„Norma“ im Stiftshof: Die operklosterneuburg 2024 mit einer Diva als Priesterin – „dammi quel ferro“

Die Oper im Kaiserhof 2024 ist mittlerweile eine Institution vor den Toren Wiens. Für Sommeroper mit Anspruch geht man nach Klosterneuburg – dessen bewusst sind sich nicht nur die „Insider“. Derzeit ohne Intendanz, der langjährige Impresario Michael Garschall legte diese zurück, eine Ausschreibung ist auf der entsprechenden Homepage ersichtlich.

Dieses Jahr setzt man auf zwei Opern, wovon eine bereits letztes Jahr zu sehen war. Es handelt sich einerseits um den von 2023 bekannten „Don Carlo“ (ital.) von Verdi (in der Regie des Sängers Günter Groissböck) und andererseits um Bellinis „Norma“. Eine interessante Kombination, die sich überraschenderweise auch EIN Bühnenbild teilt. Dazu interviewte man den aus zahlreichen Institutionen (unter anderem dem Wiener Volkstheater) bekannten Bühnenbildner Hans Kudlich, der angab, die Bühne müsse beiden Produktionen gleichermaßen gerecht werden. Gewisse Elemente würden einfach umfunktioniert. Für „Norma“ funktioniert das Bühnenbild jedenfalls zum großen Teil sehr gut. Es bleibt aber trotzdem ein schaler Nachgeschmack, was die Ausstattung betrifft, wenn etwa die Schwertkämpfer in die doch modern anmutende Landschaft springen, und an anderer Stelle wollte man doch mehr „Druidenwald“ sehen.

Die fünfte Vorstellung von Vincenzo Bellinis „Norma“ fand am 25.07.2024 bei angenehmen Temperaturen im romantischen Ambiente des Stiftshofes statt.

Die Titelfigur Norma wird durch die sehr engagierte armenisch-russische Sopranistin Karina Flores (Trägerin des Österreichischen Musiktheaterpreises) zu einem Erlebnis. Darstellerisch gibt sie ihrer Druidenpriesterin die Anmut, Stärke, die expressive Kraft, die erforderlich ist. Ihre ebenso ausdrucksstarke Stimme mit Tiefgang passt perfekt zu dieser Frau.

Die zweite im Bunde, die Adalgisa der von der Wiener Staatsoper bekannten russischen Mezzosopranistin Margarita Gritskova kann mit kräftigen Akzenten und der rollentypischen Hilfestellung, besonders wenn sich die beiden Frauen im Duett verbünden, punkten. Beide verfügen über ein angenehmes Timbre. Diese geschlossene Frauenfreundschaft schaukelt sich noch mehr auf. Ein bedeutungsvoller Moment, wenn Norma Adalgisa schlussendlich ihren Umhang „theatralisch“ um die Schultern legt.

Oroveso tritt etwas herb auf, hat sich am Ende durch wesentliche Einwürfe den Applaus redlich verdient. Stimmlich gibt Beniamin Pop, der aufstrebende Bassist, der Figur ausreichend Kontur und Würde. Leider weniger zufriedenstellend war in dieser Vorstellung die Leistung des Pollione von Artur Espiritu. Sehr leise und im Spiel wenig präsent, meint man, er hätte keinen tollen Tag gehabt. Am Ende der Oper folgen durchaus noch stärkere Momente des „Aufblitzens“. Clotilda ist, dargestellt von Gabriela Hrzenjak, präsent und in der Rolle der Verkünderin „angekommen“. Als Flavio ist Ferdinand von Plettenberg eingesetzt, bleibt jedoch eher im Hintergrund.

Die Kostüme zu Norma stammen von Anna-Sophie Lienbacher, die auf eine traditionelle Note setzt. Schwertkämpfer und Pollione werden heldisch ausgestattet, Oroveso besticht ebenfalls durch gediegenen ehrwürdigen Umhang, Norma wechselt später in ein edles weißes Kleid mit rötlichen Details. Adalgisa wird betont erotisch dargestellt, langes blondes Haar und Dekollete sollen die Verführerin herausstreichen – ein Quervergleich dazu: Daenerys Targaryen aus der Erfolgsserie Game of Thrones. Die Maske hat Marlies Tamara übernommen und vollbringt gute Werke.

Die Regie von Monica Rusu-Radman führt die handelnden Personen mit ihren Stärken und Schwächen, die Figuren der Damen werden stärker gezeichnet als die der Herren.

Ein großes Lob gebührt Christoph Campestrini, dem Maestro am Pult der Beethoven Philharmonie, sowie der einfühlsamen Begleitung – die relativ kurze Ouvertüre ist ein Glanzpunkt für sich.

Der tüchtige Chor operklosterneuburg (die Chorleitung liegt bei Michael Schneider) bringt sich immer wieder in Stellung und schafft es, Dramatik zu kreieren.

Zwischen den beiden Opern in Klosterneuburg 2024 wechseln auch die Hauptdarstellerinnen und -darsteller: So ist Espiritu ebenso als Don Carlo zu hören, Gritskova als Prinzessin Eboli und Flores als Elisabeth sowie Pop als Mönch. Dazu kommen bei Verdi noch Daniel Schmutzhard (Posa), und Matheus Franca (Großinquisitor) und Günter Groissböck (Philipp II), der auch Regie führt.

Es gibt für beide Opern noch zwei Termine:

NORMA 30.Juli und 04.August 2024

DON CARLO 28.Juli und 01.August 2024

Weitere Informationen auf der Webseite: www.operklosterneuburg.at

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