Puccini

„Bello come un angelo“. Konzert mit Clemens Unterreiner im Castello Duino.

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Principessa Veronique della Torre e Tasso lud auf das Schloss Duino bei Triest. Welche Location für ein wunderbares Sommerkonzert mit Ernsthaftigkeit sowie Heiterkeit. Organisiert von Pro Cultura Lafnitz unter dem Vorstand Rudolf Wilfinger gab sich Clemens Unterreiner, Bariton der Wiener Staatsoper und vielgeliebter Künstler, die Ehre. Man lauschte und genoss.

Der Bariton und Publikumsliebling gestaltete ein abwechslungsreiches Programm von Mozart bis Puccini und wurde musikalisch begleitet vom frischgebackenen Preisträger des Klavierwettbewerbs in Lyon, Pavel Kachnov. Natürlich durfte das italienische Repertoire nicht fehlen.

Im Sala Cavalieri des Schlosses servierte Unterreiner den Gästen zur Begrüßung Giordanos Caro mio ben. Mit einer edlen Haltung und leidenschaftlich gerne intonierend, so kennt man den Sänger. Mit mimischer Glaubwürdigkeit werden alle seine Arien gewürzt, was einen besonderen Zauber verleiht. Senza di te languisce il cor – das war wahrhaftig.

Auch dem Komponisten Giulio Caccini (genau an der Schnittstelle zwischen Spätrenaissance und Frühbarock) wurde mit zwei Stücken Raum gegeben: Das bekannte Amarilli, interpretiert mit Verve sowie auch das Ave Maria am Klavier.

Gerne und oft verwendet: Die diebische Elster mit dem typischen Rossini-Eifer, gelang Pavel Kachnov am Klavier sehr zum Gefallen des Publikums.

Amore per Mozart: So verlief es weiter, berühmte Opernfiguren kamen durch Unterreiner zu Wort. Der wohl bekannteste Frauenverführer Don Giovanni, wie auch der „kluge“ Masetto. Deh, vieni alla finestra fällt bei dieser Kulisse wohl auch leicht, das blaue Meer, das romantische Schloss tun ihr Übriges.

Genauso vergnügt wie Giovanni selbst ist Clemens Unterreiner beim Intonieren der Champagnerarie: Finch´han dal vino, calda la testa.

Nach der Ouvertüre zu Le nozze di Figaro tauchte schließlich der Graf Almaviva auf. Ob dieser Prozess schon gewonnen war? Clemens Unterreiner tat jedenfalls stimmlich alles dazu. Hinzu kam noch köstliches und rollentypisches Schauspiel.

Auch der Komponist Puccini – eigentlich ist sein Gebiet Lucca, aber der Sänger erwähnte, man habe ihn für heute nach Duino geholt – wurde von Unterreiner mit einer fulminant gesungenen Arie des Frank aus Edgar geehrt und Kachnov schloss sich mit Caruso am Klavier an.

Einfach weil es wie geschaffen ist für diesen besonderen Ort, kündigte Clemens Unterreiner noch „Bello come un angelo“ an. Zart und kraftvoll – dieser Wechsel gelang ihm bestens.

Die schönen wie fidelen Canzoni italiane gerieten dann auch zu einer Einlage. Unterreiner erlaubte dem Publikum mitzusingen. Klassiker wie O sole mio, Rondine al nido, Torna a Surriento und Funiculi, Funicula lassen Herzen höher schlagen.

Fulminante Klassik mit Meeresblick, lässt sich konstatieren.

 

 

 

 

 

Bitterkeit und Köpferollen: „Turandot“ am Mariinsky Theater/St. Petersburg

 

Szene aus „Turandot“ (Puccini); (c) Mariinsky Theater St. Petersburg

 

 

 

Turandot gehört zu den Werken Puccinis, welche man manchmal unterschätzt, manchmal überschätzt. Eine Version bei den Bregenzer Festspielen mit Riccardo Massi gefiel dem Publikum (SOMMERBühne 5: Keiner schlafe, wenn in Bregenz die Lichter angehen – BREGENZER FESTSPIELE mit „Turandot“), nun schauen wir nach St. Petersburg, wo aktuell eine Serie mit der chinesischen Prinzessin am Mariinsky Theater läuft.

