Rezensionen OPERETTE

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Sommeroperette # 5: Die Seefestspiele Mörbisch mit „Das Land des Lächelns“ (F. Lehár)

Der Neusiedler See erlebt mit Lehárs Operette, die wie der künstlerische Leiter Peter Edelmann betont, nahezu eine Oper ist, eine niveauvolle Aufführung. Effekthascherei steht im Hintergrund: Die puristische Wirkung schöner Stimmen und ein Drache, der harmonisch das Geschehen anleitet, sind genug.

Alles läuft sehr stilvoll ab in der Regie von Leonard C. Prinsloo (bereits bekannt aus Bad Ischl) auf der Seebühne. Zuallererst sind da die edlen und wunderbar reduzierten Kostüme von Cristof Cremer. Der deutsche Kostümbildner hat sich wohl intensiv mit Farbenlehre beschäftigt. Nichts schreit oder sticht allzusehr hervor. Lisa trägt hochfeine Kleider, von gemustertem Chinaporzellan inspiriert, über eine violette Kombination mit Perlen bis hin zum dunkelblau-weißen Abreise-Kostüm. Prinz Sou-Chong trägt die Farben Schwarz und Gold. Nur einmal, als sein Schmerz sehr groß ist, darf er sich seiner Jacke entledigen. Prinzessin Mi trägt Violett-Pink und schließlich Weiß (in China die Farbe der Trauer?). Gustl bleibt traditionell wienerisch in Uniform, das Kostüm von Graf Lichtenfels erinnert sehr an die Aufführung von 2001 mit dem äußerst dekorativen grünen Federbusch.

Anfangs, als Lisa das Pferderennen gewinnt, wird sie effektvoll von der Gesellschaft angefeuert. Dabei schauen alle ins Publikum, und es ertönt das obligate künstliche Pferdegetrappel wie zum Beispiel schon 2009 bei My Fair Lady. Diesmal aber mit Ansage („Lisa Lichtenfels zieht an allen vorbei, die Nummer 7″) in Sportnachrichten-Manier. Sie gewinnt, muss sich vor ihrem Vater dann aber nochmal als Frau behaupten. In der Zeit der Uraufführung war es so. Das „Land des Lächelns“ hieß 1912 „Die gelbe Jacke“. Die Handlungsorte Wien und Peking wurden beibehalten, allerdings spielt der 1. Akt im Prater. Die „Drachenbahn“ winkt hier bunt, das Bühnenbild wurde von Walter Vogelweider gestaltet. Vieles ist drehbar, wirkt imposant, aber doch mit einer gewissen Noblesse, nicht grob. Der große Drache inklusive Stiege hat später seinen Auftritt. Seine Augen leuchten einmal blau. Zum Ende der Aufführung dann rot in die Finsternis. Ein toller Effekt, der keinesfalls übertrieben wirkt.

Elissa Huber (von der Wiener Volksoper) fühlt sich mit der Partie der Lisa Lichtenfels wohl. Sie spricht wunderbar. Stolz präsentiert sie stimmlich allerorten sichere Höhen, gibt das Wiener Mädel mit ihrem eigenen Charme. Ihre Entwicklung von der leicht Naiven, die von der exotischen Liebe träumt, bis zur Ernüchterten, schwer Verzweifelten, gibt sie überzeugend. Sie ist eine Idealbesetzung! Die nötige Frische bringt sie mit.

Won Whi Choi ist als Prinz Sou-Chong (nahezu perfektes Deutsch) stimmschön, wenngleich der Eindruck entsteht, dass er etwas „dunkel“ singt. Er verliebt sich sehr, sehr schnell in Lisa und widmet ihr den goldenen Buddha, den er später aus Wut zertrümmert (!). Große, weite Gesangsstrecken hat er zu bewältigen und macht seine Sache sehr gut. Er ging beim großen Sang Ho Choi in die Lehre, der 2001 den Sou-Chong auf der Seebühne sang. Der Hauptdarsteller agiert mit Strenge, wenn er Lisa in China halten will. Man ist schockiert von seiner Dramatik, die aber ganz subtil herüberkommt. Gewaltige Gesten braucht er gar nicht, um zu wirken. Schön! „Immer nur lächeln“ und „Dein ist mein ganzes Herz!“ sind bei ihm effektvolle, anrührende Momente. Und später: „Dein war mein ganzes Herz“, ist fast noch eine Spur anrührender.

Überhaupt passen die beiden Protagonisten stimmlich gut zueinander. Gustl (ursprünglich mit dem Zusatz „von Pottenstein“), der groß und mit ambitionierten Plänen verkörpert wird vom jugendlich-frischen und adretten Maximilian Mayer (Charakteristischer Ausspruch in der Aufführung: „Na bumsti!“) liebt Lisa auch. So sehr, dass er mit ihr nach Prein an der Rax ziehen will, inklusive fünf Kindern und zwei Jagdhunden. Doch das ist Lisa ein Gräuel! Schnell mit dem Prinzen nach China, nicht ohne Leidenschaft.

