Ödön Racz

„My Double Bass“ – neue CD von Ödön Rácz

Ödön Rácz, Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker, brachte eine CD mit dem Namen „My Double Bass“ auf den Markt.

Als Herzstück auf dieser Scheibe hört man das „Gran Duo Concertante“ für Violine und Kontrabass von Giovanni Bottesini, dem „Paganini“ des Kontrabasses. Weiters gibt es Schöpfungen von Piazzolla und Rota.

Rácz begibt sich hier auf eine Reise von Italien nach Südamerika. Das Franz Liszt Kammerorchester begleitet ihn auch diesmal, unter der Leitung der Römerin Speranza Scappucci. Noah Bendix-Balgley übernimmt den Part der Violine.

Info:

CD von Ödön Rácz: „MY DOUBLE BASS“

Label: Deutsche Grammophon

Preis: 17,99 Euro

Fresken, Myrthen, Maschera – Gediegen in das Neue Jahr – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2018.

 

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(c) APA

 

 

Der Italiener Riccardo Muti dirigiert 2018 zum fünften Mal das traditionsreiche Neujahrskonzert aus dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Die Wiener Philharmoniker üben sich heuer in Gediegenheit und dem Glamour von Italianitá. Die Wiener Stadtgärten stellten auch in diesem Jahr den Blumenschmuck in weiß, apricot und zartrosé.

Als Auftakt wählt man heuer Operette. Genauer gesagt den sehr oft verwendeten Einzugsmarsch aus dem Zigeunerbaron von Johann Strauss (Sohn). Im 3. Akt der Erfolgsoperette kommt dieser zum Einsatz. Muti legt über das eigentlich zackige Stück eine Art „Puccini-Schleier“. Es klingt somit einmal ganz anders.

Mit einer Spieldauer von acht Minuten und dreißig Sekunden zählt der Walzer Wiener Fresken (op. 249) von Josef Strauss zu den längeren Stücken. Eine Herausforderung vor allem für Violinen und Blechbläser. Wohlklingend, aber auch ein bisschen „lang“.

Wieder aus Motiven vom Zigeunerbaron (Zsupans Auftrittscouplet mit Borstenvieh und Schweinespeck, sowie der Schatzsuche von Saffi, Barinkay und Czipra) „bastelte“ Johann Strauss Sohn den nächsten Beitrag: Die Polka francaise Brautschau (op. 417). Ein leicht irreführender Name für Operettenfans: Mit der zu verheiratenden Arsena, die „mindenstens einen Baron“ heiraten soll, hat dieses kleine Stück nichts zu tun. Zum Schluss lässt man noch gepflegt die Pauke hören. Dass der Dirigent damit nicht seine aller-hellste Freude hat, ist auf gewisse Weise spürbar.

Als Nächstes wendet man sich einem anderen Werk vom gleichen Komponisten zu: Und zwar der Operette Wiener Blut. Die Schnell-Polka hierzu heißt Leichtes Blut (op. 319). Inspiriert ist sie vom „Tanzen, Dudeln, Lachen“ und dem „Remasuri in Hietzing“. Leichtfüßig wird sie auch interpretiert. Hier schenkt Christoph Koncz (Violine) dem Dirigenten ein kurzes Lächeln.

Von Vater Strauss dürfen ja auch manchmal die Werke nicht zu kurz kommen, man erinnere sich an frühere Neujahrskonzerte: 2018 ist er mit dem Marienwalzer (op. 212) ebenso wie mit einer Bearbeitung der Rossini-Oper Wilhelm Tell vertreten.

Beim Marienwalzer regieren gleichzeitig die Elemente wie Drama und Klang, Instrumente antworten aufeinander, an manchen Passagen ein wenig zünftig mit Trillern sogar. Eine Spieldauer von neun Minuten und fünfzig Sekunden sorgt für Entzücken. Diesmal ist es Tibor Kovac (Violine – Stradivari Cremona 1724), der verschmitzt lächelt.

Der Wilhelm Tell Galopp (op. 29b) ist rasant. Von fein-zurückhaltend bis aufbrausend ist mit einer tollen Variation dieser Version alles dabei. Man hat das Gefühl, die Oper kann bereits losgehen. Das Tempo ist eher das Spezialgebiet von Riccardo Muti. Wilhelm Tell, der tollkühne Held, den man nicht nur von der „Apfel-Story“ her kennt. Gioacchino Rossini widmete diesem eine Oper. Strauss ging ans Werk und steuerte seinerseits einen hübschen Galopp aus Motiven bei. Keine unübliche Vorgangsweise.

