Theater in der Josefstadt

„Im Rausch“ auf der Josefstädter Probebühne

Schauspieler und Autor Michael Dangl und Schauspielerin Sandra Cervik lesen heute, 18. Mai, um 19:30 h aus Dangls neuem Roman „Im Rausch“ auf der Probebühne des Theaters in der Josefstadt.

Für Kurzentschlossene gibt es noch Karten unter

http://www.josefstadt.org

Telefon: +43 1 42700 300

Die Spielzeit 2019/20 am Theater in der Josefstadt

Was bringen die Bretter, werden sie nicht bespielt? Akteure, kommt und unterhaltet uns. Auch die nächste Spielzeit will absolviert werden. Das weiß Herbert Föttinger als Theaterdirektor des Theaters in der Josefstadt nur zu gut. Er sprach über neue Stücke und Entwicklungen.

Theater in der Josefstadt – Im September (05.) feiert Heimito von Doderers „Die Strudelhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre“ Premiere: Autor und Schauspieler Nicolaus Hagg bearbeitete den Stoff auch schon für die Festspiele Reichenau an der Rax. Hier stellt man sich die Frage, wo die Welt hingeht, wenn sie untergeht. Regie führt Janusz Kica. Die berühmte Wiener Stiege spielt natürlich auch eine Rolle. Spielen werden: Swintha Gersthofer, Alma Hasun, Pauline Knof, Silvia Meisterle, Alexander Absenger, Michael König (interessant nicht erst seit „Anatol“), Dominic Oley, Ulrich Reinthaller (wieder vom TV auf die Bühne), Roman Schmelzer, Matthias Franz Stein und Martin Vischer. Es ist eine Uraufführung.

Kammerspiele der Josefstadt – Ab 07. September werden „Die Migrantigen“ (Armin T. Riahi) ihre Meinungen vorbringen. Hier kann man verfolgen, wem es mit „Komparsenrollen in der vierten Reihe“ reicht. In der Regie von Sarantos Zervoulakos. Es spielen: Gioia Osthoff, Doris Schretzmayer, Martina Spitzer, Susanna Wiegand (zur Zeit noch als resolute Raumpflegerin in Schon Wieder Sonntag von Bob Larbey), Özaydin Akbaba, Jakob Elsenwenger, Tamim Fattal, Lupo Grujcic, Wilhelm Iben, Martin Niedermair und Luka Vlatkovic. Noch eine Uraufführung.

„Wir sind ein Ort der vielen Worte. Manchmal verschlägt es uns die Sprache.“ Das Spielzeitheft wird untermalt von kernigen und zum Nachdenken anregenden Statements.

Kammerspiele der Josefstadt – Ab 03. Oktober streitet man sich, liebt und erwartet ein Kind in „Der Vorname“ (M. Delaponte und A. de la Patelliere). Unter der Regie des Kammerspiele-erprobten Folke Braband spielen Michaela Klamminger (neuer Vertrag!), Susa Meyer, Michael Dangl, Marcus Bluhm und Oliver Rosskopf (eine ähnliche Personenzusammenstellung wie in Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza).

Theater in der Josefstadt – Am 10. Oktober feiert „Einen Jux will er sich machen“ (J.Nestroy) Premiere. Die Grenze zwischen Herrschaft und Knechtschaft wird ausgelotet. Der Stoff ist 177 Jahre alt. Vielleicht – oder sicher sogar – noch aktuell!? Nestroy- oder auch Raimund-Klassiker (wie aktuell noch „Der Bauer als Millionär“) karg, verstaubt und ohne viele Worte? Das kann man an der Josefstadt nicht sagen. Für eine moderne Überraschung wird auch hier gesorgt sein. Diese Posse mit Gesang wird Stephan Müller inszenieren, die Gesangstexte stammen hierbei von Thomas Arzt. Es spielen: Alexandra Krismer, Anna Laimanee, Therese Lohner, Elfriede Schlüsseleder, Martina Stilp, Robert Joseph Bartl, Oliver Huether, Paul Matic, Alexander Pschill, Julian Valerio Rehrl (neuer Vertrag!), Tobias Reinthaller, Alexander Strömer und Martin Zauner.

Theater in der Josefstadt – Der 07. November gehört einer Uraufführung mit dem Hausherrn Föttinger: In „Rosmersholm“ (U. Stengl nach Henrik Ibsen) feiert ER Premiere als Johannes Rosmer, der zwischen einem Grundkonflikt um Unvereinbarkeit von Überzeugungen seinen Weg geht. Die Regie übernimmt Elmar Goerden. Mit Herbert Föttinger u.a.