Leidenschaft, das versprüht auch jemand, der für die Bühne lebt. In China kommt Besuch vom Eunuch. OBER-Eunuch, wenn er bitten darf! Und dieser hat es (noch) faustdick hinter den Ohren. Ein ehrwürdig in Ultramarinblau-Rot – was eine gewagte Farbkombination – gekleideter Herr betritt die Bühne, umringt von Frauen, mit einem langen, grellen Zopf. Es ist KS Harald Serafin, der sich bei seinem großen Comeback in Mörbisch die Ehre gibt. Eine ungewöhnliche Rolle für einen außergewöhnlichen Menschen! Er nimmt die Bühne ein, die Stimme geht hoch. Sein extra gemeinsam mit Komödiant Felix Dvorak verfasstes Couplet hat als Grundmelodie – sofort erkannt: eine liebevoll recycelte Lehár-Melodie aus dem „Grafen von Luxemburg“, und zwar „Ich bin verliebt“ des Fürsten Basil. Da heißt es jetzt: Ich bin Eunuch – Obereunuch. Sehr erotisch (!) aufgeladen ist dann auch der Text („Es ruft der Sex in mir!“), wie man es sich gar nicht erwarten würde. Serafin ist sehr bemüht und konzentriert. „Sie alle jauchzen, wenn ich sie heiß betöre.“ Nun, das liegt wohl schon einige Zeit zurück. Die jugendliche Freude ist bei ihm (87) spürbar und er bekennt sich schließlich zu seiner Liebe, der Bühne. Auch der folgende Dialog mit Maximilian Mayer hat köstliche Stellen, war da nicht eine „sehrraffinierte“ Zeit? Auch ein Wortwitz aus der „Fledermaus“ (!) wird noch rasch eingebaut. Das antizipierte Wort mit „W“ fällt nicht.

Als Lisas gestrenger und doch über die Maßen liebender Vater Graf Lichtenfels tritt Benno Schollum auf. Er kann sich einige Male gut mit eleganter Erscheinung in Szene setzen und pflegt einen wienerischen Zungenschlag, leider hört man von ihm keinen Gesang.

Die Prinzessin Mi von Katerina von Bennigsen – eine höchst aktive – in der Personenführung des Australiers Leonard C. Prinsloo, lebenslustige Frau, hat einen eigenen Tanz zu „Im Salon zur blauen Pagode“. Sie ist erfrischend und trägt eine Manga-Perücke im Stil von (z.B.) Sailor Moon. Gesanglich ist sie ebenso sehr gut aufgestellt und mischt den ernsten Hof in China auf.

Die Rolle des Sekretärs Fu Li füllt Gernot Kranner mit beeindruckender Präsenz! Keine nackten Beine in China! Sehr streng. Als ebenso uneinsichtiger Onkel Tschang („Immer alles lang – sagt der alte Tschang“) ist der Japaner Koichi Okugawa (studierte in Japan und am Wagner Konservatorium Wien) zu hören.

Einen schwärmerischen Kurzauftritt legen drei junge Damen hin: Lore, Toni und Fini wollen von Prinz Sou-Chong wissen, wie man auf Chinesisch flirtet. Katharina Kovar, Ioanna Papaioannou und Olivia Pflegerl sorgen für einen Schmunzel-Moment.

Thomas Rösner als musikalischer Leiter spielt hier Franz Lehárs Feinheiten aus und wird schon manchmal opernhaft. Stellenweise hat man das Gefühl, es würde minimal hallen (vielleicht lag es am Ton?). Extra verbesserte Sound-Elemente auf dem riesigen Bogen über der Bühne (mit digitalen Lichtinstallationen von beispielsweise Apfelblüten) sorgen für noch größeres Hörvergnügen. Das obligatorische Feuerwerk zum Ende (es wird übrigens nicht Lisas Rückkehr nach Wien gezeigt, am Ende bleibt Sou-Chong verlassen zurück), ist noch eine Kirsche auf der Torte. Aber das Stück spricht eigentlich für sich. Sehr ästhetisch wurde es umgesetzt, ohne unnötigen Kitsch. Eine gute Idee auch, dass man auf digitalen Elementen die Darsteller zu Ende groß einblendet, damit sie auch beim Schlussapplaus gut sichtbar sind.

In China wird auch atemberaubende Luftakrobatik gezeigt, ebenso wie eine grandiose Hochzeitszeremonie für Sou Chong (den Lisa durchgehend nur Sou nennt) mit vier prächtig kostümierten Bräuten verschleiert und ganz in Rot.

Absolut sehenswert!

An dieser Stelle ein Lob für den künstlerischen Leiter Peter Edelmann, der wahrlich etwas von echter Operette versteht und für die Seefestspiele der Mann der Zukunft ist.

Die Seefestspiele Mörbisch mit „Das Land des Lächelns“ (romantische Operette in 3 Akten von F. Lehár)

Künstlerischer Direktor Peter Edelmann

Spieltermine: 11. Juli bis 24. August 2019, Do-Sa

http://www.seefestspiele.at

Klang Bad Hall 2019 – die Operettenfestspiele feierten Premiere mit „Die Fledermaus“

Da kommt sie bereits in Fahrt, die Sommerfestivalsaison. Sie bedeutet: leichte Kost mit schwerer Übung, Publikumslieblinge mit kühlenden Utensilien ausgestattet. Erhitztes Premierenpublikum (von Wetter und Inszenierung). Fächern und lächeln, schwitzen und hecheln. Spaß beiseite.

Obwohl: Ernst Theis, der Intendant von Bad Hall (der sich auch offiziell so nennt), ist Dirigent und Musiksoziologe und setzt auf grandiose Spaßmacher und Sängerinnen und Sänger. Da wäre Gerald Pichowetz, der längst nicht nur mehr im Fernsehen sein Talent beweist, sondern auch immer wieder in komödiantischen Rollen an „seinem“ Theater. Er spielt, wie solle es auch anders sein, den Frosch in der „Fledermaus“. Man traut ihm die Rolle nicht nur zu, man kann sich ihn auch in den Fußstapfen des großen Otto Schenk oder des Helmuth Lohner, die diese Rolle verkörperten, vorstellen. Dienstkappe und entrückter Blick, „entglittenes Kurzzeitgedächtnis“, all das sind Pointen an sich. Pichowetz wird wissen, wie man sie am besten ausspielt.

