Theater

Die Spielzeit 2019/20 am Theater in der Josefstadt

Was bringen die Bretter, werden sie nicht bespielt? Akteure, kommt und unterhaltet uns. Auch die nächste Spielzeit will absolviert werden. Das weiß Herbert Föttinger als Theaterdirektor des Theaters in der Josefstadt nur zu gut. Er sprach über neue Stücke und Entwicklungen.

Theater in der Josefstadt – Im September (05.) feiert Heimito von Doderers „Die Strudelhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“ Premiere: Autor und Schauspieler Nicolaus Hagg bearbeitete den Stoff auch schon für die Festspiele Reichenau an der Rax. Hier stellt man sich die Frage, wo die Welt hingeht, wenn sie untergeht. Regie führt Janusz Kica. Die berühmte Wiener Stiege spielt natürlich auch eine Rolle. Spielen werden: Swintha Gersthofer, Alma Hasun, Pauline Knof, Silvia Meisterle, Alexander Absenger, Michael König (interessant nicht erst seit „Anatol“), Dominic Oley, Ulrich Reinthaller (wieder vom TV auf die Bühne), Roman Schmelzer, Matthias Franz Stein und Martin Vischer. Es ist eine Uraufführung.

Kammerspiele der Josefstadt – Ab 07. September werden „Die Migrantigen“ (Armin T. Riahi) ihre Meinungen vorbringen. Hier kann man verfolgen, wem es mit „Komparsenrollen in der vierten Reihe“ reicht. In der Regie von Sarantos Zervoulakos. Es spielen: Gioia Osthoff, Doris Schretzmayer, Martina Spitzer, Susanna Wiegand (zur Zeit noch als resolute Raumpflegerin in Schon Wieder Sonntag von Bob Larbey), Özaydin Akbaba, Jakob Elsenwenger, Tamim Fattal, Lupo Grujcic, Wilhelm Iben, Martin Niedermair und Luka Vlatkovic. Noch eine Uraufführung.

„Wir sind ein Ort der vielen Worte. Manchmal verschlägt es uns die Sprache.“ Das Spielzeitheft wird untermalt von kernigen und zum Nachdenken anregenden Statements.

Kammerspiele der Josefstadt – Ab 03. Oktober streitet man sich, liebt und erwartet ein Kind in „Der Vorname“ (M. Delaponte und A. de la Patelliere). Unter der Regie des Kammerspiele-erprobten Folke Braband spielen Michaela Klamminger (neuer Vertrag!), Susa Meyer, Michael Dangl, Marcus Bluhm und Oliver Rosskopf (eine ähnliche Personenzusammenstellung wie in Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza).

Theater in der Josefstadt – Am 10. Oktober feiert „Einen Jux will er sich machen“ (J.Nestroy) Premiere. Die Grenze zwischen Herrschaft und Knechtschaft wird ausgelotet. Der Stoff ist 177 Jahre alt. Vielleicht – oder sicher sogar – noch aktuell!? Nestroy- oder auch Raimund-Klassiker (wie aktuell noch „Der Bauer als Millionär“) karg, verstaubt und ohne viele Worte? Das kann man an der Josefstadt nicht sagen. Für eine moderne Überraschung wird auch hier gesorgt sein. Diese Posse mit Gesang wird Stephan Müller inszenieren, die Gesangstexte stammen hierbei von Thomas Arzt. Es spielen: Alexandra Krismer, Anna Laimanee, Therese Lohner, Elfriede Schlüsseleder, Martina Stilp, Robert Joseph Bartl, Oliver Huether, Paul Matic, Alexander Pschill, Julian Valerio Rehrl (neuer Vertrag!), Tobias Reinthaller, Alexander Strömer und Martin Zauner.

Theater in der Josefstadt – Der 07. November gehört einer Uraufführung mit dem Hausherrn Föttinger: In „Rosmersholm“ (U. Stengl nach Henrik Ibsen) feiert ER Premiere als Johannes Rosmer, der zwischen einem Grundkonflikt um Unvereinbarkeit von Überzeugungen seinen Weg geht. Die Regie übernimmt Elmar Goerden. Mit Herbert Föttinger u.a.

Kammerspiele der Josefstadt – Am 21. November gibt es eine deutschsprachige Erstaufführung einer legendären Aufführung: „Mord im Orientexpress“ (A. Christie / K. Ludwig – Bühnenbearbeitung) wo „Meisterdetektiv“ Poirot langsam die Verdächtigen ausgehen. Kann perfekt in die Spielstätte passen. Werner Sobotka führt Regie, die deutsche Übersetzung stammt von Michael Raab. Mitwirkende: Michaela Klamminger, Alexandra Krismer, Therese Lohner, Ulli Maier, Marianne Nentwich, Marcus Kofler, Paul Matic, Martin Niedermair, Johannes Seilern und Siegfried Walther.

