Ein großer Kulturfreund und Berichterstatter nimmt seinen Hut: Ioan Holender hört mit kulTOUR auf

Der österreichische Sender ServusTV strahlte seine letzte Sendung „KulTOUR mit Holender“ aus, durch die er 14 Jahre lang führte. Ganz freiwillig soll es doch nicht sein, an seinem 89. Geburtstag heißt es ausgerechnet „Holenders Abschied“. Ioan Holender – wer ist dieser Mann?

Vielen auch außerhalb der Kulturszene ist der Name ein Begriff – weil er oft polarisiert hat und mit ihm nicht immer „einfach und bequem“ (wie im Ziehrer-Couplet) zu parlieren war. Aber dafür steht er – hart im Nehmen und in seiner Meinung. Am 18. Juli 1935 wurde er in Timisoara, Rumänien als Johann Hollaender geboren. Er entstammt einer jüdischen Unternehmerfamilie. Eigentlich studierte er Maschinenbau in seiner Heimat, wurde aber im Zuge einer Studentenrevolte, an der er teilnahm, exmatrikuliert. Im Rahmen der Familienzusammenführung reiste er 1959 zu seiner Mutter nach Wien, er war als Tennistrainer und Regieassistent tätig. Als Bariton sang Ioan Holender am Stadttheater Klagenfurt und in St. Pölten.

1966 trat er in die Künstleragentur Straka ein, die er bald übernahm und zur Opernagentur Holender machte. 1988 wurde er vom designierten Wiener Staatsoperndirektor Eberhard Waechter zum Generalsekretär derselben berufen. Nach dem Tod Waechters wurde er 1992 zum Direktor der Wiener Staatsoper. Bis 1996 leitete er ebenso die Wiener Volksoper. Im Unterschied zu Waechter ließ Holender Opern wieder in Originalsprache ankündigen. Unter seiner Direktionszeit wurden auch Inszenierungen ausgeliehen, zum Beispiel nach München, Venedig oder New York.

Holender ist der Direktor mit der längsten Amtszeit seit Bestehen des Hauses. Zumindest gesanglich kontroversiell wurde sein Auftritt auf dem Wiener Opernball (dessen bester Freund er nie war) im Jahr 2010, zu seinem Abschied nach dreimaliger Vertragsverlängerung gesehen. „Ich freu‘ mich aufs neue Leben, tralalalalalala, muss nie mehr auf Bälle gehen, tralalalalalala….“, eine Verbalhornung von „Im Feuerstrom der Reben“ aus Strauss‘ Fledermaus, kam aus seiner Kehle.

Als Künstlerberater und „Opernphilosoph“ und als Lehrbeauftragter an der Universität für Musik und darstellende Kunst machte er sich sodann verdient. Sein Sohn Liviu ist ebenfalls Sänger geworden.

Wie er selbst in einem Interview im „Standard“ erzählte, wurde seine Opernleidenschaft in Timisoara durch seinen Vater geweckt, als er mit ihm in die Oper ging, zu „La Traviata“. Ihn beeindruckte, wie elegant die Menschen in die Oper gingen, die Umgebung und das Werk selbst. Ab da wurde er begeisterter Operngeher.

In seiner Sendung „KulTOUR mit Holender“ ist nun also Schluss mit der TOUR, wo er immer wieder in profunder Weise über Sängerinnen und Sänger, Spielorte, Inszenierungen und Persönlichkeiten der Szene berichtet hat.

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