Jedermann

Salzburg: „Jedermann“ Tobias Moretti fällt aus, Philipp Hochmair übernimmt

Mime Tobias Moretti kann nicht wie geplant auf dem Salzburger Domplatz das Spiel vom Sterben des reichen Mannes mitspielen. Er ist plötzlich erkrankt.

Tobias Moretti, der neue „Jedermann“ der Salzburger Festspiele, sollte kommenden Samstag an der Seite von Stefanie Reinsperger als Buhlschaft wieder auftreten. Aber dazu wird es nicht kommen. Er leidet an einer aggressiven Lungenentzündung, die es unmöglich macht, zu spielen. Wie lange der Mime ausfallen wird, kann auch bei den Salzburger Festspielen niemand beantworten. Denn: Es kommt auf den Krankheitsverlauf an.

Alle gekauften Karten behalten laut der Festspielleitung ihre Gültigkeit. Statt Tobias Moretti wird nun ein „Slightly Jedermann-Erfahrener“ kurzfristig einspringen: Fernseh- und Theaterschauspieler sowie Unikum Philipp Hochmair, der beim Young Directors Project 2013 in Salzburg eine Solo-Version des „Jedermann“ präsentierte.

Gute Besserung an Tobias Moretti und ToiToiToi an Philipp Hochmair für das Debüt.

 

Sommerstück (9): Domplatz in neuem „Gewand“. Farbenlehre und der Zugang zum Sterben – der neue JEDERMANN in Salzburg

 

Vielleicht das meist-erwartete Stück dieses Sommers in Salzburg: Der neue JEDERMANN. Alles neu, alles innovativ. Nicht jeder und jede konnte von diesem erstmaligen Konzept allerdings überzeugt werden. Hofmannsthal 2017 sieht naturgemäß etwas anders aus als jene Interpretation des Gründungsjahres. Sicher liegt das nicht nur an der neuen Düsterkeit. Bühne anders, Darsteller anders, alles anders?

Der Film- und Fernsehstar und Theaterdarsteller Tobias Moretti (wer in Österreich hat noch nichts von ihm gehört…Die Kommissar-Rex-Zeiten sind aber definitiv vorbei) ist der antizipierte, mit Spannung erwartete neue Jedermann im Jahr eins nach Obonya. Dieser Mann weiß definitiv, worauf er sich eingelassen hat. Ein wenig Unsicherheit und Nervosität, wenn auch gut versteckt, gehört zu jeder neuen Rolle. Aber bei Moretti macht man sich keine Sorgen. Man ahnt, dass er diesem Jedermann gewachsen ist, ihn mit Bild- und Stimmgewalt ausfüllen wird. Mal mit zusammengebissenen Zähnen, erwartungsvoll, niedergeschlagen. Alles, was man vom Jedermann erwartet, kurzum. Sich wehrend und ereifernd, genussvoll und leidend.

Ganz in Schwarz steckt Moretti in der Inszenierung von Michael Sturminger. Man kann das Schwarz, wie auch Farben in dieser Interpretation überhaupt eine starke Bedeutung haben, folgendermaßen interpretieren: Es regt nichts auf, nichts lenkt ab vom Leben und Sterben des reichen Mannes. Es ist ein Mann, ein einfacher Mann, vielleicht komplex in seinen Gedanken, aber immer einer von uns, aus dem Volk. Es „färbt“ nichts ab, bis sich eine markante Farbe in sein Leben mischt.

Diese markante Farbe ist rosa, genauer lachs-rosa. Eben nicht dieses Pink, dieses stechend-grelle Pink, sondern eine sanftere Nuance, eine Andeutung. Jugendlichkeit, Umtriebigkeit und Frische, Verlockung, Lähmung und Bejahung eines ausschweifenden Lebens. Diese Farbe soll den Jedermann ergreifen. Sie kommt in Gestalt der neuen Buhlschaft, und das ist Stefanie Reinsperger, Schauspielerin vom Volkstheater in Wien. Diese Rolle, wer spielte sie nicht gerne? In der Tradition von Johanna Terwin, Christiane Hörbiger oder Veronica Ferres steht diese Buhlschaft nicht mehr. Sie macht daraus „ihr eigenes Ding“. Viel lacht sie, intensiv spielt sie.

