Martina Serafin

Das „mögliche neue Traumpaar“ der Oper beim großen Auftritt! Wallmann-„Tosca“ in Wien mit Kaufmann, Serafin, Vratogna

Manchmal spielt das Schicksal seltsame Spiele: Auf dem Spielplan der Wiener Staatsoper für 08. Mai 2017 war die berühmt-berüchtigte Wallmann-Tosca (also die „alteingesessene“ Tosca in der Inszenierung von Margarethe Wallmann) angesetzt. Singen sollten „unser aller“ Jonas Kaufmann und Angela Gheorghiu, sowie als Scarpia der Italiener Marco Vratogna. Aber Gheorghiu wurde krank, sagte für den Abend ab. So wurde eine ebenso hochkarätige Einspringerin gesucht: Man fand sie in Gestalt von Martina Serafin, welche in Wien geboren, aber in Italien zu Hause ist. Gewissermaßen war es also ein Heimspiel. Und es bewahrheitete sich ein weiterer Artikel: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Nun wollen wir uns also einmal wieder der „Stamm“-Tosca der Wiener Staatsoper zuwenden, die in verschiedensten Ausführungen bereits behandelt wurde.

Der erste Akt verlief eher unauffällig, große Leistungen waren hier noch ein wenig zurückhaltend vorgebracht. Dirigent und Debütant Eivind Jensen agiert schlagkräftig.

Clemens Unterreiner hat in Cesare Angelotti eine „neue Traumrolle“ (?) entdeckt, die er bereits zum wiederholten Male im Haus am Ring verkörpert. Man muss es einfach mal sagen: Trotz aller Hektik und Fluchtversuch, trotz wilder, abgekämpfter Frisur, verzweifelter Mimik; der Kerl ist immer noch sehr fesch! (Leider bringt er sich alsbald im Stück um). Stimmlich auch auf der Höhe, und top motiviert, was will man mehr! Ein anderes Kapitel ist Paolo Rumetz als Mesner, er ist lieb, harmlos, ein bisschen blass um die Nase. Wirkt auch ziemlich verkleidet, eigentlich ist er für andere Rollen besser besetzt. Da merkt man schlicht, er steckt in der falschen Kutte. In weiteren kleineren Partien (Spoletta, Scarrione, Schließer) waren Wolfram Igor Derntl, Mihail Dogotari und Ayk Martirossian sehr bemüht und fügten sich ein.

Als Marco Vratogna als der „Böse“ Scarpia erscheint, erzittert man zunächst nicht. Man kann auch nicht wirklich festmachen, woran das liegt. Besonders groß ist er nicht, besonders grimmig „schaut“ er nicht. Seine Bosheit liegt mehr im Detail. Und hier schlägt sie umso mehr zu. In Gedanken versunken, aber bereits im nächsten Moment sehr listig wirft er Martina Serafin als Tosca ein hintergründiges „dolce signora“ zu, als sie beten gehen möchte. Sie wird kurz schwach, wendet aber dann wieder ab. Sie gibt in diesem Akt eine gestisch starke Tosca, sie erscheint imposant, sehr würdevoll. Die Stimme muss beim ersten Auftritt kurz ihren Platz suchen. Das Piano ist unvergleichlich gut, Tosca wehrt sich somit auf subtile Weise gegen Scarpias Versuche, sie um den „Finger zu wickeln“.  Sie agiert ausdrucksstark, man möchte sie nicht weinen sehen. Dazugesagt sei auch, dass die Künstlerin diese Rolle „im kleinen Finger“ hat, möglicherweise ist sie ihr auch sehr ans Herz gewachsen. Sie sagte selbst im Interview, dass Tosca eine sehr starke Frauengestalt Puccinis sei, welche aber nicht zu sehr dem Neid und der Eifersucht anheim fallen sollte, wenn es um die Interpretation geht. Sie versteht die leidende Sängerin sehr gut, die in jedem Akt anders auftreten muss, aus einer anderen Ausgangssituation heraus agieren muss. Bei Martina Serafin entsteht überhaupt der Eindruck, dass sie die Rolle spielt, und nicht abspult. Sie ist lebendig, stark, kräftig, dabei elegant im Ausdruck.

Beim „Te Deum“ denkt Scarpia alias Vratogna wirklich, dass er in Toscas Herz „nisten“ wird. Das „Pronto Sospetto“ kostet er mit süffisanter Mimik aus, weil er bereits siegessicher ist. Beim Übertönen des Chores hat Marco Vratogna merklich kein Problem, er bleibt angenehm hörbar. Das ist beileibe nicht bei jedem Sänger der Fall.

