Clemens Unterreiner

HAPPY BIRTHDAY, Clemens Unterreiner!

 

Der Wiener Bariton Clemens Unterreiner feiert an „seinem Haus“, der Wiener Staatsoper, immer wieder Erfolge in schwierigen Rollen. Seine Karriere hat er sich mit viel Biss und Durchhaltevermögen erarbeitet. Der damalige Direktor der Oper, Ioan Holender, war anfangs von Unterreiners Gesangskünsten nicht sehr angetan. Aber er gab ihm eine Chance, sich zu beweisen. Und diese nützte er! Dass in ihm Talent schlummert, war nicht mehr anzuzweifeln, als er 2005 Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper wurde.

Ganz aktuell arbeitet er in der Rolle des Herman in Dantons Tod (Gottfried von Einem) gesanglich an der nächsten Premiere im Haus am Ring.

Klingers Kulturpavillon wünscht Alles Gute zum Geburtstag!

„Bello come un angelo“. Konzert mit Clemens Unterreiner im Castello Duino.

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Principessa Veronique della Torre e Tasso lud auf das Schloss Duino bei Triest. Welche Location für ein wunderbares Sommerkonzert mit Ernsthaftigkeit sowie Heiterkeit. Organisiert von Pro Cultura Lafnitz unter dem Vorstand Rudolf Wilfinger gab sich Clemens Unterreiner, Bariton der Wiener Staatsoper und vielgeliebter Künstler, die Ehre. Man lauschte und genoss.

Der Bariton und Publikumsliebling gestaltete ein abwechslungsreiches Programm von Mozart bis Puccini und wurde musikalisch begleitet vom frischgebackenen Preisträger des Klavierwettbewerbs in Lyon, Pavel Kachnov. Natürlich durfte das italienische Repertoire nicht fehlen.

Im Sala Cavalieri des Schlosses servierte Unterreiner den Gästen zur Begrüßung Giordanos Caro mio ben. Mit einer edlen Haltung und leidenschaftlich gerne intonierend, so kennt man den Sänger. Mit mimischer Glaubwürdigkeit werden alle seine Arien gewürzt, was einen besonderen Zauber verleiht. Senza di te languisce il cor – das war wahrhaftig.

Auch dem Komponisten Giulio Caccini (genau an der Schnittstelle zwischen Spätrenaissance und Frühbarock) wurde mit zwei Stücken Raum gegeben: Das bekannte Amarilli, interpretiert mit Verve sowie auch das Ave Maria am Klavier.

Gerne und oft verwendet: Die diebische Elster mit dem typischen Rossini-Eifer, gelang Pavel Kachnov am Klavier sehr zum Gefallen des Publikums.

Amore per Mozart: So verlief es weiter, berühmte Opernfiguren kamen durch Unterreiner zu Wort. Der wohl bekannteste Frauenverführer Don Giovanni, wie auch der „kluge“ Masetto. Deh, vieni alla finestra fällt bei dieser Kulisse wohl auch leicht, das blaue Meer, das romantische Schloss tun ihr Übriges.

Genauso vergnügt wie Giovanni selbst ist Clemens Unterreiner beim Intonieren der Champagnerarie: Finch´han dal vino, calda la testa.

Nach der Ouvertüre zu Le nozze di Figaro tauchte schließlich der Graf Almaviva auf. Ob dieser Prozess schon gewonnen war? Clemens Unterreiner tat jedenfalls stimmlich alles dazu. Hinzu kam noch köstliches und rollentypisches Schauspiel.

Auch der Komponist Puccini – eigentlich ist sein Gebiet Lucca, aber der Sänger erwähnte, man habe ihn für heute nach Duino geholt – wurde von Unterreiner mit einer fulminant gesungenen Arie des Frank aus Edgar geehrt und Kachnov schloss sich mit Caruso am Klavier an.

Einfach weil es wie geschaffen ist für diesen besonderen Ort, kündigte Clemens Unterreiner noch „Bello come un angelo“ an. Zart und kraftvoll – dieser Wechsel gelang ihm bestens.

Die schönen wie fidelen Canzoni italiane gerieten dann auch zu einer Einlage. Unterreiner erlaubte dem Publikum mitzusingen. Klassiker wie O sole mio, Rondine al nido, Torna a Surriento und Funiculi, Funicula lassen Herzen höher schlagen.

Fulminante Klassik mit Meeresblick, lässt sich konstatieren.