Und wieder ist die Operette gefragt: Diesmal bedient man sich eines anderen Komponisten, Franz von Suppé mit Boccaccio. Die Ouvertüre ist ein treffliches Stückchen für ein Neujahrskonzert. 1879 in Wien uraufgeführt, hat „Florenz immer noch schöne Frauen“.

Floral wird es mit dem Myrthenblüten-Walzer (op. 395) von Strauss Sohn. Die ältere Schreibweise, heute würde man die Myrte ohne „h“ schreiben, ist der Zeit geschuldet. Der immergrüne Strauch wurde vom jungen Strauss gepriesen. Auch hier findet man das Talent zu leisen Tönen wieder, die aber viel Elan und Kraft hervorbringen.

Ein Komponist, der erstmals beim Konzert zu hören war, ist Alphons Czibulka. Czibulka war österreichisch-ungarischer Militärkapellmeister. Er war eine Art Mozart, schon als Kind ein „Wunder“. Seine Komposition, die Stephanie-Gavotte (op. 312), entstand zu Ehren Prinzessin Stephanie von Belgien, und ferner Kronprinz Rudolf. Ein edles Stück Geschichte.

Ein ganzer „Block“ ist darauffolgend wieder dem Strauss gewidmet, und zwar dem „Schani“.

Seine Freikugeln (op. 326) lassen sich besonders schnell abfeuern, das beweisen die Philharmoniker einmal mehr. Oft hört man das kleine „Gustostück“ in der Operette Wiener Blut. 

Gut, die Geschichten aus dem Wienerwald (oder Wiener Wald)  (op. 325), werden immer und immer wieder gespielt. Später wurde dieser Walzer auch mit einer sehr tragischen Thematik überzogen. Natürlich, an der Umsetzung, fein gespielt, und mit einer Solistin an der Zither (Barbara Leister-Ebner) kann man nichts aussetzen. Wunderbar – die Häufigkeit der Aufführung ist allerdings wiederum auffällig.

Zum Fest-Marsch (op. 452) bittet das Orchester hernach. Hier lässt Ödön Racz mit konzentrierten Blicken seinen Bogen über den Kontrabass (M.I. Stadlmann, 1781) gleiten. Was ein prachtvolles Musikstück, kurz und wirklich sehr, sehr gut.

Zur Polka Mazurka Stadt und Land (op. 322) hört man schon beinah, wenn man wieder tiefer in die Operetten-Kiste greift, den Grafen Balduin Zedlau aus Wiener Blut zu seiner Geliebten Cagliari singen: „Dann und wann muss man doch auch bei der Frau sein, siehst du das ein?“ Ganz hübsch akzentuiert, auch von den Violinen.

„In hohem Maß in Verdis Diensten“ begreift sich der junge Strauss bei seiner Quadrille Un ballo in maschera (op. 272). Jetzt wird es (viel) italienischer! Aufrüttelnd und mit viel Glanz fließt dieses Werk, die Musiker haben daran viel Freude.

Meiner Meinung nach ein Meisterstück des Konzertes –  Der große Strauss´sche Konzertwalzer mit viel Italianitá: Rosen aus dem Süden (op. 388). Etwas leise zwar fast, feiner geht es aber kaum!

Eine frische Schnellpolka: Eingesendet (op. 240) heißt es dann für eine (Brief-)Sendung vom jüngeren Bruder Josef Strauss. Auch ein entzückendes, kleines Stück, zu welchem sich ganz hervorragend tanzen lässt. Und ein köstlicher Muti, als wollte er in Richtung Violinen sagen: „Was ist denn nun? Senden wir schon? Che c è?“ Ein ganz ordentlicher Trommelwirbel wird am Ende noch als I-Tüpfelchen draufgesetzt.

Ein fröhliches Lachen des Dirigenten kündigt eine Zugabe an: Die hinlänglich aus der Strauss´schen Fledermaus bekannte Schnellpolka Unter Donner und Blitz (op. 240), die musikalische Präzision erfordert.

