Harald Serafin

Lesung mit KS Prof. Harald Serafin

Der erfahrene Sänger und Kult-Theaterstar gastiert mit einer seiner in letzter Zeit rar gewordenen Lesungen aus seinem Buch „Nicht immer war es wunderbar“ (Amalthea Verlag) in Wien.

Die Senioren Residenz Josefstadt im Hamerling bietet eine edle Kulisse für die künstlerischen und humoristischen Anekdoten.

Info: Lesung mit KS Prof. Harald Serafin in der Senioren Residenz Wien Josefstadt, am 17.10. um 18:30 h. Der Eintritt kostet 12 Euro.

JosefStadtgespräch mit Alexandra Krismer und Harald Serafin

In der Reihe „JosefStadtgespräche“ am Theater in der Josefstadt (Sträusselsäle) – immer gut besucht – drehte sich diesmal vieles um Bob Larbey, den britischen Autor der Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“. Aus diesem Anlass hatte ORF-Kulturredakteurin Eva-Maria Klinger zwei bekannte Schauspieler zur Matinee eingeladen.

Im Stück, das immer wieder vor ausverkauftem Haus stattfindet, geht es um zwei Bekannte im Altersheim. Einer hat körperliche Beschwerden, der andere kann sich nichts mehr merken und „schwächelt“ geistig. „Wir dürfen keine Zombies werden.“, so ein Satz. Zweifelsfrei ist es mit zwei so anspruchsvollen Rollen kein leichtes Unterfangen, eine Geschichte auf die Bühne zu bringen. Die beiden Hauptrollen im Stück spielen Otto Schenk und Harald Serafin, die Tochter von Otto Schenk auf der Bühne ist Alexandra Krismer. Die Bühnenkollegen sprachen in teils amüsantem, teils ernstem Ton über die Herausforderungen und die schönen Momente des Werkes und des Berufes.

Alexandra Krismer, die die Tochter des körperlich gebrechlichen Cooper (Otto Schenk) spielt, meint, es sei immer Teamarbeit, ein solches Stück auf die Bühne zu „stellen“. „Es kann nicht einer kommen und sagen, er ist Otto Schenk und trägt das Stück.“ Er muss die Rolle authentisch verkörpern, darum geht es. Auch verriet die gebürtige Innsbruckerin ein  dass Schenk in einer Szene, in der er auf den Boden fällt und dort liegen bleibt, seinen Mitspielern immer den Tipp gebe, jetzt nichts zu sagen, das sei ein Lacher.

Auch der Souffleur ist ein immer wieder stark beanspruchter Kollege im Theaterbetrieb. Er muss an einem Vorstellungsabend Großartiges leisten. Krismer absolvierte die Schauspielschule und ihr Traum war es schon immer, Schauspielerin zu werden. Genauso wie der Traum ihres sehr populären Bühnenkollegen Harald Serafin, der immer schon wusste, dass er Sänger und nicht Arzt (nach dem Wunsch der Eltern) werden wollte. Um ein Haar wäre es anders gekommen, bis er im OP ohnmächtig wurde, weil er kein Blut sehen konnte. Er setzte sich gegen die Eltern durch: Er sagte sogar seinem Vater, der mit der Bahn angereist war, um ihn zu überreden, in den elterlichen Textil-Betrieb einzusteigen: „Hast Du eine Rückfahrkarte? Dann gebrauch´ sie auch!“

Otto Schenk war am Opernhaus Zürich sein großer Mentor, den er lobend und bewundernd erwähnt. Er suchte damals für die Produktion der „Fledermaus“ von Johann Strauss einen (Gabriel von) Eisenstein, und fand ihn in Harald Serafin. Doch Otto Schenk war ein strenger Regisseur. Er triezte ihn und jeder Handgriff, jede Bewegung und jeder Ton musste nach seinen Vorstellungen sitzen.

Wie ist das für die beiden, auf der Bühne den Traumberuf ausüben zu können?

Alexandra Krismer betonte: „Seit dem Kindergarten, als ich als Maria im Krippenspiel auf der kleinen Bühne gestanden bin, will ich das tun. Da gab es so ein Strahlen, so einen Moment!“ Serafin meinte: „Der Drang zum Singen ist bei mir immer da! Ich singe überall. Ich singe beim Rasieren, im Bad, nur beim Zähneputzen geht das nicht! Es muss lebenswichtig werden, zu singen und tief in den Bauch die Stimme zu lassen!“ Auch Krismer bestätigte: „Jedes Mal, wenn ich vor Vorstellungsbeginn an seiner (Serafins) Garderobe vorbeigehe, höre ich lautes Singen, das gefällt mir sehr!“ Eva-Maria Klinger: „Er singt sich also ein für die Sprechrolle!“ Einen Mann zu spielen, der an Demenz erkrankt ist, ist für den lebensfrohen und fitten Serafin nicht leicht. Aber für seine leisen Töne wurde er sehr gelobt.

