Wiener Musikverein

Wieder eine geschenkte Stunde: Otto Schenk präsentiert sein neues Buch!

Quod erat demonstrandum: Es gibt sowohl Straussianer als auch „Schenk-isten“. Der 88-jährige, umtriebige Theatermensch, den laut eigener Aussage eine Hassliebe mit selbigem verbindet, hat (wieder einmal) ein Buch geschrieben: Diesmal dreht sich alles um die Musik. Otto Schenk erfüllte sich im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins wieder den Traum vom Dirigieren. Sein Sohn Konstantin ist übrigens wirklich Dirigent. 

Zwei Dirigenten gab es an diesem Abend: Zusammen mit der Ungarischen Kammerphilharmonie (diesmal unter der musikalischen Leitung von Konrad Leitner) gab Otto Schenk ja in der Vergangenheit schon das eine oder andere „launige“ Konzert mit viel Körpereinsatz. So spüre er die Musik einfach besser. „Wer nicht hört, kann nicht selig werden.“, so der Tausendsassa auf der Bühne. Oder: „Musik hören muss man lernen.“. Das dazugehörige Programm hat einen hübschen Namen: Noten und Anekdoten. 

Schenk fühlte sich lange unmusikalisch. Er musste sich die Musikalität erarbeiten. Das kam ihm wiederum bei seinen zahlreichen Operninszenierungen zugute, wie an der New Yorker Metropolitan Opera. In einem früheren Interview mit Klingers Kulturpavillon erwähnte er auch seine Herangehensweise an eine Inszenierung: Klingers Kulturpavillon: M. Klinger im Gespräch mit Ksch. Prof. Otto SCHENK

Was das Dirigieren anlangt, wollte er immer diesen Beruf ergreifen. Aber es kam nie dazu. Was vielleicht eben oben genannten Grund haben mag, dass er sich nie wirklich bereit fühlte.

Nicht nur die eingefleischten Fans erfreuen sich immer wieder seiner Bücher. Aber: Eine Autobiographie weigert er sich zu schreiben. Das wäre nicht angebracht. Lieber widmet er sich den verschiedensten Bereichen: Ein Kochbuch mit Rezepten seiner Nonna hat er schon herausgebracht („Wer kocht, ist selber schuld“). Oder er schreibt über irrwitzige Begebenheiten, die Oper, das Theater, gerade jetzt über die Musik.

Wer´s hört, wird selig – Musikalisches und Unmusikalisches ist der Name seines neuesten Werkes.

Die Zuhörer durften sich unter anderem an der „Pizzicato Polka“ (Johann Strauss Sohn und Josef Strauss, op. 234) oder an dem kleinen Meisterwerk „Unter Donner und Blitz“ (Polka schnell v. Johann Strauss Sohn, op. 324)  erfreuen. Mozart und Rossini liebt er aber auch. So entstand eine fast gnadenlose Vielfalt an „Expressionismus“, die er vorführte. Er hüpfte, beugte sich nach vorne, ließ wieder die Musiker kommen….

Otto Schenk mag zwar kein Musiker sein, ein untrügliches Gespür für die Musik und die Bereitschaft, ja sogar überschäumende Freude, sich dazu zu bewegen, ist ihm in die Wiege gelegt.

Nach dem Konzert und der Lesung hatte Schenk jedenfalls viel zu tun: Sehnsüchtig wurde er bereits zum Signieren seiner Werke erwartet, und das von einer Hundertschaft.

Information:

Otto Schenks neues Buch: „Wer´s hört, wird selig. Musikalisches und Unmusikalisches“, erschienen im Amalthea Verlag.

Preis: € 26

Ein Einblick voller Humor und Informationen in die Welt der Oper, der Musik, ein Muss für alle „Schenk-isten“.

Link zum Buch: http://www.amalthea.at/produkt/wers-hoert-wird-selig/

Rudolf Buchbinder konzertiert im Wiener Musikverein.

Aus der Reihe „Große Solisten“ ist wohl einer nicht wegzudenken: Es handelt sich um den Meister des Tasteninstrumentes Rudolf Buchbinder. Er zeigt im Wiener Musikverein demnächst wieder den Wohlklang eines Haydn und eines Beethoven.

