Jonas Kaufmann

Jonas Kaufmann sagte: „Ja!“

Der Münchner Tenor entschied sich für einen ganz besonderen Jahresbeginn. Kaufmann entschied sich nämlich, „Ja“ zu sagen, und das in einem Rausch des privaten Glücks und der Verliebtheit.

Jonas Kaufmann und seine Lebensgefährtin, Opernregisseurin Christiane Lutz, haben in München geheiratet. Christiane Lutz ist schwanger und das erste gemeinsame Kind der beiden soll laut Medienberichten im März das Licht der Welt erblicken.

Herzlichen Glückwunsch!

Last-Minute-Muttertag mit Jonas Kaufmann? Der Tenor singt im Wiener Konzerthaus.

Jonas Kaufmann hören in entspannter und eleganter Atmosphäre? Die Samtstimme des Tenors auch zum Muttertag genießen können? Heute, am Muttertag 2018 ist das möglich: In der Stadt der Musik, in Wien.

Kaufmann tritt heute Abend im Wiener Konzerthaus auf. Aus seinem neuen Album „L Opera“ wird er die besten – wenn nicht alle „die besten“ sind – Stücke erklingen lassen. Eine wunderschöne Gelegenheit, ihn zu erleben! Nicht nur für alle Mütter, die sich heute einen ganz besonderen Tag verdient haben (wenn nicht auch 365 Tage im Jahr). Gemeinsam mit Sopran Kate Aldrich steht er heute auf der Bühne.

Jonas Kaufmann brachte sein neues Album mit französischen Opernarien heraus. Siehe auch die Rezension des Kulturpavillon – Jonas Kaufmann und seine französischen Opernträume: Neues Album „L´Opéra“ (Sony Classical). Heute Abend wird Jonas Kaufmann begleitet von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Dirigent Jochen Rieder.

Die gute Nachricht dabei: Es gibt noch Karten.

 

Info:

Jonas Kaufmann in concert „L Opéra“; Dirigent J. Rieder

Ort: Großer Saal, Wiener Konzerthaus

Zeit: 19:30 bis ca. 21:30 Uhr

Karten: noch verfügbar von € 158 – € 245 (Einzelplätze, nicht nebeneinander)

http://www.konzerthaus.at

 

 

Jonas Kaufmann ist ANDREA CHENIER an der Wiener Staatsoper.

Herr Kaufmann beglückt wieder einmal sein Wiener Publikum, dieses Mal mit einer Aufführungsserie der Revolutionsoper „Andrea Chénier“ des Italieners Umberto Giordano. Jonas Kaufmann ist bestens auf die Rolle des jungen Dichters eingestimmt, im doppelten Wortsinn. Das erste Haus am Ring freut sich bereits wieder auf einen hochkarätigen Gast.

In der Regie von Altmeister Otto Schenk kann sich der aufstrebende Dichterfürst Andrea Chénier beweisen. Dass die Ideale der Hauptfigur von der Freiheit dominiert sind, darüber können sich die Festgesellschaft sowie auch das Publikum eindringlich informieren.

2017 sprach man in den Medien gar von einem Mini-Debakel, als Jonas Kaufmann eben in jener Rolle an der Bayerischen Staatsoper bei manchen Arien zu Beginn sehr spröde agierte. Er werde nicht jünger, und der „Lack sei ab“, meinte DIE WELT.

Kaufmann-Fans warten sehnsüchtig auf heute Abend, wenn Jonas das Gegenteil beweisen kann, und es vermutlich auch wird.

Info:

ANDREA CHÈNIER (Oper von Umberto Giordano)

Ort: Wiener Staatsoper

Termine: April (23., 26., 29.) Mai (02.) 2018

mit Jonas Kaufmann, Roberto Frontali, Anja Harteros, Donna Ellen, Zoryana Kushpler

Vorschau auf einen Italien-Sommer: Jonas Kaufmann in der Waldbühne Berlin 2018 mit „Dolce Vita“.

 

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(c) Getty images

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(c) Ajax Media

 

 

Tenor Jonas Kaufmann macht uns allen wieder einmal Lust auf Sommer, und das mitten im Winter. Zwar wird an Weihnachten nicht alles weiß sein, aber Kaufmann lässt alle Herzen mit einem ganz besonderen Ausblick auf das nächste Jahr schmelzen. 

In der berühmten Waldbühne Berlin erklingen romantisch-verklärte Melodien, wenn Jonas Kaufmann seine Stimme von der „Italianita“ träumen lässt. „La Dolce Vita“, mit seinem Konzert will er seine Fans an seiner Liebe zu Italien teilhaben lassen. Das Land, wo die Zitronen blühen, inspiriert auch ihn, den Tenor unserer Zeit.

Sonnenschein, Meeresbrise, duftende Dolci und kleine Flirts – all das charakterisiert Italien. Eine musikalische Widmung für das Sehnsuchts-Urlaubsland Nummer Eins.

„Italien“, so erklärt Kaufmann, „ist Leidenschaft, gelebt auf höchstem Niveau. Das Essen, der Gesang, die Dramen..“ Ein wenig Geduld ist dennoch noch gefragt, bis es so weit ist und DER Tenor mit dem Rundfunksinfonieorchester Berlin und Jochen Rieder die Berliner Waldbühne mit italienischer Lebensart erfüllen wird.