 

 

 

 

 

Sommergesang (5): Clementino a Duino – Konzert in Italien von Clemens Unterreiner.

 

Der beliebte Staatsopernbariton Clemens Unterreiner hat im Sommer viele Male seine Stimme zu erheben: Er tut dies aktuell im Steinbruch von St. Margarethen/Burgenland als Graf von Monterone in Rigoletto. Für ein Konzert auf einem Schloss reist der Bariton ins schöne Land, wo die Zitronen blühn´.

Am 18. Juli findet auf dem Castello di Duino das Konzert „Sotto le Stelle“ statt. Unterreiner singt italienische Arien, in sehr stimmungsvoller Atmosphäre.

Um das Schloss Duino ranken sich viele Geschichten. Der berühmte Weg ist ein zauberhafter Wanderweg benannt nach Rainer Maria Rilke (Duineser Elegien).

Che gioia!

 

Das „mögliche neue Traumpaar“ der Oper beim großen Auftritt! Wallmann-„Tosca“ in Wien mit Kaufmann, Serafin, Vratogna

Manchmal spielt das Schicksal seltsame Spiele: Auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper für 08. Mai 2017 war die berühmt-berüchtigte Wallmann-Tosca (also die „alteingesessene“ Tosca in der Inszenierung von Margarethe Wallmann) angesetzt. Singen sollten „unser aller“ Jonas Kaufmann und Angela Gheorghiu, sowie als Scarpia der Italiener Marco Vratogna. Aber Gheorghiu wurde krank, sagte für den Abend ab. So wurde eine ebenso hochkarätige Einspringerin gesucht: Man fand sie in Gestalt von Martina Serafin, welche in Wien geboren, aber in Italien zu Hause ist. Gewissermaßen war es also ein Heimspiel. Und es bewahrheitete sich ein weiterer Artikel: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Nun wollen wir uns also einmal wieder der „Stamm“-Tosca der Wiener Staatsoper zuwenden, die in verschiedensten Ausführungen bereits behandelt wurde.

Der erste Akt verlief eher unauffällig, große Leistungen waren hier noch ein wenig zurückhaltend vorgebracht. Dirigent und Debütant Eivind Jensen agiert schlagkräftig.

Clemens Unterreiner hat in Cesare Angelotti eine „neue Traumrolle“ (?) entdeckt, die er bereits zum wiederholten Male im Haus am Ring verkörpert. Man muss es einfach mal sagen: Trotz aller Hektik und Fluchtversuch, trotz wilder, abgekämpfter Frisur, verzweifelter Mimik; der Kerl ist immer noch sehr fesch! (Leider bringt er sich alsbald im Stück um). Stimmlich auch auf der Höhe, und top motiviert, was will man mehr! Ein anderes Kapitel ist Paolo Rumetz als Mesner, er ist lieb, harmlos, ein bisschen blass um die Nase. Wirkt auch ziemlich verkleidet, eigentlich ist er für andere Rollen besser besetzt. Da merkt man schlicht, er steckt in der falschen Kutte. In weiteren kleineren Partien (Spoletta, Scarrione, Schließer) waren Wolfram Igor Derntl, Mihail Dogotari und Ayk Martirossian sehr bemüht und fügten sich ein.

Als Marco Vratogna als der „Böse“ Scarpia erscheint, erzittert man zunächst nicht. Man kann auch nicht wirklich festmachen, woran das liegt. Besonders groß ist er nicht, besonders grimmig „schaut“ er nicht. Seine Bosheit liegt mehr im Detail. Und hier schlägt sie umso mehr zu. In Gedanken versunken, aber bereits im nächsten Moment sehr listig wirft er Martina Serafin als Tosca ein hintergründiges „dolce signora“ zu, als sie beten gehen möchte. Sie wird kurz schwach, wendet aber dann wieder ab. Sie gibt in diesem Akt eine gestisch starke Tosca, sie erscheint imposant, sehr würdevoll. Die Stimme muss beim ersten Auftritt kurz ihren Platz suchen. Das Piano ist unvergleichlich gut, Tosca wehrt sich somit auf subtile Weise gegen Scarpias Versuche, sie um den „Finger zu wickeln“.  Sie agiert ausdrucksstark, man möchte sie nicht weinen sehen. Dazugesagt sei auch, dass die Künstlerin diese Rolle „im kleinen Finger“ hat, möglicherweise ist sie ihr auch sehr ans Herz gewachsen. Sie sagte selbst im Interview, dass Tosca eine sehr starke Frauengestalt Puccinis sei, welche aber nicht zu sehr dem Neid und der Eifersucht anheim fallen sollte, wenn es um die Interpretation geht. Sie versteht die leidende Sängerin sehr gut, die in jedem Akt anders auftreten muss, aus einer anderen Ausgangssituation heraus agieren muss. Bei Martina Serafin entsteht überhaupt der Eindruck, dass sie die Rolle spielt, und nicht abspult. Sie ist lebendig, stark, kräftig, dabei elegant im Ausdruck.

