Fledermaus mit Zuckerguss

Wiener Staatsoper                                                                                                     03.01.15

Zu Silvester spielt das Haus am Ring bekanntlich eine der bekanntesten Operetten von Strauss, die „Fledermaus“. Zu einer Folgevorstellung kam es im Jänner.

Die bewusst traditionelle und der Zeit (1874) angepasste Inszenierung von Otto Schenk. Die klassische Operette mit einem extra „Zuckerguss“. Opulent, ohne modernen Touch. Da charmieren Fracks mit Abendkleidern, da wird der Prinz Orlowsky schwach bei einem „Spaß“ von Dr. Falke.

Aus dem Off singt Alfred (Norbert Ernst). Man hört ihn ziemlich leise, es soll aber auch so sein. Nur hörbar muss er bleiben. Das Stück über bleibt er eher blass, tritt selten in Erscheinung. Adele (Ileana Tonca) ist sogleich begeistert von seinen Gesangskünsten. Tonca tut sich etwas schwer mit der Aussprache des Deutschen, gesanglich ist sie auf einem guten Weg. Sie legt in Stubenmädchen-Manier einen flotten Auftritt hin. Eisenstein (Adrian Eröd, merklich erkältet) ist souverän, trotz ein wenig Stimmschonung. „Wien, Wien, nur Du allein, Adele, komm und sprüh´ mich ein!“ Er ist in seinem Element, schwingt sich sogar zu einer kleinen „Königin der Nacht“ – Einlage auf, als er das Haus verlässt. Beim „kleinen Hunger vorm Gefängnis“ bestellt er Schöberlsuppe, Tafelspitz mit „Fettranderl“, Apfelkren und Sauce sowie Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Sportlich hüpft er im Tanz und vom Tisch, reißt sich im 3. Akt spektakulär die Perücke vom Kopf und schüchtert Rosalinde (Juliane Banse) und Alfred ein. Rosalinde ist respektabel besetzt. Im 1. Akt meint man doch glatt bei „Mein Herr, was dächten Sie von mir“ zu hören: „Gleich einer Wachtel fanden Sie ihn mir im Schlafrock vis-a-vis!“ Dabei soll Alfred doch ein „Pascha“ sein. Auch die „Klänge der Heimat“ bleiben leider ziemlich wortundeutlich. Schauspielerisch und gesanglich ist Banse in guter Form.

Gefängnisdirektor Frank (KS Alfred Sramek) weiß wie man mit Zigarren und Zeitungen umgeht. Sein beschwipstes Spiel im 3. Akt ist sehenswert. Die Stimme tut ihr Übriges. Im 2. Akt schmust und tänzelt er sich durch das Bankett. Später ahmt er die Trommel wie in den meisten Inszenierungen mit den Händen nach und „rattert“ Ida (Lydia Rathkolb) und Adele bei „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ hinterher.

Der „actionreichste“ Akt ist aber der zweite. Die Drehbühne ist wahrlich ein „Schmankerl“ für sich, das an anderen Häusern mit dem festlichsten aller Bankette wirklich nicht so umgesetzt werden kann. Prinz Orlowsky (Elisabeth Kulman) freut sich über schöne Tanzeinlagen bei „Unter Donner und Blitz“, choreografiert von Gerlinde Dill und über den grandiosen „Spaß“ von Dr. Falke (Clemens Unterreiner).

Kulman ist als russischer Prinz köstlich und stimmstark, so wie ihr „Iwan“, der sogar fast Räder auf der Bühne schlägt. Unterreiner als Dr. Falke hat Witz, Charme, eine deutliche Aussprache und ist sehr gut bei Stimme. „Brüderlein und Schwesterlein“ ist rührend. Tänzerisch ist er sehr aktiv. Die französische Hymne und der Can-Can beim Fest von Orlowsky, den das Ensemble kurz an-tanzt, sind gute Einlagen.

Dr. Blind (Peter Jelosits) ist schon ab und an im Stück „gewalttätig“ und rammt seine Aktentasche in Bäuche, wenn er wütend wird. Seine „Ho-Ho-Ho-Hose“ will er nicht an Eisenstein abgeben. Schließlich werden es doch Aktentasche, Mantel und Perücke.

Im 3. Akt hat eine skurrile Figur noch ihren großen Auftritt. Das „Froscherl is do“ (Peter Simonischek). Für so manchen Geschmack ist er ein zu „betrunkener“ Frosch, sagt er doch keine einzige Passage, ohne zu lallen. Auf seine Art zieht er das Publikum an und lässt es dann gleich wieder los, um hinaus durch die bewegliche Flügeltür zu poltern. Auf den Bürokasten zieht er sich gefährlich hoch zum Bildnis von Kaiser Franz Joseph, der „für ihn Slibowitz aufbewahrt hat“ (er zieht die Flasche hinter dem Bild hervor). Der Mann befriedigt als Frosch die Gemüter. Singen kann er nicht, wie er auch betont: „Ich singe nicht mit Dir, ich habe eine Sprechrolle!“

Patrick Lange führt das Wiener Staatsopernorchester durch die lustigste Strauss-Operette. Schon bei der Ouvertüre (A-Dur) entfaltet das Orchester einen feinen, großen Klang.

Ein sehr gelungener  und abwechslungsreicher Abend!

Martina Klinger

 

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