Dort setzt man auf die italienische Sprache, aber mit russischen und englischen Untertiteln. Als „lyrisches Drama“ in drei Akten und fünf Szenen präsentiert dort der Mandarin sein Gesetz: Nur wer die drei Rätsel der Turandot löst, wird deren Ehemann. Faktoren wie Brutalität, Verzweiflung, aber auch sanfter Glanz umgeben diese Oper. In der Hauptrolle der Turandot ist die bekannte Maria Guleghina zu sehen und zu hören, welche bekannt ist für detailreiche Interpretationen. Ihr Partner als unbekannter Prinz Calaf ist Vladimir Galouzine. Die Kostüme für diese Aufführung sind mehr als traditionell, auf Experimente lässt man sich hier nicht ein. Große Gruppenszenen mit vielen Statisten sind ein wichtiges Element der Aufführung. Am Ende gelingt es dem Prinzen doch wieder, Turandots eiskaltes Herz zu erweichen und schon hat er sie wieder.

Eine klare Empfehlung, sich dieses Werk anzusehen!

 

Maestro Domingo dirigiert in Wien die „Wallmann“-Tosca! Mit Kyung Rim, Antonenko, Vratogna / STAATSOPER WIEN

 

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Tosca; Bild: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

 

 

Heiß geliebt und umstritten, unzählige Male gespielt, das Bühnenbild dem Wiener Opernpublikum schon sehr vertraut: Die Wiener  „Wallmann“-Tosca. Man kann sie zum Repertoire zählen, trotzdem ist sie immer anders, und immer besonders!

Plácido Domingo, Tenorissimo und immer vielbeschäftigt, hat sich mit Genuss wieder einmal auf das Opernpult eingelassen. Es macht ihm viel Freude, die Sänger (wie er ja auch selbst einer ist) auf ihrem  durchaus harten, mit 2 Pausen versehenen Tosca-Weg zu begleiten. Er atmet mit, wie auch schon Aida Garifullina in der von ihm betreuten Romeo et Juliette-Serie am selben Haus bemerkte.

Die Tosca der jungen Sopranistin Sae Kyung Rim vom Musikkonservatorium Mailand überzeugte mit großer, ausladender Stimme und intensivem Schauspiel das Publikum. Niemand konnte an diesem Abend zumindest ein leichtes „Kränkeln“ verstecken.

Alexandrs Antonenko hatte diesmal keinen leichten Tosca-Tag, er trat schwer krank als Cavaradossi auf die Bühne. Dennoch geriet sein Gesang dafür gut.

Marco Vratogna, der kämpferische und tapfere Italiener, (kurzfristig für KS Thomas Hampson eingesprungen), ersang sich den Scarpia auf seine Weise, hatte aber mit einigen stimmlichen Widrigkeiten zu kämpfen.

Paolo Rumetz, Benedikt Kobel (auch leidenschaftlicher „Chefzeichner“ der Staatsoper) und Hans Peter Kammerer gaben ihr Bestes, der junge Ryan Speedo Green als Angelotti wirkte ausgeglichen und hat bestimmt noch eine steile Karriere vor sich!

 

NEUES von…Anna Netrebko

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(c) Viennareport

 

 

Die Welt-Sopranistin kommt wieder an die Wiener Staatsoper, und zwar um ihre Rolle „Manon“ in Puccinis Manon Lescaut zu singen und zu performen.

Da capo! Die Kaufmann-Gheorghiu-Terfel-„Tosca“ in Wien

Wiener Staatsoper

Wien

Die lang erwartete Mario-Cavaradossi-Besetzung ist in Wien gelandet: Der Super-Tenor Jonas Kaufmann gab zum letzten Mal in dieser Spielzeit die Rolle des leidenden und leider schließlich sterbenden Malers, der in Liebe zu seiner Floria Tosca zerfließt. An seiner Seite als Tosca: Der rumänische Starsopran Angela Gheorghiu. Und als sein Gegenspieler Scarpia: Der Waliser Bryn Terfel. Die Vorstellung: seit Monaten ausverkauft, hoch gehandelt und mit glühenden Fan-Blicken erwartet. Hier Schlangen an der Kasse zu den Stehplätzen, dort mit Rosen und Kugelschreibern ausgestattete Sänger-Werber.