Info:

Jonas Kaufmann in der Waldbühne Berlin – La Dolce Vita

Termin: 13. Juli 2018, 20 Uhr

mit Jochen Rieder, Rundfunksinfonieorchester Berlin

Karten ab 52 Euro, bis 169 Euro

http://www.alegria.de

 

Jonas Kaufmann und seine französischen Opernträume: Neues Album „L´Opéra“ (Sony Classical)

 

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Jonas Kaufmanns neuestes Album (c) Sony Classical

 

 

Der Tenor der Tenöre präsentiert aktuell sein neuestes Werk mit dem simplen wie ausdrucksstarken Titel „L´ Opéra“. Nicht mehr, und auch sicher nicht weniger als Schmelz-Arien, heldische Töne und pure Romantik, die nicht nur seinen Fans äußerst zu Herzen gehen dürfte. Der Sänger konzentriert sich wie auch der Name der Scheibe bereits anklingen lässt, auf französische Opern des 19. Jahrhunderts. 

Kaufmann möchte die pure Essenz von bekannten und eher den Raritäten zuzuordnenden Arien seiner eigenen Spiel- und Singweise zugrunde legen. Das beginnt etwa mit Gounods „Ah! leve-toi, soleil!“ aus Romeo et Juliette, hier auch mit einer Atemtechnik unterlegt, die keine Wünsche offen lässt. Ein kräftiger Spitzenton, gleich gefolgt von zartem Schmelz in der Stimme, so muss es sein.

Das Bayerische Staatsorchester unter Dirigent Bertrand de Billy begleitet die Jahrhundertstimme auf ihrem weiten Weg durch die französische Oper. Wer, wenn nicht de Billy, der hier ganz genau ein Auge auf die Durchführung werfen würde, wäre prädestiniert? Bertrand de Billy als ausführendem Dirigenten kommt hier auch eine ganz besondere Aufgabe zu: Der gebürtige Pariser muss die Expertise in französischer Musik, etwa wie man einen Gounod, Bizet, oder auch andere interpretiert, geradezu mit der sprichwörtlichen Muttermilch aufgesogen haben.

Auch noch ein relativ bekanntes Stück als Beitrag auf dieser CD ist die Arie aus Massenets „Werther“: „Pourquoi me reveiller…?“. Und Jonas Kaufmann lässt sich viel Zeit, um für sich selbst und auch für seine „Getreuen“ individuell und stimmgewaltig herauszufinden, warum ihn „der Frühlingshauch“ weckt. Man fragt sich mit ihm, so mitreißend und edel gestaltet er seine Phrasierung. Kaufmann hat diese eine Gabe, diese (noch so kleine oder größere) Arie erlebbar zu machen. Man hat nicht nur das umfassende und allmächtige Gefühl des Belcanto, des „Schön-Gesanges“. Fragend, seufzend und gestaltend greift der Künstler ein und gibt seine Interpretation preis.

Auch weniger bekannten Dingen bietet Jonas Kaufmann eine Bühne. So lässt er das Werk „Mignon“ von Ambroise Thomas in seiner Schönheit strahlen. Die Arie „Elle ne croyait pas, dans sa candeur naive“ ist kaum öffentlich zu hören. Warum denn eigentlich nicht? Da entgeht dem Publikum etwas. Gesungen wird diese von Wilhelm Meister, einem armen Studenten. Frühling und Herz werden wieder einmal in den Mittelpunkt gestellt, wie so oft.

Auch eine feurige Nummer aus der klassischen französischen Oper darf natürlich auf einer solchen Platte nicht fehlen: Georges Bizet gibt sich ebenso die Ehre und darf sich mit seiner bekanntesten Opern-Frauenfigur vertreten fühlen, beziehungsweise für Kaufmann natürlich der Arie des Don José aus „Carmen“: „La fleur que tu m´ avais jetee“ – Die Blume, die sie ihm zugeworfen hat, trägt er in seinem Gefängnis immer noch mit sich, immer noch hat sie den süßen Duft, obwohl sie schon verwelkt ist. Das ist für einen Tenor natürlich kein Problem. Die Empfindungen werden erfreulich uneitel wiedergegeben. Hier ist nichts  „verkitscht“.

Für einen weiteren Titel holt sich Jonas Kaufmann Unterstützung in Form des französischen Baritons Ludovic Tézier. Bizet darf noch ein weiteres Mal erklingen. Das berührende wie packende Duett aus den „Perlenfischern“ bestreiten die beiden Herren mit großer Einsatzfreude. „Au fond du temple saint“ gerät zum tollen Erfolg, auch durch das Zusammenspiel der beiden verschiedenen Stimmlagen, wie auch nicht anders vorgesehen ist.

Variatio delectat, und so ist wieder ein gänzlich (beinah) unbekannter Titel zu hören: Aus der Oper „Le roi d´ Ys“ von Edouard Lalo singt Kaufmann „Vainement, ma bien-aimée“.