Auch persönliche Krisen waren Thema: Alexandra Krismer erlebte eine solche, als sie viele Jahre nicht mehr auf der Bühne stand. Die Münchner Kammerspiele sowie das Residenztheater waren ihr künstlerisches Zuhause, bis sie merkte, dass nichts mehr stimmte. Personell war nichts mehr im Reinen. Als sie zurückkehrte nach Österreich, kam sie an die Josefstadt. Spielfreude erlebte sie wieder in großem Maß.

Harald Serafin erholte sich nur langsam von einer Operation (Stimmbandkarzinom). Bei der „Nacht in Venedig“ 1989 merkte er, dass mit der Stimme etwas nicht in Ordnung war. Eine „Strafe“ und wie ein beruflicher Gau für einen Sänger. Er konnte nach der OP kaum hauchen. Felix Dvorak holte ihn für die Thoma-Komödie „Moral“ erstmals nach Berndorf zu den Festspielen, wo er mit Erfolg seine erste Sprechrolle hatte. Er versteht es wohl wie kein anderer, ein Schicksal zum Glück zu drehen.

Serafin erklärte: „Ich finde das Soziale gut und lustig, wie die Menschen miteinander umgehen, wie man sie packen muss.“ Er sei immer ein „Lächler“ gewesen, böse zu schauen vertreibt Kunden, so hatte schon seine Mutter gesagt. Man müsse „offen bleiben und sich immer umschauen, nach Managern, Sponsoren, Leuten, die einem helfen können“. Damit habe er nie ein Problem gehabt, auch nicht wenn es darum ging, auf Messen für „seine“ Seefestspiele Mörbisch zu werben, welche er 1993 übernommen hat. Gesanglich folgte operationsbedingt eine lange Pause, erst im Jahr 2001 stand er wieder in der Rolle des „Grafen von Lichtenfels“ im Land des Lächelns (Lehár) auf dieser Bühne.

Krismer aber sagte: „Ich könnte das nie. Ich bin eine zurückhaltende Person, ich würde nie laut rufen oder Ähnliches. Ich bin von Herzen gerne Schauspielerin, es ist einfach toll, sich in eine andere Rolle zu versetzen. In einen anderen Menschen hinein-hüpfen zu können, Abend für Abend!“ Auch von der psychologischen Seite her. Ein spannender Kontrast, wie sie die Divergenz zwischen zurückhaltender Privatperson und exaltierter Bühnenpersönlichkeit füllt. Auf der Bühne hat sie keine Schwierigkeiten mit Lautstärke und Extraversion. Das sieht man nicht nur in „Schon wieder Sonntag“, sondern auch in „Terror“ (F. von Schirach), wo sie den bedeutungsschweren Satz zu sagen hat: „Es ist nicht meine Aufgabe, Befehle zu hinterfragen!“. Mit diesem täte sie sich schwer, sagte sie.

Alexandra Krismer hat für die Zukunft auch Pläne abseits des Theaters: Sie möchte gerne in ein Land gehen, wo man eine andere Sprache spricht. Und zwar Englisch. Zum Film zu gehen, würde sie auch reizen. Sie weiß nicht, ob sie ihre ganze Karriere nur dem Theater widmen wird.

Serafin möchte sich wieder dem Lesen und auch dem Gesang zuwenden.

Harald Serafin als Aylott und Alexandra Krismer als Julia sind in Bob Larbeys Tragikomödie „Schon wieder Sonntag“ (der letzten Regiearbeit des verstorbenen Helmuth Lohner) in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt aktuell zu sehen. Mit dem begehrten und fast immer ausverkauften Stück gehen sie auch in die nächste Spielsaison.

 

Info:

Homepage der Josefstadt

http://www.josefstadt.org

 

 

 

 

Bruckner in „the house“. Die Weihnachtsgala mit Latein und Latin im Brucknerhaus Linz.

 

Brucknerhaus Linz

Das Programmheft des Linzer Brucknerhauses, welches ja schon ein imposanter Bau an sich ist, versprach eine große Gala zum Ausklang des Advents und zur Einstimmung auf das viel ersehnte Weihnachtsfest. Große Namen und heiße Rhythmen brachte der Abend, nicht alle waren allerdings in Bestform.