Ja, und „unser aller“ Jonas, Jonas Kaufmann? Was ist mit ihm, der nicht nur die Kartenpreise ein gutes Stück anhebt, sondern auch das Blut, die Gedanken und die Gyri seiner treuen Fans in Wallung bringt? Er agiert verlässlich: Und das ist jetzt nicht einfach so gemeint. Verlässlich, das heißt doch nichts Besonderes, nicht wahr? Verlässlich in dem Sinne, dass man sofort, wenn er die Bühne betritt, den Eindruck hat, er brauche nur einen kleinen Ton von sich zu geben, nur mit einer seiner eleganten Bewegungen das Jackett abzulegen, damit es „seinem“ Publikum schon zu viel wird. Man muss sagen: Selten gibt es einen Künstler mit einer solch ausgeprägten Bühnenpräsenz. Mit einer solchen stimmlichen Präsenz. Dieser Mann hat das gewisse Etwas, das man nicht erlernen kann. Der Cavaradossi ist an jenem Abend „nur“ ein Mantel, seines großen Könnens. Er hat nicht den Ansatz von Mühe, Anstrengung, es sieht so leicht aus. Großes Lob an dieser Stelle!

Der 2. Akt: Als ihm die Diva fehlt, ist Scarpia alias Vratogna recht ausdruckslos. In seinen imposanten Stiefeln, an seinem eigenen Speisetisch sitzend, fühlt er sich merklich wohl. Vratogna ist deutlich im Ausdruck, seine Mimik wechselt gekonnt von „böse“ zu „gespielt freundlich“ und dann wieder „süffisant“. Angenehm seine Stimme, große Ausbrüche bietet sie jedoch eher nicht. Er schreit seine Aggression nicht heraus, er agiert fast nobel über sein Gesicht, seinen Ausdruck. Brutalität fehlt ihm äußerlich aber gänzlich, er wirkt fast auf eine seltsame Weise schon sympathisch..?!

Kaufmann strahlt wieder mehr „Italianitá“ aus, was viele freut, fein sind seine Bewegungen. Cavaradossi auf-und abschreitend, seine Grenzen abwägend, auf dem Prüfstand befindlich. Scarpia zeigt hier ihm gegenüber wenig Verständnis, wird streng, hat keine Lust auf Spiele mehr. Sein italienischer Gesang ist originär (seiner Herkunft geschuldet), nichts Hartes ist zu erkennen. Serafin mischt sich in die Szene, erscheint zugleich damenhaft und herrschaftlich.

Bereit ist Tosca, zu verhandeln, Scarpia mustert sie Appetit generierend. Sofort wird seine Stimme noch weicher, sie hingegen zeigt einen verhärteten Ausdruck und verharrt den Handschuh schwingend, auf dem Liegesofa. Vratogna scheint ein sehr aufmerksamer Sänger zu sein, er beobachtet seine Mitspieler(innen) genau. Zu keinem einzigen Zeitpunkt „schleimt“ sein Scarpia, was man von anderen Interpreten dieser Rolle nicht behaupten kann. Verzweifelt schreiend wirft sich Tosca in die Mitte des Raumes, als Jonas Kaufmann als Cavaradossi nicht sichtbar (aus dem Off) gefoltert wird. Ihr wiederum beleidigter Gesichtsausdruck, als Scarpia sich weigert, die Folter zu beenden, ist eine Feinheit. Die Stimme entfaltet an dieser Stelle viel Kraft und viel angebrachte Verächtlichkeit kommt zum Vorschein bei Serafins Tosca. Wut zeigt sie später, eine Kampfszene zwischen Tosca und Scarpia gerät sehr heftig, als Martina Serafin ihren Kopf gegen Marco Vratognas Brust wirft. Bei all ihren sängerischen Verzweiflungsschreien wirkt sie immer noch sehr fokussiert und konzentriert. Jonas Kaufmanns Cavaradossi bot hier stimmlich noch keinen sehr verzweifelten Ausdruck, erst als er mit Theaterblut überströmt aus seiner Folter entlassen wird, wird es wieder sehr intensiv. Er liegt am Boden, und es sieht sehr zärtlich aus, als Serafin sich über ihn beugt und ihm zu helfen versucht. Jonas Kaufmann zeigt hier eine sehr verletzliche, weiche Seite des Malers, wie hingelegt liegt er da. Für weitere Verhandlungen, so denkt sich Martina Serafin, kann ein bisschen spanischer Wein nicht schaden (alias Trauben- oder Himbeersaft), und so greift Tosca zum Glas.

