Sommerbühne #6: Salzburger Jedermann von H. von Hofmannsthal

Kaum ein traditionsreicheres Schauspiel gibt es als dieses: Das Sterben des reichen Mannes. Wer Jedermann denkt, denkt Salzburg. Wer Jedermann denkt, denkt an den gedeckten Tisch. Das Stück präsentiert sich reichlich variabel, allen zum Trotz. Eine Entwicklung hat es zweifelsfrei durchgemacht.

Schell, Jürgens, Berger, Hörbiger (Attila, Christiane), Lohner, Simonischek, Ferres, Reinsperger, Obonya, Moretti, Hochmair, Hobmeier, Minichmeyer, das sind klingende Namen sowie neue Impulse in den Ohren der Theaterfans. Sie alle verbindet, dass sie im Spiel vom Sterben des reichen Mannes mitgewirkt haben.

Im Jahr 2019 füllen Tobias Moretti als Jedermann und die „Neue“ Valery Tscheplanowa, gebürtige Russin, als Buhlschaft die Rollen aus. Sie spricht von der Rolle als Auftritt und bringt frischen Wind mit. Das ist auch nötig, wenn das Stück bereits im Jahre 1911 im Berliner Zirkus Schumann uraufgeführt wurde, damals in der Regie von niemand Geringerem als Max Reinhardt. An das Seminar desselben Namensgebers drängen angehende SchauspielerInnen und RegisseurInnen. Die Aufnahmeprüfung ist hart, die Selektion durch die Ausführenden auch. Darüber müssen die DarstellerInnen des Jedermann nicht mehr diskutieren.

Michael Sturminger, renommierter Regisseur und an Oper und Theater gefragt, inszeniert den „Jedermann“ im 3. Jahr. Progressiver, aggressiver geht es zu. Die Kostüme von Renate Martin verleihen ein stellenweise braves Bild, geschniegelt im Anzug der Jedermann Moretti und sein Gesell (auch sein Bruder: Gregor Bloeb), der auch als Teufel im Einsatz ist. Hier weniger brav und eher im Musical-Stil.

Moretti agiert scharf, zieht und packt zu, reagiert impulsiv. Lebensfroh, erfüllt und sterbenselend liegen in seiner Interpretation nah beieinander. Tscheplanowa im Hosenanzug in heller Farbe (moderner: Jumpsuit) ist eine starke Partnerin, mimisch ausdrucksstark. Auch eine Gesangseinlage für die Buhlschaft ist neu. Schmusen auf der Bühne? Darf für die beiden kein Problem sein. Aggressiv wirkt das.

Peter Lohmeyer als Tod, Mavie Hörbiger als Werke, der sehr gute Falk Rockstroh als neuer Glaube, Edith Clever als Jedermanns Mutter, Martina Stilp und Michael Masula als Schuldknecht-Paar sind mit von der Partie. Dicke und dünne Vetter gibt es in Form von Björn Meyer und Tino Hillebrand. Als Mammon fungiert Christoph Franken. Helmut Mooshammer hat sich schon an die Stelle von Johannes Silberschneider als armer Nachbar gesetzt, und Markus Kofler ist der Koch.

Die musikalische Leitung der Streicher liegt bei Jaime Wolfson. Der Jedermann: „Ein singulärer Vorgang im deutschen Theater“, so heißt es vonseiten der Salzburger Festspiele. Die sich um dessen Auslastung wohl keine Sorgen machen müssen. Die 14 Vorstellungen auf dem Salzburger Domplatz sind allesamt ausverkauft.

Info:

JEDERMANN – H. von Hofmannsthal – Salzburger Festspiele 2019

Regie: Michael Sturminger

Aufführungen: von 20. Juli bis 28. August auf dem Salzburger Domplatz, bei Schlechtwetter im Großen Festspielhaus.

http://www.salzburgerfestspiele.at

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