Mit dem Wiener Musikverein verbindet den Pianisten Rudolf Buchbinder eine lange Geschichte: Denn schon als Jugendlicher trat er dort in Konzerten auf. Bei seinem aktuellsten Konzert am kommenden Montag bietet er nicht nur für Beethoven-Anhänger die hingebungsvolle „Sonata appassionata“ wie die Klaviersonate in f-Moll, op. 57, genannt wird. Nein, auch vom Haus- und Hofkomponisten von Esterházy, Joseph Haydn, wird ein Beitrag gebracht: Die Sonate für Klavier in F-Dur. Und zum „Darüberstreuen“ besinnt sich Meister Buchbinder auf Franz Schubert: Vier Impromptus für Klavier.

Info:

Rudolf Buchbinder – Zyklus „Große Solisten“ im Wiener Musikverein

Termin: 14.05.2018, 19:30

Ort: Großer Saal des Wiener Musikvereins

Karten: http://www.musikverein.at

 

Schlichtheit, gepaart mit Temperament und Eisläufern – Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker 2017

 

Wir schreiben das Jahr 2017 und der Kulturpavillon schreibt mit Leidenschaft wieder die alljährliche Rezension über das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das wohl berühmteste Konzert der Welt wird in über 90 Länder per TV übertragen und ist heiß erwartet und beliebt. Auf der ganzen Welt haben sich Fan-Gruppen zusammengeschlossen, die sich intensiv auf den 1.1. des Jahres vorbereiten. Wohl auch in Venezuela, der Heimat des diesjährigen Dirigenten, des (erst) 35-jährigen Gustavo Dudamel.

Nach dem ersten Marsch aus der Operette „Wiener Frauen“, nämlich dem sogenannten „Nechledil-Marsch“ (Lehár), welcher nicht gerade ein besonderes Glanzstück des famosen Komponisten darstellt, durfte man sich von diesem Konzert noch weitaus mehr erwarten. Lehár schrieb quasi eine Operette nach der anderen, viele davon als richtiggehende Welt-Hits, so wie die „Lustige Witwe“, deren Melodien wohl ein jeder, der Musik im Entferntesten mag, schon einmal gehört hat.

Im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, prächtigerweise dieses Jahr sogar mit einigen Südfrüchten geschmückt, waren die Wiener Philharmoniker schwelgend in einer fantastisch ausgewogenen Version von Emilé Waldteufels „Les Patineurs“ oder auf Englisch „Skater´s Waltz“ (op. 183). Fein ziseliert die Passagen vorgetragen, kam nicht nur Dudamel selbst ins Schwärmen. Zum Weinen schön! Waldteufel war, wie bereits im vorigen Jahr nebst „Espana“, ein Konkurrent der Strauß-Dynastie, welcher in ähnlichem Stil komponierte.

Gustavo Dudamel ist mit seinen 35 Jahren der jüngste Dirgent in der Geschichte des Neujahrskonzertes. Und man muss ihm sagen, er hat seine Sache famos gemacht. Mit einem stets wundervoll charmanten Lächeln, das noch keiner der Dirigenten vor ihm gezeigt hatte, ging er an die Stücke heran. Sein merkbares Temperament war dennoch – oder schien dennoch etwas gezügelt zu sein. Geboren wurde er in Venezuela, und gilt in seinem Land als „Symbolfigur einer einzigartigen Klassik-Bewegung“. Er erwähnte zudem, dass er schon als Baby das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Fernsehen „mitverfolgt“ habe und es nun zu leiten, eine ehrenvolle Aufgabe sei.

Weiter im Programm ging es mit der schwungvollen und ur-wienerischen Polka „S´ gibt nur a Kaiserstadt, s´ gibt nur a Wien!“ (op. 291) von Johann Strauss Sohn, das erste Stück der Strauss-Dynastie in diesem Konzert, wobei die öffentliche Meinung auseinandergeht. Die „Sträuße“ sollten doch eigentlich dieses Welt-Konzert dominieren, meinen die Einen. Die Anderen gestehen auch „Außenseiter-Komponisten“ eine große Rolle im Neujahrskonzert zu. Beide Meinungen dürften wohl heuer befriedigt worden sein.

Von Johanns Bruder Josef Strauss folgte die „Winterlust“ (op. 121) als rassige, und doch sehr entzückend vorgetragene Schnellpolka, bei welcher Dudamel  entfesselt war. Spezialeffekte wie das Zusammenklappen eines Holzblocks ließen launigerweise nicht lange auf sich warten.