Kammerspiele der Josefstadt – Am 21. November gibt es eine deutschsprachige Erstaufführung einer legendären Aufführung: „Mord im Orientexpress“ (A. Christie / K. Ludwig – Bühnenbearbeitung) wo „Meisterdetektiv“ Poirot langsam die Verdächtigen ausgehen. Kann perfekt in die Spielstätte passen. Werner Sobotka führt Regie, die deutsche Übersetzung stammt von Michael Raab. Mitwirkende: Michaela Klamminger, Alexandra Krismer, Therese Lohner, Ulli Maier, Marianne Nentwich, Marcus Kofler, Paul Matic, Martin Niedermair, Johannes Seilern und Siegfried Walther.

Theater in der Josefstadt – Der 05. Dezember steht im Zeichen von Anton Tschechow. Eine aktuelle Zwangsversteigerung oder blühende Erinnerungen der Vergangenheit? „Der Kirschgarten“ gibt so manches Rätsel auf. An der Lösung werden in der Regie von Amelie Niermeyer Alma Hasun, Sona MacDonald, Silvia Meisterle, Gioia Osthoff, Alexander Absenger, Raphael von Bargen, Nikolaus Barton, Ian Fisher, Igor Karbus, Otto Schenk (Bemerkenswert: mit 88 Jahren!), Peter Scholz, Götz Schulte und Claudius von Stolzmann arbeiten.

Theater in der Josefstadt – 2020 – Der 30. Jänner gehört dem Ensemble von Arthur Schnitzlers „Zwischenspiel“. Die Erlaubnis zur ehelichen Untreue kann zu gesteigertem Selbstbewusstsein führen – eine gewagte These. An die Überprüfung dieser wagen sich im Rahmen des Stückes die folgenden mutigen Damen und Herren: Maria Köstlinger, Pauline Knof, Martina Stilp, Joseph Lorenz, Roman Schmelzer und Bernhard Schir. Regie führt Peter Wittenberg.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Am 06. Februar feiert „Engel der Dämmerung. Marlene Dietrich“ von T. Fischer und H. Schäfer Premiere. Mit Sona MacDonald u.a., in der Regie von Torsten Fischer.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Der 27. Februar steht im Zeichen von „Der Sohn“ von Florian Zeller. Was Jugendliche wollen und müssen, von Identitätsfindung und Umwelt bis zu Familienkonstellationen – alles dabei. Es handelt sich um eine österreichische Erstaufführung. Auch dabei sind die Mitwirkenden: Swintha Gersthofer, Susa Meyer, Marcus Bluhm, Martin Niedermair, Julian Valerio Rehrl. Die Regie übernimmt Stephanie Mohr.

Übrigens: „Wer sein Format verengt, sieht weniger.“

Theater in der Josefstadt – 2020 – Am 12. März findet das „Geheimnis einer Unbekannten“ (Christopher Hampton nach Stefan Zweig) – Uraufführung – den passenden Aufführungsort. Ein aufrüttelnder Brief, ein Manuskript gar, macht den Manne sehr nervös. Es spielen: Martina Ebm, Michael Dangl und Michael Schönborn. Regie führt Christopher Hampton selbst, Daniel Kehlmann sorgte für die deutsche Übersetzung.

Ach ja: „Man kann auch in schlechte Gesellschaft geraten, wenn man sich zu lange in der guten aufhält.“

Theater in der Josefstadt – 2020 – Musikalisch und geheimnisvoll wird es am 02. April mit „Das Konzert“ von Hermann Bahr. Wenn der Pianist sagt: „Ich habe ein Konzert“, dann weiß man wohl, was gemeint ist… Es geben sich darein: Herbert Föttinger, Sandra Cervik, Alma Hasun, Gioia Osthoff, Susanna Wiegand, Martin Vischer und Siegfried Walther. In der Regie von Janusz Kica.

Kammerspiele der Josefstadt – 2020 – Der 23. April widmet sich mit der Uraufführung von Peter Turrinis „Gemeinsam ist Alzheimer schöner“ einem ernsten Thema: Können sich zwei Menschen, die sich bereits unspezifische Dinge vorwerfen, weil sie sich an nichts mehr erinnern können, noch mal von vorne anfangen? Alexander Kubelka versucht sich sensibel an dieses Thema heranzuwagen.