Kammersängerin Angelika Kirchschlager, die aus Texas stammende Jazzsängerin Carmen Bradford, die feurige Jessie Ann de Angelo (Das Brucknerhaus beschreibt sie so: Wenn man einer Künstlerin alle Farben unserer Welt zuordnen kann, dann ist es Jessie Ann.), der aufstrebende Sänger Alois Mühlbacher, die Josefstadt-Größe Sona MacDonald, Dancing-Stars-Vocalist Andie Gabauer, der aus einer ORF-Castingshow bekannte Werner Mai, die St. Florianer Sängerknaben. So lassen sich die Acts des Abends zusammenfassen.

Und dann war da die zu einer temperamentvollen Doppel-Conference geratene Moderation eines Vater-Sohn-Paares, welches ordentlich für Stimmung sorgte: Harald und Daniel Serafin moderierten den Abend in gewohnt unterhaltsamer Manier. Sie lieferten Hintergrundinformationen und charmante Schmähs. Auf die Phrase: „Freuen Sie sich auf..“, folgte meist der laut ausgesprochene, gemeinsam artikulierte Name des Künstlers oder der Künstlerin. Sogar in mehreren Sprachen versuchten sich die Moderatoren: Spanisch und Russisch waren an diesem Abend zu hören. Die kleine russische Tanzeinlage geriet aber nicht sonderlich zum Vorteil. KS Prof. Harald Serafin muss gewissermaßen auch vertraute Gefühle im Brucknerhaus bekommen haben, interpretierte er doch schon einmal den Namensgeber des Hauses, Anton Bruckner, bei der Linzer Klangwolke.

Für den klassischen Teil waren ein wenig Kirchschlager und Mühlbacher „veranschlagt“, wobei man sagen muss, dass die ehrwürdige Kammersängerin an diesem Abend nicht ihren besten hatte. Bei „Panis Angelicus“ von Cesar Franck, leistete sie sich sogar eine Textunsicherheit: Sie verwechselte „dominum“ mit „hominum“. Es wurde bei ihr also das „Brot des Herren“. Naja. Mühlbacher mit seiner unverwechselbaren Stimme interpretierte das Ave Maria von Caccini und sorgte damit für Gänsehaut.

Carmen Bradford riss gesanglich alle vom Stuhl, das etwas zurückhaltende Linzer Publikum war begeistert, sie wünschte sogleich „Merry Christmas to all of you!“ und begrüßte medienwirksam den „Governor Pühringer“, um gleich darauf mit wundervoll lautem Organ festzustellen: „You have the right seat!“ Diese Sängerin braucht nicht einmal ein Mikrofon, um gehört zu werden. Beeindruckend!

Jessie Ann de Angelo rüttelte wiederum mit ihrer Interpretation des „Navidad Rock“ auf, und wollte das Publikum zum Tanzen animieren. Sie erzählte hinreißend, wie in ihrer Heimat bei 30 Grad zu Weihnachten Tequila getrunken wird und mit weißem Sprühschaum Schnee an Fenstern simuliert wird.

Sona MacDonald mit ihrer nicht enden wollenden Energie (die sie auch immer am Theater in der Josefstadt zeigt) rockte mit „Don´t rain on my Parade“, diesen Titel erarbeiteten Vater und Sohn Serafin gemeinsam mit den Übersetzungen „Regne nicht auf meine Parade“ im Sinne von „Stiehl mir nicht die Show“. MacDonald war dankbar über die Chance, ausgelassen zu springen und zu singen.

Die Interpretation von „I dreamed a dream“ aus dem bekannten Musical „Les Miserables“, war ebenso ein Highlight, obwohl die Orchesterbegleitung doch eine recht eigenwillige Version entwickelt hatte.

Werner Mai glänzte mit einer toll ausbalancierten Stimme und einem besonders rührenden „You raise me up“ (bereits von Westlife, Josh Groban und Andre Rieu jeweils anders interpretiert). Jeder Mensch hat es wohl schon einmal erlebt, was es heißt „on stormy seas“ zu wandeln.

Andie Gabauer, ein guter und engagierter Sänger an sich, hat sein Talent schon oft in der ORF-Show Dancing Stars unter Beweis gestellt. An diesem Abend lieferte er jedoch die mitunter langatmigste Version von Nat King Coles Christmas Song, die man sich nur vorstellen kann. Da wünschte man sich doch gleich die vor zwei Jahren im Wiener Musikverein vorgetragene Version von Moderator Daniel Serafin zurück. (O du fröhliches X-MAS-Concert / Wiener Musikverein)

Gemeinsam läuteten die charmanten Moderatoren auch das Finale des Abends ein, zu dem auch sie wieder „mit-shakten“, es handelte sich um den oft mit lautem Klatschen vom Publikum eingeforderten Hit „Feliz Navidad“.