„Mephistos Höllenrufe“ (op. 101), wieder von Johann Strauss Sohn, gerieten zu einem rasanten, aber ehrlich gesagt, wenig „bedrohlichen“ Szenario. Da hätte man sich mitunter ein bisschen mehr Dramatik erwarten dürfen. Ein wunderbar ausgearbeiteter Walzer, mit vielen ausdrucksstarken und auch verstrickten Motiven, den die Philharmoniker mit Akribie intonierten.

Ein kleiner „Gassenhauer“ folgte sodann, aus der Operette „Eine Nacht in Venedig“, übrigens die einzige von Johann Strauss Sohn, die in Berlin (!) uraufgeführt wurde. Die Schnell-Polka „So ängstlich sind wir nicht“, (op. 413) war sehr wuchtig und angenehm schmissig gespielt, animierte beinah zum Mittanzen. Nur die im Original vortragenden Senatorsfrauen waren nirgendwo zu entdecken, aber wie deklariert, war das die Antwort der Philharmoniker auf den vorangegangenen Walzer.

Im zweiten Teil des Neujahrskonzertes fand man drei große Walzer, eine prächtige Ouvertüre sowie Polkas und sogar wieder eine Quadrille, nach einigen Jahren.

Die Ouvertüre zu einer eher selten gespielten Operette von Franz von Suppé, „Pique Dame“, in welcher sich alles um Liebe, Wahrsagerei und Kartenlegen dreht, wurde zu einem fulminanten Meisterwerk, die fein gesetzten Einsätze der Musiker, die Atmosphäre dieses Musikstückes, sehr gut ans Publikum transferiert. So lässt es sich trefflich feiern.

Auch ein weiterer, wunderbarer Komponist fand Eingang in das Programm des Konzertes, der Wiener Carl Michael Ziehrer, der mit seinen über 600 Kompositionen wichtig für das Kulturleben der Stadt war. Von ihm hörte man mit mächtiger Inbrunst vorgetragen den populären Konzertwalzer „Hereinspaziert!“, welcher schon bis auf Kreuzfahrten vorgedrungen ist. Mit seiner anspruchsvoll langen Spieldauer von acht Minuten stellt dieses Werk eine Herausforderung der leichten Muse dar. Es handelt sich dabei um Opus 518 aus der Operette „Der Schätzmeister“. Mit wechselnden Passagen, die doch immer so leicht klingen müssen, als rutschten sie förmlich von der Violine, überzeugten die Musiker auch hier auf ganzer Linie.

Einen prominenten Auftritt hatte bei der nächsten Gelegenheit der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, unter der Leitung von Johannes Prinz. Die Damen und Herren intonierten den „Mondaufgang“ aus Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ im Chor. Ein zu Herzen gehender Effekt hierbei: Es wurde einerseits von der Orgel aus ein silberner Staub ins Publikum geblasen, und andererseits wurden Kirchenglocken imitiert. Ein Erlebnis, zumal mit Otto Nicolai der Gründer der Wiener Philharmoniker bedacht wurde.

Die exquisit schöne Tänzerin Pepita d´Oliva wurde von Johann Strauss Sohn mit einer eigenen Polka beschenkt, simplerweise der „Pepita-Polka“ (op. 138), zu diesem Anlass kamen Kastagnetten zum Einsatz. Ein „Kleinod“, aber recht sinniges und auch stimmiges Juwel der Sträuße.

Es folgte eine mit Spannung erwartete Quadrille, und zwar die „Rotunden-Quadrille“ (op. 360) von Strauss Sohn. Diese wurde anlässlich der Weltausstellung 1873 in Wien komponiert, und rankte sich rund um einen nicht fertiggestellten Prachtbau in Wien. Auch diese geriet recht temporeich und sehr aufwiegelnd, im nächsten Moment aber wieder besänftigend.

Eine für den Juristenball geschaffene Komposition folgte auf dem Fuß: „Die Extravaganten“, (op.205) ein genau durchkomponierter Konzertwalzer von Strauss Sohn, wurde wieder höchst melodisch umgesetzt. Extravagant waren da Ton und Takt.

Eine Tänzerin des Wiener Staatsballetts, Liudmila Konovalova, hatte ihre Neujahrskonzert-Premiere und war entsprechend motiviert und aufgeregt. Bravourös meisterte sie auch schwierige Passagen.

Johann Strauss Vater komponierte den „Indianer-Galopp“ (op.111), der einen etwas irreführenden Namen trägt. Es waren nämlich damals indische Tänzer zu Besuch, zu deren Ehren dieses Werk entstand. Das rascheste Stück dieses Neujahrskonzertes, wo die Philharmoniker und Dudamel alles auf den Tisch legten.