Theater in der Josefstadt – Der 05. Dezember steht im Zeichen von Anton Tschechow. Eine aktuelle Zwangsversteigerung oder blühende Erinnerungen der Vergangenheit? „Der Kirschgarten“ gibt so manches Rätsel auf. An der Lösung werden in der Regie von Amelie Niermeyer Alma Hasun, Sona MacDonald, Silvia Meisterle, Gioia Osthoff, Alexander Absenger, Raphael von Bargen, Nikolaus Barton, Ian Fisher, Igor Karbus, Otto Schenk (Bemerkenswert: mit 88 Jahren!), Peter Scholz, Götz Schulte und Claudius von Stolzmann arbeiten.

Theater in der Josefstadt – 2020 – Der 30. Jänner gehört dem Ensemble von Arthur Schnitzlers „Zwischenspiel“. Die Erlaubnis zur ehelichen Untreue kann zu gesteigertem Selbstbewusstsein führen – eine gewagte These. An die Überprüfung dieser wagen sich im Rahmen des Stückes die folgenden mutigen Damen und Herren: Maria Köstlinger, Pauline Knof, Martina Stilp, Joseph Lorenz, Roman Schmelzer und Bernhard Schir. Regie führt Peter Wittenberg.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Am 06. Februar feiert „Engel der Dämmerung. Marlene Dietrich“ von T. Fischer und H. Schäfer Premiere. Mit Sona MacDonald u.a., in der Regie von Torsten Fischer.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Der 27. Februar steht im Zeichen von „Der Sohn“ von Florian Zeller. Was Jugendliche wollen und müssen, von Identitätsfindung und Umwelt bis zu Familienkonstellationen – alles dabei. Es handelt sich um eine österreichische Erstaufführung. Auch dabei sind die Mitwirkenden: Swintha Gersthofer, Susa Meyer, Marcus Bluhm, Martin Niedermair, Julian Valerio Rehrl. Die Regie übernimmt Stephanie Mohr.

Übrigens: „Wer sein Format verengt, sieht weniger.“

Theater in der Josefstadt – 2020 – Am 12. März findet das „Geheimnis einer Unbekannten“ (Christopher Hampton nach Stefan Zweig) – Uraufführung – den passenden Aufführungsort. Ein aufrüttelnder Brief, ein Manuskript gar, macht den Manne sehr nervös. Es spielen: Martina Ebm, Michael Dangl und Michael Schönborn. Regie führt Christopher Hampton selbst, Daniel Kehlmann sorgte für die deutsche Übersetzung.

Ach ja: „Man kann auch in schlechte Gesellschaft geraten, wenn man sich zu lange in der guten aufhält.“

Theater in der Josefstadt – 2020 – Musikalisch und geheimnisvoll wird es am 02. April mit „Das Konzert“ von Hermann Bahr. Wenn der Pianist sagt: „Ich habe ein Konzert“, dann weiß man wohl, was gemeint ist… Es geben sich darein: Herbert Föttinger, Sandra Cervik, Alma Hasun, Gioia Osthoff, Susanna Wiegand, Martin Vischer und Siegfried Walther. In der Regie von Janusz Kica.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Der 23. April widmet sich mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“ einem ernsten Thema: Können sich zwei Menschen, die sich bereits unspezifische Dinge vorwerfen, weil sie sich an nichts mehr erinnern können, noch mal von vorne anfangen? Alexander Kubelka versucht sich sensibel an dieses Thema heranzuwagen.

Theater in der Josefstadt – 2020 – Am 28. Mai feiert die letzte Aufführung in dieser Spielzeit Premiere. Es ist Thomas Bernhards „Ein Fest für Boris“. Ein sprachloser Mann ohne Beine, der von einer egozentrischen Dame gerettet wurde. Sie ist Witwe, ebenso verlor sie ihre Beine. Sie heiratet noch einmal. Mit den Gefühlen ihrer Pflegerin für diesen Mann hat sie aber nicht gerechnet… Regie führt Claus Peymann.

Die Spielzeit 2019/20 ist geprägt von Stücken mit zeitüberdauernden Aussagen, was Beständigkeit, Toleranz und Liebe betrifft. Auch der Umgang mit lebensverändernden Krankheiten und Beeinträchtigungen wird thematisiert.

Weitere Informationen und Kartenbestellungen:

http://www.josefstadt.org

Telefon: +43 1 42 700 300

Vom Wiener Volkstheater auf das ORF-Tanzparkett: Michael Schottenberg versucht sich als Tänzer

Michael Schottenberg als ehemaliger Direktor des Wiener Volkstheaters brachte viele Erfolgsstücke auf die Bühne. Selbst spielen, das wollte er eher selten. Als er seinen Beruf aufgab, zog er los in die weite Welt und berichtete von seinen Reiseerlebnissen. Nun ist „Schotti“ zurück und will sich einem neuen Aufgabengebiet widmen.