 

Ein Video zum Abend sehen Sie auf Klingers Kulturpavillons YouTube Channel:

 

 

 

 

 

 

 

Der Raub des Digitalen – „Die Räuber“ (F. von Schiller), Salzburger Landestheater

 

Keine Frage: Viele Fragen bleiben offen. Der Ex-Burgtheaterdirektor Matthias Hartmann hat seine ganz eigene Vision des klassischen Stoffes „Die Räuber“ von Friedrich von Schiller auf die Bühne, oder sollte man auch sagen, auf die Leinwand gebracht. Er möchte sich nicht entscheiden. Und deshalb spielen die „Jungen Wilden“ des Mozarteum Salzburg (Studiengang Schauspiel) für den Film. Auf der Bühne „drehen“ sie gleichzeitig den Film, der hoch über den Köpfen der Zuseher gezeigt wird. Man kann sich nicht wirklich entscheiden, wo man „hingucken“ soll. Ein innovatives Medienprojekt, aufwändig, und ganz in der Jetztzeit verankert. Aus skandierten Wörtern wird zeitgemäßer Rap, „Rüpel-Rap“, sozusagen. Hat durchaus „Harry Potter“ – Elemente, die Verfilmung.

Am Salzburger Landestheater (zunächst einmal hier, dann geht es weiter auf Tournee nach Wolfsburg, Hamburg und Wien) wurde eifrig gedreht. Wenn ein ziemlich außer Atem geratener Jungschauspieler den Erzählerpart übernimmt, muss es schon sehr spannend sein. Die 1781 veröffentlichte Geschichte von Schiller sollte übrigens gar nicht für die Theaterbühne sein. Doch im Jahr 2016 kommt es noch toller. Ein Hybrid zwischen Film und Theater. Hybrid ist ja sehr im Kommen, sehr in Mode. Der Zwist zwischen Karl und Franz Moor, modern aufbereitet für das Fernsehen. Da springen einem die Charaktere doch förmlich ins Auge. Wild, chaotisch, ungebremst. Eine Perspektive da, eine dort. Eine Riege von Arrivierten wird ebenso auf dem Besetzungszettel versprochen (Friedrich von Thun, Harald Serafin, Tobias Moretti). Zu sehen sind diese drei Herren jedoch nur auf der Leinwand, vorproduziert. Im Vorfeld wusste das zum Beispiel niemand. Absichtlich?! Die Jungen Wilden, angeführt von Laurence Rupp und Emanuel Fellmer, treffen sich lieber in echt im Wald. Die Schauspielkünste sind durchwachsen, brutale Worte fallen, Gemeinheiten werden ausgetauscht. Die wenigen Zärtlichkeiten zwischen Karl Moor und Amalia (Laurence Rupp und Coco König) werden jäh unterbrochen durch einen Messerstich. Rupp lässt König fallen, als würde er sich vor ihr ekeln. Auffallend oft bewegen sich Königs Augenlider nach ihrem vermeintlichen „Bühnentod“. Vorher fällt sie noch dem alten Moor (perfekt „sterbend“: Friedrich von Thun) an die virtuelle Brust.

Überhaupt wirkt es ein bisschen, als würden die „Virtuellen“ mit den „Echten“ fechten. Der „echte“ Franz (Emanuel Fellmer) spricht mit dem „virtuellen“ höchst energisch verkörperten Vater (von Thun), derselbe Franz ist später brutal gemein zum „virtuellen“ ganz leicht wortundeutlichen Diener Daniel (Harald Serafin), der trotzdem „noch besser dienen will, mit seinen 84 Jahren“ und mit traurigen, erweichenden Blicken nicht geizt. Auch Tobias Moretti hat seinen digitalen Glanzmoment: Als stark ergrauter Pater flüchtet er in die Wälder, zu sprechen hat er Gehaltvolles, nicht viel, aber doch.

Friedrich von Thun muss sich gegen Ende des Stückes verunstalten lassen zu einem verwilderten, ungepflegten alten Moor, der in seinem Waldgefängnis weiter dahin-„graut“. Ein aufgeklebter Vollbart tut hier seinen Dienst.

Das einzigartige Projekt, im Salzburger Landestheater zum ersten Mal „probiert“ (jeder Schauspieler muss genau auf seinem Punkt stehen, geklappt hat das!) hatte schon ein gewisses Risiko zu tragen: Was, wenn auf der Live-Bühne etwas passiert wäre und einfach der Film weitergelaufen wäre? Was, wenn ein Scheinwerfer ausgefallen wäre? Was, wenn der Film gar gestockt hätte? Alles Risikofaktoren, die auf sich genommen wurden. Ein echtes und großes Improvisationsprogramm konnte sich hier nicht überlegt werden.