Man muss sagen, dass die Vorstellung die Erwartungen nicht nur erfüllte, sondern oft auch übertraf. Puccinis wohl zärtlichste Musik in den Liebes-Bekundungsszenen und wohl hasserfüllteste Töne beim Auftritt von Scarpia (Bryn Terfel erinnert mit Perücke ganz entfernt an einen Bond-Bösewicht aus „Skyfall“) taten ihr Übriges. Gheorghiu als Tosca schreit eindringlich nach ihrem Mario, und schließt leidenschaftlich die Augen, als er sie in die Arme schließt. Die Chemie stimmt zwischen den beiden Profis. Besonders bei „…nostra casetta“, also „Unser Häuschen“, wird sie verspielt und alles scheint zu funkeln. Das Duett „Mia gelosa“ gerät fulminant, und kochende Eifersucht wird zwischen den beiden mehr als einmal spürbar. Dazwischen bringt sich ehrwürdig KS Alfred Sramek in seiner Rolle als Mesner ein, diese macht immer noch Spaß und Freude. Der ambitionierte Ryan Speedo Green als Cesare Angelotti gibt sein Bestes (und muss sich in seiner Rolle dennoch von der Welt verabschieden). An diesem Abend ist vielleicht einzig hie und da eine gewisse Wortundeutlichkeit zu bemängeln. Sonst gibt es aber nichts Störendes. Die Musik und die Sänger, eine wahre Freude für die Ohren und Augen. Blutverschmiert wie immer bei dieser schweren Arie zeigt sich Jonas Kaufmann schließlich kurz vor seinem Bühnen-Tod bei „E lucevan le stelle“. Und – es wird wieder ein Da capo von der begeisterten Zuhörerschaft eingefordert. Angela Gheorghiu trat im 3. Akt etwas zu spät auf, warum, ist nicht vollständig geklärt.

Das Dirigat wurde kurzfristig von Jesus Lopez Cobos übernommen, der seine Sache bravourös meisterte und einen Wohlklang von besonderem Format erzeugte.

Vorschau: „Tosca“ von Puccini in Hong Kong

Oper Hong Kong /China

Tosca《托斯卡》

Bald (ab Oktober) heißt es für Puccinis Operndiva Floria Tosca wieder hinabspringen, und diesmal in Fernost. Überall auf der Welt ist die Oper beliebt und von Spielplänen nicht wegzudenken.

Im Grand Theatre, Hong Kong Cultural Centre findet die beliebte Oper eine neue Spielstätte, allerdings nicht für lange. Nur ein paar Tage wird sie hier aufgeführt. Es ist die Produktion des Taormina Opernfestival.

Die Besetzung ist vielversprechend: Die Sopranistin Hui He gibt die Titelpartie der Tosca, alternierend mit Svetla Vassileva. Mario Cavaradossi ist besetzt mit gleich drei mutigen Männern (allesamt Tenöre): Warren Mok, Dai Yuqiang und Wei Song. Scarpia ist der Margarethen-erprobte Italiener Davide Damiani, er singt und spielt die Rolle des Finsterling mit Sebastian Catana.

Es dirigiert Gianluca Martinenghi.

Alle Termine entnehmen Sie bitte der Homepage:

http://www.operahongkong.org

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LA BOHÈME

Oper in 4 Bildern von Giacomo Puccini. Uraufführung: 01.Februar 1896 im Teatro Regio in Turin.

Die Protagonisten in diesem Werk sind:

Rodolfo **** Mimi****Musetta****Marcello****Schaunard****Colline****

Die Oper spielt in Paris um 1830.

Die Sprache der Oper ist Italienisch.

