Solch eine Gelegenheit bietet sich nicht oft: Die Sächsische Staatskapelle Dresden unter Daniele Gatti führt im Rahmen einer Tournee (nächste Station: Philharmonie de Paris am 30.Mai) das Requiem von Verdi mit herausragenden Solisten auf. Hier in Wien, im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, werden sie begleitet vom Wiener Singverein, an zwei Terminen brachte man das monumentale Werk mit opernhaften Anklängen zu Gehör.
Die Vertonung der Katholischen Totenmesse stammt aus dem Jahre 1874. Verdi komponierte die Messa da Requiem für seinen verstorbenen Freund Alessandro Manzoni, um den er intensiv trauerte. Der Ablauf orientiert sich sehr genau an der Katholischen Kirche, obwohl Verdi nicht religiös war.
Klang, Klang und nochmals der Klang: es fordert Solisten, Chor und Orchester, die imstande sind, diesen mit angemessener Dramatik, Intimität und Strahlkraft umzusetzen. Und an diesen Abenden genügt ein Blick auf den Besetzungszettel, das passt!
Benjamin Bernheim im Tenorpart setzt einen Höhepunkt darauf: Die immense Stärke und Leuchtkraft seiner Stimme veredelt die Ausführung des Werkes zusätzlich – etwa beim „Ingemisco – qui Mariam..“ Eleonora Buratto mit Diven-Ausstrahlung sorgt ebenso für die richtige Grundstimmung wenn sie Libera me intoniert. Elina Garanca hat einen großen Moment beim Liber Scriptus (eigentlich hat Verdi den Chorteil erst später zu einer Arie für Mezzosopran „umfunktioniert“). Riccardo Zanellato mit angenehmem Timbre, an diesem Abend bleibt er jedoch der leiseste der Interpreten. Der Wiener Gesangverein mit mächtigen Stimmen trägt seinen Teil zum Gelingen bei. Wortundeutlichkeiten bei allen Mitwirkenden (besonders wenn in lateinischer Sprache gesungen wird) sind selten. Beim „Agnus Dei“ stellen die Damen ihre Stimmqualitäten unter Beweis, wobei ganz am Beginn kurzzeitig der Eindruck entsteht, sie müssten sich harmonisch abstimmen.
Mit elegischer Finesse sind die Solisten tragende Säulen des Requiems.
Daniele Gatti und die Sächsische Staatskapelle Dresden sind in guter Form, musizieren kraftvoll und mitreißend sowie sehr laut. Es bleibt also zu resümieren, dass ein Fernbleiben dieser Veranstaltung ein großes Versäumnis wäre! Man höre und staune.