Der 1952 in Wien geborene Schauspieler, Intendant und Autor prägte lange Jahre das Wiener Kulturleben. Manchen gefiel das, manche echauffierten sich auch über einige seiner Entscheidungen.

Er entschied sich aber, auch was anderes in seinem Leben auszuprobieren. Gerne wollte er die Welt entdecken und fing an, seine Leidenschaft auch in Reisetagebüchern zu dokumentieren. Er nannte ein Werk „Von der Bühne in die Welt: Unterwegs in Vietnam“ (Amalthea Verlag) und ein anderes „Von neuen Welten und Abenteuern: Unterwegs in Burma“ (ebenso Amalthea). Kleidung, ein Rucksack und ein Notizbuch waren ihm dabei genug.

Michael Schottenberg ist vielseitig interessiert. Vielleicht konnte er in seiner Rolle als Theaterdirektor nur eine Seite seiner Interessen oder seines Könnens zeigen?

Nun ist es an der Zeit, in den „berühmten“ ORF-Ballroom zu steigen, sich ein Tänzer-Outfit überzuwerfen und sich mit der Tanzpartnerin auf die erste Show vorzubereiten, denn: Michael Schottenberg ist aktuell Teilnehmer der Tanzshow „Dancing Stars“ 2019 im österreichischen Fernsehen.

Info:

Reisetagebuch von M.Schottenberg: http://www.schottisreisetagebuch.at

Bücher: http://www.amalthea.at

„Dancing Stars“ – Staffel 2019: Ab 15. März, jeweils FR, ORF I, 20:15

NEUES von…Miguel Herz-Kestranek

Der beliebte Schauspieler (auch vielen Menschen bekannt als Fernseh-Gesicht) gastiert diesen Sommer wieder einmal bei den Festspielen Reichenau an der Rax. Dort ist er in der kabarettistischen Revue „Schau´n Sie sich das an!“ neben Peter Matic und Nicolaus Hagg zu sehen. Selbst sagt er über dieses Kabarett: „Es soll eine schmissige, niveauvoll unterhaltende Pointenmischung aus Altbekanntem und Unbekanntem werden, wobei auch Nummern aus dem 1988-Programm dabei sein werden“. Kestranek und Hagg haben das Programm zusammengestellt.

Info:

http://www.festspiele-reichenau.com/farkas

JosefStadtgespräch mit Alexandra Krismer und Harald Serafin

In der Reihe „JosefStadtgespräche“ am Theater in der Josefstadt (Sträusselsäle) – immer gut besucht – drehte sich diesmal vieles um Bob Larbey, den britischen Autor der Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“. Aus diesem Anlass hatte ORF-Kulturredakteurin Eva-Maria Klinger zwei bekannte Schauspieler zur Matinee eingeladen.

Im Stück, das immer wieder vor ausverkauftem Haus stattfindet, geht es um zwei Bekannte im Altersheim. Einer hat körperliche Beschwerden, der andere kann sich nichts mehr merken und „schwächelt“ geistig. „Wir dürfen keine Zombies werden.“, so ein Satz. Zweifelsfrei ist es mit zwei so anspruchsvollen Rollen kein leichtes Unterfangen, eine Geschichte auf die Bühne zu bringen. Die beiden Hauptrollen im Stück spielen Otto Schenk und Harald Serafin, die Tochter von Otto Schenk auf der Bühne ist Alexandra Krismer. Die Bühnenkollegen sprachen in teils amüsantem, teils ernstem Ton über die Herausforderungen und die schönen Momente des Werkes und des Berufes.

Alexandra Krismer, die die Tochter des körperlich gebrechlichen Cooper (Otto Schenk) spielt, meint, es sei immer Teamarbeit, ein solches Stück auf die Bühne zu „stellen“. „Es kann nicht einer kommen und sagen, er ist Otto Schenk und trägt das Stück.“ Er muss die Rolle authentisch verkörpern, darum geht es. Auch verriet die gebürtige Innsbruckerin ein  dass Schenk in einer Szene, in der er auf den Boden fällt und dort liegen bleibt, seinen Mitspielern immer den Tipp gebe, jetzt nichts zu sagen, das sei ein Lacher.