Dann braucht es Sängerinnen und Sänger, die ihr Handwerk – oder besser ihr Mundwerk – verstehen. Dazu zählen Sophie Klussmann als Rosalinde, Rita-Lucia Schneider als Prinz Orlowsky, Romana Amerling als Adele, Eugene Amesmann als Gabriel von Eisenstein, Laszlo Maleczky in der Rolle des Gesangslehrers Alfred, Marco Di Sapia als Notar Dr. Falke, Kammersänger Josef Forstner als Gefängnisdirektor Frank.

Gerald Pichowetz führt bei der „Fledermaus“ Regie. Sie findet ihre Aufführung in wienerischem Dialekt und – oh Überraschung – es wird auch Haut gezeigt. Das ist selbstredend nicht das Wichtigste, doch für Witz und ein Prickeln ist auch so gesorgt. Eine enorme Bereitschaft zu spielen wird den Darstellern abgerungen, auch innerhalb ihrer Rollen. Das sieht man am Beispiel von Alfred, von dem Rosalinde verlangt: „Sie müssen jetzt mein Gatte sein!“. Das ist freilich wieder eine augenzwinkernde Herausforderung, wie sie vielleicht auch im wahren Leben vorkommt… So bleibt der Stoff aktuell, auch lange nach 1874, dem Entstehungsjahr.

Info:

Operette in Bad Hall – Klang Bad Hall 2019, Intendanz: Ernst Theis

„Die Fledermaus“ von Johann Strauss

Regie: Gerald Pichowetz

Bühne: Ina Reuter

Kostüme: Gilles Gubelmann

Spieltermine: von 14. Juni – 14. Juli 2019

Kartenbestellung: http://www.klangbadhall.at/tickets – Hier kann man sich auch auf einen spannenden „Dreier“ einlassen!

„La veuve joyeuse“. DIE LUSTIGE WITWE (F.Lehár) mit Hampson, Gens, Nafornita, Ebner in Paris.

 

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KS Thomas Hampson – sein Danilo als Elfenbein-Charmeur (c) th

 

Tombe amoureux souvent, fiance‑toi rarement, ne te marie jamais !
– Danilo , Acte II, scène 11

Man muss nicht unbedingt Französisch können, um das zu verstehen. Es schadet aber niemals.

Eine der bekanntesten Operetten ist aktuell gerade an der großen Oper in Paris – an der Opéra Bastille (in der Rue de Lyon) zu sehen. Paris ist neben Wien wohl die „Operettenstadt“, dort wo Lolo, Dodo und so weiter immer flanieren. Auf, und ab, auf, und ab, irgendwann fallen sie dem lüsternen Danilo in die Hände. Dass dieses Werk auch 112 Jahre nach der Uraufführung lustig, aktuell und heutig ist und sehr gut ankommt, beweist wieder einmal die Top-Besetzung in Paris.

Der Star am Besetzungszettel ist wohl Welt-Bariton Thomas Hampson, Kammersänger und etwas blass geschminkt (gewollt) in dieser Rolle des Frauenverstehers Graf Danilo Danilowitsch zu sehen. Viel Schmelz und darstellerische Sicherheit packt er aus. Mit der über 300.000 mal aufgeführten Operette hat er absolut keine Schwierigkeiten, eher viel Laune.

Als Titelheldin Madame Glawari hört man die französische Opernsängerin Veronique Gens aus Orléans. Sie bringt die richtige Attitüde mit, hat an manchen Momenten aber doch einige Mühe.

Die wunderschöne und stimmgewaltige Valentina Nafornita von der Wiener Staatsoper unterstützt die Aufführung mit ihrem facettenreichen Sopran. Als junge und wissbegierige und nach anderen Amouren als ihrem „faden“ Mann Baron Zeta Ausschau haltende Valencienne ist sie federleicht, überrascht mit Feinheit.

Mit kernigem Bass veredelt Zeta alias Franck Leguerinel seine delikaten Momente, etwa zum Geburtstag des Fürsten. Pontevedro kann sich mit diesen Menschen wohl sehr glücklich schätzen. Auch in den kleineren Nebenrollen können kompetente Sänger punkten: Der Tenor Karl-Michael Ebner (Volksoper Wien) als Raoul de St. Brioche oder Alexandre Duhamel (französischer Bariton) als Vicomte Cascada sowie Metropolitan-Opera-Sänger Stephen Costello als Valenciennes heißer Liebhaber Camille de Rosillon („Wie eine Rosenknospe im Maienlicht erblüht…“) fügen sich mehr als achtbar ein.

Unter dem Dirigat des deutschen Dirigenten Marius Stieghorst steigt diese Witwe einen steilen Weg hinauf zu ihrer großen Liebe, auch wenn es sehr lange dauert, bis sie zueinander finden. Ob die Ehe wirklich nur ein „Standpunkt“ ist, den man „längst überwunden“ hat? Am Ende.. oder aber über jenes hinaus – wird er sie oder sie ihn wohl heiraten müssen.. Bis dahin gilt es viele Hinternisse – auch diplomatischer Art zu nehmen, und wie einmal als Ausspruch in einer Aufführung der Wiener Volksoper verwendet wurde: „Und ärgert das den Danilo, es is´ halt so!“

Die Aufführung in Paris ist unterhaltsam, fast opernhaft, doch sehr kurzweilig (Regie: Jorge Lavelli).

