Neuinszenierung mit Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger unter der Regie von Michael Sturminger für gut. Die Texteinstellungen wären sehr mutig.

Mit eine zentrale Fragestellung in diesem Salzburger Festspielsommer: Wieso will die Menschheit immer wissen, wer Jedermann und wer Buhlschaft darstellt? Ist das so wichtig? Es gibt immerhin eine eigene Pressekonferenz, um die beiden Hauptdarsteller vorzustellen. Dr. Kainberger antwortet: „Für „uns“ als Kulturkritiker ist es nicht so zentral wichtig. Aber: Der Jedermann steht für uns alle, und es ist ein Lehrstück, die Tischgesellschaft, das sind doch wir alle, die wir im Leben stehen.“

Der Jedermann habe die Aufgabe, mitzuteilen, dass man nie alleine sei. Auch wenn niemand bei einem ist. Und, Ioan Holender möchte noch etwas Wichtiges wissen: Was passiert denn nun, wenn der Hauptdarsteller des Jedermann, (in diesem Fall Tobias Moretti) krank wird? Ja, dann, meint Bettina Hering, dann „fällt die Vorstellung aus“. Warum? Könnte man denn nicht in Ausnahmefällen Cornelius Obonya wieder holen? Nein, es gibt nur einen Jedermann-Darsteller im Jahr, und der steht wie schon gemeint für die Allgemeinheit. Deshalb geht ein Ersatz nicht durch.

Wäre es nicht auch eine Option, einmal fremdsprachige Stücke bei den Salzburger Festspielen aufzuführen? Ja, natürlich, aber die Damen sind sich unter dem wachsamen Blick von Holender sicher: Wenn das Konzept stringent ist, dann kann das sein.

Ein stringentes Konzept, damit sind alle zufrieden.

Днем Народження Pavel Kachnov!

 

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(c) Artos ensemble

 

Der Pianist und Dirigent Pavel Kachnov studierte an der Nationalen Musikakademie in Kiev und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Wien bei Oleg Maisenberg. Als Solist und Kammermusiker ist er viel unterwegs. Für den ORF gab und gibt es Rundfunkaufnahmen seiner Auftritte. Als Preisträger zahlreicher wichtiger Klavierwettbewerbe (Madrid & ganz Spanien), und der Prokofiev International Competition ist seine Person geschätzt und gefragt, auch wenn es um die Begleitung von Künstlern an seinem präferierten Instrument geht. So begleitet er viele namhafte Künstler(innen) wie Krassimira Stoyanova oder Clemens Unterreiner musikalisch. Kachnov spielt im Artos Ensemble und gab 2009 sein Debüt als Dirigent der Nationalphilharmonie der Ukraine.

 

Klingers Kulturpavillon wünscht Alles Gute zum Geburtstag!