Beim „Te Deum“ denkt Scarpia alias Vratogna wirklich, dass er in Toscas Herz „nisten“ wird. Das „Pronto Sospetto“ kostet er mit süffisanter Mimik aus, weil er bereits siegessicher ist. Beim Übertönen des Chores hat Marco Vratogna merklich kein Problem, er bleibt angenehm hörbar. Das ist beileibe nicht bei jedem Sänger der Fall.

Ja, und „unser aller“ Jonas, Jonas Kaufmann? Was ist mit ihm, der nicht nur die Kartenpreise ein gutes Stück anhebt, sondern auch das Blut, die Gedanken und die Gyri seiner treuen Fans in Wallung bringt? Er agiert verlässlich: Und das ist jetzt nicht einfach so gemeint. Verlässlich, das heißt doch nichts Besonderes, nicht wahr? Verlässlich in dem Sinne, dass man sofort, wenn er die Bühne betritt, den Eindruck hat, er brauche nur einen kleinen Ton von sich zu geben, nur mit einer seiner eleganten Bewegungen das Jackett abzulegen, damit es „seinem“ Publikum schon zu viel wird. Man muss sagen: Selten gibt es einen Künstler mit einer solch ausgeprägten Bühnenpräsenz. Mit einer solchen stimmlichen Präsenz. Dieser Mann hat das gewisse Etwas, das man nicht erlernen kann. Der Cavaradossi ist an jenem Abend „nur“ ein Mantel, seines großen Könnens. Er hat nicht den Ansatz von Mühe, Anstrengung, es sieht so leicht aus. Großes Lob an dieser Stelle!

Der 2. Akt: Als ihm die Diva fehlt, ist Scarpia alias Vratogna recht ausdruckslos. In seinen imposanten Stiefeln, an seinem eigenen Speisetisch sitzend, fühlt er sich merklich wohl. Vratogna ist deutlich im Ausdruck, seine Mimik wechselt gekonnt von „böse“ zu „gespielt freundlich“ und dann wieder „süffisant“. Angenehm seine Stimme, große Ausbrüche bietet sie jedoch eher nicht. Er schreit seine Aggression nicht heraus, er agiert fast nobel über sein Gesicht, seinen Ausdruck. Brutalität fehlt ihm äußerlich aber gänzlich, er wirkt fast auf eine seltsame Weise schon sympathisch..?!

Kaufmann strahlt wieder mehr „Italianitá“ aus, was viele freut, fein sind seine Bewegungen. Cavaradossi auf-und abschreitend, seine Grenzen abwägend, auf dem Prüfstand befindlich. Scarpia zeigt hier ihm gegenüber wenig Verständnis, wird streng, hat keine Lust auf Spiele mehr. Sein italienischer Gesang ist originär (seiner Herkunft geschuldet), nichts Hartes ist zu erkennen. Serafin mischt sich in die Szene, erscheint zugleich damenhaft und herrschaftlich.