 

Info und Karten: https://www.operadeparis.fr/saison-17-18/opera/la-veuve-joyeuse

 

 

Silvester-„Gala“-Fledermaus mit vielen Stars in der Wiener Staatsoper

Der Silvesterabend gehört ja in Theaterkreisen zu den „Gala-Events“, wo die ganz besonderen Vorstellungen an der Reihe sind und auch ein wenig Klamauk und Spaß nicht fehlen dürfen. Eine liebgewonnene und traditionsreiche Aufführung der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn in renommierten Opernhäusern gehört dazu. Auch der Jahreswechsel 2016/17 wurde mit einer solchen versüßt. Kammerschauspieler Peter Simonischek, der wie berichtet am heutigen Tag auf einen Golden Globe hoffen darf, gab eine von vielen Persönlichkeiten vor ihm geprägte Rolle: Den Gefängniswärter Frosch, den auch er inzwischen liebevoll geprägt hat. Mit rot geschminkter „Schnapsnase“ und wirrem, durcheinandergebrachtem Haar wäre dieser Frosch der Einzige, mit einer runden Kugel aus Hollywood! Hoffen wir das Beste! Auch sonst war der Abend von einer hochkarätigen Besetzung geprägt.

Es darf unterstellt werden, dass es an diesem Abend ein wenig mehr als sonst um das Atmosphärische ging, nicht so sehr darum, dass Rosalinde am Ende ihrem Gatten verzeiht. Denn der Silvesterabend bleibt magisch, man weiß im Stück, dass „Champagner alles verschuldet hat, was die handelnden Personen für Wirrungen erdulden mussten“. Dieses Motto zieht sich durch die Handlung. „Eisenstein erkennt auf dem Fest seine eigene Gattin nicht, wie gibt es denn so etwas?“, hatte vor Jahren die renommierte Barbara Rett den Tenor Herbert Lippert gefragt. Er entgegnete: „So etwas gibt es wohl nur in der Operette!“

In dieser Silvester-Aufführung der „Fledermaus“ ist ebenso alles möglich. Kammersänger Michael Schade gab sein „Eisenstein“-Debüt, vorher wurde er noch mit einer ranghohen Ehre aus Kanada (seinem Herzensland) überrascht. Nur die Pointen gerieten ihm etwas zum Verhängnis, gesanglich kann man einem Kapazunder wie ihm nichts vorwerfen. Es verhält sich so, dass der Gabriel von Eisenstein eine heitere, aber auch leicht melancholische Seite zeigen soll. Zum Ende hin sowieso mehr reuig. Regine Hangler als seine Gattin Rosalinde hat die Rolle gut verinnerlicht, wenn sie auch manchmal ein bisschen outrierte. Singen kann sie sehr gut. Ihre sehr geliebte Adele spielte Daniela Fally an diesem Abend wieder voll aus, inklusive köstlicher Bonmots. Norbert Ernst als Alfred ließ schon ein bisschen Glanz vermissen, den er in Jahren zuvor noch „drauf“ hatte. Als Prinz Orlofsky hatte man Elena Maximova engagiert. Die Russin verkörperte den Prinzen stilecht, und langte auch beim Bühnen-Wodka (Wasser) zu, so wie das Klischee es verlangt. Clemens Unterreiner als Dr. Falke hatte diebischen Spaß, als er wieder einmal die Fäden seiner Intrige ziehen durfte, und überzeugte mit seiner vokalen Durchschlagskraft. Wolfgang Bankl als Gefängnisdirektor Frank zeigte sich sehr flexibel. Peter Jelosits als Dr. Blind und Lydia Rathkolb als Ida fügten sich achtbar ein.

Und dann war da noch: Der berüchtigte Überraschungsgast am Silvesterabend. Manche hatten mit Placido Domingo gerechnet, aber dann kam ER und begeisterte die Massen: Juan Diego Flórez, der Mann mit der Samtstimme, das Universaltalent,“bewaffnet“ mit Gitarre. Ein großartiger Künstler! Nicht nur die Arie des Tonio aus der „Regimentstochter“ (da hätte noch gefehlt, dass Eisenstein, Rosalinde, Adele am Bankett sitzend und Co. die Soldaten gemimt hätten!!!) mit den „mörderischen“ hohen C´s, sondern auch eine besonders nette Version von „Guantanamera“, vermischt mit „I wish you a happy new year“, war zu hören.

Der Staatsoper gelang wieder einmal ein fulminanter Jahreswechsel.

Hier die beiden Gastauftritte von J.D. Flórez:

Ah mes amis! (Tonio, Fille du Regiment)

Auld Lang Syne und Guantanamera:

 

 

 

 

Ein Hilferuf aus Mörbisch – Viktoria und ihr Husar

Die beliebten Seefestspiele in Mörbisch (nicht nur wegen des Feuerwerkes zum Schluss!) feierten am Donnerstag mit der eher wenig bekannten Operette „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham Premiere. Dieses Werk wurde bereits vor Jahrzehnten hier aufgeführt. Johannes Heesters trat damals auf. Es braucht eine Portion Mut, diese „Außenseiteroperette“ auf den Spielplan zu setzen. Die kühne und mutige Intendantin Kammersängerin Dagmar Schellenberger hat dies getan. Eine wahre Materialschlacht, die alle in den Bann ziehen sollte. Aber leider ein trauriges Fazit: Die heurige „Viktoria“ konnte keinen Siegeszug antreten (wie ihr Name vielleicht verspricht). Die Operette gehört leider zu den schwächsten, die Mörbisch in den letzten Jahren gesehen hat.