Die Mischung aus echten und Filmeffekten hat gereizt. Die Sinne und die Nerven. An Schlaf? War hernach nicht zu denken!

 

 

Info:

„Die Räuber“ nach F. von Schiller

Salzburger Landestheater

3./4. September 16

Sendung live im TV durch ServusTV

Hamburger Theaterfestival (Eröffnung)

2./3. Oktober 16

hier wurde die Besetzungsliste entsprechend angepasst mit den Vermerken: „Live auf der Bühne sind“:….. und „Vorproduziert wurden“:…… (ein echter Haken, man könnte meinen, alle Schauspieler seien anwesend!)

Sendung (live?) durch NDR

Wien, Volkstheater

18./19. Oktober

Theater Wolfsburg

von 18.09. – 22. 10. zu Terminen

 

 

 

A STORY ABOUT…Harald Serafin & OPERETTE

Serafin ist nicht nur ein Kunst-Faktotum (Gesang, Schauspiel, PR), sondern auch der ehemalige Intendant der Seefestspiele Mörbisch. Nachdem die Festspiele kurz vor der Schließung standen, wurde er als professioneller und leidenschaftlicher Theatermensch im Herbst 1992 dorthin engagiert. Es wurde ihm von Christine Vranitzky ans Herz gelegt. Ab 1993 (Einstand mit „Die Lustige Witwe“) gestaltete er in Mörbisch 20 Jahre lang das Operettenprogramm und baute die einstige „Gelsenreitschule“ mit ihren Holzbänken zu einem modernen Operetten-El-Dorado aus. Zu Spitzenzeiten zählte Mörbisch 220.000 Besucher.

Im Herbst 2012 zog er sich nach einer letzten „Fledermaus“ auf der großen Bühne aus diesem Amt zurück. In Interviews sah er sich häufig mit der Frage nach der Pension konfrontiert. Aber davon keine Spur! Er ist nämlich der Ansicht, dass man viel schneller altert, wenn man nichts macht. Und wer nur auf die Pension warte und die Tage zähle, der habe ohnehin den falschen Job.

Harald Serafin ist ein geschäftstüchtiger Mann. Deshalb war es ihm in seiner Amtsperiode immer wichtig, auch das jüngere Publikum für die Kunstgattung Operette zu begeistern. Ein Grundproblem ist das Interesse: Warum interessieren sich junge Menschen nicht für die Operette? Gilt sie als verstaubt, nicht heutig genug, zu kitschig? Er erklärt es so, dass die „kleine Schwester der Oper“ eine hormonelle Sache sei. Ab circa 40 Jahren, wenn man im Leben schon einiges hinter sich hätte, in Sachen Liebe, Beruf, Lebenserfahrung im Allgemeinen, erst dann würde man sich mit einem Danilo, einer Giuditta identifizieren können.

Des Kammersängers und Professors wichtigste Gesangsrolle: Der Danilo. Viele Direktoren meinten, sie hätten in ihm die ideale Verkörperung des leichtlebigen Bonvivants gefunden. Aber eine wichtige Unterscheidung gibt es doch: Während der Danilo „um Eins im Büro und gleichdrauf anderswo ist“, ist Serafin ein Workaholic, der nicht eher zufrieden ist, ehe alles passt.

Natürlich singt er die Rolle heute, mit 83 Jahren, nicht mehr. Er widmet sich dem Sprechtheater, wie aktuell als Aylott in „Schon wieder Sonntag“ (B. Larbey) im Theater in der Josefstadt/Kammerspiele. Dieses Jahr war er gemeinsam mit seinem Sohn beim Musikfestival Steyr als rescher, alter Kaiser auf der Bühne zu sehen. Mit solchen Rollen hat er es leicht, er muss einfach nur „alt“ sein, wie er sagte. Obwohl er es innerlich natürlich nicht ist. Auch sein Buch „Nicht immer war es wunderbar“ promotet er gerne immer noch, obwohl es inzwischen doch sechs Jahre „auf dem Buckel“ hat.

Einen Hang zur Komödiantik und zum Unterhalten der Leute hatte er immer schon. „Such Dir ein Ziel und verfolge es!“ Er sieht das Glas immer halb voll und nie halb leer. Und das W-Wort? Er hat es gerne, aber net zu inflationär.