„Von einer schönen Frau“, so kann man es sich schon beinahe antizipieren, will Scarpia „kein Geld“. Tosca wehrt sich von den Augen bis zu den Zehen, und zeigt trügerische Erleichterung, als ihr Scarpia vollmundig verkündet: „Sei libera.“ Das war ein Trugschluss. Wenig später sitzt er bereits auf ihr und es ertönen die Trommeln. Schnelles Handeln ist gefragt: Und da wendet sich Serafins Tosca vertrauensvoll an Gott. Ihr erwartetes „Vissi d´arte“ gerät sehr gut, etwas höher als gewohnt, und leidend, wieder auf dem Sofa, mit großem Ausdruck. Zusammensinkend verharrt sie immer noch im tiefen Gebet. Viel Applaus gibt es hierfür.

Scarpia wird noch bekniet und um Gnade angefleht, aber er hat übermäßigen Appetit. Nach einem liebestollen, recht heftigen Angriff auf Tosca, den er abbrechen muss, rückt er sich, ganz Italiener, das Gewand wieder zurecht. Später hantiert er locker und nichtsahnend mit den Kerzen(leuchtern), dass diese eine wesentliche Rolle spielen, wird ihm (nicht mehr) bewusst werden. Er geht auf Tosca zu und bäumt sich wieder wollüstig auf (hat schon etwas !). Im nächsten Moment muss er aber „Aiuto“ rufen, und das mehrmals, weil sie ihm ihren „Kuss“ gegeben hat: Der Ausdruck „Bacio di Tosca“ steht leider nicht für etwas Leidenschaftliches, sondern für Mord. Schon hat er den Dolch im Herz, und auch im Sterben ist er noch Italiener, langsam seufzend, jammernd und rufend sinkt er dahin zu Boden. Das ist großes Kino. Noch schwer atmend, als er eigentlich bereits „tot“ sein sollte. Nun, die Qualität eines „Bühnentodes“ sollte wohl daran nicht gemessen werden. Tosca ist sogar noch so menschlich und legt dem Ermordeten das christliche Kreuz auf, und verschwindet.

Im 3. Akt geht es wie gewohnt düster zu. Es herrscht eine drückende Atmosphäre rund um die erbaute Engelsburg, es ist aber trotzdem stimmungsvoll. Alle Augen sind auf einen gerichtet: Jonas, immer noch (rollentechnisch bedingt) blutend. In vielen Inszenierungen kniete er, hier steht er anfangs zwischen Soldaten. Immer wieder hält der Tenor-Held inne, wohlüberlegt singt er und ausgewogen. Alleine beherrscht er vorerst die Bühne, sitzend und tief in sich gekehrt, ungewohnterweise etwas tief beginnt seine Arie: „E lucevan le stelle..“ Man spürt seine Emotion ganz deutlich. Seine starren und sehr ausdruckslosen Augen unterstreichen das Leid, das er gerade fühlt. Das „vita“ zieht er ein wenig in die Länge. Und dann: Jubel, Jubel, Jubel, Bravos, er verharrt ruhig, lässt sich nicht ablenken, es folgt minutenlanger Applaus, er spricht ein wenig mit sich selbst und atmet. Frenetischer Jubel und Schreie (!) folgen. Er lacht jetzt doch ein bisschen. Er wiederholt die Arie und gewährt dem Publikum, was es will.

Was noch auffällt: Beim romantischen Handkuss mit Tosca hat Cavaradossi wohl eher seine eigenen Finger abgeküsst, ein lustiges Detail. Das Paar zeigt eine wunderbare Synchronität. Selbst beim „Erschießen“ lächelt Kaufmann ein wenig. Dann, als Serafin ihn zum Gehen animieren will und ihn „erschossen“ vorfindet, spielt er ein wenig „tot“ aber bewegt die Augen weiter. Sie schreit, springt diesmal Gottlob nicht von der Burg (bei derselben Inszenierung im Dezember 2015 verletzte sie sich beim Sprung schwer am Bein und musste sich sogar einer Operation samt Bühnenpause unterziehen), sondern schreitet mehr hinab. Leider wird deutlich, dass kurz vorher ihr Kleid zerrissen ist.

Am Ende ist der Applaus für alle drei Protagonisten frenetisch, und dauert wahnsinnig lange! Ein toller Abend für Tosca!

 

 

Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren: Jonas ist zurück! Lohengrin mit Kaufmann, Serafin, Pape/OPERA BASTILLE PARIS

 