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(v.l.) Andreas Steppan, KS Dagmar Schellenberger, Michael Heim als Cunlight, Viktoria, Koltáy (c) Jerzy Bin Photography

 

 

Man hatte sich sehr viel erwarten dürfen: Im Vorfeld wurden Operetten-Quereinsteiger wie Andreas Steppan (den viele Besucher noch kannten, da er für eine österreichische Baumarktkette jahrelang geworben hat) gelobt und mit zahlreichen Vorschusslorbeeren bedacht. Leider eine glatte Fehlbesetzung, wie sich für die Rolle des Botschafters Cunlight herausstellte. So eine Rolle, so leid es einem tut, braucht Stimme, braucht viel mehr Ausstrahlung. Gesicht hat Steppan, Stimme nicht. Kammersängerin Dagmar Schellenberger vermag ihrer Viktoria hingegen auch stimmlich Glanz zu verleihen und eben jene Ausstrahlung. Aber auch sie kann die Inszenierung nicht „herumreißen“. Zu versüßt, zu aufgebläht, zu unglaubwürdig sind die gezeigten Idyllen. Kimonos und Russenmützen, Folklore und Nationalstolz, es ist schlicht „much too much“. Es wird getanzt, getanzt, getanzt (die schweißtreibende Choreographie: Simon Eichenberger), viel mehr als gesungen, was ja seit jeher eine Mörbischer Kernkompetenz darstellt. Die Tänzerfüße schreien schon um Hilfe. Dabei müsste es an tollen Sängern und Sängerinnen nicht mangeln. Herauszuheben aus dem durchmischten Ensemble ist Michael Heim, der sich als Koltáy sehr bemüht, und für sich tolle Momente herausfassen kann. Außerdem sind Andreas Sauerzapf, Katrin Fuchs (bekannt als „Eliza“ von 2009) und Verena Barth-Jurca (war schon 2015 in der „Nacht in Venedig“ dabei) entzückende Sänger(innen).Man nimmt sich durch diese Inszenierung (Reige: Andreas Gergen) selbst sehr, sehr viel Potential weg. Einen massiven Pluspunkt kann man musikalisch mit David Levi (alternierend mit Günter Fruhmann) als Dirigenten sammeln.Paul Abrahams vielschichtige und reizvolle Musik wurde gut umgesetzt. Selbst eingefleischten Mörbisch-Besuchern dürfte aber die massive Überladung aufgefallen sein. Man wollte gefallen, um jeden Preis. Es gab verhaltenen Applaus.

Dagmar Schellenberger wollte sich heuer vermutlich an einer Mörbischer „Leistungsschau“, nämlich darzubieten, was an der riesigen Seebühne mit Eigenleben technisch alles möglich ist, versuchen. Für die Intendantin muss man hier eine Lanze brechen. Die vielen wechselnden Orte, über Tokio, Sibirien bis hin zu Ungarn und die allzu üppige Ausstattung sind natürlich Luxus, gar keine Frage. Der Bau der gigantischen Bühnenteile muss viel Zeit und Geld verschlungen haben. Die Idee ist an sich sehr gut. Es hakt daran, dass dies viel zu offensichtlich, und gar nicht versteckt auf die sanfte Weise, dem Publikum offeriert wird. Die Sänger treten eher in den Hintergrund. Wen das nicht stört, der ist heuer noch bis 20. August an der Seebühne sehr gut aufgehoben.

 

Meisterlich. Die „Gold´ne Meisterin“ von E. Eysler in Baden bei Wien

Stadttheater Baden bei Wien

Ein ganz selten gespieltes Operettenjuwel hatte kürzlich in der Kurstadt Baden bei Wien glanzvolle Premiere. Die reizende Geschichte der „Gold´nen Meisterin“ war zu sehen und zu hören. Und das noch dazu in einer respektablen Besetzung.

Die mehrfach von der Bildregie für´s Theater bekannte Karina Fibich führte Regie und geleitete „ihre“ Sängerinnen durch die zweieinhalbstündige Aufführung. Sehr hübsch gemacht die eher traditionelle, ältlich (passende!) Bühne von Roswitha Wilding-Meisel.

Unter der musikalischen Leitung von Dirigent Michael Zehetner und einer einfallsreichen Choreografie von Michael Kropf gaben sich zwei nicht nur in Wien (VOP) bekannte Sängerinnen die Ehre: Elisabeth Flechl gab die edle Margarethe, die quirlige Renée Schüttengruber spielte die ulkige Haushälterin Portschunkula und hatte merklich ihren Spaß.

Die nicht minder talentierte Katrin Fuchs war in einer Hosenrolle zu erleben, und zwar der des Lehrbuben Friedel. Sylvia Rieser als tolle Contessa machte die Damenriege komplett.

Bei den Herren taten sich Reinhard Alessandri als Christian („Du liebe Gold´ne Meisterin“), Andreas Sauerzapf als Jaromir von Greifenstein und Beppo Binder mit dickem Bauch als Ritter von Gumpendorf hervor.