Bereit ist Tosca, zu verhandeln, Scarpia mustert sie Appetit generierend. Sofort wird seine Stimme noch weicher, sie hingegen zeigt einen verhärteten Ausdruck und verharrt den Handschuh schwingend, auf dem Liegesofa. Vratogna scheint ein sehr aufmerksamer Sänger zu sein, er beobachtet seine Mitspieler(innen) genau. Zu keinem einzigen Zeitpunkt „schleimt“ sein Scarpia, was man von anderen Interpreten dieser Rolle nicht behaupten kann. Verzweifelt schreiend wirft sich Tosca in die Mitte des Raumes, als Jonas Kaufmann als Cavaradossi nicht sichtbar (aus dem Off) gefoltert wird. Ihr wiederum beleidigter Gesichtsausdruck, als Scarpia sich weigert, die Folter zu beenden, ist eine Feinheit. Die Stimme entfaltet an dieser Stelle viel Kraft und viel angebrachte Verächtlichkeit kommt zum Vorschein bei Serafins Tosca. Wut zeigt sie später, eine Kampfszene zwischen Tosca und Scarpia gerät sehr heftig, als Martina Serafin ihren Kopf gegen Marco Vratognas Brust wirft. Bei all ihren sängerischen Verzweiflungsschreien wirkt sie immer noch sehr fokussiert und konzentriert. Jonas Kaufmanns Cavaradossi bot hier stimmlich noch keinen sehr verzweifelten Ausdruck, erst als er mit Theaterblut überströmt aus seiner Folter entlassen wird, wird es wieder sehr intensiv. Er liegt am Boden, und es sieht sehr zärtlich aus, als Serafin sich über ihn beugt und ihm zu helfen versucht. Jonas Kaufmann zeigt hier eine sehr verletzliche, weiche Seite des Malers, wie hingelegt liegt er da. Für weitere Verhandlungen, so denkt sich Martina Serafin, kann ein bisschen spanischer Wein nicht schaden (alias Trauben- oder Himbeersaft), und so greift Tosca zum Glas.

„Von einer schönen Frau“, so kann man es sich schon beinahe antizipieren, will Scarpia „kein Geld“. Tosca wehrt sich von den Augen bis zu den Zehen, und zeigt trügerische Erleichterung, als ihr Scarpia vollmundig verkündet: „Sei libera.“ Das war ein Trugschluss. Wenig später sitzt er bereits auf ihr und es ertönen die Trommeln. Schnelles Handeln ist gefragt: Und da wendet sich Serafins Tosca vertrauensvoll an Gott. Ihr erwartetes „Vissi d´arte“ gerät sehr gut, etwas höher als gewohnt, und leidend, wieder auf dem Sofa, mit großem Ausdruck. Zusammensinkend verharrt sie immer noch im tiefen Gebet. Viel Applaus gibt es hierfür.

Scarpia wird noch bekniet und um Gnade angefleht, aber er hat übermäßigen Appetit. Nach einem liebestollen, recht heftigen Angriff auf Tosca, den er abbrechen muss, rückt er sich, ganz Italiener, das Gewand wieder zurecht. Später hantiert er locker und nichtsahnend mit den Kerzen(leuchtern), dass diese eine wesentliche Rolle spielen, wird ihm (nicht mehr) bewusst werden. Er geht auf Tosca zu und bäumt sich wieder wollüstig auf (hat schon etwas !). Im nächsten Moment muss er aber „Aiuto“ rufen, und das mehrmals, weil sie ihm ihren „Kuss“ gegeben hat: Der Ausdruck „Bacio di Tosca“ steht leider nicht für etwas Leidenschaftliches, sondern für Mord. Schon hat er den Dolch im Herz, und auch im Sterben ist er noch Italiener, langsam seufzend, jammernd und rufend sinkt er dahin zu Boden. Das ist großes Kino. Noch schwer atmend, als er eigentlich bereits „tot“ sein sollte. Nun, die Qualität eines „Bühnentodes“ sollte wohl daran nicht gemessen werden. Tosca ist sogar noch so menschlich und legt dem Ermordeten das christliche Kreuz auf, und verschwindet.

Im 3. Akt geht es wie gewohnt düster zu. Es herrscht eine drückende Atmosphäre rund um die erbaute Engelsburg, es ist aber trotzdem stimmungsvoll. Alle Augen sind auf einen gerichtet: Jonas, immer noch (rollentechnisch bedingt) blutend. In vielen Inszenierungen kniete er, hier steht er anfangs zwischen Soldaten. Immer wieder hält der Tenor-Held inne, wohlüberlegt singt er und ausgewogen. Alleine beherrscht er vorerst die Bühne, sitzend und tief in sich gekehrt, ungewohnterweise etwas tief beginnt seine Arie: „E lucevan le stelle..“ Man spürt seine Emotion ganz deutlich. Seine starren und sehr ausdruckslosen Augen unterstreichen das Leid, das er gerade fühlt. Das „vita“ zieht er ein wenig in die Länge. Und dann: Jubel, Jubel, Jubel, Bravos, er verharrt ruhig, lässt sich nicht ablenken, es folgt minutenlanger Applaus, er spricht ein wenig mit sich selbst und atmet. Frenetischer Jubel und Schreie (!) folgen. Er lacht jetzt doch ein bisschen. Er wiederholt die Arie und gewährt dem Publikum, was es will.