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Lange hatte man (und es waren nicht nur die eingefleischten Fans) auf DEN Star der Klassikwelt gewartet. Ein Hämatom an den Stimmbändern machte ihm vier lange Monate das Leben schwer, er machte die längste Pause seiner Karriere. Wer Kaufmann kennt, weiß: Ohne Singen läuft sein Leben nicht. Und deshalb war er erpicht darauf, so bald wie möglich wieder auf die Opernbühne, sein zweites Zuhause, zurückzukehren. Auf Spitzentöne aus dieser Kehle will wohl wirklich niemand verzichten. Einen Auftritt zur Eröffnung der Elbphilharmonie Hamburg musste er leider kurzfristig wieder absagen. Doch nun war es soweit: Jonas Kaufmann fühlte sich wieder bereit für eine über 4-stündige Oper. Besagte war der „Lohengrin“ von Richard Wagner. Wer nun dem Gral zu dienen ist erkoren: Jonas himself. Und zu einem besonderen Zusammenspiel kam es damit auch, wie der Kulturpavillon schon einmal berichtete: Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Die Opéra Bastille: In dem modernen Prachtbau (Place de la Bastille), der im Gegensatz zum Palais Garnier nicht im Neobarock erbaut wurde, fand die große Premiere des „Lohengrin“ statt. Seit August 1850 – dem Datum der Uraufführung, hat sich bei der romantischen Oper doch Einiges verändert. Mit einer soliden Besetzung konnte dieses Werk in Paris auf jeden Fall punkten. Natürlich läuft so eine Produktion sehr gut mit Stars in den Hauptrollen, da die Aufmerksamkeit einem solchen Kapazunder wie Jonas Kaufmann in der Titelpartie des Gralsritters Lohengrin sicher ist. Nach seiner Erkrankung wollte ihn jeder strahlend sehen. Kaufmann traut sich viel zu, unumstritten, eine Wagner-Oper verlangt volle Präsenz, Kraft, vokale Wachheit. Sein Lohengrin präsentiert sich ungebrochen. Darüber lässt sich zwar in minimalen Zügen streiten. Aber: Jonas Kaufmann ist ganz er selbst, er ist es, Lohengrin, darüber gibt es keinen Zweifel. An diesem Abend galt für ihn: Barfuß oder Lackschuh, und er entschied sich regieabhängig für Ersteres. Bei für Paris relativ günstigen Kartenpreisen von 250 Euro kam jeder Wagner-Fan auf seine Kosten.

Kaufmann ist es wieder gelungen, sein Publikum (und nicht nur seines) zufrieden zu stellen. Sowohl in den zarten und feinen, ziseliert vorgetragenen Momenten des Werkes als auch in den mächtigen Passagen. Die Besetzung macht es ihm aber zur Anmerkung auch leicht. In fernem Land fühlte er sich bestimmt nicht.

René Pape als Heinrich der Vogler, welcher in Feldherren-Kostüm nicht nur optisch einen guten Eindruck machte, ist als profunder Sänger bekannt. Keine stimmliche Mühe hat er gescheut, als „Black Diamond Bass“ wird er schon bezeichnet. Mit dem nötigen Gefühl und auch der Herbheit geht er an den „Vogler“ heran.

Diese Produktion hat mit jener in Wien, wo Klaus Florian Vogt in einer doch eher ungebührlichen Landschaft mit Lederhose auftreten musste (Bericht:Ein allzu rustikaler Lohengrin), eher nichts zu tun. Es glich auch nicht dem „Rattenmärchen“ von Hans Neuenfels. Viel Schilf, eine verträumte Landschaft ist zu sehen. Eine kompetente Wiener Beteiligung als weibliche Hauptrolle kann vermeldet werden: Martina Serafin, deren Karriere immer steiler nach oben verläuft. Es fragte sie doch schon der renommierte Klassikexperte Peter Dusek vor Jahren nach ihrer Elsa von Brabant, eine schwere Partie, unglaublich fordernd. Nachdem sie bereits mit dieser in Bologna reüssierte (dort machte ihr anfangs noch eingangs eine gewisse „Schrille“ zu schaffen), hat man ihr die Diagnose gestellt, dass diese Rolle nahezu perfekt für sie sei. Ihr dramatischer Sopran: balanciert und energetisch; vokal groß darf ihre Performance in Paris genannt werden. Die Elsa darf bekanntermaßen Lohengrin nicht nach Nam´ und Art fragen. Aber, wie sie es in ihrer unerschütterlichen Art tut: Sie fragt ihn doch, und es folgt von Kaufmann die vielerwartete Gralserzählung.

Auch Friedrich von Telramund fand seinen Einzug in die Besetzungsliste, die historische Figur, „gestützt auf sein mächtiges Schwert“.

Die Osnabrücker Sopranistin Evelyn Herlitzius als Ortrud zeichnet ihre Figur fast zauberhaft, um nicht zu sagen übersinnlich. Die szenische Metapher des Schwans, welcher nicht vorkommt, bleibt recht geheimnisvoll.

Die musikalische Leitung dieses Lohengrin liegt bei Philippe Jordan, der die Musiker ausgewogen führt. Jordan, immer zu den etabliertesten der Dirigenten gezählt, ist relativ jung, und schon sehr erfahren.

Die tiefenpsychologische Regie von Claus Guth, die jeden der Charaktere noch ein bisschen mehr in Beziehung zueinander setzt, steht in Paris auf dem Spielplan.