Theater in der Josefstadt – 2020 – Am 28. Mai feiert die letzte Aufführung in dieser Spielzeit Premiere. Es ist Thomas Bernhards „Ein Fest für Boris“. Ein sprachloser Mann ohne Beine, der von einer egozentrischen Dame gerettet wurde. Sie ist Witwe, ebenso verlor sie ihre Beine. Sie heiratet noch einmal. Mit den Gefühlen ihrer Pflegerin für diesen Mann hat sie aber nicht gerechnet… Regie führt Claus Peymann.

Die Spielzeit 2019/20 ist geprägt von Stücken mit zeitüberdauernden Aussagen, was Beständigkeit, Toleranz und Liebe betrifft. Auch der Umgang mit lebensverändernden Krankheiten und Beeinträchtigungen wird thematisiert.

Weitere Informationen und Kartenbestellungen:

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Telefon: +43 1 42 700 300

Ein Gastspiel des Theaters in der Josefstadt in Kroatien…

Dobrodošli u nas – so oder ähnlich heißt es bald für die reiselustigen Ensemblemitglieder des Theaters in der Josefstadt. Die „Abordnung“ wird das internationale Theaterfestival in Rijeka/Kroatien besuchen und ein Stück zur Aufführung bringen.

Mit einigen Koffern und Kostümen geht es dann auch über die Küstenstraßen: „Die Reise der Verlorenen“ von Daniel Kehlmann (eine Uraufführung) thematisiert eine ernste Angelegenheit. Ein Schiff darf nicht anlegen…. Die Irrfahrt der „St. Louis“, an Bord jüdische Flüchtlinge, wird packend nachgezeichnet.

Josefstadt-Hausherr Herbert Föttinger selbst verkörpert den Kapitän Schröder. In der Regie von Janusz Kica sind zahlreiche weitere „Publikumslieblinge“ und auch Newcomer damit beschäftigt, der Geschichte Ausdruck zu verleihen. Es scheint kein Stück für schwache Nerven zu sein:

Raphael von Bargen als Stuart, Ulrich Reinthaller als Herr Doktor, Sandra Cervik als Arztgattin, Marcus Bluhm als Anwalt, Maria Köstlinger als dessen Frau, Matthias Franz Stein als Mr. Bergmann, Therese Lohner als die Tante, Marika Lichter als jüdische Sängerin, Joseph Lorenz als Konsul und Hapag-Direktor, Paul Matic als dessen Zweigstellenleiter, Oliver Rosskopf als dessen Stellvertreter, Michael Dangl als Präsident von Kuba, Wojo van Brouwer als kubanischer Minister für Einwanderung, Martin Zauner als Außenminister von Kuba, Lupo Grujcic als Hauptmann, Alexander Absenger als Polizeichef von Havanna, Martin Niedermair als amerikanischer Botschafter in Kuba, Claudius von Stolzmann als Mann vom Jewish Distribution Commitee, Patrick Seletzky als amerikanischer Finanzminister, Alexander Strömer als amerikanischer Außenminister, Michael Schönborn als britischer Staatssekretär, Lukas Spisser als amerikanischer Botschafter und Tamim Fattal (jüngster Neuzugang an der Josefstadt)als Polizist in Havanna machen sich auf die Reise.

Unterstützt von zahlreichen StatistInnen gelangt das Stück in Rijeka zur Aufführung.

Info:

Gastspiel: „Die Reise der Verlorenen“ von Daniel Kehlmann

Aufführung im Rahmen des Small Scene Festival Rijeka/Kroatien

4. Mai 2019, 19:30 Uhr

im
Hrvatski kulturni dom na Sušaku, Strossmayerova 1

Aufführung des Theaters in der Josefstadt, Beč, Austrija

Josefstadt-Schauspieler reüssiert auch im Film: Florian Teichtmeister als Krimi-Kommissar in „Die Toten von Salzburg“

Der bekannte Schauspieler Florian Teichtmeister wagt sich wiederholt ins Krimi-Genre. Und das auch noch in einer Rolle mit Handicap. Schon der vierte Film der Reihe „Die Toten von Salzburg“ (Regie: Erhard Riedelsperger) stand auf dem Programm des österreichischen Fernsehens.