Was noch auffällt: Beim romantischen Handkuss mit Tosca hat Cavaradossi wohl eher seine eigenen Finger abgeküsst, ein lustiges Detail. Das Paar zeigt eine wunderbare Synchronität. Selbst beim „Erschießen“ lächelt Kaufmann ein wenig. Dann, als Serafin ihn zum Gehen animieren will und ihn „erschossen“ vorfindet, spielt er ein wenig „tot“ aber bewegt die Augen weiter. Sie schreit, springt diesmal Gottlob nicht von der Burg (bei derselben Inszenierung im Dezember 2015 verletzte sie sich beim Sprung schwer am Bein und musste sich sogar einer Operation samt Bühnenpause unterziehen), sondern schreitet mehr hinab. Leider wird deutlich, dass kurz vorher ihr Kleid zerrissen ist.

Am Ende ist der Applaus für alle drei Protagonisten frenetisch, und dauert wahnsinnig lange! Ein toller Abend für Tosca!

 

 

Caro nome in St. Margarethen: Rigoletto wird konkret!

 

 

 

rigoletto

(c) Arenaria

 

 

Oper im Steinbruch St. Margarethen/Burgenland

Wie schon einigen Aufmerksamen bekannt ist, wird nächstes Jahr (2017) im Steinbruch die große Verdi-Oper „Rigoletto“ gegeben. Ein Klassiker der Opernliteratur, immer wieder auf den Spielplänen großer Häuser zu finden. Die immer noch rührende Thematik wird in der gigantischen Naturkulisse von St. Margarethen wieder ZuhörerInnen zum Schwärmen bringen.

Auf der Besetzungsliste sind einige sehr Steinbruch-erprobte Namen zu finden. Auch Newcomer werden hoch herausgehoben. So wird etwa Tatjana Larina, Gewinnerin des Österreichischen Musiktheaterpreises, die Gilda geben, alternierend mit Elena Sancho Pereg (bekannt aus dem Margarethener „Der Liebestrank“ als Adina). Die Titelrolle teilen sich Vladislav Sulimsky und der bekannte Scarpia von 2015, Davide Damiani. Der liebestolle Herzog wird alternierend dargestellt von Yosep Kang und Arthur Espiritu, sollten alle Stricke reißen, steht Jesus Leon zur Verfügung. In der Doppelrolle der „Schwester“ Maddalena und Giovanna sind abwechselnd Annely Peebo (Volksoper Wien) und Jordanka Milkova (Schweizerisches Opernstudio) zu erleben. Den Grafen von Monterone wird Staatsopern-Held Clemens Unterreiner (hier schon 2015 als „Angelotti“ engagiert gewesen) verkörpern. Den bösen, zahnlosen Sparafucile singt Luke Stoker. Graf Ceprano sind abwechselnd Karl Huml und Simon Duus. Noch eine Doppelrolle, die vergeben wird, und zwar die der Gräfin Ceprano und des Pagen, teilen sich Eva Bordova und Arina Alexeeva. Borsa geben Kirlianet Cortes und David Jagodic.

Als Chor werden die Sänger und Sängerinnen unterstützt vom Philharmonia Chor Wien. Es spielt das Symphonieorchester des Slowakischen Rundfunks unter Dirigentin Anja Bihlmaier, Philippe Arlaud führt Regie. Walter Zeh ist für die Chorleitung zuständig, und die Kostüme unter anderem für den Buckligen Narren wird Andrea Uhmann gestalten.

 

Gutes tun & Singen – Clemens Unterreiners Benefizkonzert

Wien

Lutherische Stadtkirche

Staatsopern-Bariton Clemens Unterreiner lud wie jedes Jahr (eine schöne Tradition) zum Konzert mit seinen Ehrengästen und Freunden in die Kirche ein. Das Benefiz-Weihnachtskonzert brachte über 15.000 Euro für Unterreiners Verein „Hilfstöne“.

Es wurde nicht nur LIDIA BAICH  an ihrer Spitzenvioline „Guarneri del Gesu“ gelauscht, sondern auch der beliebte Kammersänger WOLFGANG BANKL gab sich die Ehre, ebenso wie CLEMENS UNTERREINER selbst. LIOBA BRAUN & GENIA KÜHMEIER (die eigentlich im Dezember nicht singen wollte, für Unterreiner aber eine Ausnahme machte) verzauberten mit einem Duett. SUNNYI MELLES las und rezitierte. Der junge Chor CANTUS IUVENIS sorgte auch für Stimmung.