1. Bild

An Weihnachten muss der Poet Rodolfo gemeinsam mit seinem Freund und Mitbewohner Marcello, einem Maler, noch arbeiten. Er schreibt an einem Gedicht. Leider herrscht in der Dachwohnung, die die Männer insgesamt zu viert bewohnen, eisige Kälte. Sie wohnen im Pariser Künstlerviertel Quartier Latin. Rodolfo verbrennt das Manuskript eines seiner Dramen, um wenigstens für ein bisschen Wärme zu sorgen. Mit Ironie versuchen sich die beiden Männer aufzuheitern, denn ihre Lage ist wahrlich nicht die beste. Da kehren ihre Freunde Schaunard, ein Musiker, und Colline, ein Philosoph, zurück. Ersterer hat ein wenig Geld verdienen können, da er einem Lord vorgespielt hat. Und so kann er seine drei Freunde und sich an diesem Abend geradezu fürstlich mit Speisen bewirten lassen. Doch als sich die drei auf das Essen stürzen wollen, erklärt ihnen Schaunard, dies sei Vorrat für schlechte Zeiten. Er hätte eine viel bessere Idee: Alle werden heute zu einem Dinner ins Quartier Latin eingeladen. Doch in die Freude über diese Einladung platzt der „Hausmeister“: Er verlangt die Miete für die Dachwohnung. Den Freunden gelingt es, ihn mit Wein so betrunken zu machen, dass er schließlich über Ausflüge zu gewissen Damen berichtet.

Das wiederum nehmen die vier als Vorwand, den „sündigen“ Vermieter aus der Wohnung hinauszuschaffen, ohne dass dieser in seinem Zustand die Miete kassieren kann. Alle außer Rodolfo machen sich voller Vorfreude auf dem Weg zum Café Momus, in dem sie heute fürstlich speisen sollen. Rodolfo allerdings hat sich entschuldigt. Er komme später nach, er müsse noch einen Artikel vervollständigen.

Er wird allerdings von seiner Arbeit abgehalten: Kaum will er schreiben, klopft es an der Tür. Eine junge, frierende Frau steht draußen. Sie behauptet, ihr sei das Feuer ihrer Kerze ausgegangen und bittet ihn, sie wieder anzuzünden. Sie ist eine Hausbewohnerin, die vom Treppensteigen sehr erschöpft und augenscheinlich auch krank ist. Rodolfo möchte ihr zur Stärkung ein Glas Wein anbieten. Doch sie trinkt nur wenig und wendet sich sofort wieder zu gehen, um ihn nicht länger zu stören.

Wenig später klopft sie noch einmal, da sie ihren Schlüssel bei Rodolfo vergessen hat. Ein plötzlicher Windhauch weht Rodolfos Kerze ebenfalls aus. Er bemerkt im Dunkeln den Schlüssel und versteckt ihn schnell. Mimi, die junge Frau, sucht ihn mit ihren Händen auf dem Boden. Plötzlich berühren sich die Hände der zwei und Rodolfo muss feststellen, dass sie eiskalt sind. Er stellt sich der jungen Frau vor, er sei Poet und möchte auch wissen, wie sie heißt. Sie stellt sich ihm als Mimi vor, doch eigentlich heißt sie Lucia. Warum sie Mimi genannt wird, weiß sie nicht.

Schließlich rufen die Freunde von unten hinauf, Rodolfo möge endlich nachkommen. Er beschwichtigt seine Kumpanen. Er sei nicht alleine und würde jemanden mitbringen. Als die beiden nach unten gehen wollen, ist Rodolfo dermaßen hingerissen von Mimi, dass er sie „entzückendes Mädchen“ nennt. Er bittet sie, bei ihm zu bleiben. Sie willigt ein, sie bliebe in seiner Nähe. Gemeinsam brechen sie zum Café Momus auf.

2. Bild

Vor dem Café herrscht weihnachtliche Stimmung. Der Platz ist voller Leben, Händler verkaufen ihre Waren an Weihnachtsständen. Kinder und Passanten sind beschäftigt, Weihnachtsgeschenke auszusuchen. Auch Rodolfo und seine Freunde können nicht widerstehen, einige Sachen zu erwerben. Er kauft seiner Mimi ein rosarotes Häubchen.