Teichtmeister spielt in der Filmreihe den Grazer Major Palfinger, der als Abteilungsleiter nach Salzburg geht. Er ist auf den Rollstuhl angewiesen, nimmt das aber nicht als negative Beeinträchtigung. Zumindest nicht gemeinhin. Nur einmal fragt er den „dort oben“:“Warum?“. Keine Frage, als „Josefstädter“, also Schauspieler an einem der renommiertesten Häuser Wiens, kann Florian Teichtmeister Gefühle expressiv nachstellen.

Man erinnere sich nur an seine „verführerische Attitüde“ als Strizzi Alfred in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ 2012 am Theater in der Josefstadt. Selbstbewusst, frech und für die große Bühne gemacht. Auch vor der Filmkamera scheut der Mann nicht zurück.

Die Filmreihe „Die Toten von Salzburg“ umfasst mittlerweile vier Teile: „Die Toten von Salzburg“ (1), „Zeugenmord“ (2), „Königsmord“ (3) und „Mordwasser“ (4). Ein fünfter Teil kommt ebenso.

Teichtmeister wurde für seine Darstellung sehr gelobt. Er übte während der Drehtage das Rollstuhlfahren und bezeichnete es in einem Interview als „körperliche Herausforderung“. Man könne aber „alles machen, sogar einen Backflip mit Rollstuhl, wenn man will.“

Auch wenn die Filmreihe ab und an (unfreiwillig) Klischees bedient, so war es den Ausführenden doch wichtig, keinen Kitsch und keine verklärten Darstellungen aufkommen zu lassen. Die Stadt Salzburg in den Filmen touristisch abzubilden, da „komme man nicht drum herum“.

Bereits seit 2016 kann man den Schauspieler in seiner Kommissar-Filmrolle erleben. Jüngst wurde der 4. Teil im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt.

Teichtmeisters nächste Premiere ist übrigens „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth am Theater in der Josefstadt, am 16.05. in der Rolle des Carl Joseph von Trotta in der Regie von E. Goerden.

Info:

„Die Toten von Salzburg“ – Fernsehfilmreihe im ORF

mit Florian Teichtmeister als Major Palfinger

in weiteren Rollen: Michael Fitz, Fanny Krausz, Erwin Steinhauer

https://der.orf.at/unternehmen/aktuell/toten_von_salzburg_dreharbeiten100.html

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Eine ekstatische Stunde mit Schauspieler Michael Dangl in der Seniorenresidenz Bad Vöslau

Rauschhaftes durften die Bewohner und Bewohnerinnen der Seniorenresidenz im niederösterreichischen Bad Vöslau erleben: Josefstadt-Ensemblemitglied und Autor Michael Dangl beehrte das Haus mit einer erlebbaren, nahezu greifbaren Lesung.

Eines kann man vorweg konstatieren: Die trainierte Stimme zieht die Zuhörer in den Bann der Geschichten. Sanft fragt sie zu Beginn nach einem bescheidenen „stillen Wasser“. Dangl las aus seinem neuesten, packenden Werk „Im Rausch“.

Im Rausch

Die Aufmerksamkeit zieht zunächst eine gewisse Amelie auf sich, welche der Protagonist des Buches, ein junger Schauspieler (Ich-Erzähler), heftigst adoriert. Brennend vor Liebe versucht er ihr brieflich zu erklären, dass es gar keine Alternative zu einer gemeinsamen Zukunft gäbe. Aber, das große Aber: Sie ist vergeben. Und das war immer schon, ist und bleibt wohl der mächtigste Stolperstein eines Begehrens, welches zielgerichtet ist.

Der junge Mann versucht verzweifelt (und sehr, sehr selbstreflexiv) nachzuverfolgen, ob Amelie denn seinem Werben nachgeben würde. „Überflüssige Beteuerungen“ macht er dabei. Zitat: „Vielleicht vernahm sie ihn (den Vortrag auf dem Anrufbeantworter) im Halbschlaf und durfte nach dem Erwachen feststellen, dass alles Wirklichkeit war.“ Was die Liebe nicht hervorbringt!

Der Mann verbringt seine ersten Engagements am Theater (als vertraglich gebundener „Jugendlicher Held und Liebhaber, Charakterdarsteller) in einem Tage und Nächte andauernden Rauschzustand, nicht allein alkoholisch gemeint. Der Rausch der Einsamkeit, der Rausch der Verwandlung, der Gesellschaft, die Suche nach Wahrhaftigkeit, das alles beschäftigt ihn. Nicht nur, dass die ihm nach und nach anvertrauten Rollen von Cherubin in Der tollste Tag von Turrini bis hin zu Kostja in Die Möwe von Tschechow zur probetechnischen Herausforderung in der Fremde werden, hat er auch amouröse Abenteuer oder spielt bis in die Morgenstunden Klavier. Oder bemitleidet sich auch mal selbst mit einem vulgären italienischen Ausdruck: Porca miseria, als ihm Wasser aus einem defekten Hahn auf eine – sagen wir – heikle Körperstelle schießt.

