MIT ANFISA MARGARITA DANGL, MARIA FEDOTOVA und MICHAEL DANGL
Wenn sich Publikumslieblinge wie Michael Dangl mit der gesamten Familie ins südliche Niederösterreich begeben, kommt es dazu, dass sich aus einer Lesung mit musikalischer Begleitung ein regelrechtes Kaleidoskop an Anekdoten, Tönen, Sprache und Humor entwickelt.
DER BRIEFROMAN
Wenn man sein leidenschaftlich verfasstes Werk „Anfisa, zu Dir – Brief an meine Tochter“ kennt, sieht man zwar die bedruckten Seiten. Man liest und versucht, nachzuvollziehen. Es finden sich im Buch nicht nur Dangls sehnsüchtige Gedanken, sondern auch detailreiche und bunte Zeichnungen seiner inzwischen dreizehnjährigen Tochter Anfisa Margarita (geboren in Klosterneuburg bei Wien). So, wie an diesem heißen Sommerabend, wo all das Geschriebene zum Leben erwacht, ist es sonst nie erfahrbar.
Der Brief-Roman entstand während des Corona-Lockdowns ab 2020, wo es Dangl nicht möglich war, von Österreich zu seiner Frau und Tochter nach Russland zu reisen. Er zählte die Tage, bis es endlich wieder so weit war und sie gemeinsam knusprige, heiße Pizza genießen können würden.
ANFISA MARGARITA, WIE KOMME ICH WIEDER ZU DIR?
Anfisa, die junge Dame, um die sich diese Aufführung dreht, sowie ihre Mutter Maria, Michael Dangls Ehefrau, gesellen sich musikalisch und literarisch zu der durchdringenden Stimme des Josefstadt-Schauspielers und frisch gekürten Kammerschauspielers, der schon überlegte, den Lastwagenführerschein zu machen. Denn für Lastwagenfahrer und Diplomaten wäre die Einreise nach Russland erlaubt. Diplomat würde keiner aus ihm werden, wie er selbst sagte.
„Liebe Anfisa, es ist Montag, der 16. März, und seit heute soll man nur mehr auf die Straße gehen, wenn man einen Grund dazu hat. Das war eigentlich immer so, aber seit heute kümmert sich die Polizei darum. Mal sehen, ob mein >Ich muss in der Sonne sein<akzeptiert wird.“ So ernst beginnt das Werk.
WURZELN UND FLÜGEL
„Hör`nie auf, zu spielen – und zu lieben, Anfisa!“, so der Rat ihres Vaters. Denn das Spielen und die Liebe würden Frieden machen und Völker verbinden. Die virtuosen und eindringlichen Flötentöne aus dem Instrument der Mutter Maria Fedotova – sie ist Soloflötistin am Mariinsky-Theater in St. Petersburg – unterstreichen einmal auf sanfte, mal heftige Weise das vielfältige Familienleben: Angefangen von Wien-Ottakring über Salzburg, Grado in Italien – ein sehr beliebter Urlaubsort nicht nur für Familie Dangl (Vater Michael erzählt in TV-Dokumentationen über seinen Sehnsuchtsort: „Grado ist meine Geliebte! Aber wenn die gefürchtete Bora kommt…!“) bis hin nach St. Petersburg, dem anderen fixen Wohnort der Familie. Anfisas Großmutter stammte aus einer armenischen Fürstenfamilie und war eine ruhmreiche Geigerin, Anfisas Großvater mütterlicherseits ebenfalls Flötist. So feine Alltagsgeräusche wie das Fahren eines Fahrrads durch die Straßen werden von Maria musikalisch präzise umgesetzt.
Väterlicherseits hat Anfisa die Großeltern Christa und Agilo Dangl, aus Salzburg beziehungsweise der Steiermark stammend, die ebenfalls der Lesung beiwohnten. Sie waren jahrzehntelang erfolgreich mit ihrer „Karawane Salzburg“, einem Wandertheater, unterwegs und traten auf großen wie kleinen Bühnen auf. Heute bilden sie das „Duo Karawane“ und spielen ihre humoristischen Programme, die sie allesamt selbst verfassen und zusammenstellen. Ihr wurde also die Schauspielerei bereits in die sprichwörtliche „Wiege“ gelegt.
ANFISAS POESIE
Inzwischen haben sich die Lese-Verhältnisse umgekehrt: Anfisa Margarita liest nun über Videostream am Computer ihrem Vater den Roman „Schiff Ahoi!“ vor, den er ihr einst vorlas. Auch in der Poesie ist sie zu Hause – mit Leidenschaft schreibt sie Gedichte und trägt sie an diesem Abend auch getragen von schauspielerischer Energie vor. Wenn es „fröstelt“, macht sie auch gleich die typische Bewegung dazu, als ob ihr kalt wäre. Spektakl, lernt man, so heißt das russische Wort für Vorstellung. Und das Schönste an diesem Abend? „Heute brauche ich Anfisas Gedicht nicht zu lesen, was ich sonst bei Lesungen immer tue – denn sie wird es selbst lesen!“, frohlockte Dangl. Zwischen langem Physikunterricht, Kunststunden, Ballett und gewonnenen Klavierwettbewerben wie dem „Kleinen Mozart“ bleibt immer noch Gelegenheit, eigene Gedichte zu schreiben, wie Anfisa verdeutlicht. Zum krönenden Abschluss gab es noch Wienerisches („Bananen“) von Anton Krutisch, perfekt in Szene gesetzt.
Langen Applaus für eine herzliche und fantasievolle familiäre Darbietung gab es in der Schlossgärtnerei Wartholz in Reichenau an der Rax (von Michaela und Christian Blazek), mit stimmungsvollem Interieur samt Café, wo man nicht nur Getränke und Speisen, sondern auch hochkarätige Kunst genießen kann.
Buchtipp: „Anfisa, zu Dir – Brief an meine Tochter“ von Michael Dangl
https://dangl.onuniverse.com/shop
Location: https://schloss-wartholz.at/