Ein entzückendes Werk, thematisch angesiedelt in der Region Semmering-Rax in Niederösterreich, präsentierten die Wiener Philharmoniker mit Josef Strauss´ schwärmerischer Polka mazur „Die Nasswalderin“ (op. 267). Eine ähnliche Struktur wie bei seinem „Hit“, der „Libelle“, war nicht abzusprechen.

Eine resche Schnellpolka seines Bruders Johann Strauss folgte, zu der eine Tanzeinlage von sechs Studierenden der Ballettakademie geboten wurde: „Auf zum Tanze“ (op. 436), wirklich melodiös. Die Bekanntheit dieser Polka dürfte nicht zu Weltrang reichen, doch hörenswert ist sie allemal. Musiziert wie „Butter“ und genauestens abgestimmt auf die Tänzerinnen und Tänzer, die sich feudal im Goldenen Saal drehten.

Auf einen großen Walzer (Spieldauer: 8 Minuten 30 Sekunden) konnte man sich mit „Tausend und Eine Nacht“ (op.346) nach Motiven der Operette „Indigo und die vierzig Räuber“ (J. Strauss Sohn) einstellen. Hier hatten vor allem die Klarinetten (wie etwa Ernst Ottensamer) viel zu tun. Fein, mit großen, ausladenden Bögen und anregend zu lauschen!

Eine wohlbekannte Polka, zu der auch immer die Hauptfiguren aus Strauss´ „Fledermaus“, Eisenstein und Rosalinde, „leiden“,  rundete den offiziellen Teil des Neujahrskonzertes ab. Man gab die „Tik-Tak Polka“ (op. 365). Irgendwo spielen sie sie immer, net woar. Kompliment an die Philharmoniker und Dudamel, dass sie aus diesem Moment etwas Besonderes machten!

Eine hübsche Zugabe mit einem bei diesem Konzert unterrepräsentierten Strauss-Bruder, nämlich Eduard, stand im Raum. Letztes Jahr wurde er noch etwas mehr „gewürdigt“. „Mit Vergnügen“ (op.228) lautete diesmal sein Beitrag. Eine kleine Polka, die die Zuhörer mitriss, ehe…

…das „Geburtstagskind“ des heurigen Jahres zu seinen Ehren kam. Der „Donauwalzer“, oder wie er ganz streng, korrekt bezeichnet wird: „An der schönen blauen Donau“ (op. 314), feierte seinen 150. Geburtstag. Dudamel, ganz aufgeregt, legte sich sehr hinein und hatte den ganz pflichtbewussten, aber auch locker-melodiösen Zugang.

Den Abschluss bildete wie immer der „Radetzky-Marsch“ (op. 228), welchen Dudamel sehr exakt haben wollte und das Publikum nicht nur zum „Forte“- Mitklatschen, auch zu dem folgenden Begeisterungssturm brachte.

Bravo, Gustavo Dudamel, zu dieser Premiere!

 

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NEUES von…Kristine Opolais

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Die Sopranistin Kristine Opolais stammt aus Lettland. Sie gab am 09.Mai 16 ihr Debut im Wiener Musikverein gemeinsam mit ihrem Mann Andris Nelsons als Dirigent und dem Boston Symphony Orchestra. Auf dem Programm standen Werke von Tschaikovskij und Rachmaninow sowie Debussy.

Neujahrskonzert 2015 – Techniksegen,Konfettiregen, Orient und Student

 

Wiener Musikverein                                                                                               01.01.2015

Innovativ statt traditionell – so gestalteten in diesem Jahr Maestro Zubin Mehta (der zum 5. Mal dirigiert) und die Wiener Philharmoniker  das Neujahrskonzert. Es stand im Zeichen der Technik und der Universität. Im schönen Goldenen Saal des Wiener Musikvereins regnete es dieses Mal sogar Konfetti.