Es ist das Werk keine Autobiographie, es handelt sich um einen Roman, eigentlich sind es Erzählungen aus dem Leben eines jungen Auftretenden.


Michael Dangl ließ das Publikum – gentlemanlike – entscheiden, ob es denn noch mehr Passagen aus dem Buch sein sollten oder lieber sein selbst verfasstes Gedicht Canto Veneziano, welches das Ankommen in der verklärten Stadt der Kanäle per Flugzeug beschreibt. Dieses war bisher erst einmal im Hörfunk zu erleben. Das Publikum entschied zugunsten von Venedig.

Eine lyrische und sehnsüchtige Schilderung – CANTO VENEZIANO

La Serenissima verlangt von Dir, dass Du Dich demütig beugst, schon bei der Anreise. Als gewähre Dir die Stadt gütig, Dich aufzunehmen. Nichts ist vergleichbar mit dem Ankommen in Venedig, jede Pore wird mit der eigentümlichen Luft geflutet. Die Vaporetti, die Wasserbusse (klingt eingedeutscht wesentlich geringschätziger), warten auf Kunden, Touristen und schaukeln ihres Weges. Das Wasser ist launisch. Das Memento Mori schwebt jedoch überall. Erinnere Dich, dass Du sterben wirst. Die barocke Vanitas macht auch vor Venedig nicht halt. Aber der Autor betont: Du siehst die Dinge nicht nur auf Fotos, sie stehen wirklich vor Dir und sind da. Und sie sind immer noch da, als wollten sie sagen: Ich überdauere was auch immer.

Der Autor lädt die Bewohner und Bewohnerinnen noch zu einer gedanklichen Reise ein: „Jetzt steigen wir alle in den Bus, um Mitternacht sind wir in Venedig, und dann in eine Bar.“ Herrlich.

Michael Dangl hat Freude. Daran, die Leser und Leserinnen auf die Reise zu schicken, die Menschen nicht nur zuhören, sondern auch wahrhaftig erleben zu lassen. Man ist gefesselt, man steht mit ihm auf der Piazza San Marco, man blickt auf das Wasser, welches die Gondeln umspielt, man schmeckt den Fisch, man hört die Signori sich angeregt unterhalten.

Ein freudiger Nachmittag – von dem noch bis zum Jahr 2021 einige bereits fixierte folgen sollen.

Info:

„Im Rausch“ von Michael Dangl

Roman, erschienen bei Braumüller

https://www.braumueller.at/t?isbn=9783992002269

Premieren-Donnerstag: Mystisch, artistisch, erfrischend – „Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund am Theater in der Josefstadt/Wien

Das Raimund´sche Zaubermärchen wird am Theater in der Josefstadt von Josef Köpplinger in neue Kleidung gehüllt. Dennoch hält es sich inhaltlich an die Vorlage. Ein sanftes Experiment.

Man wird ins „Geisterreich“ entführt. Feen greifen in das Leben der Erdenbürger ein. Das Geisterreich (nach einer Idee des Bühnenbildners Walter Vogelweider) wird aber auch zuweilen in kürzere Worte verwandelt, etwa „sei geistreich“. Eine ansatzweise, vorsichtige Modernisierung findet statt. Die Uraufführung 1826 war unter dem Titel „Romantisches Original-Zaubermärchen mit Gesang“. Da dies schon eine ganze Weile her ist, stellt es eine Herausforderung dar, 2018 diesem Werk gerecht zu werden. 