 

SOMMERBühne 7: Ein Weißes Rössl, aber kein Lipizzaner – MUSIKFESTIVAL STEYR mit IM WEISSEN RÖSSL

Musikfestival Steyr/Oberösterreich                                                                              31. Juli

Premiere

In der Industriestadt Steyr, beim etablierten Musikfestival unter der Leitung von Karl-Michael Ebner, hält heuer das lustige Salzkammergut Einzug. Besser gesagt spielt man Benatzkys „Weißes Rössl“, das sich nicht ganz zwischen Singspiel und Tourismusklamotte entscheiden kann.

Man hat auch während der Handlung das Gefühl der Zerrissenheit. Denn die Regisseurin Susanne Sommer schwankt wagemutig zwischen ernst zu nehmendem, nostalgischem Urlaubsidyll und sehr kitschigen, teilweise unpassenden modernen Einlagen. Ein homogenes Bild ergibt sich da eigentlich nicht. Einmal so, einmal so versucht man das Publikum in den Bann zu ziehen. Aber Bauhelme vor dem traditionsreichen Hotel? Das in letzter Zeit beliebte Mittel, „kleinere“ Videoprojektionen einzuflechten, nunja. Nun zu den Akteuren: Als Zahlkellner Leopold manövriert sich der honorige Kammersänger Josef Luftensteiner durch das Singspiel, macht es gut, wiewohl ihm die Rolle sicher nicht auf den Leib geschneidert ist. Seine (nicht nur) Bühnen-Partnerin Martina Dorak kontert ihm als resche Rösslwirtin deftig und herzhaft und erliegt erst zum Schluss seinem Charme. Gesanglich fügen sich beide harmonisch zusammen. Gesamt gesehen ist dieses „Rössl“ stimmlich eher karg besetzt, im Ensemble gibt es große Unterschiede. Daniel Serafin (mit lächerlich ungebührlicher Einlage im roten Mini-Auto – wem fiel das ein?) als golfspielender Rechtsanwalt Dr. Siedler und Lisa Maria Greslehner als badendes Klärchen (mit viel Haut) sind darstellerisch guter Durchschnitt, gesanglich beide besser. Rita Nikodim als Ottilie und Michael Havlicek als Sigismund (die Glatze wirkt dermaßen künstlich!) mühen sich, lustig zu sein. Und was hat denn ein Karl Lagerfeld im Salzkammergut zu suchen? Dieser Kunstgriff schien nicht logisch. Der Giesecke von Andreas Mitschke mag unterhalten, mehr schon nicht. Nett angelegt und modern hingegen Hinzelmann: Ewald Reiter. Der altersmilde Kaiser, zu agil gespielt von Kammersänger Harald Serafin, bekommt Aufmerksamkeit vom kleinen Blumenmädchen und lässt sich gebührend und rührend empfangen. (auch hier wieder: äußerst künstlicher, unpassender Bart, es ist einfach a bissl a G´frett mit der Maske heuer!) Man bekommt auch ungewohnt für dieses Stück von Einigen nackte Haut zu sehen. Sollte denn das der Inszenierung förderlich sein.. Obwohl Dr. Siedler für die Damen und das Klärchen für die Herren sicher für einen angenehmen Anblick sorgen.

Ein Lob gebührt einmal mehr auch Siegfried Andraschek für die profunde, wenn auch instrumental dünn besetzte Interpretation.Ein etwas durchwachsenes „Rössl“ also. Aber natürlich bekommen sich am Ende alle, wie es sich gehört.

-Martina Klinger-

Information: Spielzeit: 30. Juli bis 15. August Schlossgraben von Schloss Lamberg, alternativ bei Schlechtwetter: Stadttheater Steyr

Link: http://www.musikfestivalsteyr.at

SOMMERBühne 3: Auf hoher See mit sehr viel Schmäh – SEEFESTSPIELE MÖRBISCH mit Eine Nacht in Venedig

Seefestspiele Mörbisch. Burgenland

Die gewohnte Opulenz zu zeigen, war offenbar heuer Intendantin KS Dagmar Schellenbergers Ziel bei den Seefestspielen Mörbisch. Dies ist sehr gut gelungen. (Lesen Sie hier eine Vorschau vom Kulturpavillon im Dezember 2014: Lagunenstadt im Burgenland-nächstes Jahr) Dieses schöne Werk ist die ewig aktuelle „Nacht in Venedig“ von Johann Strauss, übrigens seine einzige Operette, die in Berlin uraufgeführt wurde (1883). Sanft und an manchen Stellen weniger sanft, aber sehr effektiv wurde sie in die Gegenwart geholt.

Eine durchwegs stringente und amüsante Änderung am Original wurde vorgenommen: Caramello ist hier in Mörbisch nicht der Leibbarbier des Herzogs, sondern sein erster Offizier. Warum das? Weil der Herzog der Kapitän seines eigenen Schiffes ist: Die HERZOG von URBINO (imaginär der Reederei MSC zugeordnet) legt in Mörbisch vor Anker. Es ist ein Riesen-Dampfer, ein Kreuzfahrtschiff, das schon von Weitem alle Blicke auf sich zieht. Bewegt wird diese überdimensionale Kulisse per Rad im Hintergrund von „acht Technikern, die sich das Fitnessstudio sparen“, wie die Intendantin im Vorfeld erklärte. Die liebevoll gestaltete Kulisse mit Trattoria und sonstigen original italienischen Einrichtungen stammt von Walter Vogelweider. Spektakulärer Genuss für das Auge. In Punkto Genuss für das Ohr kommt man heuer als anspruchsvoller Operettenbesucher auch nicht (viel) zu kurz. Hierfür sorgen meistens die Hauptpartien: Herbert Lippert begeistert als Herzog von Urbino (oder Kapitän), der seine Kapitänsmütze auch schon einmal launig gegen ein Kostüm im Stil von Jack Sparrow aus „Fluch der Karibik“ tauscht; Mirko Roschkowski als sein 1. Offizier gibt sich große Mühe und wird belohnt. Einen lustigen und stimmlich guten Pappacoda liefert Roman Martin ab. Die Annina, reizvoll verkörpert von Elena Puszta, hat ein bisserl mit der Höhe zu kämpfen. Verena Barth-Jurca als Ciboletta singt gut, darstellerisch ist sie sehr flott unterwegs. Die tanzenden Karnevalsbesucher (Choreografie von Mirko Mahr von der Oper Leipzig) hübschen die Szenerie auf.

