SommerBÜHNE 2: Floria Tosca meets Hollywood – OPER IM STEINBRUCH STMARGARETHEN

Oper im Steinbruch St. Margarethen. Burgenland                                                                      08. Juli

Intendantin Maren Hofmeister entschied sich für eine wegweisende neue Inszenierung der ganz klassischen „Tosca“ von Puccini. Für die Umsetzung des epochalen Meisterwerks konnten Hollywood-Regisseur Robert Dornhelm und als Bühnenbildnerin die renommierte Amra Bergman-Buchbinder gewonnen werden. Das Wetter, das herrschte, hat der Premierenabend gewiss nicht verdient. Es regnete in Strömen, eine Stunde Verspätung mussten alle (Darsteller und Publikum) in Kauf nehmen.

Im Steinbruch werden die Besucher von einem riesigen Engel mit Fingerzeig begrüßt. Dieser Engel trägt ein „Federkleid“, von welchem sich Cesare Angelotti abseilt. Langsam neigen sich die Federn zur Seite und geben das Bühnenbild frei, mit Hollywood-Effekten vom Feinsten. Manchmal wähnt man sich in einem Film. Die Effekte sind in dem Sinne gigantisch, als dass sie die Darsteller an manchen Passagen überlebensgroß zeigen. Einen großen Pluspunkt kann St. Margarethen also durch die Technik sammeln. Eine Luxusbesetzung für die Hauptrollen kann der Steinbruch auch vorweisen: Martina Serafin, erprobte Tosca, singt mit Gefühl und Leidenschaft. Man merkt, sie hat bereits ein untrügliches Gespür für die Rolle entwickelt, obgleich sie in einem Interview meinte, die Tosca sei jeden Abend neu und anders. Ihr „Vissi d´ arte“ berührt, sodass man mitweinen möchte mit der verzweifelten Frau, die fragt: Perche? Warum wird mir so etwas angetan? Derzeit die denkbar beste Tosca. Ihr Bühnenpartner Andrea Caré ist nicht minder berührend, seine Stimme hat Leidensfähigkeit, auch einen gewissen Heldenklang, der nicht abstreitbar ist. Die Stimmen der beiden harmonieren traumhaft gut. Bei „Recondita armonia“ sind die ganz großen Emotionen noch nicht so ganz spürbar, doch bei „E lucevan le stelle“ leidet man wieder ganz ergriffen mit. Sehr, sehr achtbar ist Clemens Unterreiner als Cesare Angelotti, sportlich und auch sehr leidenschaftlich in der Rolle versunken. Laufen muss er an diesem Abend viel, flieht er doch vor dem Regiment. Der Scarpia des Abends, Davide Damiani, bleibt ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Gewaltig ist sein Schauspiel, Tosca zu Boden ringend. Das „Te Deum“, an dem nun einmal jeder Scarpia gemessen wird, ist durchschnittlich. Er bleibt hörbar, doch an manchen Stellen übertönt ihn das Orchester unter Michael Güttler, der achtbar dirigiert. Spoletta und Scarrione sind recht differenziert gemeistert von Christian Koch und Tomasz Pietak. Der Hirt, gesungen von Bernhard Sengstschmid, ist harmonisch. Ein nasser, aber sehr erfolgreicher Premierenabend!

-Martina Klinger-

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen
Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Andrea Caré, Clemens Unterreiner (c) Armin Bardel
Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen
Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Martina Serafin, Davide Damiani (c) Armin Bardel