Einen „Himmelskörper verkörpern“: Der Österreichische Musiktheaterpreis 2024 als Galamatinee in der Volksoper Wien mit vielen Stars

Medialer Auflauf und Blitzlichtgewitter herrscht bereits vor der Wiener Volksoper. Künstlerinnen und Künstlern wird der Red Carpet samt Fotowand ausgerollt, der Organisator und Vorsitzende Präsident des Österreichischen Musiktheaterpreises, Kons. Professor Karl-Michael Ebner, begrüßt die Gäste. Kammersänger Professor Harald Serafin (92 Lenze jung!) ist mitsamt Familie gekommen, um seinen Preis für das Lebenswerk entgegenzunehmen. Auch der Salzburger „Jedermann“ 2024, Philipp Hochmair ist zugegen. An ihn soll später ein Sonder-Preis verliehen werden. Die zu vergebende Statuette wird gefertigt von Gmundner Keramik. Sie stellt die Panflöte des Papageno aus der Mozartschen „Zauberflöte“ mit sieben Pfeifen dar.

Unter der musikalischen Leitung von Ben Glassberg beginnt die Galamatinee mit der Ouvertüre zu Bizets Oper „Carmen“. Diese Oper ist die erste Premiere der neuen Spielzeit 2024/25 am Haus.

Christoph Wagner-Trenkwitz moderiert durchwegs in charmanter Art und Weise, er ermahnt sich des Öfteren selbst, etwa minimale Bühnenumbauten in „Eigenregie“ vorzunehmen: „Kordel auf die Seite schieben, sonst können die auftretenden Kinder nicht vorbei.“ Gemeint sind etwa Camillo Kirchhoff, Mia Kodym, Paulina Eder oder Eliza Sloane (Tochter von Direktorin Lotte de Beer) sie bilden unter anderen den Kinder- und Jugendchor der Wiener Volksoper, wenn sie unter den gestrengen Augen von Lauren Urquhart das Lied „C wie Cellophan-Papier“ aus „The Sound of Music“ von Rodgers und Hammerstein sehr lieb performen. Vanessa Zips wurde von Trenkwitz erwähnt, war aber im Programm namentlich nicht zu finden. Einmal meint Trenkwitz zu einer Dame, welche einen Preis überreichen soll: „Ich weiß nicht, wie Sie heißen, aber ich muss etwas sagen!“.

Weitere musikalische „Gusto-„Einlagen kommen von Katia Ledoux, die die Seguidilla aus „Carmen“ singt. Jakob Semotan, stellt den Zahlkellner Leopold aus dem „Weißen Rössl“ mit Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden dar, und Jaye Simmons und Anton Zetterholm, besingen gemeinsam Tonight („West Side Story“).

Der Sonderpreis für Cross Over – er geht an Philipp Hochmair mit „Die Elektrohand Gottes“ in „Der Hagestolz“. Gerührt und dankbar nimmt er ihn entgegen.

Der Sonderpreis für das Jugendprojekt wird vergeben an das Opernstudio der Wiener Staatsoper und das Opernstudio Volksoper Wien, die gleichermaßen im Bemühen sind, die „next generation“ an jungen Sängerinnen und Sängern auszubilden.

Ein absolutes Vorbild ist und bleibt den vorher genannten „Jungspunden“ ein „junggebliebener“ Kammersänger. Aus Litauen stammend, sollte er eigentlich Medizin studieren, konnte jedoch kein Blut sehen. Er entschied sich entgegen dem Wunsch der Eltern für die Sängerlaufbahn. Mit seinem Vater führte das zum Zerwürfnis, doch später war der junge Harald gerührt, weil sein Vater doch (heimlich) stolz alle Kritiken des Sohnes sammelte. Mit der Volksoper Wien verbindet er lange Karrierejahre, die „plus und minus“ wie er selbst sagt, waren. Das Ehrenmitglied der Volksoper und langjähriger Künstler des Hauses, Professor Harald Serafin, wurde mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis 2024 für das Lebenswerk ausgezeichnet. Er dankte seiner Gattin Ingeborg, seiner Schwester Helga und seinem Sohn Daniel. Dazu gab es noch stehende Ovationen aus dem Publikum. Ein Beispiel – ein Unikum an Lebensfreude, Durchsetzungskraft und „Spring-Drüber“- Mentalität, den auch Heinz Sichrovsky mit wohlwollenden Worten in seiner langen Rede bedachte.

Eine lange Rede war nicht im Sinne jenes Geehrten, der in der von Trenkwitz „zusammengefassten“ (sonst müsste man die folgenden beiden für „eigentlich alles“ ehren) Sonderpreis-Kategorie „Verdienste um das Musiktheater“ bedacht wurde: Manfred Waba, „Bühnenbildmagier“ aller großen und bedeutenden Bühnen, er braucht eine leere Fläche wohl nur anzusehen und weiß, wie er sie mit Leben füllt. „Ich werde Sie nicht mit einer langen Rede langweilen!“, versprach er. Nachsatz: „Das schaffe ich auch mit einer kurzen!“. Bühnenbildner seien keine großen Redner – das fällt einem ein Satz von Vicomte Cascada aus der „Lustigen Witwe“ ein – „Doch Redner, das bin ich nicht – ich sag‘ darum in aller Kürze, die bekanntlich immer die Würze…“ Waba war sehr glücklich und dankbar.