 

Die Stimmen müssen stimmen – ein mögliches neues Traumpaar der Oper ?

Martina Serafin (c) Arenaria

Die Stimmen müssen stimmen, nur so entsteht Genuss. Die Stimmen müssen klingen, sonst resultiert Verdruss.

Was ist? Was war? Was könnte werden?

Diese elementaren Fragen (also die Zusammenkunft oder besser das Dreigestirn von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) sollten und müssen auch das Theater (mit oder ohne Musik) betreffen. Was muss in Zukunft getan werden, damit gesichert wird, dass echte Klassiker die Bühne nicht verlassen? Nicht durch modernes Regietheater ersetzt werden, welches das Stück vollkommen entstellt und sich somit der Sinn und die Aussage dem Publikum entziehen?

Nun ja, es fällt dem geneigten Opernbesucher ganz sicher ein: Die Stimmen müssen stimmen! Mag einfach klingen, ist es aber beileibe nicht. Wirklich gute Sänger und Sängerinnen findet man eben nicht wie den sprichwörtlichen „Sand am Meer“. Und der vielzitierte technisch perfekte Gesang? Was hat es denn hiermit auf sich? Kann man davon ausgehen, dass nur diese Komponente im Opernbetrieb für die gewünschte Wirkung und Furore sorgt?

Jonas Kaufmann (c) Sony Classical

Perfektion ist uns Menschen ganz gewiss nicht gegeben, denn wir sind keine Maschinen, die immer funktionieren. Die immer produzieren und kein Risiko eingehen. Nein, besonders das Leben für den und mit dem Gesang, das birgt so einige Risiken. Die Menschen, die wirklich mit Herz, Leib und Verstand dahinterstehen, müssen sich dieses Risikos bewusst sein: Funktioniert die Stimme an jedem Auftrittstag, bin ich in guter Verfassung, kann ich auf der Bühne meine 120 Prozent abliefern. Nein, „abliefern“. Was ist das für ein Wort? Es hört sich nach einer Fließbandarbeit an. Also, tun und machen, produzieren und sich gegebenenfalls für sein Produkt abstrafen lassen, wenn es nicht so funktioniert hat, wie es hätte sein können.

Ganz klar, Kritik gibt es in jeder Profession. Egal ob am Fließband in Schichtarbeit oder abends auf der Opernbühne. Wenn nicht von den Kollegen, dann vom Publikum. Andererseits: Am Fließband gibt es selten Publikum, außer vielleicht den Produktionsleiter, der den Arbeitsvorgang überwacht. In der Oper ist das der Regisseur, der zugegebenermaßen „seiner“ Premiere nur ungern beiwohnt. Zu nervös seien die meisten Regisseure, und würden lieber einen Spaziergang machen, während ihr Werk das Publikum erfreut, oder eben nicht. Die Sänger und Sängerinnen, die auf der Bühne ihren Stimmbändern Mächtiges abverlangen, werden nicht selten behandelt wie Popstars. Fans warten vor dem Bühneneingang, um ein Wort wechseln zu können, eine Autogrammkarte signiert zu bekommen. Manche sind schon oft durch einen Augenkontakt glückselig.

Aber man denke an diffamierende Buh-Rufe. Das sind die Schattenseiten der Karriere. Etwas missfällt, die Stimme versagt, man fühlt sich nicht wohl. Ist mit der Personenführung durch den Produzenten/Regisseur unzufrieden, möchte an der Situation etwas ändern. Viele Sänger und Sängerinnen fühlen sich durch schnelle Karrieren auch schnell überfordert. Werden viel zu früh in Rollen gedrängt, denen sie nicht gerecht werden können. Weil sie noch nicht reif dafür sind. Die Anforderungen an den heutigen Opernbetrieb sind in der Tat hoch. Man strebt immer mehr nach Perfektion oder zumindest 99,9 Prozent davon. Der Interpret soll eine tolle Stimme haben, natürlich gut aussehen und die nötige Sopran-Dramatik oder den tenoralen Schmelz mitbringen. In der Rolle leben und aufgehen. Ein ätherisches Gesangserlebnis bieten. Sich schon an Vorbildern orientieren, jedoch Niemandes Kopie sein.

Zwei, die sich diesem Beruf, nein, dieser Berufung mit vollem Einsatz aller ihrer Mittel verschrieben haben, sind der Münchner Tenor JONAS KAUFMANN und die Wiener Sopranistin MARTINA SERAFIN.

Viele Male wurden beide schon befragt, warum sie sich denn dafür entschieden hätten: Beide planten zu Beginn ihrer beruflichen Überlegungen etwas anderes. Es wären aus ihnen gar noch ein Mathematiker und eine Archäologin geworden. Doch Kaufmann hängte die „sichere Mathematik“ für den riskanten Gesang an den Nagel, und Serafin entschied sich dagegen „in antiken Ausgrabungen“ herumzusuchen. Aus heutiger Sicht war das für die beiden Ausnahmekünstler sicherlich die richtige Entscheidung. Bei beiden lag und liegt die Musikalität in der Familie.