Der bereits eingespielte, immer kunstvoll bemalte und ausdrucksstark agierende Peter Lohmeyer ist als Tod der „krasse“ Gegenentwurf zu einer lebensbejahenden Einstellung. Düster, kraftvoll und wenig humanistisch, so zeigt Sturminger diese Figur im Jahr 2017.

Eine weitere Premiere stellt Edith Clever dar, sie gibt Jedermanns Mutter. Johannes Silberschneider, sehr gefragt und immer im Einsatz, geht vom „Nachbarn“ zum „Glauben“ über.

Renate Martin und Andreas Donhauser entwerfen für das Jahr 2017 Bühne und Kostüme.

Der Jedermann 2017 präsentiert sich als gewollter Totentanz, eine Neuinterpretation wenn man so will. Man sollte sich das Spiel vom Sterben des reichen Mannes jedenfalls nicht entgehen lassen.

 

Sommertalk (6): Konstruktives Gespräch – Ioan Holender mit Kulturexpertinnen

Auf Schloss Leopoldskron, wo früher der Schauspielchef der Salzburger Festspiele Max Reinhardt residierte, fanden die Salzburger Festspielgespräche statt. Unter der charmanten und fordernden Moderation von Ioan Holender trafen sich Dr. Hedwig Kainberger, Ressortleiterin für Kultur bei den Salzburger Nachrichten und mehrfach ausgezeichnete Kulturjournalistin, und Bettina Hering, die Schauspielchefin der Salzburger Festspiele anno 2017. Diese gestaltet in enger Abstimmung mit Festspielintendant Markus Hinterhäuser das Programm.

Die Festspiele warten unter anderem mit „Lulu“ (Alban Berg), „Wozzeck“ (ebenso Berg) oder dem naturalistischen Drama Rose Bernd (Gerhart Hauptmann) auf. Der Jedermann, wie betont wird, ist natürlich singulär. Holender betont aber auch, dass dieser „nie ein wirklich erfolgreiches Stück“ gewesen sei, außer natürlich bei den Salzburger Festspielen. Bettina Hering spricht über Kooperationen mit Institutionen wie dem Wiener Burgtheater oder der Wiener Staatsoper in der Vergangenheit. Unter anderem habe man „Die tote Stadt“ nach Salzburg gebracht.

Holender meint, dass dabei immer Salzburg im Genre „Oper“ das berühmte Recht der ersten Nacht hätte. Er fragt sehr hartnäckig und dabei feinsinnig nach, ob es denn „selten oder nie“ vorkäme, dass Produktionen bei den Festspielen wiederaufgenommen werden. Doch, bekommt er Antwort, das wäre natürlich schon eine Option. Zum Beispiel wurden Werke von Andrea Breth schon wiederaufgenommen.

Dr. Kainberger fragt der charmante Ex-Staatsoperndirektor, ob sie wiederum den „Jedermann“ als ein gutes Stück bezeichnen würde. Sie antwortet: „Der Jedermann ist eigenwillig, er hat eine faszinierende Sprache. Die Sprache ist überhaupt das Element. Der Jedermann stellt eine wichtige Frage in unser aller Leben: Wie sterben wir gut?“. Die Kulturkritikerin hält die Neuinszenierung mit Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger unter der Regie von Michael Sturminger für gut. Die Texteinstellungen wären sehr mutig.