Und nun: Der Donauwalzer (op. 314), der durch die Version 2018 eine opernhafte und sehr italienische Note erhält. Eine Neuinterpretation, kann man beinah sagen. Ein ganz interessanter und feinnuanciger, anderer Blickwinkel. Man spürt das Rauschen, aber auf eine andere Weise.

Der Radetzkymarsch von Strauss Vater (1848 am Wasserglacis in Wien uraufgeführt) komplettiert das Konzert. Hier dirigiert Riccardo Muti das Publikum sehr präzise und macht dann die sehr italienische „Weg-Wisch-Bewegung“. Besonders edle Führung ist hier angesagt.

Vielleicht hätte man an der Zusammenstellung der Stücke etwas arbeiten können. Es war sehr Strauss-lastig, besonders für einen italienischen Maestro.

Ein sehr nobles und auf das Wesentliche reduziertes Konzert ohne große Überraschungen, mit sehr wirksamer Musik. Riccardo Muti als Dirigent, welcher das letzte Mal 2004 am Pult der Philharmoniker stand, betonte bereits, dass er keinen Klamauk mit spaßigen Einlagen machen wolle. Die Musik an sich beinhalte den Humor. Eine äußerst angenehme Sichtweise, muss es nicht jedes Jahr Lustbarkeiten geben. Variatio delectat.

 

 

 

 

 

 

 

 

Concertos for Double Bass – Ödön Rácz und seine neue CD „Kontrabasskonzerte“

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Der gefragte Kontrabassist (auch Solobassist der Wiener Philharmoniker) Ödön Rácz hat seine nächste CD herausgebracht. Der gebürtige Budapester begibt sich auf die Spuren von Giovanni Bottesini (1821-1889), Karl Ditters von Dittersdorf (1739-1799) und Johann Baptist Vanhal (1739-1813).

Ödön Rácz trat bereits 2004 in das Orchester der Wiener Philharmoniker ein und lernte Kontrabass an der staatlichen Grundschule in Budapest.

Er spielt einen Kontrabass von Michael Ignatius Stadlmann. (Wien, 1781)

An seiner ersten CD „Double Bass Fantasy“ (erschienen bei Gramola) wurden unter anderem seine hohe Musikalität und seine technische Präzision, mit der er „die Ungelenkigkeit des Riesen“ vergessen machte, gepriesen.

Bei „Concertos for Double Bass“ zieht sich seine grundsolide, aber dennoch sehr sensible Gestaltungskunst durch. Technische sowie geistige Aspekte der Tonbildung sind für ihn eine Selbstverständlichkeit durchzusetzen.

Auf der vorliegenden CD „Concertos for Double Bass“ beschäftigt sich der Künstler im Track 1 mit dem Teil „Allegro moderato“ aus dem „Concerto in D Major for Double Bass and Orchestra“ (Konzert in D-Dur für Kontrabass und Orchester) von Johann Baptist Vanhal. Zusammen mit dem Franz-Liszt-Kammerorchester zeigt er eine hohe Versatilität. Die Intonation, die sich gemeinsam mit anderen Faktoren zu einem komplexen Gebilde zusammenfügt, ist für Racz ein einfaches Thema, er versteht es, das komplexe Gebilde zu durchdringen.

Track 2 ist das „Adagio“. Dieses erinnert an eine Hochzeitsszene (fast schon an Mozart), und der Kontrabass ist eigentlich hier nicht so das dominante Instrument. Er kommt später hinzu und verleiht eine gewisse Würze und greift das wunderschöne Thema auf.

Track 3, das „Allegro“ ist auch anspruchsvoll und schwungvoll zugleich. Schnelle, typische Wendungen, aber auch ein zart-romantisches Timbre lassen den Hörer erahnen, welch Arbeit dahinter stecken muss. Der Komponist Vanhal (übrigens ein böhmischer Komponist, geboren in Nechanice/Tschechien) schrieb das Konzert mit einer besonderen Vorliebe für den Kontrabass und seine Bedürfnisse.

Kommt man zum nächsten Komponisten, Carl Ditters Dittersdorf und zum Konzert für Kontrabass in E-Dur, (for Double Bass in E-Major),so fällt auf, dass sich auch er ein wenig mit Mozart´schen Klängen identifizieren lässt. Der Track 4, das „Allegro“, mutet fast ein wenig zu barock an, intoniert wird es von Rácz und dem Franz-Liszt-Orchester auf leichte, schwungvolle Weise.

