Jonas Kaufmann und seine französischen Opernträume: Neues Album „L´Opéra“ (Sony Classical)

 

L opera
Jonas Kaufmanns neuestes Album (c) Sony Classical

 

 

Der Tenor der Tenöre präsentiert aktuell sein neuestes Werk mit dem simplen wie ausdrucksstarken Titel „L´ Opéra“. Nicht mehr, und auch sicher nicht weniger als Schmelz-Arien, heldische Töne und pure Romantik, die nicht nur seinen Fans äußerst zu Herzen gehen dürfte. Der Sänger konzentriert sich wie auch der Name der Scheibe bereits anklingen lässt, auf französische Opern des 19. Jahrhunderts. 

Kaufmann möchte die pure Essenz von bekannten und eher den Raritäten zuzuordnenden Arien seiner eigenen Spiel- und Singweise zugrunde legen. Das beginnt etwa mit Gounods „Ah! leve-toi, soleil!“ aus Romeo et Juliette, hier auch mit einer Atemtechnik unterlegt, die keine Wünsche offen lässt. Ein kräftiger Spitzenton, gleich gefolgt von zartem Schmelz in der Stimme, so muss es sein.

Das Bayerische Staatsorchester unter Dirigent Bertrand de Billy begleitet die Jahrhundertstimme auf ihrem weiten Weg durch die französische Oper. Wer, wenn nicht de Billy, der hier ganz genau ein Auge auf die Durchführung werfen würde, wäre prädestiniert? Bertrand de Billy als ausführendem Dirigenten kommt hier auch eine ganz besondere Aufgabe zu: Der gebürtige Pariser muss die Expertise in französischer Musik, etwa wie man einen Gounod, Bizet, oder auch andere interpretiert, geradezu mit der sprichwörtlichen Muttermilch aufgesogen haben.

Auch noch ein relativ bekanntes Stück als Beitrag auf dieser CD ist die Arie aus Massenets „Werther“: „Pourquoi me reveiller…?“. Und Jonas Kaufmann lässt sich viel Zeit, um für sich selbst und auch für seine „Getreuen“ individuell und stimmgewaltig herauszufinden, warum ihn „der Frühlingshauch“ weckt. Man fragt sich mit ihm, so mitreißend und edel gestaltet er seine Phrasierung. Kaufmann hat diese eine Gabe, diese (noch so kleine oder größere) Arie erlebbar zu machen. Man hat nicht nur das umfassende und allmächtige Gefühl des Belcanto, des „Schön-Gesanges“. Fragend, seufzend und gestaltend greift der Künstler ein und gibt seine Interpretation preis.

Auch weniger bekannten Dingen bietet Jonas Kaufmann eine Bühne. So lässt er das Werk „Mignon“ von Ambroise Thomas in seiner Schönheit strahlen. Die Arie „Elle ne croyait pas, dans sa candeur naive“ ist kaum öffentlich zu hören. Warum denn eigentlich nicht? Da entgeht dem Publikum etwas. Gesungen wird diese von Wilhelm Meister, einem armen Studenten. Frühling und Herz werden wieder einmal in den Mittelpunkt gestellt, wie so oft.

Auch eine feurige Nummer aus der klassischen französischen Oper darf natürlich auf einer solchen Platte nicht fehlen: Georges Bizet gibt sich ebenso die Ehre und darf sich mit seiner bekanntesten Opern-Frauenfigur vertreten fühlen, beziehungsweise für Kaufmann natürlich der Arie des Don José aus „Carmen“: „La fleur que tu m´ avais jetee“ – Die Blume, die sie ihm zugeworfen hat, trägt er in seinem Gefängnis immer noch mit sich, immer noch hat sie den süßen Duft, obwohl sie schon verwelkt ist. Das ist für einen Tenor natürlich kein Problem. Die Empfindungen werden erfreulich uneitel wiedergegeben. Hier ist nichts  „verkitscht“.

Für einen weiteren Titel holt sich Jonas Kaufmann Unterstützung in Form des französischen Baritons Ludovic Tézier. Bizet darf noch ein weiteres Mal erklingen. Das berührende wie packende Duett aus den „Perlenfischern“ bestreiten die beiden Herren mit großer Einsatzfreude. „Au fond du temple saint“ gerät zum tollen Erfolg, auch durch das Zusammenspiel der beiden verschiedenen Stimmlagen, wie auch nicht anders vorgesehen ist.

Variatio delectat, und so ist wieder ein gänzlich (beinah) unbekannter Titel zu hören: Aus der Oper „Le roi d´ Ys“ von Edouard Lalo singt Kaufmann „Vainement, ma bien-aimée“.

Auch der französischste aller (eigentlichen) Operettenkomponisten ist mit einer Oper, die wohl jeder kennt, vertreten. Man kann sich vielleicht denken, um wen es sich handeln könnte. Es ist Jacques Offenbach mit „Hoffmanns Erzählungen“ und der wunderschönen Charakterstelle: „O Dieu, de quelle ivresse“.

Ein weiterer Komponist wird ebenso geehrt, mit einem Auftritt auf Jonas´ CD. Es handelt sich diesmal um den deutschen Komponisten Giacomo Meyerbeer (geboren als Jakob Meyer Beer). Die Rarität und die meisterhafte Exotik eines Landes wird hier gepriesen: „Pays merveilleux – O paradis!“, und zwar stammt dieses intonierte Lied aus „L´Africaine“.

Ein „klassischer“ und wohlbekannter Opernkomponist, vielfach auf den Spielplänen der Opernhäuser in der Welt vertreten: Jules Massenet, ein Franzose mit seinem Glamourwerk „Manon Lescaut“. Diese Oper dürfte Jonas Kaufmann nur zu gut kennen. Und zwar zum Beispiel aus München oder aber auch aus der Metropolitan Opera New York.  Auch hier braucht er Unterstützung, in weiblicher Form. Denn was wäre „Enfin, Manon, nous voila seuls Ensemble! – …En fermant les yeux..“ ohne eine weibliche Sopranstimme? Diese liefert hier die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva. Auch noch aus derselben Oper bieten die beiden noch ein „Gustostück“ an: „Toi! Vous!“

Jacques Fromental Halevy sucht sich Kaufmann schließlich auch noch mit seinem bekanntesten Werk heraus, um es schonend und naturgetreu zu intonieren: „Rachel, quand du Seigneur“ aus seiner Oper „La Juive“.

Und wenn man schon von französischen Komponisten singt und redet, dachte sich Kaufmann auch, dass Hector Berlioz (last but not least) doch auch vertreten sein sollte. Es finden sich auch „Merci, doux crepuscule!“ aus „La damnation de Faust“ und „Inutiles regrets! Je dois quitter Carthage!“ aus „Les Troyens“. Ein energisches und kriegslastiges Ende.

Es lässt sich konstatieren, dass eine stimmige Auswahl an französischen Opern geglückt ist. Erschienen unter dem Label Sony Classical.

Info:

Jonas Kaufmann „L´Opéra“ (einzelne Arien/Duette mit Ludovic Tezier, Sonya Yoncheva)

Medium/ Tonträger: CD

Preis: 14,99 Euro

oder

Premiumausgabe Deluxe Edition mit umfangreichem Booklet

Preis: 21,99 Euro

erschienen: 15.09.2017