Mit eine zentrale Fragestellung in diesem Salzburger Festspielsommer: Wieso will die Menschheit immer wissen, wer Jedermann und wer Buhlschaft darstellt? Ist das so wichtig? Es gibt immerhin eine eigene Pressekonferenz, um die beiden Hauptdarsteller vorzustellen. Dr. Kainberger antwortet: „Für „uns“ als Kulturkritiker ist es nicht so zentral wichtig. Aber: Der Jedermann steht für uns alle, und es ist ein Lehrstück, die Tischgesellschaft, das sind doch wir alle, die wir im Leben stehen.“

Der Jedermann habe die Aufgabe, mitzuteilen, dass man nie alleine sei. Auch wenn niemand bei einem ist. Und, Ioan Holender möchte noch etwas Wichtiges wissen: Was passiert denn nun, wenn der Hauptdarsteller des Jedermann, (in diesem Fall Tobias Moretti) krank wird? Ja, dann, meint Bettina Hering, dann „fällt die Vorstellung aus“. Warum? Könnte man denn nicht in Ausnahmefällen Cornelius Obonya wieder holen? Nein, es gibt nur einen Jedermann-Darsteller im Jahr, und der steht wie schon gemeint für die Allgemeinheit. Deshalb geht ein Ersatz nicht durch.

Wäre es nicht auch eine Option, einmal fremdsprachige Stücke bei den Salzburger Festspielen aufzuführen? Ja, natürlich, aber die Damen sind sich unter dem wachsamen Blick von Holender sicher: Wenn das Konzept stringent ist, dann kann das sein.

Ein stringentes Konzept, damit sind alle zufrieden.

Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger sind die neuen „people to be“ in Salzburg!

 

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(c) APA/Herbert Neubauer

 

Lange wurde gewartet, hin und her ging das Spiel, fast so wie das wirkliche Spiel um das Leben und Sterben des reichen Mannes, das jedes Jahr am Salzburger Domplatz (so denn gutes Wetter herrscht) gegeben wird. Cornelius Obonya (Mitglied der traditionsreichen Hörbiger-Familie) legte sein Amt als „Jedermann“ bekanntlich zurück. Auch verabschiedete sich nach nur einer Saison die Buhlschaft, Miriam Fussenegger wieder. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist, so ein Spruch. Nun fand die Pressekonferenz statt, wo die Namen der neuen Besetzung der beiden Hauptrollen schließlich genannt wurde.

Es sind der erfahrene TV-und Filmschauspieler und Theater- und Opernmacher Tobias Moretti und die Newcomerin Stefanie Reinsperger aus dem neuen Ensemble des Wiener Volkstheaters.

Ab 2017 werden die beiden also auf den Domplatz marschieren und uns das immerwährende Faszinosum „Jedermann“ auf ganz neue Weise näherbringen.

 

 

 

Alles Gute zum Geburtstag, Cornelius Obonya!

 

Der Mime feiert am heutigen Dienstag, 29. März, Geburtstag.

Der Kulturpavillon gratuliert recht herzlich!

 

Bitte vor den Vorhang, Cornelius Obonya!

Cornelius Obonya stammt aus einer bekannten Schauspielerfamilie (Hörbiger) und studierte am Max-Reinhardt-Seminar, das er aber nach einem Jahr abbrach und bei dem Kabarettisten Gerhard Bronner „in die Lehre ging“, lernte. Von der damaligen Direktorin Emmy Werner wurde er 1989 ans Wiener Volkstheater engagiert, seine erste Rolle dort war Eugene in „Brighton Beach Memoirs“ von Neil Simon. Für diese bekam er prompt den Nachwuchspreis, den Karl-Skraup-Preis, heute Dorothea-Neff-Preis. Im Jahr 2002 debütierte er bei den Salzburger Festspielen als Paul Kreindl in Schnitzlers „Das weite Land“ in der Regie von Andrea Breth. Am Burgtheater Wien spielte er unter anderem unter der Leitung von Peter Zadek, Sven-Eric Bechtolf oder Carolin Pienkos (mit der er auch verheiratet ist). Er war der Herr von Rappelkopf in Raimunds „Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ in der Regie von Michael Schachermaier. Zu den Höhepunkten zählt zweifellos sein Salzburger „Jedermann“ gemeinsam mit Buhlschaft Brigitte Hobmeier. Seit 2013 verkörpert er diesen.