Ein Winter-Vormittag. Begonnen wird mit der Ouvertüre zu Franz von Suppés Lustspiel „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“. Ein flotter Einstieg. Ein bisschen klingt das fast wie Otto Nicolai, ist aber ein waschechter Suppé. Richtig, wie eine Ouvertüre klingen muss. Mehta setzt hier auf das richtige Tempo und die Gangart. Eine Hommage an den gebürtigen Inder bildet der zweite Walzer von Johann Strauss Sohn, „Märchen aus dem Orient“. Dieser wird sehr langsam und feingliedrig musiziert. Die Übergänge wirken ein wenig gebremst. Die Musiker achten sehr auf Genauigkeit. Dieser Walzer wurde von Strauss Sohn für den Sultan von Konstantinopel komponiert und trägt die Opuszahl 444. Durch die elegischen Mollpassagen führen die Philharmoniker sehr elegant.

Es folgt die Polka francaise von Josef Strauss „Wiener Leben“, die äußerst fein ziseliert und sehr lebhaft gestaltet wird. Man kann sich das bunte Treiben direkt vorstellen. Daraufhin servieren die Musiker von Josefs Bruder Eduard Strauss: „Wo man lacht und lebt“, eine reizende Schnellpolka. Pure Lebensfreude wird hier unter den Musikern spürbar, wo so mancher auch ins Schwitzen kommt. Besonders rasant, aber auf feine Genauigkeit achtend wird intoniert. Das synchrone Aufschwingen der Geigenbögen ist auch einen Blick wert.

Ein mit einigen rustikalen Motiven gespickter, sehr langer Walzer von Josef Strauss, die „Dorfschwalben aus Österreich“: Klarinetten (u.a. Daniel Ottensamer) und Oboen sowie Vogelgezwitscher sind hier sehr gefragt. Heftig bewegt, dann wieder im piano. Schön fließend und sanft legt sich die Melodie über die Instrumente, auch der Streichersatz kommt hier gut zur Geltung. Romantisch-verklärt und ländlich mit einem ernsthaften Einschlag ließe sich dieses Werk beschreiben, dem Josef Strauss richtiggehend (eigentlich für das Pianoforte komponiert) zu einem kleinen Meisterwerk verholfen hat. Auch eine Harfe hört man sehr gut heraus. Das Vogelgezwitscher kommt aber aus der Konserve und nicht aus der Natur, klarerweise. Interessante Apparationen werden dafür herangezogen, etwa eine Pfeife in Form eines Vogels.

Wieder eine sauber und trotzdem leidenschaftlich intonierte Schnellpolka „Vom Donaustrande“ von Johann Strauss Sohn. Einige Passagen erinnern fast an ein ganz leichtes Pizzicato, so fein sind sie gespielt. An einigen Stellen mit nobler Zurückhaltung, um dann wieder entfesselnden Klang zu bieten. Die Streicher (u.a. Erich Schagerl, Clemens Hellsberg) entlocken ihren Instrumenten hier besonders genau differenzierte Töne. An einen Strand erinnert dieses Werk aber eher nicht, auch nicht an Wellenrauschen. Möglicherweise gibt es eine gewisse Diskrepanz zwischen Titel und Werk.

Weiter geht es nach der Pause mit dem „Perpetuum mobile“, dem Musikalischen Scherz von Strauss Sohn. Das Fagott und die Oboe machen ihre Sache gut. und scherzweise schließlich von Maestro Mehta mit den Worten „et cetera, et cetera….“ abgebrochen. Das Publikum reagiert mit Applaus.

Der Accelerationen-Walzer von Strauss Sohn ist der Technik gewidmet von der die Strauss-Brüder ja sehr begeistert waren. Eduard und Josef aber mehr als Johann. Industrialisierung und Dampfmaschine: Dieses Werk klingt sanft und wenn man ganz genau das Orchester beobachtet, sieht man einen Geiger breit lächeln ob des lieblichen Tones, den er gerade spielt. In den oberen Reihen geben die Kontrabässe (u.a. Ödön Racz) alles. Dieser Walzer hat die Besonderheit, immer schneller zu werden und sich dadurch in den Weiten der Musik zu verlieren, man kann sich ein Tanzpaar vorstellen, das dazu immer schneller und schneller sich im Walzertakt dreht und sich quasi in den Augen des anderen verliert. Wer es weniger romantisch mag: Eine immer rascher in Bewegung kommende Maschine drängt sich als Denkfigur ob des Werkes auf.

Technisch geht es auch weiter: Mit der „Electro-magnetischen Polka“ von Johann Strauss Sohn. Am Anfang sehr leise und differenziert, geht es im Mittelteil schmissiger zu. Eine Denkfigur hierzu sind zwei sich anziehende und abstoßende Magneten.

