Etwas milder Frühling in Wien

Wiener Musikverein. Wien

Das traditionelle Konzert „Frühling in Wien“ im Wiener Musikverein: Als Solist fungiert Kammersänger Johan Botha. Die Solovioline wird geführt von Florian Zwiauer. Am Pult der Wiener Symphoniker steht erstmals eine Frau: Simone Young.

Als erstes Stück präsentiert das Orchester die Violinromanze Nr. 2 in F-Dur von Ludwig van Beethoven. Die Solovioline von Florian Zwiauer versetzt sich stark in die Ruhe, aber auch die Leidenschaft des Stücks. Mit geschlossenen Augen folgt der Interpret seinem Instrument, fast zurückhaltend und ehrfürchtig. An manchen Stellen hat er Mühe. Passagen werden ähnlich eines Klangteppichs ausgeweitet. Es gibt ein paar konzentrierte Blicke zwischen der Dirigentin und Zwiauer. Er verdient sich seinen Applaus mit harter Arbeit an der langsamen Romanze, die Beethoven wohl in einem Zustand schwärmerischen Träumens komponiert hat.

Es folgt die Ouvertüre zu „Die lustigen Weiber von Windsor“ von Otto Nicolai. Sie gewinnt etwas spät an Fahrt. Die Querflöte ist dafür sehr präsent. Eine wilde Pauke kommt dazu. Sanfte Passagen mischen sich mit kampflustigem Adagio. Es fühlt sich ein wenig an wie Christoph Campestrinis Dirigat bei den Opernfestspielen in Klosterneuburg 2013. Young schlägt aber durchaus langsamere Töne an. Angestrengt verfolgen die Musiker den roten Faden der Ouvertüre. Als Kontrast zum ersten Stück ist diese wahrhaft zu sehen, denn die Differenzen zwischen Beethoven und Nicolai sind wohl offenkundig. Ersterer hat versucht, durch kolossale Ernsthaftigkeit, letzterer auch durch Witz und Ironie zu bestechen.

Man gelangt, geführt vom motivierten Orchester, zur nächsten komischen Oper. Diese kommt als einzige ihrer Art von Richard Wagner, dessen Motto es war: „Der schafft Kunst, der mehr als sie erstrebt!“ Zunächst hört man das Vorspiel zu den „Meistersingern von Nürnberg“. Die einzig humoristische Oper Wagners wird von den Musikern trotzdem recht ernsthaft serviert. Als dann Kammersänger Johan Botha die Bühne betritt und seinen Walter von Stolzing zum Besten gibt, wirkt er anfangs recht nervös, festigt sich aber schnell. Ist das doch sein Metier. Das Orchester begleitet ihn auf dezente Weise, seine Wortdeutlichkeit bleibt erhalten. Eine Heldentenor-Stimme, wie sie im Buche steht, bei Wagner!

Inzwischen sind rot gefärbte Gesichter zwischen blank polierten Fagotten im Bild. (Bildregie: Agnes Méth) Der Übergang zur Operette kündigt sich an. Dem Publikum war schließlich um 1899 nach Exotik, Temperament und Erotik. Die Ouvertüre des „Zigeunerbaron“ von Johann Strauss kam auch beim Frühlingskonzert 2014 genau richtig. Ganz und gar nicht brav und nett, eher temperamentsprühend und fast zornig. Lebendig, aber an manchen Passagen wiederum etwas langsam. Es sind konzentrierte Pizzicati, gezupft von noch konzentrierteren Violinisten zu hören und zu sehen. Bei der Überleitung zum „Nach dem schönen Wien..“- Motiv der Ouvertüre blickt der zu Ruhm gekommene Soloviolinist Zwiauer neugierig zur Dirigentin Young. Diese schwingt den Stab routiniert und vergisst auch nicht, eine heitere Miene zu machen.

„Als flotter Geist“ und somit als Sándor Barinkay aus dem „Zigeunerbaron“ darf sich KS Botha wieder präsentieren. Die Wortdeutlichkeit ist auch hier gegeben, was nicht selbstverständlich ist, ist es doch ein beachtliches Gesangstempo.

Simone Young macht mit der Ouvertüre „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien“ von Franz von Suppé weiter. Munter und gelassen dirigiert sie, das Orchester folgt.

KS Botha, nach kurzer Pause auf die Bühne zurückgekehrt, interpretiert nun ein Meisterstück der silbernen Operettenära. „Freunde, das Leben ist lebenswert“ tönt es aus voller Kehle. Das würde Octavio in der Operette „Giuditta“ von Franz Lehár wohl genauso machen.

Zwei sehr unterschiedlich zu bewertende Zugaben haben die Wiener Symphoniker noch vorbereitet:

Die Ouvertüre zur Operette „Der Opernball“ von Richard Heuberger, die aber kräftig an Tempo und Schwung einbüßen muss. Tempo-technisch ist sie leider nicht gelungen. Der (mögliche) Zusammenhang zwischen diesem Werk und Richard Strauss´ „Rosenkavalier“ wird aber exemplarisch von Young vorgebracht.

Das Konzert beschließt Johan Botha mit einer sehr schönen Version von „Dein ist mein ganzes Herz“ aus dem Lehár´schen „Land des Lächelns“. Botha, mit seiner warmen Stimme, berührt, ohne allzu viel Schmelz hineinzulegen.

-Martina Klinger-