Ditters Dittersdorf (respektive Rácz) sorgt auch mit dem „Adagio“(Track 5) für Begeisterung. Dieses ist deutlich schwermütiger, und sehr präzise, so dass man die Emotion mitfühlen kann.

Track 6 („Allegro“) schwingt sich wieder zu besonderer Heiterkeit und Ausgeglichenheit auf. Die feinen, differenzierten Klänge, (nun erhebt sich der Kontrabass wieder) in Harmonie gesetzt mit den anderen, zurückhaltenden Streichern und hörbaren Akkorden ähnlich einer Cymbal sind wunderbar anzuhören.

Track 7 widmet sich dem „Allegro moderato“ vom Italiener Giovanni Bottesini und damit dem Kontrabasskonzert in h-Moll. Sehr, sehr geheimnisvoll und verwegen, schwer und massiv für das Ohr, dann wieder auftrabend manövriert sich der Kontrabass hier durch. Es scheint einmal (emotional und melodisch) aufwärts und dann wieder abwärts zu gehen und der Bass scheint auch zu flehen. Sehr eindrucksvoll gestaltet.

Mit Track 8 („Andante“) ist das sehnsüchtige Ohr – mit einer kleinen Pause – erwartungsvoll eingestimmt auf einen ruhigen, melancholischen Klang, den Rácz mit seinem wundersam großen Instrument herbeizuführen vermag. Bottesini komponierte hier ganz anders als seine „Vorgänger-Kollegen“ Vanhal und Dittersdorf. Es kommt viel fließender herüber.

Track 9 („Allegro“) schließlich bietet dieser Serie ein fulminantes Finale mit entschlossenen Klängen. Der Bass scheint zu tanzen und über die Saiten fliegt der Bogen mit leichter Technik.

Eine sehr empfehlenswerte Aufnahme für Freunde der Kontrabass-Klänge, aber nicht nur: Ein ausgezeichnetes Zusammenspiel von Ödön Rácz, einem wahrhaft einfühlsamen und warmherzig intonierenden Musiker und dem Franz-Liszt-Kammerorchester garantieren einen lang andauernden Hörgenuss.

 

 

 

Information:

Erschienen ist die CD „Kontrabasskonzerte“ bei der Deutschen Gramophon.

Links:

http://www.odonracz.com

 

 

 

 

 

Neujahrskonzert 2015 – Techniksegen,Konfettiregen, Orient und Student

 

Wiener Musikverein                                                                                               01.01.2015

Innovativ statt traditionell – so gestalteten in diesem Jahr Maestro Zubin Mehta (der zum 5. Mal dirigiert) und die Wiener Philharmoniker  das Neujahrskonzert. Es stand im Zeichen der Technik und der Universität. Im schönen Goldenen Saal des Wiener Musikvereins regnete es dieses Mal sogar Konfetti.

Ein Winter-Vormittag. Begonnen wird mit der Ouvertüre zu Franz von Suppés Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“. Ein flotter Einstieg. Ein bisschen klingt das fast wie Otto Nicolai, ist aber ein waschechter Suppé. Richtig, wie eine Ouvertüre klingen muss. Mehta setzt hier auf das richtige Tempo und die Gangart. Eine Hommage an den gebürtigen Inder bildet der zweite Walzer von Johann Strauss Sohn, „Märchen aus dem Orient“. Dieser wird sehr langsam und feingliedrig musiziert. Die Übergänge wirken ein wenig gebremst. Die Musiker achten sehr auf Genauigkeit. Dieser Walzer wurde von Strauss Sohn für den Sultan von Konstantinopel komponiert und trägt die Opuszahl 444. Durch die elegischen Mollpassagen führen die Philharmoniker sehr elegant.

Es folgt die Polka francaise von Josef Strauss „Wiener Leben“, die äußerst fein ziseliert und sehr lebhaft gestaltet wird. Man kann sich das bunte Treiben direkt vorstellen. Daraufhin servieren die Musiker von Josefs Bruder Eduard Strauss: „Wo man lacht und lebt“, eine reizende Schnellpolka. Pure Lebensfreude wird hier unter den Musikern spürbar, wo so mancher auch ins Schwitzen kommt. Besonders rasant, aber auf feine Genauigkeit achtend wird intoniert. Das synchrone Aufschwingen der Geigenbögen ist auch einen Blick wert.