Mit allerhand Gerätschaften, um auch monotone Geräusche zu erzeugen, macht man wieder bei Eduard Strauss „Mit Dampf“, einer Schnellpolka, Bekanntschaft. Da wird geraschelt, gedampft und herrlich musiziert. So schnell, dass man sich fast überschlägt.

Die Bewegung der Wellen imitiert schließlich der Walzer „An der Elbe“, ein langer, schöner Konzertwalzer. Dieser stammt von Johann Strauss Sohn. Dramatisch, fein.

Dem Dänen Hans Christian Lumbye, dem „Strauß des Nordens“, wird mit dem „Champagner-Galopp“ Rechnung getragen. Er wollte sich der Strauss-Dynastie musikalisch angleichen. Als kleines Bonmot serviert Zubin Mehta ausgewählten Musikern ein Glas des Schaumweins und gemeinsam wird es erhoben. Allerhand eigentümliche Apparaturen für den Klang werden auch hier verwendet. Eine kleine Gesangseinlage lassen die Wiener Philharmoniker nicht nehmen.

Die Studenten-Polka von Johann Strauss mit dem weit bekannten Motiv „Gaudeamus igitur“ folgt mit fröhlicher Weise. Der „Freiheits-Marsch“ von Strauss Vater, ist, nun ja, ein typischer Marsch. Aber nicht besonders „fesch“. Er hat recht leise Stellen.

Die allseits beliebte und bekannte „Annen-Polka“ (Strauss Sohn) widmet Zubin Mehta seiner Frau. Sie wird feingliedrig musiziert, aber nicht zu sehr aufgebauscht.

Nun der große Walzer mit Motiven aus der Operette „Wiener Blut“, „Wein, Weib und Gesang“. Sehr ausgedehnt, mit langsam getragenen, träumerischen Passagen, gewinnt er wenig an Schwung, aber hier ist das vollkommen in Ordnung.

Noch eine rasche Schnellpolka, dann ist auch schon der offizielle Teil (leider) beendet: Es folgt Eduard Strauss´ „Mit Chic!“, flott musiziert, ein selten gehörtes Kleinod.

Die „Üblichen Verdächtigen“ als Zugaben sind heuer nicht genug: Die „Explosions-Polka“, bei der vor allem die Trommel sich redlich müht. Am Ende gibt es einen großen Knall, und dickes Konfetti rieselt von der Decke des ehrwürdigen Musikvereinssaales. Eine gelungene Überraschung!

Donauwalzer (sehr schmelzend und fließend musiziert) und Radetzkymarsch (wobei Mehta das Applaudieren nach Rang getrennt bevorzugte) komplettieren das Konzert.

Der Goldene Musikvereinssaal war an diesem Vormittag mit üppigem Blumenschmuck der Wiener Stadtgärten (Anthurien, Rosen, Tulpen) versehen.

Ein Bravo allen Beteiligten! So fein akzentuiert musiziert!

-Martina Klinger-

 

 

 

 

 

 

Was erwartet uns? – Programm des Neujahrskonzertes

Das traditionelle Neujahrskonzert im Wiener Musikverein. Ein Ausblick auf die zu erwartenden Werke:

– Franz von Suppé: „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“

– Johann Strauss Sohn: „Märchen aus dem Orient“ – Walzer op. 444

– Josef Strauss: „Wiener Leben“ – Polka op. 218

– Eduard Strauss: „Wo man lacht und lebt“ – Polka op. 108

– Josef Strauss: „Dorfschwalben aus Österreich“ – Walzer op. 164

– Johann Strauss Sohn: „Vom Donaustrande“ – Polka op. 356 (aus der Operette „Carneval in Rom“)

– Johann Strauss Sohn: „Perpetuum mobile – Der musikalische Scherz“ – Polka op. 257

– Johann Strauss Sohn: „Accelerationen“ – Walzer op. 234

– Johann Strauss Sohn: „Elektro-Magnetische Polka“ – Polka op. 110

– Eduard Strauss: „Mit Dampf“ – Polka op. 70

– Johann Strauss Sohn: „An der Elbe“ – Walzer op. 477

– Hans Christian Lumbye: „Champagner-Galopp“ – op. 14

– Johann Strauss Sohn: „Studenten-Polka“ – Polka op. 263

– Johann Strauss Vater: „Freiheits-Marsch“ – op. 226

– Johann Strauss Sohn: „Annen-Polka“ – Polka op. 117

– Johann Strauss Sohn: „Wein, Weib und Gesang“ – Walzer op. 333 (mit Motiven aus „Wiener Blut“)

– Eduard Strauss: „Mit Chic!“ – Polka op. 221

Natürlich inklusive: Donauwalzer, Radetzkymarsch

-MK-

O du fröhliches X-MAS-Concert / Wiener Musikverein

Musikverein Wien                                                                                                       Dezember 2014

Der WMGV (Wiener Männergesangverein) gab sich die Ehre und lud zum Weihnachtskonzert. Bariton Daniel Serafin und Otto Schenk komplettierten das Ereignis mit Gesang beziehungsweise einer humorigen Lesung.