Im Café Momus treffen die fünf Hungrigen auf Marcellos ehemalige Flamme Musetta, deren Verführungskünste stadtbekannt sind. Sie ist mit ihrem reifen Verehrer Alcindoro hier und versucht vom Nebentisch aus, Marcello eifersüchtig zu machen. Das gelingt ihr auch, Mimi kann beobachten, dass Musetta jedoch Marcello nicht als Trophäe möchte, sondern ihn wahrhaft liebt. Unter dem Vorwand, die Schuhe würden sie schrecklich drücken, schickt die schlaue Frau den Verehrer fort, um neue zu besorgen. Kaum ist Alcindoro weg, stürzt sich Musetta wieder auf Marcello. Dieser erliegt ihren Reizen aufs Neue. Als gerade eine Patrouille vor dem Café vorbeizieht, machen sich die Freunde samt Mimi und Musetta aus dem Staub. Nun ist der mit neuen Schuhen zurückgekehrte Alcindoro gezwungen, alle Rechnungen begleichen.

3. Bild

Es ist Winter und bitterkalt in Paris. Musetta und Marcello haben ein Lokal erworben, das neu ausgemalt werden muss. Dann kann Musetta hier als Sängerin auftreten. Zitternd und stark hustend erscheint Mimi vor diesem Lokal, um Marcello um Rat zu fragen. Rodolfo sei sehr eifersüchtig, aber das grundlos. Letzte Nacht habe er sich von ihr getrennt, sie wisse auch nicht, wo er sein könnte. Was Mimi nicht weiß, ist, dass Rodolfo gerade bei Marcello in dem Lokal untergetaucht ist. Ihr gelingt es gerade noch, sich zu verstecken, als er aus der Tür tritt.

Er gibt nur vor, eifersüchtig zu sein. In Wahrheit möchte Rodolfo Mimi zu ihrem Besten loswerden. Denn ihre unaufhaltsam fortschreitende Krankheit kann in der Eiseskälte seiner Dachwohnung nicht kuriert werden. So würde es, würden sie zusammenbleiben, ihr Elend nur verschlimmern. Mimi fängt an, bitterlich zu weinen, weil sie doch bei Rodolfo bleiben möchte. Inzwischen wird Marcello von Eifersucht geplagt, als er Musetta im Lokal mit einem Gast schäkern hört. Rodolfo hört Mimis Weinen und kommt heraus zu ihr. Er nimmt sie in die Arme, und beide versprechen sich, über den strengen Winter noch zusammenzubleiben. Erst im Frühling wollen sie sich trennen. In trauter Eintracht gehen sie davon. Bei Marcello und Musetta hängt nach Musettas kokettem Verhalten der Haussegen schief. Sie beschließen, auseinanderzugehen.

4. Bild

Marcello und Rodolfo sind nun beide wieder Junggesellen, nachdem auch Mimi in der Kutsche eines reichen Gönners gesehen worden ist. Sie verbringen die Zeit in der Dachwohnung. Üppig essen sie mit ihren zwei Mitbewohnern wieder zu Abend, es gibt Brot und Hering. Die vier werden immer übermütiger und spielen, obwohl sie eigentlich arm sind, ein Spiel der feinen Gesellschaft. Sie haben es lustig, bis Musetta verzweifelt wieder vor der Tür steht. Mimi sei unten, wolle Rodolfo sehen und sei dem Tode nah. Sie könne nicht einmal mehr die Stufen hinaufgehen. Besorgt wird sie heraufgetragen. Schließlich reißt sich Musetta ihren Schmuck vom Hals, bittet Marcello, um den Wert Medizin für Mimi einzukaufen und auch einen Arzt zu holen. Marcello hastet auf die Straße. Musetta selbst will der todkranken Mimi ihren Wunsch nach einem warmen Muff für die Hände erfüllen und macht sich ebenfalls auf den Weg. Alle Freunde versuchen nun, etwas zur eventuellen Gesundung Mimis beizutragen: Colline geht ins Pfandhaus und will sich von seinem alten Mantel trennen. Schaunard lässt Rodolfo und Mimi ein letztes Mal allein zusammen.