Auch der französischste aller (eigentlichen) Operettenkomponisten ist mit einer Oper, die wohl jeder kennt, vertreten. Man kann sich vielleicht denken, um wen es sich handeln könnte. Es ist Jacques Offenbach mit „Hoffmanns Erzählungen“ und der wunderschönen Charakterstelle: „O Dieu, de quelle ivresse“.

Ein weiterer Komponist wird ebenso geehrt, mit einem Auftritt auf Jonas´ CD. Es handelt sich diesmal um den deutschen Komponisten Giacomo Meyerbeer (geboren als Jakob Meyer Beer). Die Rarität und die meisterhafte Exotik eines Landes wird hier gepriesen: „Pays merveilleux – O paradis!“, und zwar stammt dieses intonierte Lied aus „L´Africaine“.

Ein „klassischer“ und wohlbekannter Opernkomponist, vielfach auf den Spielplänen der Opernhäuser in der Welt vertreten: Jules Massenet, ein Franzose mit seinem Glamourwerk „Manon Lescaut“. Diese Oper dürfte Jonas Kaufmann nur zu gut kennen. Und zwar zum Beispiel aus München oder aber auch aus der Metropolitan Opera New York.  Auch hier braucht er Unterstützung, in weiblicher Form. Denn was wäre „Enfin, Manon, nous voila seuls Ensemble! – …En fermant les yeux..“ ohne eine weibliche Sopranstimme? Diese liefert hier die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva. Auch noch aus derselben Oper bieten die beiden noch ein „Gustostück“ an: „Toi! Vous!“

Jacques Fromental Halevy sucht sich Kaufmann schließlich auch noch mit seinem bekanntesten Werk heraus, um es schonend und naturgetreu zu intonieren: „Rachel, quand du Seigneur“ aus seiner Oper „La Juive“.

Und wenn man schon von französischen Komponisten singt und redet, dachte sich Kaufmann auch, dass Hector Berlioz (last but not least) doch auch vertreten sein sollte. Es finden sich auch „Merci, doux crepuscule!“ aus „La damnation de Faust“ und „Inutiles regrets! Je dois quitter Carthage!“ aus „Les Troyens“. Ein energisches und kriegslastiges Ende.

Es lässt sich konstatieren, dass eine stimmige Auswahl an französischen Opern geglückt ist. Erschienen unter dem Label Sony Classical.

Info:

Jonas Kaufmann „L´Opéra“ (einzelne Arien/Duette mit Ludovic Tezier, Sonya Yoncheva)

Medium/ Tonträger: CD

Preis: 14,99 Euro

oder

Premiumausgabe Deluxe Edition mit umfangreichem Booklet

Preis: 21,99 Euro

erschienen: 15.09.2017

 

 

Das „mögliche neue Traumpaar“ der Oper beim großen Auftritt! Wallmann-„Tosca“ in Wien mit Kaufmann, Serafin, Vratogna

Manchmal spielt das Schicksal seltsame Spiele: Auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper für 08. Mai 2017 war die berühmt-berüchtigte Wallmann-Tosca (also die „alteingesessene“ Tosca in der Inszenierung von Margarethe Wallmann) angesetzt. Singen sollten „unser aller“ Jonas Kaufmann und Angela Gheorghiu, sowie als Scarpia der Italiener Marco Vratogna. Aber Gheorghiu wurde krank, sagte für den Abend ab. So wurde eine ebenso hochkarätige Einspringerin gesucht: Man fand sie in Gestalt von Martina Serafin, welche in Wien geboren, aber in Italien zu Hause ist. Gewissermaßen war es also ein Heimspiel. Und es bewahrheitete sich ein weiterer Artikel: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Nun wollen wir uns also einmal wieder der „Stamm“-Tosca der Wiener Staatsoper zuwenden, die in verschiedensten Ausführungen bereits behandelt wurde.

Der erste Akt verlief eher unauffällig, große Leistungen waren hier noch ein wenig zurückhaltend vorgebracht. Dirigent und Debütant Eivind Jensen agiert schlagkräftig.

Clemens Unterreiner hat in Cesare Angelotti eine „neue Traumrolle“ (?) entdeckt, die er bereits zum wiederholten Male im Haus am Ring verkörpert. Man muss es einfach mal sagen: Trotz aller Hektik und Fluchtversuch, trotz wilder, abgekämpfter Frisur, verzweifelter Mimik; der Kerl ist immer noch sehr fesch! (Leider bringt er sich alsbald im Stück um). Stimmlich auch auf der Höhe, und top motiviert, was will man mehr! Ein anderes Kapitel ist Paolo Rumetz als Mesner, er ist lieb, harmlos, ein bisschen blass um die Nase. Wirkt auch ziemlich verkleidet, eigentlich ist er für andere Rollen besser besetzt. Da merkt man schlicht, er steckt in der falschen Kutte. In weiteren kleineren Partien (Spoletta, Scarrione, Schließer) waren Wolfram Igor Derntl, Mihail Dogotari und Ayk Martirossian sehr bemüht und fügten sich ein.

