Spät(e) Romantik auf einem modernen Tonträger

Masoli Music
Masoli Music

Wien.

Die Violinistin Lidia Baich und der Pianist Matthias Fletzberger brachten zusammen eine neue CD auf den Markt. Sie trägt den Titel „Spät(e) Romantik“ (Violine & Klavier) und beinhaltet Werke der beiden Komponisten Richard Strauss (1864-1949) und Joseph Marx (1882-1964).

Baich und Fletzberger musizieren auf eine mitreißende Art und Weise. Träumerisch gibt man sich den Sonaten hin, Momente zwischen Schweben und Laufen, Gehen und Hasten werden eingefangen. Im Moderato wird man inspiriert, im Allegretto aufgemuntert, eingangs neugierig gemacht. Die Sanftheit und Virtuosität der Violine und das perlige Spiel des Klaviers harmonieren hier sehr gut.

Richard Strauss: Die Violinsonate Es-Dur op. 18 (1844) von Richard Strauss ist in einer klassischen Sonatenform geschrieben. Sie war eine Art Talentprobe eines jungen, kräftigen Musikgenies. Der englische Musikmäzen Walter Wilson Cobbett bezeichnete dieses Werk von Strauss als „riot of Musical colour“, als eine Aufruhr von musikalischen Farben.

Der erste Satz ist ein Sonatenallegro von breitesten Dimensionen. Statt je einem Haupt- und Seitenthema schrieb Strauss gleich deren zwei. Dem auf 20 Takte ausgedehnten ersten Thema in Es im Vierertakt – mit seiner Triolen-Arabeske und der drängenden Steigerung ein typischer Strauss – folgt sofort ein lyrischer Nebengedanke mit absteigender Legatolinie. Metrisch und melodisch sind damit mehrere Ebenen eröffnet. Die Motive der vier Themen – Triolenarabeske, absteigende Legatolinie, Appassionato-Walzer und Dur-Gesang sind angeordnet.

Improvisation im Haupttteil sind gefolgt von einem Mittelteil mit improvisatorischen Skalen des Klaviers und con sordino-Arabesken der Geige.

Das Finale ist der effektvollste Satz der Sonate. Was in der Klaviereinleitung in es-Moll noch düster-geheimnisvoll anklingt, entpuppt sich im Allegro als ganz diesseitige Es-Dur-Fanfare des Klaviers, die die Welt des Octavian im Rosenkavalier und des Don Juan vorwegzunehmen scheint. Die Violine antwortet darauf mit Terzbindungen, die eine Parforcejagd technischer Effekte eröffnen.

Joseph Marx: Frühlingssonate für Violine und Klavier (1944)

Sie hat einen hohen Schwierigkeitsgrad, Marx war impressionistisch beeinflusst. Er legt die Frühlingssonate zwischen Themen an, setzt Hauptgedanken wie Blüten hinein und lässt anschließend die aufkeimende Melancholie wieder abflachen, indem er die Violine eine Geschichte erzählen lässt.

Ebene für Ebene tasten die beiden Instrumente mit ihren intensiven „Klangwolken“ ab, um schließlich zum Klimax und wieder zu einer sich einfindenden Melancholie zu gelangen.

-Martina Klinger-