Auch der Souffleur ist ein immer wieder stark beanspruchter Kollege im Theaterbetrieb. Er muss an einem Vorstellungsabend Großartiges leisten. Krismer absolvierte die Schauspielschule und ihr Traum war es schon immer, Schauspielerin zu werden. Genauso wie der Traum ihres sehr populären Bühnenkollegen Harald Serafin, der immer schon wusste, dass er Sänger und nicht Arzt (nach dem Wunsch der Eltern) werden wollte. Um ein Haar wäre es anders gekommen, bis er im OP ohnmächtig wurde, weil er kein Blut sehen konnte. Er setzte sich gegen die Eltern durch: Er sagte sogar seinem Vater, der mit der Bahn angereist war, um ihn zu überreden, in den elterlichen Textil-Betrieb einzusteigen: „Hast Du eine Rückfahrkarte? Dann gebrauch´ sie auch!“

Otto Schenk war am Opernhaus Zürich sein großer Mentor, den er lobend und bewundernd erwähnt. Er suchte damals für die Produktion der „Fledermaus“ von Johann Strauss einen (Gabriel von) Eisenstein, und fand ihn in Harald Serafin. Doch Otto Schenk war ein strenger Regisseur. Er triezte ihn und jeder Handgriff, jede Bewegung und jeder Ton musste nach seinen Vorstellungen sitzen.

Wie ist das für die beiden, auf der Bühne den Traumberuf ausüben zu können?

Alexandra Krismer betonte: „Seit dem Kindergarten, als ich als Maria im Krippenspiel auf der kleinen Bühne gestanden bin, will ich das tun. Da gab es so ein Strahlen, so einen Moment!“ Serafin meinte: „Der Drang zum Singen ist bei mir immer da! Ich singe überall. Ich singe beim Rasieren, im Bad, nur beim Zähneputzen geht das nicht! Es muss lebenswichtig werden, zu singen und tief in den Bauch die Stimme zu lassen!“ Auch Krismer bestätigte: „Jedes Mal, wenn ich vor Vorstellungsbeginn an seiner (Serafins) Garderobe vorbeigehe, höre ich lautes Singen, das gefällt mir sehr!“ Eva-Maria Klinger: „Er singt sich also ein für die Sprechrolle!“ Einen Mann zu spielen, der an Demenz erkrankt ist, ist für den lebensfrohen und fitten Serafin nicht leicht. Aber für seine leisen Töne wurde er sehr gelobt.

Auch persönliche Krisen waren Thema: Alexandra Krismer erlebte eine solche, als sie viele Jahre nicht mehr auf der Bühne stand. Die Münchner Kammerspiele sowie das Residenztheater waren ihr künstlerisches Zuhause, bis sie merkte, dass nichts mehr stimmte. Personell war nichts mehr im Reinen. Als sie zurückkehrte nach Österreich, kam sie an die Josefstadt. Spielfreude erlebte sie wieder in großem Maß.

Harald Serafin erholte sich nur langsam von einer Operation (Stimmbandkarzinom). Bei der „Nacht in Venedig“ 1989 merkte er, dass mit der Stimme etwas nicht in Ordnung war. Eine „Strafe“ und wie ein beruflicher Gau für einen Sänger. Er konnte nach der OP kaum hauchen. Felix Dvorak holte ihn für die Thoma-Komödie „Moral“ erstmals nach Berndorf zu den Festspielen, wo er mit Erfolg seine erste Sprechrolle hatte. Er versteht es wohl wie kein anderer, ein Schicksal zum Glück zu drehen.

Serafin erklärte: „Ich finde das Soziale gut und lustig, wie die Menschen miteinander umgehen, wie man sie packen muss.“ Er sei immer ein „Lächler“ gewesen, böse zu schauen vertreibt Kunden, so hatte schon seine Mutter gesagt. Man müsse „offen bleiben und sich immer umschauen, nach Managern, Sponsoren, Leuten, die einem helfen können“. Damit habe er nie ein Problem gehabt, auch nicht wenn es darum ging, auf Messen für „seine“ Seefestspiele Mörbisch zu werben, welche er 1993 übernommen hat. Gesanglich folgte operationsbedingt eine lange Pause, erst im Jahr 2001 stand er wieder in der Rolle des „Grafen von Lichtenfels“ im Land des Lächelns (Lehár) auf dieser Bühne.

Krismer aber sagte: „Ich könnte das nie. Ich bin eine zurückhaltende Person, ich würde nie laut rufen oder Ähnliches. Ich bin von Herzen gerne Schauspielerin, es ist einfach toll, sich in eine andere Rolle zu versetzen. In einen anderen Menschen hinein-hüpfen zu können, Abend für Abend!“ Auch von der psychologischen Seite her. Ein spannender Kontrast, wie sie die Divergenz zwischen zurückhaltender Privatperson und exaltierter Bühnenpersönlichkeit füllt. Auf der Bühne hat sie keine Schwierigkeiten mit Lautstärke und Extraversion. Das sieht man nicht nur in „Schon wieder Sonntag“, sondern auch in „Terror“ (F. von Schirach), wo sie den bedeutungsschweren Satz zu sagen hat: „Es ist nicht meine Aufgabe, Befehle zu hinterfragen!“. Mit diesem täte sie sich schwer, sagte sie.