Ein mit einigen rustikalen Motiven gespickter, sehr langer Walzer von Josef Strauss, die „Dorfschwalben aus Österreich“: Klarinetten (u.a. Daniel Ottensamer) und Oboen sowie Vogelgezwitscher sind hier sehr gefragt. Heftig bewegt, dann wieder im piano. Schön fließend und sanft legt sich die Melodie über die Instrumente, auch der Streichersatz kommt hier gut zur Geltung. Romantisch-verklärt und ländlich mit einem ernsthaften Einschlag ließe sich dieses Werk beschreiben, dem Josef Strauss richtiggehend (eigentlich für das Pianoforte komponiert) zu einem kleinen Meisterwerk verholfen hat. Auch eine Harfe hört man sehr gut heraus. Das Vogelgezwitscher kommt aber aus der Konserve und nicht aus der Natur, klarerweise. Interessante Apparationen werden dafür herangezogen, etwa eine Pfeife in Form eines Vogels.

Wieder eine sauber und trotzdem leidenschaftlich intonierte Schnellpolka „Vom Donaustrande“ von Johann Strauss Sohn. Einige Passagen erinnern fast an ein ganz leichtes Pizzicato, so fein sind sie gespielt. An einigen Stellen mit nobler Zurückhaltung, um dann wieder entfesselnden Klang zu bieten. Die Streicher (u.a. Erich Schagerl, Clemens Hellsberg) entlocken ihren Instrumenten hier besonders genau differenzierte Töne. An einen Strand erinnert dieses Werk aber eher nicht, auch nicht an Wellenrauschen. Möglicherweise gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen Titel und Werk.

Weiter geht es nach der Pause mit dem „Perpetuum mobile“, dem Musikalischen Scherz von Strauss Sohn. Das Fagott und die Oboe machen ihre Sache gut. und scherzweise schließlich von Maestro Mehta mit den Worten „et cetera, et cetera….“ abgebrochen. Das Publikum reagiert mit Applaus.

Der Accelerationen-Walzer von Strauss Sohn ist der Technik gewidmet von der die Strauss-Brüder ja sehr begeistert waren. Eduard und Josef aber mehr als Johann. Industrialisierung und Dampfmaschine: Dieses Werk klingt sanft und wenn man ganz genau das Orchester beobachtet, sieht man einen Geiger breit lächeln ob des lieblichen Tones, den er gerade spielt. In den oberen Reihen geben die Kontrabässe (u.a. Ödön Racz) alles. Dieser Walzer hat die Besonderheit, immer schneller zu werden und sich dadurch in den Weiten der Musik zu verlieren, man kann sich ein Tanzpaar vorstellen, das dazu immer schneller und schneller sich im Walzertakt dreht und sich quasi in den Augen des anderen verliert. Wer es weniger romantisch mag: Eine immer rascher in Bewegung kommende Maschine drängt sich als Denkfigur ob des Werkes auf.

Technisch geht es auch weiter: Mit der „Electro-magnetischen Polka“ von Johann Strauss Sohn. Am Anfang sehr leise und differenziert, geht es im Mittelteil schmissiger zu. Eine Denkfigur hierzu sind zwei sich anziehende und abstoßende Magneten.

Mit allerhand Gerätschaften, um auch monotone Geräusche zu erzeugen, macht man wieder bei Eduard Strauss „Mit Dampf“, einer Schnellpolka, Bekanntschaft. Da wird geraschelt, gedampft und herrlich musiziert. So schnell, dass man sich fast überschlägt.

Die Bewegung der Wellen imitiert schließlich der Walzer „An der Elbe“, ein langer, schöner Konzertwalzer. Dieser stammt von Johann Strauss Sohn. Dramatisch, fein.

Dem Dänen Hans Christian Lumbye, dem „Strauß des Nordens“, wird mit dem „Champagner-Galopp“ Rechnung getragen. Er wollte sich der Strauss-Dynastie musikalisch angleichen. Als kleines Bonmot serviert Zubin Mehta ausgewählten Musikern ein Glas des Schaumweins und gemeinsam wird es erhoben. Allerhand eigentümliche Apparaturen für den Klang werden auch hier verwendet. Eine kleine Gesangseinlage lassen die Wiener Philharmoniker nicht nehmen.