Als Marco Vratogna als der „Böse“ Scarpia erscheint, erzittert man zunächst nicht. Man kann auch nicht wirklich festmachen, woran das liegt. Besonders groß ist er nicht, besonders grimmig „schaut“ er nicht. Seine Bosheit liegt mehr im Detail. Und hier schlägt sie umso mehr zu. In Gedanken versunken, aber bereits im nächsten Moment sehr listig wirft er Martina Serafin als Tosca ein hintergründiges „dolce signora“ zu, als sie beten gehen möchte. Sie wird kurz schwach, wendet aber dann wieder ab. Sie gibt in diesem Akt eine gestisch starke Tosca, sie erscheint imposant, sehr würdevoll. Die Stimme muss beim ersten Auftritt kurz ihren Platz suchen. Das Piano ist unvergleichlich gut, Tosca wehrt sich somit auf subtile Weise gegen Scarpias Versuche, sie um den „Finger zu wickeln“.  Sie agiert ausdrucksstark, man möchte sie nicht weinen sehen. Dazugesagt sei auch, dass die Künstlerin diese Rolle „im kleinen Finger“ hat, möglicherweise ist sie ihr auch sehr ans Herz gewachsen. Sie sagte selbst im Interview, dass Tosca eine sehr starke Frauengestalt Puccinis sei, welche aber nicht zu sehr dem Neid und der Eifersucht anheim fallen sollte, wenn es um die Interpretation geht. Sie versteht die leidende Sängerin sehr gut, die in jedem Akt anders auftreten muss, aus einer anderen Ausgangssituation heraus agieren muss. Bei Martina Serafin entsteht überhaupt der Eindruck, dass sie die Rolle spielt, und nicht abspult. Sie ist lebendig, stark, kräftig, dabei elegant im Ausdruck.

Beim „Te Deum“ denkt Scarpia alias Vratogna wirklich, dass er in Toscas Herz „nisten“ wird. Das „Pronto Sospetto“ kostet er mit süffisanter Mimik aus, weil er bereits siegessicher ist. Beim Übertönen des Chores hat Marco Vratogna merklich kein Problem, er bleibt angenehm hörbar. Das ist beileibe nicht bei jedem Sänger der Fall.

Ja, und „unser aller“ Jonas, Jonas Kaufmann? Was ist mit ihm, der nicht nur die Kartenpreise ein gutes Stück anhebt, sondern auch das Blut, die Gedanken und die Gyri seiner treuen Fans in Wallung bringt? Er agiert verlässlich: Und das ist jetzt nicht einfach so gemeint. Verlässlich, das heißt doch nichts Besonderes, nicht wahr? Verlässlich in dem Sinne, dass man sofort, wenn er die Bühne betritt, den Eindruck hat, er brauche nur einen kleinen Ton von sich zu geben, nur mit einer seiner eleganten Bewegungen das Jackett abzulegen, damit es „seinem“ Publikum schon zu viel wird. Man muss sagen: Selten gibt es einen Künstler mit einer solch ausgeprägten Bühnenpräsenz. Mit einer solchen stimmlichen Präsenz. Dieser Mann hat das gewisse Etwas, das man nicht erlernen kann. Der Cavaradossi ist an jenem Abend „nur“ ein Mantel, seines großen Könnens. Er hat nicht den Ansatz von Mühe, Anstrengung, es sieht so leicht aus. Großes Lob an dieser Stelle!

Der 2. Akt: Als ihm die Diva fehlt, ist Scarpia alias Vratogna recht ausdruckslos. In seinen imposanten Stiefeln, an seinem eigenen Speisetisch sitzend, fühlt er sich merklich wohl. Vratogna ist deutlich im Ausdruck, seine Mimik wechselt gekonnt von „böse“ zu „gespielt freundlich“ und dann wieder „süffisant“. Angenehm seine Stimme, große Ausbrüche bietet sie jedoch eher nicht. Er schreit seine Aggression nicht heraus, er agiert fast nobel über sein Gesicht, seinen Ausdruck. Brutalität fehlt ihm äußerlich aber gänzlich, er wirkt fast auf eine seltsame Weise schon sympathisch..?!

Kaufmann strahlt wieder mehr „Italianitá“ aus, was viele freut, fein sind seine Bewegungen. Cavaradossi auf-und abschreitend, seine Grenzen abwägend, auf dem Prüfstand befindlich. Scarpia zeigt hier ihm gegenüber wenig Verständnis, wird streng, hat keine Lust auf Spiele mehr. Sein italienischer Gesang ist originär (seiner Herkunft geschuldet), nichts Hartes ist zu erkennen. Serafin mischt sich in die Szene, erscheint zugleich damenhaft und herrschaftlich.

