Margarita Gritskova

Sommeroper (4): Der „geile“ Graf und die keusche Adelige – LE COMTE ORY im Stiftshof Klosterneuburg

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Die operklosterneuburg punktet heuer mit italienisch-französischem „Lifestyle“. Der Italiener Gioacchino Rossini ist bekannt dafür, Witz mit Sinnlichkeit, Erotik und enormer Schnelligkeit zu paaren. In seinen Opern gelingt ihm das, so auch im „Comte Ory“. Zum Jubiläum, der 20-jährigen Intendanz von Michael Garschall, kam dieser im Stiftshof im malerischen Klosterneuburg zur Aufführung. Amouröse Kurzweil, Lust und Spielfreude bewies das Ensemble. 840 Gäste können hier Oper pur genießen.

Der Graf Ory (Le Comte Ory) ist eine eher selten gespielte Oper, welche ihren „Kollegen“ aber in puncto musikalischer Brillanz sicherlich um nichts nachsteht. Eine hübsche, der Operette angelehnte Handlung und ein tolles Setting ergänzen sich. Der Ort der Handlung, nämlich der französische Ort Formoutiers in der Tourraine wurde heuer auch in Klosterneuburg Schauplatz einer heiteren Geschichte.

Regisseur Francois de Carpentries nimmt sich hier der Geschichte an und arbeitet diese auf: Ein junger gräflicher Schürzenjäger, der Graf Ory, möchte sein nächstes amouröses Abenteuer planen und sucht sich dazu ausgerechnet Gräfin Adele aus. Eine Gräfin, um sich zu vergnügen? Kein schlechtes Unterfangen, meint er. Aber er hat die Rechnung ohne das Gelübde der Gräfin gemacht…

Gräfin Adele (verkörpert von Daniela Fally)  möchte nämlich keusch bleiben, bis ihr Mann aus dem Krieg zurückgekehrt ist. Fally singt voller Inbrunst, fühlt sich wohl in der Rolle und kann auch ihr komödiantisches Talent ausspielen. Ihr Comte Ory trägt den Namen Iurie Ciobanu und kann mit Stimmeleganz und Spielfreude, sowie Hartnäckigkeit der Gräfin gegenüber punkten. Überhaupt geben die beiden ein stimmlich gut aufeinander eingespieltes, profund witzig agierendes Duo ab. Unter der musikalischen Leitung von Maestro Christoph Campestrini kann man sich nur wohlfühlen. Mit Charme und Esprit erklingt das Orchester. Als ebenso witziger Page „Isolier“ kann Margarita Gritskova punkten. Der hauseigene Chor der operklosterneuburg bringt sich willig ein. In weiteren Nebenrollen der agile Peter Kellner und die hinreißende Dame Ragonde Carole Wilson. Die als klösterlich-fromme Damen verkleideten Herren verleiten zu Szenenapplaus.

Gute Momente hat auch Martin Achrainer als Raimbaud. In den Kostümen von Karine van Hercke atmet man wieder ein bisschen Zeitgeschichte. Nichts Hypermodernes ist hier am Platz. Zu einer solchen Oper würde das auch nicht passen. Hans Kudlich (Volkstheater) gestaltet die Bühne passend.

Musikalisch wie sängerisch gerät dies zu einer Rossini-Sternstunde!

 

Das ist so eine Sache. Vec Makropulos (Leos Janáček) an der Wiener Staatsoper.

Wiener Staatsoper

Wien

Heute, 13. Dezember, feierte eine weitere Oper aus dem Janáček-Zyklus an der Wiener Staatsoper Premiere: Vec Makropulos, Die Sache Makropulos. Das Libretto ist ursprünglich auf Tschechisch verfasst, kein Wunder, stammt doch Leos Janacek von hier. Ihren Namen hat die Oper von einem gewissen Hieronymos Makropulos, dem Leibarzt von Kaiser Rudolf II. Es dreht sich alles um ein lebensverlängerndes Mittelchen, das an des Kaisers 16-jähriger Tochter ausprobiert wurde. Sie lebt seit 337 Jahren. Janacek schreibt in einem Brief an eine Geliebte, kurz vor seinem Tod: „Wir sind glücklich, weil wir wissen, dass unser Leben nicht ewig dauert.“

Emilia Marty muss in diesem Werk erkennen, dass auch das ewige Leben nicht zur Seligkeit führen muss. Sie entscheidet sich am Ende, ihr Leben doch nicht mehr durch das Mittel zu verlängern, sondern zu sterben.