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Clemens Unterreiner inmitten „seiner“ Sängerinnen & Künstlerinnen mit dem Hilfstöne-Scheck (c) Claudia Prieler

 

 

 

SommerBÜHNE 2: Floria Tosca meets Hollywood – OPER IM STEINBRUCH ST. MARGARETHEN

Oper im Steinbruch St. Margarethen. Burgenland                                                                      08. Juli

Intendantin Maren Hofmeister entschied sich für eine wegweisende neue Inszenierung der ganz klassischen „Tosca“ von Puccini. Für die Umsetzung des epochalen Meisterwerks konnten Hollywood-Regisseur Robert Dornhelm und als Bühnenbildnerin die renommierte Amra Bergman-Buchbinder gewonnen werden. Das Wetter, das herrschte, hat der Premierenabend gewiss nicht verdient. Es regnete in Strömen, eine Stunde Verspätung mussten alle (Darsteller und Publikum) in Kauf nehmen.

Im Steinbruch werden die Besucher von einem riesigen Engel mit Fingerzeig begrüßt. Dieser Engel trägt ein „Federkleid“, von welchem sich Cesare Angelotti abseilt. Langsam neigen sich die Federn zur Seite und geben das Bühnenbild frei, mit Hollywood-Effekten vom Feinsten. Manchmal wähnt man sich in einem Film. Die Effekte sind in dem Sinne gigantisch, als dass sie die Darsteller an manchen Passagen überlebensgroß zeigen. Einen großen Pluspunkt kann St. Margarethen also durch die Technik sammeln. Eine Luxusbesetzung für die Hauptrollen kann der Steinbruch auch vorweisen: Martina Serafin, erprobte Tosca, singt mit Gefühl und Leidenschaft. Man merkt, sie hat bereits ein untrügliches Gespür für die Rolle entwickelt, obgleich sie in einem Interview meinte, die Tosca sei jeden Abend neu und anders. Ihr „Vissi d´ arte“ berührt, sodass man mitweinen möchte mit der verzweifelten Frau, die fragt: Perche? Warum wird mir so etwas angetan? Derzeit die denkbar beste Tosca. Ihr Bühnenpartner Andrea Caré ist nicht minder berührend, seine Stimme hat Leidensfähigkeit, auch einen gewissen Heldenklang, der nicht abstreitbar ist. Die Stimmen der beiden harmonieren traumhaft gut. Bei „Recondita armonia“ sind die ganz großen Emotionen noch nicht so ganz spürbar, doch bei „E lucevan le stelle“ leidet man wieder ganz ergriffen mit. Sehr, sehr achtbar ist Clemens Unterreiner als Cesare Angelotti, sportlich und auch sehr leidenschaftlich in der Rolle versunken. Laufen muss er an diesem Abend viel, flieht er doch vor dem Regiment. Der Scarpia des Abends, Davide Damiani, bleibt ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Gewaltig ist sein Schauspiel, Tosca zu Boden ringend. Das „Te Deum“, an dem nun einmal jeder Scarpia gemessen wird, ist durchschnittlich. Er bleibt hörbar, doch an manchen Stellen übertönt ihn das Orchester unter Michael Güttler, der achtbar dirigiert. Spoletta und Scarrione sind recht differenziert gemeistert von Christian Koch und Tomasz Pietak. Der Hirt, gesungen von Bernhard Sengstschmid, ist harmonisch. Ein nasser, aber sehr erfolgreicher Premierenabend!

-Martina Klinger-

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Andrea Caré, Clemens Unterreiner (c) Armin Bardel

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Martina Serafin, Davide Damiani (c) Armin Bardel

Wiener Bariton goes Tokio – Clemens Unterreiners Debüt

Wien/Tokio

Clemens Unterreiner: Das umtriebige, fixe Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper gastiert zum ersten Mal in Tokio, Japans belebter Hauptstadt. Trotz eines Erdbebens, das auf der Richter-Skala gar nicht einmal einen niedrigen Wert hatte, ist er – Gott sei Dank – guter Dinge. Er hat den Herrn von Faninal in Richard Strauss´ Meisterwerk „Der Rosenkavalier“ gesungen und das Land der Kirschblüte gefällt ihm.