Jonas Kaufmann stammt aus einer musikbegeisterten Familie. Beide Elternteile hatten zwar beruflich mit Musik nichts zu tun – seine Mutter war Kindergärtnerin und der Vater bei einer Versicherung – aber zuhause wurde gegeigt, Langspielplatten von Opern wurden exzessiv gehört genauso wie Beethoven, Mozart oder Wagner.

Anders bei Martina Serafin: Ihre Eltern, beide Sänger von Beruf, beide sind Kammersänger. Schon als junges Mädchen kam sie mit zu Proben, verkleidete sich nach Lust und Laune und sang zum Beispiel „Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ aus der Csárdásfürstin.

Zum Werdegang von Spitzensängern gehört neben der Unterstützung des sozialen Netzwerks natürlich eine gewisse Begabung, ein Talent, das man früh erkennen und fördern muss. Eine darstellerische Begeisterung und keine Scheu, sich auf der Bühne zu zeigen, ebenfalls. Natürlich kann man eine Stimme technisch trainieren. Aber berührt sie auch das Publikum, erreicht sie auch diesen sphärischen Klang? Man muss auch die Rollen fühlen können, ihren  Liebes – und Leidensweg durch die gesamte Musik.

Zwei unabstreitbare Beispiele, bei denen dies gelungen ist.

Kaufmann singt überall auf der Welt. Serafin singt überall auf der Welt. Die Reisen sind gewiss anstrengend. Wenn man noch bedenkt, dass das wichtigste Instrument immer mitreist: Die zwei hochsensiblen Bänder im Hals, die alles kontrollieren. Beide Sänger „brennen“ für ihre Tätigkeit. Sind auch Familienmanager: Jonas Kaufmann hat drei Kinder, lebt von seiner Frau getrennt. Martina Serafin ist mit einem Sänger verheiratet und hat eine Tochter. Eine Herausforderung, alles unter einen Hut zu bringen, Rollen zu lernen. Einer der anspruchsvollsten Berufe. Diese beiden haben, wie man schon merkt, viel gemeinsam. Zusammen haben sie schon die „Tosca“ in London gesungen, mit Kaufmann als Mario Cavaradossi und Serafin in der Titelrolle. In einem Interview sagte Kaufmann, ihm sei der Mund offen geblieben, so toll habe sie gesungen. Zwei auf Augenhöhe. Aber ist es auf dem Gipfel nicht einsam? Sangeskunst auf hohem Niveau zu halten, ist schwierig. Vielleicht gelingt es den beiden Weltsängern, einmal gemeinsam in einer Weltstadt der Musik aufzutreten? Salzburg würde sich gewiss eignen, Wien sowieso. Die beiden Sänger verschreiben sich auch der Tradition, nur selten und fast als „Ausreißer“ wirken sie auch in modernen Produktionen mit. Das „Mit der Zeit-Gehen“ ist in der Oper auch so eine Sache:

Die Oper in ihrer ursprünglichsten Form kann heute natürlich so nicht mehr aufgeführt werden, und das ist auch gut so. Die technischen Möglichkeiten sind um ein Vielfaches fortgeschritten, Dekorationen sind nicht mehr filigran, Wellen des Meeres können etwa heute bereits per Videowall eingespielt werden und müssen nicht mehr aufwändig, wie zu Jacopo Peris Zeiten bei „La Dafne“, der ersten bekannten „Oper“ der Musikgeschichte, aus Material hergestellt werden.

Sie werden mir gewiss beipflichten: Wenn ich Sie jetzt vom Jahr 1500/1639 in das Jahr 2015 sende, hat sich die Aufführungspraxis verändert. Die schon angesprochenen Videowalls wurden -um ein Beispiel zu nennen – in Aufführungen der Opernfestspiele St. Margarethen in den Jahren 2013 bei „La bohéme“ und 2015 bei „Tosca“ verwendet. Natürlich hatte Peri damals, im 16. Jahrhundert, solche Mittel nicht zur Verfügung. Um zu visualisieren, was hier gerade auf der Bühne geschieht, steht heute ein Hollywood-Regisseur (Herr Dornhelm) Modell für eine neue Generation der Oper. Natürlich hat diese Form der Aufführungspraxis auch Feinde. Wie alles im Leben, ist des Einen Freud, des Anderen Leid.

Martina Serafin bewies diesen Sommer mit einer weiteren umjubelten „Tosca“ in St. Margarethen, dass man sich keinesfalls vor Videowänden innerhalb einer Inszenierung fürchten muss.