In der Wiener Oper geht man mit dem Stoff sehr vorsichtig um. In einer Regie von Peter Stein tummeln sich die Sängerin Emilia Marty, gesungen mit einem Hauch von Melancholie und einer großen Anmut von LAURA AIKIN und Albert Gregor, der sich bei einer Testamentsuntersuchung unsterblich in sie verliebt, gesungen mit Schmelz von LUDOVIT LUDHA, einem guten slowakischen Tenor. Eine riesige Bibliothek wurde von Bühnenbildner Ferdinand Wögerbauer auf die Bühne der Staatsoper gestellt.

Schwer hat es als Prozessgegner Emilias der Düsseldorfer Bassbariton MARKUS MARQUARDT, findet zwar in die Tiefe, aber muss noch in diese Rolle hineinwachsen. Als ehemalige Flamme Gregors, Kristina, glänzt MARGARITA GRITSKOVA, die junge Staatsopern-Sängerin im fixen Ensemble. CARLOS OSUNA ist ein strenger „Prus“. Staatsoperngröße KS WOLFGANG BANKL ist achtbar als Dr. Kolenaty. Nicht zuletzt: Ein entzückend facettenreicher Herr von Hauk-Sendorf (Kavalier) wird von KS HEINZ ZEDNIK abgeliefert.

Eine moderne, sogar teilweise progressive Inszenierung steht hier der brodelnden, über die Maßen schnell komponierten Musik, Takt an Takt, gegenüber. Der junge Jakub Hrusa meistert bravourös die Partitur und gibt sein Staatsopern-Debüt.

 

 

 

 

 

Ein Ball der Bälle-auf alle Fälle

 

Der Wiener Opernball fand zum 58. Mal in der altehrwürdigen, aber sehr modern (mit Nelken) geschmückten Wiener Staatsoper statt. Es ist keine Oper, keine Operette, kein Musical, kein Theaterstück, und doch hat er von allem ein bisschen. Das traditionelle Walzertanzen gehört zu Wien. Der Chef der Wiener Oper, Dominique Meyer, betont immerzu, es solle ein Ball der Künstler und Künstlerinnen der Wiener Staatsoper sein.

Für die Debütantinnen und Debütanten wurde diesmal eine klassische Wiener Eröffnung von der Tanzschule Fränzl gestaltet. Die Jungdamen erschienen mit violetten Sträußchen auf dem Parkett zur „Fächerpolonaise“ von Carl Michael Ziehrer. Choreograf Renato Zanella gestaltete mit den Tänzern des Wiener Staatsballettes (u.a. Kirill Kourlaev und Olga Esina) den „Danse Diabolique“ von Josef Hellmesberger.

Es war offensichtlich, dass an diesem Ballabend vorwiegend die weiblichen Künstler ihren großen Auftritt hatten.

Margarita Gritskova, eine junge Sängerin, ließ sehr berührende Spitzentöne in der Arie „Di tanti palpiti“ aus Tancredi von Rossini erklingen. Ihre Kollegin Anita Hartig interpretierte „Depuis le jour“ aus Luise von Charpentier. Michael Schade schloss mit“Pourquoi me Reveiller“ aus Werther. Man merkte ihm jedoch deutlich die Nervosität an.

Das Wiener Staatsopernorchester hatte mit der Ouvertüre der „diebischen Elster“ von Rossini richtiggehend seine Freude. Feiner Harfen- und Violinenklang erfüllte den gespannten Ballsaal. Zum wunderbar interpretierten Donauwalzer bewegten sich dann auch wieder die Debütantinnen und Debütanten, und der Spaß konnte beginnen.

-Martina Klinger-