Es gibt für alles ein 1. Mal. So auch für den Auftritt im Land des Lächelns. Staatsopern-Bariton Clemens Unterreiner hat diesen mit seinem „Faninal“ prächtig hinter sich gebracht. Wenn dieser Herr von Faninal und Sophie die Ankunft des Kavaliers erwarten, muss das in Tokio nicht doppelt so schön sein? Ja, natürlich, Wien ist die Weltstadt der Musik, bekanntermaßen lieben und schätzen die musikaffinen Japaner „unsere“ Stadt. Clemens Unterreiner hat den Begeisterten wieder ein Stück Wiener Musikkultur nähergebracht, mit diesem absoluten Klassiker, komponiert von Richard Strauss als Komödie für Musik op. 59. Eigentlich, wenn man so will, eine Liebeserklärung an Wien.

Ein hochkarätiges Ensemble singt in Tokio den „Rosenkavalier“: Natürlich Clemens Unterreiner als Faninal, Anne Schwanewilms als Feldmarschallin, Jürgen Linn als Baron Ochs. Gesungen wird übrigens auf Deutsch mit japanischen Untertiteln. Es dirigiert Stefan Soltesz.

Weitere Vorstellungen am 27. (18:00 Uhr) und 30. Mai sowie am 2. und 4. Juni (jeweils 14:00 Uhr) im NEW NATIONAL THEATRE, Tokyo.

 

-Martina Klinger-

 

Clemens Unterreiner als Faninal auf der Tokioter Bühne

 

Fledermaus mit Zuckerguss

Wiener Staatsoper                                                                                                     03.01.15

Zu Silvester spielt das Haus am Ring bekanntlich eine der bekanntesten Operetten von Strauss, die „Fledermaus“. Zu einer Folgevorstellung kam es im Jänner.

Die bewusst traditionelle und der Zeit (1874) angepasste Inszenierung von Otto Schenk. Die klassische Operette mit einem extra „Zuckerguss“. Opulent, ohne modernen Touch. Da charmieren Fracks mit Abendkleidern, da wird der Prinz Orlowsky schwach bei einem „Spaß“ von Dr. Falke.

Aus dem Off singt Alfred (Norbert Ernst). Man hört ihn ziemlich leise, es soll aber auch so sein. Nur hörbar muss er bleiben. Das Stück über bleibt er eher blass, tritt selten in Erscheinung. Adele (Ileana Tonca) ist sogleich begeistert von seinen Gesangskünsten. Tonca tut sich etwas schwer mit der Aussprache des Deutschen, gesanglich ist sie auf einem guten Weg. Sie legt in Stubenmädchen-Manier einen flotten Auftritt hin. Eisenstein (Adrian Eröd, merklich erkältet) ist souverän, trotz ein wenig Stimmschonung. „Wien, Wien, nur Du allein, Adele, komm und sprüh´ mich ein!“ Er ist in seinem Element, schwingt sich sogar zu einer kleinen „Königin der Nacht“ – Einlage auf, als er das Haus verlässt. Beim „kleinen Hunger vorm Gefängnis“ bestellt er Schöberlsuppe, Tafelspitz mit „Fettranderl“, Apfelkren und Sauce sowie Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Sportlich hüpft er im Tanz und vom Tisch, reißt sich im 3. Akt spektakulär die Perücke vom Kopf und schüchtert Rosalinde (Juliane Banse) und Alfred ein. Rosalinde ist respektabel besetzt. Im 1. Akt meint man doch glatt bei „Mein Herr, was dächten Sie von mir“ zu hören: „Gleich einer Wachtel fanden Sie ihn mir im Schlafrock vis-a-vis!“ Dabei soll Alfred doch ein „Pascha“ sein. Auch die „Klänge der Heimat“ bleiben leider ziemlich wortundeutlich. Schauspielerisch und gesanglich ist Banse in guter Form.

Gefängnisdirektor Frank (KS Alfred Sramek) weiß wie man mit Zigarren und Zeitungen umgeht. Sein beschwipstes Spiel im 3. Akt ist sehenswert. Die Stimme tut ihr Übriges. Im 2. Akt schmust und tänzelt er sich durch das Bankett. Später ahmt er die Trommel wie in den meisten Inszenierungen mit den Händen nach und „rattert“ Ida (Lydia Rathkolb) und Adele bei „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ hinterher.

Der „actionreichste“ Akt ist aber der zweite. Die Drehbühne ist wahrlich ein „Schmankerl“ für sich, das an anderen Häusern mit dem festlichsten aller Bankette wirklich nicht so umgesetzt werden kann. Prinz Orlowsky (Elisabeth Kulman) freut sich über schöne Tanzeinlagen bei „Unter Donner und Blitz“, choreografiert von Gerlinde Dill und über den grandiosen „Spaß“ von Dr. Falke (Clemens Unterreiner).

