Martina Serafin & Alessandro Guerzoni: Ein Opern-Ehepaar bei „Turandot“ im Burgenland/St. Margarethen

Wie schon hinlänglich bekannt, bringen die Festspiele im Steinbruch St. Margarethen (Künstlerischer Direktor: Daniel Serafin) im heurigen Jahr eine Oper des italienischen Großmeisters Giacomo Puccini. Für seine Melodien, die ins Ohr gehen und immer eine große Portion Schmelz beinhalten. Meist dreht sich die Handlung um bedingungslose Liebe, Begehren und große Leidenschaft, welche sich auch in der schwärmerischen Musik ausdrückt.

Von 14. Juli bis 21. August herrscht die unbarmherzige, jungfräuliche Prinzessin Turandot in einer eindrucksvollen chinesischen Kulisse (Ausstattung von Paul Tate dePoo) über ihr Volk. Jeden Anwärter auf ihre Hand, der ihre schwierigen Rätsel nicht lösen kann, lässt sie ohne Gnade hinrichten. Ihre gestrenge Hand beeindruckt auch den Prinzen Calaf aus dem Reich der Tartaren, der sich als namenlos ausgibt. Er löst als Einziger ihre Rätsel, dennoch gibt sie sich ihm nicht hin. Da stellt er seinerseits eine Bedingung. Man solle seinen Namen herausfinden, den keiner nennt. Die eiskalte Prinzessin verhängt über ihr Volk ein Verbot zu schlafen, bis der Name des Mannes gefunden ist. Hier entspringt eine der berühmtesten Arien der Operngeschichte: „Nessun dorma“ (Keiner schlafe!)

Auch aus persönlicher Sicht kommt es heuer im Steinbruch zu einem sprichwörtlichen „Colpo di Fulmine“:

Martina Serafin, eine Sopranistin von Weltruhm, sang schon an der Mailänder Scala, an der Metropolitan Opera in New York, auch immer wieder mit Unterbrechungen an der Wiener Staatsoper, verkörpert in der Erstbesetzung die Turandot. Ihr ist die Rolle – so wie ihre legendäre „Tosca“ – keinesfalls unbekannt. Ihre Stärke: ausdrucksstarkes Spiel, mimisch kann sie jede Facette einer ihr anvertrauten Figur umsetzen. Unvergessen ihre Eifersuchtsattacken, die sich mitunter in großen blitzenden Augen und gehobenen Augenbrauen ausgedrückt haben (in „Tosca“ – G. Puccini, Oper im Steinbruch 2015). An der Seite von Jonas Kaufmann sang sie in Paris, dem Komponisten Richard Wagner (für die „Isolde“) näherte sie sich in der Vergangenheit immer wieder, auch der Liedgesang ist bei ihr in guten Händen. Wie sie zum Gesang gekommen ist, davon erzählen auch ein wenig ihre Familienverhältnisse: Ihre Mutter Mirjana Irosch ist mit ihrem zarten, anrührenden Sopran wohl jedem, jeder geneigten OpernbesucherIn ein Begriff. Die aus Zagreb in Kroatien stammende Sopranistin studierte am dortigen Konservatorium, ging nach Ulm und Bern und kam 1967 an die Wiener Volksoper. Beim Vorsingen wurde sie vom „Fleck weg“ engagiert. Bekannt sind ihre zahlreichen Auftritte als Rosina oder Hanna Glawari, auch auf der Bühne baute sie manchmal kroatische Texte ein. Zahlreiche CD-Aufnahmen („In Deinen Augen“) beweisen ebenso ihr Talent. An der Wiener Staatsoper verkörperte sie im Januar 1976 die Rosalinde in der „Fledermaus“. Vom Parade-Danilo (der entgegen der Meinung im Stück: „Verlieb Dich oft, verlob´ Dich selten, Heirate Nie!“ es doch getan hat) der damaligen Zeit hat Martina ihren Nachnamen: Harald Serafin, der gemeinsam mit Mirjana Irosch oft auf der Bühne stand, ist ihr Vater.

Martina Serafin selbst folgte dem Ruf der Liebe nach Italien, wo sie heute auch privat lebt. Der Bass Alessandro Guerzoni, geboren in den Abruzzen, ist ihr Mann. Guerzonis Repertoire ist vielfältig, er studierte mit Bestnoten samt lobender Erwähnung am Giuseppe Verdi Konservatorium in Turin mit Battaglia und absolvierte einen Meisterkurs am Mozarteum Salzburg und in Mailand. Sein Debüt gab er beim Ravenna Festival 1996. Er arbeitete mit namhaften Dirigenten und Regisseuren zusammen. Guerzoni sang die „Messa da Gloria“ (Puccini) in Brüssel unter Antonio Pappano, „Stabat Mater“ (Rossini) in Bari, „Die Schöpfung“ (Haydn) in Verona und Mozarts Requiem wieder in Brüssel, in Siena folgte eine CD-Aufnahme, um nur einige der Messen zu nennen, die er schon gesungen hat.

Im „Don Giovanni“ spielte er den Commendatore unter Claudio Abbado in Aix en Provence, und ebenso bei F. Zeffirelli in Rom. Den Angelotti in „Tosca“ unter Zubin Mehta in Florenz und Tokio sowie in den Caracalla Thermen in Rom, Partien von Wagner, Strauss, Rossini und Mozart.

Seine Rolle in „Turandot“ in St. Margarethen ist der Timur an der Seite seiner Frau. Er kennt ihn, den Kerl. Ein flüchtiger Tartarenkönig (König von Astrachan), der sich bald schon als bekannte Figur erweist. Schon unter Zubin Mehta hat er sich die Rolle beim Maggio Musicale in Florenz erarbeitet. In Bologna, Genf, Bilbao und Bari war sein Timur auch schon.

Für das Sänger-Ehepaar sicherlich eine schöne Form der Zusammenarbeit, sommerlich und spannend auf 7000 m² Bühne, bei teils tropischen Temperaturen und opernhafter Leidenschaft.

Ein sängerisches Porträt der beiden, ausgestrahlt vom italienischen Sender Rete8:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s