Jonas Kaufmann konzertiert in Wien

Der Tenor Jonas Kaufmann steht für hochkarätige Klassik. Eine stimmliche Ausnahmeerscheinung. Niemand würde vermuten, dass der Deutsche für einige Semester Mathematik studiert hat. Die Liste seiner Ehrungen ist lang. Erst kürzlich erhielt er für sein neu erschienenes Verdi-Album die Goldene Schallplatte. Nun gestaltete er seinen ersehnten, schon einmal abgesagten Liederabend zum Nachholtermin in Wien. Mit einer nahezu perfekten Location: dem Wiener Musikverein. Dieser war ausverkauft.

Kaufmann manövriert seine Stimme durch ein wahrhaft virtuoses, aber von Bezeichnung her eher nüchternes Programm. Wer die Wesendonck-Lieder von Wagner schätzt, wird sie mit diesem Interpreten wohl noch um ein Vielfaches mehr schätzen (lernen). Kaufmanns Stimme ist lyrisch und baritonal gefärbt zugleich, was seinen Gesang natürlich wirken lässt. Da ist nichts von Anstrengung zu merken, wiewohl sie natürlich vorhanden ist.

Er versucht, und das ist nicht zwingend ein Abschlag, die Lieder so natürlich wie möglich klingen zu lassen. Er stellt seine Stimme nicht über alles, sondern lässt Raum für Interpretationen. Wärme und Natürlichkeit sowie eben mühelose Höhen lassen diesen Nachmittag einfach zu einem Stimm-Erlebnis werden.

Die Sonette von Petrarca lassen ebenso Wärme, Anpassung und Weichheit erahnen.

Kaufmann kann´s.

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