Eine Nacht in Venedig

Lagunenstadt im Burgenland – nächstes Jahr

Seefestspiele Mörbisch/Burgenland                                                               Dezember 2014

Das größte Operettenfestival wird 2015 italienisches Flair versprühen. „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss steht dann auf dem Programm von Intendantin KS Dagmar Schellenberger. Eine Pressekonferenz inklusive Vorgeschmack gab es aber schon jetzt.

Keine Mühen werden gescheut: Ein riesengroßer Dampfer wird die Seebühne befahren. Venedig ist ja schließlich auch beliebt als Ausgangspunkt (-hafen) für Kreuzfahrten. Walter Vogelweider zeichnet für das Bühnenbild, das schon recht vielversprechend ausschaut, verantwortlich. Operetten-Spezialist Karl Absenger, in Mörbisch schon bekannt seit 2008 („Im weißen Rössl“) und 2014 („Anatevka“) führt Regie. Die Kostüme werden von Susanne Thomasberger gestaltet.

Herbert Lippert, der gefeierte Eisenstein von 2012, wird sich inmitten des Sees wieder die Ehre geben, diesmal nicht als klassischer Herzog, sondern als Kapitän (!). Der Caramello ist der deutsche Sänger Mirko Roschkowski, der lustige Koch Pappacoda wird gesungen von Roman Martin (Volksoper Wien), die Annina von Elena Puszta/Annika Gerhards. Als Ciboletta („Zwiebelchen“) wird Verena Barth-Jurca zu hören sein. Zu den drei lieben Senatoren (Bartolomeo Delacqua, Stefano Barbaruccio und Giorgio Testaccio) dürfen sich der erprobte Heinz Zednik, Joesi Prokopetz (interessant) und Ernst-Dieter Suttheimer ernennen. Ihre Frauen sind einerseits die Intendantin höchstselbst (Barbara, Delaquas Frau), Verena Scheitz (Agricola, Barbaruccios Frau) und eine weitere Mörbischer Institution fast seit dem Gründungsjahr 1957: Marina Alsen, Tochter des Festspielgründers Herbert Alsen, wird die Rolle der Constantia, Testaccios Frau übernehmen. Ein völliger Newcomer ist hingegen Comedian Otto Jaus, der den Verführer Enrico Piselli mimen wird.

Die musikalische Leitung wird bei Andreas Schüller liegen. Der Sommer wird interessant und italienisch.

-Martina Klinger-

 

Eine Nacht in Venedig

Eine Nacht in Venedig

Link:

http://www.seefestspiele-moerbisch.at

 

 

Wenn die Gondeln Spaß vertragen

Volksoper.Wien                                                        10. Jänner 2014

Hinrich Horstkottes Neuinszenierung der Strauß´schen Operette „Eine Nacht in Venedig“ ist  ganz im Stil der „Commedia dell´ Arte“ gehalten. Alles ist bunt und launig. Unterwasserwelten laden das Auge zum Verweilen ein. Stimmlich ist das Werk gut besetzt, etwas Luft nach oben gibt es jedoch.

Der Regisseur geht hier auf Nummer sicher und verlässt sich voll und ganz auf die Wirkungskraft des frechen, frivolen venezianischen Treibens. An manchen Stellen wirkt der eingebaute Klamauk jedoch überzeichnet. Künstliche Wellen, die sich hin und her bewegen, sowie üppiges Brusthaar machen einen eher unrealistischen Eindruck. Doch an Lustigkeit und heiterem Herumhüpfen wird nicht gespart.

Sowohl auf Makkaroni als auch auf weibliche Reize hat hier die Hauptfigur, der Herzog von Urbino (Vincent Schirrmacher) Appetit. Schirrmacher im futuristisch anmutenden Kostüm mit runden Brillen legt die Rolle locker an, stimmlich ist er gut vorbereitet. Für die Makkaroni des Abends, frisch gekocht, sorgt Pappacoda (Michael C. Havlicek), der gerne Leibkoch des Herzogs werden würde. Fast würde man meinen, Pappacoda koche neuerdings mit Zahnlücke, aber immer noch mit viel amore. Auch Havlicek sorgt stimmtechnisch gesehen für Harmonie, das Kostüm ist mit Querstreifen schon gewöhnungsbedürftig. Bis er seine Ciboletta (Johanna Arrouas), die nicht gerade mit dem Höchstmaß an Intelligenz gesegnet ist, in die Arme schließen kann, vergeht einige Zeit. Diese vertreiben sich inzwischen Caramello, der Leibbarbier des Herzogs (Jörg Schneider) und Annina (Mara Mastalir). An beiden ist in punkto Darstellung und Stimme nichts auszusetzen. Die drei Senatoren Delaqua, Barbaruccio und Testaccio (Wolfgang Hübsch, Franz Suhrada und Gerhard Ernst) möchten ihre Gattinnen vor dem Schlimmsten, nämlich der Schmachterei des Herzogs, bewahren. Das bewerkstelligen sie mit Getöse und komisch anmutenden, weißen Perücken. Und sie kämpfen um eine gute Stelle beim Herzog. Was an sich ja nett ist. Die drei Herren verleihen der soliden Operette ein wenig mehr Biss, doch ganz reicht das nicht.  Es ist eine brave, allzu klamaukhafte Produktion. Solider Gesang und ein motiviertes Orchester, sensibel geführt von Alfred Eschwé, fügen sich ein.

-Martina Klinger-

Links:

http://www.volksoper.at