Die große Cinemascope-Bühne will, wie auch jedes Jahr, mit Leben gefüllt werden. Der Dampfer ist ohne Frage das zentrale Element dieser sehr flotten Inszenierung mit markigen Sprüchen. Für diese sorgte jemand, den man so gar nicht der Operette zuordnen würde: Joesi Prokopetz. Er frischte ein wenig den Text auf und sorgte sich sogleich um die „Sitten“. Aber bitte, wir sind hier nicht im „Zigeunerbaron“. Es ist eine gute Idee, mit Prokopetz ein wenig Kabarett einziehen zu lassen. Er übernahm auch gleich die Rolle des Senator Barbaruccio. Dass man es mit dem Kabarett auch übertreiben kann, zeigte Verena Scheitz als Agricola. Wie sehr sie sich auch müht, Sprechen ist eher ihre Stärke als Singen. Da kommt dann schon die Moderatorin in ihr durch. Darstellerisch sehr in Ordnung.

Zwei mit dem Titel Kammersänger(in) konnte man heuer ebenfalls auf der Bühne bewundern: Die Intendantin Dagmar Schellenberger höchstselbst als Frau Delacqua, Barbara, ließ (nicht nur) mit ihrem Schwipslied aufhorchen. Heinz Zednik als Senator Bartolomeo Delacqua lässt keine Wünsche offen, ein großer Sänger.

Der ebenfalls wie die beiden vorigen Mörbisch-erfahrene Ernst-Dieter Suttheimer (Enterich im „Bettelstudent“) darf sich als Senator Testaccio Lacher holen. Seine Frau Constantia wird von der Tochter des Festspielgründers Herbert Alsen, Marina Alsen verkörpert. Spielfreudig und kokett gibt sie auf der Bühne alles. Newcomer Otto Jaus schließlich komplettiert das Ensemble mit seinem heißblütigen Enrico Piselli, der Barbara ganz stürmisch umwirbt.

Die Regie liegt in den bewährten Händen von Operettenspezialist Karl Absenger, der in Mörbisch schon das „Weiße Rössl“ in Szene setzte. Er führt die Personen durch das heiter-amouröse Treiben. Musikalisch lässt sich unter dem Dirigat von Andreas Schüller nichts beanstanden. Die Musik fließt rasch wie die Wellen vor dem Palazzo Ducale.

-Martina Klinger-

Information:

Alle Spieltermine unter folgendem Link:

http://www.seefestspiele-moerbisch.at/programm/eine-nacht-in-venedig/spieltermine/

Seefestspiele Mörbisch / Bühnenbild für Eine Nacht in Venedig, Walter Vogelweider

Seefestspiele Mörbisch / Bühnenbild für Eine Nacht in Venedig, Walter Vogelweider  (c) Jerzy Bin Photography

Paris in kaltem Blau

Volksoper Wien                                                                                             21. Feb. 2015

Jacques Offenbach war und ist ohne Zweifel ein großer Operettenkomponist, der Vertreter des typisch französischen Tempos und der Schnelligkeit. In der Wiener Volksoper ist sein in letzter Zeit selten gespieltes Werk „Pariser Leben“ (eigentlich eine Opera buffa) zu neuem Leben erwacht.

Eine Scheinwelt wird hier präsentiert, unterlegt mit sehr, sehr hübschen Melodien. Die beiden vergnügungssüchtigen Schweden (Baron und Baronin von Gondremark) werden von der „Festgesellschaft“ empfangen.  Das Bühnenbild (Michiel Dijkema) soll wohl einen Bahnhof darstellen, zumindest lässt sich ein solcher erahnen. Es ist überhaupt kühl und karg gehalten, was man vor Augen bekommt. Pariser Flair bringen erst die Darsteller auf die Bühne. Ceci n´est pas une Operette, steht auf der durchschimmernden Leinwand. Naja. Als Baron von Gondremark ist der sensible, mit einer beachtlichen Stimme ausgestattete Kurt Schreibmayer eine gute Besetzung. Lustvoll und gar nicht hausbacken, dieser Baron, gierig nach der Pariser Luft. Caroline Melzer steht ihm als Baronin zur Seite und in nichts nach. Sie will Paris ebenso genießen, aber eben kulturell in der Oper und nicht wie ihr Gemahl in fragwürdigen Etablissements. Annely Peebo als Metella tut sich schon ein wenig schwerer, vor allem in der Höhe. Daniel Prohaska ist Gardefeu, der sich redlich müht, seine Wohnung in ein Hotel umzufunktionieren. Die Stimme passt zur Figur und somit ist es auch gut. Johanna Arrouas (Pauline), Elisabeth Schwarz (Gabrielle) und Boris Pfeifer (ein toller Brasilianer) fügen sich achtbar ins Ensemble ein. Helga Papouschek gefällt als Madame Quimper-Karadec. Die musikalische Leitung liegt bei Sebastien Rouland. An einigen Stellen sehr laut.