Bereit ist Tosca, zu verhandeln, Scarpia mustert sie Appetit generierend. Sofort wird seine Stimme noch weicher, sie hingegen zeigt einen verhärteten Ausdruck und verharrt den Handschuh schwingend, auf dem Liegesofa. Vratogna scheint ein sehr aufmerksamer Sänger zu sein, er beobachtet seine Mitspieler(innen) genau. Zu keinem einzigen Zeitpunkt „schleimt“ sein Scarpia, was man von anderen Interpreten dieser Rolle nicht behaupten kann. Verzweifelt schreiend wirft sich Tosca in die Mitte des Raumes, als Jonas Kaufmann als Cavaradossi nicht sichtbar (aus dem Off) gefoltert wird. Ihr wiederum beleidigter Gesichtsausdruck, als Scarpia sich weigert, die Folter zu beenden, ist eine Feinheit. Die Stimme entfaltet an dieser Stelle viel Kraft und viel angebrachte Verächtlichkeit kommt zum Vorschein bei Serafins Tosca. Wut zeigt sie später, eine Kampfszene zwischen Tosca und Scarpia gerät sehr heftig, als Martina Serafin ihren Kopf gegen Marco Vratognas Brust wirft. Bei all ihren sängerischen Verzweiflungsschreien wirkt sie immer noch sehr fokussiert und konzentriert. Jonas Kaufmanns Cavaradossi bot hier stimmlich noch keinen sehr verzweifelten Ausdruck, erst als er mit Theaterblut überströmt aus seiner Folter entlassen wird, wird es wieder sehr intensiv. Er liegt am Boden, und es sieht sehr zärtlich aus, als Serafin sich über ihn beugt und ihm zu helfen versucht. Jonas Kaufmann zeigt hier eine sehr verletzliche, weiche Seite des Malers, wie hingelegt liegt er da. Für weitere Verhandlungen, so denkt sich Martina Serafin, kann ein bisschen spanischer Wein nicht schaden (alias Trauben- oder Himbeersaft), und so greift Tosca zum Glas.

„Von einer schönen Frau“, so kann man es sich schon beinahe antizipieren, will Scarpia „kein Geld“. Tosca wehrt sich von den Augen bis zu den Zehen, und zeigt trügerische Erleichterung, als ihr Scarpia vollmundig verkündet: „Sei libera.“ Das war ein Trugschluss. Wenig später sitzt er bereits auf ihr und es ertönen die Trommeln. Schnelles Handeln ist gefragt: Und da wendet sich Serafins Tosca vertrauensvoll an Gott. Ihr erwartetes „Vissi d´arte“ gerät sehr gut, etwas höher als gewohnt, und leidend, wieder auf dem Sofa, mit großem Ausdruck. Zusammensinkend verharrt sie immer noch im tiefen Gebet. Viel Applaus gibt es hierfür.

Scarpia wird noch bekniet und um Gnade angefleht, aber er hat übermäßigen Appetit. Nach einem liebestollen, recht heftigen Angriff auf Tosca, den er abbrechen muss, rückt er sich, ganz Italiener, das Gewand wieder zurecht. Später hantiert er locker und nichtsahnend mit den Kerzen(leuchtern), dass diese eine wesentliche Rolle spielen, wird ihm (nicht mehr) bewusst werden. Er geht auf Tosca zu und bäumt sich wieder wollüstig auf (hat schon etwas !). Im nächsten Moment muss er aber „Aiuto“ rufen, und das mehrmals, weil sie ihm ihren „Kuss“ gegeben hat: Der Ausdruck „Bacio di Tosca“ steht leider nicht für etwas Leidenschaftliches, sondern für Mord. Schon hat er den Dolch im Herz, und auch im Sterben ist er noch Italiener, langsam seufzend, jammernd und rufend sinkt er dahin zu Boden. Das ist großes Kino. Noch schwer atmend, als er eigentlich bereits „tot“ sein sollte. Nun, die Qualität eines „Bühnentodes“ sollte wohl daran nicht gemessen werden. Tosca ist sogar noch so menschlich und legt dem Ermordeten das christliche Kreuz auf, und verschwindet.

Im 3. Akt geht es wie gewohnt düster zu. Es herrscht eine drückende Atmosphäre rund um die erbaute Engelsburg, es ist aber trotzdem stimmungsvoll. Alle Augen sind auf einen gerichtet: Jonas, immer noch (rollentechnisch bedingt) blutend. In vielen Inszenierungen kniete er, hier steht er anfangs zwischen Soldaten. Immer wieder hält der Tenor-Held inne, wohlüberlegt singt er und ausgewogen. Alleine beherrscht er vorerst die Bühne, sitzend und tief in sich gekehrt, ungewohnterweise etwas tief beginnt seine Arie: „E lucevan le stelle..“ Man spürt seine Emotion ganz deutlich. Seine starren und sehr ausdruckslosen Augen unterstreichen das Leid, das er gerade fühlt. Das „vita“ zieht er ein wenig in die Länge. Und dann: Jubel, Jubel, Jubel, Bravos, er verharrt ruhig, lässt sich nicht ablenken, es folgt minutenlanger Applaus, er spricht ein wenig mit sich selbst und atmet. Frenetischer Jubel und Schreie (!) folgen. Er lacht jetzt doch ein bisschen. Er wiederholt die Arie und gewährt dem Publikum, was es will.

Was noch auffällt: Beim romantischen Handkuss mit Tosca hat Cavaradossi wohl eher seine eigenen Finger abgeküsst, ein lustiges Detail. Das Paar zeigt eine wunderbare Synchronität. Selbst beim „Erschießen“ lächelt Kaufmann ein wenig. Dann, als Serafin ihn zum Gehen animieren will und ihn „erschossen“ vorfindet, spielt er ein wenig „tot“ aber bewegt die Augen weiter. Sie schreit, springt diesmal Gottlob nicht von der Burg (bei derselben Inszenierung im Dezember 2015 verletzte sie sich beim Sprung schwer am Bein und musste sich sogar einer Operation samt Bühnenpause unterziehen), sondern schreitet mehr hinab. Leider wird deutlich, dass kurz vorher ihr Kleid zerrissen ist.