Es ist die letzte Premiere des heurigen Jahres für die „Josefstadt“. Das Ensemble gibt noch einmal alles: „Scheint die Sonne noch so schön, einmal muss sie untergehn….“. Wobei hier allen voran Michael Dangl in der Rolle des Fortunatus Wurzel eher als „aufgehende Sonne“ agiert. Glaubhaft im Größenwahn des ihn umrauschenden Geldes, polternd und schließlich zerstört. Wolfgang Hübsch als Das hohe Alter wandelt sich von einem Herrn mit Grandezza und Weisheit zu einem tattrigen Greis, und das gekonnt. Eine Bühne ohne viele Details schafft einen praktikablen Rahmen für die DarstellerInnen: Julia Stemberger ist Die Zufriedenheit und agiert sehr besorgt und mütterlich. Starke Bühnenschminke sorgt bei vielen der Mitwirkenden für Eindruck. Als Lottchen tritt Lisa-Carolin Nemec auf. Um deren irdisches Wohlergehen wird das ganze Stück lang gerungen. Die Fee Lacrimosa alias Alexandra Krismer will ihre Macht ausspielen. Ihr Vetter Ajaxerle ist Schwabe, umtriebig verkörpert von Alexander Pschill. Neid (Martin Niedermair) und Hass (Dominic Oley) wollen Wurzel zu Leibe rücken. Die Jugend (Theresa Dax) singt ihr Abschiedslied an den einstigen Waldbauern und jetzigen Millionär. Auch der Hauptdarsteller Dangl liefert ein feinsinniges Aschenlied. 

Zwischen Zufriedenheit und Geldgier springen die Akteure herum, versuchen sich teils als Magier, Akrobaten und Zauberschüler. Eine sehr moderne und auch gelungene Interpretation.

Info:

„Der Bauer als Millionär“ von F. Raimund

Theater in der Josefstadt, Wien

Regie: Josef E. Köpplinger

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NEUES von…Erich Schleyer

Der beliebte Schauspieler, Darsteller und Geschichtenerzähler Erich Schleyer tritt mit seinem neuen Programm „Der Handschuh“, eine musikalische Ballade, auf der Probebühne des Theaters in der Josefstadt auf. Er kümmert sich dabei intensiv um Friedrich Schiller. Unterstützt wird er von der jungen Band „SainMus“.

Info:

DER HANDSCHUH mit Erich Schleyer und der Band SainMus

Von 5.-8. Mai auf der Probebühne des Theaters in der Josefstadt.

Karten: http://www.josefstadt.org, oder unter der Tel.Nr.: 01/42700300

Preis: € 25

Beginn: 19:30, außer 06. Mai: 15:00

JosefStadtgespräch mit Alexandra Krismer und Harald Serafin

In der Reihe „JosefStadtgespräche“ am Theater in der Josefstadt (Sträusselsäle) – immer gut besucht – drehte sich diesmal vieles um Bob Larbey, den britischen Autor der Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“. Aus diesem Anlass hatte ORF-Kulturredakteurin Eva-Maria Klinger zwei bekannte Schauspieler zur Matinee eingeladen.

Im Stück, das immer wieder vor ausverkauftem Haus stattfindet, geht es um zwei Bekannte im Altersheim. Einer hat körperliche Beschwerden, der andere kann sich nichts mehr merken und „schwächelt“ geistig. „Wir dürfen keine Zombies werden.“, so ein Satz. Zweifelsfrei ist es mit zwei so anspruchsvollen Rollen kein leichtes Unterfangen, eine Geschichte auf die Bühne zu bringen. Die beiden Hauptrollen im Stück spielen Otto Schenk und Harald Serafin, die Tochter von Otto Schenk auf der Bühne ist Alexandra Krismer. Die Bühnenkollegen sprachen in teils amüsantem, teils ernstem Ton über die Herausforderungen und die schönen Momente des Werkes und des Berufes.

Alexandra Krismer, die die Tochter des körperlich gebrechlichen Cooper (Otto Schenk) spielt, meint, es sei immer Teamarbeit, ein solches Stück auf die Bühne zu „stellen“. „Es kann nicht einer kommen und sagen, er ist Otto Schenk und trägt das Stück.“ Er muss die Rolle authentisch verkörpern, darum geht es. Auch verriet die gebürtige Innsbruckerin ein  dass Schenk in einer Szene, in der er auf den Boden fällt und dort liegen bleibt, seinen Mitspielern immer den Tipp gebe, jetzt nichts zu sagen, das sei ein Lacher.