Die Studenten-Polka von Johann Strauss mit dem weit bekannten Motiv „Gaudeamus igitur“ folgt mit fröhlicher Weise. Der „Freiheits-Marsch“ von Strauss Vater, ist, nun ja, ein typischer Marsch. Aber nicht besonders „fesch“. Er hat recht leise Stellen.

Die allseits beliebte und bekannte „Annen-Polka“ (Strauss Sohn) widmet Zubin Mehta seiner Frau. Sie wird feingliedrig musiziert, aber nicht zu sehr aufgebauscht.

Nun der große Walzer mit Motiven aus der Operette „Wiener Blut“, „Wein, Weib und Gesang“. Sehr ausgedehnt, mit langsam getragenen, träumerischen Passagen, gewinnt er wenig an Schwung, aber hier ist das vollkommen in Ordnung.

Noch eine rasche Schnellpolka, dann ist auch schon der offizielle Teil (leider) beendet: Es folgt Eduard Strauss´ „Mit Chic!“, flott musiziert, ein selten gehörtes Kleinod.

Die „Üblichen Verdächtigen“ als Zugaben sind heuer nicht genug: Die „Explosions-Polka“, bei der vor allem die Trommel sich redlich müht. Am Ende gibt es einen großen Knall, und dickes Konfetti rieselt von der Decke des ehrwürdigen Musikvereinssaales. Eine gelungene Überraschung!

Donauwalzer (sehr schmelzend und fließend musiziert) und Radetzkymarsch (wobei Mehta das Applaudieren nach Rang getrennt bevorzugte) komplettieren das Konzert.

Der Goldene Musikvereinssaal war an diesem Vormittag mit üppigem Blumenschmuck der Wiener Stadtgärten (Anthurien, Rosen, Tulpen) versehen.

Ein Bravo allen Beteiligten! So fein akzentuiert musiziert!

-Martina Klinger-

 

 

 

 

 

 

Autumn Culture: CD-Vorstellung DOUBLE BASS FANTASY

Die CD „Double Bass Fantasy“ mit Aufnahmen von Ödön Rácz, ist 2013 bei Gramola erschienen. Auf dieser zeigt der Künstler die Klänge seines eindrucksvollen Musikinstrumentes. Rácz ist 1981 in Budapest geboren und nahm Unterricht bei einem Schüler Ludwig Streichers. Seit 2009 bekleidet er das Amt des Solo-Kontrabassisten der Wiener Philharmoniker, gibt Meisterkurse und Unterricht in Italien, Taiwan, China und im Rahmen der Salzburger Festspiele. Er ist auch Gründungsmitglied der „The Philharmonics“ rund um Frantisek Janoska.

12 spannende Tracks aus der Weltliteratur der Oper und der Klassik spielt Rácz auf dieser Scheibe. Die Wirkungskraft des Instrumentes, pur und natürlich, wird hervorgehoben. Bisweilen vom Klavier akkompaniert, ist der Kontrabass sehr dominant und bleibt dabei aber seiner Linie treu. Keine allzu übertriebenen Gangarten werden an den Tag gelegt. Purer Klang ist wichtig. Die Sonata Enigmata für Kontrabass Solo (op. 81 von Gottfried von Einem) kommt ordentlich in Schwung. Beim Allegro merkt man schon, welche Power dahinter steckt. Presto ist zweifellos aufwiegelnd und animierend. Allegro con brio, tja, wie es schon heißt. Dem entspricht es auch. Fein musiziert.

Einigen Fantasien wie zum Beispiel aus der Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ oder der „Beatrice-Tenda“ von Bottesini wird auf der CD schwärmerisch nachgegangen. Fantasia „Mose“ wirkt dagegen schon wieder sehr melancholisch.

Schön auch, nicht nur weil Teil der Weltliteratur, der „Hummelflug“ von Rimski-Korsakow.

Ödön Rácz ist Musiker mit Leib und Seele. Das merkt man beim Anhören sehr deutlich. Man spürt eine Empathie, eine Leidenschaft hinter den Arrangements.

 

-Martina Klinger-

 

Link:

http://www.gramola.at