-Martina Klinger-

Fledermaus mit Zuckerguss

Wiener Staatsoper                                                                                                     03.01.15

Zu Silvester spielt das Haus am Ring bekanntlich eine der bekanntesten Operetten von Strauss, die „Fledermaus“. Zu einer Folgevorstellung kam es im Jänner.

Die bewusst traditionelle und der Zeit (1874) angepasste Inszenierung von Otto Schenk. Die klassische Operette mit einem extra „Zuckerguss“. Opulent, ohne modernen Touch. Da charmieren Fracks mit Abendkleidern, da wird der Prinz Orlowsky schwach bei einem „Spaß“ von Dr. Falke.

Aus dem Off singt Alfred (Norbert Ernst). Man hört ihn ziemlich leise, es soll aber auch so sein. Nur hörbar muss er bleiben. Das Stück über bleibt er eher blass, tritt selten in Erscheinung. Adele (Ileana Tonca) ist sogleich begeistert von seinen Gesangskünsten. Tonca tut sich etwas schwer mit der Aussprache des Deutschen, gesanglich ist sie auf einem guten Weg. Sie legt in Stubenmädchen-Manier einen flotten Auftritt hin. Eisenstein (Adrian Eröd, merklich erkältet) ist souverän, trotz ein wenig Stimmschonung. „Wien, Wien, nur Du allein, Adele, komm und sprüh´ mich ein!“ Er ist in seinem Element, schwingt sich sogar zu einer kleinen „Königin der Nacht“ – Einlage auf, als er das Haus verlässt. Beim „kleinen Hunger vorm Gefängnis“ bestellt er Schöberlsuppe, Tafelspitz mit „Fettranderl“, Apfelkren und Sauce sowie Kaiserschmarrn mit Zwetschkenröster. Sportlich hüpft er im Tanz und vom Tisch, reißt sich im 3. Akt spektakulär die Perücke vom Kopf und schüchtert Rosalinde (Juliane Banse) und Alfred ein. Rosalinde ist respektabel besetzt. Im 1. Akt meint man doch glatt bei „Mein Herr, was dächten Sie von mir“ zu hören: „Gleich einer Wachtel fanden Sie ihn mir im Schlafrock vis-a-vis!“ Dabei soll Alfred doch ein „Pascha“ sein. Auch die „Klänge der Heimat“ bleiben leider ziemlich wortundeutlich. Schauspielerisch und gesanglich ist Banse in guter Form.

Gefängnisdirektor Frank (KS Alfred Sramek) weiß wie man mit Zigarren und Zeitungen umgeht. Sein beschwipstes Spiel im 3. Akt ist sehenswert. Die Stimme tut ihr Übriges. Im 2. Akt schmust und tänzelt er sich durch das Bankett. Später ahmt er die Trommel wie in den meisten Inszenierungen mit den Händen nach und „rattert“ Ida (Lydia Rathkolb) und Adele bei „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ hinterher.

Der „actionreichste“ Akt ist aber der zweite. Die Drehbühne ist wahrlich ein „Schmankerl“ für sich, das an anderen Häusern mit dem festlichsten aller Bankette wirklich nicht so umgesetzt werden kann. Prinz Orlowsky (Elisabeth Kulman) freut sich über schöne Tanzeinlagen bei „Unter Donner und Blitz“, choreografiert von Gerlinde Dill und über den grandiosen „Spaß“ von Dr. Falke (Clemens Unterreiner).

Kulman ist als russischer Prinz köstlich und stimmstark, so wie ihr „Iwan“, der sogar fast Räder auf der Bühne schlägt. Unterreiner als Dr. Falke hat Witz, Charme, eine deutliche Aussprache und ist sehr gut bei Stimme. „Brüderlein und Schwesterlein“ ist rührend. Tänzerisch ist er sehr aktiv. Die französische Hymne und der Can-Can beim Fest von Orlowsky, den das Ensemble kurz an-tanzt, sind gute Einlagen.

Dr. Blind (Peter Jelosits) ist schon ab und an im Stück „gewalttätig“ und rammt seine Aktentasche in Bäuche, wenn er wütend wird. Seine „Ho-Ho-Ho-Hose“ will er nicht an Eisenstein abgeben. Schließlich werden es doch Aktentasche, Mantel und Perücke.

Im 3. Akt hat eine skurrile Figur noch ihren großen Auftritt. Das „Froscherl is do“ (Peter Simonischek). Für so manchen Geschmack ist er ein zu „betrunkener“ Frosch, sagt er doch keine einzige Passage, ohne zu lallen. Auf seine Art zieht er das Publikum an und lässt es dann gleich wieder los, um hinaus durch die bewegliche Flügeltür zu poltern. Auf den Bürokasten zieht er sich gefährlich hoch zum Bildnis von Kaiser Franz Joseph, der „für ihn Slibowitz aufbewahrt hat“ (er zieht die Flasche hinter dem Bild hervor). Der Mann befriedigt als Frosch die Gemüter. Singen kann er nicht, wie er auch betont: „Ich singe nicht mit Dir, ich habe eine Sprechrolle!“

Patrick Lange führt das Wiener Staatsopernorchester durch die lustigste Strauss-Operette. Schon bei der Ouvertüre (A-Dur) entfaltet das Orchester einen feinen, großen Klang.

Ein sehr gelungener  und abwechslungsreicher Abend!

Martina Klinger

 

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