Eine schrittweise Öffnung der Spielstätten, bitte! Ihr Auftritt!

Eine Bestandsaufnahme. Und keine sehr heitere. Denn für die darstellenden Künste sieht es ebenso düster aus wie für die Gastronomie.

Die Zeit macht klar, dass Kunst und Kultur in unserem Land sehr fehlen. An dieser Stelle wurde über die Streams schon diskutiert, doch es fehlt das Element „LIVE“. Nicht wenige Menschen werden hier beipflichten. Die Kreativität ist live, sie lebt, man spürt sie. Sicherlich ist in diesen Zeiten eine Übertragung in Fernsehen oder online die bessere Lösung, um direkten Kontakt zu minimieren/zu vermeiden. Nur – das kleine Wort „nur“ – bedeutet das auch: Niemand geht an ein Pausenbuffet, unterhält sich angeregt bei einem Glas Sekt über die übertriebene, euphorische Darstellung, das erotisch-knisternde, oft in den letzten Zügen liegende Liebespaar (das sehr spät zueinanderfindet, sonst wär´s nicht spannend), den tragischen Helden, die Femme Fatale auf den Brettern da oben. Es gibt keinerlei Inszenierung, das nicht vorhandene Lachs-Brötchen möchte einem im Halse stecken bleiben. Keine Note, keine Oper, kein „schmetterndes“ Musical, auf den Straßen keine beseelten Seelen, die nach der Vorstellung berauscht, beglückt, den Kopf voller Gedanken, Richtung Heimat hüpfen. Theaterabende mit Begleitung sind nicht möglich, ohne auch nicht. Keine Schauspieler und Schauspielerinnen, Sänger und Sängerinnen, die um zwei Uhr morgens „zu Abend“ essen, keine Begegnungen an der Bühnentür, keine Autogramme, ja, keinen Stift darf man halten, keine Rosen verschenken.

Der rote Teppich, der rote Vorhang, diese Elemente werden schmerzlich vermisst. Denn die Kultur ist ein Spiegel. Unser Spiegel, der uns, dem Publikum, vor die Nase gehalten wird. Ausgebildete Menschen, die oft Jahre studieren und lernen, wie man überzeugend darstellt, sich ausdrückt, Töne produziert, singt, musiziert, springt, tanzt, kämpft, streitet, küsst, lacht, zu Boden ringt, Spagat macht, klettert, isst, trinkt, ficht, Verkehr hat, aufsteht, Grimassen macht, ausdruckslos, sprachlos ist. Soll heißen: Das ist wichtig. Das macht die Faszination aus, wo man gerne zusieht, zuhört, bereit ist, Karten zu erwerben, sich einzulassen auf das, was kommen mag. Jeder ist schon einmal aufgeregt im Schultheater gesessen, nicht wissend, wie man sich verhalten soll. Soll man leise sein, um niemanden zu stören? Soll man seinen Emotionen freien Lauf lassen? Mitsingen, mitklatschen, wippen, rufen?

Deshalb ein Plädoyer für eine schrittweise Öffnung. Unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen. Für Planbarkeit, wann wieder Vorstellungen stattfinden können. Wenn auch ungefähr, unscharf. Jeder Funken Hoffnung ist gut – macht Mut. Für Künstler und Publikum. Konzepte gibt es bereits viele. An der Umsetzung ist gelegen.

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