Am Ende ist der Applaus für alle drei Protagonisten frenetisch, und dauert wahnsinnig lange! Ein toller Abend für Tosca!

 

 

JONAS singt Gustav Mahler: Trinkt noch nicht, erst sing´ ich euch ein Lied – Das Lied von der Erde!

Unser aller Tenor, Jonas Kaufmann, ist wieder in alter Stimmstärke zurück. Wenn auch manche Kritiker meinen mögen, er hätte eingebüßt: Er zeigt es wieder (uns) allen mit einer Aufnahme von Gustav Mahlers symphonischem Liederzyklus „Das Lied von der Erde“.

Sieben Gedichte aus der Sammlung Die chinesische Flöte von Dichter Hans Bethge wurden von Gustav Mahler vertont und insgesamt sechs Teile erarbeitet:

 

Der Einsame im Herbst

Von der Jugend

Das Trinklied vom Jammer der Erde

Von der Schönheit

Der Trunkene im Frühling

Der Abschied

Nun, man glaubt es Kaufmann in seiner unnachahmlichen Spielart und Singkompetenz, dass er auch „Gefühle beim Erwachen aus einem Rausch an einem Frühlingstag“, glaubhaft vermitteln kann. Berauscht ist aber nicht er selbst, sondern nur das (virtuelle) Publikum, das sich sein Timbre anhört. Alle sechs Partien singt er in dieser Aufnahme, die er gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern unter Jonathan Nott bestreitet.  Auch in die Alt- und Baritonlage schwingt er seine hoch flexible Stimme, und stellt so auch gleichzeitig seinen Ehrgeiz unter Beweis, dies geschieht auf eindrucksvolle Weise. Seine berührenden Interpretationen sind schon immer bekannt gewesen, aber mit der neuesten Aufnahme beweist er wieder einen grandiosen stimmlichen Mut. Der „Guardian“ schreibt beispielsweise kaum nachvollziehbar von einem „real disappointment“, welches Kaufmann abgeliefert haben soll. Dem kann man auf keinen Fall zustimmen.

Jonathan Nott für seinen Fall begleitet die Stimme, er weiß auch genau, welche Passagen wie zu nehmen sind, manchmal ist er etwas schnell, dann wieder rafft er die Feinheiten des Dirigats zusammen.

Sicher mögen die Gedichte und Gesänge aus der Entstehungszeit heraus für unsere Ohren schon etwas fremdartig und antiquiert klingen – Jonas Kaufmann versteht es aber blendend, den Texten auch schon einmal eine erklärbare Aktualität zu geben, und sie auch dahingehend zu interpretieren, dass genau das, worüber er singt und phrasiert, heute passiert sein könnte. Das ist zweifellos eine große Kunst. An dieser Stelle also eine Lobeshymne für den aufgebrachten Mut, die Feinheit, und die Ausdrucksstärke, mit der „unser“ Super-Tenor wieder an die Sache herangeht!

 

Information:

Gustav Mahler, Das Lied von der Erde

Gesang: Jonas Kaufmann

Dirigent: Jonathan Nott

Orchester: Wiener Philharmoniker

Label: Sony Classical

Release: 07. April 2017

Der 61. Wiener Opernball: Neuerungen, Teuerungen und Jonas!

 

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Jonas Kaufmann am Wiener Opernball 2017; Foto: Picture alliance/dpa

 

Der Wiener Opernball ist Fixpunkt der Ballsaison: Bei den Damen werden Frisuren gezaubert, Roben geschneidert, angepasst, da wird sich kasteit. Die Herren schlüpfen in den edlen Frack, meist mit Orden geschmückt, die Fliege muss sitzen, andernfalls wird sie von der Partnerin zurechtgerückt. Das kennt man. Dieser Opernball stand erstmals unter der Leitung von Maria Großbauer, die sich im Vorfeld bereits sehr aufgeregt zeigte.

Der Ball wurde überschattet vom Tod der österreichischen Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser, die ihren Kampf gegen den Krebs verloren hatte, jedoch sicher „gewollt hätte, dass man am Tag des Opernballs fröhlich und lebensfroh tanzt“.

Viele Neuerungen mussten her, die von der Vorgängerin etablierte „Pink Bar“ etwa musste weichen, anstatt dieser waren in der Bar an der Wand lustige Trinksprüche aus Opern und Operetten zu lesen: „Trinke Liebchen, trinke schnell, Trinken macht die Augen hell!“. Überhaupt war es ein OPERN-Ball, denn an jedem Eck´ und End´ konnte man Reminiszenzen an die „Zauberflöte“ (Scherenschnitte, 5 Meter hoch), an den „Rosenkavalier“ (die Debütanten überreichten einander die Silberne Rose), und an den „Freischütz“ (der Ball-Heurige wurde zur „Wolfsschlucht“) sehen.