 

 

 

 

 

Irgendwo zwischen Weingummi und Demenz – SCHON WIEDER SONNTAG in den Wiener Kammerspielen der Josefstadt

Wiener Kammerspiele der Josefstadt                                                                         Juni 2015

Die Josefstadt bringt zum 85. Geburtstag von Otto Schenk eine Tragikomödie von Bob Larbey: „Schon wieder Sonntag“. (Vorbericht Kulturpavillon: Reife Herren brauchen Bühne)

In der einfühlsamen, jedoch a bisserl langatmigen Regie von Helmuth Lohner entfalten sich Otto Schenk und Harald Serafin in den Hauptrollen als Cooper und Aylott in Höchstform.

Otto Schenk als Cooper spielt überzeugend. Körperlich ist Cooper nicht mehr so fit, was er durch einen Sturz nahe bei seinem Bett im Zimmer des Altersheimes erfahren muss. Seine Tochter Julia, gespielt von Alexandra Krismer, und ihr Mann Peter, dargestellt von Oliver Huether, müssen ihn aufrappeln. Er macht lieber schmutzige Witzchen mit „seiner“ Lieblingskrankenschwester Wilson. Diese ist wortgewaltig und doch mit einer Zärtlichkeit und Weichheit ausgestattet von Hilde Dalik. Sie kümmert sich um Cooper, motiviert ihn, empfiehlt ihm das Mittagessen (wobei sich Cooper fast immer aus Trotz für die andere Speise entscheidet), und weint sich schon einmal an seinen Knien aus. Dass sie einen Freund hat, passt Cooper gar nicht, der heimlich in Wilson verliebt ist. Die Putzorgien von Mrs. Baker (köstlich auch Susanna Wiegand) sind Cooper ebenfalls ein Dorn im Auge, weshalb sie immer schon zur Sicherheit ruft: „Guten Morgen Mr. Cooper, bin gleich wieder draußen.“ Und doch hat auch sie eine liebevolle Seite, weil sie, während Cooper gegen seine Inkontinenz kämpft, ein Liedchen singt: „Picture me upon your knee“ (Doris Day). Schenk kostet seine Rolle aus, sie ist trotz aller Tragik auch ein wenig komisch angelegt, wenn er zu sarkastischen Späßen mit Wilson aufgelegt ist. Mit ihr darf er auf der Bühne Sandwiches „mampfen“, wenn er es ablehnt, einen Bissen zu nehmen, und Wilson abbeißt, beschwert er sich sofort: „Sie lassen einen alten Mann verhungern“. Coopers Tochter Julia ist anfangs nicht sehr gut auf ihn zu sprechen, was Alexandra Krismer mit der nötigen Coolness spielt. Ihr Mann ist ein bemühter, aber unterdrückter Charakter. Oliver Huether trifft das recht gut.

Die Highlights in Coopers Dasein sind die Besuche seines Freundes Aylott. Harald Serafin zeichnet diesen Charakter stark, als einen Menschen, der sich zwar davor fürchtet, dement zu werden, aber den schleichenden Übergang nicht merkt. Einmal möchte Aylott zum Kiosk gehen, und verläuft sich in ein Industriegelände. Die schleichende Demenz ist etwas Bösartiges, und auf einmal platzt Aylott herein. Mitten in Coopers Besuchszeit, was von diesem mit einem „Jetzt platzt er in die Besuchszeit, der alte Trottel“ quittiert wird. Spät aber doch erkennt Cooper Aylotts Not, tröstet ihn mit seinen geliebten Weingummis, streichelt und stachelt ihn gleichermaßen an: Gib nicht auf, dir etwas zu merken. Die beiden gehören zusammen, auch wenn es Reibereien gibt. Während Schenk als Cooper eher schleißig ist und herumschlurft und zotige Witze macht, schreitet Serafin als Aylott wie ein englischer Sir, perfekt angezogen und parlierend, ins Zimmer.

Bei Schenk ist es die Gestik und das Herumgezeppel und Fuß-in-die-Höhe-Werfen. Der Bühnensturz ist beachtlich, er muss sich dafür ordentlich schwer machen. Anziehen, Sesselrücken und Pantoffel überstreifen sind schwer in diesem Alter, Otto Schenk stellt genau dies sehr glaubhaft dar.

Bei Serafin besticht die bemerkenswerte Mimik, vor allem gegen Ende des Stückes, wo er mit starren und ausdrucksleeren Augen den fortgeschrittenen Demenzkranken darstellt. Kraftlos, blass und hoffnungslos wirkt der Mensch Aylott, der durch Freundschaft wieder ein wenig Kraft schöpft.

Jeder überzeugt auf seine Weise in dem etwas langatmigen Stück. Besonders die Besuchsszenen von Coopers Verwandtschaft, die stark und überzeugend gespielt sind und sehr viel Kraft haben, sind leider zu sehr ausgestaltet und aufhaltend in die Länge gezogen, da hätte man schon den Rotstift ansetzen müssen.