Der zweite im Bunde ist Opernfotograf Lois Lammerhuber, der „fotografisch alle Winkel der Wiener Staatsoper vermessen hat“. Ein Bild sagt einfach mehr als tausend Worte.

Die Sängerin Asmik Grigorian, von der in einer zunächst missglückten, aber dann doch gelungenen (dank Andreas „Ivo“ Ivanovics) Videoeinspielung „Un bel di vedremo“ aus Madama Butterfly zu hören war, wird mit dem Sonderpreis der Jury (vormals Medienpreis) bedacht.

Der Sonderpreis in der Kategorie „Festival“ geht an die Mozartwoche Salzburg unter ihrem enthusiastischen Leiter Rolando Villazón, der seine absolute Passion für Wolfgang Amadeus öffentlich zugab: „Ich liebe Dich, Mozart!“, warf er Kusshändchen.

Die Kategorie „Orchester“ mit Sonderpreis füllte das ORF Radio Symphonie Orchester Wien aus, dessen Existenz aber „nur“ bis zum Jahre 2027 gesichert ist.

„Kabbala“ am Sirene Operntheater Wien heimste eine Auszeichnung in der Kategorie – Sonderpreis Zeitgenössisches Musiktheater ein.

Erica Eloff in der Rolle der Eva in „Die Meistersinger von Nürnberg“ am Linzer Landestheater wird als beste weibliche Hauptrolle ausgezeichnet.

Michael Volle erhält den Preis der besten männlichen Hauptrolle für seinen Hans Sachs in „Die Meistersinger von Nürnberg“ an der Wiener Staatsoper. Direktor Bogdan Roščić nimmt die Auszeichnung stellvertretend entgegen und erklärt, Volle werde auch der Mandryka und der Wotan an der Staatsoper sein.

Kate Lindsay ist die Geehrte für ihre Penelope / ihren Komponisten in „Il ritorno d’Ulisse in patria / Ariadne auf Naxos “ an der Wiener Staatsoper als beste weibliche Nebenrolle.

Bruno de Sá wird die Ehre der besten männlichen Nebenrolle für Aminta in „L’Olimpiade“ bei den Festwochen der Alten Musik in Innsbruck zuteil.

Julian Crouch wird für die beste Ausstattung für „Orpheus in der Unterwelt“ an der Volksoper Wien geehrt.

Tobias Wögerer (oft an der Volksoper Wien – als Conductor in Residence 2022/23 tätig, auch beim Sinfonieorchester des MDR Leipzig) wird mit dem Nachwuchs – Preis für die beste musikalische Leitung ausgezeichnet.

Den Preis für die beste musikalische Leitung erhält Maxime Pascal für „Greek Passion“ bei den Salzburger Festspielen. Die Laudatorin ist Helga Rabl-Stadler, die Pascal sogleich freudig um den Hals fällt.

Stefan Herheim wird für die beste Regie für „Das schlaue Füchslein“ am Theater an der Wien ausgezeichnet.

Annina Wachter für Lakmé in „Lakmé“ am Tiroler Landestheater Innsbruck ist der beste Nachwuchs weiblich.

Pablo Santa Cruz aus Chile wird für Don Magnifico in „La Cenerentola“ an der Volksoper Wien als bester Nachwuchs männlich präsentiert.

Die beste Gesamtproduktion Oper wird „Greek Passion“ bei den Salzburger Festspielen.

Die kleine Schwester der Oper kommt nicht zu kurz, die beste Gesamtproduktion Operette, die oft unterschätzt wird, ist „La Perichole“ am Theater an der Wien.

„Natascha, Pierre und der große Komet von 1812“ am Linzer Landestheater wird zur besten Gesamtproduktion Musical. Gerade wird es nicht im Spielplanbesprechungs-Zimmer für Begeisterung sorgen, wenn jemand dieses eher unbekannte Musical aufführen wolle, so Trenkwitz, aber „Durchsetzung ist Mut!“ Der Stoff nach Leo Tolstois „Krieg und Frieden“ sorgte für Furore.

„SONNE“ (Doris Uhlich) am Festspielhaus St. Pölten wurde eine besondere Ehre und eine poetische Umschreibung seitens Trenkwitz gleichermaßen zuteil: Es wurde als beste Tanzproduktion ausgezeichnet und man „verkörpert Himmelskörper!“

Die beste Erst-/ Uraufführung des Jahres ist HIOB (Michael Sturminger / Bernhard Lang) am Stadttheater Klagenfurt, die Sturminger sichtlich aufgeregt entgegennahm.

Rührend ebenso, dass dem verstorbenen Peter Jarolin (Kulturjournalist mit Leib und Seele vom Medium KURIER) gedacht wurde.

Die stimmige und musikalisch äußerst sorgfältig gewählte Veranstaltung schließt mit der „Fledermaus“- Ouvertüre von Johann Strauss.

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