Das Konzert fand im Goldenen Saal (Großer Musikvereinssaal) statt.

Zunächst intonieren die Herren des Gesangsvereins die Bach-Kantate „Jesus bleibet meine Freude“. Nicht alle Herren aspirieren die „t“´s gleich, es wird sehr leise intoniert und ein allzu hörbares Atmen bleibt nicht aus. Vor allem wenn man in den vorderen Reihen hautnah am Geschehen sitzt. Beim zweiten Mal gelingt es dann schon viel besser (möglicherweise waren die Mitglieder noch nicht ganz „warmgesungen“). Das „Ave Maria“ (Version von Giulio Caccini, eigentlich jedoch Wawilow) klingt fast schwungvoll. Auch die „Heilige Nacht“ von Reinhardt bereitet dem Verein keine Schwierigkeiten.

Auftritt Bühnen-Zampano Otto Schenk. Seine ersten Worte auf der Bühne des Großen Musikvereinssaals: „Ein großer goldener Saal!“ Er setzt sich und fängt an zu lesen: „Advent ist die schönste Zeit im Jahr – jeder hat eine Grippe. Unsere schreibt man mit dem Buchstaben K“. Als er seine erste humoristische Einlage beendet hat -„Man kriegt bis Ostern nix mehr!“- geht sein Blick nach rechts. Er deutet „Ich?“, und möchte wissen, ob er noch einmal lesen soll. Doch nein.

Jetzt ist Gesang dran: Bariton Daniel Serafin tritt ans Klavier und singt das religiöse „Panis angelicus“ (Caesar Franck). Dabei zeigt er eine schöne Höhe, bei den Worten „manducat Dominum“ wird sie kurz schwächer, um dann bei „pauper, servus et humilis“ wieder ganze Kraft zu schöpfen. Der Chor gesellt sich harmonisch dazu.

Schenk schwingt sich wieder auf und liest eine weitere Weihnachtsgeschichte: Diesmal mit ein paar obszönen Ausdrücken, von denen harmlosere noch „Das Christkind mit seinem Klumpert“, „tropfende Rollmöpse“ oder „Urbusserl“ sind.

Nun interpretiert Serafin das „Ave Maria“ von Schubert. Sehr getragen und teilweise mit geschlossenen Augen. Das Klavier von Kyoko Yoshizawa begleitet ihn dabei gefühlvoll.

OTTO tritt wieder vor, um ein Gedicht eines in der Kälte leidenden Baumes vorzutragen. Das erste, das nicht etwa durchgängig fröhlich daherkommt, sondern das Publikum eher nachdenklich stimmt. „Es ist eine Kälte“. Dabei verzieht Schenk dermaßen die Miene, dass man fast wieder schmunzeln muss. Er liest von lauschenden Bratäpfeln, Blechsoldaten und Pfefferkuchen.

Im Volkstheater, so Schenk, musste er immer das „Weihnachtsmärchen“ aufführen. Das hat so eine „unbegabte, protegierte Funse“ geschrieben, und teilweise wird das Lesungsstück wieder nicht so weihnachtlich. Als sich Schenk schließlich erhebt, blickt er um sich, als wolle er wieder weiterlesen.

Der Männergesangverein intoniert „In schöner Winterszeit – Wintertag“. Es ist doch gar nicht winterlich, aber das Lied vermag auch zu rühren. Die Wortdeutlichkeit ist hierbei nicht ganz gegeben, aber als im Kanon „O liebe uns nicht minder“ ertönt, ist es mehr als deutlich.

