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"Operette sich wer kann" – Neujahrskonzert 2020 des Klangbogen Neunkirchen/NÖ mit den Amici del Belcanto

In der brechend vollen Stadthalle Ternitz ging das Neujahrskonzert des  Klangbogen Neunkirchen über die Bühne. Unter der Leitung von Dirigent Erwin Stoll spielte man Klassiker wie auch Raritäten. Die beiden Solisten Klara Kolonits (von der Oper Budapest) und Stefan Tanzer (von der Volksoper Wien) versprachen dem Publikum einen kleinen Liebestraum.

Operette dominierte diesen Abend. Nach einem etwas holprigen Start mit der Ouvertüre aus der „Nacht in Venedig“ (etwas „verschleppt), steigerte sich das Orchester. Die „Nacht in Venedig“ mit wunderschöner Musik von Johann Strauss Sohn, ist übrigens die einzige seiner Operetten, die nicht in Wien, sondern in Berlin uraufgeführt wurde. Grund dafür war Strauss‘ Eifersucht, wusste Moderator Michael Tanzler zu berichten. Rührend darin der Lagunenwalzer (Ach wie so herrlich zu schau’n) der Figur Caramello, oder das leise Geburtstagsständchen (Chor) zum 60er für Senator Delacqua („Du, den wir hoch verehren, wirst heute sechzig Jahr'“).

Sehr schön und achtbar Franz Lehárs Walzer „Gold und Silber“ (kommt im „Land des Lächelns“ bei Lisas Abschied aus Wien zum Einsatz).

Wunderbar geriet das Intermezzo „1001 Nacht“. Es gibt auch einen Walzer dazu.

Stefan Tanzer trat mit dem Auftrittslied des Danilo aus der „Lustigen Witwe“ elegant mit weißen Handschuhen und weißem Schal an. Seine Version war schlicht, verzichtete auf große Gesten und konzentrierte sich auf den Gesang. Er erntete Applaus!

Die Adele („Die Fledermaus“) interpretierte Klara Kolonits mit  frecher Attitüde und wohltimbriert.

Zum Schwärmen auch das Duett aus dem „Zigeunerbaron“ der beiden: „Wer uns getraut“.

Die Tritsch-Tratsch Polka von Strauss gehört zu den fidelen Werken. Da darf man sich auch einen Spaß erlauben. Moderator Tanzler merkte an, dass ihm ein Malheur im Vorfeld passiert sei: Seine Hose riss kurz vor der Veranstaltung, weswegen er rasch Ersatz brauchte und zu einer farblich unpassenden greifen musste.

Nach der Pause ging es mit Gustostücken wie von Offenbach und auch einer Quadrille weiter.

„Hoffmanns Erzählungen“ handelt vom Dichter Hoffmann und seinen (teils wahnsinnigen) Erlebnissen. Eine seiner Geliebten soll eine Puppe (Olympia) gewesen sein. Stefan Tanzer war als Bösewicht in der Oper zu hören: „Scintille Diamant“. Tief timbriert und mit dem gewissen Funkeln in den Augen.

Olympias Arie „Les oiseaux dans la charmille“, wo sie immer wieder neu zum Leben erweckt werden muss, wurde wiederum charmant interpretiert von Klara Kolonits.

Mit der Annen-Polka von Strauss und dem (ebenfalls gesungenen) Frühlingsstimmen-Walzer wurde das Konzert zu einem kleinen Highlight im beginnenden Jahr.

Hervorzuheben sind neben der launigen Moderation die kluge Stückauswahl sowie die konzentrierten Gesangsleistungen der Solisten.

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