Kulman ist als russischer Prinz köstlich und stimmstark, so wie ihr „Iwan“, der sogar fast Räder auf der Bühne schlägt. Unterreiner als Dr. Falke hat Witz, Charme, eine deutliche Aussprache und ist sehr gut bei Stimme. „Brüderlein und Schwesterlein“ ist rührend. Tänzerisch ist er sehr aktiv. Die französische Hymne und der Can-Can beim Fest von Orlowsky, den das Ensemble kurz an-tanzt, sind gute Einlagen.

Dr. Blind (Peter Jelosits) ist schon ab und an im Stück „gewalttätig“ und rammt seine Aktentasche in Bäuche, wenn er wütend wird. Seine „Ho-Ho-Ho-Hose“ will er nicht an Eisenstein abgeben. Schließlich werden es doch Aktentasche, Mantel und Perücke.

Im 3. Akt hat eine skurrile Figur noch ihren großen Auftritt. Das „Froscherl is do“ (Peter Simonischek). Für so manchen Geschmack ist er ein zu „betrunkener“ Frosch, sagt er doch keine einzige Passage, ohne zu lallen. Auf seine Art zieht er das Publikum an und lässt es dann gleich wieder los, um hinaus durch die bewegliche Flügeltür zu poltern. Auf den Bürokasten zieht er sich gefährlich hoch zum Bildnis von Kaiser Franz Joseph, der „für ihn Slibowitz aufbewahrt hat“ (er zieht die Flasche hinter dem Bild hervor). Der Mann befriedigt als Frosch die Gemüter. Singen kann er nicht, wie er auch betont: „Ich singe nicht mit Dir, ich habe eine Sprechrolle!“

Patrick Lange führt das Wiener Staatsopernorchester durch die lustigste Strauss-Operette. Schon bei der Ouvertüre (A-Dur) entfaltet das Orchester einen feinen, großen Klang.

Ein sehr gelungener  und abwechslungsreicher Abend!

Martina Klinger

 

Links:

http://www.wiener-staatsoper.at

http://www.wiener-staatsoper.at/Content.Node/home/kuenstler/saengerinnen/Sramek.de.php

http://www.unterreiner.at

http://www.adrianeroed.com

http://www.ileanatonca.com

http://www.julianebanse.com

 

 

Bitte vor den Vorhang, Clemens Unterreiner!

 

Clemens Unterreiner ist Bariton und festes Mitglied der Wiener Staatsoper. Der gebürtige Wiener begann seine Karriere mit einem Auftritt bei den Wiener Festwochen. Im Jahr 2004 führte ihn sein Weg an die Wiener Staatsoper, für die Premiere von „Werther“ von Jules Massenet.

Nach einem Engagement im Salzburger Festspielhaus als Konsul Sharpless in „Madama Butterfly“ von Puccini startete er endgültig seine Staatsopernkarriere. 2005 sang er den Don Giovanni in Deutschland, danach debütierte er im Haus am Ring mit der Oper „Manon Lescaut“ von Massenet. Im Jahr 2007 feierte er sein Rollendebut als Guglielmo in Mozarts“Cosi fan tutte“. 2008 kam er auch an die Wiener Volksoper und war dort in vielen Rollen in Oper und Operette gefeierter Gastsolist. 2009 folgten Papageno und Sulpice als ihm anvertraute Rollen. 2011 war der Bariton erstmals in der Königlichen Oper Kopenhagen mit der Rolle des Konsul Sharpless als Solist zu hören.

Eine seiner vom Publikum vielgeliebten Rollen ist der Herr von Faninal im „Rosenkavalier“ von Richard Strauss. Diesen interpretierte er in Wien vielfach und auch bei der Eröffnung des neuen Musiktheaters Linz im Jahr 2013.

Das Jahr 2014 wird für ihn das Rollendebut des Musiklehrers in „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauss bringen, sowie einen Auftritt in der Carnegie Hall New York.

Am 07. März 2014 wird Clemens Unterreiner „Aus meinem persönlichen Liederbuch“ einen Liederabend im Wiener Musikverein gestalten. Auf dem Programm stehen ausgewählte Lieder von Strauss und Schubert.

-Martina Klinger-

Links:

http://www.unterreiner.at