Alexandra Krismer hat für die Zukunft auch Pläne abseits des Theaters: Sie möchte gerne in ein Land gehen, wo man eine andere Sprache spricht. Und zwar Englisch. Zum Film zu gehen, würde sie auch reizen. Sie weiß nicht, ob sie ihre ganze Karriere nur dem Theater widmen wird.

Serafin möchte sich wieder dem Lesen und auch dem Gesang zuwenden.

Harald Serafin als Aylott und Alexandra Krismer als Julia sind in Bob Larbeys Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“ (der letzten Regiearbeit des verstorbenen Helmuth Lohner) in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt aktuell zu sehen. Mit dem begehrten und fast immer ausverkauften Stück gehen sie auch in die nächste Spielsaison.

 

Info:

Homepage der Josefstadt

http://www.josefstadt.org

 

 

 

 

B wie Buntgemischt – Jahresabschlusskonzert des Kreuzberger Musikvereins im Theater Reichenau.

 

 

Jährlich gibt sich der Kreuzberger Musikverein die Ehre und lädt Gäste ins Theater Reichenau ein, um das Jahresabschlusskonzert zu zelebrieren. Im heurigen Jahr wurden auch einige Ehrengäste geehrt, sowie langgediente Musiker.

Das Konzert unter dem langgedienten Kapellmeister Franz Stranz (über 30 Jahre) begann mit dem 1. Teil. Alt-Österreich kam zu Ehren mit dem Marsch „Unter dem Doppeladler“ von Josef Franz Wagner. Der mit der Moderation betraute Dr. Christoph Kainz (stv. Vorsitzender des Kuratoriums des Zukunftsfonds Österreich) verlor immer wieder kundige Worte über das kommende Stück.

Zur Ouvertüre der Oper „Il finto Stanislao“ von Verdi („Un giorno di Regno“) – „König für einen Tag oder Der falsche Stanislaus“ gab es einiges anzumerken: Zufolge einer unzulänglich studierten Erstaufführung, und nicht zwingend der mangelnden Kompositionskunst Verdis, fiel diese Oper beim Publikum durch. Der Chevalier Belfiore soll für eine kurze Zeit in die Rolle des Stanislaus Leszczynski (abgesetzter König von Polen) schlüpfen, damit der echte aus dem Exil nach Polen zurückkehren kann. Dadurch ist er „König für einen Tag“.

Der allseits bekannte Bedric (der Frederic, wie er „eingedeutscht“ hieß) Smetana war ebenso nicht frei von Kritik, als er sein doch sehr populäres Werk „Die verkaufte Braut“ schrieb. Er soll abgeschrieben haben, sogar von Richard Wagner. Bewahrheitet haben sich diese Gerüchte aber nicht. Vom Kreuzberger Musikverein, der sich zu diesem Zwecke auch sehr feinen Klängen widmet, hörte man die „Polka“, das „Finale“ und den „Springtanz“.

Dr. Kainz fachsimpelte inzwischen auch über die böhmische und die österreichische Küche („Ist sie nicht quasi dieselbe?“) Er selbst, fügte er schmunzelnd hinzu, könne „nicht kochen und sei froh darum, denn: Bei ihm würden Kaiserschmarrn und Powidl-Tatschkerl immer nur staubtrocken auf dem Teller landen.“

Um das Land Slowenien zu ehren, wurde die symphonische – und sehr wohlklingende – Ouvertüre „Slovenia“ von Alfred Bösendorfer komponiert. Die Musiker des MV Kreuzberg intonierten auch diese mit einer gewissen Portion Verve und einer großen Ernsthaftigkeit.

Ein deutscher Militärmarsch folgte schließlich noch zum Abschluss des ersten Teiles: „Hoch Heidecksburg“,  von R. Herzer, dessen Melodie sehr eingängig und auch manchen Fernsehzusehern von einem gewissen Herrn Silbereisen geläufig ist…“Hallo, wie geht´s euch?“

Dem scheidenden Bürgermeister des Kurorts Reichenau an der Rax, Nationalrat a. D. Hans Ledolter, wurde mit der Fördernadel in Gold des NÖ Blasmusikverbandes Tribut gezollt.

Im zweiten Teil des gut besuchten Konzerts begaben sich die Mitglieder des MV auf eine Fantasiereise durch das „Wunderland“ mit der lieben Alice. Komponiert von Sammy Fain, ist dieses Stück auch gewissermaßen eine Hommage an die Märchen von früher.