Das Bühnenbild von Amra Bergman-Buchbinder ist karg, aber effektiv gestaltet. Eine nette Idee, dass die Darsteller beim Schlusstableau durch Coopers Wohnung gehen.

Ein starker, langer Abend.

-Martina Klinger-

Link:

http://www.josefstadt.org

Informationen:

Vorstellungen bis 21. Juni (17:00), Wegen des großen Erfolges Fortsetzung ab September.

Reife Herren brauchen Bühne – „Schon wieder Sonntag“/Wiener Kammerspiele der Josefstadt

Kammerspiele der Josefstadt/Wien

Mögen doch andere in dieser Altersklasse in der Seniorenresidenz auf ihr Mittagmahl warten! Bella gerant alii…Kammerschauspieler Otto Schenk und Kammersänger Harald Serafin haben etwas ganz Anderes vor: Sie proben in den Kammerspielen für ihr Herzensprojekt „Schon wieder Sonntag“, eine Komödie mit reichlich tragischen Elementen von Bob Larbey. Fröhlich-honorig winken sie aus der Garderobe, so als ob sie sagen wollten: „Alles klar, alles im Griff!“

Sobald die Proben beginnen, finden sich die beiden tatsächlich (nur auf der Bühne!) im Heim wieder. Cooper (Schenk) ist geistig fit und körperlich beginnt es zu „tröpfeln“, Aylott (Serafin) hingegen hat mit dem Hirn immer wieder so seine Aussetzer, rennt aber noch wie ein Wiesel. Geflirtet wird mit der flotten Krankenschwester Wilson (Hilde Dalik). Coopers Tochter Julia (Alexandra Krismer) kommt jeden ersten Sonntag im Monat zum „Anstandsbesuch“ mit ihrem Mann (Oliver Huether). Liebevoll und auch grantig wird über das Alter parliert, die Einsamkeit, die durch Kontakte im Heim gemildert wird, die Zärtlichkeit. In der Josefstadt war das Stück erstmals 1995 zu sehen, mit dem heutigen Regisseur Helmuth Lohner in der Rolle des Cooper. Die Ausstattung übernimmt Amra Bergman. Man darf gespannt sein auf eine tiefgründige Alters-Beleuchtung in Wien.

-Martina Klinger-

Link: http://www.josefstadt.org

Probenbilder (Copyright Erich Reismann / Josefstadt)

KK sieht fern: Serafin on Tour – die Sommerspiele Perchtoldsdorf

Serafin on Tour – die Sommerspiele Perchtoldsdorf

SERAFIN ON TOUR (Kulturmatinee von und mit Harald Serafin)

REZENSION der Sendung vom 06. Juli 2014

ORF III

In dieser Folge besucht Harald Serafin die Burg Perchtoldsdorf mit ihren Sommerspielen. Unter der Intendanz des früheren Volksopern- Regisseurs Michael Sturminger werden hier Sprechstücke aufgeführt. Die Sommerspiele existieren seit 30 Jahren. Heuer wird das „Käthchen von Heilbronn“ von Heinrich von Kleist auf die Bühne gebracht.

Am Anfang steht Serafin vor der noch leeren Tribüne der Burg. Er stellt aufgeregt das Ziel der ersten Tour vor: die Burg Perchtoldsdorf. Es ist ein „liebes“ Städtchen außerhalb von Wien. Hier führt im heurigen Jahr die Burgtheaterschauspielerin Maria Happel Regie. Und diese muss erst aufwändig gefunden werden. Es wird eine Lauf-Tour, bis Serafin Happel an einem gut gefüllten Tisch, zusammen mit anderen Darstellern und Darstellerinnen, nämlich ihrer Familie, antrifft.

Happel verkörpert gleich drei Rollen (Köhlersfrau, Nachtwächter und Tante), und so ganz nebenbei „schupft“ sie Familie und Haushalt. Ihre Töchter Paula und Annemarie sowie ihr Mann Dirk Nocker mischen kräftig im Stück mit. Paula wirkt während des Interviews abwesend, ihre Mutter sprüht vor Energie.

Sobald alle über ihre Rollen befragt sind, macht sich Serafin auf zu den Hauptdarstellern 2014, das Käthchen und Graf Wetter vom Strahl.

Das Haupt-Paar dieser Produktion ist zwar auf der Bühne sehr innig miteinander, privat seien sie nur „gute Kollegen“, wie Anna Unterberger und Nikolaus Barton versichern. Als Käthchen und Graf Wetter von Strahl werden sie diesen Sommer auf der Burg Perchtoldsdorf das Publikum in ihren Bann ziehen. Sechs Wochen Probenzeit liegen hinter den beiden.

