Die Schlossspiele Kobersdorf punkteten schon oft mit Inszenierungen von Nestroy-Klassikern. Bekanntlich darf es dabei immer ein wenig scharfzüngig zugehen, auch an Gesellschaftskritik wird nicht gespart.

2019 setzt man im traditionsreichen burgenländischen Festspielort auf den Charme des „Mädls aus der Vorstadt“. Die Nestroy-Posse in 3 Akten mit Gesang wurde 1842 uraufgeführt. Intendant Wolfgang Böck holt Beverly Blankenship, die erfahrene Regisseuse. Dieser gelingt eine durchaus schlüssige und runde Inszenierung. Die Geschichte wird mit der nötigen Empathie erzählt.

Ein findiger Geschäftsmann will sich mit Hilfe eines erfundenen Kassenbetrugs das Leben leichter machen. Aber damit bringt er nicht nur den fälschlich Beschuldigten, sondern auch dessen Tochter in Verruf. Sie arbeitet in der Vorstadt. Die Tochter hat einen Verehrer, der sich eigentlich schon einer reichen Witwe versprochen hat. Doch will er nicht mehr die Witwe, sondern die Tochter. Die Witwe ist dummerweise auch die Nichte des Geschäftsmanns. So entspinnt sich also ein Kreis, welchen der Privatdetektiv zu durchblicken versucht.

Das „Mädl aus der Vorstadt“ war einer der größten Publikumserfolge Nestroys. Die an Zufällen und Überraschungen reiche Komödie wurde gekrönt durch die Rolle, die sich Nestroy selbst auf den Leib geschrieben hat: Die des Privatdetektivs (Winkeladvokaten) Schnoferl.

Diese übernimmt in Kobersdorf der Chef Wolfgang Böck und geht mit Feuereifer an die Aufklärung der Wirrnisse. Nicht umsonst gibt es bei der Posse den Untertitel: „Ehrlich währt am längsten.“ Denn in diesem Stück ist selten jemand ganz ehrlich. Der Spekulant Kauz wird würdig porträtiert von Wolf Bachofner, eine gut aufgelegte und köstlich pikierte, amüsante Frau von Erbsenstein liefert Katharina Stemberger ab. Der Verehrer Herr von Gigl wird im besten Sinne als gefühlsduselig und dann auch energisch in Szene gesetzt von Markus Weitschacher (ein Talent). Michaela Schausberger mimt die Tochter des Spekulanten weitgehend brav.

Auch die kleineren Rollen können sich sehen lassen: Etwa stechen als die Näherinnen Laura Rauch, Sophie Gutstein und Sabrina Rupp heraus.

Die Kostümabteilung unter Gerti Rindler-Schantl hat ganze Arbeit geleistet: Pinker Plüsch und biedere Anzüge sind da in einem Atemzug zu sehen. Das passt zu Nestroy. Christopher Haritzer trägt als Musiker seinen Teil zum Ganzen bei und steuert damit ein Stück weit die Handlung. Beliebt war zur Uraufführungszeit etwa das Quodlibet zwischen Schnoferl und der Näherin Rosalie: „Singen kann der Mensch auf unzählige Arten.“

Ein sommerlicher Spaß voller Wirrungen.

Info:

Schloss-Spiele Kobersdorf

Stück 2019: „Das Mädl aus der Vorstadt“ von J. Nestroy

Karten unter: http://www.schlossspiele.com

Gespielt wird „Das Mädl aus der Vorstadt“ von 2. Juli bis 2. August (Zusatztermin wegen großer Nachfrage).

Es finden auch wieder die beliebten Bike- beziehungsweise Oldtimerfahrten gemeinsam mit dem Intendanten Böck zu den Vorstellungen in Kobersdorf statt. Die Termine sind der 13. Juli (Motorrad) und der 21. Juli (Oldtimer). Nähere Infos hierzu ebenso unter http://www.schlossspiele.com.