Sehr pariserische und Musical-Klänge werden mit „The Phantom of the Opera“ von A.L.Webber (Medley) laut. Dr. Kainz brachte hier den Originalschauplatz, die Oper Garnier in Paris ins Spiel. Diese verfügt über eine unterirdische Wasseransammlung, auch „geheimer See“ genannt. Gelegentlich muss diese abgepumpt werden.

Modern Times brechen an mit „The Best of Falco“ in einem Arrangement von Stefano Conte. Rock me Amadeus, auch ausgerufen, das haben die Musiker bereits verinnerlicht. Der Sound muss hier angepasst werden, rockiger soll es klingen, Wolfgang Floner entert die Bühne und übernimmt das Dirigat.

Ein ganz liebliches „Stückerl“ Geschichte folgt mit der „Sternen Polka“ von F. Manas.

Am Ende zeigen sich die Mitglieder des MV ganz traditionell, und mit den Marketenderinnen an ihrer Seite singen sie und spielen sie ihren „Kreuzberger-Marsch“, komponiert von Ehrenkapellmeister Leo Perner. Es kamen noch etliche Zugaben dazu, gefordert vom enthusiastischen Publikum.

 

 

 

NEUES von…Hilde Dalik

 

Die Schauspielerin Hilde Dalik ist bereits seit 2006 Ensemblemitglied am Theater in der Josefstadt. In Film und Fernsehen ist sie ebenso öfters zu bewundern. Ganz aktuell spielt die Wienerin in den Kammerspielen der Josefstadt die Rolle der Krankenschwester Wilson in Bob Larbeys Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“.

Schnelle theatralische Tipps an Silvester

Traditionelle Operette: „Die Fledermaus“ an der Wiener Staatsoper, mit KS Michael Schade, Daniela Fally, Clemens Unterreiner, Peter Simonischek + Überraschungsgast (auch live am Karajanplatz per Leinwand).

Vorstellung:  19:00 – 22:30 Uhr

Mehr Informationen: http://www.wiener-staatsoper.at

(Anm.: Laut eigener Recherche sind noch insgesamt 3 Plätze frei, Kartenpreis zwischen 181 und 250 Euro)

Unterhaltsamer Grandseigneur: „Mit Humor ins Neue Jahr, Otto Schenk rezitiert, parodiert, dirigiert“ im Wiener MQ (Museumsquartier), von ihm stammt übrigens auch die obige Inszenierung!

Vorstellung: 18:00 Uhr, Halle E

Mehr Informationen: http://www.mqw.at

Historisches Musical: „Schikaneder“ im Raimund Theater Wien, mit Mark Seibert und Milica Jovanovic.

Vorstellungen: 15:00 und 19:30 Uhr

Mehr Informationen: http://www.musicalvienna.at

Exotisches Musical: „Chess – Das Musical“ an der Oper Graz, mit Marc Lamberty und Annemieke Van Dam.

Vorstellung: 18:00 – 20:30 Uhr

Mehr Informationen: http://www.oper-graz.com

– Tragische Liebesgeschichte: „Das Land des Lächelns“ am Stadttheater Klagenfurt, mit Robin Kim, Erwin Belakowitsch

Vorstellung: 19:30 Uhr

Mehr Informationen: http://www.stadttheater-klagenfurt.at

Nestroy-Fest: „Das Mädl aus der Vorstadt“ in Doppelvorstellung im Theater in der Josefstadt, mit Martin Zauner, Michou Friesz

Vorstellungen: 15:00-17:15 Uhr und 20:00 bis 22:15 Uhr

Mehr Informationen: http://www.josefstadt.org

 

Grandioses Silvesterfeuerwerk

 

 

Gerald Pichowetz über seine Pläne zu den Seefestspielen Mörbisch ab 2018

 

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Gerald Pichowetz wurde als neuer Intendant der Seefestspiele Mörbisch ab 2018 vorgestellt. (c) Seefestspiele Mörbisch

 

Schauspieler Gerald Pichowetz, der ab der Saison 2018 für die Geschicke der Seefestspiele Mörbisch verantwortlich sein wird und somit Kammersängerin Dagmar Schellenberger ablösen wird, war in der auf ORF III ausgestrahlten Sendung „Kultur Heute“ bei Ani Gülgün-Mayr zu Gast und sprach über Zukunftspläne, die noch wenig erahnen lassen.

Pichowetz sei erst „erschrocken“ gewesen, wie viele Leute seit der Ära Schellenberger Mörbisch (sprich die Festspiele) nicht besucht hätten. Wo er hinkam, sagten ihm Menschen, dass sie nun „wieder hingehen“ würden, seit er bestellt worden sei.