Das Krönchen der Debütantinnen stammte in diesem Jahr von keinem Geringeren als Karl Lagerfeld himself (der jedoch nicht anwesend war). „Le Beau Danube bleu“ soll seine Inspiration für die Diademe mit Swarovski-Kristallen besetzt, gewesen sein. Später erklärte Evelyn Haim-Swarovski im Interview mit Mirjam Weichselbraun den Kopfschmuck noch genauer. Die geliebten Ball-Kommentatoren Christoph Wagner-Trenkwitz und Kari Hohenlohe wurden aus ihrem „Kammerl“ geschickt, sie saßen diesmal im elegant eingerichteten „Containerdorf“ vor der Oper, von wo aus sie „lustige“ Selfies von Opernballzusehern zeigten oder die Damen- und Herrenspenden besprachen: Darunter das typische Frühstück aus dem „Rosenkavalier“ für die Damen, nämlich „Biskotten und T´schoklad“ von Demel, „Venti Scudi“ – als Palmers-Münzen, aus „L´elisir“, oder die „Silberne Rose“ als Brosche. Die Herren erhielten ein Buch über den Staatsopernchor und Thermalbad-Eintritte. Lumpen ließ man sich mit den Ballspenden sicher nicht.

Die Logen waren heuer besonders expensiv, knapp 20.000 Euro musste man schon einmal hinblättern. Geladene Gäste genossen Würstel und Champagner, man tratschte, auch über den offenbar unkomplizierten und gut gelaunten Stargast eines gewissen Baumeisters.

Nun aber zur künstlerischen Darbietung des Abends:  Die „Fächer-Polonaise“ von Ziehrer wurde erst einmal eingetauscht gegen die Polonaise aus „Eugen Onegin“ von Tschaikowski. Neben dem Ballett (u.a. Maria Yakovleva), das zum Strauss-Walzer „Künstlerleben“ tanzte, glänzte JONAS. Ja, richtig gelesen: Jonas Kaufmann, gefragtester Tenor unserer Zeit, gab zwei Arien zum Besten, im riesigen Ballsaal, wo die Akustik schon ein wenig kompliziert sein kann.

Jonas Kaufmann, er erhob wieder seine samtige Stimme, diesmal zu einem Rollendebüt: Er ist noch nie beim Wiener Opernball aufgetreten, somit konnte auch er sich an diesem Abend zu den Debütanten zählen. Er fiel aber auch durch eine etwas tiefere Sprechstimme auf.

Das Wiener Staatsopernorchester unter der Leitung der römischen Dirigentin Speranza Scappucci, welche mit großem Elan dirigierte, begleitete den Tenor der Tenöre bei Don Josés Blumen-Arie: La fleur que tu m´avais jetée aus „Carmen“. Er ließ seine (Stimmband)-Muskeln spielen, und begeisterte durch fein ziselierte Nuancen. Nur eines war zu vermissen: „Seine“ Carmen, die er leidenschaftlich besang. Beschwingter, aber etwas weniger leidenschaftlich der Lehár-Gassenhauer: Dein ist mein ganzes Herz aus „Das Land des Lächelns“.

Interessantes Detail am Rande: Jener Sänger, der jedes Mal für die Künstler und Künstlerinnen einen Empfang gegeben hatte, blieb heuer dem Ball fern; Kammersänger Herwig Pecoraro zog es vor, den Event von zu Hause aus zu verfolgen.

Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren: Jonas ist zurück! Lohengrin mit Kaufmann, Serafin, Pape/OPERA BASTILLE PARIS

 

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Lange hatte man (und es waren nicht nur die eingefleischten Fans) auf DEN Star der Klassikwelt gewartet. Ein Hämatom an den Stimmbändern machte ihm vier lange Monate das Leben schwer, er machte die längste Pause seiner Karriere. Wer Kaufmann kennt, weiß: Ohne Singen läuft sein Leben nicht. Und deshalb war er erpicht darauf, so bald wie möglich wieder auf die Opernbühne, sein zweites Zuhause, zurückzukehren. Auf Spitzentöne aus dieser Kehle will wohl wirklich niemand verzichten. Einen Auftritt zur Eröffnung der Elbphilharmonie Hamburg musste er leider kurzfristig wieder absagen. Doch nun war es soweit: Jonas Kaufmann fühlte sich wieder bereit für eine über 4-stündige Oper. Besagte war der „Lohengrin“ von Richard Wagner. Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren: Jonas himself. Und zu einem besonderen Zusammenspiel kam es damit auch, wie der Kulturpavillon schon einmal berichtete: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Die Opéra Bastille: In dem modernen Prachtbau (Place de la Bastille), der im Gegensatz zum Palais Garnier nicht im Neobarock erbaut wurde, fand die große Premiere des „Lohengrin“ statt. Seit August 1850 – dem Datum der Uraufführung, hat sich bei der romantischen Oper doch Einiges verändert. Mit einer soliden Besetzung konnte dieses Werk in Paris auf jeden Fall punkten. Natürlich läuft so eine Produktion sehr gut mit Stars in den Hauptrollen, da die Aufmerksamkeit einem solchen Kapazunder wie Jonas Kaufmann in der Titelpartie des Gralsritters Lohengrin sicher ist. Nach seiner Erkrankung wollte ihn jeder strahlend sehen. Kaufmann traut sich viel zu, unumstritten, eine Wagner-Oper verlangt volle Präsenz, Kraft, vokale Wachheit. Sein Lohengrin präsentiert sich ungebrochen. Darüber lässt sich zwar in minimalen Zügen streiten. Aber: Jonas Kaufmann ist ganz er selbst, er ist es, Lohengrin, darüber gibt es keinen Zweifel. An diesem Abend galt für ihn: Barfuß oder Lackschuh, und er entschied sich regieabhängig für Ersteres. Bei für Paris relativ günstigen Kartenpreisen von 250 Euro kam jeder Wagner-Fan auf seine Kosten.

