Eine Reise durch den Winter

brick-5. Wien                                                                                                                              08.02.14

In der passenden Jahreszeit fand im innovativ gestalteten Spielort brick-5 in Wien-Fünfhaus ein Konzert mit Bariton Thomas Weinhappel statt. Der Liedzyklus wurde schon von Liedsängern in den Stimmlagen Bass, Bariton und Tenor interpretiert. Neben der „Schönen Müllerin“ ist es wohl der bekannteste Zyklus von Schubert. Der Sänger wählte die Winterreise von Franz Schubert als Programm für einen inhaltlich nachdenklich stimmenden Abend.

Hinter dem durchaus vergnüglichen Titel verbirgt sich nämlich die Geschichte eines heimatlosen Mannes, der auf seiner Reise Stück für Stück die Hoffnung verliert. Das Programm spiegelt die Probleme von Emigranten wieder. Schubert komponierte diese „Reise“ auf der Basis von Gedichten von Wilhelm Müller. Der Zyklus hat keinen durchgehenden Handlungsstrang. Eher handelt es sich um einzelne Eindrücke des Suchenden. Schubert wechselt das Tongeschlecht häufig, es dominiert am Ende aber eher die düstere, hoffnungslose Stimmung.

„Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh´ ich wieder aus“ – so heißt es in der „Winterreise“. Thomas Weinhappel aber fühlte sich an diesem Abend der Welt der Töne gar nicht fremd. Hervorzuheben sind seine deutliche Sprache und die Ausdruckskraft, mit der er Schuberts musikalisches Meisterwerk und auch Müllers erdachte Verse erklingen lässt. Der weich timbrierte Bariton ist dazu prächtig anzuhören. Hell und vokal durchschlagskräftig, aber feinsinnig in den melancholischen Phrasen schöpfte Weinhappel den Text aus.

„Willst du zu meinen Liedern deine Leiher drehen?“, ist die letzte Frage im Liedzyklus. Der rastlose Wanderer schließt sich einem frierenden Leiermann an, was auf zweierlei Weise gedeutet werden kann. Entweder der Leiermann symbolisiert den Tod oder er steht für eine endlose Qual des hoffnungslosen Lebens.

-Martina Klinger-