Man sieht immer wieder Aufnahmen der Bühne mit moderner Musik, wo sich die Schauspieler und Schauspielerinnen nach Kräften verausgaben. Kondition ist im „Käthchen“ von großer Bedeutung. Diese zeigt auch der Theaterkenner Serafin, als er durch die Gänge der Burg eilt (manchmal kann man kaum folgen) um seine nächste Interviewpartnerin aufzusuchen: Es ist Veronika Glatzner, die die Kunigunde darstellt. Sie verrät schon einmal, dass sich der Graf und sie am Ende nicht bekommen werden. Wolfgang Hübsch, der im Käthchen den Kaiser mimt, kommt leider nicht zu einem Interview.

Danach folgen nocheinmal Sequenzen aus dem Stück: Kämpfe, Fluchtversuche und harsche Aufforderungen. Da müssen die Protagonisten (Happel, Unterberger, Barton) wohl diesen Sommer durch.

 

– MK-

 

Links:

http://tvthek.orf.at/program/matinee-Serafin-on-Tour/8144173/Serafin-on-Tour-Sommerspiele-Perchtoldsdorf/8138712/Serafin-on-Tour-Sommerspiele-Perchtoldsdorf/8147273

 

 

 

 

 

Sittlich-feuriger Mörbisch-Klassiker

Seefestspiele Mörbisch 2011                                      TV-Kritik

Ein Strauss-Klassiker, der – so könnte man meinen – perfekt in die Landschaft rund um die burgenländische Seebühne passt, ist Der Zigeunerbaron. Der Titelheld wird von der Frau nur akzeptiert, wenn er ein Baron ist. Mindestens. Er wird es auch, allerdings geht die Geschichte bekanntlich anders aus, als erwartet.

Die Regie (Brigitte Fassbaender) fasst die Darsteller und Darstellerinnen stellenweise nicht gerade mit Samthandschuhen an. So muss etwa Mirabella auf dem Bühnenboden robben, bevor sie von ihren Abenteuern bei einem türkischen Pascha erzählt. Alles in allem jedoch zeichnet die Regisseurin ein abenteuerliches Bild der Atmosphäre und streicht die stringente Handlung hervor. Die musikalische Leitung liegt bei Manfred Mayrhofer, der eher sensibel als draufgängerisch zur Sache geht.  Das Bühnenbild von Rolf Langenfass ist wandelbar und zeigt etwa im 1. Akt das Haus des Zsupan mit der nett auf Ungarisch gestalteten Aufschrift „Kálmán Zsupan Diszno Tenyeszet es Husgyar“ was soviel heißt wie „Schweinezucht und Fleisch Kálmán Zsupan“.

Nun, Sándor Barinkay, der nun die Güter seines Vaters übernehmen soll, wird auf eine impulsive Art und Weise dargestellt von Lucian Krasznec. Der junge Tenor holt sich die Spitzentöne heraus und stilisiert sie. Auf eine gute Nachbarschaft mit dem Schweinezüchter Zsupan (imposant und auf dem Kopf mit einem Schwein bemalt: Wolfgang Bankl) hoffend, schlägt er die Hochzeit mit dessen Tochter Arsena (etwas zu grell gesungen von Iva Mihanovic) vor. Saffi schließlich, als seine wirkliche Auserwählte, kann sich recht profilieren. Die Sopranistin Evelin Novak zeigt in dieser Rolle ihr vokales Können. Schwach bleibt der Ottokar von Gernot Heinrich, der aber schauspielerisch mehr punkten kann. Die strenge Sittlichkeit verkörpert als honoriger Conte Carnero mit gestrenger Härte und wachsamem Auge Harald Serafin. Das amüsante, hier dreistrophige Sittenkommissionscouplet mit aktuellen Themen wie Arnold Schwarzenegger oder Silvio Berlusconi ist zweifelsohne ein humoriger Höhepunkt der Operette. Die „alte“ Zigeunerin Czipra wird von Monika Bohinec mit einem mittelmäßigen Mezzosopran brav, in einem Pelzmantel und Kriegsbemalung interpretiert. Als hartherziger „Werber“ zieht Daniel Serafin ein, auf einem Wagen mit Holzfass stehend. Stimmlich geht er mit dem kräftig-sensitiven Bariton voll in der Rolle auf, darstellerisch ist er von diesem Kriegsmann nicht ganz so überzeugt. Eine köstliche Nebenrolle ist auch die Mirabella, von Linda Plech als eine lebenslustige ältere Frau, die immer wieder ein Auge auf Zsupan wirft, gezeichnet.

Aufführung der Seefestspiele Mörbisch 2011

-Martina Klinger-