Kaufmann ist es wieder gelungen, sein Publikum (und nicht nur seines) zufrieden zu stellen. Sowohl in den zarten und feinen, ziseliert vorgetragenen Momenten des Werkes als auch in den mächtigen Passagen. Die Besetzung macht es ihm aber zur Anmerkung auch leicht. In fernem Land fühlte er sich bestimmt nicht.

René Pape als Heinrich der Vogler, welcher in Feldherren-Kostüm nicht nur optisch einen guten Eindruck machte, ist als profunder Sänger bekannt. Keine stimmliche Mühe hat er gescheut, als „Black Diamond Bass“ wird er schon bezeichnet. Mit dem nötigen Gefühl und auch der Herbheit geht er an den „Vogler“ heran.

Diese Produktion hat mit jener in Wien, wo Klaus Florian Vogt in einer doch eher ungebührlichen Landschaft mit Lederhose auftreten musste (Bericht:Ein allzu rustikaler Lohengrin), eher nichts zu tun. Es glich auch nicht dem „Rattenmärchen“ von Hans Neuenfels. Viel Schilf, eine verträumte Landschaft ist zu sehen. Eine kompetente Wiener Beteiligung als weibliche Hauptrolle kann vermeldet werden: Martina Serafin, deren Karriere immer steiler nach oben verläuft. Es fragte sie doch schon der renommierte Klassikexperte Peter Dusek vor Jahren nach ihrer Elsa von Brabant, eine schwere Partie, unglaublich fordernd. Nachdem sie bereits mit dieser in Bologna reüssierte (dort machte ihr anfangs noch eingangs eine gewisse „Schrille“ zu schaffen), hat man ihr die Diagnose gestellt, dass diese Rolle nahezu perfekt für sie sei. Ihr dramatischer Sopran: balanciert und energetisch; vokal groß darf ihre Performance in Paris genannt werden. Die Elsa darf bekanntermaßen Lohengrin nicht nach Nam´ und Art fragen. Aber, wie sie es in ihrer unerschütterlichen Art tut: Sie fragt ihn doch, und es folgt von Kaufmann die vielerwartete Gralserzählung.

Auch Friedrich von Telramund fand seinen Einzug in die Besetzungsliste, die historische Figur, „gestützt auf sein mächtiges Schwert“.

Die Osnabrücker Sopranistin Evelyn Herlitzius als Ortrud zeichnet ihre Figur fast zauberhaft, um nicht zu sagen übersinnlich. Die szenische Metapher des Schwans, welcher nicht vorkommt, bleibt recht geheimnisvoll.

Die musikalische Leitung dieses Lohengrin liegt bei Philippe Jordan, der die Musiker ausgewogen führt. Jordan, immer zu den etabliertesten der Dirigenten gezählt, ist relativ jung, und schon sehr erfahren.

Die tiefenpsychologische Regie von Claus Guth, die jeden der Charaktere noch ein bisschen mehr in Beziehung zueinander setzt, steht in Paris auf dem Spielplan.

 

Jonas Kaufmann: vorübergehender Rückzug wegen der Stimmbänder!

Tenor Jonas Kaufmann

Liederabend/Wiener Musikverein

Der deutsche Tenor (er gilt derzeit als der weltbeste) muss sich schonen und hat seine Auftritte in München (Oktober) und Paris (November) abgesagt. Der Grund soll ein Hämatom auf seinen Stimmbändern sein, welches er sich durch Überanstrengung zugezogen hätte.

Kaufmann müsse „vermeiden, dass seine Stimmbänder irreversiblen Schaden“ nehmen könnten und bittet daher seine Fans in einem offenen Brief um Verständnis. Es gäbe „keine Garantie für das tadellose Funktionieren einer Singstimme, und manchmal passieren einem Sänger Dinge, die ihn zwingen, für längere Zeit eine Pause einzulegen“, schrieb er auf dem sozialen Netzwerk Facebook. Der Zuspruch seiner Fans ist jedenfalls überwältigend, von überall erreichen den Tenor Genesungswünsche und Verständnisbekundungen.

Natürlich kann das immer und überall jedem engagierten Sänger, jeder engagierten Sängerin passieren, davor ist niemand gefeit. Denn schließlich wird mit der Stimme hart gearbeitet, und die kleine Membran im Inneren des Körpers wird oft sehr strapaziert.

Hoffen wir also, dass Jonas Kaufmann bald wieder auf die Beine kommen wird, damit wir seine wundervolle Stimme wieder auf den Bühnen dieser Welt genießen können, gute Besserung!