Man meint, der inzwischen wieder lesende OTTO wird morgen keine Stimme mehr haben, denn er legt sich ganz schön ins Zeug, um das Publikum zu unterhalten. „Ihr nehmt uns mit dem Auto mit? Ja, denn so spät Nachts müsst ihr nicht nach Hause laufen. Nur müsst ihr links einsteigen, denn die Türgriffe rechts sind abgebrochen. Das kommt bei Neuwagen vor…..Wir winkten ihnen also nach. Das Stück hätten wir auch zu Fuß laufen können, und wären längst im Bett. Im Wagen wurde nach Art des Hauses gestritten. Am nächsten Eck hatten sie eine Panne. Das kommt bei Neuwagen vor.“

Serafin ist wieder dran: Der junge Bariton singt mit voller, merklicher Begeisterung das amerikanische Weihnachtslied „Chestnuts roasting on an open fire“. Das gibt es bekanntlich von Nat King Cole. Aber der, kann das „Feeling“ an diesem Tag nicht halb so gut herüberbringen wie Serafin: Locker und mit vollem Elan und der Portion nötigem Schmelz kommt dieser „Christmas Song“ daher.

Einen Kontrast dazu bietet der Wiener Männergesangverein mit einer Darbietung rund um „Eisbrockn und Winta“ im österreichischen Dialekt. „Waun i mei Dirndl noch´n Heirat´n frog“, das wissen nur die Männer selbst. Dann folgt ein guter, aber sehr nervöser Solist mit „Transeamus usque Bethlehem“.

OTTO liest eine weitere Weihnachtsgeschichte von Hugo Wiener: „Ich möchte euch für den reizenden Abend danken, aber ich kann es eigentlich nicht!“ Wenn statt „Stille Nacht“, plötzlich „I can´t give you anything but love“ ertönt.

Daniel Serafin singt einen weiteren Weihnachtssong auf Englisch: „I´ll be home for Christmas“, wieder kommt man dabei nahezu in Swing-Stimmung. Obwohl sich „Please have snow“ heuer wahrscheinlich nicht erfüllen wird. „If even in my dreams“.

OTTO berichtet von der geschenkten „Venus von Milo“. „A bissl nackert war sie scho.“ Dann folgen noch 134 Fensterdekorationen in der nächsten Geschichte. Beleuchten wir zu viel an Weihnachten?

Der Männergesangverein und Serafin läuten das Finale ein mit dem Lied „O du fröhliche“. Alle dürfen mitsingen, wie schön. Nochmals sehr besinnlich wird es mit „Schenk der Welt einen Weihnachtsbaum“ und der „Christrose“.

Dirigent Antal Barnas freut sich mit.

Ein schöner Vormittag.

 

-Martina Klinger-

 

 

Links:

http://www.musikverein.at

http://www.wmgv.at (Wiener Männergesangverein)

http://www.danielserafin.com

 

 

 

 

Kaufmann kann´s

Wiener Musikverein. Wien                                                                                                                                                         01.Mai 2014

 

Der Tenor Jonas Kaufmann – wer seinen Namen hört, darf sich auf hochkarätige Klassik einstellen. Er ist der gefragteste Tenor unserer Zeit. Eine stimmliche Ausnahmeerscheinung. Niemand würde vermuten, dass der Deutsche für einige Semester Mathematik studiert hat. Die Liste seiner Ehrungen ist lang. Erst kürzlich erhielt er für sein neu erschienenes Verdi-Album die Goldene Schallplatte. Nun gestaltete er seinen ersehnten, schon einmal abgesagten Liederabend zum Nachholtermin in Wien. Mit einer nahezu perfekten Location: dem Wiener Musikverein. Dieser war ausverkauft.

Kaufmann manövriert seine Stimme durch ein wahrhaft virtuoses, aber von Bezeichnung her eher nüchternes Programm. Wer die Wesendonck-Lieder von Wagner schätzt, wird sie mit diesem Interpreten wohl noch um ein Vielfaches mehr schätzen (lernen). Kaufmanns Stimme ist lyrisch und baritonal gefärbt zugleich, was seinen Gesang natürlich wirken lässt. Da ist nichts von Anstrengung zu merken, wiewohl sie natürlich vorhanden ist.

Er versucht, und das ist nicht zwingend ein Abschlag, die Lieder so natürlich wie möglich klingen zu lassen. Er stellt seine Stimme nicht über alles, sondern lässt Raum für Interpretationen. Wärme und Natürlichkeit sowie eben mühelose Höhen lassen diesen Nachmittag einfach zu einem Stimm-Erlebnis werden.

Die Sonette von Petrarca lassen ebenso Wärme, Anpassung und Weichheit erahnen.

Kaufmann kann´s.

-Martina Klinger-