Auch der Souffleur ist ein immer wieder stark beanspruchter Kollege im Theaterbetrieb. Er muss an einem Vorstellungsabend Großartiges leisten. Krismer absolvierte die Schauspielschule und ihr Traum war es schon immer, Schauspielerin zu werden. Genauso wie der Traum ihres sehr populären Bühnenkollegen Harald Serafin, der immer schon wusste, dass er Sänger und nicht Arzt (nach dem Wunsch der Eltern) werden wollte. Um ein Haar wäre es anders gekommen, bis er im OP ohnmächtig wurde, weil er kein Blut sehen konnte. Er setzte sich gegen die Eltern durch: Er sagte sogar seinem Vater, der mit der Bahn angereist war, um ihn zu überreden, in den elterlichen Textil-Betrieb einzusteigen: „Hast Du eine Rückfahrkarte? Dann gebrauch´ sie auch!“

Otto Schenk war am Opernhaus Zürich sein großer Mentor, den er lobend und bewundernd erwähnt. Er suchte damals für die Produktion der „Fledermaus“ von Johann Strauss einen (Gabriel von) Eisenstein, und fand ihn in Harald Serafin. Doch Otto Schenk war ein strenger Regisseur. Er triezte ihn und jeder Handgriff, jede Bewegung und jeder Ton musste nach seinen Vorstellungen sitzen.

Wie ist das für die beiden, auf der Bühne den Traumberuf ausüben zu können?

Alexandra Krismer betonte: „Seit dem Kindergarten, als ich als Maria im Krippenspiel auf der kleinen Bühne gestanden bin, will ich das tun. Da gab es so ein Strahlen, so einen Moment!“ Serafin meinte: „Der Drang zum Singen ist bei mir immer da! Ich singe überall. Ich singe beim Rasieren, im Bad, nur beim Zähneputzen geht das nicht! Es muss lebenswichtig werden, zu singen und tief in den Bauch die Stimme zu lassen!“ Auch Krismer bestätigte: „Jedes Mal, wenn ich vor Vorstellungsbeginn an seiner (Serafins) Garderobe vorbeigehe, höre ich lautes Singen, das gefällt mir sehr!“ Eva-Maria Klinger: „Er singt sich also ein für die Sprechrolle!“ Einen Mann zu spielen, der an Demenz erkrankt ist, ist für den lebensfrohen und fitten Serafin nicht leicht. Aber für seine leisen Töne wurde er sehr gelobt.

Auch persönliche Krisen waren Thema: Alexandra Krismer erlebte eine solche, als sie viele Jahre nicht mehr auf der Bühne stand. Die Münchner Kammerspiele sowie das Residenztheater waren ihr künstlerisches Zuhause, bis sie merkte, dass nichts mehr stimmte. Personell war nichts mehr im Reinen. Als sie zurückkehrte nach Österreich, kam sie an die Josefstadt. Spielfreude erlebte sie wieder in großem Maß.

Harald Serafin erholte sich nur langsam von einer Operation (Stimmbandkarzinom). Bei der „Nacht in Venedig“ 1989 merkte er, dass mit der Stimme etwas nicht in Ordnung war. Eine „Strafe“ und wie ein beruflicher Gau für einen Sänger. Er konnte nach der OP kaum hauchen. Felix Dvorak holte ihn für die Thoma-Komödie „Moral“ erstmals nach Berndorf zu den Festspielen, wo er mit Erfolg seine erste Sprechrolle hatte. Er versteht es wohl wie kein anderer, ein Schicksal zum Glück zu drehen.

Serafin erklärte: „Ich finde das Soziale gut und lustig, wie die Menschen miteinander umgehen, wie man sie packen muss.“ Er sei immer ein „Lächler“ gewesen, böse zu schauen vertreibt Kunden, so hatte schon seine Mutter gesagt. Man müsse „offen bleiben und sich immer umschauen, nach Managern, Sponsoren, Leuten, die einem helfen können“. Damit habe er nie ein Problem gehabt, auch nicht wenn es darum ging, auf Messen für „seine“ Seefestspiele Mörbisch zu werben, welche er 1993 übernommen hat. Gesanglich folgte operationsbedingt eine lange Pause, erst im Jahr 2001 stand er wieder in der Rolle des „Grafen von Lichtenfels“ im Land des Lächelns (Lehár) auf dieser Bühne.

Krismer aber sagte: „Ich könnte das nie. Ich bin eine zurückhaltende Person, ich würde nie laut rufen oder Ähnliches. Ich bin von Herzen gerne Schauspielerin, es ist einfach toll, sich in eine andere Rolle zu versetzen. In einen anderen Menschen hinein-hüpfen zu können, Abend für Abend!“ Auch von der psychologischen Seite her. Ein spannender Kontrast, wie sie die Divergenz zwischen zurückhaltender Privatperson und exaltierter Bühnenpersönlichkeit füllt. Auf der Bühne hat sie keine Schwierigkeiten mit Lautstärke und Extraversion. Das sieht man nicht nur in „Schon wieder Sonntag“, sondern auch in „Terror“ (F. von Schirach), wo sie den bedeutungsschweren Satz zu sagen hat: „Es ist nicht meine Aufgabe, Befehle zu hinterfragen!“. Mit diesem täte sie sich schwer, sagte sie.

