Meterologisch kühl, musikalisch warm – Das Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker 2014

Schlosspark Schönbrunn. Wien                                                                                                              29. Mai 2014

NACHTKRITIK

Das traditionelle Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker. Das Wetter hat gehalten, so mancher Geigenbogen nicht ganz. Das Programm war gespickt von seltenen Raritäten und bekannten Klassikern. Die wetterfeste Überdachung ist klug, und der Dirigent  Christoph Eschenbach vom Orchester zurecht überzeugt. Aufgeführt wurden bei diesem Konzert die Komponisten Richard Strauss (150. Geburtstag in diesem Jahr), Hector Berlioz und Franz Liszt.

Le Carnaval romain. Ouvertüre caractéristique, op. 9, also eine vom römischen Karneval inspirierte Konzertouvertüre von Hector Berlioz, ist eine Seltenheit. Sie wird nicht oft, und schon gar nicht oft in Wien gespielt. Aber heute Abend war es soweit. Motive dieser Ouvertüre wurden aus Berlioz´ in Paris durchgefallener Oper „Benvenuto Cellini“ entlehnt. Die Konzertouvertüre hat in Wien deutlich mehr Anklang gefunden. Dem Sommernachtspublikum hat sie sehr gefallen, wie man am Applaus hören konnte.

Und über diese Ouvertüre gelangte man auch schon zur „Mazeppa“, einer symphonischen Dichtung von Franz Liszt. Diese ist fein nuanciert gehalten und wird von den Wiener Philharmonikern auch so interpretiert. Ziseliertes Spiel und feine Zurückhaltung, ja einer Dechiffrierung kommt diese Interpretation gleich. Das Publikum lauscht in der Kühle, die Philharmoniker halten sich sehr an „ihren“ Dirigenten, ein Blick hier, ein Blick da. Auf der riesigen Videoleinwand an der Seite ist Christoph Eschenbach mit Schwenkbewegungen zu sehen. Das Publikum will nicht nur entzückt lauschen, die Augen bewegen sich immer wieder fast im Takt hin und her.

Richard Strauss darf wieder gespielt werden, und zwar diesmal mit der „Burleske für Klavier und Orchester in d-Moll“. Die originelle Thematik wird bei diesem schwer zu spielenden Werk gut herausgearbeitet, Lang Lang als Gastsolist am Klavier macht sich zu schaffen. Es ist dies eines der „unspielbaren“ Werke, wie schon Bülow sich weigerte, es zu spielen. Aber an dem Abend ist es wiederum gelungen.

Die Ouvertüre zur Oper „Benvenuto Cellini“ folgt noch, quasi ein Nachtrag zu Berlioz. Das Einzige, was einer Ouvertüre gleichkommt. Qualitativ ist diese nicht fraglich. Das Wiener Publikum dankt es dem Orchester.

Ein klassisches Musikstück beschließt den offiziellen Teil des Konzertes: „Till Eulenspiegels lustige Streiche“ op. 28. Strauss meinte, dass zwei Themen „das Ganze in den verschiedensten Verkleidungen und Stimmungen wie Situationen durchziehen bis zur Katastrophe, wo Till aufgeknüpft wird“.

Dann noch ein Johann Strauss-Klassiker. „Wiener Blut“. Fein gespielt, ein Rosshaar am Geigenbogen hält es aber nicht aus und springt ab. Das ist deutlich sichtbar. Menschen tanzen in den Reihen, auch teils mit Rucksack, auch auf der Wiese. Energische Bewegungen vom Dirigenten zügeln die Musiker wieder im Übermut. Ein Lob an die energischen Geiger und Geigerinnen.

Und dann erbittet das Publikum quasi noch einen Nachschlag, ein Dessert sozusagen. Clemens Hellsberg, Vorstand der Wiener Philharmoniker, fragt per Mikrofon, ob man denn noch etwas spielen solle.

Das Publikum verlangt noch das „Dessert“. Es ist die „Furioso-Polka“ von Johann Strauss. Sehr wienerisch, sehr gut gespielt.

-Martina Klinger-