Festkonzert zum 185. Jubiläum: Jahresabschluss des Musikvereins Schottwien/NÖ

Seit 1834 besteht der Musikverein vom „Felsennest“ Schottwien schon. Eine lange Zeit. Das wurde am 8. Dezember gebührend gefeiert. Ein wohlüberlegtes, reichhaltiges Programm begeisterte die bis auf den letzten Platz gefüllte Veranstaltungshalle in Schottwien.

Wo ein Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker endet, nämlich beim Marsch zu Ehren des Feldherrn von Radetzky, fangen die Schottwiener Musikanten erst an. Einleitende Worte kamen informativ und kompetent von Mag. Josef Schwendt, der auf die Uraufführung des Marsches von Strauss Vater am Wasserglacis in Wien hinwies. Aus dem Gründungsjahr der Schottwiener – 1834 – gibt es kein Werk, das spielbar wäre, erwähnte Obmann Günter Frass. Man griff also zurück (oder vor) auf das Jahr 1848. Wussten Sie, dass der Rhythmus des Radetzky-Marsches einer vollständigen Herzdruckmassage entspricht?

Eine musikalische Zeitreise: Die Popgruppe ABBA kam zu ihren Ehren. Ein Gold-Medley aus Stücken wie „Dancing Queen“, „The Winner takes it all“ oder „Fernando“ wurde gespielt. Hier ist die sehr gute Klangqualität hervorzuheben, denn bei diesen Nummern mit Blechblasinstrumenten zu arbeiten, ist zweifelsfrei herausfordernd. Kapellmeister Walter Pratscher ließ mit ausladenden Gesten seine MusikerInnen zur Höchstform auflaufen.

Der Kinderchor der Volksschule Schottwien unterstützte den Musikverein tatkräftig mit Gesang. Entzückend die Darbietungen der jungen SängerInnen gemeinsam mit dem Musikverein und der MV-Jugend. „Europa – Kinderland – wir geben uns die Hand, wozu sind Grenzen da?“ hieß es. Auch davon, dass alle mal klein anfangen, wussten die Jüngsten schon zu berichten. Und wo? „In der Schule“, mit diesem kleinen Lied wurde über manche „Schandtat“ erzählt.

Eine Filmmusik, komponiert von Hans Zimmer, versetzte ins Staunen: „Der Prinz von Ägypten“ kam (musikalisch) an. „Wenn Sie den Zeichentrickfilm dazu sehen, kennen Sie schon vorher die Melodie!“, meinte Frass.

Das Werk des Komponisten und Preisträgers des Österreichischen Blasmusikverbandes, Florian Moitzi, trägt den Namen „…und der Rest ist Österreich.“, und erinnert an die Verträge von St. Germain. Laut Mag. Schwendt handelt das Stück vom Untergang der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. Es ist ein moll-lastiges Werk, Karl Renner träumte von einer Republik Deutschösterreich, zur Realisierung kam es nicht. Wilhelm Kienzl verfasste eine Melodie, welche in dem Stück zitiert wird: „Deutschösterreich, du herrliches Land!“. Nach den hitzigen Verhandlungen (Ö musste viele Teile abgeben, darunter Südtirol) soll der französische Ministerpräsident in St. Germain ausgerufen haben: „Le reste c´est L´Autrice!“ – „Und der Rest ist Österreich.“

Ein traditioneller Tiroler Schützenmarsch begleitete das Publikum in die Pause. „Sieg oder Tod im Alpenrot“ von Rudolf Kummerer.

Im 2. Teil präsentierte man den Marsch der Textilverarbeitenden Branche, „Textilaku“, einen Konzertmarsch von Karol Pádivy. Dieser besticht nicht nur durch ein flottes Marschtempo, auch durch feine Anklänge. Wenn man ganz genau hinhört, erkennt man ab der dritten Minute auch Elemente der Melodie des Sinatra-Songs „Love was made for me and you“.

Die wohl berühmteste Polka von Johann Strauss Sohn, die „Annen-Polka“! Sie ist allen Damen namens Anna und Nina gewidmet. In dieser Besetzung klingt das normalerweise ein wenig anders als bei Streichern! Doch die MusikerInnen vom MV Schottwien schaffen ein stimmiges Bild von großer Klangschönheit. Man merkt die harte Arbeit und die Liebe, die hier hineingesteckt wurde! Für das Konzert hatte man sich mit der Unterstützung von Musikschullehrer Johannes Barta auch den Text genauestens angesehen. In der Operette „Eine Nacht in Venedig“ findet die Annen-Polka Verwendung als das bekannte Schwips-Lied für eine Sopranistin. Lustiges Detail am Rande: Barta sang den Musikern auf der Probe „Mir ist auf einmal so komisch zumute“ vor.

Julius Fucik, von welchem der „Florentiner Marsch“ wohl eines der bekanntesten Stücke ist, schrieb die herzerwärmende „Frühlingsbotschaft“ von der man eine ganze Menge gebrauchen konnte.

Ehrungen für lange Mitgliedschaften beim MV Schottwien wurden vom Niederösterreichischen Blasmusikverband vergeben, vertreten durch Bezirksobmann Ernst Osterbauer, u.a. an Mag. Josef Schwendt, Johann Pratscher, Marion Wittine, Kathrin Putz und Michael Küberl.

Im Intro von „Für immer Du“ von Mathias Rauch spielen Flügelhorn, Tenorhorn und Tuba ein langsames Solo. Der melancholische Walzer sorgt bei Blasmusik-Fans immer wieder für Gänsehaut. Vom gleichen Komponisten existiert auch eine Polka, nämlich „Von der Seele“.

Mit zwei absoluten Klassikern ging das Konzert zu Ende: Der Rainer Marsch (mit eigenem Text der Volksschulkinder!) und der Bozner Bergsteiger Marsch brachten den Saal dann noch einmal zum heftigen Mit-Klatschen.

Ein gelungener Jahresausklang!

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