Es war für viele eine überraschende Entscheidung, (Dagmar Schellenberger hatte sich „selbstverständlich“ wieder beworben und somit einem neuerlichen Auswahlverfahren gestellt, da ihr Vertrag für 5 Jahre fixiert war), für manche war eine Änderung ein „notwendiger“ Schritt, denn die stetig sinkenden Besucherzahlen (zuletzt „nur“ noch ca. 102.000 BesucherInnen) wären ein Faktum, über das auch die neue Intendantin nicht einfach hinwegsehen konnte. Es mag dies mehrheitlich an der wirtschaftlichen Lage gelegen sein, aber auch zunehmend Konkurrenzangebote würden den Operetten-Festspielen im Burgenland zu schaffen machen. (Man denke an das Felsentheater Fertörakos, das ebenfalls Operette bietet, vergleichsweise aber klein ist). Letztlich muss aber auch von der künstlerischen Seite her irgendetwas schief gelaufen sein, sei es besetzungstechnisch gewesen, oder aber auch von der Gesamtqualität der Aufführungen her, das wird man nicht erfahren.

Pichowetz versprach jedenfalls „wieder einen starken Österreich-Bezug mit hauptsächlich österreichischen SängerInnen, die aber noch zusagen müssten“. Er könne beziehungsweise wolle noch nichts Konkretes verraten. Vermutlich wird er einen Klassiker der Operettenliteratur auf den Spielplan setzen und diesen modern adaptieren. Vor zu viel Moderne sei jedoch wiederum gewarnt, denn das Publikum schätzt in Mörbisch Tradition und Gute-Laune-Unterhaltung, sprich den österreichischen Schmäh.

Gerald Pichowetz wolle „mit allen Gespräche“ führen und sich inspirieren lassen, er erwähnte, er wolle sich auch Tipps vom Mörbisch-„Guru“ (Anm.: Kammersänger Harald Serafin, war von 1993-2012 Intendant der Seefestspiele) holen.

Gerald Pichowetz ist ein erfahrener und belesener Theater-Mensch, leitet aktuell das Gloria-Theater in Wien, wo er auch regelmäßig selbst auftritt. Hier würden das die Menschen erwarten, doch künftig in Mörbisch wolle er sich auf seine Rolle als Intendant konzentrieren, und nur Rollen auf der Bühne annehmen, wenn es „wirklich eine gäbe, für die er gebraucht würde“.

Anders als seine beiden Vorgänger ist Pichowetz kein Sänger, und kann somit auch keine Gesangspartien übernehmen, so wie Serafin und Schellenberger. Serafin etwa sang und spielte während seiner 20-jährigen Mörbisch-Laufbahn den Grafen von Lichtenfels im „Land des Lächelns“, den Fürsten von und zu Lippert-Weylersheim in der „Csárdásfürstin“, und zwei Jahre darauf in der „Gräfin Mariza“(2004) standen Serafin und Schellenberger sogar gemeinsam auf der Bühne, als Fürst Moritz Dragomir Populescu und Mariza. Da ahnte noch niemand, dass sie ihm einmal als Intendantin nachfolgen würde. Weiter ging es mit dem Baron Zeta in der „Lustigen Witwe“, dem Fürsten Basil Basilowitsch im „Graf von Luxemburg“, dem Fürsten Ypsheim-Gindelbach in „Wiener Blut“, außerdem verkörperte er noch den Kaiser im „Weißen Rössl“, den Oberst Pickering in „My fair Lady“, den Großfürst im „Zarewitsch“, den Sittenkommissär Conte Carnero im „Zigeunerbaron“, und zu guter Letzt den Gefängnisdirektor Frank in der „Fledermaus“. Dagmar Schellenberger sang und spielte ab 2013 etwa die Golde in „Anatevka“, die Barbara in „Nacht in Venedig“ und die Titelheldin Viktoria in „Viktoria und ihr Husar“. Das wirft naturgemäß die Frage auf, ob Mörbisch per se einen Intendanten/eine Intendantin verlangt, der/die auch künstlerisch mitwirkt.

Wie erwähnt, kommt Pichowetz nicht vom Gesang, kann aber das Ruder mit Komödiantik in die Hand nehmen. Das eine oder andere Mal wird er bestimmt auf der Bühne stehen. (Als Frosch in der „Fledermaus“ feierte er Erfolge). Er freut sich auf seine neue Aufgabe und sei „sehr glücklich“. Dagmar Schellenberger jedenfalls bereits jetzt einen Abschiedskuss zu geben, ist nicht angebracht, denn die Saison 2017 wird sie mit dem „Vogelhändler“ zu einem Klassik-Feuerwerk machen.

