Ein Quartett, gespielt zu zweit

Theater in der Josefstadt.Wien                                                                                                                    06.02.14

Wenn in der Liebe die Wogen hochgehen, sind oftmals die Umstände interessant. Wie kommt es dazu, dass sich die (Ex)-Partner duellieren? Doch Autor Heiner Müller bricht den von Pierre De Laclos verfassten Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ (zu Deutsch: „Gefährliche Liebschaften“) herunter. Er möchte ein Porträt der beiden Hauptfiguren bringen. Entstanden ist daraus das Stück „Quartett“ (Regie: Hans Neuenfels), das Donnerstag im Theater in der Josefstadt Premiere hatte.

Mit zwei profunden, erprobten Hauptdarstellern kann die Josefstadt aufwarten: Helmuth Lohner und Elisabeth Trissenaar (Hausdebüt) geben das nunmehr einander entfremdete Paar. Es herrscht kein Funken Leidenschaft mehr zwischen Valmont und der Marquise de Merteuil. Was wollen sie dann noch, wenn nicht gegenseitige Liebe? Die Antwort scheint auf den ersten Blick einfach: Die Seelen anderer dafür verantwortlich machen, Menschen instrumentalisieren. Drangsalieren. Doch ganz so einfach, wie sich das anhört, ist es nicht. Die beiden treiben mit jedem ihrer selbst ausgewählten „Gegenspieler“, die ihnen traurigerweise auch noch in manchen Fällen vertrauen, ein abgekartetes Spiel. Ein Exempel sei Merteuils Nichte Cécile, die auf Wunsch ihrer Tante von Valmont verführt werden soll. Mit Akribie versetzt sich Lohner in die ihm zugeteilte(n) Rolle(n), mal laut donnernd, mal leise, hämisch, ja sogar zärtlich wagt er sich stellenweise auf das Terrain des Liebhabers.Dann wieder auf jenes des kaltblütigen Seelenquälers. Denn die Schwierigkeit dieses Abends liegt ganz klar in der Vielseitigkeit, die beide Darsteller in diesem Zwei-Personen-Stück hervorzukehren wissen.

Trissenaar versucht sich ebenfalls in der diabolischen Gleichgültigkeit, die die Marquise an den Tag legt. Ohne mit der Wimper zu zucken macht sie Menschen auf perfide Weise zu ihrem Instrument. Dieses setzt sie sogar gegen Valmont ein, um wiederum ihn zu quälen. Sie kann ihr gestisches und mimisches Repertoire ausspielen. Stellenweise kann sie Lohner als Valmont nicht ganz das Wasser reichen. Die leisen Intrigen, die im Laufe des Abends geschmiedet werden, versteht ihre Marquise aber meisterlich durchzubringen.

Die Regie  kann klarerweise nicht überall, wo sich zwischen Mann und Frau die Abgründe der Seele auftun, dazwischengehen. Aber der Regisseur versteht es, die Rollen auf sanfte wie auch auf grobe Art leiden zu lassen. Manchmal hat man das Gefühl, es entwickle sich eine gewisse Eigendynamik, was durchaus an dem in dieser Rolle schier über sich hinauswachsenden Lohner liegen kann. Denn der Mann beherrscht nicht nur seinen Text. Sondern an diesem Abend auch die karg gestaltete, aber effektive Bühne.

-Martina Klinger-

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