Jonas Kaufmann ist ebenfalls „angstfrei“ auf Neues zugegangen in einem extrem reduzierten, klaren Salzburger „Fidelio“.

Sehen wir also, was die Zukunft bringt. Kaufmann verwöhnte uns erst 2014 wieder mit der CD „Du bist die Welt für mich“, auf der er mit dem äußerst schwierigen Lied „Das Lied vom Leben des Schrenk“ von Künneke zu hören ist. Weltweit gab es nur drei Einspielungen. Auf die erste Aufnahme von Serafin müssen wir noch warten. 2016 könnte es soweit sein.

Freudig erwarten wir einen neuerlichen gemeinsamen Auftritt der beiden Talente.

 

Jonas Kaufmanns „Du bist die Welt für mich“ – Trailer:

 

Martina Serafin mit „Hat dich die Liebe berührt“ – mit Michael Lakner am Klavier:

 

 

 

 

 

SommerBÜHNE 2: Floria Tosca meets Hollywood – OPER IM STEINBRUCH ST. MARGARETHEN

Oper im Steinbruch St. Margarethen. Burgenland                                                                      08. Juli

Intendantin Maren Hofmeister entschied sich für eine wegweisende neue Inszenierung der ganz klassischen „Tosca“ von Puccini. Für die Umsetzung des epochalen Meisterwerks konnten Hollywood-Regisseur Robert Dornhelm und als Bühnenbildnerin die renommierte Amra Bergman-Buchbinder gewonnen werden. Das Wetter, das herrschte, hat der Premierenabend gewiss nicht verdient. Es regnete in Strömen, eine Stunde Verspätung mussten alle (Darsteller und Publikum) in Kauf nehmen.

Im Steinbruch werden die Besucher von einem riesigen Engel mit Fingerzeig begrüßt. Dieser Engel trägt ein „Federkleid“, von welchem sich Cesare Angelotti abseilt. Langsam neigen sich die Federn zur Seite und geben das Bühnenbild frei, mit Hollywood-Effekten vom Feinsten. Manchmal wähnt man sich in einem Film. Die Effekte sind in dem Sinne gigantisch, als dass sie die Darsteller an manchen Passagen überlebensgroß zeigen. Einen großen Pluspunkt kann St. Margarethen also durch die Technik sammeln. Eine Luxusbesetzung für die Hauptrollen kann der Steinbruch auch vorweisen: Martina Serafin, erprobte Tosca, singt mit Gefühl und Leidenschaft. Man merkt, sie hat bereits ein untrügliches Gespür für die Rolle entwickelt, obgleich sie in einem Interview meinte, die Tosca sei jeden Abend neu und anders. Ihr „Vissi d´ arte“ berührt, sodass man mitweinen möchte mit der verzweifelten Frau, die fragt: Perche? Warum wird mir so etwas angetan? Derzeit die denkbar beste Tosca. Ihr Bühnenpartner Andrea Caré ist nicht minder berührend, seine Stimme hat Leidensfähigkeit, auch einen gewissen Heldenklang, der nicht abstreitbar ist. Die Stimmen der beiden harmonieren traumhaft gut. Bei „Recondita armonia“ sind die ganz großen Emotionen noch nicht so ganz spürbar, doch bei „E lucevan le stelle“ leidet man wieder ganz ergriffen mit. Sehr, sehr achtbar ist Clemens Unterreiner als Cesare Angelotti, sportlich und auch sehr leidenschaftlich in der Rolle versunken. Laufen muss er an diesem Abend viel, flieht er doch vor dem Regiment. Der Scarpia des Abends, Davide Damiani, bleibt ein wenig hinter den Erwartungen zurück. Gewaltig ist sein Schauspiel, Tosca zu Boden ringend. Das „Te Deum“, an dem nun einmal jeder Scarpia gemessen wird, ist durchschnittlich. Er bleibt hörbar, doch an manchen Stellen übertönt ihn das Orchester unter Michael Güttler, der achtbar dirigiert. Spoletta und Scarrione sind recht differenziert gemeistert von Christian Koch und Tomasz Pietak. Der Hirt, gesungen von Bernhard Sengstschmid, ist harmonisch. Ein nasser, aber sehr erfolgreicher Premierenabend!

-Martina Klinger-

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Andrea Caré, Clemens Unterreiner (c) Armin Bardel

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen

Tosca, Römersteinbruch St. Margarethen: Martina Serafin, Davide Damiani (c) Armin Bardel

Perche me ne rimuneri cosi? – Tosca an der Wiener Staatsoper

Staatsoper Wien                                                                                                         06. Feb. 2015

Die Geschichte rund um Floria Tosca steht schon sehr lang auf dem Spielplan der Oper.  Viele, viele Besetzungen hat diese schon erlebt. Die Inszenierung ist immer noch von Margarethe Wallmann, antik und solide.