Mimi gesteht, dass sie sich nur schlafend gestellt hat, um die Freunde kurzfristig zu vertreiben.

Rodolfo und Mimi erleben in einem Deja-vu ihre erste Begegnung und sind selig. Doch plötzlich bekommt Mimi abermals einen schrecklichen Hustenanfall und sinkt zurück.

Alle Besorgten kehren in die Wohnung zurück, Musetta streift der nun schlafenden Mimi den gewünschten Muff über, und flüstert ihr zu, er sei ein Geschenk von Rodolfo. Glücklich schläft Mimi wieder ein. Marcello meint, dass der Arzt schon unterwegs wäre.

Rodolfo wendet sich zu seinen Freunden und möchte sich von ihnen Trost und Hoffnung holen. Doch als er aufschaut und in ihre erschrockenen Gesichter blickt, hastet er sofort wieder zu Mimis Bett. Er muss erkennen, dass sie bereits tot ist. Unter seinen verzweifelten Schreien endet die Oper.

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Stimmlagen der Figuren:

Mimi                 Sopran

Rodolfo             Tenor

Musetta            Sopran

Marcello           Bariton

Schaunard       Bariton

Colline              Bass

Alcindoro         Bass

Berühmte Arien:

Che gelida manina          (deutsch: Wie eiskalt ist dies´Händchen)        Rodolfo

Chi son? Sono un poeta (deutsch: Wer ich bin? Ich bin Dichter)           Rodolfo

Si, mi chiamano Mimi    (deutsch: Mein Name ist Mimi)                         Mimi

O soave fanciulla       (deutsch: O wundervolles Mädchen)                 Rodolfo, Mimi (Duett)

Quando me´n vo         (deutsch: Geh ich alleine)                                   Musetta (Walzerlied)

Donde lieta usci               (deutsch: Woher froh sie einst kam)                 Rodolfo

Vecchia zimarra, senti   (deutsch: Alter Mantel, höre!)                             Colline

Sono andati? Fingevo    (deutsch: Gehen sie schon? Ich gab vor,            Mimi

di dormire!                         zu schlafen!)

Am berühmtesten ist wohl zweifellos das Liebesduett zwischen Rodolfo und Mimi am Ende des 1. Bildes. O soave fanciulla wird gerne auch bei Konzerten gespielt. Es drückt eine zarte, sehnsüchtige Romantik aus, die Puccini perfekt einfügte.

Auch Musettas Walzerlied Quando me´n vo  (2. Bild) wurde sehr bekannt. Es kommt sehr selten vor, dass eine solche Arie im Walzertakt komponiert ist.

Collines Arie Vecchia zimarra, senti (4.Bild) wird oft auch als Mantelarie bezeichnet, da er sich von seinem treuen alten Mantel trennt, den er ins Pfandhaus bringt. Eine stimmungsvoll-melancholische Bassarie.

Hier können Sie „O soave fanciulla“ hören, gesungen von einem Traumpaar der Oper: Anna Netrebko (Sopran) und Rolando Villazón (Tenor)

Quelle: Youtube

Zum Vergleich, hier Mirella Freni und Luciano Pavarotti

Quelle: Youtube

Hier können Sie „Quando me´n vo“ hören, gesungen von Anna Netrebko (Sopran)

Quelle: Youtube

Der vollständige Text der Walzerarie steht Ihnen hier zur Verfügung:

Quando me’n vo‘
Quando me’n vo‘ soletta per la via,
la gente sosta e mira,
e la bellezza mia tutta ricerca in me,
ricerca in me
Da capo a‘ piè.

Ed assaporo allor la bramosia
sottil che dagli occhi traspira
e dai palesi vezzi intender sa
alle occulte beltà.
Così l’effluvio del desìo tutta m’aggira,
felice mi fa!

E tu che sai, che memori e ti struggi,
da me tanto rifuggi?

So ben:
le angosce tue non le vuoi dir,
non le vuoi dir, so ben,
ma ti senti morir!