 

„Pschillerndes“ Wagnis: Neues Theater „Bronski und Grünberg“

 

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(c) Bronski & Grünberg, Wien

 

 

1090 Wien

Der Schauspieler Alexander Pschill und sein „Team“, bestehend aus Kaja Dymnicki, Julia Edtmeier und Salka Weber, alles profunde Darstellerinnen, wollen in Zeiten wie diesen, wo der Rotstift überall angesetzt wird, etwas Neues wagen: Sie erschaffen in den Räumlichkeiten des alten Vienna International Theatre in der Porzellangasse 8 in Wien-Alsergrund das Theater „Bronski & Grünberg“.

Benannt ist dieses kleine Theater nach den Figuren aus Ernst Lubitschs Kultfilm „Sein oder Nichtsein“. Und über dieses Sein oder Nichtsein wird bald auch entschieden werden. Schon im November öffnet das Theater, das 70 Personen Platz bietet, seine Pforten mit der Eröffnungspremiere „Dracula“ (frei nach Bram Stroker). Die Regie „teilen“ sich Kaja Dymnicki und Alexander Pschill. Es spielen Alexander Jagsch (bekannt aus vielen Rollen am Volkstheater und der Josefstadt sowie TV-Rollen) und Claudia Kottal (bekannt als TV-Kommissarin).

Das Theater ist eine Art „Guerilla“-Projekt, es wird nur 1 wandelbares Bühnenbild geben, es wird „frei von Trends & Traditionen“ gespielt. Sehr spannend!

Tickets gibt es ab 24 Euro, der Verkauf findet über Wien Ticket statt.

Auch ein Gratis Print-at-home-Service wird angeboten (man kann die Theaterkarten nach Bezahlung zuhause ausdrucken).

 

Info:

Theater Bronski & Grünberg

Porzellangasse 8

1090 Wien

Eröffnungspremiere 9. Nov. 16: „Dracula“ (Bram Stroker), Mit Alexander Jagsch

Karten: wien-ticket.at, print at home möglich

Webseite: http://www.bronski-grünberg.at

 

 

 

 

Kultur hat ihren Preis…

Ein weiteres Mini-Philosophikum: Natürlich ist bekannt, dass die wirtschaftliche Lage immer schwieriger geworden ist. An jedem Eck´ und End´ wird gespart. Nicht nur beim Kauf von Lebensmitteln, nicht nur bei Kleidung, Urlauben, PKWs, Spielzeug und so weiter. Wir alle wissen, dass alles immer teurer und weniger wird. Auch bei der Kultur wird immer öfter „der Rotstift angesetzt“. Doch kann die Kultur so in dieser „Sparkultur“ noch weiter ihre Qualität wahren? Eine umstrittene wie heikle Frage.

Was sagt es über die Lage aus, wenn zum Beispiel Theaterkarten um „Minus 20 Prozent“ angepriesen werden, und das schon auch von namhaften Theatern? Will man es sich in Zukunft überhaupt noch leisten, einen Abend im Theater/in der Oper/im Ballett zu verbringen? Auf der Bühne muss schon manchmal jeder Euro umgedreht werden. Ein Frühbucherrabatt bei Festivals ist schon Usus. Aber wenn es einen bedenklich großen Rabatt auf Karten gibt, sollte es einem zu denken geben.

Häuser haben bereits einen „Struggle“ um das Publikum, bieten Sonderaktionen und günstige Abonnements für mehrere Stücke an. Man muss diese Seite verstehen, das ist eine logische Reaktion auf Besucherschwund und mangelndes Interesse (aus finanziellen Gründen). Die Menschen verzichten, wenn das Budget knapp ist, am ehesten auf „Luxusausgaben“ wie den Theaterbesuch, der einen für einen Abend aus der Routine und Lethargie des Alltags bringen soll. Aber die Kosten, sollen auch „in mind“ bleiben. Denn für „gute“ Plätze zahlt man schon einmal 50€ und mehr. Studenten, die ohnehin immer knapp bei Kasse sind, werden mit Aktionen wie „um 5 Euro ins Theater“ angelockt. Ein faires Angebot. Garderobenabgaben und inkludierte Renovierungsbeiträge sind an so manchen Institutionen aber auch keine Seltenheit.

Es müssen auch die Kosten für die Produktion an sich, für die Besetzung, Instandhaltung des Theaters, und so weiter gerechnet werden.

Eines muss ebenso klar sein: Die große „goldene“ Zeit der ausverkauften Häuser scheint ein für alle Mal vorbei zu sein. Wenn Häuser allerdings gezwungen sind, immer günstigere Kartenpreise anzubieten, kann das Abstriche bedeuten. Private Geldgeber, sprich Sponsoren, werden für Häuser immer beliebter, wenn Firmen als Sponsoren abspringen.