Der sonst immer von Alfred Sramek verkörperte, ganz und gar nicht humorlose Mesner war diesmal Wolfgang Bankl.

Die erste Arie des Mario Cavaradossi Alexandrs Antonenko war nicht zufriedenstellend, leider ging sie fast unter zwischen Bankls Einwürfen. Dabei war Antonenko gut bei Stimme. Beim Duett mit Tosca Martina Serafin sah die Sache schon wieder anders aus. Beide glänzten und zeigten schon hier inniges Spiel. „Mia gelosa“ – dabei kann Cavaradossi es nicht lassen, seiner Tosca am Ohr herumzukneifen. Sie reißt ihn auch stimmlich mit, spornt ihn an, alles zu geben.

Der Scarpia Ambrogio Maestri ist doch wohl eher vom Typus Kuschelbär als Bösewicht. So sehr er sich müht, böse zu „kucken“, es geht nicht so recht überzeugend. Die Perücke ist schrecklich, liebe Ausstattung, und so gar nicht für seinen Kopf gemacht! Das Te Deum gelingt gut. Er hat eine gute Stimme, ein herrisches Auftreten. Aber böse? Böse, so richtig? Nein! Höchstens für 2 Sekunden. Dann küsst er wieder Tosca die Hand und wirkt wie ein Gentleman. Als er sie anspricht, senkt sie den Blick. Man denke an Ruggero Raimondi, an Thomas Hampson! Die waren böse. Aber Maestri? Nur in manchen Momenten hier und da ein zischender, zynischer Unterton. Sonst eher süßlich. In der Kampfszene mit Tosca wird er ein wenig wild.  Also doch „a bissl zartbitter“. Aber das wars! Am Ende winkt er, nachdem er schon grausam als Scarpia den Tod fand, wieder gütig seinen Fans im Publikum.

Serafin als Tosca zieht traurige Minen. Sie kann es wirklich gut spielen und denkt sich ganz in die Seelenzustände dieser Frau. Auch stimmlich hat sie so einige Höhepunkte, schon im 1. Akt und danach im 2. beim Vissi d´arte, wirklich deutlich artikuliert. Nur im 3. Akt wirkt sie neben Antonenko stellenweise etwas blass, vielleicht liegt es auch an der ganzen Szenerie. Aus dem übrigen Ensemble hebt sich einzig Il Hong als Schliesser hervor. Ein überaus menschliches Liebespaar scheitert. Das wird eindrucksvoll deutlich, als „Mario, non ti movere“ ertönt und er sich wahrhaftig nicht mehr bewegt. Das Ende ist ein wenig gar schnell und abrupt, kaum ist Tosca gesprungen und vielleicht noch gar nicht unten „aufgeschlagen“ (keine Sorge, Matratze!), schließt sich der Vorhang.

Marco Armiliato am Pult des Staatsopernorchesters gibt sein Bestes. Manchmal ist es aber schlicht zu dröhnend. Musiziert auf jeden Fall sehr respektabel.

-Martina Klinger-

 

Link:

http://www.wiener-staatsoper.com

 

 

 

(c) borghese

Bitte vor den Vorhang, Martina Serafin!

Martina Serafin, gebürtige Wienerin, ist Sopranistin und Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper. Als Tochter zweier Sänger (Harald Serafin und Mirjana Irosch) begann sie schon in jungen Jahren Bühnenluft zu schnuppern und zu singen. Sie studierte am Konservatorium ihrer Heimatstadt und debütierte 2005 an der Staatsoper als Donna Elvira. Bald interpretierte sie Rollen wie die Tosca (diese nicht nur in Wien, sondern auch in Mailand, London, Paris und Berlin), die Feldmarschallin im Rosenkavalier von R. Strauss gehört ebenso zu ihren „Parade“-Rollen. Weiters war sie schon in der Partie der Lisa in Pique Dame, Elisabeth in Tannhäuser, Elisabetta in Don Carlos, Gräfin Almaviva in Nozze di Figaro, Maddalena in Andrea Chenier, Sieglinde in der Walküre zu hören. Ihr Lebensmittelpunkt ist Italien, dementsprechend ist sie ebenso im Teatro La Fenice in Venedig, an der Scala in Mailand, und in Torre del Lago zu hören. Auch als Konzertsängerin ist sie gefragt und gastierte schon an der New Yorker Metropolitan Opera, in Berlin, Tokio, Zürich, Amsterdam, Berlin, Los Angeles, Hamburg, Stuttgart u.a. In Wien wird sie 2015 als Tosca, als Sieglinde, als Maddalena und Feldmarschallin auftreten.

(c) borghese

Sopranistin Martina Serafin