Alexandra Krismer hat für die Zukunft auch Pläne abseits des Theaters: Sie möchte gerne in ein Land gehen, wo man eine andere Sprache spricht. Und zwar Englisch. Zum Film zu gehen, würde sie auch reizen. Sie weiß nicht, ob sie ihre ganze Karriere nur dem Theater widmen wird.

Serafin möchte sich wieder dem Lesen und auch dem Gesang zuwenden.

Harald Serafin als Aylott und Alexandra Krismer als Julia sind in Bob Larbeys Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“ (der letzten Regiearbeit des verstorbenen Helmuth Lohner) in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt aktuell zu sehen. Mit dem begehrten und fast immer ausverkauften Stück gehen sie auch in die nächste Spielsaison.

 

Info:

Homepage der Josefstadt

http://www.josefstadt.org

 

 

 

 

NEUES von…Michael Dangl

Gerade ist der gebürtige Salzburger und Josefstadt-Schauspieler in der ORF-Serie „Vorstadtweiber“ als Journalist Dieter West den Serientod gestorben. Im wahren Leben ist er aber gottlob sehr lebendig und steht die nächsten Monate als Professor Higgins, welcher Eliza Doolittle korrektes Sprechen beibringt, auf der Bühne des Münchner Gärtnerplatztheaters. Gut vorstellbar, dass ihm diese Rolle in der Gesellschaft der FAIR LADY liegt.

„Saufen, trinken, untergehen.“ – SUFF (Winterberg und Rukov) in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt

Ein Stück über notorische Trinkerinnen zu bringen, ist ein wenig gewagt. Die Kammerspiele des Theaters in der Josefstadt in Wien trauen sich das zu, und bringen tolle Schauspielerinnen in starken Charakterstudien auf die Bühne. In der Regie von Alexandra Liedtke laufen die Damen zur Hochform auf. 

Sona MacDonald, Elfriede Schlüsseleder, Marianne Nentwich und Therese Lohner mimen die vier trinkfreudigen Damen, die im Leben sonst keinen Sinn mehr sehen. Alle haben sie einst etwas dargestellt, in der feinen Wiener Gesellschaft. Aber jetzt, ist alles anders…

Das Stück dauert eineinhalb Stunden, trägt aber vom Stoff her durchaus mehr in sich. Alkohol dominiert auch das Bühnenbild. Die Altbauwohnung, in der Hedwig (Sona MacDonald) wohnt, wird zum Treffpunkt der Damen. Charmant sind sie alle auf ihre Weise, und Routine im Flaschen öffnen haben sie (komischerweise?) auch alle. Als Quartett in Reih´ und Glied aufgestellt und damit etwas grotesk wirkend, „kippen“ sie ihre tägliche Ration Alkohol hinunter.

Sona MacDonald als Hedwig ist überhaupt eine sehr zerbrechliche Figur, die kaum Stress verträgt. Ganz verwirrt reagiert sie auf Reize des Alltags. Elfriede Schlüsseleder als Irma kann zum Chaos ihrerseits beitragen, dass sie ihre Gedanken nicht vom „Suff“ abwenden kann, aber niemandem etwas zu Leide tun würde. Ein bisschen Humor, aber wirklich nur eine kleine Brise, verträgt das Stück von Thomas Vinterberg und Mogens Rukov. Marianne Nentwich als Marion spielt vollends ihre Bühnenerfahrung aus und ist ständig fröhlich, wenn auch ein bisschen angestrengt. Spielt da nicht auch das namensgebende Getränk bei der Figur eine Rolle. Natürlich! Aber die Thematik lässt sich nicht allein auf Alkohol (Ethanol) reduzieren. Auch beginnende Demenz kann und wird eine kleine Rolle spielen. Therese Lohner als ehemalige Top-Tänzerin Constanze ist vor allem frustriert. Und so greift auch sie zur Flasche. Der einzige Mann im Gewirr, ist Martin Niedermair als Jacob und Sohn von Hedwig. Er bietet ein wenig Paroli in der vom „Suff“ dominierten Welt.